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Amtlicher Anzeiger für den Kreis Hersfeld

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Nr. 52

Dienstag, den 1. Mai

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Das Wichtigste.

Die deutsche Note an die alliierten Macht« wird am Mittwoch überreicht werden.

Die Spannung zwischen Frankreich und der A n > goraregieruug hat sich verschärft.

Bei der Eröffnung des neuen Fußball stadions n Wemblei) bei London sind infolge übergroßen Andrangs 9 0 0 Personen verletzt worden.

Der erste London Berlin-Daimler-Cxpreß hat jam Montag vormittag den Flugplatz Croydon bei Lon­don verlassen. ; . . .

Der Wiederaufbau

der Handelsflotte.

Durch den Versailler Handelsvertrag hatte die deutsche .Regierung alle ihren Reichsangehörigen gehörenden Handels­schiffe von 1600 Bruttotonnen und darüber und ferner die Hälfte des Tonnengehalts der Schiffe, deren Bruttotonnen- gehalt zwischen 1000 und 1600 Tonnen betrug, und je ein Viertel des Tonnengehalts sowohl der Fischdampfer wie der anderen Fischereifahrzeuge der Entente ausliefern müssen. Es war eine Piraterie, wie sie einst von Rom gegen Karthago ausgeübt wurde. Die deutschen Häfen, soweit sie im Reichs- vesitz verblieben, verödeten; die Werften wurden, um weiterer Beraubung vorzubeugen, stillgelegt, und die Reichsflagge verschwand von den Meeren nach dieser Sachwertleistung von so fabelhafter Größe sie beziffert sich auf 8 Milliarden Goldmark, wie sie im Lause der Weltgeschichte noch nie einem besiegten Staate auferlegt wurde.

Aber Deutschland war nicht unterzukriegen. Ganz all- nahlich begann der Wiederaufbau der Handelsschiffahrt, und "'lstüpfen^ der ihnen nach der Abliefe­

rung ihrer Flotte übriggeblieben war. Das geschah in größe­rem Stil zunächst mit Hilfe des H a r i m a n - K o n z e r n s : Amerika stellte die Schiffe, Deutschland die Ingenieure, die Bemannung und seine schissstechnischen Erfahrungen zur Verfügung. Darüber hinaus richtete der Norddeutsche LI o y d mit eigenen Fahrzeugen wieder besondere Linien, z. B. nach Südamerika, ein, und die Hapag folgte ihm mit einem Ostasien-Dienst. Als kluge Kaufleute ließen sich die Reeder nicht auf einen Konkurrenzkampf ein, sondern suchten ihr Geschäft in der Verbindung mit ausländischen Partnern. Es ist eine Interessen- und Arbeitsgemeinschaft entstanden, bei der beide Teile ihre Rechnung finden.

Aber darauf will sich die deutsche Reederei nicht be­schränken; sie will mit.einer eigenen Flotte wieder auf der See auftreten, und die Ansätze dazu zeigen sich mit un­geahnter Schnelligkeit. Die deutschen Werften haben wieder Aufträge, und neue Schiffe durchfurchen den Ozean. Der jüngste Stapellauf bei der Hapag legt mit derDeutschland" Zeugnis ab für die Wiedergeburt der von der Entente tot­gesagten deutschen Handelsflotte. Der 22 000-Tonnen- Dampfer ist auf der Werft von Blohm & Voß in Hamburg gebaut, und auf denselben Helgen stand vor einem Jahrzehnt hieVaterland", das Schwesterschiss desImperator", jenes Meisterstückes des Schiffbaus, bei dessen Ueberführung nach New Zork durch die Engländer ihr technisches Unvermögen sich in beschämender Weise offenbarte. Es ist begreiflich, daß die jüngste Schiffstaufe einen großen Tag für die Hansastadt bedeutete und daß der Jubel über den gelungenen Stapel­lauf ein Echo in ganz Deutschland erweckte. Auch die Voll- ziehung. des Taufakts durch den Reichspräsidenten unterstrich die Bedeutung dieses Ereignisses, das wie das Morgenrot einer besseren Zukunft die drohenden schwarzen Wolken der Gegenwart durchdrang.

