Hersfelder Kreisblatt
Amtlicher Anzeiger für den Kreis Hersfelö
SrfcheüU Stitaätee, Lomursta« Mb Couaebtub. Der Bezugssnis beträgt bar* die Boß booten monatlich 15000.— Mk., für Hersfeld 15000.— Mk., Abholer 14000.— Mk / / XeM*e« preis sät Sie eiaspaltige Betitreüe oder beten Raum 1000.— Mk., sät aas»ätts 1500.— Mk., die NrNamrzeüe 5000.— Mk. / / Druck nl Ber!«a von Babel« -onks Bachbrackerei in b<t«M.
Mttsüeb des Vereins Deutscher ZritMgs^Derieger. / / Für die GchrMleitmrg verantwortlich gram 8»nk in Sersfeld. / / Fernsprecher Mr. •.
Nr. 92 Sonnabend den 4. August 1923
Das Wichtigste.
— Der Pr^Dent der 93er einigteu Staaten, Harding, ist a San Stands« gestorben.
—• Nach Abschluß der 'Aussprache über d« Repara- tionspolitit der englischen Regierung hat bas englisch, Parlament sich auf drei Monate vertagt.
— Infolge Neuregelung der Pergarbeit er loh ne find d« Lohlenpreise wiederum beträchtlich erhöht worden
Ocs Ziel Baldwins.
Du erntin-her Oberhaus trab ist lLttrrhcm- haben 2md Citfai und surnten Salbeie ÄeTchlluLuoe TrLL- rangen LL«: Öse 5e±n~-iz=gsE der Sea-fciear Äaääßwag xta Trmrfrää nt-mm-ÜD^ £sr &6z Leu Ne Sullas i»u Starscs fE StaiunsÄrrse asb> rirzi'.t pa acfefcer- Sae Mer Jett ZSssswochr«! gwrgpr tata>™. &T3 exi Staru Iä;: uns Leu Sü»mrr i«s 3eh’.nntar?s ri dir LuLrrt'ix»; -5 der eir^^ai Stete. er 'olle Ä^eo» richt netten, sagte ine Starer je&ngEn gr urLteut-ew Xi tiiercmcL Dos hält Boldsün an der :ur SSr.? der SttaEttai nräroerrdigM Beröffers". -chung ien mi will die Allnervm «m ihre Zusitumurng ersten, da die Schttttsrücke geeignet eien, den Ernst des zu lösenden Problems in feiner gongen Größe zu geigen.
Vor allem darf sich Deutschland keinen Slliri innen über die Gefahr seiner Lage hin. geben. So wichtig das ihm auf seinen Vorschlag bewilligte Zugeständnis ist, seine Zahlungsfähigkeit von einem unparteiischen Sachverständigen gremium untersuchen zu lassen, wird dem doch ein Dämpfer aufgesetzt durch die Verkuppelung dieses Gremiums mit der zur Mitarbeit zu berufenden Reparattonskommission. Welches Unheil diese nach dem Ausscheiden des amerikanischen Vertreters angerichtet hat, ist bekannt, und wenn sie mitzusprechen hat, bedeutet das Entgegenkommen Englands nichts weiter als mit der «neu.may nehmen.
Ferner hat Baldwin feine Zufriedenheit mit den von Deutschland angebotenen Garantien abgeschwächt, indem er daran die Forderung der Markstabilisierung, der Ausbalan- zierung des Reichsbudgets und die Unterstellung der deutschen Finanzverwaltung unter eine, einstweilen noch in der Form unbestimmt gelassene internationale Kon- trollinstanz knüpft. Das wäre nicht nur das Ende der deutschen Finanzhoheit, sondern eine Vernichtung der Reichssouveränität überhaupt, ein Schicksal, wie es Oesterreich durch die drei Genfer Konventionen bereitet wurde. Am bedenklichsten erscheint jedoch das Ansinnen an die Regierung, sofort ihre Befehle und Anordnungen zurück- zuziehen, durch diederpassiveBiderstand organisiert und verdichtet worden sei Das gegen die Bewilligung die'er Forderung spricht, braucht nicht erst weiUSnng wiederholt zu werden. Dur heran »ei erinnert, daß die Ruhrbevölkerung selber aus sich heraus zum paruuen Tädernand cegrider. yat and die Regierung gesen diesen einmöt-ren Vrlksnnllen machtlos ist, ihr also iomgeicht daraus der Strick der .Der- fchttmgsr" gedreht werden ta ZuLem fehlt frauzSincher- ferts jede Lesen leisiung für die Aufhebung des LiderstarSes, und TeuLichünL, das 02m Ausland wegen seines helten- mutigen Busharrens bewundert wurde, wäre jetzt der Ver- achtung nreisgegeben, wollte es die ganze Kette trau französischen Bestialitäten und Ausp lünderungen unge- ühnt, ohne Wiedergutmachung bis aus Ende aller Lage hinter sich her- schleppen. Es wäre damit aus der Liste der Kulturvölker gestrichen und in die Reihe von unterworfenen Regerftämmen gestellt.
