yersfelöre Tageblatt
jjwsww^^ ßwfdMt KxsZsöEgtt^ iätSwSS^ die Rekiamezeiie 3.- Mk. Bei Wiederholungen : V^V/ " fnonoffldi ^00 Mark, durch die Pofl
■ Für dip • bezogen 6.50 (Dork, bei freier Zustellung ins
- Mntllch« Mrzeiger für den Kreis tzersfelö |“Sm2ä äft&X*
Nr. 14 Dienstag, den 17. Januar 1922
VslHIsSlmgäKlyIrWgsiskmfsremk
» Paris. (S. C.) Der „Temps" meldet aus Rom: Der italienische Ministerpräsident hat erklärt, er sei nicht autorisiert, die Einladung zur Wirtschastskonferenz in Genua hinausgehen zu lassen, ohne die Zustimmung des neuen französischen Kabinetts erhalten zu haben. Man rechnet in unterrichteten Kreisen schon jetzt mit einer Verschiebung der Wirtschaftskonferenz in Genua um mindestens eine« Monat.
(In der Unterredung mit Lloyd George hat sich Poin- earec selbst mit der Abhaltung der Konferenz bereits ein
verstanden erklärt.
Genf. (S. C.) Das „Journal des Debats" meldet: In der französischen Kammer ist bisher eine Mehrheit für eine Zusammenkunft mit Deutschland und Rußland in Genua nicht vorhanden. Poincaree ist nach seinen Erklärungen entschlossen, die Beteiligung Frankreichs an i der Konferenz in Genua ausschließlich von der Entscheidung der Kammer abhängig zu machen, ohne diese Entscheidung von Regterungsseite irgendwie zu beeinflussen. »Genf. lS. C.) Der ministerielle „Matin" meldet, daß das neue Kabinett Poincaree gewillt sei, vor der Zustimmung zu der Einladung Deutschlands und Rußlands zu der Wirtschastskonferenz in Genua eine neue Aussprache mit den Alliierten herbeizuführen. Potn- caree hat bereits dahingehende Mitteilungen an den ' englischen Ministerpräsidenten ergehen lassen. Der englisch-französische Garantievertrag soll noch vor der Wirt- schaftskonserenz tn Genua dem französischen Parlament vorgelegt werden.
Die Vorarbeiten für die Wirtschastskonferenz.
»* London. (F. G. A.) In den nächsten Tagen wird sich ein Komitee in London versammeln. um das Programm für die Wirtschastskonferenz in Genua auszuar- beiten. Das Programm wird sodann den alliierten Neuerungen unterbreitet werden. Man erfährt aus vsfst- zlellen Kreisen, daß wahrscheinlich eine Delegatron nach Moskau gesandt wird, um der Sowietregierung die ge- inanen Bedingungen mitzuteilen, unter denen sie an der Konserenz in Genua teilnehmen kann.
Teilnahme Frankreichs an der Wirtschastskonferenz.
»Paris. (F. G. A.) Der „Matin" erklärt Frankreich dürfe der Konferenz von Gemm zwar mcht fern bleiben, da es bereits seine Unterschrift gegeben habe, aber wahrscheinlich werde Poincaree nicht pcrförrlich nach Genua «eben um an den Verhandlungen tetlzunehmen, sondern Viviani werde best Auftrag erhalten, Frankreich auf der Wirtschaftskonferenz zu vertreten.
Rußlands Einladung nach Genna.
^sstasw*^^
Resolution des Obersten Rates vom 6. Januar, und ladet sodann die russische Regierung ein, zur Konferenz von Genua Delegierte zu entsenden. Er fügt hinzu, daß die Mitglieder des Obersten Rates von ber Erklärung Tkchitscherins Kenntnis nehmen. Der Oberste Rat glaube, daß in dieser Erklärung die Annahme der Eku- ladung enthalten sei, sowie, daß die russische Reglerrma die Bedingungen. die in der Resolution des Obersten
die Bedingungen, die in der Resolution des Obersten Rates enthalten seien, annehme, weil dies eventuell zur Anerkennung der Sowjetregierung führen könne. Bo- nomi schließt sein Einladungsschreiben mit d^^ die russischen Delegierten mit allen Vollmachten ausge-
stattet würden. *
Antrag anf Erhöhung der deutschen Zahlungen.
»Rotterdam. (S. C.) Die „Times" und die „Mor- ninqpvst" melden Es Paris, daß von den französischen Mitgliedern der Reparationskomm-ssion noch nachträglich die Erhöhung der deutschen Nevarattouszahluuge» für 1922 von 720 auf 765 Millionen Goldmark beantragt worden ist.
Die Zehntage-Zahlnuge«.
