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Hersfelder Kreisblatt

Amtlicher Anzeiger für den Kreis Hersfeld

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Nr. 80 Sonnabend den 7. Juli 1823

Das Wichtigst«.

Der Papst hat in Paris und Brüssel Vor. stellungen gegen die neuen strengen Sanktionen er­heben lassen.

Die R e v i s i o n der vom Mainzer Kriegsgericht wegen angeblicher Sabotage zum Tode verurteilten Ange­klagten ist gestern verworfen worden.

PoincarS wird kein schriftliches Memoran­dum^ sondern nur schriftliche Aufklärungen über Einzel­heiten in London überweifen lassen.

Die belgische Kammer hat ein Vertrauens- votum für das Kabinett Th eunis angenommen.

In der Berliner Metallindustrie hat in einer Reihe von Betrieben der Streik begonnen.

Wochenrückblick.

Eine Woche voll von Spannung und in Schwebe gehal- tenen Fragen liegt hinter uns, und das auf die Folter ge­streckte Deutschland verspürt, während ein unerhörter heftiger Zeitungskrieg von der einen Küste des Aermelkanals zur anderen Hinüberfchallt, wenig von der Erleichterung seiner Fesseln, die ihm von der englischen Politik angeblich zugedacht ist. Durch schlimme Erfahrungen belehrt, fragen sich viele, ob die Beilegung des Streites zwischen den mächtigen Geg­nern nicht damit enden wird, daß sie schließlich auf Deutsch­lands Kosten zustande kommt, und wenn bestenfalls die Ruhr unter schwersten Bedingungen geräumt werden sollte, was bleibt von dem einst so blühenden Industrielande anders übrig als ein wirtschaftliches Trümmerfeld, das, um Hunderte Trotzdem wird der Aufbau bei der deutschen Tatkraft und Zähigkeit, die sich während des letzten Halbjahres so glänzend bewährt haben, gelingen, und die ungeheuren Opfer werden nicht umsonst gebracht sein, wenn die überstandene Leidens­zeit zum inneren Frieden führt und die Parteien zum Be­graben des Kriegsbeils veranlaßt.

Eine Lehre werden alle nicht in Rechthaberei verrannten Völker aus der Ruhrangelegenheit ziehen, daß nämlich der Versailler Vertrag, je länger, je mehr tödliche Gase für die entwickelt, die mit ihm in Berührung geraten. Das spüren wir am Völkerbund, der, als Rettungswache gedacht, es den wenigsten Hilfesuchenden recht machen kann. Das von Polen bedrängte Danzig hat sich an den Völkerbundrat zur Schlich­tung der zwischen beiden Freistaaten entstandenen Schwierig­keiten gewandt. Polen will die in Paris abgeschlossene pol- nisch-danziger Konvention revidieren, versucht, durch seine Zollpolitik den Danziger Markt lahm zu legen, und verneint die Zuständigkeit des Genfer Rats in allen Fragen, die das Verhältnis der in Polen eingebürgten, jetzt von Austreibung bedrohten Deutschen betreffen. Die Polen gehen auf Landraub aus. Hier wird die Entente, falls sie nicht allen Kredit einbüßen will, dem Störenfried des Ostens die Wege zu weisen haben. Ein ähnliches Bild bieten die Verhandlungen über die Beschwerden, die die Mißregierung des Saargebietes gezeitigt hat. Die Franzosen haben, wie Preßäußerungen aus Paris verraten, nicht übel Lust, ent-

