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rsMöer Tageblatt

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I Kranz Kunk in Hersfelö. Kernsprecher Nr. 8. : Amtlicher AnZerger für den Kreis Hersfel-

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Nr. 264

Donnerstag den 10» November

1021

vMWLlla unter FinaiyfionlreHe.

Der katastrophale Sturz der Mark bis fast zur völ- »igen Wertlosigkeit hat die Entente veranlaßt, sofort ihre Gerichtsvollzieher nach Berlin zu entsenden. Mit wel­chen Aufträgen sie nach Berlin gekommen sind, ist bisher -Noch nicht bekannt. Es kann sich aber nur um eine äu- berst wichtige Mission handeln, die im Zusammenhänge mit unserer Geldentwertung und den Reparationszah­lungen steht. Daß die Regierung in Berlin in ihrer Ratlosigkeit den Besuch der Reparationskommission Nicht gerade mit freundlichen Gefühlen erwartet, ist leicht verständlich. Deshalb -ist auch das Reichskabinett sofort zusammengetreten, um darüber zu beraten, was angesichts dieser Sachlage zu tun sei. Stach einer Mel­dung aus Berlin hat man nun als letzten Rettungsanker nach einem Strohhalm gegriffen, und zwar will man die Entente bitten, ein Moratorium, also einen Auf­schub der Reparationszahlungen, zu bewilligen. Natür­lich sollen dafür Garantien gegeben werden. Welche?

In der englischen und französischen Presse hat eine lebhafte Debatte über den Sturz der deutschen Mark und damit über die Unfähigkeit Deutschlands, weitere Re­parationszahlungen zu leisten, eingesetzt. Während in- England die Stimmen überwiegen, daß Deutschland Nicht mehr zahlen kann und der kolossale Marksturz eine Folge der Reparationszahlungen und der Entziehung wichtiger deutscher Gebietsteile aus seinem Wirlschasts- körper ist, und auch vereinzelt Stimmen dafür eintre­ten, daß ernstlich die Frage der Stabilisierung .des Markkurses und der Niederschlagung der Kriegsschulden der alliierten Staaten geprüft werden müsse, vertritt die französische Presse mit wenigen Ausnahmen die Ansicht, daß Deutschland böswillig und absichtlich einem schein­baren Bankerott entgegentreibe, um sich seinen Ver­pflichtungen gegenüber der Entente zu entziehen. Im Finanzausschuß der französischen Kammer hat denn auch Der Abgeordnete de Lasleyrie gefordert, daß die Alliier­ten so schnell als möglich eine strenge Kontrolle der deut­schen Finanzen einrichten. Es soll also für Deutschland eine Finanzkontrolle nach dem Vorbild der Dette pu- blique ottmnane, die seinerzeit von den europäischen Großmächten zur Kontrolle der türkischen Staatsschul­den errichtet worden war, geschaffen werden. Mit an­deren Worten: Deutschland soll unter Kuratel gestellt werden. Zu allen Ausgaben muß das Reich die Geneh­migung des Verbandes haben.

' Die französische Presse macht eifrig dafür Stimmung, Daß sich Frankreich bei einer Zahlungsunfähigkeit

dasEcho de Parts« in der Mahnung,me tmuc-mm müßten direkt ihre Tätigkeit auf die wirtschaftlichen Reichtümer Deutschlands richten«, noch sehr vorsichtig ausdrückt, wird Poincaree imMatin« ganz deutlich, indem er schreibt:Wenn Deutschland am Versalltags nicht zahlt, gewähren wir ihm Aufschub, indem wir Pfänder nehmen.« Dies ist auch das Ziel, auf das Frankreich in feiner ganzen Haltung gegenüber Deutsch­land hinsteuert. Es legt weniger Wert darauf, daß Deutschland pünktlich zahlt, als vielmehr darauf, daß es seinen Wunsch, der in dem Herzen eines jeden Franzo­sen brennt, weiter feine Fangarme über deutsches Ge­biet auszubreiten, verwirklicht sieht. wk.

Vorschutzforderimq der Reparationskommisston. ^Berlin. (L. A.) Einer Pariser Meldttng zufolge beabsichtigt die Reparationskommisston, von der deut­schen Regierung sofort 100 bis 200 Millionen Goldmark als Vorschntz auf die Januarrate zu fordern.

Eine Beruhigungspille.

