Nr. 3 ?
Wer Kreisblatt
Amtlicher Anzeiger für den Kreis Hersfeld
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Mitglied des Vereins Deutscher Zeitungs-Derleger. / / Für die Gchriftleitung verantwortlich Franz Funk in Hersfelb. / / Fernsprecher Nr. 8.
Dienstag, den 20. März
1023
Das Wichtigste 00m Tage.
— At/ ^cn Sonderbüirdler Smeets ist ein R c v 0 l v e r . Attentat unternommen worden. Smeets wurde s ch w e 1 verletz ' ist vber nach glatt verlaufener Operation noch an Leben.
— c$ Essen sind wegen der angeblichen Ermordung einer Postens ^r Reichstagsabgeordnete Dr. Quaag und fast all« Va»kd,^^^orcn als Geiseln festgenommen worden.
_ Das Wiesbadener Staatsthcater ist ein Raub ^" Flammen geworden.
Einkouunen gemäß §§ 33, 33a
: Hiervon ab är Wert der Abnutzung gemäß
§ 33b......
Verbleibendes Einkommen . Tarifmäßige Steuer davon .
. . 100 000 000 M
Dazu 19 Proz. von den abgesetzten 60 Mb Honen . ........ .
Gesamtsteuer....... . -
60 000 000
40 000 000
22 690 000
6 000 000 „
28 690 000 M
D-is Geldentwertung in den
Gieuergefetzen
J Am 16. März ist der Gesetzentwurf über die Berücksichti- Mug der Geldentwertung in den Steuergesetzen vom Reichs- Mg verabschiedet worden. Es ist ein Notbehelf geblie- um die bestehenden direkten Steuern der gesunkenen ' Kaufkraft der Mark gerecht anzupassen, ohne die Grundlagen dieser Steuergesetze neu aufzubauen. Die Form einer Ro- velle, die er hat, zwingt zu ständigen Verweisungen auf einzelne Bestimmungen dieser Gesetze und erschwert so das Ver- stcurdnis für die Tragweite der Abänderungen ungemein. Versuchen wir, einen Leitfaden in diesem Wirrsal zu gewinnen, der uns zum neuesten Steuerrecht führt.
I. Kapitalertragssteuer.
Die Kosten der Erhebung der Kapihilertragssteusr haben sich außer Verhältnis zum Aufkommen herausgestellt; sie ist deshalb außer Hebung gesetzt, aber noch nicht aufgehoben. Als Ausgleich für ihren Wegfall wird
II. die Körperschaftssteuer
in der Weise erhöht, daß die ausgeschüttete Dividende künftig nicht mit 15 v. H., sondern mit 25 v. H. zu versteuern ist. Befreit von dieser Erhöhung sind die Gesellschaften m. b. H. der im 8 3 Ziffer 5 des Kapitalertrags« iteuergesetzes bezeichneten Art, also die mit einenr Stammkapital von nicht mehr als 300 000 M. und nur drei Gesell- schaftern (abgesehen von Ehefrauen und Kindern).
Die Körperschaftssteuer wird andererseits bei^bet Einkommensteuer berücksichtigt, wenn die von einem phy- ^schen oder nichtphysischen Steuerpflichtigen bezogenen' Gewinnanteile den Betrag von 10 000 M. übersteigen. In
3. Den freien Berufen (Rechtsanwälten, Aerzten nichtangestellten Lehrern, Privatgelehrten und Künstlern) ist gestattet, 20 Prozent des Einkommens, minbeftens 30 000 M., höchstens 80 000 M., steuerfrei abzuziehen.
4. Die neuen Zahlungsfristen. Mt Abgabc der Steuererklärung, spätestens aber bis zum Schlüsse des Monats, in dem die für die Abgabe der Steuererklärung fest, gesetzte Frist endet, ist der Betrag nachzuzahlen, um den die (Einkommensteuer die auf die Steuerschuld geleisteten Vor- auszahlungen und die im Laufe des Vorjahres durch Abzuz von Arbeitslohn einbehaltenen Steuerbeträge übersteigt. Des Steuerpflichtige hat sich seine Schuld selbst nach eigenes Schätzung seines steuerbaren Einkommens zu berechnen. Auch die Körperschaften haben Vorauszahlungen auf die Steuer des laufenden Jahres zu leisten, und zwar zunächst 10 v. H des vorjährigen bilanzinäßigen Reingewinnes und 10 v. H der Dividende, ferner binnen dreier Monate die Hälfte dieser Betrüge. Zwei Monate nach Vorliegen der neuen Bilanz ist der noch nicht durch die Vorauszahlungen getilgte Steuer^ betrag nachzuzahlen; die Körperschaft hat ihn selbst zu be rechnen.
