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HersfelöerTageblatt

Hersfelöer Kreisblatt"

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Nr. 68

Dienstag, den L1. März

19358

Das Moratorium.

Die in Cannes vertretenen Staaten der Entente Hatten nach dem Zusammenbruch der Konferenz infolge -er plötzlichen Abreise Briands eine provisorische Ent- scheidung über das deutsche Verlangen nach einem Mo­ratorium in dem Sinne getroffen, daß Deutschland den Auftrag erhielt, alle 10 Tage den Betrag von 31 Millio­nen Goldmark bis auf weiteres an die Entente abzu- liefern. Deutschland ist seinen Verpflichtungen bisher pünktlich nachgekommen, es hat bis jetzt sieben derartige Raten geleistet, mithin also Sie ansehnliche Summe von 217 Millionen Goldmark an seine Gläubiger gezahlt. Es versteht sich von selbst, daß dieses Provisorium nicht mehr weiter ausgedehnt werden kann, da nicht nur Deutschlands Zahlungsfähigkeit eine derartige Belastung für die Dauer nicht vertrüge, sondern weil die auf diese Weise auflaufenden Summen allmählich das Matz der Sorderungen übersteigen würden, die die Entente an eutschland auf Grund des Londoner Ultimatums ge­sellt hat. Bereits die fortlaufenden Zahlungen von 31 Millionen Goldmark haben für die Wirtschaftslage des Deutschen Reiches die verhängnisvollste Folge gehabt, Kenn die Beschaffung von Auslandsdevisen zur Beglei­chung der Goldforderung hat, nachdem sich die Mark Ende des vorigen Jahres bereits in bemerkenswerter Weise erholt hatte, einen neuen Kurssturz der deutschen Werteinheit herbeigeführt. Der Dollar ist umgekehrt beängstigend in die Höhe geklettert, und nicht viel fehlt, Saß er wieder jene katastrophale Höhe erreicht, die er im 4. Quartal 1921 erringen konnte. Ginge es so wei­ter, dann würde die Zahlungsfähigkeit Deutschlands im­mer geringer, die Beschaffung von Golddevisen immer schwieriger, eine scharfe Rückwirkung auf die Preisver- Hältnisse des inneren Marktes wäre unausbleiblich, der endgültige Zusammenbruch mit seinen furchtbaren sozia- ren Erscheinungen wäre unvermeidlich.

Die Mehrheit der Wiedergutmachungskommission, Sie zur Zeit in Paris tagt, hat sich auf den Grundsatz eines Deutschland zu bewilligenden Moratoriums ge­einigt, wenn auch über die Höhe und die daran zu knuy- S^en Bedingungen noch keine völlige Einigung zu be­en scheint. Grundsätzlich war ja bereits in Cannes von den Regierungsvertretern die Absicht ausgesprochen worden, Deutschland gewisse Zahlungserleichterungen zu gewähren. Man hatte sich auf eine Barsumme von 720 Millionen Goldmark orehrat, die Deutschland zu zahlen hätte, und auf 1450 Millionen in Sachleistungen. Ein französisches Blatt will sogar wissen, daß die nnttlere Ziffer, auf die man sich in der Wiedergutmachungskom- Mission geeinigt habe, nur etwa 8W

Das Moratorium, das man Deutschland gewähren will, ist natürlich an bestimmte Bedingungen geknüpft, und wir dürfen ohne weiteres annehmen, daß man uns Sas erwiesene Entgegenkommen durch allerlei Schikanen versalzen wird, die, wenn sie unseren Geldbeutel schonen, so doch unsere nationale Ehre und Souveränität aufs Peinlichste berühren werden. Wir haben bereits genü­gend Kontrollkommissionen der Entente m Deutschland «nd wissen, was das bedeutet. Die neuen Kontrollkom­missionen, die man uns aufoktroyieren will, werden sicherlich nicht dazu beitragen, den Gegensatz zwischen den Ehemals feindlichen Völkern zu mildern. Gehen die Wünsche des französischen Finanzministers de Lasteyrie in Erfüllung, dann werden wir uns auf Kontrollorga­nisationen über die deutschen Finanzen, die sich auf d e Zölle, die Devisen, die Reichsbank und das Reichsbudget erstrecken werden, gefaßt machen müssen. Indessen, ehe man ein endgültiges Urteil über d'e neueLage abgeben darf, wird man die Einzelheiten der Pariser Beichliiße abzuwarten haben. Ein wohltätiger Einfluß des Mo­ratoriums auf unsere Gesamtlage könnte zunächst nicht ausbleiben, schon weil endlich jene furchtbare. Unsicher- heit aus- unserer Wirtschaft verschwindet, die bisher jeden Versuch einer Wiederaufrichtung im Keime er« Mckte.

