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HersfelöerKreisblaLt

Amtlicher Anzeiger für den Kreis Hersfeld

«Erscheint Dienstag, Donnerstag und Sonnabend. Der Aezugspreis beträgt durch die Dos! bezogen monatlich 300. Mk., für Hersfeld 250 Mk., Abholer 240. Mk. / / Am-iaev' preis für die einspaltige Detilreile oder deren Raum 15 Mk., für auswärts 20 Mk., die Reklamezeile 40. Mk. / / Druck und Verlag von Ludwig Funks Buchdruckerei in Hersfeld

Mitglied des Vereins Deutscher Zeitungs-Derleger. / / Für die Schriftleitung verantwortlich Franz Funk in Hersfeld. / / Fernsprecher Nr. s.

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Nr. 1 . Dienstag, den 2. Januar

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1923

Das Wichtigste vom Tage.

^ Im amerikanischen Senat ist beantragt worden, Deutschland einen Lebensmittelkredit von einer Milliarde Dollar in Teilbeträgen zu gewähren.

ß: In einer offiziellen amerikanischen Erklä- rung heißt es, die Vereinigten Staaten seien bereit, zur Lösung der Reparationsfrage eine Sachverständigen-Kom- Mission nach Europa zu senden, warteten aber auf eine Einladung.

Die deutschen Vorschläge, die in Paris unterbrei» M werden sollen, sind nunmehr fertiggestellt. 's ,.

y Vorschau auf Paris.

Die von London nach Paris verlegte Konftrenz ist als Dorbesprechung für Brüssel gedacht. Nach dem, was sich an der Themse begeben hat, und nach dem sich daran «»schließen- den Aufmirbeln der verschiedenartigsten Meinungen durch 'die Presse der ganzen Welt hält es schwer, den Ariadnefaden für die Fortführung der Verhandlungen zu finden. Vor­besprechungen werden sonst gepflogen, um Klarheit über den iseinzuschlagenden Weg zu schaffen; hier ist das Gegenteil ge­schehen. Dichte Staubwolken verhindern die Aussicht. Wenn das am grünen Holz geschieht, was soll am dürren werden!

Es ist nicht von ungefähr, daß Poincarö die Repa- Kationskommission in Bewegung setzte und mit ihrer Hilfe aus nichtigem Anlaß nicht nur eineabsichtliche Verfehlung" Deutschlands konstruierte. Seine Trabanten mußten im Widerspruch mit dem Wortlaut des Versailler Vertrages die von Frankreich selbst verschuldete Verzögerung der Holz­lieferungen zum Vorwand nehmen, umSanktionenan- drohen zu können. England wurde in der Kommission Überstimmt, dem englischen Selbstbewußtsein ein Hieb ver­setzt, die Zirkel der Vorbereitung einer von Harding ange­legten Weltwirtschaftskonferenz durch Säbelraffeln zerstört. Warum diese absichtlich hervorgerufene Beunruhigung, die unmöglich als geeignetes Vorspiel zum Hauptgegenstand der sich bewußt sein, in welchem Maße sie durch ihr Spiel mit dem Feuer die allgemeine Stimmung verschlechtern würden. Trotzdem hat Poincarä seinem Machtkitzel nachgegeben und den Pariser Kuhhandel augenscheinlich deshalb mit Ueber« forderungen begonnen, weil er möglichst viel herausschlagen will.

O f f i z i e l l hat er sich noch nicht geäußert; nur die In­strumente seiner Presse, die er von jeher meisterhaft zu hand­haben versteht, lassen sich vernehmen, und auch die amerika­nische wird von ihm benutzt. Nach dem New Pork Herold, dem intime Beziehungen zum Quai d'Orsay nachgesagt wer­den, will Frankreich das Ruhrgebiet durch eine Zollinie von dem übrigen Deutschland absperren und damit angeblich eine Goldmilliarde erzielen. Eine gleiche Summe wird von der zehnprozentigen Besteuerung der Ruhrkohle erhofft. Wieviel Ertrag aus einer Steuer auf die Ruhrstahlfabrikate zu er­warten wäre, ist nicht ersichtlich. Nebenbei verrät das ame­rikanische Blatt, daß Frankreich Streiken mit derselben Po­etik zu begegnen gedenke, die bei der Besetzung Frankfurts angewendet sei. Für diese Vorschläge zeichnet selbstverständ­lich der französische Premier nicht verantwortlich, auch nicht für die vom Petit Journal verbreitete Ankündigung, wonach fuh Poincar^ weigere, jeden auf Grund geschäftlicher Trans­aktionen zwischen Privatpersonen oder Finanzinstituten aus­gearbeiteten Vorschlag in Betracht zu ziehen. Ob Bonar Law von dieser Ablehnung bereits in Kenntnis gesetzt worden ist, liegt noch im Dunkel. Da die Beratungen hinter ge- schlossenen Türen stattfinden, ist den Gebürdespähern reichlich Gelegenheit zu ihrem Handwerk gegeben.

