Hersfelder Kreisblatt
Amtlicher Anzeiger für den Kreis Hersfeld
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Nr. 256
Donnerstag, den 30. November
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Der Zufammenbruch von 1918.
’ Die Nationalversammlung hat f. Zt. einen Unter« süchungsausschnß eingesetzt, der die Schuld an dem furchtbaren Ausgang des Weltkrieges feststellen soll. Drei Gutachten werden jetzt veröffentlicht, welche den Zusammenbruch von 1918, insbesondere die Offensive von 1918 behandeln. Oberst Schwertfeger, General von Kühn und Professor Hans Delbrück äußern sich. Der Untersuchungsausschuß selbst hat sein Gutachten noch nicht abgegeben, aber nach den Veröffentlichungen scheint 6S klar zu sein, daß die Schuld einer einzelnen Person vicht wird aufgebürdet werden. Einige interessante Aus- kührungen mögen hier Platz finden:
- 'eger kommt in eingehenden Darle- jlutz, daß den Befehl zum Angriff
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elm als Oberster
Kriegsherr gegeben habe und damit nicht nur die formelle, sondern auch die tatsächliche Verantwortung für die Offensive zu tragen habe. Anderseits aber sei zu prüfen, ob das strategische, das militärische Ziel, das die Oberste Heeresleitung als Berater des Kaisers ihm vor- n habe, auch unter dem Gesichtspunkt der
geschlagen habe, auch unter dem Gesichtspunkt d inner- und außenpolitischen Lage richtig gewesen p fer glaubt, bis zu einem bestimmten Grade auch hiersi die Männer der Obersten Heeresleitung verarttwortl.
auch hierfür
erste Geheimsitzung unrichtig seien. Dieser Advokatentrick wird aber selbst in Paris nicht geglaubt. So straft selbst der „Intransigeant" diese „Berichtigung" Lugen und wiederholt. baß ein Vorrücken an die Ruhr und auch eine Besetzung Essens und Bochums in Aussicht genommen wurde. Es handle sich darum, die Kohlenbergwerke und Fabriken innerhalb des Nuhrgebiets zu besetzen, um dadurch die Gegend Deutschlands zu treffen, in öet Stinnes allmächtig sei. Es handle sich um eine ermache Polizeimaßnahme. Frankreich werde dadurch die Fortsetzung der Kohlenlieferungen, die Berlin gegenwärtig in Frage stelle, ermöglichen. Die Ausweisung der deutschen Beamten aus dem Rbeinlande hätte den Zivecr. den antifranzösischen Treibereien dieser Personen ein Ende zu bereiten und Deutschland künftig zu verhindern, die Steuern in den Rheinlanden selbst einzutreibem Frankreich würde also an der Ruhr und in den Rhein- imwen Pfänder ergreifen und gleichzeitig seine Sicherheit erhöhen.
Daß die französischen Absichten auf das Rhein land und Ruhrgebiet sich in dieser Richtung bewegen, kann von Poincaree nicht bestritten werden. Seine „Verich» tgr'.ng", in der weiter nichts gesagt wird, als daß über die „Si^ung des Ministerrats die unrichtigsten Informationen" veröffentlicht worden seien, ist so ungewiß gehal-
Nichte, seine Truppen am Rhein z« belassen und eine' Politik der Verbündeten zn begünstigen, die die Be^ fetzung deutschen Gebietes verschreibe.
^«chte.
