Hersfelöer Tageblatt
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Freitag, d« 19. Mai
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[ Der Friedenspakk-Varschlag
; >* Der Garantiepakt, der am Donnerstag der politt- Wen Kommission und am Freitag der Plenarsitzung der Konferenz zur Beschlußfassung vorgelegt wird, hat fol= «enden Wortlaut: 1. Die Mächte (Italien, England, Japan, Polen, Rumänien, Rußland, Schweden, die WHweiz) begrüßen es, daß eine Kommission ernannt werden soll, um die Gegensätze zwischen der russischen -Sowjetregierung und den anderen Regierungen zu prüfen und sich mit einer russischen Kommission, die ein ebensolches Mandat hat, zu begeguen. 2. Spätestens am 20. Juni müssen die Namen der Mitglieder der nichi- russischen Kommission zur Kenntnis der russischen Re- 'gierung und die Namen der Mitglieder der russischen Kommission zur Kenntnis der anderen Regierungen gebracht werden. 3. Die von diesen Funktionen behan- Kelten Fragen müssen alle existierenden Fragen umfassen, die sich auf die Schulden, auf das Privateigentum und auf die Kredite beziehen. 4. Die Mitglieder der Kom- Missionen müssen sich am 26. Juni im Haag begegnen, st. Die Haager Kommissionen werden sich bestreben, zu den in Punkt 3 vorgesehenen Fragen Empfehlungen aus- zuarbeiten. 6. Um die ruhigere Arbeit der Kommissionen LU gewährleisten, ist das gegenseitige Vertraue« herzu- ficKen, werden einerseits zwischen der russischen Sowjetregierung und den mit ihr gegenwärtig verbündeten Regierungen und andererseits zwischen den Unterschriebenen Regierungen Vereinbarungen abgeschlossen, die den Zweck haben, sich von allerlei Augriffsabsichte« auf Das Territorium der anderen Staaten sowie einer jeden Propaganda z« enthalte». Die Verpflichtung bezieht sich auf den gegenwärtigen status wo und dauert vier Mo- mate lang vom Abschluß der Arbeiten der Kommissio-
Vor der Schluhsihung in Genua.
»^ Genua. (L. A.) In Genua findet am Freitag vor- " " ‘ irena statt.
Sowjetregierung und den ai fen und sich mit einer ruß
men am
Tschitscherivs Bereiterklärnng zur Teilnahme.
In der Vormittagssitzung der Unterkommission der ersten Kommission am Mittwoch teilte Tschitscherin die russische Antwort auf die Vorschläge der Uuterkommis- fton mit. Er beschwerte sich darüber, daß die Russen von Den Beratungen der Unterkommission ausgeschlossen worden seien und daß der russische Vorschlag auf Einberufung einer Sachverständigenkommission nicht in der vorgeschlagenen Form angenommen worden sei. Gleichwohl werde Rußland sich an der Konferenz beteilige«. Nachdem Tschitscherin noch gegen de« Ausschluß Deutschlands aus der Zahl der an der Kommission teilnehmen- He« Staate» protestiert hatte, schlug er als Sitz der Sach- «erständigenkomunssion Stockholm oder Riga vor, doch würden die Russen auch mit London oder Rom einverstanden sein. Sollte es sich zeigen, daß nicht alle Staaten übet der Reaulieruna ihrer Bezi'buvgen zu Rußland die®
UrKonferenz, so würde Rußland die Frage seiner Teilnahme an der Konferenz erneut aufwerfen. Artikel 6 des Bnrgfriedeuspaktes müsse auf alle mit Rußland alliierten Republiken ausgedehnt werden. Da Rußland in den letzten Jahren nicht von regulären Armeen, fon= Hern auch von Banden angegriffen worden sei, so müsse Z 6 einen dementsprecheWeu Zusatz erhalten. In Finn- LaW und Polen müßten die Banden, Arbeiterbataillone usw. aufgelöst, aus Rumänien und Bessarabien alle Truppen Wrangels und Petljuras entfernt werden. Beiderseits der Grenzen sollten Kontrollzonen geschaffen
werden.