Es wird sich bald Herausstellen, ob Deutschland von der ihm günstigen öffentlichen Meinung mehr als nur platoni- scheu'Vorteil zu erwarten hat. Nimmt man die Times als richtunggebend an, dann dürften die französischen Sanktions- gelüste in der Verfthlungsfrage sich rasch verflüchtigen und ein Rückzug angetreten werden, nachdem England die Straf­befugnis der Repamtionskommission rundweg abgestritten unb durch die 'Times hat erklären lassen, die in der Haltung Frankreichs zutage getretene Tendenz sei tief bedauerlich. Es wird für Deutschland alles darauf ankommen, ob es ihm gelingt, die Konferenz zu überzeugen, daß es von dem besten Willen beseelt sei, seine Verpflichtungen zu erfüllen. Eng- land ist allem Slnfdjdnc nach bestrebt, jede weitere Störung der ungeordneten Finanzlage Deutschlands zu verhindern, und möchte eine allmähliä-e -Erholung zur Sicherung der Reparationen in die Wege leiten. Dazu bedarf es der . Unter st ü tz u n g Amerika s. Eine Annäherung ist in / den bevorstehenden Verhandlungen des englisches Schatz- kanzlers Dadwin mit Washington zu erblicken. Die Badwin- sche, mit Beihilfe des Gouverneurs der Bank von England j eingeleitete Aktion, die von anderen Bankvertretern vor zwei

Wochen bereits vorbereitet wurde, wird bt Amerika günstig beurteilt.

Hand in Hand damit geht eine zweite selbständige Aktion Hardingsr Man vermag schon die Umrisse einer Weltwirtschaftskonferenz zu erkennen, der mittels einer internationalen Schuldenregelung Amerika hat Anspruch auf 11 Milliarden Nachdruck verliehen werden kann. Das kann seinen Einfluß auf die Pariser Konferenz nicht verfehlen und wird voreiligen Beschlüssen einen Riegel vorschieben. Ein endgültiges Ergebnis der Vorbesprechungen zu erwarten, verbietet ihr Charakter, aber der jüngste Vorstoß Poinearss in der Verfehlungsfrage, der einem Mißerfolg ähnlich sieht, läßt den Schluß zu, daß er feiner Sache nicht mehr sicher ist und sich Deutschland einem ihm Luft verschaffenden Wende­punkt nähert, zumal da es Amerika nicht bloß bei Worten beläßt, sondern gewillt ist, tatkräftig einzugreifen. Im Senat hat der republikanische Senator Bursun einen Kredit von einer Milliarde Dollar zum Aufkauf von Lebensmitteln für Deutschland beantragt. Selbst wenn der Antrag nicht durch- gehen sollte, ist er als Sympathiebezeugung für uns und als Antwort $ruf die Hetzreden Clemeneeaus vonWerft nd,

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Amerikas Eingreifen.

Nach der letzten Sitzung des amerikanische« Ka­binetts ist eine Erklärung veröffentlicht worden, wonach die Vereinigten Staaten Vordereitungen getroffen hät­ten, um eine Kommisfionvo« wirtschaftlichen und Finanzsachverständigen nach Europa zu senden. Sie würden allerdings der Kommission erst He Weisung zur Abreise geben, wenn aus Europa ent­sprechende Einladungen ergehen würde«. Die geplante grosse Konferenz solle nicht in Washington, sondern in einer grosse» europäischen Stadt vor sich gehen. In der letzten Sitzung des amerikanischen Kongresses wurde der Antrag des Senators Borah zurückgezogen. Borah erklärte, er wünsche, dem Präsidenten keine Schwierigkeiten zu bereiten.

In einer Rede vor einer Versammlung der Amerikanischen Historischen Gesellschaft regte Staatssekretär Hughes an, eine Regelung des Reparationsproblems solle auf die Weise vor­genommen werden, daß es der politischen Behandlung entzogen und einem Sonderausschuß von Sachverständigen verschiedener Nationalitäten überwiesen werde. Amerika sehe mit MißfallerOMaßnahmen an, die, anstatt Reparationen zu ergeben, eine Katastrophe herbeizuführen droh- ten. Der Staatssekretär skizzierte dann einen Vorschlag, wonach die höchste finanzielle Autorität in jedem der betreffenden Länder aufgefordert werden solle, einem Finanzplan zuzustimmen, welcher von der ganzen Welt als die maßgebendste erlangbar» Meinungsäußerung angenommen werden sollte.

