Hersfelöer Tageblau
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NV. 149
Mittwoch, den «8. Juni
19358
Die Irauerfeler für Dr. WWM.
»»Berlin. lT. U.) Vom Reichstagsgebäude wehen die ß-ahnen halbmast. Die große Wandelhalle zeigt Trauer- Wwitcf. Ueberall stehen kostbare Blumenangevinde und mesenkränze, gespendet von verschiedenen Ministerien, »m, politischen Korporationen, von industriellen Verbänden, von Arbeitern und Angestellten großer Betriebe. Der Sitzungssaal des Reichstages ist mit Blumen und Trauerflor ausqestattet. Der dunkelbraune Eichensarg ist auf einem Aufbau aufgebahrt, der sich über dem Tisch -es Präsidiums erhebt, Ueber dem Sara ist ein schwarz- »ot-goldenes Banner mit dem Reichsadler angebracht. Ueberall hängen und liegen Kranze von vornehmster Ausstattung. Von den Bogenlampen wallen lange schwarze Schleier herab. Der große Saal füllt sich bald mit zahlreichen Parlamentariern, Vertretern der Behörden und der demokratischen Vereine. Um 12 Uhr er- Shienen die Reichsminister, das diplomatische Korps hat sich vollzätzlich eingefunden. Fn der früheren Hofloge helnnen die Angehörigen Dr. Rathenaus an der Feier teil, unter ihnen die greise Mutter. Um 12% Uhr erscheint Reichspräsident Ebert mit dem Reichstagspräsidenten Loebe und dem Reichskanzler Dr. Wirth. Trauermusik leitet die Feier ein.
Darauf ergreift Reichspräsident Ebert das Wort. Er schildert den hellen Schmerz, den die deutsche Nation empfindet. Rathenau sei ein Mensch von seltener Eigenart neweseu, ausgestattet mit großen Gaben des Geistes, glänzender Lauterkeit des Charakters und Güte des Herrens. Er gab sein ruhiges Leben, seine Neigungen, seine bevorzugte Stellung im Wirtschaftsleben auf, als der Stuf des Reichspräsidenten zur Mitarbeit an ihn erging. Er war zum Staatsmann und Führer der Nation geschaffen, er konnte die Aufgaben lösen, unser Volk wieder eng in die politischen und wirtschaftlichen Beziehungen der Völker einzufüaem Die Kugeln feiger Mordgesellen haben ihn aus dem Wege geräumt. Die n erb reifer ifdye Tat trifft das deutsche Volk in seiner Gesamtbeir. Gerichtet war die Bluttat geqen die deutsche Repuolik, gegen den Gedanken der Demokratie. Sie war ein Anschlag auf die Nation, ein Verbrechen am Volk. Der Reichspräsident, gibt dein Abscheu des ganzen Volkes über diese Tat Ausdruck. Deutschland sei ein unheilvoller SÄlag zugefügt. Mit Worten des Dankes für den Dahingeschiedeneu und der Versicherung unoergänaliclseu Gedenk
Fm Namen des Reichstagspräsidiums sprach Vtzeprä- sient Dr. Bell, für die Fraktion der deutsch-deuwkrati- scben Partei Reichstagsabaeordneter Korest. Er gab ein Lebensbild Rathenaus und rühmte seine Verdienste. Trauermusik schloß die Feier ab. Bor dem Reichstags- eingana hat die Reichswehr Aufstellung genounnen, die, als der Sara aus dem Retchstagsgebäude gebracht wurde, präsentierte.
Die SUche nach den MDröSTN.
»-» bu einer Unterredung mit einem Mitarbeiter des »B. T." machte Oberregierungsrat Dr. Weiß, der Chef der Berliner politischen Polizei, u. a. folgende interessante Angaben: Zudem besonderen Beobachtungsdienst gehören auch zahlreiche Haussnchnnge« bei politischen Drganisatio«en, besonders bei antisemitischen Verbänden. Interessant ist die Wiederverhaftnna des Studenten Werner Flesch. Dieser Student hatte kurze Zeit nach Bekanutweroen der Mordrat an Rathenau stch Einlaß in das Reichstagsgebände verschafft und dem Abgeorduete« Helfferich ein Lorbeerbougnet mit schwarz-weitz-roter Schleife überreicht die die Aufschrift enthielt: »Dem Retter der dentscheir Ehre!« Flesch war zunächst von der Polizeiwache des Reichstagsgebändes verhaftet, später aber vom Polizeipräsidenten wieder auf freien Fuß gesetzt worden. Am Montag ermittelten nun Beamte sehr belastendes Material über Fleschs Vorleben.