In seiner Erwiderung bezeichnete es Llovd George «ls absolut richtig, daß Deutschland von der Diskussion der Kredite ausgeschlossen werde. Bevor man zu den Krediten komme, müßte erst die sehr schwierige Frage Der Privatgüter und der Schulden erledigt werden. Deutschlands Beitrag zum Kredit könnte auf alle Fälle Richt sehr bedeutend sein. Andererseits wurde Dcutich- land, wenn es anwesend sei, über Fragen mitveraten, bezüglich derer es schon zu einem Abkommen mit Rußland gelangt sei. Wenn ein Uebereinkommen verwirk- Acht sei und den Regierungen die Anempfehlung gemacht worden sei, würde es eine Torheit sein, Dentsch- kand die Mitarbeit am Wiederaufbau Rußlands z« versage«. Wenn neun Zehntel der auf der Konferenz vertretenen Länder für den Haag als Beratungsort seien. Dann nrüßte diese Ansicht das Uebergenucht haben. Das russische Snstem und das in den übrigen Landern der lende lasse sich nicht vereinigen, aber sie _________,.„; jetzt einander. Nominell sei das Lwd in Rußland nationalisiert. Tatsächlich sei es da »Eigentum der Landleute: Man werde schließlich in Rußland zu einem ähnlichen System kommen, wie es auf die fran- Se Revolution gefolgt sei. Gegen die getrennten atssioneu könne kein Einwand erhoben werden. Weiter sagte Lloyd George: Als wir eine Intervention in Rußland ermutigten, haben wir es offen oel— """ haben später gesagt, wir würden es nicht mehr haben unser Wort gehalten. Mit der Expedition Wränge! haben wir nichts zu tun. Die gegenwärtigen Streit- kräfte Wrangels stellen eine größere Gefahr für das Land dar, in dem sie sich befinden, als für Rußland. Ich hoffe, daß wir uns nach Abschluß des Bnrgfrtedens- : paktes mit den Angelegenheiten unserer eigenen Lander
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Paktes Mit den ANgeregenyelren unterer eigenen «uwi ^^Schanzer bat hierauf die russischen Delegierten noch einmal zu prüfen, ob sie nicht auf die Abanderungs- anträge verzichten könnten, um nicht durch ausgedehnte Diskussionen das erreichte Uebereinkommen zu gefahr- den Tschitscherin bestand trotzdem auf einige« leichten Abänderungen bezüglich des Burgfriedwspaktes, der ; irregulären Banden und dem Sie der Sachverständigen. *ESkirmtt«t erklärte, Polen sei bereit, den Burgfrie- densvakt zu unterzeichnen, indessen dürfe durch die Un-
mittag 9 Uhr die Schlußsitzung der Bot_________ „ .
Die deutsche Delegation wird voraussichtlich am Sonnabend früh Genua verlassen und am Sonntag abend in Berlin eintreffen: mit ihr auch der Reichskanzler selbst, der keine Fahrtunterbrechung macht. Die Delegation wird noch am Montag dem Reichspräsidenten, der in- zwisären aus Wilhelmshaven, wo er eine Besichtigung der Marine vornimmt, zurückgekehrt sein dürfte. Wer Genua Bericht erstatten. Auch das Kabinett selbst dürfte noch am selben Tage informiert werden. Der Auswärtige Ausschuß des Reichstages wird am Dienstag einen Bericht Dr. Rathenaus über Genua entgegennehmen. Sann kann bereits am Mittwoch das Plenum des Reichstages zusammentreten, um seinerseits zu der Konferenz von Genua Stellung zu nehmen, wenn auch noch nichts
Bestimmtes gesagt werden kann.
Die Rückkehr Lloyd Georges.
k* London. (F. G. Ah „Daily Chronicle" glaWt mitteilen zu kömren, daß Lloyd George Genua am Freitag verlassen werde. Er wird, so heißt es in der Meldung, wahrscheinlich ein oder zwei Tage in Paris bleiben, wo er eine oder mehrere Unterhandlungen mit Poincaree haben wird. Seine Rückkehr nach London wird erst am Montag erfolgen.
Frankreichs Sieg in Genua.
»^ Rotterdam. lS. C.) Der „Courant" meldet aus Paris: Poincaree wird am Mittwoch kommender Woche in der Kammer über Genua sprechen. In Paris betrachtet man den Ausgang von Genua als großen Sieg Frankreichs, da in Genua verhindert worden ist, daß die deutsche Frage überhaupt diskutiert worden ist.
Um Amerika.
»-$> Genf. (S. C.) „Echo de Paris" meldet aus Genua: Botschafter Child nahn, eine neue Mitteilung de Factas zur Weiterleitung an Harding entgegen. Die Italiener halten Hardings Ablehnung nicht für endgültig.
w- Bafel. (S. C.) Der „Basier Anzeiger" meldet aus Neuyork: Die Ablehnung Amerikas auf die Einladung nach dem Haag scheint keine definitive Stellungnahme Hardings auszusprechen. Der Senatsausschuß ist für Donnerstag einberusen worden. Die „World" will wissen, daß der Senatsausschutz bestimmte Forderungen formulieren wolle, u. a. auch die, daß alle Abkommen mit Sowjetrutzland der Entscheidung des russischen Volkes unterbreitet werden müssen, was auf eine Bolksab-
stimmung in Rußland Hinauslaufe, ^»r sblsLne s t Z-tandnnnk
Washington, daß Lloyd Georges Wunsch, Amerika möge Vertreter nach dem Haag entsenden, nicht verwirklicht werden könne. Harding habe neuerdings erklärt, daß vor Anerkennung der Schulden und der westeuropäischen Auffassung hinsichtlich des Eigentumsrechts Amerika an einer Konferenz mit den Russen niemals teilnehmen werde.