»-»> Paris. (B. T.) Anläßlich der bevorstehenden An­kunft der Reparationskommisston in Berlin sind die verschiedensten Gerüchte über den Zweck des Besuches und die Absicht der Kommission im Umlauf. Alle diese M-eldungen beruhen, wie demB. T." von zuständiger Seite mitgeteilt wird, auf Kombinationen. Es liegt we­der zu Optimismus, noch zu übertriebenem Pesiimis- mus Anlaß vor. Die Mitgliedder der Kommission wer­den Mittwoch abend in Berlin eintreffen.

Deutschlands Bitte um ein Moratorium.

Dienstag nachmittag ist das Reichskabinett zu einer Sitzung zusammengetreten, um die Reparationsfrage zu beraten. Das Kabinett beschäftigte sich mit dem Plan, die Entente um ein Moratorium für die fällige Rcpara-. ttonsrate zu bitten. Mit der Bitte um die, Gewährung eines Moratoriums sollen gleichzeitig Garantien ange» boten werden für die weitere Zahlung der Reparation.

Neue Besprschuugen Wer die Kredithilfe.

^ In der Reichskanzlei nehmen am Mittwoch die Ver- .handlunaen zwischen dem Reichskanzler und den Ver- tretern des Reichsverbandes der Industrie über die Kre- , ditaktion ihren Fortgang, Als Grundlage dient der vor i einigen Tagen vom Reichsverband üefatzte Beschluß.

1 Hierzu meldet noch derB. L. A «: Mittwoch nach­mittag tritt der Industrieausschutz, der sich mit der An- H leiheaktiou zu beschästigen hat, zusammen. Der ReichS- k kanzler gedenkt am Mittwoch oder Donnerstag die Ber- s tretet des Reichsverbandes der dentichen Industrie und - der Banken zu euipsangen, um von ihnen eine Erlüirtc- p rung des Beschlusses über die Kredithilfe entgegenzu-

1 ü nehmen.

i England gibt keinen Kredit.

Die Londoner Blätter befassen sich in Telegrammen ; / aus Berlin und in Artikeln mit dem Sturz der Mark. ' DieTimes« schreiben in ihrem Finanzteil, es bestehe

kein Zweifel, daß Deutschlands Finanzlage hoffnungs­los aus der Rolle geraten fei. In einem Leitartikel sagt das Blatt, Deutschlands Versuche in London Geld auf» zunehmen, seien fehlgeschlagen, da die Londoner Ban­kiers nicht bereit seien, Deutschland Kredit zu geben, bevor es über eine stetige Währung verfüge. Deutsch­land habe jedoch seine Versuche, eine auswärtige deut­sche Anleihe an anderer Stelle unterzubringen, nicht auf­gegeben. Man behaupte, daß die Reparation Schuld am Zusammenbruch der Mark sei.Westminster Gazette« tritt in einem Leitartikel für die Streichung der Repara­tionen ein. Das Blatt schreibt, es sei dringend nötig, daß sich die öffentliche Meinung Geltung verschaffe und gegen den Bankerott ihr Veto erhebe. Großbritannien Habe nichts zu verlieren und alles zu gewinnen, wenn es auf die deutschen Reparationen verzichte.

*

Frankreich und das Wiesbadener Abkommen.

^ Berlin. (S. C.) Wie aus Paris 'gemeldet wird, haben die Verhandlungen über die Frage der von den Alliierten gewünschten Zurücknahme der von Frankreich gegen das Wiesbadener Abkommen erhobenen Ein­sprüche bisher einen günstigen Verlauf genommen. Im Verlauf der Besprechungen ist nach den bisher vorlie­genden amtlichen Meldungen die Erwartung ausge­sprochen worden, daß die deutschen Sachleistungen im Werte von 500 Millionen Mark bis zum 15. Januar 1922 ausgenommen werden können.

Aus Ohsrschlsflen.

Reben der neuen polnischen EifenSahnöirektio« soll, wie verlautet, in Kattowitz auch eine polnische Oberpost- direktion eingerichtet werden. Diese beiden Verwaltungs- zweige werden sich auch auf das Tschechener Gebiet er­strecken, das ja bekanntlich mit der Wsiöwodschaft Ober­schlesiens vereinigt werden soll.

Ueberfall auf einen Vorkämpfer für das Dentschum.

'^ Der Vorkämpfer für das Deutschtum in Oberschle­sien, Hampel, ist in Dometzko von einem aus dem Elsatz importierten Kriminalbeamten der Apo auf offener Straße durch fünf Schüsse schwer verletzt worden. Vier Schüsse gingen in die Schenkel des UebersaLenen. einer in den Unterleib. Der Elfässer, der auch auf die ihn be­drängende Menge schoß, wurde darauf von der erbitter­ten Menge erschossen.

Die oberfchlesische Greuzregclung.