Sn den Bestimmungen d^s Versailler Vertrages, die ganze

r schon jetzt in die Tasche zu stecken. Aber das wird wohl ein frommer Wunsch bleiben, und Lord Cecil hat als Vertreter Englands wenigstens bis jetzt eine Prüfung der Saarvorgänge und die Vorfegung sämtlicher erforderlichen Dokumente nach eingehender Beratung durchgesetzt. Ferner wurde in der gleichen Tagung der Rat mit der heiklen Auf­gabe betraut, sich mit dem Abrüstungsproblem zu beschäftigen. Er beschloß, vor der Hand keine Maßnahmen zur Beschrän­kung der Rüstungen vorzunehmen (Rüstungen zu Lande, zu Wasser und in der Luft) auf den Stand von 1913, sondern begnügte sich damit, die Frage auf eine Kommission abzu- wälzen und die Regierungen an die Ausfüllung der Frage­bogen über die Rüstungen, die ihnen am 1. Mai zugegangen waren, zu erinnern. Diese vorsichtige Haltung ist begreiflich, wenn man das Wettrüsten für den Luftkampf in Betracht zieht, das, jetzt zwischen Frankreich und England entbrannt, eine beißende Karikatur der französisch-englischen Freund­schaft darstellt. Bei Ausführung dieser Pläne würde Eng­land 1926 nur 624 flughereite Maschinen 1350 französischen entgegenstellen können, was Harding über den Wert aufklären dürfte, den die Notifizierung der Washingtoner Abrüstungs- konvention durch Frankreich besitzt. Eine ähnliche Halbheit zeichnet die Lausanner Konferenz aus. Weder ist es Ismed Pascha gelungen, die Räumung Konstantinopels, noch die Regelung der Couponftage, woran vor allem Frankreich in­teressiert ist, zu erreichen, aber Kemal Paschas Wahlsieg zur türkischen Nationalversammlung steift der Angora-Regierung das Rückgrat, und es hat nicht den Anschein, als ob sie zum Nachgeben bereit wäre. Welchen Verlauf die Verhand­lungen über die Petroleumfelder von Mossul nehmen wer­den, ist noch nicht ersichtlich. Das amerikanische Ehester-.

Abkommen soll von der Türkei gekündigt worden sein, doch liegt noch keine Bestätigung dieser Meldung vor, und die Kündigung würde nur bedeuten, daß die Amerikaner von einem Meistbietenden Wettbewerber ausgestochen sind, und der könnte vielleicht England sein. Aber die Erdölquellen sind so ergiebig, daß sie vermutlich nicht in die Hand eines ein» itgen Konzerns übergehen werden, sondern eine Teilung »orgenommen wird. Mossul ist der Schlüssel der türkischen Position in Lausanne, und mit ihm wird sich die Angora- Regierung die Hohe Pforte öffnen.

Gleichfalls harrt die Tangerfrage noch ihrer Lösung, nach» bem die daran beteiligten Mächte, England, Frankreich und Spanien, in London zu keiner Verständigung gelangt und Unbefriedigt von' ihrem Konferenztisch aufgestanden sind. Jede dieser Mächte beansprucht in verschleierter Form Tanger für sich, das von Rechts wegen dem Sultan von Marokko gehört, von England als Einbruchstor für Nord- und Zew- tralafrika verlangt wird und einen Zankapfel zwischen dem nächstgelegenen Spanien und Frankreich bildet. Die Naivität, womit hier über einen Landraub ohne Beschönigung ver­handelt wird, hat nichts Befremdliches an sich, seit man weiß, wie in Versailles mit urdeutschen Gebieten umgesprun- gen wurde.

Was wir «eleistei haben.

Staatssekretär Schröder gegen die lügne- rischen Behauptungen des Herrn Dubois.

Der Haushaltsausichuß des Reichstags be­handelte den Nachtragshaushalt des Reichs für 1923, der auch im Plenum zur Beratung steht. Bei der Diskussion über den Haushalt, betrei.-enb Ausführung des Friedens- .Vertrages, ersuchte der Borftzende, Abg. Heimann (Soz.), die Reichsregierung, - jid) - M der jüngsten Rede des ehe- maligen Präsidenten der' Reparationskommission Dubais «Kßg^^......... -~

Staatssekretär Dr. Schröder vom Reichsfinanzministe- rium erklärte hierzu: Dubais hat in der französischen Kammer sich mit der Denkschrift des Statistischen ReichsamtsDie Wirtschaftslage Deutschlands nach dem Kriege" beschäftigt und behauptet, daß die darin enthaltenen Zahlen falsch seien. Insbesondere seien die in dieser Denkschrift angegebenen phantastischen" Ziffern über die deutschen Sachlieferungen falsch. Demgegenüber stelle ich fest: 1. Nach den Veröffent- lichungen der Reparationskommission hat diese Deutschland bis zum 31. Dezember 1922 1 751 880 391 Goldmark an Bar- leistungen und 6 175 546 187 Goldmark an Sachlieferungen gutgeschrieben, zusammen also 7 927 426 578 Goldmark.

