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Hersfelder Kreirblatt

Amtlicher Anzeiger für den Kreis Hrsseld

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st Das Wichtigste »»m Tage.

hj prr ^ Die Reparationskom mission hatin Ausübung 8^3res Interpret« tionsrechtes" beschlossen, daß das WortVerfeh- ^rung" im Paragraphen 17 denselben Sinn habe wie der Ausdruck ,a b f i d) 11 i d) e Verfehlung" im Paragraphen 18.

Präsident Harding hat tn einem Brief den Kon- HÄreß aufgefordert, ihm bei den kommenden Verhandlungen in der spRoparationr- und Schuldenfrage freie Hand zu lassen.

Der Bankn»te»u»lauf der Reichsbank hat eine Dillion überschritten.

Zahresrückblick.

^ »Ewig still steht die Vergangenheit-, singt der Dichter. Wenn wir zurückschauend das letzte Jahr deutscher Geschichte prüfen, wird uns klar, wiswenigvon unseren Hoff­nungen erfüllt worden sind und daß wir uns noch immer in einer Wartezeit befinden. Kein Schütteln des Ka- keidoskops half; was sich an Vorgängen abspielte, zeigte fast 4 durchweg trübe, nicht freudig leuchtende Farben.

Als ein kleines Besserungssymptom stellte sich im Februar das Ende des schon im Januar vorspukenden Eisenbahnerstreiks ein, der ein fühlbarer Schlag für blle Kreise gewesen ist und mit dem Siege der Regierung ab» schloß. Seitdem hat diese, um es vorwegzunehmen, nicht gerastet und versucht, die durch Inflation des Beamtenkörpers im Eisenbahnwesen zerrütteten Reichsfinanzen auf gesunde 'Grundlagen zu stellen mit den Mitteln einer Tarifpolitik, die allgemeinen Widerspruch erfuhr und noch erfährt. Der in der Folgezeit auftauchende Entstaatlichungggedanke verschwand schnell wieder von der Bildfläche.

44 Im Januar begann es, im deutschen Kommunismus Mos­kauer Provenienz zu gären: ein Teil der Kommunisten spaltete sich ab, um sich zu den Unabhängigen zu schlagen. Diese hinwiederum vereinigten sich, mit Ausnahme des Bebe« bour-Grüppchens, mit den Mehrheitssozialisten auf dem Nürnberger Parteitage, und aus dieser Konstella­tion entstaub im Reichstag eine bürgerliche Arbeitsgemeinschaft m^bem , 8n> G^-l^-~niın aUn-4äft^re; --'^

.....gengewicht entgegenzusetzen. Die Frage einer großen Ko- alition wurde brennend. Der Reichskanzler Dr. Wirth tratmit seinem Kabinett zurück, und unter seinem Nachfolger Dr. Cuno bildete sich ein rein bürgerliches Ar- deitsministerium.

Dieses mußte wohl oder übel die außenpolitisch« Erbschaft Wirths übernehmen. Sie bestand und besteht in den Aus- Wirkungen des Versailler Vertrages, unter denen alle Welt, vor allem Deutschland, leibet. Daraus ent« wickelte sich zunächst die Konferenz von Lannear sie bescherte Deutschland ein Moratorium, Frankreich den Sturz

. sei^Z zu wenig chauvinistischen Premierministers Briand, der von Poincarä abgelöst wurde. Dieser benutzte die darauf nach Genua berufene Konferenz, um seinem Groll gegen England Luft zu machen, indem er sie sprengte. An ihr hatten auch Sowjetdelegierte teilgenommen, wobei unter Mitwirkung Rathenaus der Vertrag von Rapallo . zwischen Deutschland und Rußland zustande kam. Sehr zum Leidwesen PoincarSs, der sich zu den üblichen Sanktions- drohungen verstieg. Am 19. Mai war die ergebnislose Kon­ferenz beendet, aber zwischen Cannes und Genua erlebten wir dus denkwürdige Zwischenspiel: die Reparations- n o t e v o m 21. M ä r z, die 152 Milliarden Reichsmark als Iahrestribut und Finanzkontrolle forderte, aber auf schärfste Verwahrung bei der Reichstagsmehrheit stieß und dem Reichs­kanzler ein Vertrauensvotum eintrug. Es sind über die Konferenzen Ströme von Tinte verschrieben worden, und so gering die positive Ausbeute war, die Erkenntnis konnte W daraus geschöpft werden, daß nach dem Sturz von Lloyd George auch unter Bonar Law sich eine Annäherung a n Amerika vollzog und England diese Haltung durch die Ablehnung des englisch-französischen Bündnisses bekräftigte. Gleichwohl hat es England nie zum Bruche mit Frankreich kommen lassen und äußerlich die .Freundschaft" selbst nach

^ der letzten vertagten Konferenz von London gewahrt.