Die See ist völkerverbindend, und der kosmopolitische Zug des Deutschen mag neben vielen Vorteilen auch den Nach­teil gehabt haben, daß viele Auswanderer ihrer Heimat auf immer verloren gingen. Nach den furchtbaren Lehren des Weltkrieges ist diese Gefahr, wenn nicht ganz verschwunden, so doch bedeutend abgeschwächt, und die Deutschen, deren Handelsflotte stets das beste Propagandamittel für ihre Kultur war, werden jetzt mit jedem neuen Handelsdampfer vor die Aufgabe gestellt, die Welt über deutsche Wesenheit aufzuklären und den Lügenschleier, den die Entente seit vielen Jahren darüber gebreitet hat, zu zerreißen. Das Hariman-Abkommen ist auf 20 Jahre befristet, eine willkommene Stütze für ein i niedergebrochenes Volk, aber wir wollen hoffen, daß es lange .aor dieser Zeit Kraft aus sich selber schöpfen wird, um den ihm gebührenden Platz in der großen Bölkergemeinde ein- - zunehmen. Mögen derDeutschland" bald mächtigere Schiffe . als Beweis für die Gestaltung des Vaterlandes nachfolgen, getreu dem Wrchrspruch des HausesSchiffahrt" in Bremen: Navigire n*ces»e wt, vivere non. est necesse. Wie not« WMü tat MtMMMr fite da, Reich ist, haben wir in bei

Blockadejahren erfahren, jetzt gilt es, den Schaden in fried­lichem Wettbewerb zu heilen.

Der Stapellauf derDeutschland".

Taufrede des Reichspräsidenten.

Nicht nur der Hamburger Hafen mit seinen Schiffen, ganz Hamburg trug am Sonntag im reichen Flaggenschmuck !ein festliches Kleid zu Ehren des Stapellaufes der dritten Deutschland", zu dessen Taufe der Reichspräsident E b e r t in Begleitung des Reichsverkehrsministers G r o e - n e r und zweier Ministerialdirektoren mittags am Bahnhofs von dem ersten Bürgermeister D i e st e l und den Direktoren der Hamburg-Amerika-Linie empfangen wurde. Gegen 4 Uhr trafen die Gäste nach einem kurzen Frühstück in den Räumen der Hapag auf der Werft von BloymL Voß ein, wo von tannengeschmückter Tribüne aus der Reichspräsident an die etwa 1000 Festgäste, unter denen sich auch die Offiziere des deutschen KreuzersHamburg" befanden, die Ansprache und die Taufrede hielt, in der u. a. sagte:Dieses Schiff soll den Namen sichren, der uns allen am höchsten steht. Es soll Deutschland" heißen und an seinem Bug das Wort über das Weltmeer tragen, das all unsere Liebe, unsere Sorge und unsere Hoffnung in sich schließt. Möge ihm stets gute und glückliche Fahrt beschieden sein. Uns allen aber, unserem in aller Not und Bedrückung boppelHeurem Vaterlande, un­serem in opferfreudiger Entsagungf-und heldenmütiger Ge­duld leidenden! Volke gelte der gleiche Wunsch unserer Herzen in dieser Stunde; möge auch ihm bald wieder die freie Ent­faltung seiner Kraft in Arbeit und Frieden beschieden sein. Mit diesem heißen Wunsch gebe ich dir, du jüngstes Kind der deutschen Handelsflotte, deinen Namen und das Geleit mit dem Rufe:Glückhafte Fahrt, Deutschland!"

Danach ertönte ein Schuß als Signal, um dem Schiff die Bahn in das Wasser freizugeben, und langsam,_ majestätisch, dann immer schneller glitt es in die unter einer frischen Brise in ungezählten sonnenglitzernden Wellen strahlende Elbe hinein.

Die Lleberreichung unseres Angebsis.