Die Veranlagung zur Einkommen- und Körper- schaftssteuer erfolgt erst danach; die daraufhin etwa zu leistende A b sch l u ß z a h l u n g e r h ö h t sich für jeden am gefangenen Kalendermonat um 5 v. H., wenn sie 100 000 M, übersteigt. (Schluß folgt.)
reichen toten Volksgenossen, die eine brutale, Recht und Gesetz mit Füßen tretende fremde Militürwilb kür ermordet hat, die einem unmenschlichen Militär- terror zum Opfer gefallen sind.
Sie dürfen überzeugt sein, daß Reich und Preußen alles tun werden, um jeder Not z u steuern. Noch zeigt der Gegner keine Bereiffchast zu freier und. gerechter Verständigung, zu der die Deutsche Regierung i m m er bereit war und bereit ist. Niemand von uns lann darüber im Zweifel sein, was es bedeuten würde, wenn wir uns den Machtgelüsten Frankreichs unterwürfen; dann wäre es geschehen um Bestand, Selbstbestimmung und Zukunft der deutschen Republik, um die wirffchastliche und soziale Stellung der deutschen Arbeiter und ihre Weiterentwicklung, die dem französischen Kapitalismus ein Dorn im Auge ist. Diese Erkenntnis gibt uns den festen Willen und die Kraft,
auszuhalten in der Abwehr.
Auf uns allein gestellt, müssen wir diesen schweren Kampf weiterführen; wir sind wehrlos, wir können ihn nur führen mit der Waffe des passiven Widerstands, gestützt auf unser gutes Recht, auf unseren festen, unbeugsamen Willen. Bei Euch, Ihr Männer von der Ruhr, liegt die Last der Abwehr, aber auch ihre Kraft! Auf Euch vertraut Deutschland, haltet aus, seid wie bisher tapfer, fest, ruhig und besonnen. Dann ist unserer gerechten Sache der Erfolg sicher. Und dazu: Gl ii ck a u f!"
normten Dividenden auf die (Einkommensteuer aft« Dämlich, wenn das gesamte steuerbare Einkommen
a) das Zweifache des Betrages, der (nach
S 21 des Einkommensteuer-Gesetzes) einem Steuersätze von 10 v. H. unterliegt, nicht übersteigt, so werden.......15
b) zwar diesen Betrag, aber nicht sein
v.
H- H.,
Sechsfachesübersteigt . . . . 12% v.
c) sein Sechsfaches übersteigt ...... 10 v- H. öcs auf volle Taufende nach unten abgerundeten Betrags üer Gewinnanteile auf die Einkommensteuer angerechnet.
Der anrechnungsfähige Betrag wird nicht erstattet, w- cveit er den Betrag der Einkommensteuer übersteigt oder ^ut= tourmenfteuer nicht zu entrichten ist. HapitalertragsstLUch- sie nach dem 31. Dezember 1922 fällig geworden ist, wird Glicht mehr erstattet oder auf die Einkommensteuer angerechne..
B. Bei juristischen Personen des offentlrchen und des bürgerlichen Rechts sowie, allen Berggesellschaf^n werden, wenn es Erwerbsgesellschaften >md 15 v. S-, ^Ci sonstigen Steuerpflichtigen 10 v. H. des Betrages der Gewinnanteile auf die Körperschaftssteuer. angcrechnct.
III. Bei dem Einkommensteuergesetz
ist der Tarif im übrigen nicht geändert worden, wohl, aber sind es die Ve w ertun g s v 0 r s chrt ft e n , die für dw Veranlagung für das Kalenderjahr 1922 gelten; sie nnben entsprechende Anwendung auf die Körperschaften, -a Scheingewinn, der lediglich aus dem Falle-. oe c Paprernrarl entsteht, soll bei der Bewertung der verrate möglichst nicht in Ansatz kommen.