Im Reiche vollzog sich ein S teuerkompromiß unter Beihilfe der Sozialdemokratie, wodurch die Zwangsan- leihe unter Dach gebracht wurde, und gleichfalls einem Kompromiß verdankt Herr Ebert seine Weiterwahl durch den Reichstag. Große Erregung löste die Ermordung Na- thenaus aus. Seine Mörder entzogen sich der irdischen Gerechtigkeit, die Mitverschworenen wurden verurteilt, ohne ! baß es gelang, den Herd der Verschwörung aufzudecken. Ähnlich wie beim Attentat auf Erzberger geriet die inner» politische Entwicklung wieder in ein unruhiges Fahrwasser, was noch gefördert wurde durch die zunehmende Teuerung. Die Geldentwertung und -Vermehrung blieb unausgeset hinter i den Preisen für alle Lebensbedürfnisse einige Schritte zurück. Während Mitte Januar der Dosier für 116 Mark zu taufen ipar, stieg er als Spielpapier zeitweilig an die Grenze vo^

Sonnabend, den 30. Dezember

10 000, ein Warnungssignal für dir Entente, deren Restart Honstommiffton dadurch nach Berlin gelockt wurde, um zu­gleich mit einer Internationalen Sachverständigenkonferenz die Verhältnisse zu untersuchen. Ihr war derselbe Mißerfolg !>eschieden wie der von Bonar Law nach London geladenen Konferenz, die bis zum 2. Januar L I. nach Paris vertagt werden mußte.

Inzwischen war der Rumpfstaat Oesterreich völlig durch die Genfer Protokolle und Gewährung einer internationalen Goldanleihe unter die Finanzkontrolle der Entente geraten und seines Selbstbestimmungsrechts nahezu beraubt worden. Der Anschluß an Deutschland wurde ihm vertraglich verboten. Die Republik Polen gelangte endlich zu einer Verfassung, blieb aber ein Nationalitäten- staat, dessen Minderheiten nach Pilsudskis Rücktritt die Wahl des Professors Narutoviez zum Staatspräsidenten durchsetzen Ralfen. Nach dessen bald darauf folgender Er­mordung wurde Stanislaus Wojeiechowski gewählt.

Daß nicht alle von der Entente diktierten Verträge sakrö- sankt sind, erfuhr sie durch die von den Angora -Türken den Griechen beigebrachte zerschmetternde Niederlage. Diese stürzte den Vertrag von Sövres um, trieb das grie­chische Heer aus Kleinasien und kostete dem König Konstantin den Thron, seinen Beratern und Ministern mittels eines Justizmordes das Leben. Die sich daran schließende Friedens­konferenz von Lausanne rief auch Sowjetrußland auf den Plan und rollte eine lange Reihe von Fragen auf über die Freiheit der Meerengen, über die Kapitulationen, den Schutz Konstantinopels, den Besitz der Oelfelder von Mossul u. a. m., so daß schon jetzt ein wirklich befriedigendesErgeb- nis der Verhandlungen nichtzu erwarten ist, zumal da England keine Neigung verrät, die Befestigungen von Tschanak aufzugeben. Ebenso hartnäckig hält es an der militärischen Besetzung Aegyptens fest. Ob der Friede mit Irland haltbar sein wird, steht noch dahin. Vor­läufig kommen bald hier, bald da explosionsartig blutige Ucberfälle auf und bezeigen, daß de Valera noch nicht die Flinte ins Korn geworfen hat.

So ist das Jahr 1922 dahingegangen im Zeichn «*2®*, »«i^iiti ueren yaupwpfe^ Deutschland dar stellt. Niemand leugnet sie; aber niemand besitzt die stark Hand, Ordnung zu schaffen. Der einzige, der es versuchen könnte, der Präsident H a r d i n g , hält sich noch zurück, und über den ihm zugeschriebenen Weltkonferenz­plan herrschen in seinem Lager selbst verschiedene Meinun­gen; aber es wäre zu wünschen, daß dieser menschenfieund- liche Gedanke sich nicht nur als Luftspiegelung, sondern als wohlbehütete Freistatt für alle von Unglück heimgesuchten Völker des Erdballs herausstellte.nd

Die Gewerkschaften beimReichskanzler

Die Spitzenverbände der Gewerkschaften sind am Donnerstag Dom Reichskanzler empfangen worden. Sie hatten ihre Wünsche vorher schriftlich unterbreitet. Diese betrafen u. a. zunächst den zu erwartenden B r o t p r e i s und die Frage, wie dessen Er­höhung der werktätigen Bevölkerung erträglich gemacht werden könne.

Der ReichsernShrungsminister

erklärte dazu, daß bereits Vorbereitungen auf dem Gebiete des Lohn- und Gehaltswesens getroffen seien, und daß sofort nach Feststellung des Ausgabepreises der Reichsgetreidestelle neuerliche Fühlung mit den beteiligten Ressorts in Reich und Land und den wirtschaftlichen Vereinigungen genommen werde. Bei der Aus­sprache über das

Reichseinkommensteuetgesetz

wurde von den Gewerkschaftsvertretern auf die starke Be­lastung der Lohn - und Gehaltsempfänger und auf die Unbilligkeit hingewiesen, die sich als Folge der Geldentwertung aus -verspäteter Steuerzahlung anderer ergebe. Der Reichskanzler verwies auf den dem Reichsrat zur Abstellung dieser Mißstandc vorliegenden Gesetzentwurf und auf die Be- mühungen der Reichsregierung zu scharfer Erfassung und schneller Erhebung der Steuern. Zur Frage der

Wohnungsfürsorge

wurde darauf hingewiesen, daß die sehr wesentlich gesteigert« Wohnungsbauabgabe verbunden sein müsse mit weitgehender Einwirkuna auf die Preise aller Baustoffe, im besonderen die Preise für Holz, und daß weitere Voraussetzung die Beibehaltung der jetzigen Wohnungsgesetzgebung sei.