Das Reichskabinett ist Montag vormittag zu einer Sitzung zusammengetreten. Die Antwortnote soll in der Nacht vom Dienstag zum Mittwoch an die ver­bündeten Regierungen abgehen und in Paris, Lon­don, Rom und Brüssel gleichzeitig überreicht werden. Der amerikanischen Regierung soll sie in Washington überreicht werden. Wie in diplomatischen Kreisen verlautet» sollen am Sonntag der amerika­nische, englische und italienische Botschafter beim Reichskanzler geweilt haben.

Die Ministerpräsidenten der Länder sind Dienstag früh in Berlin eingetroffen und um 1 Uhr Gäste zu einem Frühstück beim Reichspräsidenten gewesen. Um 3 Uhr wurden dann die gemeinsamen Beratungen der Ministerpräsidenten mit dem Reichskanzler ausgenommen. Reichsaußenminister Dr. v. Rosenberg gab von dem Inhalt der deuffchen Note an die Alliierten Kenntnis. Man nimmt in unterrichteten Kreisen an, daß der Empfang der Partei­führer sich an den der einzelstaatlichen Ministerpräsidenten anschließen wird. \

Der unbequeme deutsche Schritt.

Der gusuntervichtete Berichterstatter der Times schreibt, man habe den bestimmten Eindruck, daß Frankreich der be­vorstehende deutsche Schritt ungelegen komme. Frankreich sei ein wenig besorgt über die Wirkung, die sie auf die öf­fentliche M e itn u n g der Welt haben könne. Die fran­zösische Regierung würde es anscheinend vorgezogen kMen, geduldig zu warten, bis büe Zeit für Deutschland reis sei, sich vorbehaltlos zu ergeben. Deutschlands Vorschlag, selbst wenn es ein Voischlag sei, der verworfen werden mi^te, könnte Bewegungen z u g u n st e n Deutschlands hervor- rufen, und die Ablehnung durch Frankreich könnte Bewegun- gen gegen dieses erzeugen, kurz, der deutsche Schritt, der in einem Augenblick erfolge, wo jedermann des deutsch-franzö­sischen Duells überbrüffig sei, werde als ein mehr oder weni­ger schlauer biploimatifmer Schachzug angesehen, der keine guten, möglicherweise schlechte Ergebnisse für Frankreich haben könnte. Die Franzosen hätten sich beeilt, von vorn- herein zu erkläven, daß Deutschland nicht angehört wer­den wird, wenn es feine- Annäherung nicht in bestimmter Form mache. Daher seien die französischen Bedingungen nie höher angelegt worden als augenblicklich, und pe schienen den Weg füy Bcrhandlüngen zu versperren.

Bsil-ar Law auf Arlauh.

Bonar^-Law hat, wie aus London gemeldet wird, mit dein Wochenende Downingskreet verlassen, um feine ein­monatige Erholungsreise anzutreten. Er kehr' Nach Pfingsten Zurück. Laut Daily Expreß wird Eurzon als stellveriretLMder Premierminister,während der Abwesen­heit Donar lLawSj die AmtZgeschEte xühren. Observer zMolc

steht noch nicht fest, wohin Bonar Laws Reise gehen wird. Ein Regierungsanhänger habe ihm seine Dampfjacht an« geboten? Es werde angenommen, daß der Premierminister auf seiner Fahrt die Kanarischen Inseln, N o r d - frankreich sowie die französische und dir italienische Riviera berühren wixd.

Französisch-türkische Spannung.

Wie der Londoner Daily Expreß aus Paris berichtet, «erden die Beziehungen zwischen der Türkei und Frankreich, das geschlossen hinter seiner Regierung und bereit Weigerung stehe, das türkische Angebot, die Zinsen für die türkischen Obligationen in französischen Papierfranken zu bezahlen, anzunehmen, äußerst g e s v a n n t. Wie ferner au» R o n ft a n t i n o p e I gemeldet wird, hat die Regierung von Angara die französischen und englischen Vertreter der Gesell­schaften, die in der Türkei Konzessionen besitzen, zu Ver­handlungen über die Vorkriegskonzessionen nach der kemalistischen Hauptstadt eingeladen. Die verbünde­ten Oberkommissare hätten gegen die Wahl Angoras als Ver­sand lungsort Protest erhoben.