Die Bedingungen für das Moratorium.

»»Aus Paris wird gemeldet: Nach demTemps" sol- Xen die Garantiebedingungen für die Stuaoungsgewäh- runa an Deutschland im Jahre 1922 folgende Punkte Setreffen: 1. Autonomie der Reichsbank, 2. Gleichge­wicht des Staatshaushalts mittels Steuern oder-innerer Anleihen, 3. Unterdrückung der Auswüchse der Kapital­ausfuhr, 4. Repartierung der ausländischen Devisen, 5. Einschränkung des Notenumlaufs, 6. periodische Beröf- Klichung der Finanz- und Handelsstatistik wie vor Kriege usw. Die Erfüllung dieser Garantiebedln- MNgen soll kurz Lefrisiet und von der Garantiekommls- kou kontrolliert werden.

Dr. Wirth Wer den Wiederaufbau.

«et-tfus Mailand wird gemeldet: Reichskanzler D^ Wirth äußerte in einer Unterredung mit dem italieni­schen Abgeordneten Mossolini sein Bedauern darüber, daß die Vereinigten Staaten die Teilnahme an der Kon­ferenz von Genua abgesagt haben. Nach seiner Ansicht sei der endgültige Wiederaufbau Europas nur möglich, wenn sich die Vereinigten Staaten an dieser Arbeit be- teiligem Für den russischen Wiederaufbau sei Geld und Arbeit nötig. Deutschland könne rein Kapital zu diesem Zwecke aufbringen, sondern nur die Hilfe und Arbeit seiner Techniker. Im Verhältnis zwischen Ita­lien und Deutschland bezeichnete Dr. Wirth die Schaf­fung guter Handelsbeziehungen als sehr wichtig. Der Reichskanzler konnte noch nicht zusagen, ob er persön­lich an der Konserenz von Genua teilnehmen werde.

Memungsaustausch der Neutralen für Genua

Ueber den Meinungsaustausch, der in Stockholm zwischen den Vertretern der sechs neutralen Staaten Eu­ropas, nämlich der drei skandinavischen Länder, der Schweiz, Hollands und Spaniens, über ihre Stellung­nahme zur Genueser Konserenz stattgefunden hat, wurde eine amtliche Mitteilung folgenden Inhalts her­ausgegeben: Die Unterhaltung, die zwischen den schwe­dischen und norwegischen Staatsminiftern, dem öäM- schen Außenminister und den Vertretern einiger an­derer Länder wegen des Programms für Genua gepflo­gen wurde, hat gezeigt, daß eine wesentliche Ueberein- Bestimmung in den Ansichten Wer die dabei berührten Fragen vorhanden war. Ein weiterer Gedankenaus­tausch, der vor der Genueser Konferenz notwendig sein dürfte, wird zwischen den Sachverständigen stattfinden, die die verschiedenen Länder zu letzteren entsenden.

Abreise der Sachverständige» nach London.

»»-Aus Paris wird gemeldet: Die französische Dele­gation für die Sachverständigenkonferenz ist nach Lon­don abgereist. Sie besteht aus Seydoux, Fromogeot, Massignt, Avaenol und du Hegouet. Wie aus Brüssel gemeldet wird, sind auch die belgischen Sachverständigen nach London abgereist.

Rückkehr Bergmanns aus London.

»»Aus London wird gemeldet: Dr. Bergmann hat London wieder verlassen. Der deutsche Botschafter de­mentiert, daß- Bergmann nach London gekommen sei, um der Konferenz der interalliierten Sachverständigen für Genua beizutreten. Bergmann sei nicht in amt­licher Mission nach London gekommen und habe auch Nicht mit einem Mitglied der englischen Regierung ge­sprochen.

Die 17. Tagung des Völkerbundrates.

»»Zürich, sS. C.) Die Schweizerische Telegraphen­agentur meldet aus Genf, daß mit Rücksicht auf die Wirtschaftskonferenz von Genua die 17. Tagung des Völkerbundrates, die für den 25. April angesetzt worden war, auf den 30. Mai verschoben worden ist. Der chinesische Vertreter im Völkerbund hat den Antrag sei­ner Regierung überreicht. Der Völkerbund möchte die territoriale Integrität der Verbandsstaaten aussprechen als Vorbeöingrmg für die Abrüstung der Landarmeen.

Deutschland «ud der Völkerbund.