Zu der Verhaftung Karl Tillesse« sagte Dr. Weiß, daß dieser nicht erst auf die Rede Wels, sondern auf Grund schwer belastende« Materials, das der politischen Polizei zugegangen war, festgenommen worden fer. Es haben sich nämlich verschiedene Zeugen gemeldet, die Tillessen am Mordtage in Berlin gesehen haben wollen. Als der Verdacht der Täterschast sich auf Tilleffe« gelenkt hatte, wurde für ihn sofort telegraphisch die Grenze versperrt und außerdem wurden sämtliche Städte und Ort-; schaften in der Umgebung Flensburgs, wohin Tillesiens Spur führte, benachrichttgt. Tistcssens Vernehmung wird von entscheidender Bedeutung für die weiteren Nachforschungen sein. Man wird zunächst Tillessen dem Oberförster. der eine genaue Beschreibung der Täter gegeben hat, aegenüberstellen, und bei dieser Konfrontieruna wird es sich zeigen, ob Tillessen einer der Täter ist. Durch die Aussage des Oberförsters haben Sachverständige übrigens bereits festgesieNt, daß die Täter in einem Opel- Automobil, und zwar in einem älteren, großen und kräftigen Tourenwagen, geflohen sind. Es sind bei allen Garagenbesitzern Nachforschnngen über einen solchen Wagen angestellt worden. Zum Schluß sagte Dr. Weiß, daß noch sehr viel polizeiliche Maßnahme« im Gange feien, über die er aber im Augenblick noch nichts sagen könne.
Rerhaftttnq Verdächtiger in Helsingfors.
^ Aus Helsingfors wird gemeldet: Aus Antrag der deutschen Gesandtschaft nahm die Polizei auf dem am Montag eingelaufenen Dampfer „Rügen" drei unter dein Verdacht der Beteiligung an dem Morde Rathenau siebende Personen fest, die sich als englische Matrosen ausgaben und nach Wibonr unterwegs waren. Die Untersuchung dauert fort.
Wichtige Spnreu. — Hanssnchuuge« «nd Berhaftnnge«.
Berlin. Zu der Verfolgung der Mörder teilt heute der „Berl. Lokalanz.« mit, Saß die politische Polizei gestern abend sehr wertvolle Fingerzeige erhalten hat, die so wichtig seien, daß sie vermutlich und hoffentlich auf die Spur der Mörder und folgerichtig dann zu ihrer Ergreifung führen werden. Oberregierungsrat Dr. Weiß hat sich sofort mit zahl-
„ „ _____ ^,ort mit zahl
reichen Beamten eiligst mit mehreren Automobilen in später Abendstunde aus dem Polizeipräsidium entfernt, um diesen Spuren nachzugehen. Näheres kann zur Zeit darüber nicht mitgeteilt werden. Betont sei aber, daß diese Spur aus deutsch-völkische Verschwörerkreise hinweist.
Uebrtgens hat Dr. Weiß gestern einem Vertreter des »Berl. Tageblatt-" mitgeteilt, -ah tm Laufe deS gestrigen TageS zahlreiche Haussuchungen bet politischen Organisationen, insbesondere bet antisemitischen Verbänden, vorgenommen wurden. So hat in der Nacht vom Montag -um Dienstag eine Haussuchung in bett Büroräumen -es Verbandes nationalgesinnter 8ol-aten, bessert Ehrenvorsitzender bekanntlich General Ludendors ist, stattgefunden, wobei angeblich außerordentlich wichtiges Material beschlagnahmt werden konnte. Dieses Material wirb nun gesichtet, unö, sofern sich habet Verhaftungen alS notwendig erweisen, werden sie sofort erfolgen.
Auch in der berüchtigten Organisation Roßbach hat gestern eine Haussuchung stattgefunden, wobei ebenfalls eine Anzahl Papiere beschlagnahmt werden konnten. Verhaftet wurde unter anderen der Begründer und Vorsitzende der Bundes gegen die Neberhebung deS Fudentums, ein gewisser Müller- Hausen, mit dem sich die politische Polizei schon seit langem beschäftigt. Noch interessanter ist die Wieder- Verhaftung des junge» Kaufmann- Fritz Flesch, -er am Montag im Reichstag einen Rosenstrauß mit schwarz-weiß-roter Schleife für Dr. Helfferich abgab und damals von der Polizeichwache des Reichstags» gebäudes verhaftet und dem Polizeipräsidium über« eben, a o^ ö«^ ÄäsbfflcMfb e Beamten sehr wesentliches Material über -a- Vorleben dieses Flesch. So erfuhr sie, daß er sehr eng mit Ehrhardt befreundet sein soll.
sie, daß er sehr eng Daraufhin wurde se Er war zurzeit der Verhaftung nationalen Volkspartei anwesend.
eine Wieberverhaftung angeordnet. r Verhaftung im Büro öer Deutsch-
Für sehr bedauerlich erklärt eS Dr. Weiß, daß Dr. Rathenau alle Warnungen in den Wind schlug und sich nicht unter polizeilichen Schutz begeben wollte. Trotzdem haben ihn Kriminalbeamte fast ständig auf seinen Fahrten begleitet. Sobald er sich aber mittags in die Wohnung seiner Mutter zum Speisen begab, verbat er sich jede Begleitung, um seine Mutter nicht zu ängstigen. Gerade an dem Mordtag fuhr -er Minister unglücklicherweise ohne Begleitung.
