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Franz Funk in Bersfeld. + Fernsprecher Dr. 8. * Mntlicher Huzeiger für den Kreis kersfel- Buidruckerei in Bersfeld, Olitglied des VDZV. |
Nr 54
Sonnabend, den 4 März
1938
Lloyd George vor dem UiLGrM?
»» Die Zusammenkunft der Parteiführer der englischen Koittervativeu ist au? Donnerstag nächster Woche ver- schoSe« worden.
olittk Groß
Die Ä^hängigkeit der auswärtigen Politik Großbritanniens von den innerpolttischen Verhältnissen des Landes hat sich gerade in den letzten Wochen auf das allerdeutlichste erwiesen. Die zwiespältige Haltung des Ministerpräsidenten Lloyd George in den verschiedenen Fragen, deren Wichtigkeit für England in die Augen wringt, ließ sich nicht anders erklären, als durch Rücksichten, die der Leiter der englischen Politik auf die innere Lage feines Landes nehmen mußte. Auch bei der letzten Begegnung Lloyd Georges mit Poincaree in Boulogne mußte es auffallen, daß der englische Staatsmann feinen grundsätzlichen Standpunkt in wichtigen Fragen, in denen die Gegensätzlichkeit zu Frankreich unüberbrückbar schien, dem Drängen des französischen Kollegen opferte. Auch hier sind die häuslichen Sorgen Lloyd Georges der Grund. Wie mit einem Schlaglicht werden die Unstimmigkeiten der englischen Politik durch den Brief beleuchtet, den Lloyd George an den Füh der Unionisten Chamberlain gerichtet hat und in S< er seinen Rücktritt androht, falls die Quertreibereien des unionistifchen Hartpieinpettschers Sir Kunger kein Ende nähmen. Lloyd George erklärte in dem Briefe, fo- lange Sir Uounger als Wortführer der konservativen Partei auftreten dürfe und nicht Ehamberlain oder Bal- tour, müsse er sich feinen Rücktritt als Ministerpräsident und Führer der Koalition Vorbehalten.
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Daß die Stellung Lloyd Georges stark erschüttert ist, Sman seit langem. Gewisse Vorgänge der auswär-
; Politik, dann aber nii_ .
Sparkommission des Sir Eric GeSSes haben in den Kreisen der unabhängigen Liberalen wie der Arbeiterpartei lebhaften Unwillen erregt, und die jüngsten Ersatzwahlen 4n Manchester, Camberwell, Clayton und Bodmin, wo überall die Regierungskoalition in der Minderheit blieb, während in drei der genannten Bezirke die Arbeiterpartei den Sieg gewann, sind ein Zeichen dafür, wie stark die Autorität der Koalition erschüttert ist. Nun darf man allerdings die Bedeutung von Ersatzwahlen nicht überschätzen, derm augenblickliche Wandlungen der politischen Entwicklung pflegen bei ihnen nicht ohne Einfluß zu bleiben, während die großen Prinzipien der Parteipolitik durch sie meist nicht berührt werden. Jm-
>M Vorgänge 5er auswür- cht zuletzt Sie Berichte der : GeSSes haben in den Krei-
AWeMiWMÄ bei Neuwahlen, ore uoer kurz oder lang doch kommen müssen, die denkbar günstigsten Aussichten hätte.
Einstweilen gewinnt es allerdings an Wahrscheinlichkeit, daß die gemäßigteren Elemente innerhalb der Koalition sich auf die Notwendigkett eines weiteren Zu- iaMmenarbettens mit Lloyd George besinnen werden; wie 'ange diese Bestrebunaen aber dem natürlichen Lauf der Dinge Gewalt antun können, muß abgewartet werden. Lloyd Georges Stellung ist stark erschüttert und er selbst fühlt es wohl am meisten. Daher sein Wun,ch und Ziel, die Genueser Konferenz unter allen Umständen noch unter Dach zu bringen, selbst auf große intellektuelle Opfer hin. In Frankreich freilich würde man den Rücktritt Lloyd Georges nicht sehr ungern „sehen, weil er, so oft er auch in wesentlichen Dingen ichließlich nachgegeben hat. doch den moralischen Kredit Frankreichs beträchtlich erschüttert hat. Seine jüngsten Fndisrre- tionen über die Absichten Frankreichs aus das Rheinland bei den Bersailler Verhandlungen haben ihm den mctt der Sympathien geraubt. Eitle andere Frage ist freilich, ob sein Nachfolger, ein Ehamberlam, Balfour oder Churchill, eine wesentlich andere Politik zu betreiben vermöchten wie Lloyd George. Sein Rücktritt käme m außenpolitischer Beziehung mehr einem Personen- als einem Systemwechsel gleich.