® Das Liebeswerven um Amerika.
k* Es bestätigt sich, daß man in Genug die amerikanische Weigerung, an der Haager Konferenz teilzuneh- men, noch nicht endgültig betrachtet. Die aus Washington kommenden Nachrichten aus dortigen offiziösen Kreisen haben dazu beigetragen, auf einen Memungs- «mschwung zu hoffen. Verschiedene Meldungen versichern, daß zwischen Genua und Washington augenblicklich rege Unterredungen gehen, um Amerika doch noch zur AeWerung seiner Haltung zu bringen, und zwar schreibt man diese Bemühungen ebenso der englischen wie auch der italienischen Delegation zu.
Haag als Konferenzort.
Ueber das Ergebnis der Sitzung der Unterkommis- ® verlautet, daß sie zu einer Einigung geführt hat.
Ort der Konferenz, die sich mit der Weiterberatung der russischen Frage befassen wird, ist der Haag ausersehen. Donnerstag findet eine Äollsitzung der pollti- schen Kommission statt und am Freitag dürfte voraussichtlich um 9 Uhr vormittags die letzte Vollsitzung der Konferenz eröffnet werden. Die Delegationen werden verumtlich Freitag abend oder Sonnabend abreisen.
Llovd George über die Haager Konferenz.
■w Genua. Lloyd George unterhielt sich am Mittwoch mit Journalisten. Auf eine Frage, ob die Resolution von Cannes auch auf die Konser-enz im Haag Anwendung finden werde, antwortete er mit ja: denn sie wurde ja von allen Viächten angeuomureir. Auf eine wettere Frage, ob er selbst persönlich nach dem Haag kommen werde, erwiderte er: Nein. Die Verhandlungen im Haag seien nur ein Mittel, um die Möglichkeit eines Ueberetttkommens zu studieren und gleichzeitig alle interessierten Regierungen anzuhören. Auf die Frage, ob die Konferenzteilnehmer im Haag sich nicht nach RutzlaW begeben werden, antwortete er, er glaube nicht, daß irgend jemand in diesem Augenblick Lust empfinden könnte, nach Rußland zu reisen.
Frankreich will nicht marschiere«.
*< London. Der Pariser Vertreter des „Dailu Erpreß" meldet: Die größte französische Autorität habe ihm Mittwoch gesagt, wenn nicht ganz Unvorhergesehenes passiere, werde Frankreich im Juni nicht in DeutschlaW einrücken. Wenn die Verhandlungen normal verlaufen, werde Frankreich keinerlei Beranlasiuna zu einem gesonderten Vorgehen wegen Verletzung der fittaiiaieu.cn Bestimmungen des Versailler Vertrages haben.
Die Pariser Enftchädigungsverhandlnnge«.
^ Paris. (8. A.) Wie Havas berichtet, ist der aM Abschnitt der eingeleiteten Verhcmdlungen Wer bis deutsche Antwort auf die Note des Wiederherstellungs- ausschusses vom 13. AprU beendet worden.
Der Gedanke der Herabsetzung der Entschädignngsschald.
»-^ Paris. (F. G. A.s Die „Chicago Tribune" meldet, Satz in Kreisen der amerikanischen, englischen. Italiens* schon und holländischen Bankiers die Ansicht vorherrsche, daß die deutsche Reparationsschuld herabgesetzt werden müßte. In französischen Kreisen erklärt man dagegen» daß eine solche Herabsetzung nur in Frage kommen sönne, wenn die französische Kriegsschuld um den gleichen Betrag vermindert würde.
Statt 720 Millionen 680 Millionen.
»s* Genf. (S. C.) Journal des Debats" verbreitet die bisher unbestätigte Meldung, Frankreich wolle im Re- parationsausschuß eine Herabsetzung der deutschen Reparationszahlungen von 720 Millionen anf 680 Millionen bedingungsweise zustimmen. Ein weiteres Entgegenkommen auf die Wünsche Dr. Hermes sei für Frankreich undiskutabel.
