Hersfelöer Tageblatt
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Franz Fünf? in Bersfefd. + Fernipredier Nr. 8. •
Hersfelöer Kreisblatt" [
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Nr. 101
Montag, den 1 Mai
195858
Die Antwort an Rußland.
Die Hauptaufgabe der Genueser Konferenz bildet immer noch die Lösung der russischen Frage. Die englische und die italienische Delegation haben eine neue Denkschrift ausge arbeitet, mit deren endgültiger Fassung Sie Unterkommission des politischen Ausschusses beschäftigt ist. Nach einer Meldung aus Genua wird in gewöhnlich gut unterrichteten italienischen Kreisen der Inhalt -es Memorandums, mit dem die Mächte die Gegenvorschläge Rußlands beantworten werden, folgendermaßen skizziert: Es wird in dem Memorandum -er Grundsatz der Herabsetzung der Kriegsschulden zugelassen und innerhalb gewisser Grenzen die Verpflichtung -er Weltmächte, die Sie Exzedition Koltschaks, Denikins und Wrangels subventionierten, anerkannt, für den Surch diese Expeditionen herbeigeführten Schaden Ersatz zu leisten. Ferner wird das Memorandum eine Formel vorschlagen, Sie, ohne die wirtschaftlichen Grundsätze der russischen Sowjetregierung zu berühren, doch das in Rußland angelegte ausländische Kapital völlig sichcr- stellen wird. Es soll in dem Memorandum nichts enthalten sein, was Rußland zu demütigen geeignet ist, und die Unterhandlungen sollen auf der Grundlage des gegenseitigen guten Wrllens abgeschlossen werden. Während in italienischen Kreisen bezüglich der Verhandlungen mit Rußland eine optimistische Empfindung vor- herrscht, fehlt dieses Empfinden bezüglich des Abkommens über den Burgfrieden, dessen Abschluß, wie man -fürchtet, schwieriger sein wird, als der des Abkommens mit Rußland, obwohl sein schließliches Gelingen nicht bezweifelt wird.
Wie die Berliner Blätter aus Genua melden, enthält die Einleitung des Memorandums an Rußland die in Sem Londoner Memorandum überhaupt nicht erwähnten wirtschaftlichen und finanziellen Hilfsangebote an Rußland. Das Schreiben selbst stellt in zehn Artikeln «n Stelle der 28 Londoner Schriftstücke die Bedingungen auf, die als Minimum für eine Kreditgewährung von Rußland verlangt werden müßten, und trägt besonders den souveränen Rechten der Russen innerhalb ihres Lands Rechnung. Es verlangt jedoch die Anerkennung -er Borkriegsschulden, gegenseitige Abrechnung der Kriegsschulden und Schadenersatz für die nationalisierten Werte durch Konzessionen von 99jähriger Dauer.
Die Besprechung der «ene» Vorschläge.
>* Die am Freitag im Kreise der Unterkommission des politischen Ausschusses gepflogenen Besprechungen über die der russischen Delegation,vorgelegten Vorschläge sind iirmöüM^ W ist anzir nehmend daß ‘ Sie^Bespreck ringen am Sonnabend fortgesetzt werden. Ein Termin für die nächste Plenarsitzung der Konferenz steht noch nicht fest. Wahrscheinlich wird sie am Mittwoch stattfinden.
1 Der Entwurf der Note der Alliierten an die Russen Mrö erst am Sonnabend der Sachverstän-igenkommis- flon unterbreitet werden, sodaß die Uebergabe an die Russen vielleicht etwas verzögert werben wird. Falls die Antwort der Russen unbefriedigend fein sollte, bleibt -immer noch die Unterkommission als nicht gebundener Vermittler. Der englische Wunsch nach Frieden dauert !in seiner ganzen Stärke an, sodaß ein Abbruch der Verhandlungen nicht zu erwarten ist.
Die französischen Sachverständigen haben zu dem mglisch-französischen Memorandum an die Russen, das wett entgegenkommender ist als die Londoner Denkschrift, eine Note ausgearbeitet, in der entsprechend den Instruktionen Poincarees der ablehnende französische Standpunkt dargelegt wird.