Wie die Blatter mitteilen, hat die Grenzfestsetzungs- kommission für Oberschlesien in der vorigen Woche in Opneln ihre Arbeiten ausgenommen. Sie setzt sich aus

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Mischen- britischen, italienischen und japanischen Mit­glied, aus dem deutschen Mitglied von Teutler und dem polnischen Mitglied Scembek Der Vorsitzende der Kom­mission erhielt von der Botschafterkonferenz Anweisung, die Grenze so festzulegen, daß bei den kommenden Wirt- schaftsverhaudlungen keinerlei Schwierigkeiten entste­hen. Die Kommission hat nicht das Recht, größere Grenzveränderungen vorzunehmen, sondern muß sich streng an die Entscheidung von Genf halten. Der Aus­tausch von Ortschaften ist nur möglich, wenn beidersei­tiges Einvernehmen zwischen Deutschland und Polen besteht. Die Grenztestsetzung wickelt sich in 3 Etappen ab, in der Absteckung des nördlichen, des südlichen und des Stücks im Industrierevier. Die Festsetzung der Grenze für das nördliche Stück ist in der vorigen Woche beendet worden. In dieser Woche erfolgt die Abstek- kung des südlichen Grenzstückes und in der nächsten Woche die Absteckung der Grenze des Industriereviers.

Drohung Polens.

Genf. <S. C.) DerTemps" meldet'aus Warschau: Aus polnischen Regierungskreisen verlautet, daß, falls die deutschen Vertreter bei den demnächst beginnenden Wirtschaftsverhandlungen den Protest der deutschen Re­gierung gegen die Entscheidung der Alliierten in der oberschlesischen Frage wiederholen.würden, die bisher gezeigte versöhnliche Haltung der polnischen Regie- runa (!) äußerst gefährdet sei. Die polnische Regierung sei fest entschlossen, bei einem neuen Protest Deutsch­lands die Verhandlungen nicht fortzuführen.

Die italienischen Truppen in Oberschlesien.

Zürich. (S. C.) DerTageS-Anzeiger" meldet aus Rom: Im Kanmtebausschuß gab der Kriegsminister auf die Anfrage eines Abgeordneten bekannt, daß die Rückkehr der ittlienischen Truppen, die sich gegenwärtig in Oberschlesien befinden, frühestens im März 1922 zu erwarten sei. Ueber die Verluste der italienischen Trup­pen in Oberschlesien teilte der Kriegsminister mit, daß auf italienischer Seite elf Offiziere und 68 Mann sowie zehn Zivilpersonen gefallen seien.

Ultimatum Polens an Rußland.

w Genf. (S. C.) DasEcho de Paris« meldet aus Warschau, daß die neue polnische Note au Rußland eine Frist von 14 Tagen für die Zurücknahme der russischen Truppen von der polnischen Grenze festsetzt.

Polens RKASpslitik vor dem Völkerbund.

Aus Berlin wird offenbar halbamtlich gemeldet: Dem VölkcrbunSsrat wurde mit der Note vom 20. Ok­tober die Prüfung aller Petitionen Vorbehalten, in denen eine Verletzung deS zwischen den Hauptmächten und Po- len am 28. Juni 1919 geschlossenen sogenannten Mino- ritätenvertags behauptet wird. Damit ist auch die Mög­lichkeit geschaffen, die von der polnischen Regierung im Widerspruch zum FriedenSvertrag in den Provinzen Posen und Pommerellen jüngst angeordneten Liquida-

sinnen vor ein internationales Forum zu bringen. AM Grund dieser Bestimmung wendet sich der aus der Ost» markenpoliiik bekannte Rittergutsbesitzl " "

markenpoliiik bekannte Rittergutsbesitzer Heinrich von Tiedemann nunmehr, nachdem ihm der Liquidationsbe- schluß zugestellt wurde, durch seinen RechtsSeistand nach Genf an den Völkerbund. Er hat gleichzeitig die Bot- schafterkonferenz in Paris und die Vertreter der Garan­tiemächte des Minoritätenvertrages von der durch die polnische Regierung begangenen Vertragsverletzung in Kenntnis gesetzt.

Teuerungsunruhen in Polnisch-Westprsr?tze«.

** Aus Schneidemtchl wird berichtet: In Graudenz und in anderen Orten m Polnisch-Westpreutzen kam es neuerdings zu Teuerungskrawallen Der polnischen Polizei gelang es nur mit großer Mühe, die Ordnung

Polizei gelang wieder herzustellen. Eine gri üoHftändig ausgeplündert.

Süden wurde

Frankrsrchs Programm für Washington.

