KersMer Tageblatt
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Hersfelöbr Kreisblatt*
Amtlicher Anzeiger für den kreis Hersfel-
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Kr. 84
Sonnabend, den 8. April
1922
Der iuffond unserer Iriiljeren Kolonien
In der allgemeinen Sitzung der Gesellschaft für Erdkunde zu Berlin wurden die Behauptungen der neuen Mandatsherren, daß Deutschland unwürdig und unfähig sei, die Verwaltung unserer früheren Kolonien zu übernehmen, eingehend erörtert. Dort entrollten vor Ver- iretern der Reichsbehörden und einem zahlreich erschienenen Publikum drei der berufensten Kolonialdeutschen ein Bild unendlicher Tragik, um so erschütternder, als Mundsätzlich nur aus fremden Quellen, neutralen und «stierten, also sicher nicht LeutschfremrdltK gefärbten, geschöpft wurde.
Geh. Reg. Rat Brandes berichtete zunächst über Deutsch-Ostafrika, das jetzige „Tauganyika Territory". Die Erklärung neutraler Beobachter, sie hätten nirgends daß gegen die Deutschen feststellen können, ein „Das riedlose Europa" betitelter Artikel des ehemaligen ita- ienischen Ministerpräsidenten Nitti, in dem er von der rewunderungswürdigen Entwickelung der deutschen Ko- onien und dem jeder rechtlichen Grundlage entbehren-
amte innere Verwaltung aus-
>en Raub derselben spricht, die Ansicht des „Manchester Suardian", daß durch die deutsche Arbeit unseren Kolo- nen eine gute Zukunft in Aussicht stehe, diese Stimmen «eigen schon, daß, wie Überall, so auch hier Lügen kurze Seine haben. Am treffendsten jedoch wird die verleum- «erische Behauptung von unserer Unfähigkeit zu Koloni- ativn widerlegt, durch den Mandatsbericht der jetzigen mgltschen Verwaltung, der unumwunden die Ueberle- -.enheit deutscher Schulen und Missionseinrichtungen. zu- abt, der das Biologische Institut als mustergültige xchöpfung, die Krankenhäuser als hervorragend aner- tiint, der sich schließlich für die Beibehaltung des d-ut- chen Systems für die gesamte innere Verwaltung aus- pricht. Und das mit gutem Grunde, denn die Erfolge er Manöatsverwaltung sind — selbst nach englischen Quellen — höchst zweifelhafter Natur! Hat doch z. B. New Statesman" geradezu von dem afrikanischen Skan- al gesprochen, haben doch die „Times", die seinerzeit so bsällig über uns geurteilt.ihre Spalten wiederholt em- örten Artikeln und Briefen englischer Farmer geöffnet, at doch der englische Kolonialminister selbst erklärt, die icandatsverwaltung könne vorläufig nichts der deutschen sehnliches leisten! Das Urteil über die englische Mctz- ürtschaft ist allgemein, und der Vortragende, den noch 921 eine Reffe ins Zentralgebiet ffihrte, konnte dasselbe us eigener Erfahrung nur bestätigen. Das Ftnanzwe-
„ Finanzwe-
m — ein vollkommenes Chaos. Das Schulwesen liegt Alia darnieder, das große Missionswerk ist fast restlos errichtet. Die Pflanzungen, mit Ausnahme der in
des
«Jung ist verelendet und vers
Und was hier von Deutsch-Ostafrika gesagt wurde, ilt ähnlich für alle unsere Kolonien. Auch in Deutsch- üdwest-Afrika ist die wirtschaftliche Lage. nne Geh. Reg. tat v. Z astrow ausfiihrte,.ohne jede Lichfferte. Zwar nü nicht alle Deutschen des Landes verwiesen worden, 3er ihre Lage ist unsagbar traurig, wie derzurVer- sung gebrachte Br'ef eines I7sährtgen Mädchens, der ödster eines ehemaligen wohlhabenden Farmers mit -schütternder Klarheit zeigte. Auch hier nur Zerstörung rr mustergültigen deutschen Wirtschaft, der selbst der reusierminister der Südafrikanischen Union höchste An- -kennung gezollt bat: „Die Deutschen waren ausgezeich- Ke Kolonistelk, sie haben das Land der Barbarer ent- sien und zum Kulturland gemacht." Deutsch fühlt dar- m auch heute noch die Bevölkerung, sie sträubt sich da- -gen, zu englischen Staatsbürgerrr gemacht zu merden, nd mit bewunderungswürdigem Opfermut sucht sie nep 13 deutsche Schulwesen zu erhalten.
Genua.
Eröffuuugsfitzung in Genua.