Eine Meldung, daß die Mörder auf einem Flugzeug von Staaten auS entflohen sein sollten, hat sich nicht bestätigt.
Von den verhafteten zehn Mitgliedern der Organisation C wurden neun wieder entlasten.
geschwind, weil sie
^Berlin. (F. Z.) Wie mitgeteilt wird, befand sich, in dem rotbraunen Auto, das gleich nach der Tat die Mordstelle passierte, neben zwei Herren von einem Berlrner Bankhause die Schwester des Ermordeten mit ihrem Manne. Drese kamen von außerhalb und fuhren geschwind, weil sie sich verspätet hatten. Ohne eine Ahnung von dem furchtbaren Verbrechen zu haben, fuhren Schwester und Schwager an der Leiche vorbei. Sie er- fuhren erst eine Stunde später von der entsetzliche« Mordtat.
Erhöhung der Belohuuug für die Ratheuau-Mörder. ^Berlin (F G. A.) Das »Berliner Tageblatt« hat einen Aufruf erlasse«, um durch private Samwl««- 6«t die festgesetzte Belohnung von einer Million Mark für Die Ergreifung der Mörder z« erhöhe«. Der Verlag 'ÄÄ^eÄ'”ee ^»«»m »«
Protestku«dgebtt«g des Zentrums.
^ Berlin. l.F. Z.) Das Zentrum kündigte für Mittwoch abend eine große Protestkundgebung an, um öffentlich zu bekunden, daß die Zentrumswühler geschlossen hinter der Regierung stehen.
Unerhörte Rüpeleie« gegen die Mutter Rathenaus.
^ Berlin. (F. Z.) Der in deutsch-völkischen Kreisen Ugen Rathenau herrschende Haß äußerte sich in unerhörten Rohertsakten gegen die hochbetagte Mutter des Ermordeten, die mit einer Flut wüster Schmähbriefe überschwemmt wurde. Weiter hat eine ganze Anzahl dieser Menschen die greise Frau unter falschen Vorspiegelungen wiederholt an das Telephon bitten lassen, um ihr baun bie wüstesten Beschimpfungen ht§ Gestüt zu schleudern. Die Nerchspost hat Vorkehrungen fittroffen, «sich derartige skandalöse Vorgänge nicht wieder- m.
Die amerikanische Treffe zum Mord an Rathena«.
^ Nenyork. (F. Z.) Die Treffe kommentiert in einem für das republikanische System in Deutschland durchaus sympathischer Weise die Ermordung Rathenaus. Die »Nenyork Times" fonüe die „Evening Post" ermuttgen die Regierung zu kühnem Eingreifen. Die »Neuyork
Wor^geitzelt ta§ Treiben der Reaktion und tadew insbesondere Hmöenburgs und Ludendorffs Haltung.
Zur Verhaftung Tillessens.
^Berli». Zu der Verhaftung Karl Tilleffens berichtet der Chef der Krimrualpolizei, daß sich verschiedene Zerren geumldet hätten, die Tillesien am Mordtage in Berlin «eichen haben wollen.
.»^Berlin. Wie der „L.-A." mitteilt, ist bei den Haussuchungen ein umfangreiches Material gefunden worden, das vermutlich auf die Spur der Mörder führen wird' Die Spur soll auf deutsch-völkische Verschwörerkreis« bin- HWÜL j
Gedächtnisfeier« in den Schulen.
»-»Der preußische Minister für Wissenschaft, Kunst und Bolksbilduna hat drahtlich angeordnet, daß am Dienstag, am Tage der Beisetzung des Reichsministers Dr. ^Rathenau oder an einem der nächsten Tage in sämtlichen Schulen Preußens kurze würdige Trauerfeiern veran- staltet werden.
Wieder aus der Hast entlassen.
Das Berliner Polizeipräsidium hat von den zehn Personen, die im Laufe des Sonntag verhaftet wurden, bisher 9 auf freien Fuß gesetzt. Der Zehnte ist vorläufig in Haft behaltein worden, da er fein Alibi nicht einwandfrei Nachweisen koente.
