ßersfelöer Tageblatt
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durch die Post bezogen 7.80 Mark. bei freier Zustellung ins Bau».» druck und Verlag von Ludwig Kunks Buchdruck«« in Hersfelö.
Nr. 175
Freitag, den 29. Juli
1921
Trockenheit und Ernte.
6* Die anhaltende Dürre der letzten Wochen hat die w ganzen guten Ernteaussichten verschlechtert. Deutich geht das aus den Mitteilungen hervor, die die ver- lnttvortlicheu Stellen einem Mitarbester des Berliner "ageblattes machten. So erklärte das Reichsernäh- ungsministerium: Die Ausdehnung der Dürre erstreckt ich fast über das ganze Reich. Besonders betroffen sind las Rheinland, Mecklenburg, Schleswig-Holstein, die Künden Teile Preußens, sowie ganz Süddeutschland. Die wenigen Regenfälle der vorigen Woche in Ostpreu- eu und im Rheinlande waren völlig ungenügend. Die Wirkungen der Trockenheit sind, was das Brotgetreide inbetrifft, bisher nicht erheblich. Beim Brotgetteide ist eine gute Mittelernte zu erwarten. Dagegen sind die Schädigungen der Gerste und besonders des Hafers be- kerts erheblich, da deren Entwicklung sehr behindert ldurde. Sollte die Dürre weiter anhalten, so ist deshalb ein ungünstiger Ausfall der Gersten- und Haferernte zu beMrchten. Sehr schlimm steht es mit der Kartoffelernte. Aus fast allen Teilen des Reiches wird gemeldet, daß die Kartoffelpflanzen vielfach absterben. Dieser Ausfall Aird naturgemäß auch die Kartoffelversorgung beeinflussen. Die Kartoffel ist mit ihren leichten Wurzeln vielmehr beeinflußbar als etwa die Zuckerrübe, deren Entwicklung die Dürre nicht übermäßig beemflußt hat. Verheerend hat die Dürre auf die Fntiererute eingewirkt. Das Wachstum ist auf den Wiesen und Werden Ällig ztlm Stillstand gekommen. Die Heuernte hat in Einigen Teilen des Reiches so geringe Erträge gebracht, taß 'die Besitzer kaum wenige Monate damit reichen können. Die wettere Folge des ungünstigen Futterbestandes ist, daß viele Bauern ihr Vieh verkaufen, weil sie glauben, es nicht durch den Winter bringen zu können. So hat die Landwirtschaftskammer im Rheinlande dre Bauern bereits vor übereilten Verkäufen warnen müssen. Diese Viehverkäufe haben schon ein Sinken der Kreise im Viehgroßhandel zur Folge gehabt. Im Kleinhandel umcht sich eine solche Tendenz allerdings bisher Lock nicht bemerkbar. Die Landwirtschaftskammern in Schleswig-Holstein und dem Rheinlande haben sich auch W das Ernährungsministerium mit dem Anträge um Herabsetzung ihres Ablieferuugspflichtquantmrcs gewandt, eine Bitte, die mit der Schädigung der Ernte Lurch die anhaltende Dürre begründet ist. Auch nach den Berichten und den Ueberblicken der landwircichast- Meu Hauptgenossenschaft hat die Dürre das lirotge- ztiierttWwei^
sowieso um diese Zeit der Reife /Wabe und mußten zum Schnitt kommen foday die heiße Witterung keine bemerkeriswerte schädigenden Wrrkun- Len auf die gereifte Pflanze ausüben konnte. Dagegen Wben Hafer und Gerste durch die anhaltende Dürre B k erheblich gelitten.
Die gefährdete Ernte.
^Berlin. (8. A.) Am Freitag finden m Berlin sXp&nge? der ErnährEsmiMster ^r Ländestatt, «m BsrSeugu«gsmatz«ahMeN gegen die durch L.e Dürfte gefährdete Ernte zu beraten.
Landarbeiterstreik in Sachsen.
In der Amtshauptmannschaft Leipzig fft am Mttt-
Sett ihrem Höchsten Stand gegen Ende Dezember 1920 sind die Preise, außer bet Schweinen, durchweg gesunken, was aber mehr auf die erhöhten Auftriebszahlen zurückzustihren ist. Die anhaltende Trockenheit wird aber den Märkten noch weiter höhere Austrrebszahlrn
den
aenormnen hat, indem sogar das Herernholen des Juttas für das Vieh verweigert wurde. Ueber die Entstehung des unvermuteten Strerks unrd mitgeteübhdatz ursprünglich zwischen den Arbeitgebern und den Arbert- nebmern über die von letzeren erhobenen Lohnforderungen Einigkeit bestanden habe. Im letzten Augenblick stüen jedoch von den Landarbeitern wertere schr erheb- «He Fordernnge« in bezug auf Lohn-und Deputater- Höhungen gestellt worden, die von den Arbertgebern als unannehmbar abgelehnt wurden.