Das englische Kabinett hat die Zusammenkunft der alliierten Premierminister, die nächste Woche in Paris beginnen soll, und die britische Haltung in der Reparationsfrage erörtert. Lord Curzon hat sich bereits nach Paris begeben, um mit Bonar Law sofort bei seinem Eintreffen über das Reparationrproblem zu sprechen. Er wird während der Konferenz der Premier­minister nicht in Paris bleiben, sondern am Dienstag nach Lau­sanne zurückkehren. Es steht endgültig fest, daß Mussolini nicht nachParis gehen wird, aber er wird durch die italieni­schen Botschafter in London und Paris sowie den italienischen De­legierten in der Reparationskommission vertreten sein.

Daily Telegraph zufolge billigt das englische Kabinett im Verlaufe der sehr kurzen Sitzung die Hauptgrundzüge der Politik, die die britische Delegation der Pariser Konferenz unter­breiten wird. Die Vertreter Großbritanniens sollen nicht abge­neigt sein, im voraus die Straf Maßnahmen zu be­zeichnen, die im Falle eines zpkünftigen und vorsätzlichen Ver­zuges seitens Deutschlands erzwungen werden würden. Die bri­tischen Delegierten würden jedoch ein Durcheinander- werfen von Strafmaßnahmen und produktiven Pfändern nicht unterstützen. Die letzteren sähen sie als ein Hindernis für die Produktivität an.

Das unvermeiösiche Gäbelgeraffel.

Auf dem Quai d'Orsay hielten die französischen Sackoerstän- digen unter dem Vorsitz von Seydoux wieder eine Berd.ung ab, die sich in der Hauptsache um die Frage der produktiven Pfänder drehte. Es wurde u. a. vorgeschlagen, eine Kohlen- neuer zu erheben, ähnlich derjenigen, die bereits im Ruhrgebiet trieben wird. Man erwartet, daß diese rund 470 Mill. Goldmark Einbringen würde. Die Sachverständigen stellten ein ganzes 6 ^ ft e m von Pfändern auf und beschlossen, ihre Arbeiten t» zu beschleunigen, daß sie Poincarö am Sonntag vorgelegt werden können. Der Petit Parisien fügt der Veröffentlichung dieses Be- richte hinzu, daß volle Einmütigkeit bestehe zwischen den Each- verständigen und den militärischen Stellen, die unter Leitung von Fach damit beauftragt seien, die eventuellen militärischen Folgen der in Aussicht genommenen Maßnahmen zu prüfen.

'In der französischen Kamm-" ist in Antrag eingebracht wor­den, in dem die Regierung g;ssgeHvo«K m^, o 1 M. ßnahmen zu

rrgieif-ch sich voll Deutsch lSüS «^r"ReParation»« zahlungen »u erhalten, die e» in Gold oder in Sach- werten zu entrichten hat. Ferner solle ein französische, Landes- amt für Sachlirfrrungen errichtet werden.

r Die deutschen Vorschläge fertig.

Die Serahmgen mit den Sachverständigen sind, wie von zu- siaudiger Stelle nunmehr mitgeteilt wird, zum Abschluß gelangt Sie hatten den Zweck, ein Bild von der wirtschaftlichen Leistungs­fähigkeit Deutschlands zu gewinnen, und es dadurch der Regierung zu ermöglichen, sich ein Urteil darüber zu bilden, wi« diese Be­ratungen Deutschlands für eine Wiedergutmachung nutzbar ge­macht werden können. Diesem Zweck entsprechend sind die Sach­verständigen im wesentlichen als wirtschaftliche Faktor ren gehört worden. Nach Abschluß der Beratung liegt ein i

; ' fester und klarer Pla«

der Reichsvegierung nunmehr vor. Dieser Pla» wird in geeig­neter Weise der Entente zur Kenntnis gebracht werden. Welches der geeignete Weg ist, hängt natürlich von der politischen Lage ab, die von Tag zu Tag, ja sogar von Stunde zu Stund« wechselt. Was den Inhalt der Vorschläge betrifft so hält die Regierung es für angebracht auch im gegenwärtigen ZeitpuE von einer Veröffentlichung noch abzu- sehen. Sie glaubt es nicht verantworte« zu können, wenn die Vorschläge vor ihrer Ueberreichung von anderer Seite zerpflückt und eventuell sabotiert werden. Versichert wird, daß die Be­schlüsse des Kabinetts einmütig gefaßt worden sind, und daß irgendwelche Meinungsverschiedenheiten nicht bestehen.