»Paris. (B. T.) 31 Millionen Goldmark, die nach Vorschrift der Reparationskommission am 18. Januar von Deutschland gezahlt werden sollen, werden bereits am Dienstag durch den Regierungsrat Dr. von Meyer der Kommission überaeben - erden. Wie das „B. T." aus unterrichteten Kreisen hört, hat das Mitglied der deutschen Kriegslastenkommission Regierungsrat Dr. Meyer der Reparationskommission die Mitteilung gemacht, daß die nächste deutsche Zahlung rrn ‘T':rr,u " ^ bereits überwiesen worden ist. Im übrigen sind alle Vorberetungen getroffen worden, um auch die anderen Zahlungsfristen pünktlich einzuhalten.
Freigabe von bentschen Vermögen in Amerika.
von Berlin aus
» Rotterdam. lS. 6.) Die „Times" melden aus Neuyork: Die erste Serie der deutschen Vermögen ist znm 1. Februar freigegeben worden. Es handelt sich um etwa 15 Millionen Dollar, die bei Kriegsausbruch in den Vereinigten Staaten von Nordamerika beschlagnahmt worden sind. Die Freigabe betrifft nur kleinere deutsche Vermögen.
Das Wiesbadener Zlbkommen.
Aus Wiesbaden wird gemeldet: Das Wiesbadener | Abkommen beginnt sich hier schon praktisch ansznwirken. Bereits mit Beginn des neuen Jahres ist hier eine ganze Anzahl von Büros aufgelöst worden, die hier unter der $rma ..Bureaux de Restitution" (Wiederaufbau, in großer Zahl untergebracht sind. Das Personal ist schon zum großen Teil nach Frankreich entsaften worden. Weitere Auflösungen scheinen bevorzustehen.
f Dubois über die Reparationen.
Aus Paris wird gemeldet: Der Präsident der Repa- i, rationskvmmission, Louis Dubois, wurde von Millerand
empfangen. Darnach erklärte er Zeitungsvertreter«: Ich informierte den Präsidenten der Republik über die Vorgänge von Cannes bezüglich der Reparationen. Diese Angelegenheit wurde vom Obersten Rat und von der Reparationskommission studiert. Letztere empfing von Ra- thenau Erklärungen, die sich auf Dokumente stützen. Diese werden soeben übersetzt und die darin enthaltenen Ziffern sollen sorgfältig kontrolliert werden.
Nach Fertigstellung dieser Arbeit können wir dann in voller Sachkenntnis urteilen und die notwendigen Entscheidungen fallen. Wenn die assoziierten und als Liierten Mächte als Glänbiger Deutschlands mit Deutschland selbst verhandeln wollen, so müssen wir uns vor dieser Entscheidung beugen. Dann würde der Oberste Rat über die Forderungen des Moratoriums für 1922, welche die eine Regierung stellte, entscheiden. Die Reparationskommission hat in Cannes nur einen provisorischen Zahlungsaufschub gewährt. Wenn die Angelegenheit in den Händen der Reparationskommission verbleibt, so würde diese nach einer sorgfältigen Prüfung aller Elemente des Problems und aller in ihrem Besitz befindlichen Mitteilungen sich aussprechen.
Der Sitz der Garantiekommission.
»Berlin. (S. C.) Nach einer Havasmeldung aus Cannes hat der Oberste Rat der Garantiekommission die Entscheidung über Verlegung ihres Domizils nach Berlin anheimgestellt. In Berlin erwartet man eine Stellungnahme der Garantiekommission unmittelbar nach der Entscheidung der Alliierten über die von Deutschland unterbreiteten Reform- und Garantievorschläge.
Zum Rücktritt Briands.
»Madrid. Dte Zeitung „Elsol" schreibt: Die französische Krise hat für die europäische Politik eine außerordentlich ernste Bedeutung. Von neuem würden heftige Kämpfe entstehen. Zahlreiche Hoffnungen seien durch den Rücktritt Briands zunichte gemacht worden.
Voincarees Programm.
»Basel. (S. E) Die „BaSler Nationalzeitung" meldet aus Paris: Der neue Ministerpräsident Poincaree empfing die Führer der volitischen Parteien. einschließlich der Sozialdemokraten. In einer kurzen Rede legte Porn- caree die Ziele seiner Politik dar. An erster Stelle steht die Durchführung des Verfailler Vertrages.
Dr. NaLhSKWN Sei Wirth.
»Am Sonntag abend ist die deutsche Delegation aus Paris wieder in Berlin eingetrofsen. Dr. Rathen«« be- gab sich sosort nach der Wilhelmstraße und hatte dorr eine lauge Unterredung mit dem Reichskanzler Dr. Wirth. Im Anschluß daran Landen auch bereits Besprechungen r mir oeu zuuünomeu rnmsvKMmMern statt. Die Vers- tnngen zogen sich bis in die Nachtstunden hin.