^Die russische Delegation ist in Genua mrgekommen. ie Vorkonferenz der Alliierten wird, wie der Sonder- richterstattcr der „T. U." hört, nach den bisherigen Dis- isitionen am Sonntag nachmittag 4 Uhr stattfinden.
Die Besprechung der Sachverständigen.
»Berlin. (S. C.) Die Besprechungen der Sachver- indigen für die Konferenz von Genua im Auswärtigen am Donnerstag nahmen mehrere Stunden in An- ruch und endeten erst gegen 6 Uhr abends. Sie er- -beu eine einmütige Zustinnnung der Sachverständigen der Gewerkschaftsvertreter zu dem von der Regie- na vorgelegten Programm für die Konferenz von enua Anträge an die Reichsregiernug wurden aus n Kreisen der Sachverständigen nicht gestellt.
Die Borvesprechung der Alliierten.
* (S. C.) Havas meldet aus Genua: Die Bor- sv>c(!mng der alliierten Minister, die auf der Konsens vertreten sind, findet am 8. April mittags 12 Uhr her Villa, in der sich der Hauptsitz der englischen Dele- tton befindet, statt. Die Aufgabe dieser Borbespre- nia der Alliierten ist, eine Mehrheit für die endgültige ütieauna der Tagesordmmg der Genueser Konferenz der^nstellen und eine vorherige Einigung der alltier- r Delegationen herbeizuführen über die taktische Stel- nauahme auf der Konferenz.
Die Vorbereitungen in Genua.
* »jirtch. (S. C.) Der „Secolo" meldet aus Genua, s, 54» Polizei zur Sicherheit der ausländischen Dele- timten bis auf weiteres die Paßkontrolle angeordnet t Die Zahl der Fremden, die in Genua eintreffen, 8.» t,»^,» L»K beusmittel steigen rapide. In der letzten Woche be»
trug die Steigerung für Getränke und Lebensrnittel bis 100 und 150 Prozent.
Italien behält sich freie Hand.
»-r-Ber«. (S. C.) Der „Corriere della Sera" meldet aus Rom, daß die offiziösen römischen Kreise sich nichr zu der Auffassung des englischen Ministerpräsidenten entschließen könnten, auf der Genueser Konferenz dürfe das Reparationsproblem nicht besprochen werden. Man versichert, daß die italienische Regierung sich die Freiheit der Entschließung gegenüber allen auf der Konferenz von Genua erörterten Fragen nicht nehmen lassen wolle. Die „Tribuna" und die „Jtalia" schreiben, die italienischen Delegierten würden auf der Konferenz die Versöhnung der Völker und den Wiederaufbau aller eingeladenen Mächte vertreten.
Die schweizerische Delegation.
»-«-Basel. (S. C.) Der „Tagesanzeiger" meldet aus Bern, daß die schweizerische Delegation für Genua im Bundeshanse unter dem Vorsitz des Bundespräsidenten zu einer allgemeinen Aussprache über die Konferenz von Genua zusammengetreten ist. In den Kreisen der schweizerischen amtlichen Kreise wird der Wiederaufbau der vier an die Schweiz angrenzenden Länder als die Voraussetzung für den wirtschaftlichen Wiederaufbau Europas erachtet. Der Hauptweg, der zu diesem Ziele führe, sei die Stabttisierung der Valuten.
Auch noch eine Konferenz in Berlin?
»-«.Berlin.' K. Z.) Nach einer Meldung des „Echo national" aus London wird in der Umgebung des englischen Ministerpräsidenten erklärt, daß dieser in Genua den Vorschlag machen werde, später eine Konferenz nach Berlin eutzuberufen.
Me Antwort auf die Polizemote.