Llsyd George droht mit seinem RLMrZLt.
^.Paris. (B. T.) Nach dem „Petit Parisien" hat Lloyd George der Uniomstische« Partei ein besristeics Ultimatum qcfieHt. Sie soll bis zum 8. März erklären, ob sie ül ihm halten wolle. Wenn dies nicht der Kalt se- würde er seine Demission einreichen. Sie Siinauon könnte in diesem Kalte noch verwickelter werden, weil die «nionistischen Minister erklärt W«, daß sie nicht in ein neues Kabinett eintreten würden.
w London. (K- 3.) Die Wirkung, die das Ultimatum Lloyd Georges ausgeübt hat, ist eine außerordentliche. Während die Presse der Opposition summst eine abwar- tende Haltung eiuninrmt und sich, über die peinliche Lage, in die die Koalition geraten ist, freut, glaubt, der „Manchester Guardian" bereits Anzeichen von einer von ihm befürworteten Wendung Lloyd Georges nach links zu erblicken. In politischen Kreyen glaubt man, daß die Aussichteg für die gemäßigten Konservativen, die Einheit der Partei und den Fortbestand der Koalition zu sichern, nicht sehr groß sind, weil der Führer der .Konservativen offenbar die Mehrheit der konservativen Wählerschaft hinter sich hat. Die allgemeine innere Lage ha sich weiter dadurch verschärft, daß ernste Arbesterkonflikte ausgebrochen sind, an denen über eine Million
< Arbeiter beteiligt sind.
Das SachtteferuflgsaMoMML».
' W Freitag nachmittag findet im Reichötaa.eine Kabi- nctÄutm statt, die sich n. a. mit dem vorläufigen Ab-
■ ru me ber die Sachlieferungen beichnftigen wird.
! Aus PariS wird gemeldet: Das M Berlin abge- ! skistossene neue Sachlieferungsabkommen ist ievt der Rc- :i »gÄnsÄ zur Prüfung unterbreitet worden.
Ueber den Inhalt teilt der Brüsseler Korrespondent des „SempS"^ iiocb mit, daß die deutsche Regierung das Recht habe, Ausfuhrbewilligungen zu verbieten. Diese Maßnahme unterlieae federt) der Kontrolle des Garan- tiekommisiars.
nodjmaligsr 6uWu8 der Gemißter Ronferen^
, wSer Korrespondent der „Westminster Gazette« in Genua will erfahren haben, daß die Konferenz von Genua nicht am 10. April, sondern erst am 25. April eröffnet werden foll, da die religiösen Gefühle eines großen Teils der Bevölkerung durch die Eröffnung der Konferenz während der Karwoche verletzt werden könnten.
Gleichberechtigung für Rußland.
»»Die ttalienische Regierung hat dem „Avant!" zufolge der Sowjetregierung auf ihren Wunsch bestätigt, daß die Abordnung der Räterepublik auf der Konferenz von Genua die gleichen Rechte haben werde wie diejenigen der anderen Staaten.
Eine Schwenkung Poincarees.
»»Auf die Haltung Frankreichs gegenüber der Beteiligung Rußlands an der Konferenz von Genua werfen einige Mitteilungen ein Licht, die der „Daily Telegraph" noch nachträglich über die Zusammenkunft in Boulogne macht. Hierbei habe sich Poincaree zwar gegen die sofortige Anerkennung der Räteregierung unbedingt ab- leBneud verhalten, aber andererseits festgestellt, daß es für die Verbündeten notwendig sei, sobald als möglich die Beziehungen zu Rußland wieder aufzunehmen, damit Deutschland den Verbündeten nicht den Rang ab- laufe.
Die Frage der Koalitionserweiterung.
»»Berlin. <F. 33 Der Reichskanzler hat gleich bei seiner Rückkehr nach Berlin eine Kabinettsfrage zur Lösung vorgefmrdem Die Aussprache liber die neuentstandenen Streittgkeiten werden im Reichstag fortgesetzt werden. Die Hermes-Krise, oder besser gesagt, die ewig schleichende Frage der Koalitionserweiterung nach rechts oder links befindet sich immer noch auf dem Wege langsamer Verhandlinrgen. Die interfraktiwtellen Besprechungen über das Kompromiß, von denen man erwartete, daß sie in diesen Tagen wieder ausgenommen werden sollten, haben noch nicht begonnen. Das Interesse wendet sich zunächst dem Steuerausschutz zu, der am Freitag seine SB.eratima.cn fortgesetzt hat. Die sozial- olkspa t die Anfrage zu rickucn, ob sie sich noch an das Sreuerkomprmnitz gebunden halte.
Die Besprechung der FruauzMimster in Berli«.