Drobender Erntestreik in Mitteldeutschland.
»-» Wie die in Halle erscheinende „Allgemeine Zeitumz Mr AMteldeutschlaud" erfährt, rst infolge der von Unks- radikaler Seite geführte« Agitatton Samft zu rechnen, daß am koMmeudeu Mvntag die Laubarbeiter in MitteldsutsÄlaNd in den Streik treten werden. Dre LandarSeiter fordern eine iWprozeutige LsSuerhS-ung. IN radikalen Kreisen hofft man, wenn dieser Laud- mbeiterstreik gelingt, anch die Berga^eiter des Brauu- kohlenreviers zur Riederlegung der Arbeit zu zwtngen.
Rückgang der Viehprerse.
Die nun schon seit Wochen anhaltende Trockenheit in Deutschland hat in vielen Gegenden Wiesen und Weiden völlig verbrannt. In einzelnen Provinzen hat die Dürre bereits eine Katastrophe hervorgerufen, und die Bauern sind gezwungen, ihr Vieh zu jedem Preis zu ^rschleudern, well es an Futter fehlt. Die GestaltUW der Vtehpr'f wie die nachj
Hauptmärkten wurden . ,«* *8* 'Ld-,
gezwungen, ihr Vieh zu jedem Preis zu ein, weil es an Futter fehlt. Die Gestaltmig greife seit siufhebung der Zwangswirtschaft ist, ÄT^
Kälber Schafe
' Oktober 1920 November ,
Dezember Januar Februar März April Mai.
19Z1
300—800 450-850 300—900 400—800 250—750 250—750 300—800 300—775 250—750
500—1000 400—800 400—1000 400—800 500—1200 450—800 600—1200 400—750 500—1100 400-7-700 500—1100 400-700 400—1000 400—700 500—1000 350—600 400—1000 300—625 400— 975 275—600
Schweine 900—1500 1200—1550 1250—1650 1200—1500 1100—1350 1000—1250 950—1250 950—1250 1000—1250 1025—1350
bringen, und, sofern das Vieh tatsächlich auf den Markten zum Verkauf kommt, werden sich die Preise auch weiter nach unten bewegen müssen. Für den Herbst wird alsdann der Auftrieb zu den Märkten wieder g^ ringer werden, und die Preise, die jetzt nur unwesentlich zurückgehen, werden, wie der „Lok.-Anz." ichreibt, schließlich im Herbst erneut anziehen, anstatt des allgemein erwarteten Preisrückganges, am Vieh- und Fleischmarkte. Selbst die Vieh- und Fleischetmuhr aus dem Auslande, die schon im abgelaufenen Jahre stark gesteigert wurde, wird kaum neirnenswert zur Verbilligung der inländischen Vieh- und Fleffch- preife beitragen.
Wrmsche des Fleifcherverbaudes.
»* Der am Mittwoch in Bremen eröffnete 41. deutsche Fleischerverbandstag beschloß u. a., an die matzgeben-
• den Regierungsstellen Heranzutreten wegen restloser Beseitigung der noch bestehenden erschwerenden Verordnungen über den Vieh- und Fleischverkehr.
Die Hungersnot in Rußland.
Die Sowjetregierung gesteht endlich ein, daß die Hungersnot im Wolgagebiet bereits seit dem März und stellenweise seit Mitte des Winters mittete. Die Hütten sind verlassen, die Höse verödet. Die Landbevölkerung dringt in die Städte, um Brot zu erbetteln; die Städte wiederum stellen Herden kraftloser, vom Hunger aufgeriebener sterbender menschlicher Körper dar. Von 1000 Menschen sind 800 zur Arbeit und jeglicher Anstrengung ««fähig, kräftigere irren in Massen durch die Felder, verdörrte Pflanzen raffend, um den Hunger zu stillen. Ratten und Feldmäuse sind längst unerreichbare Leckerbissen geworden. Gefallenes Vieh und Aas wird gierig verschluckt. Der kleinste Bissen Brot ist unerreichbar. Eine Mischung von Wurzelmehl, gemahlene Biehkno- chen und Lebm bilden Ersatz. Wohin das Auge reicht, sieht man gefallene und sterbende Menschen. Moskauer Telegramme bestätigen, daß die Pest und die Cholera in Petersburg weiter um sich greifen und schon 5000 Opfer gefordert haben. Man bat inzwischen neue Seuchenherde in Moskau festgestellt.
