Hersfelder Kreisblatt
Amtlicher Anzeiger für den Kreis Hersfeld
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Nr. 43 Dienstag, den 10. April 1923
Das Wichiigßs.
— Ueber Memel ist von den litauischen Behörden der verschärfte Ausnahmezustand verhängt worden.
— In Paris werden Ende der Woche Pdincare, T h e u n i e und Jaspar zusammenkommen, um nach Fühlungnahme mit Italien England einen neuen gemeinsamen Reparations- plan zu unterbreiten.
Widerlegung einer Schuldlüge
Furchtbar schwillt das französische Schuldkonto über die unmenschlichen Grausamkeiten im Ruhrbezirk an: Mord, Mißhandlung, Folterung wehrloser pflichtgetreuer Männer werden unauslöschlich auf den Blättern der Geschichte st Shell, und noch nach Jahrhunderten werden die ungefüllten Bestialitäten der Franzosen den Abscheu der Menschheit erregen. Auch an Vorspielen zu diesem Sadismus fehlt es nicht; aber das Ausland, mit Lügen über die von deutschen Soldaten begangenen Schandtaten aufgereizt, verhärtete sich dagegen, wenn deutsche Lazarette entgegen der Genfer Kreuz- Konvention von den französischen Geschützen unter Feuer genommen wurden, wenn deutsche Verwundete von französischen Aerzten absichtlich dem Tode hilflos preisgegeben wurden, deutsche Gefangene in der Hölle ekelhafter Kerker gemartert wurden und die Nettoyers in den Schützengräben todwunde Deutsche abschlachteten. . Sie wollten davon nichts hören, die Leichtgläubigen, die in Südamerika und allen anderen fernen Erdteilen, von der französischen Lügenpropaganda systematisch seit Jahren mit Nachrichten über das verwahrloste Deutschland versorgt, sich ein völlig entstelltes Bild von einem Volke gemacht hatten, das in .Wissenschaft, Kunst, Literatur, in Gewerbefleiß und Erfindungen den ersten Rang in der Welt behauptete. Der "AuslanddLUtsche belächelte in . seiner Selbstsicherhcit diesen Schwindel hio't es nicht einmal der Mühe für wert, auf deüxHMPMpruG^MWMqsq, der darin lag, daß eine kulturvoll fo ijoibfte^ Nation so apachenhäft-pariserische • Züae von Entartung auf weisen sollte. 1
Das rächte sich, als mit dem Kriegsausbruch alle Schleusen der Verleumdung aufgezogen wurden. Die Engländer durften deutsche Spione in London erschießen, die Hinrich- tung einer englischen Spionin in Belgien wurde als Ermordung einer Unschuldigen ausposaunt; englische Lazarettschiffe, vollgepackt mit Munition und Mannschaft des Heeres, sollten den Schutz des Roten Kreuzes genießen, aber die Versenkung deutscher U-Boote, an deren Hilfsbereitschaft appelliert wurde, durch das angeblich gefährdete Schiff galt als einwandfreie Heldentat. In dasselbe Kapitel gehört das Märchen von den . abgehauenen Händchen belgischer Kinder, gehört auch bei Untergang der „Lusitania". Vor ihrer Benutzung durch Passagiere war durch den deutschen Botschafter in Washington gewarnt worden, und wie richtig feine Bezeichnung als Kriegs- hilfsschiff gewesen war, ist jetzt endgültig dutch ein amerika- - nisches Gerichtsurteil, gestützt durch glaubhafte Zeugenaussagen, festgestellt. So bröckelt Stein für Stein allmählich von der Zwingburg der Lüge ab.