*
Mitglieder der deutschen Abordnung heben bervor, daß ihnen seitens der interalliierten Delegierten ein äußerst höflicher Empfang bereitet worden sei. Die Verhandlungen wurden in den angenehmsten Formen ge- Mhrt. Die auf der Konferenz herrschende Atmosphäre sei einer Verständigung recht günstig gewesen. Das Deutschland einstweilen, wenn auch nur kurzfristig ge- nmhrte Entgegenkommen scheine zu guten Hoffnungcu für eine endgültige Regelung zu berechtigen. Auch die Einladuug zur Wirifchaftskonferenz in Genua eröffne günstige Ausstchteu für den Wiederaufbau Mittel- und Osteuropas.
starke ErtjWjung des Mpreiles.
1900 Gramm Brot 12,25 Mark ab Mitte Februar.
Aus Berlin wird halbamtlich gemeldet: Bei der letzten Festsetzung des Brotpreises bestand bei der Regierung die Absicht, den Preis möglichst bis zum Ablauf des Wirtschaftsjahres beizubehalten. Die Durchführung dieser Absicht erweist als unmöglich, und zwar in der Hauptsache aus zwei Gründen:
1. Infolge des starken Druckes der Entente auf Abbau der Reichszuschüsse und
2. infolge der seit der letzten Festsetzung eingetretenen außerordentlichen Verschlechterungen der Valuta.
Die Gesamtausgabe für das Auslandsgetreide wird sich voraussichtlich so stellen, daß bei Beibehaltung der bisherigen Abgabepreise von dem Reich als Verbclli- gungszuschüsse etwa 16,4 Milliarden Mark für das ganze, am 15. August 1922 ablaufende Wirtschaftsjahr aufzu- wenden sein würden, so daß außer den bereits bewilligten 2,27 Milliarden Mark noch weitere 13,5 Milliarden Mark erforderlich wären. Bei Berechnung dieser Summe ist das bereits gekaufte Auslandsgetreide mit dem tatsächlichen Kaufpreise, der noch zu beschaffende Rest auf der Grundlage der yoraussichtltchen Weltmarktpreise und des derzeitigen durchschnittlichen Dollarkurses angesetzt worden.
Aus diesen Gründen hat sich die Reichsreaterung veranlaßt gesehen, dem Gedanken einer Erhöhung der Mehl- und Brotpreise näherzutreten. Das Reichskabt- nett hat beschlossen, die Abgabepreise der ReichSaetreide- stelle für Mehl und Getreide mit Wirkung vom 16. Februar 1922 ab zu erhöhen. Diese ErböSuna wird eine Eteigeruna des Brotpreises zur Folge haben, die nach an gestellten Durchschnittsberechnungen auf etiva drei Viertel des jetzigen Preises zu veranschltgen ist, wobei sich je nach den örtlichen Verhältnissen in den einzelnen Konmrunalverbänden Abweichungen nach oben oder unten ergeben können. Bet der Durchschntttsberechnung ist die voraussehbare Erhöhung der Unkosten nach oben bereits berücksichtigt.
Die Erhöhung der Mehl- und Brotpreise bedeutet zweisellos eine schwere und sehr bedauerliche Belastung! der Lebenshaltung der Bevölkerung. Angesichts der Gestaltung der politischen und iinanzielleu Verhältnisse ist diese aber nicht zu vermeiden.
Die fle|ü6rdung des SousSMes. ।
Die Entwertung des deutschen Geldes reizt die An- Äigen der Länder hochstehender Valuten zu Gelten in Deutschland. Je schärfer deutsche Bestimmungen und ausländische Gesetze die Ausfuhr billig gekaufter Waren hindern, desto mehr fetzen sich die auslä«-- dischen Spekulanten auf Grundstücksaefchäfte angewiesen. Um so vorsichtiger sollten deutsche Besitzer sowohl von privatwirtschaftlichen wie von allgemeinwirtschaftlichem Standpunkt bei Grirndstücksoerkäufen vorgehemi Die durch die Zwaugswirtschaft gehemmte Preisbildung, der deutschen Grundstücke begüustigt diese Ausländerspe^, kulatiou noch besonders. Diese Erscheinung bekounnt. noch eine ernste Seite dadurch, daß sie sich als weiteres Hemmnis der Bantätigkeit geltend machen dürfte. Den« rrur ein kleiner Teil der Ausländer wird bauen lassen. Gebaut werden von ausländischen Firmen in Deutschland Verwalmngshäuser für Banken, Handelsgesellichast' ten, Vermögensverwaltungen und möglicherweise einige. Beamtenheime. Dahingegen wird das ausländische Kapital für die Bautätigkeit im allgemeinen für die erste« Jahre geradezu wie ein Hemmschuh wirken, denn die Erwerbungen des deutschen Grundbesitzes sind ja lediglich in spekulativer Absicht erfolgt.