1. Zwei Drittel seiner Bestünde an Erzeugmssen, Waren und Vorräten darf der Steuerpflichtige mit den Weuc: 1 eim stellen, die am Schlüsse des vergangenen Wirst chaftszahre urngesetzt werden konnten. Das letzte drittel kann er im 40 Prozent des am Jahresschluß geltenden Marktpreises be rechnen. Eine gleiche Drittelung können — aus ..n.rag für ihre Devisenbestände diejenigen vornehmen, derer Geschäftsbetrieb die ständige Beschaffung von Devisen er
fordert.
2. Abnutzun
n g. Bei der Veranlagung für 1922 wiri ^^ ^^ ___ .... Wirtschaftsjahr eingetretenen Wnutzun. | festgesetzt bei Anschaffungen und Herstell'.mgen h vor dem 1. Januar 1917 auf das 000fache,
, 5 vor dem 1. Januar 1920 auf das »OOfchhe,
4 vor Beginn des Wirtschaftsjahres auf das SOfatge. \> Von dem hiernach vom Ginkonnuen abzuzrehenden Be J fraae werden nunmehr 10 Prozent bei Steuer hinzugerechnc- | Das Musterbeispiel im Bericht des 11. Neichstagsausschussc | gewinnt danach folgendes Gesicht:
lz bot Wert der im
Gsiselvsrhafiungen in Essen.
Nach französischen Angaben ist in der Nacht zum Sonntag am Essener Hauptbahnhof ein französischer Posten erschossen worden. Da die Franzosen annehmen, daß der Posten von einem Deutschen erschossen worden sei. Haben sie als Geisel folgende Herren verhaftet: Reichstagsabgeordneten Geheimrat Dr. Qn aatz in seiner Eigenschaft als ehemaliger Syndikus der Han- delskavtmer, Landgerichtspräsident Er. V 0 lmer, ferner den Direktor der Essener Reichsbankstelle P e ck 0 l t so« sä^.D^ewan-D'rektpr der Essener 4» ^UK^nken. Der stell-
zosen gesucht, aber «rch^gefunden.
Die Verhafteten sind > nach Verben worden. Einzelheiten über die amg^bliche Ermordung des ;osen fehlen vollständig, insbesondere konnte bisher nicht festgestellt werden, ob der bereits gemeldete Anschlag auf einen ftanzösischen Koch im Handelshof unb der Anschlag auf einen Posten am Hauptbahnhof mit diesen Dingen in Zusammenhang stehen.
Der Michsprasiöeni vor den ^uhrkampfero.
Reichspräsident Ebert hat am Sonntag in Hamm, wohin er sich in Begleitung mehrerer Minister be- geben hatte, vor einer Versammlung von etwa 15 0 0 Delegierten und Vertretern des öffentlichen und wirtschaftlichen Lebens des Ruhrgebietes eine Rede gehalten, in der er u. a. sagte: „Wir können mit ruhigen! Gewissen vor aller Welt feststellem daß Deutschland es nicht war, das diese Auseinandersetzung verschuldet oder gar gesucht hat. Die Unruhestifter, die Schuldigen an diesem Konflikt, der immer weitere Wellen schlägt und heute schon ganz Europain Mitleidenschaft zieht, sitzen da, wo man schon seit Jahrhunderten nach der Rhein grenze strebt, wo man deuts<he Stämme und Gebiete wie Negerkolonien mit Gewalt an das eigene Land anschmieden will, wo
tiert
man die Ruhrbesetzung schon lange beschlossen hatte, ehe man sich die Ziffern der Kohlen- und Foblieferungen zurechtgc- macht hatte. Dieser Einbruch eines fremden Heeres in ein friedliches und arbeitsames Gebiet ist der leichtfertigste Bruch von Recht und 910 ra l, den die neuere Geschichte kennt, durch nichts veranlaßt und begründet, wirtschaftlich ein vollkommener Wahnsinn.
So wurde dieser ruchlose Einbruch auch von Ihnen, Männer uns Frauen an der R ihr, gleich erkannt. Das ist gerade das Große an» Wer Abwehr, daß sie nicht befohlen ober angeorbnet wurde. Sie haben der Welt gezeigt, daß die Macht der Idee größer und st är ker ist als dieIdeederMacht. So haben Sie mit der Macht des eisernen Willens den Erfolr erkämpft.
macht hatte. Dieser Einbruch eines friedliches und arbeitsames Gebiet ist
Nichts hat der Gegner erreicht,
alle feine Methoden sind fehlgelchlagen. Das dankt Ihnen heute das ganze Volk, das einig und geschlossen hinter seinen Brüdern im Ruhrgebiet steht! T>n Trauer und Empörung gedenken wir der erschreckend zahl-
Bluttaien und kein Ende.