Die Zwangsanleihe.
im- Auf Grund erteilter Informationen des Reichsfl- nanzministeriums haben einige Berliner Zeitungen dis Meldung der „T. U." über eine regierungsseitig geplante Umänderung der Zwangsanleihe dementiert. DreseS Dementi bestätigt aber und ergänzt sogleich die Information der ,.T. U.", wonach Tu den Anleihezwang nunmehr als unterste Grenze der Staffelung 100 000 Mark, als oberste Grenze 1 Million MaJ vorgeschlagen werden. Das ist eine Einschränkung gewisser die Rentner schonenden Bestimmungen entgegen dem ursprüngliche« Vorschläge der Regierung von 250 000 Mark niedrigster, und 50 Millionen Mark höchster Staffelung der Anleihe- verpflichtung. Wie die „T. u." von unterrichteter Seite hierzu weiter hört, ist als Begründung dieses Vorichla- ges das deutsche Volksvermögen auf 100 Milliarde« Gel-mark geschätzt, wobei man dem Verhältnis Gold- mark zu Papiermark 1:10 zugrunde gelegt und damit einen Ertragswert der Anleihe von 70 Milliarden sicher errechnet hat. In Kreisen, die den Rechtsparteien rrahe stehen, wird die Anschauung vertreten, daß der neue Re- gierunasvorschlag Wer die Zwangsanleihe anscheinend ei« Eingehen auf die seinerzeit von der Reparations- kommission geforderten. so« der deutsche« Regierung schroffabgelehnie« 60 Milliarden neuer Steuern bedeute. Eine wenn auch verschleierte Erweiterung der Zwangs- anleihe würde aber nach Ansicht der rechtsvarteilichew Kreise einen Bruch der Versprechungen bedeuten, die seinerzeit vom Reichskanzler Wirth beim Zustondekow-
Preußischer Landtag.
»-^ Berlin. (B. T.) Der Preußische Landtag, bei dessen Sitzungseröffnung am Donnerstag ganze fünf Abgeordnete arrwesend waren, setzte die zweite Beratung des Veraetats fort.
Schiffer wieder in Berlin eingetroffen.
den deutsch-polnischen Verhandlungen, ReichsmmEter a. D. Schiffer, der am Donnerstag aus Genf nach Berlin zurückgekehrt ist, empfing bald nach seiner Ankunft einen Mitarbeiter des „B. T. zu einer Unterredung über den Verlauf und den Abschluß der Verhandlungen mit den
nterredung
Poleir.
Verbot der Eisenvahnbaute« im Rheinlaud.
»-^ Paris. (D. A. Z.) Der Beschluß der Botschafter- konferenz, den weiteren Bau von Eisenbahnlinien im besetzten Gebiet zu verbieten, bezieht sich auf die Liste von Köln «ach Malmedv und vo» Trier «ach L«xe«tr burg. Die militärischen Sachverständigen der Alliierten erklärten, daß auch der Bau weiterer Eisenbahnlinie» verboten werde, namentlich im Saargebiet, die dazu dienen könnten Mobilisiernngsvorbereitungcn Deutschlands zu erleichtern. Der Beschluß der Botschafterkonsereur wurde einstimmig gefaßt.
Die Beschwerde der Deutsche« tu Pole«.
^ Geuf. (L. A.f Der Bölkerbundsrat hat den Kom- missionSbericht über die Beschwerde des Deutschtums tn Polen der polnischen Regierung zur Fcststellmrg des Sachverhalts überwiesen.
Das neue griechische Kabiuctt gestürzt.
>* Athen. (L. A.f Das Kabinett Stratos ist nach ein-c tägigen: Bestehen durch die Kammer gestürzt worden.
Das Hilfswerck der Landwirtschaft.
k* München. Der Vorsitzende des Reich»au»schufles d«x deutschen Landwirtschaft, Edler von Braun, erklärte Pressevertretern Wer das Hilfswerk der deutschen Landwirtschaft, daß die Verhandlungen über die Aktwn innerhalb der landwirtschaftlichen Kreise jetzt fogut wie abgeschlossen seien. Die endgültigen Beschlüsie liegen nurr- mehr in der Hand der Landwirtschaftskammerrh die aus dem Landwirtschaftstag am 30. und Sl. Mai in München zu dem formulierten Plan Stellung nehmen werden. Bet der Aktion handelt es sich vor allem um eine rationell durchgeführte allgemeine Jntcnsion und damit Produk- tionssteigerung der Landwirtfchaft, um die kMpieltge Lebeusmitteleinfuhr aus deut Anslaude emz«schranke» und so zur AMvierung unserer Handelsbilanz beizutra- gen. Um den Sandtmrten das nötige Geld zur Be- scbassung von Maschine, Kunstdünger usw. zur Verfügung zu stellen, sei eine finanzielle Unterstsilmna des Reiches, der Länder oder ihrer Produktwusvewände: nötig. J