ersfelder Kreisblatt
Amtlicher Anzeiger für den Kreis Hersfeld
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Nr. 247
Donnerstag, den 9. November
1922
^ Neue deutsche Vorschläge. Auslndischer Bankkredit in Aussicht Berwend««g des «eichsbaickgoldes. Gutachten der Währungssachver- r_ ständige«. Keine Regierungskrise.
Das Retchskabmett hat die Antwortnote der Ent- kchüöigungskommission erörtert. Es wurde beschlossen, der Kommission eine Antwortnote zu übermitteln, in der die ersten ant vorigen Sonntag überreichten Bor- Schläge im einzelnen weiter ausgeführt werden sollen. Diese Möglichkeit ist geboten, da positive Anerbietungen ws den Kreisen der ausländische« Bantleute, die zur Zeit als Teilnehmer an den Sachverständigenberatun- te» in Berlin weilen, vorliegen, die eine Verdichtung des zunächst in großen Umrisse» dargelegten Vorschlages ge- tatten. Selbstverständlich hängt dann alles weitere von «r Stellungnahme der Reparattonskommtssion zu den Sarautiewünsche« der aosländische« Geldgeber ab. Es teht noch nicht fest, ob die Entschädtgungskommisstou wer diesen erweiterten deutschen Vorschlag »roch t» Ber- t» diskuttereu wird. In den Kreisen der Koutmifsion elbst wurde erklärt, daß eine Fortsetzung der Beratun- W» über die Markstabflisieruug am besten wohl in Pa- xis erfolgen würde. In der Beurteilung der Lage wird man sich jedenfalls Zurückhaltung auferlegen müssen. Jn- Wischen haben die ausländischen Währungssachverstän- sigen lange Beratungen abgehalten. Das von ihnen georderte Gutachten bietet insofern Schwierigkeiten, als die fnzelnen Ansichten der verschiedenen Teilnehmer an die- er Sachverständigenkonferenz auseinandergehen. Es y die Kunst, ein Gutachten aus den verschiedenen diver- »ierenden Meinungen zu bilden, das von allen Sachver- mndigen gutgeheitzen und unterschrieben werden kann. Kach einer wetteren Meldung ist das Gutachten der tentöen Sachverständigen dem Reichskanzler bereits ibergeben worden. Es ist gezeichnet von Brant, Cassel,
~ Ueber die Entwicklung der Verhandlungen mit der Reparationskommission erfährt das »Hannov. Tagebl." von politisch maßgebender Seite:
fei Die Verhandlungen mit der Reparationskommission Wrfen nicht isoliert betrachtet werden, sondern nur in VerbindlMg mit der Arbeit der Sachverständigen und auch in Verbindung mit den Besprechungen der Partei- Wrer über die wirtschaftliche Gestaltung der Zukimst. Soviel ist sicher, daß nach Abschluß der jetzigen Verhandlungen politische Richtlinien für die Zukunft klar
sche Klärung auch im Innern mit Beziehung auf die egierungsumbilduna eintreten muß.
^ Wenn jetzt in der Presse behauptet worden ist, daß
den
Regierung
..ck^esmapallovertrages, für die Pariser Verband- * mmgen und auch für die Verwertung des deutschen Goldbestandes der Reichsbank für eine Stützungsaktior der Mark. ES muß aber mit aller Klarheit festgestell werden, daß der jetzt eingeschlagene Weg bei den Ber
-- Die Arbeit der von der ö<
eutsGen Regierung zuge- nicht allein auf die Be-
ogenen Experten bezieht sich nicht allein auf die ntwortung der drei vom Reichskanzler gestellte»
sondern diese Arbeit erstreckt sich auch auf prak
eußerunge» über Möglt, ankkrediten zur Stützung das Votum der Sachve
$ra= ische von
_ i Bankkredite erstreckend langsamer wirkenden Mitteln der An-
dige Sicherheit für derartige Bc gegenüber den langsamer wirkende___...__..._______
eihe ist die Frage der Bankkredite nunmehr in den ordergrund getreten. Es wird ausdrücklich betont aß die Aeußerungen von Experten besonders deshalb ertvoll sind, weil ihnen volle Freiheit der Entschließung sie» ist. Sie sind nach keiner Seite hin irgendwie engt worden.
Was nun die augenblicklichen Vers Bet Entschädigungskommission betrifft, s tig, daß ein Abbruch der Verhandlungen Verhandlungen gehen vielmehr weiter, ttonskommission hat Gelegenheit bekom Hältnisse des deutschen Staatsbudgets ur Hinweis auf die Wirkung des Markstw In der Entschädigungskommission herrsch
Die Repara- imen, die Ver- Uer besonderem
kassung vor, daß der Gang der Ereignisse folgender ist: ÖL der Sturz der Mark: 2. danach die Inflation; 3. auf t Mund dieser Verhältnisse die Gestaltung des Budgets.