»-»Der „Berl. Lok.-Nnz." schreibt? .^sei Loten solltet« ptner Korrespondenz zufolge aus Paris in Berklu ckrr-« getroffen sein, die eine von der Reparationskommissions mit einem Protest gegen die Leistung weiterer Sub-- ventionen an die deutschen Reeder, die andere von der französischen Regierung mit der Ankündiguna ihrer Entschlosienheit zur Inbesitznahme deutscher Pfänder; Es ist weder eine Note dieses oder jenes Inhaltes ins Berlin einaetroffen
machen zu sollen: sie hätten diese politrichen Verhältnisse vielleicht nicht aus rechtlichen Gründen in Ruck- sicht ziehen müssen, wohl aber aus der ganzen Lage heraus. Staatsrechtlich sei von jeher der Krieg ein Mittel der Politik gewesen und habe sich deren Zielen unter- ordnen müssen. Wo Feldherr und Staatslenker nicht, wie bei Friedrich dem Großen, in einer Person veremrgt gewesen seien, sei es bei Meinungsverschledenheiten zwc- nhen dem Heerführer und der Staatsleitung Pfucht des Monarchen gewesen, die Gegensätze auszuglecchen oder Ane Entscheidung zu treffen. Die Natur des Kaisers und die Entwicklung der Dinge habe aber dqßm geführt, daß der Kaiser diese Kraft der Entscheidung immer mehr und mehr verloren habe: die militärischen ©roßtaten von Hindenburg und Ludendorff aber hatten sich dahin ausgewirkt, daß ihnen das Volk em größeres Vertrauen entaeaenaebracht habe, als der nicht immer zielbewußten oder gar krastvollerr politischen Leitung. Die Sorge, den Krieg nicht erfolgreich beenden zu konueu, und das Gefühl, bei der Sammlung aller Kräfte nicht rm erforderlichen Maße von der Regierung unterstützt zu werden, ^Mest-Litowsk und Bukarest hatten fK^?,^rstc wcln aber vor der Offensive dazu geführt, daß die Oberste r«^
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,. Französische Raubplü«e.
; Die geheimen Beratungen des fravzösischen Mini- i sterrüts sind am Dienstag im Elysee fortgesetzt worden.
1 Poincaree erklärte, daß die Veröffentlichunaen über die
!ten, daß sie eigentlich nichts sagt, wahrscheinlich beziZ sie M mtr darauf, daß über diese Pläne noch kein end güt iger Beschluß gefaßt ist. Das scheint auch sehr wähl scheinlcch; denn Frankreich kann zrmächst noch nicht au Miene Faust Vorgehen und muß sich an die Beschlüst halten, die gegebenenfalls in Gemeinschaft der Alliiertes besaßt werden. Ferner muß auch erst die Entschäös gungskommrssion auf die letzte Note der deutschen Reichs remerung, in der neue Vorschläge in der Entschädigungs frage gemacht worden sind, antworten, ob und inwiewei be öiese Note fiir geeignet hält, eine neue Grundlage fit die Entichädrgungszahlungen zu bieten. Die bisherig
^euetuttst hat sich als undurchführbar erwiesen. Das st nicht nur von den Finanz- und Wirtschaftssachverstündi gen anerkannt worden, sondern muß auch die Pariso Machtpolttiker davon Werzeugt haben, daß es ein Irr An war, aus Deutschland Unmögliches Herauszupreffey ö?e s Frankreich über diese klaren Tatsache!