Re-
Der Reichsminister des Aeutzern hat dem General Rollet die Antwort der deutschen Regierung auf die Note der Interalliierten Uebermachungskommission vom 23. März in der Polizeifrage übermittelt. In der Antwortnote wird zunächst festgestellt, daß die deutsche Regierung bereits vor dem 23. März den alliierten Hauptmächten ein Schreiben hat zugehen lassen, in der die alliierten Mächte ersucht wurden, die inneren Gefahren zu berücksichtigen, die für Deutschland aus einer Schwächung der Schutzpolizei in ihrem jetzigen Zustande entstehen müßten. Dieses Schreiben ist unberücksichtigt geblieben. In der Note wird dann erklärt, daß die deutsche Regierung die in der Note vorn 23. März ausgesprochene Forderung der Rückkehr zM Organisation der Polizei von 1913 auerkennt. Es h
Herr uteilen, daß
die deutsche Regierung von en in Er Nöte vom 23. März enthaltenen Erklärungen der Kommission Kenntnis nimmt, wonach auch diese für die Länder die Möglichkeit wahren will, im Rahmen der übernommenen Verpflichtungen die Organisation der Polizei den seit 1913 eingetretenen veränderten Verhältnissen anzu- vassen. Die deutsche Regierung geht davon aus, daß danach die für die Aufrechterhaltung der öffentlichen Ruhe und Ordnung und damit auch des Wirtschaftslebens in Deutschland n«eu,behrlicheu polizeilichen Grundlage« garantiert werdeir. Sie nimmt an, daß die Kontrollkomulission unter der in der Note zum.ersten Male gebrauchten Formel „Rückkehr zur Organisation von 1013" die Erfüllung der im Friedensvertrag in bet Note von Boulogne und in den Pariser Beschlüssen festgesetzten Verpflichtungen versteht. Dies voransgeschickt erkennt die deutsche Regierung für sämtliche deutschen Länder den Zustand von 1913 als Grundlage für die Organiation der Polizei an."
Die Note erinnert zum Schluß an die Solidarität der Kulturvölker gegenüber Staat und Autorität verneinenden Elementen und weist auf die ernste Verantwortung für die innere Sicherheit des Kontinents hin, die aus einem Abgleiten Deutschlands in einen Zustand innerer Wirren entstehen würde.
Die Antwort auf die Entschädigungsnote.
»-«-Berlin. Die Meldung eines hiesigen Nachrichtenbüros, daß der Wiederherstellungsausschutz verlangt habe, die deutsche Arstwort auf die Note des Ausschutzes müsse bis spätestens zum 8. April überreicht sein, kann hier von amtlicher Seite nicht bestätigt werden. Es ist jedoch, wie aus unterrichteten Kreisen mitgeteilt wird, zu erwarten, daß die Antwort demnächst erfolgen wird.
Neue Besetzung des Mosergebietes?
Von verschiedenen Stellen aus dem Moselgebiet liegen Meldungen über französische Besetzungsmatznahmen vor. Quartierrnacher der französischen 11. und 13. Infanteriedivision aus Nancy und Epinal sind nördlich von Cochem und Trier angekommen und erzählen, datz an ihre Truppenteile Befehl für erhöhte Marschbereitschaft ergangen sei. Unter General Vidalon solle- eine neue französische Gruppe an der Mosel gebildet werden.
Neue Aufstandsgefahr in Oberfchlesten.
»-#• Der „Oberschlesische Kurier" meldet, daß seit langem Waffentransporte nach dem südlichen Teil des Kreises Rnbnik und die Verteilung an die verschiedenen Orga- llisationsstellen beobachtet worden sind. Man könne behaupten, daß die Kreise Rvvnik ««d Pletz in Waffe« starre« und daß dort viel Munition aufgehäuft ist, so- daß bei einer Explosion ganz Oberschlesic« in die Luft geben müßte. Bet den unsicheren polittschen Berhült- ntsfen sei es immer noch möglich, daß die Pole» einen neuen Putsch versuche«.
Note Danzigs an den Botfchasterrat.
w Danzig. (B. T.) Der Senat des Freistaates Da»»' zig hat durch Vermittlung Polens an die BotschafteL«- konfereuz eine Note gerichtet, in der lebhaft gegen die Forderung von 400 Millionen Mark Koste» für die frühere Besatzung durch englische und französische Truppen protestiert wird. Zur Sicherung von Ruhe und Ordnung im Freistaat wäre die Besatzung viel zu groS gewesen. Aus diesem Grunde könne Danzig nur zm» geringen Teil die Tragrmg der Besatzungskosten Hera»
gewesen. Aus diesem Grunde könne D^ geringen Teil die Tragring der Besatzun
tragen soll, müsse er finanziell zusammenbrechen.
Maßnahmen gegen Preiswucher.
Der Volkswirtschaftliche Ausschutz des Reichstage» setzte die Beratung des Gesetzentwurfes über die öffentliche Bekanntmachung von Verurteilungen wegen Prel»- treiberei, Schleichhandels, verbotener Ausfuhr leben», wichtiger Gegenstände und unzulässigen Handels sorL Der Unterausschuß beantragte die Annahme der Bov» läge mit einigen Aenderungen und er empfahl die A»^ nähme einer Entschließung folgenden Inhalts:
Die Wucherverordnung soll möglichst bald eine M klare Kennzeichnung der Tat und der Bestandsmerkmaw des Preiswuchers erfahren, daß eine objektive Feststellung der Zuwiderhandlungen ermöglicht ist. Insbesondere soll ein Preiswucher nicht vorliegen, wenn der Preis der Marktlage entspricht.