Die Reparationskommission erklärt" in ihren Veröffent­lichungen selbst, daß es sich hierbei nur um eine vor­läufige Gutschrift handele, daß sie also über die ge­samten deutschen Leistungen noch nicht endgültig ab­gerechnet haben. Die Reparationskommission hat sich noch nicht annähernd mit allen deutschen Leistungen und Lieferungen, die auf Reparationskonto anzurechnen sind, beschäftigt, und es ist über die deutschen Gutschristsforderungen noch keine endgültige Entscheidung getroffen.

Herr Dubois hat ein s e h r s ch l e ch t e s G e d ä ch t n i s, wenn er behauptet, daß die deutsche Regierung der Repara­tionskommission gegenüber die von ihr veröffentlichten Ziffer über die deutschen Leistungen und Verluste aus dem Vertrage von Versailles vor der Reparationskommission nicht gerecht­fertigt habe. Wenn er sich als Präsident der Reparations­kommission wirklich mit den Sachen ernsthaft beschäftigt hat, so muß ihm bekannt sein, daß die deutsche Regierung weit höhere Beträge als Mindestgutschrift bei der Reparationskommission beantragt hat, und es müßte ihm bekannt sein, daß mit wenigen Ausnahmen die deutsche Regierung sich bisher mit den von der Repara­tionskommission erteilten Gutschriften nicht einverstan­denerklärt hat. Es müßte Herrn Dubois weiter bekannt sein, daß die von Deutschland beanspruchtenGut- schritten s i ch aufrund 20 Milliarden belau­fen, daß bei der Berechnung nicht der viel höhere volks­wirtschaftliche Wert der Leistungen, sondern die Zwangs- preise des Vertrages von Versailles zu­grundegelegt sind. Er müßte weiter wissen, daß zu diesen zwanzig Milliarden an unmittelbaren gutschriftlichen Leistun­gen noch H1,^Milliarden aus dem Wert des liqui­dierten deutschen Eigentums im Auslande der Entente zu­geflossen sind.

Herrn Dubois dürfte es als Präsidenten der Reparaftyns- kommifsion nicht unbekannt sein, daß zu diesen Leistungen noch die Leistungen aus den abgetretenen Staatskabeln, aus abgelieferten Kriegsschiffen, aus Reichs- und Staatseigentum in'abgetretenen Gebieten, aus dem Ausgleichsverfahren und aus Ersatz- und Rücklieferungen im Gesamtbetrag« von 3,7 Milliarden Goldmark kommen.

Ueber alle diese Ziffern und Leistungen wird mit der Re- varationskommission seit Jahr und Tag verhandelt, und es si eine Irreführung der öffentlichen Mei­nung in Frankreich, wenn er behauptet, Deutschland abe im ganzen bis zum 31. Dezember 1922 nur«5544 Millionen Goldmark geleistet.

Der Nachtragshaushalt für 1923 wurde vom Ausschuß ge­nehmigt mit Ausnahme eines Postens von 450 Milliarde« Mark für Ausgaben aus Anlaß des Krieges Md der De- Mobilmachung. .

Der Papst gegen die französischen Gankiionen.

Auf die Nachricht vondenstrengeuMaßnahme« der französischen und der belgischen Regie­run g in den besetzten deutschen Gebieten wegen des Atten» tats vom 30. Juni hat die päpstliche Kurie die Runziaturen in P a r i s und Brüssel angewiesen, bei der französische« und der belgischen Regierung Vorstellungen zu erheben und mitzuteilen: Seine Heiligkeit erwarte, daß keine Maß­regeln ergriffen würden, die zu noch stärkerer Er­bitterung der Gemüter mit entsprechende« schmerz­lichen Folgen führen könnten.