»»Berlin. OB. T.) Wie das „B. T." über die Beratungen der Finanzminrstcr der deutschen Länder er- fäbrt, herrschte Einmütigkeit darüber, daß die GruuS- achälter insbesaudere der unteren Beamten eine augs- Wesscne Erhöhuuq erfahren müssen. Man war auch der Ansicht, daß die Gehälter der Angestellten und die Löhne der Arbeiter ebenfalls zu erhöhen seien.
Neuer Milliardenschlbetrag im Reiche.
»»- Berli«. (S. C.) Stach einer zuverlässigen Mitteilung aus parlamentarischer Quelle weist der Reichshaushaltsetat für den Monat Februar wieder einen hoben Fehlbetrag auf, der schähnngSweite mit vier Milliarden Mark anzunehmen ist. Der Znlchnß für die Reichseiseubahn hat im Monat wieder 1% Milliarden Mark ülwrschritteu.
Die Reichspräsideuienwahl.
»»Karlsnrye. <S. C.) In einer Versammlung der ; Karlsruber Mehrheitssozialdemokraten am Donnerstag teilte der Vorsitzende der Partei mit, daß an Mehrheito- sozialdcmokratcu, die Demokraten und das Zentrum den Reichspräsidente« Ebert als gemeknfamen Kandr- daten für die «ene ReichSpräsidenleuwahl aufstellen würden. Die Zustimmung der Semolraten sei bereits sicher, während es bei dem Benirum noch eine Opposition von ungefähr einem Drittel der Parteimitglieder zu überzeugen gelte. Doch sei der Ausgang der Verhandlungen mit dem Zentrum nicht mehr zweifelhaft.
Besetzung des Finanzministeriums.
»» Reichsfinanzminister Dr. Hermes hatte unmittelbar nach der Rückkehr des Reichskanzlers aus Baden mit diesem eine Unterredung, in der _ die schwebenden Steuerfragen eingehend erörtert wurden. Wie die T u.« hört, hat Dr. HernieS den Reicyskaüzler dabei auf die Notwendigkeit hingewiesen, bei der Wichtigkeit, der Aufgabe, die fowobl das Finanzministerium als artch das Ministerium für Ernährung und Landwirtschaft zu erfüUcn habe, eine endgültige Besetzung der beiden Aemlcc vorznuehmen.
Ein Dementi.
»»Berlin. (B. T.) Wie das „B. T." erfährt entbehren die Dieldnngen, wonach der gegenwärtige Gesandte in Wien, Dr. Pfeiffer, für den Posten des deutschen Botschafters in Washington ausersehen sei, jeder Grundlage.
Geplante Demonstrationen in Berlin.
»»Berlin. (S. C.) Die kommunistischen Betriebsräte Großberlins rufen durch Anschläge in den Fabriken zn Massendemvustrationen des deutschen Proletariats für Rüterußlaud am 8. März auf. Auch der Erwerbslosenrat fordert die Erwerbslosen für den 9. März zu einem Spaziergang durch das Regrerungsvierlel auf.
Eine französische Absage.
w Karlsruhe. (S. C.) Die „Stratzluckgcr Neue Zeitung" meldet aus Paris: Sie deutsche Regierung hat । ettt Abkonmien über die Salldbabuna der Attswerluna e
-------------Jl-------------------------■■ ■--------------—-------------- e '□-------- der beiderseitigen Staatsangehörigen anregen laste«. Die französische Regierung hat am 28. Februar der deutschen Regierung eine ablehnende Antwort zuteil wer* den lassen. ,
Die angeblichen Rnstnngen Deutschlands.
»»Genf. (S. C.) Der „Temps" berichtet, daß General Rollet erneut nach Paris Berufen worden ist, nur dem Botschafterrat persönliche Erklärungen abzugeben über die geheimen Rüstungen Deutschlands (ü) und über die Verletzung der Beschränkungen für die Muni- Itonserzeugung durch die deutsche Industrie.
3urüifWeisung deutscher Note«.
** Genf. (S. C.) Das „Echo de Paris" meldet, daß der Botschafterrat am Dienstag die deutsche Oberschle- sienuote und die deutsche Antwortnote auf die Vorschriften für die Sicherheitspolizei zurückgewiesen hat. General Rollet ist für kommenden Mittwoch zur Berichterstattung nach Paris berufen wordem
Der „freche" Tschitscherin.
»»Paris. (F. 3J Ueber die Note Tschitscherins, in der er die Eröffnung der Genueser Konferenz am 23. März verlangt, schreibt der „Petit Parisien", daß der Wortlaut des Telegramurs mit einer beachtetrsiverten Frechheit abgefatzt worden sei. Tsckitscheriu drückt sein Erstaunen darüber aus, daß die Konferenz durch die französische und italienische Ministerkrise in Frage ge- steut worden fei.