; Die Kernfrage der jetzige« Berhmidlungen ist die Vrage der Stützung der deutsche» Währung. Dieses xrage kann Deutschland allein nicht lösen. Es wäre k »ach Ansicht maßgebender Ftnanzkretse auch nutzlos, M den Goldbestand der Deutschen Reichsbank isoliert 31t:
»erwerten. Unbedingt notwendig ist die Zuhilfenahme remden Kapitals. In dieser Hinsicht sind der dent-! ! chen Regierung gewisse Erklärungen von fremden Ban- Mers abgegeben worden, von Bankiers, die vom Ver-; 'trauen ihrer Regierung getragen sind, Erklärungen, die 'eine Hoffnung für die Zukunft bedeuten und für öle. . Ausnahme von Bankkrediten von praktischer Bedeutung^ find.
die Entschädigunaskommission Hinsichttich der Sicherrrng solcher Bankkredite einnimmt, den» ,das Problem der Sicherung macht eine Zurückstellung gewisser rechtlicher Ansprüche der Entschädigunaskommission notwendig. Die Entschädigungskommission hat in ihrer der Sentschenl Regierung gegebenen Antwort diese aufgefordert, gewisse Einzelheiten über die prakttschen Möglichkeiten der Stützungsaktion der Mark, soweit sie in dem Gutachten der Experten zum Ausdruck kommen, rhr Mtzuterlen.
So stehen augenblicklich die Dinge Die geforderten Nnzelhetten werden der Entichadigungskommission mitgeteilt werden. ,
Bet der politischen Bewertung der gegenwärttyen Page muß auch auf die Möglichkeit hingewiesen Eden, daß Frankreich für sich ebenfalls derartige Bankkredite zu unseren Lasten fordern wird. Wenn die Schwierigkeiten mit der Entschädigungskommission beseittgt ,md und von dieser Seite der Aufnahme von Bankkrediten keine Hindernisse entgegenstehen, dann wird es vor allem auf die Geldgeber selbst ankommen. Die,e wer-^ den ihre StellunMahme sicherlich abhängig machen von^ der Lage im Innern Deutschlands. Dre Lage wird ihnen die Sicherheit geben mrifsen, daß ihre gegebenen Gelber nicht nutzlos sind. Diese Sicherheiten würden! nach Ansicht maßgebender Finanzkreiie dann bestehen,^ wenn es gelingt, nach Abschluß der jetzigen Verhandlungen eine Regierung zu schaffen, die eine Konzen-< tration der äSirtfäaftSfTäfte ta^
Die Stabilisierung^ der Mark. _
t-t-Sie ursprüngliche Ablehnung der Regierung und' des Reichsbankpräsidenten, den Goldbestand der Reichs- ba«k zu einer Stützungsaktion für die Markstabiltste- ruNg 31t verwenden, ist anfgegebe« worden. Der ab- lehnerrde Gedanke wird nur «och insofern aufrecht erhalten, als es sich um die Frage einer isolierten Aktion der Reichsbank handelt. Dagegen hat sich die Reichs- regierung in ihrem neuen Vorschläge an die Ent- schädigurigskommissiou damit einverstanden erklärt, daß die Reichsbank mit ihrem Goldbestände mitwirken soll an einer Untersttttzungsaktion durch ausländische Banken, und es wird mit Bestimmtheit erklärt, daß sich a«s^ ländische Banken mit Zustimmung.und Zusicherung der Unterstützung ihrer Regierungen zur Beteiligung an einer Uutersttttzngsaktion für die Mark mit Bankkredite« und unter Mitwirkung der deutschen Reichs- bank bereit erklärt haben. Die Erhaltung von ausländischen Bankkrediten würde vor allen Dingen möglich, wenn die Frage eines Moratoriums in einem für Deutschland giinstigen Sinne erledigt würde. ■ j
Fortsetzung der Berliner Verhaudlunge» in Paris.