Die deutsche Kriegführung war tadellos, der Kriegsbrauch wurde peinlich beobachtet, und besonders die Kommandanten der U-Bodts, die ihre Aufgabe bei hellichtem Tage in Gegenwart vieler Augenzeugen zu erfüllen hatten, haben sich als ritterliche SeehsldeR bewiesen. Wenn trotzdem die Ausstreuungen von Grausamkeiten, die sie begangen haben sollten, nicht verstummen wollten, so ist dies dieselbe Praxis, die von der Entente gegenüber der Schuld Deuisch- lands am Kriegsausbruch beobachtet wird. Mit ihrer Widerlegung wird die Grundlage des Versailler Vertrages erschüttert; darum nutzen alle dokumentarischen Beweise für die Kriegsvorbereitung auf feiten der Entente nichts. Man schweigt sie tot.
Indessen steht doch hin und wieder ein mutiger Mann auf, der der Wahrheit die Ehre zollt. So der frühere amerikanische Admiral Simons, der im Cityklub von Los Angeles in Kalifornien wörtlich erklärt hat:
„Die britischen Marineberichte und unsere eigenen sind voll von Meldungen, aus denen hervorgeht, daß die Kommandanten deutscher U-Boote sich bei der R e t t u n ^ oer B c m a n h u n g und der Passagiere der von ihnen versenkten Schiff hilfreich betätigten. Wenn sie nicht imstande waren, die Schiffe in Sicherheit zu bringen,, versuchten sie stets durch F u u r - spruch andere Schiffe über die Lage des beschädigten feindlichen Schiffes zu unterrichten."
im Laufe mg her- .die sich in
Uns Deutschen ist damit nichts Neues gesagt. Wir besitzen viele Schilderungen von Vsrsennmzen durch U-Boote nicht allein aus deutschen Federn. Es h.n der Zeit ein bestimmter Kodex für diese K- ausgebildet, und die Kapitäne der Hände die Gefahrzone begaben, waren damit nett.. So grimmig einen alten Seebären der Verlust seines Dampfers uckdseincr wertvollen Ladung schmerzen mußte, sie haben niemals in Ab
rede stellen können, daß für Passagiere und De- m a n n u n g nach b e st e n Kräften gesorgt wurde, und die Sammelschiffe, von denen die Geretteten nach einem neutralen Hafen transportiert wurden, sind noch unvergessen. Stets ist es bei diesen Unterbrechungen von Seereisen menschlich zugegangen. Es ist nicht deutsche Art, sich an wehrlosen Zivilisten zu vergreifen, wohl aber haben Belgier bald nach dem Kriegsausbruch deutschen Verwundeten die Augen aus- . gestochen und sie verstümmelt.
Die Schonung, mit der von den U-Booten verfahren wurde, ist um so anerkennenswerter, als diese noch nicht hinlänglich erprobte Waffe selber die größte Schonung beanspruchte und leicht das Opfer ihrer Hilfsbereitschaft werden konnte. Trotzdem ist den U-Boot.Kommandanten die Verleumdung nicht erspart geblieben, nur fehlt es an Gelegenheit zur Widerlegung, weil sich niemals ein von Grausamkeit betroffe- lur der Oefseutlichkeit gestellt hat. Das amerikanische Mari'ne-Amt hat denn auch die Simsschd Erklärung mit einem Dementi verschont,, und so ist sie sozusagen rechtskräftig geworden, wozu das Gerichtsurteil im „Lusitani"Fall beigetragen haben mag, und Sims selber hat, als Zweifel gegen den Bericht aus Los Angeles äuftauchten, feine Behauptung wiederhoIi und b c k r ä f f t i g t mit dem Hinzufügen, nur von einem einzigen Fall von vorschriftswidriger Beschießung eines Schiffes habe er gehörst, aber der Kommandant des U-Böotes habe wohl den Kopf verloren und fei nach einer gerichtlichen Untersuchung vor seiner schimpflichen Entlassung spurlos verschwunden. Auch das „Lousitanig"-Urteil stellt indirekt eine Rechtfertigung des Kommandanten dar, der mit seinem Torpedoschuß die Zufuhr feindlicher Munition ver- 'eitelte. Seitdem hat sich die Aufregung über die angeblich völkerrechtswidrige deutsche Gewalttat gelegt, und einsichtige Amerikaner wie Sims tragen dazu bei, die Erkenntnis von dem, was Fair play heißt, zu fördern. Grausam waren Führer von Handelsdampfern, wenn sie ihre Fahrgäste der Möglichkeit eines Untergangs aussetzten. Die Zerstörung des
auch seinerzeit Admiral Fischer, der Geauer des von Engländern ' wegen seiner Kriegführung getadelten Tir'pitz, ihm beigestanden mit einem „Zerstöre tüchtig!" Admiral Sims hat denn auch kein Wort über die Wirkung des ll-Bootkrieges verloren, sondern nur dessen Führer gegen die Borwürfe der Grausamkeit in Schutz genommen, um das Lügenmaul jener Ruhrhelden zu stopfen, die Ungestraft c unbewaffneten Leuten die Treffsicherheit ihrer Maschinengewehre ausprobieren dürfen.