Ministerpräsident P o i n e a r 6 verhandelte am Sonntag mit dem französischen Delegierten auf der Lausanner Konfe­renz General Pellet. Nach dieser Beratung besprach sich General Pellet mit dem neuernannten Oberkommissar für Syrien General W e y g a n d. Wie Havas dazu mitteilt, be- handelte die Unterredung insbesondere die durch die An- Wesenheit der türkischen Truppen an der syrischenGrenzegeschaffeneLage. Die in Aus­sicht genommenen Maßnahmen sollen die Entsendung neuer französischer Truppen aus den Kolontal­regimentern nötig machen.

Wie dem Echo National aus Konstantinopel gemelbet wird, wurden der französische Marine- atta ch S bei dem französischen Oberkommissariat und eine durchfuhren, das die französische Flagge trug, mit Stei­nen b e w o r f e n. Die Dame wurde mitten in» Gesicht ge­troffen, so daß sie ein Auge verlor.

Traurige Folgen des Gports-Enthusiasmus.

900 Personen bei einem englischen Fußballspiel verletzt.

Gelegentlich eines Fußballwettkampfes auf dem neu­eröffneten Platze in W e m b l e y bei London, der die Gut- scheidung um den englischen Fußballpokal bringen sollte, tam es infolge des gewaltigen Andranges zu panikartigen Szenen. Obwohl der Platz 150 000 Zuschauer fast, waren sämtliche Sitz« schon Wochen vorher ausverkauft. Als nun vor Beginn des Spiels bereits 100 000 Karteninhaber ihre Plätze eingenommen hatten, erschienen nach und nach noch 200 000 Sportbegeisterte, die auf gut Glück nach Wembley gekommen waren. Diese Scharen suchten>stch den Eintritt zu erzwingen. Bei dem entstehenden Gedränge wurden mehr als 900 Personen durch Quetschun­gen verletzt oder erhielten Knochenbrüche, 500 davon wurden sehr schwer verletzt. Die zum Teil mit Revolvern bewaffnete Polizei konnte das Gelände erst nach Verlauf einer Stunde säubern. Unter den Verletzten befinden sich zahlreiche Frauen und Kinder. Diese Vorgänge bei der Veranstaltung, zu der auch der König erschienen war, werden, da der Ordnungsdienst große Mängel gezeigt hatt«, noch ein gerichtliches Nachspiel haben.

Der erste Londsn-Berlin-Lust-Expreß.

Aus London wird unter dem 30. April gemeldet: Der erst« LondonBerlin-Daimler-Expreß, der die Strecke in einem Tag zurücklegt, verläßt Eroyden heute vormittag 9 Uhr 30 Min. mit sieben Passagieren. Zugleich fliegt das deutsche Flugzeug, das den regelmäßigen Dienst von Berlin nach London eröffnet, heut« vor­mittag 9 Uhr von Berlin ab. Er wird um 6 Uhr 56 Min. abend» auf der Londoner Lufffahrtstation erwartet, wo ein Daimlsr-Luft- expreß bereit stehen wird, um den Berliner Dienst mit Manchester, das um 8 Uhr 15 Min. erreicht werden soll, zu verbinden.

Mürrchens kritischsr Tag.

Kistler will sich an die Betriebsräte Halten.^

Um den Umlaufenden Gerüchten zu begegnen, daß die bayerische Staatsregierung die vaterländischen Verbände zum Schutze der Ordnung aufgerufen habe, wird amtlich mitgeteil^ daß diese Gerüchte jeder Begründung entbehren. Die Staate« regierung wisse sich im Besitze der notwendige», polizeilichen Machtmittel, um jeder Ordmmg»-; störung mit allein Nachdruck zu begegnen und werde von diesen srforderlichenfaüs auch entsprechenden Gsbrazutz Mchen. Alle Staatsbürger werden ermähnt, Ruh» MftÄ