In der Nacht vom Sonnabend zum Sonntag gegen 2% Uhr ist in der Herkulesstraße in E s s c n der im 38. Lebensjahr stehende Buchdruckereibesitzer KurtSchulte von französischen Soldaten niedergeschossen worden.
Gegen 3 Uhr nachts wurde die Feuerwehr nach der Herkulesstraße in Essen alarmiert Dort fand sie einen deutschen Passanten mit einem Schuß im H i n te r f 0 pj anscheinend tot auf der Straße. Ein Augenzeuge sagte aus, daß er gesehen habe, wie der Deutsche die Straße entianglief, verfolgt von drei Franzosen, die auf ihn geschossen hätten. Der Mann sei hingestürzt. Die Franzosen hätten sich denErschossenenangesehenund seien dann fortgegangen. Als die Feuerwehr mit dem Krankenwagen den scheinbar Toten abholen wollte, kam eine französische Patrouille unter Führung eines Offiziers, der erklärte, der Erschossene hätte vorher einen französischen Koch im Keller des Handelshofes durch einen Revolverschuß verwundet. Der Erschossene sei bestimmt der Täter.
Schulte wurde auf Anordnung des ftanzösifihen Offiziers in Begleitung zweier deuffcher Kriminalbeamten und eines deutschen Arztes nach dem Kohlensyndikat gebracht, dem Gc-
anstatt übergeführt, wo er heute nachmittag seinen Verletzungen erlegen ist.
x Mord bleibt Mord.
KundgcostngO
„Die Franzö^kAv^rühmen als das Kennzeichen ihrer Geisteskultur die c!srte7*ktzG Durchsichtigkeit und Deutlichkeit. Gegen diese Klarheit haben^Le bei dem Ruhrabenteuer verstoßen. Sie sehen das ein uiW<werden jetzt deutlicher: Sie haben mitten im Frieden einen Mk.ubzug in fremdes Gebiet gemacht und dabei vom Recht gesprochen. Das war unklar. • Jetzt besetzen sie noch niehr fremde Städte und Dörfer, ohne weiter vom Recht zu reden. Das ist klar und durchsichtig, Raub bleibt Raub.
Sie haben vor französischen Gerichten in deutschem Lande deutsche (Staatsbürger verurteilt, weil diese den deutschen Gesetzen gehorsam waren. Das war unklar. Jetzt nehmen sie in Buer zwei ausgewiesene deutsche Schupobeamte fest, weil diese zurückgekehrt sind, um iwdj während der Aus- weisungsfrist ihr Gepäck zu holen — und-erschießen sie kurzerhand, ohne Gericht und Urteil. Das ist klar und deutlich, Mord bleibt Mord.
Alles durchsichtig und deutlich, klarer unumwundener Raub, klarer ungeschminkter Mord, klare französische Kultur!"
Ein Trauertag in Busr.
Der Beamtenausschuß der Stadtverwaltung Buer erläßt folgenden Auftuft
„Französische Feigheit und Gewalt hatte es zu verhindern gewußt, daß die Beerdigung unserer von den Franzosen am Sonntag bestialisch ermordeten Mitbürger in würdevoller Weise unter Beteiligung der gesamten Bürger- schaft erfolgt ist. Als gemeine Verbrecher sind diese Toten, r die im Leben nützliche Mitglieder der menschlichen Gesellschaft waren, in aller Stille vor Tagesanbruch beerdigt worden. Wir regen an, daß zum Zeichen der allgemeinen Trauer und zur Ehre dieser Toten ein Tag der nächsten Woche zum ' l g e m e i n e n T r a u e r t a g mit Kirchen seier bestimmt wird. Als solcher ist der Dienstag in Aussicht genommen."
In einer gemeinsamen Aussprache des Magistrats und a Zer Bürgerschaft wurde die von den Franzosen gewünschie tz Kildung einer Einwohnern. Hei er Stelle der ausgewü. . wn Schupo allgemein ab elehnt. Die Einwohnerschaft stellt sich '