Die Neutralen sind am
Die Neutralen sind am Freitag vormittag zu einer Neuerlichen Besprechung über den Stand der russischen Frage zusammengetreten. Sie befaßten sich insbesondere mit dem von England und Italien aufgestellten neuen Memorandum, das gegenüber der Londoner Denkschrift eine Reihe von Milderungen enthält und demgegenüber sich nach einer weiteren Meldung außer Frankreich auch Belgien in Obstruktion befindet. Es scheint sich auch ein Teil der Neutralen mehr und mehr der französischen und belgischen Stellung annähert und die unbedingte Liquidierung der Ansprüche ihrer Staatsangehörigen verlangen wird. Man will keine Bestimmung unterschreiben, die als eine Anerkennung des gegenwärtig tn Rußland herrschenden Systems gedeutet werden könnte. Die Besprechung der Neutralen wird ebenfalls Sonnabend nachmittag fortgesetzt werden.
Rußlands Kreditbegehre«.
^»In einem Bericht an die Alliierten schildert Ra« kowsky ausführlich die große Finanznot Rußlands. Rakowsky beendet dann seinen Bericht mit der Bitte um eine baldige Kreditgewährung an Rußland und erklärt, daß die russische Delegation noch einen.Garantievorschlag sttr die Kredite an Rußland der Konferenz vorlegen wird.
Lloyd George besteht auf seinem Plan.
„Exchange Telegraph« meldet aus Genua: Bon maß- acbender Seite wird mitgeteilt, daß Lloyd George ent- schlossen sei, Me großen Fragen sowohl bezüglich der Be- . zabluna als auch der „Sanktionen" auf der Bersamm- ^lung der Unterzeichner öes Friedensvertrages aufzu-
der Rede Lloyd Georges schreiben die „Times", töte Rede klinge wie ein Notschrei. Jeder Schein, daß die »Probleme, die in Genua erörtert werden, rein wirtschaftlich und finanziell sein sollen, wird fallen gelassen.
i „Westminster Gazette" schreibt, England sei gezwun- »aen. Frankreich zu sagen, daß die Politik, die Frankreich Netzt vorschlage, von England nicht unterstützt werden I tonte Llovd George wird weiter in den Beratungen
des Obersten Rates die Aufgabe haben, es über jeden Zweifel klarzustellen, daß, wenn Frankreich handele, wie Poincaree drohe, Frankreich allein handeln werde, un) daß die Isolierung Frankreichs sich nicht allein auf die Frage der Reparationen erstrecken werde. — In einem anderen Artikel schrieb das im allgemeinen gemäßigte Blatt:
„Die Franzosen halten uns für dumm, jedoch sind unserer Ansicht nach die Franzosen selbst aur dümmsten. Möglich, das; sie die wirtschaftliche Lage erst begreifen werden, wenn sie selbst die Folgen gekostet haben. In diesem Falle muß die Probe gemacht werden. Dies wird ein neues Unglück für Europa sein." „Westminster Gazette" betont weiter, daß, wenn die französische Regierung erfahren könnte, welche politischen Rückwirkungen die französische Politik unvermeidlich mit sich bringen würbe, das französische Heer wahrscheinlich nie den Befehl erhalten würde, das Ruhrgebiet zu besetzen. Nicht unwahrscheinlich rechne Poincaree mit der politischen Schwäche Lloyd Georges und glaube in der Stimme Lord Derby die wirkliche Stimme Englands zu hören. In diesem Falle seien Neuwahlen unvermeidlicher denn je. Denn in dieser Frage habe Llovd George die kräftige Unterstützung des ganzen Reiches hinter sich. Obwohl manche Engländer nicht viel Vertrauen zu ihm hätten, sei Lloyd George im Punkte europäischen Wiederaufbaues das Sprachrohr wohl der ganzen öffentlichen Meinung Englands.
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In einer Unterredung mit dem schweizerischen Bundesrat Motta gab Lloyd George nochmals seinen unerschütterlichen Entschluß kund, nicht ohne einen greifbaren Erfolg der Konferenz hinsichtlich der internationalen Verständigung von Genua abzureisen.
Russische Bündnispläne.
Wie aus Moskauer Meldungen hervorgeht, hat die sowjetrussische Regierung ein Projekt ausgearbeitet, das die Abschließung eines politischen und militärischen Bündnisses zwischen Sowjet-Rußland, Deutschland, Au- gora und Bulgarien Vorsicht Die Moskauer Diplomaten messen einem Bündnis tüU Angora und Bulgarien für den Fall eines Angriffes von Seiten Rumäniens und Jugoslawiens große Bedeutung bei.