Mit der weiteren Entwertung des Geldes sollen die gekauften Sachwerte im Preise so bedeutend steigen, daß der A«slä«der hierfür den Gewi«« ohne weitere Auß- «enduugen einstecke« ka««. Von noch größerer Bedeutung ist es, wenn mau sich vergegenwärtigt, daß der Haus- und Grundbesitz in Deutschland zurzeit eine« Wert von 70—80 Milliarden Mark darstellt, der, in die allgemeine Geldentwertung und die Valutaspeknlatio« einbezogen, in wenigen Jahren auf mehrere 100 Milliarden Mark angewachsen sein würde, die dauernd verzinst werde« müßten und in ihre« gesteigerten Mieten der gesamte« Bevölkerung eine ungeheure Last auferlegen Würde«.
Deutschland gerät zunächst in eine »ene Form fremder Schnldknechtfchaftr diese Versuche, die schlechte deutsche Mark für deutsches gutes Land einzutauschen, werden dazu bettragen, den Preis für Grund und Boden und Häuser auf eine Höhe hinaufzutreiben, gegen die die ganze bisherige sozialistifch beeinflußte Gesetzesmacherei vollkommen machtlos ist. Der sog. F ' ' vertrag zwingt uns zunächst, diese Ankäuse nicht dern und die beteiligten Ausländer in berug an
friedenS-
>t zu bin-
W#t #w Wiajrnna irr keiner Werfe stylechker zu stellen als den deutschen Besitzer. Die nicht aus Not erfolgten Verkäufe deutscher Werte werden nun natürlich einige Milliarden deutschen Geldes mehr in das Land herein- bringen, sie können nur dadurch in Bauten umqewandelt werden, wenn das Baue« grundsStzlilh so erleichtert Wird, daß die kommende stenerliche Belastung nicht abermals gewaltige Vermögensteile den Besitzern abuimmt.
Die Juden in Palästina.
Bei Ausbruch des Westkrieges waren etwa 45 jüdische Kolonien in Palästina. Heute gibt es deren 72, die 52 000 Hektar Land rhr Eigen nennen. €eit \ 19j i haben die neuen jüdischen Kolonisten 2 Millionen eng?. Pfund in landwirtschaftlichen oder anderen Unternehme investiert. Die iüdichen Kolonien sind zum größten Te landwirtschaftliche Siedlungen, die ältesten von ihnen 6c stehen seit etwa 40 Jahren, die meisten aber sind erst i den letzten zwanzig Jahren gegründet worden. Du Verwendung landwirtchaftlicher Maschinen und mod. ner Arbeitsmethoden gekang es den Jnden, weit gür stigere Ernteerträgnisie zu erzielen, als das in den b nachbarten arabischen Sieöclnngcn mit ihrer primitiven landwirtschaftlichen Technik der Fall ist. Die Getreide ernte liefert in den jüdischen Eieöclungen ein zwei ^ - drei mal so großes Erträgnis als in den arabische... Aehnlich ist das Ertragsverhältnis im Weinbau und in der Milchproduktion. In der Ebene von Saaron wurde eine landwirtschaftliche Vcrsnchsstation errichtet, die be reits bedeutende Erfolge im Wein- und Getreidebau, i der Oliven- und Manlbeerkultnr aufzuweisen hat. Nie geringer als der landwirtschaftliche ist der industrie; Aufschwung, den das Land durch jüdisches Kapital ur jüdischen Einfluß genommen smi. Seit dem Kriege w' den moderne Oelwerke angelegt, die in der Hauptsaa Pflanzenöle aus Gerantum und Thnmtan Herstelle Seiden-, Glas- und Zemenifabriken sind entstanden, und um Jerusalem find bedeutende Unterrkehmerr gründet worden, die sich hauptsächlich mit der Herstelli orientalischer Teppiche, Elsenbeinsämitzereien und Pc mutterartikel» besassen. Der AuSlandsbandel der St Jaffa allein belauft sich heute auf fast drei Millio: Pfund jährlich und besteht fast mrsschließlich in Erze. Nissen der jüdischen Siedelungen. Den wirtschaftlich Aufschwung, den Palästina in den letzten Zeiten aeno men hat, hat es in der Hauptsache den 100 000 iübW. Kolonisten zu verdanken, die gegenüber der für ■ .. stärkeren, aber indolenten und trägen Araberber . te - rung das einzige produktive Element des Landes . m stelle«.
6inc Rede des Reichskanzlers.
Im Augustiner-Verein, der zum Zarteste' 1 Zentrums in Berlin versammelt ist hielt der kanzler eine Rede. Er verbreitete sich in einstu' Rede über die wichtigsten politischen Probleme. Er auf die bedrängte Lage des Reiches hin und die Rer ... k