hinwegsetzt, so dokumentiert es vor aller Welt seine Am nektionsplane und stellt sich als der Friedensstörer Eu ropas hm, der einem 60-Millwnenvolk, das ehrlich be- «eil Lu-ermuerl, uen «tÄt «eaene^sssr-Tsrntr Wirk Mast abschneiden will. Dieser Plan tritt jetzt unverhüllj auf. Der Zahlungsaufschub, der Deutschland gewähr morden ist, läuft erst Ende dieses Jahres ab. Wenr jetzt schon Frankreich Zwarlgsmatznahmen gegen Deutsch, land ins Auge fatzt, so beweist es eben damit, daß es nm auf den Zeitpunkt wartet, in dem es seine Bataillone gegen ein wehrloses Volk vortreiben kann. Ueber die Sitzung des französischen Ministerrates am Dienstag wird eine Meldung verbreitet, in der die Nachrichten über die 'geplanten Zwangsmaßnahmen bestätigt werden. Sre lautet:
m- Nach einer Meldung aus Paris wird über die Sej ratttngc« int Elysee unter dem Vorsitz Millerands eine halbamtliche Mitteilung veröffentlicht, worin es heißt: Wir glattve« zn wissen, daß die in Betracht gezogenem picht beschlossenen Maßnahmen, die man für die Garau- Ueryng unserer Rechte als geeignet erblickt, falls diese
Verstimmung in London und Brüssel. 1 ^Paris. (B. T.) Die Mitteil»«gev der fravzös fische« Presse über die Abfichte« Poincarees geger Deutschland habe« in Londo« ««- Brüssel den denkbat Mlechteste« Eindruck gemacht. Beide Bundesgenosien : >aben von iese« glätten Poincarees nichts gewußt unl ind durch die sensationelle Anfmachnng, die die Paris« 8efi««gen ihre« J«formatione« gäbe«, peinlich berührt worden. Wie die Pariser Presse jetzt versichert find alle diese Pläne abhängig von dem Ergebnis in Brüstel, wo Frankreich eine gerechte Lösung vorschlage, werde. Ueber diese Lösnng werde gesagt, die französisch« Regierung hält es für gerechtfertigt, einen Plan vor» zulegen, der eine Herabsetzung der -entsche« Verpflicht innren in einem gleichmäßigen Verhältnis zn der Bert ringernng der französischen Kriegsschalde« vorfiehU Nnr unter dieser Bedingung werde Frankreich einet? intenationalen Anleihe zu stimme«.
Die Pariser Treffe über die Beratungen im Elysee. ; w Paris. Trotz des amtlichen Demerttis, in dem man sich bemüht, die Beratungen im Elysee über geger Deutschland zu ergreifende Zwangsmaßnahmen alt harmlose Besprechungen hinzustellen, bleibt die Morgen- presse, vor allem das „Journal", dabei, daß es sich um einen Beschluß gehandelt habe, der nicht nur gegen die neue deutsche Regierung, sondern auch gegen die belgische Regierung qerichtet sei. Es müsse zugegeben werden; daß die Zusammenkunft mit Theunis und Iaspar nicht mit den erwarteten Abkommen geendet habe und daß
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die belgischen Minister entschlossen seien, sich den Rc schlagen der neutralen Finanzleute anzuschließen, die di Betrag der deutschen Schulden auf eine Sunnne Hera foköv» -mrvfstm ht» Öt-v<w*gratA ^4-AI - k^^^" E^^»-^s
. ■ als geeignet erblickt, falls diese Rechte verlegt würden, folgende find: 1. Vollständige Be» schlagnshme der Rheinlande, die Frankreich jetzt besetzt hält, eine Beschlagnahme, die namentlich in der Ersetzung der deutschen Beamten durch französische Be-
ernte zum Ausdruck kommen müßte. 2. Besesinna von zwei Dritteln des Rtthrgebiets einschließlich Essen nnd Bochum zur Sicherung der Frankreich von Dsutsch» land ans Wieder herstellungskonto zu liefernden Kohle« und des für die französische Industrie erforderlichen Hütterrkskses.
Frankreich läßt die Maske fallen.
Der hochwichtigen Besprechung im Elysee ist vor wenigen Tagen eine kleinere zwischen Poincaree, dem Kriegsminister und General Degoütte, dem Kommandierenden der Besatzungstruppen im Rheinland, vor« angegangen. Die gesamte französische Presse beschäftigt sich ausführlich mit der neuen außerordentlich ernsten Wendung der Lage und knüpft daran die verschiedensten Kommentare. Die Presse ist hocherfreut, daß die Stunde des Handelns gekommen sei. Gleichzeitig werden auch die Ereignisse in Berlin sehr genau beachtet. Die Berliner Korrespondenten wissen von angeblichen sehr ernsten Unstimmigkeiten innerhalb des Kabinetts zu bc- richten.