Die Wiederaufnahme des Verfahrens zugunsten be» Verurteilten soll erleichtert werden. Möglichst frühzeitt» sollen schon vor Erhebung der Anklage Sachverständige, hinzugezogen werden, die eventuell von Handelskammern, Handwerkskammern, Landwirtschaftskammer» usw. benannt werden und die auch gehört werden sollen wenn es sich um die Fernhaltung unzuverlässiger Per- sonen vom Handel dreht. .. ,, „ .
Schließlich soll die Regierung erwägen, welche Maßnahmen geaen Kartelle und Syndikate zu ergreifen sinih, wenn sie die ihnen infolge der Geldentwertung und bet unsicheren wirtschaftlichen Verhältnisse erwachsene Macht zur Preistreiberei, insbesondere durch Einschränkuo» der Produktion und des Handels mißbrauchen.
Nach eingehender Aussprache wurde der Gesetzent- wurf im wesentlichen gemäß den Beschlüssen des Unter- ansschusses angenommen.
Sie lamm
kraftvolle« Kolitis der Bürowahl Hieu
Waffe ««r i«
werden kann.
S. der Tagun» waren rund 500 delegierte aus dem Reich erschienen.. Als Gäste waren zahlreiche Abgeordnete des ReichS-- und Landtages mrwesend. Vor Eintritt in die Tagesordnung hielt der erste Vorsitzende des BeamtenbundeS Lehrer Flügel eine Begrüßungsansprache, in der er die Notwendigkeit einer gemeinsame« kraftvollen Politill des Beamte«b«»des betonte. Nach der Bürowahl hielt Flügel eine programmatische Rede über die künftige Entwicklung des Beanrtenbundes. Ausgehend von Artcket 130 der Reichsverfassung, wonach die Beamte« Diese» der Gesamcheit, nicht einer Partei sind, betonte der Bor» tragende die Notwendigkeit der partetpolittsch neutrale» Grundlage der Beamtenverbäuöe. Zur Frage des 8er amteustretks erklärte der Redner, daß diese furchtbare ' Zustand äußerster Notwehr angewandt Jeder Beamtenstteik berge die Gefah» des Aufhörens der Beamtengr-undrechte in sich. Nur bet ernsthafter Bedrohung der verfassungsnräßige» Grundrechte der Beamten und bei ernster Geführduns ihrer Existenzmöglichkeit sei der Streik als letztes Mittel anzuwerlden. Der sogenannte Verfassungsstreik sei alS Streik nicht anzusprechen. Zur Frage des Verhäitnifles des Beamtenbundes zu den Gewerkschaften sagte Flügel, daß als unbedingte Voraussetzung für die Zusammenarbeit die Wahrung der parteipolitischen Neuttalitat des Deuffchen Beamteiibundes und seiner organischen Selbständigkeit nötig sei. Es wurde beschlosien, d,e programmatischen Ausfübrurigen Flügels drucken zu laste» und dem Bundestag noch vor seinem Ende zu unterbreiten. An die Rede Flügels schloß sich eine Aussprache an der die Vertreter des Bundes der technischen an» industriellen Angestellten, der Vertreter der Gewerkschaft deutscher Eisenbahnbeamten und Waldemann vom bayerischen Beamtenbund teilnahmen.
Mennes Kampfansage.
Die Hauptversammlung der Reichsgewerkschast deutscher Eisenbahnbeamten nahm die Neuwahl des Vorstandes vor. Der bisherige Vorsitzende Menne wurde mit großer Mehrheit wiedergewählt. Er erhielt 134 Stimmen. Auf den Vertreter der gemäßigten Richtung, Klein-Münster, entfielen nur 54 Stimmen. 2. Vorsitzender wurde der ebenfalls bekannte Streik» sichrer Marffchwerdt mit 181 Stimmen. Nach seiner Wiederwahl hielt der inzwischen anscheinend von seiner „Krankheit" genesene 1. Vorsitzende eine Rede, in der er der Sicgicrang und dem Dentchen Beamtenbusb auf» neueste schärfsten Kampf ansagt. Solange er das Steuer der Reichsgewerkschaft in Händen habe, werde nicht ein einziger GeMaßreaeuer auf der Strecke bleiben. Der Reichskanzler müsse unbedingt sein gegebenes Wort halten, sonst werde die Reichsgewerkschaft durch Kampf das erreichen, was ihr auf dem Verhandlungswege verweigert werde.
Die Berhaudlnnge« über das Beemelmausabkommeu. ^» Berlin. Das belgische Mitglied des Wiederherstel- lurmsausfchusses Beemelmans ist wiederum ht Berlin