Hersfel-er Tageblatt
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Nr. 809
Mittwoch, den 7. September
1981
Die walte KkkervwiMaglmg.
Die zweite Tagung der Völkcrbunösversammluug wurde Montag vormittag im Genfer Neforumtionssaal Mm Vorsitzenden des Völkerbundes, Wellington Koo- ' Khina, eröffnet, der die Versammlung und besonders I die neuen Mitglieder des Völkerbundes begrüßte und betonte, daß im letzten Jahre nur 41 Staaten an der -Versammlung teilgenommen hätten, während diesmal 48 dem Bunde angehörten. Das sei ein deutliches Zeichen für den Fortschritt des Völkerbundes zur Univer- - salität und sei wichtig für das Ansehen des Bundes. Wellington Koo gab dann einen ausführlichen Ueberblick ■ über die bisherigen Arbeiten des Völkerbundes. Auf die Tagesordnung dieser Versammlung sei an erster i Stelle die Wahl der Richter für den inteumtionalen Gerichtshof gesetzt, ferner die Anträge auf Abänderung des Paktes und die größte aller Fragen, die Abrüftungs- frage, die zwar langsam aber sicher sortschreite. Wellington Koos' Ansprache schloß mit der Versicherung, daß der begründete Völkerbund in seinem Sinne ein Staat über den Staaten sei, aber wohl eine Vereinigung der Nationen, die dazu bestimmt ist, die schrecklichen Kriegskatastrophen zu vermeiden, auf praktische Weise die - Führung der internationalen Geschäfte zu'erleichtern und einen Zustand allgemeinen Wohlstandes der Menschheit zu entwickeln.
: . Auf der Tagesordnung der ersten Sitzung steht die Wahl des Präsidenten der Versammlung und des Vizepräsidenten. Es erregte eine gewisse Ueberraschrmg als der Vorsitzende mitteilte, daß man die Wahl auf nachmittags verschieben werde, um den Mitgliedern Zeit zu lassen, sich über die Kandidatur zu verständigen. Schließlich ernannte die Völkerbuudsoersammlunä eine Kom- mission zur Prüfung der Vollmachten der Delegierten, die aus acht Mitgliedern besteht, unter denen sich anch der österreichische Delegierte, Graf Menzdorf befindet.
Die Bölkerbundsversammlnnq trat nachmittags kurz nach 4 Uhr wieder zusammen. Die Kommission für die .Prüfung der Vollmachten konnte das Ergebnis ihrer -Arbeit noch nicht vorlegen, da verschiedene Delegierte noch keine Vollmachten vorweisen konnten. Die Prü- stmg wurde auf die nächsten Tage verschoben. Man > schritt hierauf zur Wahl des Präsidenten und des Vizepräsidenten. Balfour-England schlug Karnebeek-Holland vor, Jonescu-Rumänien brächte da Cunha-Brastlien in "Vorschlag. Nach einer kurzeir Debatte wurde beschlossen, sofort zur Wahl ohne Nominierung übcrzugeheu. Bei ?^^.....mjgg**** "Z"" wem Einige Stimmen waren zersplittert. Da niemand -die absolute Mehrheit erzielt hatte, mußte mr zweiten Wahl geschritten werden. Im zweiten Mahlgang wurde Karnebeek-Holland mit 22 Stimmen zum Präsidenten der Völkerbundsversammlurrg genrählt, während da Eunha 15 Stimmen und Motta-Schweiz eine Stimme ierhielt. Das Ergebnis wurde mit lebhaftem Beifall be- grüßt, an dem sich die französische Delegation nicht be- ^^ D-te Wahl des holländischen Autzelttnrntsters zum Vorsitzenden der Hauptversammlung des Völkerbunds- totes wird in Berliner politischen Kreisen allgemein als ein Sieg der englischen Politik ausgelegt.
Um Overschlesiens Schicksal.
Die „Morningpost" meldet aus Genf: Der englische Vertreter im Volkerbundsrat hat den offiziellen Anttag seiner Regierung gestellt, je einen deutschen und polnische« Bevollmächtigten über die Absttmmungsergebnisse und deren Beurteilung zu vernehmen.
Das Abkommen von Wiesbaden.
w In der Kabinettssitzung am Montag wurde ein Vorläufiger Beeickt des WiederaufvaUMimstermms über die zwischen den Ministern Loucheur und Rathenau in Wiesbaden gepflogenen Verhandlungen erstattet. Gemäß der mit der französtschelr Regierung getroffenen Vereinbar,tug können Mitteilungen über den Inhalt des Abkommens noch nicht gemacht werden. Bei den in der französischen Presse darüber enthaltenen Veröffentlichungen' handelt es sich nicht um authentische Mitte,- Lungen, sondern um veraltete und längst überholte Vertragsentwürfe. — Die bayerische Frage war, wie wir hören, in dieser Sitzung nicht Gegenstand der Tagesordnung.