Eine Milliarde Dollar Lebensmittelkredit?

Wie ein Funkspruch aus Washington meldet, brächte der republikanische Senator Bursnm im Senat einen Gesetzentwurf über Gewährung von Krediten an Deutschland im Gesamtbeträge von einer Milliarde Dollar für -den Ankauf t an Lebensrnitteln in den Ver­einigte« Staate« ein. Das Gesetz steht vor, dass Tentsch- land als Sicherheit Schatzscheine hergibt, die dvrch Ja- dustrieobligatlonen fichergestellt werden, nnd dass es die Kpedits -inne^E bon ~tv£^^^ SS» Zinsfnss solle S Prozent betragen. Die Kredite solle« 50 Millionen Dollar in einem Monat und 250. Millio­nen Dollar in einem Jahre nicht übersteigern

Apelt Tfchiifcherms an Amerika.

In La u sa n n e gab bei einem Empfang der amerikanischen Journalisten Tschitscherin folgende Erklärung ab: Rußland hat keinen größeren Wunsch als den, die Mitarbeit des amerikanischen Volkes für feinen Wiederauf­bau zu sichern. Würde der Handel mit Amerika, die Mitwirkung des amerikanischen Kapitals in Rußland, die Verbindung russischer Arbeit mit amerikanischer Arbeit, würde solche fruchtbare Zu­sammenarbeit nicht Heiden Völkern und allen Völkern zum Archen gereichen? Ich bin nach Lausanne gekommen, um den Frieden im Schwarzen Dieer und die Sicherheit seiner Küsten wieder herzustellen. Ich kam hierher um des Friedens willen. Unsere Hoffnungen sind vernichtet worden. Fremde Kriegsschiffe werden vor unserer Südküste kreuzen, und die Folge werden gegenseitige Rüstungen fein. Die Flottenabrüstung ist in Washington eingeleitet worden. Diesem Ziel strebt auch Rußland entgegen. Ob man die Abrüstung teilweise oder völlig verwirklicht, vor allem muß die Flottenabrüfkn-g all­gemein sein. Nur dann ist sie wirksam. Die allgemeine Flolten- abrüftung ist außerdem die einzige vollkommene Losung der Meerengenfrage.

^Wimen für den GefchichistmisrrLchi.

Für den Unterricht in Geschichte mrd Staatsbürgerkunde in den oberen Volksschulklasien in Preußen sollen die Lehrpläne nach folgenden Richtlinien aufgestellt werden:

Den Stoff des Geschichtsunterrichts bildet die Geschichi - des deutschen Volkes (einschließlich des Grenz- und des Ausi mbs» deutschrums) nach ihren verschiedenen Seiten als Darstellung der Entwicklung des staatlichen, gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und geistigen Bebens im deutschen Volk. Kriege sind hauptsächlich nach ihren Ursachen und Folgen zu würdigen. Wo es irgend angelt sind bedeutende geschichtliche Persönlichkeiten oder Per­sönlichkeiten der Heimat in den Mittelpunkt der Betrachtung zu stellen. Von der Zeit des G r o ß e n K u r f ü r st e« an tritt die brandenburgisch-preußische Geschichte in den Vor­dergrund. Die Geschichte anderer ker ist soweit mit in Betracht zu ziehen, als durch sie die deutsche entscheidend beeinflußt wor­den ist.

Staatsbürgerkunde, b. i. Einführung in die staat­lichen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Zustände, ist von An­fang an beim Geschichtsunterricht und auch in anderen Unter» richtsfächern, immer unter Bezugnahme auf die Ge­genwart, zu betreiben. Die ausführlich und möglichst «n'?-7.u- lich zu gestaltende Darstellung der gegenwärtigen staatlichen Ver­hältnisse bildet den Abschluß des Unterrichts. Bei dieser Un::r- weifung sind die Verfassungen des Reiches, und des Freistaates Preußen ausreichend zu berücksichtigen. Für das le te Schuljahr sind daneben zusüÄmrnfaffende Befrachtungen über die Entwicklung der Landwirtschafft des Handwerks, der Technik, des Verkehrswesens, des Handels, des Bürger-, Bauern- und Art ,'fer» Standes vorgesehen.

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