»»Basel. (S. C.) DenBasier Nachrichten" wird aus Berlin gemeldet, daß von deutscher Seite auch für die nächste Tagunq des Völkerbundes kein Antrag auf Auf. nabw-e. DenMlarckrL m, sen «ZoDt.eiounü. gestellt wird und auch an amtlichen Berliner Stellen nicht die Ab­sicht besteht, einen dahingehenden Antrag durch einen anderen den: Völkerbund bereits angehöreuden Staat stellen zu lassen.

Eiue europäische Abrüstungskonferenz.

»»Zürich. lS. C.) DerSecolo" meldet aus Rom, daß die Rede des italienischen Ministerpräsidenten de Facta über die Konferenz von Genua und über die Abrüstungsfrage in den parlamentarischen Kreisen Roms als eine Vorbereitung für die Einberufung einer euro­päischen Konferenz für die Frage der Abrüstung aufge­faßt wird. Die europäische Abrüstungskonferenz soll in unnrittelbarem Anschluß an die Wirtschaftskonferenz von Genua stattfinden.

Gegen die Herabsetzung der englischen Heeresstärke.

»» Rotterdam. lS. 6.) Marschall Wilson wendet sich in einem Artikel in derTimes" gegen die Herabset­zung der englischen Heeresstärke um 20 090 Mann. Marschall Wilson erklärt, daß die gegenwärtige Lage in Europa nicht beruhigender sei als im Jahre 1913.

Rückständige Kohlenlieferungeu.

»»Genf. lS. CJ Einer Meldung desTemps" zu- folae hat die Reparationskommission für den Monat Februar 460 000 und für die erste Hälfte des Monats März 180000 fehlende Tonnen an den vereinbarten deutschen Kohlenlteferungen festgestellt.

Einigung mit der Deutschen Volkspartei.

»»Dresden. (S. C.) DieDresdner Nachrichten" melden aus Berlin, daß die Beratungen des Reichs­kanzlers Dr. Wirth mit der Deutschen Volkspartei zu einer prinzipiellen Einigung geführt haben. Die Demo­kraten und das Zentrum werden am Dienstag, die Mehrheitssozialdemokraten am Donnerstag zu dem Er- gebnis der Beratungen Stellung nehmen.

Umsturz in Bulgarie«?

** DerNeuyork Herald" erfährt aus Wie«: An z«- ständiger Stelle werde erklärt, daß die nationalistische Militärpartei in Bulgarien, bestehend avs Offiziere« und Unteroffizieren, die mit mazedonischen Bulgare« gn« sammeugehe«, die Regierung Stambuliuskt gestürzt nad eine Militärdiktatur proklamiert hätten. Einzelheiten fehlen noch.

Generaloberst von Hausen t.

* Dresden. (L. A.) Generaloberst von Hausen, einer der verdienstvollsten Führer der sächsischen Armee, ist hier gestorben. Im Jabre 1^92 wurde er Chef des Generalstabes und im Jahre 1900 kommandierender Gene­ral des Xu. Armeekorps. Die Legende, die ihm an den Ausgang der Marneschlacht schuld gab, ist längst widelegt.

Die deutsch-polnische« Verhandlungen.

»»Aus Genf wird gemeldet: Man rechnet damit, daß sie deutsch-polnischen Verhandlungen noch in dieser Woche zum Abschluß gelangen. Präsident Calonder dürste wahrscheinlich in den ersten Tagen der Woche den

BermiMnugsversnch zwischen den beiden BevollmäcK tigten in den noch nicht gelösten Fragen vornehmen.

Die Unterzeichnung des deutsch-polnischen Vertrages.

»» Berli«. (S. C.) Nach den hier vorliegenden Mel-- dungen aus Genf erfolgt am 30. März die Unterzeichn nung^des deutfch-polnischen Vertrages über Ober^

Devtsch-poluischer Strafgesaugenevausiausch. i »»Davzig. (S. C.) Nach einer Meldung derDanzi-» ger Zeitung" aus Warschau hat die polnische Regierungf beschlossen, einer Entlassung der in den polnischen Staatsgefängnissen befindlichen Deutschoberschlesier auf Grund des gegenseitigen Abkommens zuzustimmen. Die weiteren Verhandlungen sollen von den deutschen uu» polnischen Beauftragten in Oppeln geführt werden.

Großer Geschäftsverkehr in BreAarr.

»»Die Breslauer Frühjahrsmesse ist am Sonntag er­öffnet worden. Schon in den ersten Stunden herrschte in den Messehäusern ein bedeutender Geschäftsverkehr der in den Nachmittagsstunden immer größer wurde. Einzelne Artikel wurden schon am erste» MessetaaS ausverkanft. Die Geschäftsaussichten können allgement als sehr günstig bezeichnet werben. Die Zahl der Be­sucher der Messe wird die vorjährige Zahl von 3000fr weit übersteigen.