Litauische GstsMßerrschafi in Memes.
Die litauischen Behörden in Memel haben auf den Generalstreik mit der Verhängung des verschärften Belagerungszustandes geantwortet. Der Verkehr a u f den St r a fre n ist von 8 Uhr abends bis 6 Uhr morgens v e r b o,t e n. Alle Geschäfte sollen wieder geöffnet werden. Ferner gab der Stellvertreter des Obersten Bevollmächtigten der litauischen Regierung bekannt, daß der Deutsch-Litauische H e i m a t b u n d für die . Zeit des Ausnahmezustandes geschlossen wird. Der Deutsch- Litauische Heimatbund sei nachweislich der Führer des Streiks. Die Geschäftsräume des Bundes wurden durch
sucht und der Vorsitzende f schästsführer des Bundes fef H e y d e k r u g sind Verhaftur Die Menge versuchte durch Demo kommissar die Freilassung der V
Sonnabend nacht erschaffen Straße einen Arbeiter und «Me In derselben Nacht wurde das £' und das Standbild der Borussia ' men nur Litauer in Frage, d. kehr den Deutschen verboten ist.
l o w s k i und der Ge- ■ ■ e n o m m e n. Auch in vorgenommen worden.
Reiten vor dem Polizei- - steten zu erwirken.
rutsche Ssröate« aus der en einen anderen schwer.
:5mal Kaiser Wilhelms I.
.estürzt. Als Täter kom- ersichtliche Straßenver- Dör deutsche Gene-
r a l k o n s u l in M e m e I, Graf Wedel, hat gegen die Zerstörung der deutschen Sbo mte durch die Litauer scharfen Protest erhoben. Es wurde eine Bestrafung der Schuldigen zugesichert.
Am Tage, dürfen nach einer litauischen Verordnung nicht mehr als fünf Personen Zusammengehen. Trotzdem fand am Sonntag mittag in Spitzhut bei Memel wieder eine Demon- • strationsversammllm g statt, die von Tausenden von Deutschen besucht war. Litanin e ' Ke und Infanterie richteten Maschinengewehre auf d'e . lenge; zwei Arbeiter wurden getötet und zwei andere und eine Frau schwer verletzt, dann ging das litauische.Militär noch mit Kolben, Bajonetten und Lanzen g.egen die Deutschen vor.
Hinter der ganzen litauischen Gewaltherrschaft steckt offenbar der Großlitauer und fanatische Deutschen fein- Simon ailis, bekanntlich ein früherer deutscher Gerichtssekretär, der auch den RaubdesMemel- gebietss durch die Litauer im Januar inszeniert hat.
Ruhr-Konferenz in Paris.
Die Agence Havas berichtet, die belgischen Minister T h e u n i s und I a s p a r würden bald, spätestens am kommenden Frettag oder Sonnabend, nach Paris kommen, um mit Poincarä über die Lage im Ruhrgebiet zu verhandeln. Sehr wahrscheinlich werde L o u ch e u r von Poincars aufgefordert werden, den belgischen Ministern über seine Eindrücke zu berichten, die er wah- rend seiner Verhandlungen mit politischen Persönlichkeiten in England gewonnen hat, Eindrücke, über die übrigens, wie die Agence Havas bemerkt, das Wesentliche der belgischen Regierung bereits durch eine ossizielle sranzösische Mitteilung bekannt sei.