Die französische Zauderiakiik.

Der diplomatische Korrespondent des Londoner Star schreibt: Vorläufig finden keine weiteren Erörte. r u n g e n zw i s ch e n Lord C u r z o n und dem franzö­sischen Botschafter statt. Der Korrespondent fügt hinzu, Curzon habe den: Botschafter erklärt, die Geduld des britischen Parlaments, der britischen Handels­kreise und des britischen Volkes sei nahezu erschöpft, und wenn das Kabinett fortfahre, über eigene Pläne fiir eine Regelung zu beraten, werde es dabei die öffentliche Meinung hinter sich haben.

Der Pariser Intransigeant veröffentlicht folgende Mit- teilung: Die englische Morgenpresse behauptet, daß Minister­präsident Poincarö, entsprechend dem am Sonntag vom

Antwort auf englischen Frageb ogen ein schriftliches MemoraN- dum vorbereite. Von autorisierter Seite in Paris wird dies« Nachricht als unzutreffend bezeichnet. Der Quai d'Orsay werde nicht durch ein umfassendes Memoran­da m a n t w o r t e n. Um die Verhandlungen zu fördern, werde er schriftliche Erklärungen über Ein Kgl. heiten liefern.

Belgien dringt auf Beschleunigung.

WiePetir Parisien" mitteilt, hat sich keine neue Tat­sache im Meinungsaustausch zwischen London und Pari« er­geben. Jedoch sagt das Blatt, daß nunmehr die b e l g i s ch e Regierung, nachdem die innere Krise beseitigt ist, sich in aktiverer Weise mit den äußeren Problemen beschäftigen wird, mit dem Wunsch, baldigst eine Annäherung zwischen Frankreich und England herbeizu- führen. Schon im Monat Januar habe Theunis Poincarö daran erinnert, daß Belgien wohl entschlossen sei, den Kampf an der Seite Frankreichs bis zum Ende durchzuführen; er habe aber zu gleicher Zeit dar­auf hingewiesen, daß die wirtschaftliche Lage Belgiens nicht so befriedigend sei wie die Frankreichs, und daß es infolgedessen im Interesse Belgiens liege, die R u h r a k t i o n so sehr wie möglich a b z u'k ü r z e n. Die Lage Belgiens habe sich inzwischen nicht verbessert. Das-beweise das Sinken des belgischen Franken, nicht nur in bezug auf das Pfund, sondern auch in bezug auf den französischen Franken. Unter diesen Umständen sei es nicht zweifelhaft, daß die erste Anstrengung des belgischen Kabinetts, nachdem man sich über die wirklichen Absichten Deutschlands durch die jüngst aus Berlin erhaltenen Nach­richten unterrichtet habe, fein werde, d ie Aktion zu be­schleunigen, sei es, um den deutschen Widerstand zu brechen, oder um das unerläßliche Einverständ» nis zwischen den Alliierten vorzubereiten.

Bestätigung des Düsseldorfer Bluturteils.

Die Revision, die von den vom Mainzer Kriegsgericht am 29. Juni wegen angeblicher Sabotageakte zum Tode verurteilten sieben Angeklagten Sasse, Maurer, Grub«, Hahne, Schneider, Freier und sowie von dem zu lebensläng­lichem Zuchthaus verurteilten Angeklagten Lauth und dem zu fünf Jahren Gefängnis verurteilten Kögler eingelegt worden war, ist am Donnerstag vom Revisionsgericht der ftanzö- fische« Rheinarmee in Düsseldorf nach kurzer Ver­handlung unter dem Vorsitz des Generals Pare ver­worfen worden. Der Verteidiger der Angeklagten warft nicht anwesend. L

Durch die Patrouillen, welche die Beachtung der Sanktto-f nen in Duisburg überwachten, wurden am Donnerstag- ein Deutscher getötet und drei Deutsche vex- w u n d e t, welche auf Anruf nicht stehen blieben. f