Hunger — ««d kein Ausweg!
r^ WeterLburg. Angesichts der Verschlimmerung der Ernährrrngs 3 >^ in Rußland- tt .de^ L en Fabrrkerr ÄÄWSS1 in den Alexandrow-Werken wurden nach Kenntnisnahme eines Berichtes über die Berpslegungslage, den der aus Moskau eingetroffene Leiter des dortigen Ver- pflegungswesens verlas, keinerlei Beschlüffe gefaßt, weil kein Ausweg aus der verzweifelten Lage vorgeschlage» werden konnte.
Das große Fragezeichen.
Mit gutgespielter Komödie drückt das Northeliffblatt Times seine Befriedigung über den angeblich glänzmr- den Verlauf der englisch-französischen Einigungsbestre- bungen über die oberschlesische Frage aus und memt, daß der Oberste Rat, selbst wenn er die Erwartungen, die man in ihn setzt, auch nicht völlig erfüllt, doch viel zur Beruhigung der beiden Lager diesseits und jenseits des Kanals bettragen würde. Man spricht in der Entente jetzt allgemein von einem Kompromiß, obgleich das englische Unterhaus in einmütiger Entschttetzung den französischen Standpunkt in der oberschlenschen Frage au?L schärfste angegriffen und getadelt hat Und bei näherer Betrachtung der ganzen Sachlage wird man sich auch der Erkenntnis nicht verschließen können, daß es sich hier um eine Machtfrage zwischen der «tßlW» «ud frauzöfischen Stellung in der Weltpolrttk handelt, und daß hierbei das oberschlesische Problem nur eine untergeordnete Rolle spielt. Lord Curzon hat rn seiner Unterredung mit dem französischen GeichaftMrager m London rund heraus gesagt, daß gegenwärtig Frankreich mit seiner großen und starken Armee den Kontt- nent beherrsche. Ein solcher Ausspruch aus dem Munde eines englischen Diplomaten enthält sicherlich Leine FreiMdschastsgefühle für den, an den er , gerichtet ist, und sei es selbst Frankreich. Natürlich wird rnan uck in Boulogne mit Oberschlesien zu beschäftigen haben, und man wird ferner Paris zu verstehen geben, daß e^ ja am Rhein genug Truppen stehen habe, um un gegebenen Augenblick Deutschland seinen Willen aufzuzrmn- geu. Frankreich wird hier auch natürlich antworten, daß es für die Sicherheit MitteleuroMs unbedingt notwendig wäre, daß die Ruhe in Oberichlesien in allerkürzester Zeit wiederheraestellt werde. Kein Vernünftiger wird iüm das abstreiten können, aber hier spieltba§ „Wie eine viel größere Rolle als das „Was Auf welcher Art Frankreich den Frieden in Oberschlesien, befestigen will, das siebt auf einem andern Blatt geschrieben, und der amerikanische Oberst House hatte nicht so unrecht, als er in einem Briefe an den Herausgeber emesBlat- tes in Philadelphia schrieb, daß es, für die Ruhe Mitteleuropas auf keinen Fall gut wäre, wenn man überstürzt eine Entscheidung der oberschlesische« Frage her- beirufen würde, und wenn man dabei den Meinungen in Frankreich nachgäbe. Wie die Times mtf vorsichtige Weise schon die Hoffnungen, die man auf die Tagung des Obersten Rates setzte. einzudammen^versirchte, so wird man auch in England und Frankreich nicht beson- . dcrs entiäirWJein. «. Ä» auf. Oberschlesien
der Oberste Rat keine EMfcheirn«« treffen wird. Da» Orient-Problem, die Stellungnahme zu Rußland, die Hilfsaktion für Oesterreich und Mttteleuropa, die Balkansrage, die Verhältnisse im Pazifischen Ozean, all das sind die Dinge, über je man sprechen wird und muß, und von ihrer Lösung wird es abhängen, von den Vereinbarungen, die man über sie treffen wird, wie sich daS Verhältnis zwischen Downing Street und Quai S-Orsay in der nächsten Zukunft gestaltet. Daher ist eine Klärung der Lage in der nächsten Zukunft überhaupt garnicht zu erwarten.
Kabinett und Oberschlesien.
♦* Berlin. Auch am Mittwoch fand wieder eine Sitzung des Reichskabinetts statt. Es wurde wiederum die oberschlesische Frage behandelt. Nach einer Erklärung des französischen Botschafters ist ein weiterer Schritt der französischen Reoieruug in der Frage der Truppensendungen nach Oberschlesien erst nach der Sitzung des Obersten Rates am 4. August zu erwarten.
Verteuerung der oberfchlefische« Kohle.