Frankreich wendet sich an die deutsche Industrie.
Der Berliner Korrespondent des „Echo de Paris" meldet seinem Blatt, daß der Kanzler Euuo in Gemeinschaft mit der deutschen Großindustrie die Situation noch retten könne, wenn es ihm gelinge, die Großindustrie zu den notwendigen Opfern zu bewegen. Die Repara- lionskommisston werde in ihrer Antwort auf das deutsche Moratoriumsgesuch wahrscheinlich erwidern, daß ein Moratorium nur möglich sei, wenn die deutsche Großindustrie greifbare Sicherheiten zu gewähren bereit sei. Der Kanzler müsse die Großindustrie zu diesem Zugestärrduis bringen, und die Großindustriellen bürsten sich nicht weigern, wenn sie nicht das Chaos für Deutschland herbeiführen ivollterr.
Englands Haltnug.
Bonar Law hat auf eine Anfrage im Unterhause erklärt, daß. kein bestehendes .Mkomme« England ver-
r-s-Paris. Im amtlichen Eourmumquee über dem Ministerrat heißt es: Poincaree unterrichtete seine W legen über den Verlauf der Zummmeukunft, die uw Elmee stattgefunden hat und über die vollkommen un-, richtige Angcwen veröffentlicht worden sind. Authen-, tische Meldungen darüber, welche Berichte nuu cige!^ lich als unrichtig betrachtet werden können, find mÄ zu erlangen. In politischen Kreisen wird versichert-, daß im Elysee nur die Pläne, die unter BriarM ausgeZ arbeitet wurden, besprochen worden seien. Es handelt sich um Maßnahmen über die Ausbeutung der Fabriken) Wälder und Gruben im Rheinbünde zu Reparattons^ zwecken und die Erhebung von Steuern und sonstigen Abgaben besetzten Gebiete durch die Verbündeten o- . wie itnt die Erfassung von Pfändern im Ruhrgebiet- durch Ausübung eines Druckes auf die deutsche Schwer-; Industrie.
*ie KobleuNeferungen.
ÄV& SA »ÄSS K«S»mVwi^ wahrscheinlich eine Abordnung des internationalen Bergarbeiterkomitees empfangen, das nach Beendigung iem^ Brüsseler Beratungen mit der Bitte Hervortrettu will, die deutschen Kohleulteferwigen zu vermindern. 1 Vonar Law ««abkömmlich.
k London. (L. A.) Bonar Law hat Porncaree erklären lassen, er könne London vor Beendigung der eng» fischen ParlamentStagung nicht verlageir.
©ine Warnung Louchenrs.
>4. Zürich. Der frühere französische Wientraustaumsiri- ster^LoUcireur hielt hier eine Rede, w der er sagte, maq müsse die aeaenwärtige Lage als höchst gefahrliw an» sehen Er sei überzeugt, daß zur Abwehr des dro ende« Zusammeribruchs Deutschlands alle Länder glew^^
Gi'be'' Freund oder Feuid, sich zu gemelUtzune,. van deln verbinden müßten. Auch Franererch werde, vo- älMck es auf das Gefährlichste getroffen sei, angssichtS ^er drohenden Gefahr feine Feindschaft gegen ^culf4^ land znrückstellea mnnelt.
Mbruch »er rug«sch-SrIech'!ch«n V°,i«hu»,«»
«„o «oudov wird gemeldet: Der britische Gc- r^^ E« ^.^» hat um seinen Paß gebeten «ud den l^e&itWH^^ mitgeteilt, daß er infolge von ^n- struttionen seiner Regierung Athen vcrlasfctt Uiüne. E^ begibt sich nach Lansanne, wo er Curzon Bericht ""sie «MÄ1 SffÄ'ÄS pkomatischen BeziehMgeu zu ©n ^ u &ie CnC= - äWKIäBW»« -
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»Ä'?Ä nachzukom»-».
Hinrichtung griechischer Mirnster. _, '
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