„Petit Parisien" schreibt: Man darf erwarten, daß Poin- carö sehr bald mit den alliierten Ministerpräsidenten zusammenkommen wird. Die italienische Regierung werde auf dem laufenden gehalten und aufgefordert werden, an den vorbereitenden Arbeiten und an der Ausarbeitung eines gemeinsamen R e p a r a t i o n s p l a n e s auf der von der französischen Regierung vorgeschlagenen Grundlage teil- zunehmen. Hierauf würden Verhandlungen zwischen den Franzosen, Belgiern und Italienern einerseits und den Engländern andererseits eingeleitet werden.
^&l yds Entgegenkommen.
Reuter meldet: Der Besuch, den Loucheur in England
Law, Lloyd George und anderen hervorragenden Persönlich- . leiten hatte, hat in politischen Kreisen zu lebhaften Mutmaßungen Anlaß gegeben. Man glaubt allgemein, daß trotz dev gegenteiligen Erklärungen Loucheur als inoffizieller Vertreter der französischen Regierung gehandelt hat und daß die ihm anvertraute Aufgabe darin bestand, die Frage der Reparationen und der englisch-franzö- sischen Beziehungen zu erörtern.
Diese Auffassung wird durch den Besuch Loucheurs beim Präsidenten Millerand bestärkt. Es verlautet, daß die britischen Staatsmänner Loucheur davon verständigt haben, daß Großbritannien jederzeit bereit sei, die Erörterungen, die infolge der Ruhrbesetzung ausgeschoben wurden, wieder zu eröffnen. Es wurde aber betont, daß Großbritannien die Organisation eines von Deutschland abzutrennenden Rheinland staates, in welcher Form auch immer, nicht dulden könne. Die Hauptsache, die sich bei Loucheurs Besuch ergeben 'hat, ist, daß er sich bereit gezeigt hat, einer Summe zuzustim- men, die sich der (im Januar von den Franzosen abgelehnten) im britischen Reparationsplan genannten Summe an nähert. In Erwiderung dieses Zugeständnisses wird Großbritannien, wie man glaubt, wahrscheinlich irgendeiner Form von Neunralitäft des Rhein- l a n d e s , die überfeine L o sIösun g mit sich bringt, zustimmen, damit Frankreich gegen einen Angriff geschützt ist.
Durch Gpahis aus der
Wohuuug veririeben.
Wie der „Berliner Lokalanzeiger" meldet, drangen am Sonntag vormittag um 8 Uhr französische Spahis in die E is en b ah n k o l o n i"e Eiren bei Trier-West ein und forderten sämtliche Bewohner der Kolonie ackf, die Wohnungen binnen 10 Minuten z u räumen. Als die Bewohner sich weigerten, griffen die Spahis in rohester Weise ein, schleppten die Leute aus den Häusern und warfen die Möbelstücke aus den Fenstern. Angesichts dieser Gewalt nähmen die von allen Seiten herbeigekommenen Bewohner selbst die Räumung der Wohnungen vor und trugen ihren Hausrat ins Freie. Währenddessen schritten die Spahis mit Karabiner und gezogenem Säbel in dem Wirrwarr umher, tobten und hetzten die Bewohner zur Eile. Schließlich könnte der gesamte Hausrat aus den Häusern geschafft werden. Von diesen Ausweisungen wurden insgesamt 10 6 Familien betroffen. !
Trauergeiäut im ganzen Reiche.
In der Morgenstunde, in der am Dienstag die Arbeiter, und Angestellten,' die in Essen französischen Geschossen zum. Opfer fielen, zur letzten Ruhe bestattet werden, fand im Reichstag eins Trauerfeier statt, bei der in An-"