Aus OberschLesten.
Schwere Ausschreitungen französischer Soldaten.
,W Am letzten Sonntag haben sich.die französischen Beiatznuastruppen in Oberschlesien einer Reihe von Ausschreitungen schuldig gemacht. Bei Eintritt der Dunkelheit zog in Königshütte eine Grnvpe Franzosen über die Kaiserstraße und belästigte die PasiaMeu. In mehreren Fallen wurden Fnßganaer beschlmvft nud derartta mißhandelt, daß sie erhebliche Wunden davon- truaen ^m einzelnen sind folgende Fälle bekannt geworden- Hüttenarbeiter Alfred Dylla wurde abends Iftstictt stsittß tcbCit ^THltf) UtiM)^^^^‘ vltttCttvC Hautabschürfungen am linken Ellenbogen. Kurz vvrher wurde der Arbeiter Franz Lehnbari. von N'^umsischem Soldaten angerempelt und dann in die H""e üestochen. Ihm mußte ein Notverband angelegt wetten, da die ' Wunde stark blutete. Gegen 11 )lllr wurhe ber Gymnasiallehrer Paul Tenber von französischen Soldaten mit gezogenem Bajonett bearbeitet. Er tru^ eine klaffende Kopfwunde davon. — Wie ver -T. U. nachtraa- lich noch bekannt wird, war schon zwischen 8 und 8,« Ubr
Das Ehepaar HeWemaE von frallzösWen SÄdaten Überfällen und mißhandelt worden. Ferner haben be- tnmfyte französische Soldaten noch einen jungen Mann mißhandelt.
»* Amtlich wird aus Kreuzuach gemeldet, daß am Mittwoch abend auf der Eisenbahnbrücke bei Kreuznach der Eisenbahnsekretär Matches und der Lademeister Obmann von vier französischen Soldaten angehalten und mißhandelt wurden, sodaß sie ärztliche Hilse in Anspruch . nehmen mußten.
Zusammenstöße in Oberschlesie«.
. ** Breslan. In Gleiwitz und Kattowitz haben Zu« samMenstotze zwischen Deutschen und Franzosen statt- gefunden. Einzelheiten über die Vorgänge werden von der Zensur im besetzten Gebiet unterdrückt. Es verlautet zuverlässig,- daß eine Anzahl Deutscher von den Franzosen verhaftet wurde, um vor ein Kriegsgericht gestellt zu werden.
Die Beratungen der Viererkommissio«.
^ Berlin. (F. G. A.) Nach den letzten Berichten machen die Genfer Verhandlungen über die oberschlesi- Me Frage gute Fortschritte. Bezeichnend ist, daß der Korrespondent des „Matin" die anten Fortschritte nicht auf die Beratungen der Viererkommission zurückführt, sondern auf die hinter den Kulissen stattfindenden privaten Besprechungen zwischen Balfour und Bourgois, denen beiden von ihren Regierungen die Hände nicht gebunden sind.
Dsr frisierte Bericht über die Ksuzlerrede.
^ Ueber die Kanzlerrede am Sonntag ist durch Wolff- büro ein amtlicher Bericht veröffentlicht worden, der in wichtigen Punkten von der ersten Darstellung abweicht. Das Berliner Zentrumsblatt, die ,,Germania", die über die Kanzlerrede offenbar nach einem eigenen Steno- graunn berichtete, enthält in ihrer Montagabendausgabe u. a. die Stelle, in der der Kanzler auf die Novemberrevolution zu sprechen kommt und sagt:
„Wo umreit diejenigen, die heute Sündenböcke in anderen Lügern suchen? In den Mauselöchern waren Sie!"