>* Königshütte. Die Arbeiter in Königshütte hielten eine Protestversammlung gegen die Verteuerung der oberschlesischen Kohle ab. Es wurde ein in euergifmen Worten gehaltener Protest an die 3 uteralliierte Kom- Sut, die die Preiserhöhung inzwischen „ HM, tet Wenn die Kohlenpreiserhöhung nicht rückgängig gemacht wird, soll eine 8oh«erHSHm»g von 30 Prozent gefordert werden.
Die Eulwertuug OberschlesienS.
** Zur Zeit wird die oberschlesische Eiseninöui durch diejenigen Aufträge beschäftigt, die die regierung erteilt oder in sichere Aussicht gest Aber auch die Staatsaufträge bieten an und einen Anreiz, die Betriebe aufrecht zu erhalten, gezahlten Preise in keinem Verhältnis stehen Herstellungskosten. Trotzdem wird es für die o fische Eisenindustrie nicht möglich fein, höhere 3 fordern, weil sie die Preise nicht im Gegensatz Weltmarktpreisen stellen kann. Es wird daher sondere Aktton des Reiches notwendig sein, um ö schlesischen Eisenwerken diejenigen Pttllioneuwe..— der zu ersetzen, die während des Polenaufftandes ver
durchaus nicht in der Lage find, an Neuanschaffungen zu
denken.
Die Angst vor Deutschland.
Das. syaenauvie ^vbnrl7-t?i^m^o.?t^ ^s.. ^lh^ immer possenhafter. Man erkennt in Handelskreisen. die Unmöglichkett feiner Durchführung an und erwartet deshalb ein heilloses Durcheinander. Der Außenhandel wird zum völligen Stillstand kommen, wenn aus den für das Gesetz entstehenden Interessentenkreisen die Schutzforderungen gegen Auslandswaren einlaufen und deren Preise durch den auferlegten Schutzzoll geändert werden müssen. Die Einkünfte werden gering sein, umso größer aber die Ausgaben und die GeschästZenrschä- digungeu. Plan glaubt, es werde ein ganzes Jahr vergehen, ehe das neue System einigermaßen glatt arbeiten kann. Selbst Schutzzöllner erkennen die Schwäche« des Gesetzes an, nach besten gegenwärtigen Veftimnmngen z. B. ein Klavier, das aus Frankreich eingeführt würde, 23 Pfund Sterling Zoll kostete, während für ein gleichwertiges deutsches Klavier nur 11 Pfrmö zu zahlen wären. Die der Koalttion migehörenden Freihändler gestehen offen, sie stimmten aus dem Grunde für das Gesetz, damit die Tarifreformer auf lange Zeit von ihren Schutzzöllen genug besamen. Keiner aber verhehlt tid), daß das ganze Gesetz seinen Urfprrmg lediglich einer grandiosen Angst vor dem deutschen WeMe- werb verdankt.
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Die Seutsch-franzöfische« Vcrhanöluuge».
»-»- Basel. Die deutsch-französischen wirtschaftliches Verhaltblungen sollen in dieser Woche wieder aufM- nominell werden. Gegenwärtig beschäftigt man sich damit, die Protokolle über die bisher geführten Verhandlungen üurchzuseben. Solange diese Arbeit nicht beendet ist, wird die deutsche und die französische Regierrmg das Abkommen nicht ratifizieren. Selbst nach der Rattfittr- timt des STblommenS sollen in der Praxis noch große Schwierigkeite« zu überwinden sein. Inzwischen hw die französische Regierung allen alliierten Regierungen die Memoranden über den Verlauf dieser Besprechungen übersandt, und zwar deshalb, wett sich die englisch Legierung in einer Note über die Verhandlungen be schwert hat.
Washington — am 1. November.
** Paris. In einer Besprechung zwischen dem ane rikauischeu Botschafter und Briand wurde als Tag fü. die Konferenz in Waibrngtoit der L Rovencher festgesetzt.
Die Bedtvguuq Japans.
o-* London. Aus Tokio wird gemeldet, daß die japa Nische Regierung die Einladung zu der Konferenz in Washington nur unter der Bedingung angenommen ha datz die durch den Berjailler Vertrag bereits gereckt Fragen im Verlaufe der Konferenz nicht noch eimr erörtert werden.
Die rückftSn-igea Kohleutteseru-ge«.
e* Ge-f. Nach einer Meldung der HavaS fallen c deutschen Koblenlieferungen auch im Momft Juli dv vorgeschriebene Quantum nicht erreicht haben. Es n mitgeteilt, daß die Juli-Lieferungen um StOOOO T-«nc hinter den vereinbarten Stiftungen zurückgedktedc! f. z j
250-650