Bertranensvotn« für die italienische Regierung.

»»Aus Rom wird gemeldet: Die italienische Stammet hat die Erklärung der neuen Regierung mit 275 gegen 89 Stimmen angenommen. In der vorausgegangene« Debatte hatte Außenminister Schanzer außenpolitische Erklärungen abgegeben, von denen diejenigen über die Koferenz von Genua besonders bedeutungsvoll waren.

Balfonr in Ferien.

»»Aus Paris wird gemeldet: Arthur Balivur ist irr Cannes eingetroffen, um dort seine einen Monat lang dauernden Ferien zu verleben. Die Tatsache, daß er an die Riviera gegangen ist, wird vielfach als Zeichen der Entspannung in der englischen Kabinettskrise be­urteilt.

Allerlei vom Saae.

Weitere 1200 amerikanische Besatznugstruppen ha­ben das Rheinland verlassen, um nach den Bereinigte» Staaten zurückzukehren.

Ja der Weivkauss-Angelegenheit Dr. Hermes ha­ben die Unabhängigen ein neues Schreiben an des Reichskanzler um baldige Stellungnahme nerMet,

Falls die $axl£iiÄ=Äi4^ einigen! kok-' len italienische Truppen zur Wiederherstellund der Ord­nung in Fiume einrücken.

Eiue neue amerikauische Zcitmrg,Daily Heralb", ist in englischer Sprache in Berlin erschienen.

Die amerikanischen Gewerkschaften geben bekannt daß am 1 April 600 000 Arbeiter in den Streik treten werden.

Bicomte Peel ist zum Unterstaatsiekretär für Ju-, dien als Nachfolger Montaques ernannt worden.

Der indische Freiheitskämpfer Gandhi ist zu 6 Jah­ren einfachen Kerkers verurteilt worden.

Vas SlßuerRompromiS im Heiflsfag.

119. Sitzung.

Am Sonnabend, dem dritten Verhandlungstag«, fand die allgemeine Aussprache über die Stenervorlage« ihren Abschluß. Als erster Redner wandte sich der baye­rische Volksparteiler Emminger gegen den Gedanken der Erfassung der Sachwerte. Mit besonderer Schärfe nahm er auch gegen den Wucher in allen seinen Erscheinungs­formen Stellung. Zwei kommunistische Reden folgten. Dr. Geyer lehnte ebenso wie Herr Koeueu das Steuer-! komproMß ab. Beide sahen die einzige Rettung imt; in demvölkerbefreienden" Kommunismus.

Damit war die allgemeine Aussprache über die Steuervorlagen beendet und mit ihr auch die erste Le­sung des Mantelgesetzes. Das Haus vertagte sich dar-! auf auf Montag und setzte auf die Tagesordnung die zweite Lesung sämtlicher Steuervorlagen.

Etaksberatung im Landtag, i

189. Sitzung. i

Der Preußische Landtag konnte seine Absicht, ami Sonnabend die zweite Beratung des Forstbaushaltes zu Ende zu bringen, doch nicht durchsetzen. Angesichts der Tatsache, daß in den letzten Stunden kaum ein Dutzend von Volksvertretern im Saale versammelt war, nahm man einen Vertagungsantra« an, so daß der Rest dieses Haushaltes erst nach der einwöchigen Pause zur Erle­digung kommt. Die Aussprache hatte die bekannte» Fra­gen der Ausbildung, des Försterdienstlandes, der Auf­wandsentschädigungen, der Katzlschläge, der mangelnde» Aufforstung zum Gegenstaud. Allgemein wurde der Wunsch zum Ausdruck gebracht, daß endlich das Forst­kulturgesetz dem Hause vorgelegt werde. LandwtrtswaftS- minister Dr. Wendorff konnte einen genauen Termt» für die Vorlegung nicht angeben. Das Gesetz sei zwar fertig, man könne es aber nicht vorlegen, weil das Reich ein allgemeines Forstgesetz erlassen werde. %5 Uhr machte man Schluß. In der Woche nach der Pause wir» als nächster Etat der LanöwtrtschaftshaushaÜ zur Be­ratung kommen.

polMsch« »achrtchte«.

Die Wirkttvae« der Gebührenerdöhnng bei der Post DieBoff. Ztg." weiß zu berichten: Die Wirkung ba Vervielfachung der Post- und Telearavbenaebübren vor