Stach diesem Bericht hat auch der Reichskanzler feinen Gegnern vorgeworfen, daß sie die Freiheit der Verfassung mißbrauchten, und hat in diesem Zusammenhänge von einer Affensreiheit gesprochen. Die stenographische Stelle, wo davon die Rede war, daß, wo auch immer die Reaktion ihr Haupt erhebe, das werktätige Volk zur Stelle sein werde, lautet nach der „Germania":
„Wo sich das Haupt einer Mörder ^chen Reaktion
werden rus-
**• Der
e......... ... .. ._.... dem Volksstaate ihr
auch ihr Leben widmen '
Die B. S.-Korr-espondenz, deren Bericht am Montag die meisten Berliner Blätter veröffentlicht haben, schreibt zu der Rede Dr. Wirths: ^ unser Bericht sich getreu an die Ausführungen 4,r. Wirtbs gehalten hat. Wenn in dem Wolfs bericht gewisse Abschnitte der Rede eine farblose Darstellung^ haben, so ist das so zu erklären, daß sich der Wolffbericht auf das am Sonntag in der^tadthalle anfgenommene Stenogramm stützt, das vor der Vcrossent li chung einer Zensur unterworfen worden ist. Wir betonen nochmals, daß wir unsere Darstellung in allen Teilen aufrecht er-
halten."
Achtung vor der Wehrmacht.
Der Reichspräsident hat eine, Kundgebung für die Wehrmacht des Reiches erlassen, in der es u. a. hertzt. Die politische Erregung der letzten Zeit führte bedauer- ttcherweise dazu, daß in verschiedenen Fällen Angehörige der Wehrmacht in den Straßen ohne jeden Grund angegriffen, belästigt und sogar mißhandelt wurden. Ter- arttae bedauerliche Ausschreitungen finden nur dadurch ihre ^Erklärung, daß die Uniform in den volttifc^n Streit der Parteien hineingezogen wurde. - Durch die Berordulma des Reichspräsidenten auf Grund des Ar- fikel« 48 der Verfassung und auf besondere Befehle des ReMsivehrministers ist für die Zukunft jeder Mißbrauch der Uniform verhindert. Die Regierung muß daher von allen Kreisen des Volkes und allen Parteien verlangen, sie in ihrem Bestreben der Wehrmacht des Sie§ und der ihr gebührenden Achtung Geltung zu verschaffen, zu unterstützen. Der Soldat ist ein Mirger im Waffenrock, der Vertreter der verfassungsmäßigen
Wehrmacht des Reiches.
Fortgang der Verhandlungen mit Bayern.
Berlin. Der bayerische Staatssekretär Süüoener ist Dienstaa früh nach Berlin zurückgekehrt. Noch im Laufe des Dienstags sollen die Verhandlungen mit der Neicbsreaieruna aufgenonnnen werden. Am Frertag wird der Reichskanzler dem Ueberwachungsausfchutz des Reichstages darüber berichten. Jedenfalls soll bis Ende der Woche die endgültige Entscheidung in der baye
rischen Angelegenheit fallen.
Bayerische Verstimmung.
»* München. Die „Münchener Zeitung" meldet: Im Laufe der letzten beiden Tage hat die bayerische RW eine bedauerliche Verschärfnug erfahren, nachdem die Verhndlungen in Berlin bereits die bestimmte Aussicht auf eine glückliche LM«S eröffnet hatten. Die R^ des Reichskanzlers am Sonntag ist eine «»erhütte Beleidigung der bayerischen Regierung und hat große Knudgebuuge« in ganz Bayer« gegen das Reich aus- aelöst.
Bayrrscher Minifrerrat. ,
Qp> Der bayerische Ministerrat am Montag endete itt einer Vertagung der Stellungnahme des bayerische« adineftS bis zum Abschluß der bereits eingeleite«! leryaüölungett mit der Reichsregierung in “ " sie Kabinettsitzung Lüüeröe drei Stunden. Der । kretär Schweyer ist nach Berlin !esprechungen mit der Reichsre,
irückge kehrt.
-----....^„o.„w weidettX, Dienstag wieder ausgenommen. — Die „MünMre Abendzeitung" stellt fest, daß durch die Drohrede de . Reichskanzlers die Lage außerordentlich erschwert Mtt den ist Die Drovrede des Reichskanzlers fei unterm stützt worden durch die Stellungnahme der Sozialdemo^ traten. Auf einer Konferenz der sozialdemokrattscheu Führer in Berlin wurde zum Ausdruck gebrE, c«8 die gesamte Arbeiterschaft hinter der Reichsregierutw stehe.
Der Nachfolger des Miesbachers.
**■ In Miesbach ist am 6. September die Nummer - öes ersten Jahrganges des „Miesbacher Tageblattes" Verlage von Paul Wolfs erschienen. Für die Red zeichnet Prosepor Peter Sternpfle in Miesbach.
Blatt hat das Format und die Aufmachung des „Mi bacher Anzeigers", der sein Erscheinen eingestellt hab und verkauft worden ist.