Die Eisenbahn- und Schiffsverkehrsfrage.
im> An der letzten Sitzung der Berkehrskommission haben deutscherseits Geheimrat Wolfs, Staatssekretär Stichler und Legattonssekretär Dr. Kiep teilgenommen. Es
'"sMim^E ^^WH&N^tHv»^^ "Vera; ten. Der Vorsitzende »vertrug die endgültige Fassung des Berichts einem kleinen Unterausschuß. In der von diesem Ausschutz festgesetzten Fassung soll der Bericht am Mittwoch dem Plenum der Konferenz unterbreitet werden. Der Vorsitzende gab bekannt, daß die Wirtschaftsunterkommission hiermit ihre Arbeit beendet hat, und schloß die Sitzung.
EngNsch-franzSsische Verständigung.
»»Genua. (F. G. A.) Wie aus zuverlässiger Quelle verlautet, hat Lloyd George feine Forderung nach Zusammentritt einer Konferenz der Tiguatarmächte oes Bersailler Vertrages, um die Frage der „Sanktionen" zu erörtern, die im Falle einer Ablehnung der letzte« Ententenote -urch Deutschland zur Anwendung komme« solle«, fallen Gelassen und ist bereit, «m Frankreich ent* gegenzukommen, sich direkt mit Poincaree z« verständigen. Für dieses Zugeständnis soll Poincaree bereit fein, in der Frage des Memorandums an Rußland und der Frage des Burgfriedens Zugeständnisse z« mache».
Aufrollung der Entschädigungsfrage.
»» Londo«. (F. G. A.) Die Londoner Zeittrugen melden aus Genua, daß Lloyd George erklärt haben soll, er werde, wenn es nötig sei, noch einen vollen Monat m Genua bleiben, und er sei fest entschlossen, alle auf die Reparation bezüglichen Fragen auf der Geuueser Konferenz aufzurollen, sowohl die Bezahlung der Repara- ttonsschulden als auch die Frage der „Sanktionen".
„Neues Signal für Genva".
»»Karlsrnhe. (S. C.) Die „Straßburger Rene Zeitung" meldet aus Paris: Der große Ministerrat, in dem der französische Hauptdelegierte in Genua, Barthou, Bericht über die Ge,meier Konferenz erstatten soll, ist für Sonntag mittag einberufen. Der Präsident der Republik, Milleraud, ist bereits Freitag früh non feiner „Erholungsreise" in Afrika vorzeitig nach Paris zurückgekehrt. Auch die Führer der Kammerparteien find in Erwartung wichtiger politischer Entscheidungen in Paris anwesend. Zu der Sitzung des Ministerrats Md anch der Präsident der Reparationskommission, Dubois, und Briand, der frühere französische Ministerpräsident, zugezogen wer» ien. Die Pariser Blätter vom Sonnabend früh bezwei«
kehren wird. Der „Temps" nennt ’ Paris das neue Signal für Ge««a.
Frankreich ««nachgiebig.
»:#. Parts. (L. A.) Der Vorschlag von Benesch, durch den eine Abänderung des von Llovd George vorgeschlagenen alleuropäischen Vertrages Herb'' sollte, ist vo« den Franzosen abgelehvt
^m Widerspruch hierzu steht
Abänderung des von Llovd George vorgeschla- leuropätsrhen Vertrages herbeigeführt werden ' " rvÄLs«,
jedoch folgende
Es wird als unwahr bezeichnet, daß Lloyd Geo: Vorschlag gemacht haben soll, Ostgaltzten den P überaeüen.
Ei« zweites Sonderabkommen. ";
»» Genua. (£ ä.) Zwischen Serbien und Ungarn siE Sesprechungen über einen Handelsvertrag in Genua »geleitet worden. Der Vertrag dürfte im Laufe deS Sonnabends abgeschlossen werben. Die kleinen Staaten wollen wenigstens von dem vielen Geld und der vielen! Zeit, die sie in Genua opfern müssen, etwas für ihre Länder herausbringeir.
Rußland will seine Schulden anerfennen.
►* Genua. Rakowski soll erklärt haben, daß Rußlan- bereit sei, sämtliche Zahlungsverpflichtungen bis zum Jahre 1917 anzuerkeuneu, und zwar in vollem Umfange; Wetter teilte Rakowski mit, daß auch das Erbrecht dee Ausländer in Rußland wiederhergestlli werben solle, Auch sollen die Alusländer, die früher Besitzungen in Rußland gehabt haben, entweder durch Nutznießung oder Beteiligung an einer Aktienaesellschast wieder ta ihre Rechte eingesetzt werden. Schließlich erklärte Rakowski noch, daß Rußland den: Völkcrfriedeusvertraa zu stimmen werde, jedoch nur unter der Bedingung, daß Die Sowjetregierung voll anerkannt würde.
Ganz Euglaud hinter Lloyd George.