Aus Loudou wird berichtet: Der Neuyorker Bericht­erstatter von Reuter erfährt, daß BrianS auf die Washing­toner Konferenz komme mit vollkommen freier Hand, ungehindert durch Instruktionen seines Kabinetts. Wie verlautet, werde BrianS folgende Grundsätze vorlegen:

1. Frankreich stimmt mit den Bereinigten Staaten bezüglich gleicher kommerzieller Angelegenheiten in China überein.

2. Die Verminderung der Rüstungen zur See findet von Seiten Frankreichs keine Schwierigkeiten, da die französische Flotte bereits unter dem Maßstab stehe, der wahrscheinlich von der Konferenz angenommen wird.

3. Die französischen Interessen werden in der Haupt­sache von den Rüstungen zu Lande berührt angesichts der Stellung Frankreichs gegenüber Deutschlaub.

4. Was die Frage der deutschen Reparation betrifft, so ist sie eng verbunden mit der Frage, wann und wie Frankreich mit der Bezahlung seiner amerikanische« Schuld beginnen kann. Wenn daher Washington den Wunsch habe, die Frage der interalliierten Schulden auf der Konferenz anzuschneiden, so sei die französische De­legation bereit, diese Frage zu erörtern.

5. Frankreichs Verpflichtungen gegenüber dem Völ­kerbund behinderten nicht den Anschluß Frankreichs an andere Mächte innerhalb oder außerhalb des Bundes bet der Verminderung der Rüstungen oder der Regelung einer anderen Frage, die der Völkerbund auch als in­nerhalb feiner Rechtsgewalt befindlich betrachte.

Unser Elend vor der Washingtoner Konferenz. »-»-Paris. (F. G. A.) DerTeinps« bestätigt, daß die

Sprache ringen werden,

Ordnung der Konferenz stehe. Das Blatt bemerkt dazu: Für das französische Volk sei jetzt der Augenblick ge­kommen, sich eine klare Vorstellung von der finanziel- len Lage Deutschlands zu wachem

Auch Loucheur reist nach Washington.

»-»-Briand hat Loucheur telegraphisch gebeten, an den Arbeiten der internationalen Konferenz in Washington teilzunehmen. Loucheur dürfte erst Sonnabend nmb Amerika abreisen.

Der 9. November.

** ImVorwärts« beschäftigt sich Otto Braun mit den 9. November. Er schreibt u. m: Die Sozialdemokrati muß durch die Kraft ihres geistigen Werdens, durch d' werbenden Kräfte ihrer Anhänger, durch Einheit un > Geschlossenheit und Disziplin so stark werden, daß sie keine Koalition mehr braucht. DieTeutsche Allg meine Zeitung« stellt fest, was uns not tut. Die Ei heit der Nation wird durch derartige Feiern des 9. Nc vembers nicht erreicht. In derTäglichen Rundschar" schreibt Reichstagsabgeordneter Professor Dr. Kahl üb . Revolution und Reformation. Er kommt zu dem Schluß: Große Teile des deutschen Volkes haben sich schon selbst besonnen und von den Irrlehren der Revolution zu­rückgesunden. Diese Reformation wird weitergehen. Sie'soll der Gewinn der Revolutionsfeiern sein.

*

»-»Der sächsische Landtag nahm einen sozialdemokrati- schen Antrag gegen die Stimmen der bürgerlichen Par teicit an, die Regierung möge einen Gesetzentwurf vor legen, durch den der 1. Mai und der 9. November zu m setzlichen Feiertagen erklärt werden. Der diesjährige Skovember ist noch kein Feiertag.

Aus dem Sefeytea Gebiet.

Aufhebuug eines Ausweifuugs-efeUs.

»-»-Die interalliierte Rheinlandkommission hat den Ai trag des Studienrats Professors Spanner und des Te' graphensekretärs Schüler auf Aufhebung der gegen werten der Teilnahme an einer Versammlung in Cau verhängten Ausweisung aus dem besetzten Gebiet en sprocheir. Es Handelt sich um die im Sommer d. I von der Deutschnationalen Volkspartei in Caub vero staltete Km.dgebung.

Streik.

«Sie Maschinisten und Heizer im Eisen- und Stai' werk Husch in Dortnmnd haben unter BertMgsbr: die Arbeit niedergelegt- Das gesamte Eisen- und Sta werk liegt still. Nach einer Mitteilung des Arbeitgel Verbandes für Dortmund und Umgegend i Eisen- Stahlindustrie) ist die Ursache des wilden Streiks tu : Forderung der Arbeiter nach Abschluß eines Spezia. Vertrages zu suchen. -