Die Schnlden a« Amerika.
»»Rotterdam. tS. E.) Die „Morningpost" meldet aus Nenyork: Der Senat hat einstimmig die Resolution Borah angenommen, die irgendwelche Streichungen der Schulden der europäischen Länder an die Vereinigten Staaten aus der Zeit des Weltkrieges von der vorherigen Herabsetzung der Heeresstärke in diesen Ländern um mindestens 30-Prozent des jetzigen Bestandes abhängig macht. Der Staatssekretär Hughes erklärte im Namen des Präsidenten Harding die AunÄ>me der Re- solutiom
Eine englische Ruleihe an die Tschecho-Slmvakei.
»»London. (F. Z.) Die Tschecho-Slowakei hat von England eme MTeSitanleide von 10 Millionen Pfund; Sterling erhalten gegen die Garantte der Staatsmonopole.
Tschechisch-serbische Besprechungen.
»»Prag. (B. TI Aubenminttter Benesch ist, becklei-
*-■”» Mtm st errat veam-en, in Preß- bürg mü dem serbischen Außenminister Nintschrsch zu- sammerrgetroffen. Im Vordergrund der Beraturrg sieht die russische Frage, bezüglich der Südslmvien bisher eine andere Stellung angenommen hat als Berstsch. Südsla- Wien bat selbst die faktische Zlncrkcmrung der Sowjets abgelehnt, wechrend Benesch für eine werrigstelts tatsüH- liche Anerkennung eintritt. Ein weiterer ßkgenstand der Verhandlungen soll die Kreditgewährung der Tsche- choslvwaker an Südslawien bilden.
Zum Selbstmord Peter Grnvens.
»»HirsÄberg. (S. C.) Zum Selbstmord Peter Gru- pens wird noch mitgeteilt: Grupen hat vor seinem Tode zwar keine Aufzeichnungen hinterlassen, jedoch an feine Angehörigen Briefe, die er kurz vor seinem Selbstmord gefmrieBcn hat, gerichtet. Darunter befindet sich ein Brief an feinen Bruder. Die Briese sind dem Präsidenten des Schwurgerichts Hirschberg übergehen worden. Am Tage vor seinem Tode hat Grupen dem Gesängms- geifttichen, der ihn besuchte, erneut beteuert, daß er unschuldig sei. Er habe keine Angst vor dem Tode, sei aber entschlossen, eine lebenslängliche ZuctsthauSstrase nicht nbzusitzeu. Umso unbegreiflicher ist es, daß nach Sem ersten Selbstmordversuch und nach der Fluchr wieder die Sicherheit in dem Gefängnis völlig versagt hat, denn fönst wäre es Grupen mnuügücb gewesen, den Selbstmord zu begehen.
Sinken der Arbeitslosenziffer in Engla«d.
^-London. (F. Z.) Der letzte Bericht des englischen Arbesisministermms zeigt ein weiteres Sinken der Arbeitslosenziffer in England um 28 000 Personen.
Neue Unruhen in Finme.
»» Rouk. (F. 33 In Fiume sind neue Unruhen aus- gebrochem Bei den Sümpfen zwischen den Faszisten und 5er Polizei sind mehrere Faszisten getötet worden. Aus diesem Anlaß versuchten die Faszisten, in Fiume das Rathaus zu bourbardieren. Das Stadtoberhaupt flüchtete.
Gegen den französischen Unterricht im Saargsbiet.
Gegen die Verfügung der Saarregierung, die den fakultativen französischen Unterricht in den saarländk- feben Schulen verfügt, hat die Scbnldeputatton der Stadt Saarbrücken einen Beschluß gefaßt, in dem sie den Antrag stellt, daß für die Zulassung der Kinder zu dem französischer: Unterricht neben dem Wunsch der Eltern das Urteil der Lehrer über Begabung und Leistungs- fäbiakeit des Kindes maßgebend sein soll. Die Schulde- putation sieht sich veranlaßt, ihr Befrernden über die Art und Weise der Einstihrung kurz vor Schluß des Schuljahres ohne Anhören der behördlichen Organe anszusvrechcn. Sämtliche politischen Parteien stellten sich auf den Boden dieses Beschlusses und erklärten, d-.m die betreffende Verordnung, da sie ohne Anhörung der gewählten Vertreter des Volkes erlassen worden sei, einen Verstoß gegen den Friedensvertrag bedeute.
Es kriselt in Italien weiter.
m-Infolge des Rücktritts des italienischen Post- und Telegraphenministers wird de Facta selbst dieses Porre- fentne vorübergehend mit übernehmen. Der Vorsitzende