Des weiteren wurde über die Preisgestaltung und die Mög­lichkeit der Verhinderung der übermäßigen Ver­teuerung der Waren gesprochen. Im weiteren Verlauf der allgemeinen Aussprache über innenwirtschaftliche Maß - n a h m c n erklärte der Reichskanzler, daß nach dem Willen der Regierung zur Tragung der unabwendbaren Lasten a l l e K r e i s e unseres Volkes nach Maßgabe ihres Könnens heranz u - ziehen seien.

Die Lohnbewegung in den Reichsbetrieben.

Die Vertreter der Epitzenorganisationen der Be­amten, Angestellten und Arbeiter des Reiches, der Länder und der Gemeinden traten Donnerstag zu einer Besprechung der durch die letzte Gehalts- und Lohnerhöhung entstandenen schwierigen La^ in den Reichsbetrieben zusammen. Es wurde beschlossen, in cin^ Eingabe an die Reichsregierung um die unverzügliche Einleitung

1922

neuer gemeinsamererhandlungen für Beamte, Angestellts und - Arbeiter Lb»r ein»,eitgemäß» Regelung der Dr- zembrrbezüg« ersuchen.

In der Singabniro auf dir hochgradige Erregung hingewiesen, die allchalben infolge der unbefriedigenden Wg- besserung der Gehäl und Löhne hervorgerufen worden ist. Der Unmut des Personalwär» durch di» ablehnende Haltung der gierung, die Dezemkbezüg« einer Revision zu unterziehen, noch verstärkt worden. As Me Regierung diese Haltung nicht auf- gebe, lehnten die vewerkschaften jede Verantwortung für nie Folgen ab.

Dieabsiülichen Verfehlungen".

DirReparatiaskommlssronkonstruiert. Bra-burys hzklar« Haltung. Deutsch« «

Erklärungen.

Die Neparatioskommission hat folgend«- Kommu- *kW veröffentlicht

^Die Reparativskommission beschließt ht Aus­übung des Jutrpretationsrechtes, das ihr der Paragraph 12,Anhang n, Teil VII des Friedens- Vertrages ein^äumt, ,ah das WortVerfehlung- (manqne.

* f

ment) im Paragrapen 17 des

genannten Anhanges druckAbsichtliche

denselben Ginn hab» wie der Ausdruck

Verfehlung- (nunanement volontaize) im Paragra»

Ph«a 18 dieses Anhargrs.-

Don französischer antlicher Stelle wird zu diesem Beschluß beianntgtfleben, daß er » t» stimmig gefaßt wurde und das man in ihm «int fibzit$» Auslegung des Paragra- phen 17, Anhang H Teil VUI bei Frtrdensvertrages zu erblicken jab«. Da, .Petit &«md stellt fest, daß diese Entscheidung am Dienstag vor den anbeten Entscheidungen ge« hasste smtbe, als, an erster Stelle. Sir John Bradburh hab» sich Mefa Auffassung im Namen Großbritanniens an- geschlostan «ab erst, als die Rede davon gewesen sei, diese Ent- _ [<&eibuag allgemeiner Art aus den besonderen Fall der Holzliese- \ runge» anzuwenden, habe Sir John Bradbury^ rnüchloüen^^^

^MMM^MMtvWWl

^Thicago Tribune" paratronskommission am' lieserungen behandcllwu^WW Vertreter bei der ^. ^i wesen sei.

Die -e steht, wie versichert wird, um eine absichtliche Verfehl einmanquement" im Ei unzweifelhaft zwei verschi Daß eine absichtliche Verfch, den Alliierten gemachten ' gewesenen Holzlieferungen mußten, bis zum 31. ML schlag sind die Alliierten sich der englische Delegiert der Abstimmung über die a ist noch nicht endgültig a Widerspruch zu sei derhrrstcllungskommiffi

Zn ein

bet Reichsregierung gen die deutsche Re-^ haben. Die Anst MSglichkÄt beM** ginn Sabittmir* _ gierung um ei leiten Ms pm» Nachfrist würde 8ieferz»tt vo net vom Tage des E Diese zwölfmoua-tig« Li ten alliierten Lachversta habten Verhandlungen in

Anschließmd wird noch etwa 50 Prozent der von d Frankreich, Belgien, Italien zur Ablieferung gebracht w des A n g e b o t s zu Begin Seite ausdrücklich darauf hi späten ohne Schuld der de rung wahrscheinlich Lieferungen in dem gesamte fäll« erstrecken sich sowohl a delgtschen und italienischen lischen Lieferungen. Nichts Verfehlung Deutschlands in französischen Liefer durchgesetzt worden.