Das „B. T." erfährt mis sicherer Quelle, daß die Ent- schädigungskomMsston bereits den Mittwoch als Termm für ihre Abreise aus Berlin in Aussicht genommen hat. feie Abreise würde aber keinesfalls eine Abbrechung der ,J§er^ m egier^ittr -be^teu,
sondern sich lediglich durch die Verpflichtungen erklären lassen, die der Kommission in Paris harren. Es wäre änch nicht das erste Mal, daß Verhandlungen, die in Berlin ausgenommen wurden, in Paris fortgesetzt würden. Es ist aber nicht ausgeschlossen, daß die Entschädigungs- kommission den Berliner Aufenthalt noch um ein bis zwei Tage verlängert, wenn sie zu der Ueberzeugung Stammt, daß der neue deutsche Vorschlag Aussicht bietet, die Besprechungen über Sie Frage der Markstabilisiernng ganz wesentlich zu fördern. Sollte dies auch nach Met- Kg der Entschädigunaskommission nicht der F-M sein, lirde sie trotzdem gleichwohl zur Fortsetzung der Aussprache in Paris bereit sein.
Neue Bankierko«fere«z i« Paris.
te Aus gut unterrichteten diplomatischen Kreisen erfährt das »B. Satz Morgan, der sich gegenwärtig in Rom aufhält, spätestens am 26. November nach Amerika zurückzukehren gedenkt. Dieser Nachricht kommt darum besondere Bedeutung zu, weil bekanntlich seit geraumer Zeit schon Besprechungen im Gange sind, eine zweite Bankierkonferenz zur Besprechung der Entschälligungs- frage nach Paris oder Brüssel einzuberufen. Morgan soll wiederum den Vorsitz übernehmen und es wäre darum wichtig, ihn hierzu noch während seiner diesjährigen Aufenthaltsreise in Europa zu bewegen. Da die große Brüsseler Finanzkonferenz voraussichtlich erst anfangs Dezember stattfinden kann, würde wohl Paris in erster Linie als Tagungsort für die Konferenz im Frage kommen. Selbstverständlich würden auch dies- )nal mnfangreiche Vorbereitungen notwendig sein. Dies ist auch der Grund, weshalb die Eirtschädigungs-, kommission bald nach Paris zurückkehren möchte. -
’" :M-KAÄMMKWb?d^ w Berlin, vc tp Das R-'chAM»-« «rat MIU-M vor«rittag «nter dem Vorsitz »es Reichskanzlers z« einer Sitzung zusammen, um über die endgülttgen Vorschläge, die bet Entschädignngskommisfio» überreicht werden
Das Gutachten führt aus daß ohne Markstabilisierung das ganze deutsche Schul»««-, Währungs- uud Wirt-- schaftsproblem übrhaupt «icht gelöst werden könne. Der zweite HauptMnkt des Gutachtens bedient sich auf diel Mttverwendnug der Goldreserve der autonomen deutschen Reichsbauk für die Markstabttifierung. Die Stabilisierung und der Rückkauf durch Gold soll sich nur auf Banknoten und zwar vor allem auf die Markposte« tat
wemger als die Hälfte der Reichsbank-Goldreserve ge- Mgen. Die »B. 3.* fügt hinzu, daß die Oppositto» havensteins und Glasenaps gegen die Mitverwendung »es Reichsbcmkgoldes endgültig fallen gelassen worden ist, allerdings nur unter der Voraussetzung einer äußere»! Noldanleihe. AIS dritter Hauptpu«kt fordert das GrÄ- «hten der vier Sachverständigen ein Moratorium »«f zwei Jahre mit Prolongationsmöglichkeit. . - .
Die Forderung der SatschL-ignugskoutMissts«. . s-» Berlin. Die Antwortnote der EvtschädtgungsSÄV^ attssion auf die deutschen Vorschläge entspricht keines-' vegs den überaus pessimisttschen Berichte», die insbe- iondere vo» Paris. verbreitet worden sind. Mehrere! (Blätter teilen mit, daß die Antwortnote die ReichS» Regierung an die Versprechen erinnere, die ReichsstnanK- »mister Dr. Hermes während seiner letzten Verband-, tangen in Parts bezüglich der Kontrolle »es deatsche» Ludgets abgegeben hat. Die Reichsregicruva wird er- Wcht, diese Maßnahmen nunmehr durchzuführen. Dke Entschädigungskommtssion stellt ferner an die deutsche ^eidtSregierung das Ersuchen, der Kommission neue Zorschläge über die Maßuahme« zur Markstabilifieru«« End zur Verringerung der schwebenden Schuld zu ma- tben. Die Tür zu weiteren Verhandlungen mit der Ent- chädigungskommissivn würde das Markproblem fein; sie ei also noch nicht abgeschlossen. Das »B. SA glaubt Lllerdtugs, daß die wetteren Erörterungen nicht mehr rrt Berlin, sondern in Paris oder Brüssel stattfinden wer- >en und Satz der Termin für die Abreise der Delegieren der Kommission Donnerstag fein werde nach Been-, sigung der Beratungen über die Kohlen- und Holzliese- rungen. . . „
- Fraukreich nicht Befriedigt.