Die rote Fahue. ;
München. Aus Passau wird berichtet, daß sich diez Bayerische Volkspartei im Reichstage in einer JnteV-; pellatton gegen das Tragen von roten Fahnen im Reichsgebiet wendet. Nachdem die politischen Behörden das Tragen von schwarz-weitz-roten Fahnen allgemein ver»! boten haben, sei es wohl selbstverständlich, daß auch daOs Tragen von roten Fahnen nicht mehr gestattet werde«! dürfe.
Novelle zum Schutz der Parlamentarier.
**■ Wie aus parlamentarischen Kreisen verlautet, sind bei den zuständigen Stellen bereits Borarbeiten im Gange zur Schaffung einer Novelle zum Strafgesetzbuch, dre sich entsprechend der Ankündigung des Reichskanz- lers m seiner Rede in der Berliner Stadthalle mit dem Schutz der persönlichen Ehre parlamentarisch und politisch tätiger Persönlichkeiten beschäftigt. Man steht auf dem Standpunkt, daß mit der Erleb! eines solchen Schutzes nicht könne, bis das gesamte S
. otrx - lgung der Fragetz
emes socche» Schutzes nicht so lange gewartet werden könne, bis das gesamte Strafgesetz reformiert ist Die erwähnte Novelle dürfte bis zum Zusammentritt des Re-chstages fertiggestellt sein.
M 660 Milliarden Reichsschulde«.
« Berlin. Nach Mitteilung im Reicbswirtschafisrat en am 1. September die <v " " ^^ ^^
Fehlbetrag im sächsischen Haushalt.
_____sächsische Staatshaushalt für das Jahr W der im Herbst dem Landtag vorgelegt werden soll, wird, wie der'sächsische Ministerpräsident iu einer Rede mtt- teilte, mtt einem Fehlbetrag von 848 Millionen Mark abschließen.
Deutsch-amerikavisches Handelsabkommen.
^ Genf. Der „Herald" meldet aus Nenyork: ^ Neuyorker Börse erwartet den Abschluß des Handelsvertrages mit Deutschland schon zum 15. Oktober.
Deutsch-amerikanische Kreöttverhaudlnugen?
0s* Berlin. fF. 3.) Wie die „B. 3- erfährt, hat sich in diesen Tagen ein bekannter Finanzmann der Nen- yorker Vankwelt inkognito in Berlin aufgehalten rmd Besprechungen mit führenden dentschen, Finanz- und Wirtschaftskreisen, insbesondere mit dem Generaldirektor der A. E. G. gehabt. Es scheint, daß die Verhandluugen zum Abschlüsse gelangt sind. Es soll NÄ um die Am- nahme emer Anleihe dnrch die deutschen Banken handeln. Auch der Itame Stinnes wird genannt. In den beteittg- ten Kreisen wird jedoch größtes Stillschweigen bewahrt.
Neue Zeituugsverbote.
>4- „Der Sturm", ein deutschvölkisches Blatt in Harr- nover, ist vorn Oberpräsidenten Noske für 14 Tage verboten und die Nummer vom 4. Septeniber beschlagnahmt worden.
** Die in Königsberg erscheinende komnmniMche Zeitung „Rote Fahne des Ostens" ist verboten worden
Die kmmnunistische Zeitung in Franks,lrt a. M. „Der Kommnnist" wurde vorn Mrnisterinm dev Inne r ^"'^Dt"',,Ostpreußische Zeitung" ist auf Grund der Ber ordnnng des Rcichsprüsidenten verboten worden.
Auf der Spur der Mörder Erzbergers?
»* Karlsruhe. Die „Karlsruher Zeitung" melde. Die Staatsarrwaltschast Osfenbnrg hat in den letzten Tagen sieben Verhastrirrgerr in der Mordaffäre Erzberge verfügt. Die StaatSawalffchast glaubt, den wirkliche Mörder Erzbergers auf der Spur zu sein.
Sckärfere Kontrolle über den Kaiser.
** Paris. (B. 3.) „Cbicago Tribune" meldet M Berlin: Die holländische Regternng hat Withelm v Hovenzollern mitgeteilt, es werde ihm nicht lan^ - sonst sein, direkt mit seinen Anhängern in Deutschlm zu verkehren. Alle seine telephonijchen und telegraph: schen Mitteilungen werden zensiert werden.
Ultimatum der Entente au Nuganr
»-» Wie«. (B. T.) Wie die „Reue Freie Preb meldet, habe« die attisorten Mächte der «»garisch«, X gierung ein be risttieS Ultimatum «derreichtz in de die sofortige Räumnug des gauzcu laut btieder^n’-r trag au Oesterreich abzutreteutzen westttuaarischeu biets verlangt wird. Das Mttmatum »duft am Die« taa um Mitternacht aK