»»Rom. Der anläßlich des Gewerkschaftskongresse» hier weilende Führer Thomas erklärte einem Pressevertreter gegenüber, ganz England billige die Haltung Lloyd Georges auf der Konferenz von Genua. Selbst die Arbeiterpartei in England sei überzeugt, daß allein eine derartige Polttik den Weltfrieden hcrbeiführen könne. Dagegen sei man in England der Obstruktion Frankreichs gegen die Genueser Konferenz müde. Seine Partei trete nach wie vor für die Revision des Bersailler Vertrages ein.
I» Genua alles in der Schwebe.
»»Berlin. (S. E.) Das Reichskabineit hat sich seit Sonntag nicht mehr mit der Lage in Genna befaßt. In den Berliner amtlichen Kreisen herrscht die Aussasiung vor, daß in Genua alles in der Schwebe ist. Neue deutsche Sachverständige sind nicht mehr nach Genua abgereist. Der Reichskanzler M. Wirth hat eine Mitteilung nach Berlin aelangen lassen, daß er den Termin, wann er im Reichstage über die Genueser Konferenz sprechen wird, noch nicht allgeben könne.
Die dentscheu Finanzvorschläge.
»»Berlin. (S. C.j In einer am Freitag in Berlin eingegangenen Mitteilung der Reparationskommission wird die deutsche Reichsregierung ersucht, die in bet letzten deutschen Antwortnote angekündigien neuen Finanz w.Hrhi^-u> sEiM^M^a„>m»vl-vunittsUvg za filier, reichen. In der Mitteilung weist die Reparattottskom-1 Mission nochmals auf den am 31. Mai fälligen Termin für die Annahme des neuen Zahlungsplanes der Repa- ratfinskommission hin.
Clemenceau wieder auf dem Plan.
Basel. (S. C.) Der „Basler Anzeiger" meldet au» Parts: Der frühere französische Ministerpräsident Ele- . menceau, der Vater des Bersailler Vertrages, tritt in beti „Homme ltbre" wieder auf den polittschen Plan. Er wendet sich gegen die Reise Poincarees nach Genua nnti gegen jedes weitere Verhandeln mit den Deutsche« an» Russen. Clemenceau, dessen Feder zwet Jahre ruhte, schreibt wörtlich: Frankreich läßt sich nicht von dem Willen seiner Verbündeten, sondern nur von dem Wille»! des Volkes regieren. Die Vertreter des Volkes sind die
der Seite Poincarees. Für Frankreich gibt es nur eine Sicherung gegen Deutschland und Rußland: die Kriegsbereitschaft. Hätte Frankreich 1914 diese Kriegsbereit»! schüft gehabt, so wäre es nicht verwüstet worden. Nicht Worte und Papierverträge verschaffen dem Bersailler Vertrage Achtung, sondern nur Taten.
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Die Finanzkontrolle Deutschlands.
»-»Rotterdam. (S. C.) „Daily Mail" meldet an» Paris, daß die Reparationskommission die Einzelheiten! der am 81. Mai tu Kraft tretenden Finanzkontrolle Deutschlands festgelegt hat. Der Borst« der Finanzkon- trollkommission wurde Frankreich übertragen. Die Zahl der Mttglteder der Kontrollkommission warte auf
Deutschland zahlt weiter.
»»Basel. (S. C.) Der „Bafter Anzeiger" meldet an» Berlin, daß die deutsche Regierung sich auf eine Anfrage der Reparationskommission bereit erklärt hat, anch die nach der neuen Note der Reparattonskommission am 15. Mai fällige Reparationszahlung von 50 Millionttt - Goldmark an die Wtedergutmachungskommission zu zah-' len, was jedoch keine Annahme der neuen Note -er Re- parattonskonnnission bedeute.
Die Treue bis Rheinlande».
Me sämtlichen rheinischen Parteien, nämlich die Ben» trmnSpartet. Sie Sozialdemokratische Partei. Sie Deut-
Wt
Gefiihle« und Ueberzeuguuge« der Rheinläuder in denkbar schroffstem Widerspruch stehe«. So sehr die Besetzung des Rheinlandes uns -rückt und belastet, auch um den Preis einer Verminderung und Rückziehung -er Besatzung würden wir vo« «userer Treue zu« Seat*
sche» Reiche nicht um Haaresbreite Zugehörigkeit zu Preußen «icht in Aenderung des staatsrechtlichen Verhältnis wirtschaftlicher Beziehung keine Besieruna
Bon einer ist auch in , t erwarten.. *