fc* Paris. Nach den letzten Informationen, Sie am Quai d'Orsay ausgegeben worden sind, scheint es, laß die Entschädigungskommission nach Paris bereits in dem Sinne berichtet hat, daß Sie deutschen Vorschläge nicht geeignet sind, die Erwartungen zu ersülleu und daß sie kaum eine annehmbare Grundlage zu weiteren Besprechungen bieten würden. ' ,
Kritische Lage im Orient.
standA
den Statsstreich von Konstantinopel hätten die Kemali- -sten die Verwaltung Konstantinopels übernommen, das unter alliierter Kontrolle stehen solle. Der aus Konstantinopel zirrückgekehrte Sonderberichterstatter des ,,Daily Chronicle" fragt, ob Großbritannien unfähig oder nicht gewillt sei, die bedrohte nationale Ehre und das Leben seiner Untertanen in der Türkei zu verteil digen. Es könne sein, daß Blut fließen müsse, um diS Ehre Englands rein zu halten.
i General Maurice schreibt hr den »Daily News^:- Die militärische Lage der Kemalisten sei heute wett stärker als zur Zeit der Konferenz von Mudania, denn die türkischen Streitkräfte seien jetzt an der Grenze der neutralen Zone zusammengezogen und bereit, unverzüglich vorzugehen. Die Regierung Llovd Georges habe laut verkündet, daß sie dies nicht gestalten werde und habe
" ' ' ' "en müssen. Die Tiirken hätten gemerkt,
daß die Erklärungen der brMschen Regierung nicht respektiert zu werden brauchten. I» Konstanttnopel hätten sich 50 000 Christen in einem Zustande der Panik befunden. Die Erregung unter den Türken StambulS wachse täglich. Die französische und englische Regierung- müßten ohne Rücksicht auf die Verhältnisse in Angora sofort einen Aktionsplan unterbreiten, der die Türkei überzeugen werde, daß sie zu weit gehe.
es doch 31
! Am letzten Sonnabend sind diese Fragen mit der .EirtschädiaungSkommission besprochen worden, und zwar soll neben dem fremden Kapital an der Stützung dort Mark auch die Reichsbank mit ihrem Goldbestand teil-! athmen. Es ist nun entscheidend, welche Stellungnahme!
Sachverständige«, die dem Reichskanzler überreicht worden sind. Die Veröffentlichung des ersten Gutachtens, das sehr umfangreich ist und etwa 10 Schreibmaschtne«- seitev umfaßt, wir» noch im Laufe des Mittwochnachmittags erfolge».
Der Inhalt »es Sächoersiändkgen-Gntachtens.
»e* Berlin. (T. U.) Der Haltptvorschlag des Dienstag abend dem Reichskanzler übergebenen Gutachtens der ausländischen Sachverständigen Keynes, Brand (England), Yanks (Amerika) und Gaffel (Schweden) läßt sich dahin zusammenfassen. Haß die Stabilisier««« der
Nach einer Havasmeldtmg aus Konstantinoper haben die alliierte» Oberkovnnissare die Regierung ersucht, Strafmatznahme« zu bestimmen, die der Verhängn«» des Belager«ngszusta«des gleich kommen. Die alliierten Oberkommissare haben Hamid Bey mitaeteM, ihre, Regierungen wünschten, sich zwar in keiner Weise in öi« inneren Angelegenheiten der Türkei Hineinzumische»,j erklärten jedoch, daß Sie es während der Besetzmrg vo»! Konstantinopel für nöttg erachteten, den jetzige« Zustand a«frecht z« erhalten. Dies bedeute, daß die alliierte Kontrolle sich auf sämtliche öffentliche Verwaltungs- zweige, das Gesundheitswesen, die Polizei usw. erstrek- ken müsse.
Reuter meldet: Die alliierten Generäle haben Rt- faat Pascha mitgeteilt, daß Konstanttnopel entiprechend^ dem Waffenstillstandsvertrag zur Zeit unter alliierter, Kontrolle bleiben müsse. Rifaat Pascha hat darauf ge- antwortet, er lehne jede Art von Kontrolle ab, werbt aber in Angora noch Weisungen einyolcir.
----- - . asiatischen Vorstädten
sie Wendung genoni-
Die Kundgebungen in den a von Konstanttnopel haben eine ernst. wen. Fensterscheiben der von den $^^^^^^ ,
Häuser wurden eingeschlagen. Wer britische Süldstenir