Der Schutz der Republik.
w- Montag nachmittag um 6 Uhr fand unter dem Vorsitz des Reichspräsidenten ein Ministerrat statt, der sich mit dem Entwurf eines Gesetzes zum Schutze der Republik beschäftigte. Wie die »T. tt" erfährt, wird die Weiterberatnug dieses Gesetzentwurfs in einer Sitzung des Reichskabinetts stattfinden, die für Dienstag nachmittag 4 Uhr angesetzt ist. Die Reichsregierung soll fest entschlösse« sein, falls sie für den Gesetzentwurf zum Schutz der Republik erforderliche ZWeidrittel-Mehrheit int Reichstag nicht zustande kommt, zur Auflösung deS Parlaments zu schreiten.
Die Verwaltung des Auswärtige« Amtes.
N* Der Reichspräsident hat den Reichskanzler bis auf weiteres mit der Wahrnehmung her GejMste des Auswärtigen beauftragt.
$ George über Rathenau» Tod
In einer Ansprache in der Waliser Bapttstenkapellö zu London sagte Lloyd George: Rathen»« war einer der fähigsten Minister Enropas. Er tat sein Bestes- um die guten Bezietzunsen zwischen seinem Lande unS den anderen Stationen, denen Deutschland Unrecht zugefügt hatte, wiederherzustellen. Er tat sein Bestes, und deshalb wurde er ermordet. Ich kann nur meinen tiefsten Abscheu aussprechen über das Verbrechen und Sem Vertrauen Ausdruck geben, daß Deutschland »iM teiben wird unter dem Unrecht, das diese Leute ihrem eigenen Lande zufügten durch dieses feige Verbrechen
Mr.
De»tschla«ds znm Völkerbund zu sprechen. Er sagte, das wichtigste sei, eine Friedenssttmmung unter den Kationen zu wecken. Die Völker aller Länder müßten dazu gebracht werden, zu verlangen, daß ihre Regierungen Friedenswege einschlügen. Lloyd George betonte, daß er alle Völker, einschließlich Deutschlands und Rußlands und der Vereinigten Staaten, im Völkerbünde sehen möchte. Wenn ein Antrag auf Zulassung Deutschlands vor dem Völkerbundsrat in Genf gestellt werde, würde die brittsche Regierung für die Annahme des Antrages stimmen. Lloyd George schloß seine Ansprache mit der Erklärung, daß der Frieden hergestellt würde, wenn sich der Sinn der Menschen wieder gegensettigem Wohlwollen zugewanüt habe.
Englische Preflestimme«.
Der offiziöse „Daily Chronicle" sagt, daß Frankreich zweifellos mit seiner Haltung den deutschen Reak- fionären in die Hand arbeite. Es fei eine posittve Poli- Ht notwendig, um den fortschrittlichen und verständigen Elementen in Deutschland zn Hilfe zu kommen. »Daily News" schreibt: Der Mord ist eine Lehre für unser Land und besonders für Frankreich. Es müsse die Frage entschieden werden, ob die Alliierten sich mit den verständigen Kreisen in Deutschland versöhnen oder ob sie durch unmögliche Forderungen den Widerstand Deutschlands stärken wollen. Wenn auf diese Frage nicht bald eine Antwort erfolge, so werde ganz Europa dafür büßen müssen. „Observer" führt aus: Die Ermordung Ratüe- naus wirst ein Blitzlicht auf den Wahnsinn derer, die den deutschen Monarchisten in die Hände spielen.
Hervee znm Morde Rathcnans.
Hervee erklärt es in der »Victoire" für notwendig, der deutschen Republik eine kräftige Hilfe gegen die reaktionären Umtriebe zu leisten, und er schlägt zu diesem; Zinke vor, daß Frankreich sich mit den Vereinigten «taa- ten sogleich in Verbindung setzen soll, um eine Grundlage für die Herabsetzung der deutschen Reparatwuen ja schaffen. Dieses Entgegenkommen soll Deutschland erwiesen werden als »Zeichen der Achtung" vor der deutschen Republik. Die ganze Presse, das Parlament und alle politischen Vereinigungen müßten auf die Regierung einwirken, um außer der Herabsetzung der Schulden eine Milderung der politischen Bestimmungen des Versailler Vertrages zu erreiche«.
der politischen Besttmmvngcv
Das Beileid -er Rüsten.
Montag 12 Uhr mitags sprach der Berliner Sow- ietverh-eter Krestinski im Auswärtigen Anst bei dem Leiter der Ostabteilung, Diimstcrialdirektor Freiherr» von Maltzabu, vo, um ihm im Namen der Sowjetreme-. ncng sein Beileid anläßlich der Eruwrdung des M-j nisters Dr. Rathenau auszusprechen.