Die Kaltblütigkeit, womit Baldwin diese Perspektive betrachtet, tritt besonders kraß in seiner zweiten Unterhausrede zutage, wo er Einfliegen ließ: »Ich wünsche nichts zu tun, um den deutschen Widerstand zu verstärken, weil wir wissen, je länger Deutschland widersteht, um so hoffnungs- loser wird die Lage hernach sein", und weiterhin erscheint ihm ein Zusammenbruch oder eine Kapitulation besser als die Fortdauer des jetzigen Zustandes. Allerdings verleugnet er hinterher den geschäftstüchtigen Engländer nicht, indem er zu verstehen gibt, nur ein wirtschaftlich mächtiges Deutschland könne entsprechende Reparationen zahlen, und , wenn er diesen Umstand in die eine Wagschale legt und m dre andere die von ihm wiederum betonte aufrichtige Freund! chaft mit Frankreich, so glimmt für Deutschland das Hoffnungs- fünkchen auf, daß schließlich die materiellen Interessen Eng- lands sich als das stärkere Gewicht herausstellen werden. Wie diese Freundschaft beschaffen ist, erfahren wir aus der eingestreuten Bemerkung Baldwins, der Antwortsemwurz der englischen Regierung wäre in der franzopsschen und belgischen Antwort nicht einmal erwähnt. Wird sich eine selbstbewußte Nation auf die Dauer eine solche Behandlung ge- fallen lassen? Das ist kaum anzunehmen,, und sie wird in das Schubfach des Gedächtnisses gelegt werden, wo andere schöne Dinge, wie z. B. die Bedrohung Englands durch die französische Luftflotte, ftöhlicher Ur- stand harren. Denn diese vorgesteckten Masken beider Geg- ner müssen eines Tages fallen, vielleicht schon, wenn während der kommenden Beratungen, gleichviel ob Poincare sich daran beteiligt oder nicht. Einstweilen hat die politische
Lage für Deutschland einen trostlosen Anstrich, der verstärkt wird durch den Verlauf der sich an die Erklärung anschließenden Unterhausdebatte. In ihr hielt einzig und allein der Arbeiterführer Ramsey Macdonald Deutschland die Stange und gab seiner tiefen Enttäuschung über die Haltung der Regierung Ausdruck. Er regte sogar die BewMgung eines Kredits von einigen Millionen Pfund Sterling zum Ankauf von Nahrungsmitteln und Kohle für Deutschland an. Auch Llvyd George nahm das Wort, um gegen Frankreich loszuwettern und Federn, der eine Aenderung der französischen Politik erhoffe^, vorzu- halten, er lebe im Darrenparadiese. England m: > nch 10 schnell wie möglich «rtscheidea. ob es seine Politik irr Hebet« ernfrünsnntg oder im Gegensatz zu Frankreich Ahnen wolle. Die Antwort darauf steigt im Dunkel der Zuirrn. ras Haus verirrte sich auf drei Monate urb über ließ ta Fort- niHrung der Ee-hätte den Sbeatslenkeru. Jetzt :st es am be«tf*ea $»11$, Ein« ü : ^ eket t zu be»e - •es, n -ewara'ret zu ^x ze-nm das Hek ScLfo^, "ts IMg^ä ex der rmchw-wL? -Sastta-t« dene^. Tos ä nächst das' ssstrl Daer HüLnäL. Wir wa-ller p« bes äüitaa tes DBLaL pp» k-s LaHrrhMwL NML"ut M-rt-er :ta Er es SeLLünLattrL. Me tünch eror'tit '-rttacirrta: iehscr ist, beschwer, Tchu gäiist iruraer taeser < rtab^ ir Sor tage be fetittlußkrütt dl© Damme" Erb '. rotri oeo^ innere -Ävrsnxkrit imnechalb her Brn-Dienungskre e ge nmt. ^ttchr'rm not. WGrend bet große außenpD He Karapf erdete, muß Eiuruütigchir bis T-MÜ ern.
Die Aussprache im englischen parlam ni.
Im Verlaufe der Aussprache, dir sich in: Oberhause an die Regierungserklärung schloß, sagte Lord Curzon, England habe die Aussicht auf Reparations- zahlungeu vor seinen Augen entschwinden sehen. Diese Frage ginge die Gesamtheit der Verbündeten an. Es wäre eine europäische, eine internationale Frage, bei der in gebührender Wahrung seiner Interessen England nicht ab= ivitä sieben wb granTr. ^ und Delgieu jede ihnen gut scheinende Polittk durchführen lasM,WWWWMMWWWM Begleichung der interalliierten Schulden wäre von äußerst«: Wichttgkeit und könne nicht einfach beiseite geschoben werden. Die vorgeschlagene Abberufung des englischen Vertreters in der Reparations- k 0 m m i s s i 0 n würde kein weiser Schritt sein. Zu der Anregung Lord Birkenheads, die englische B e s a tz u n g s - armer zurückzuziehen, bemertts Lord Eurzon, o:e englische Besatzungsarmee wäre die einzige vertragliche Burg, schüft, um die Erfüllung der deutschen Zahlungsverpflichtungen zu sichern. Die Zurückziehung der Besatzungsttuppe« wurde die Derleuguuug einer Pflicht ein, 0:s England vor der ganzen Welt übernommen habe. Es wäre unbillig, die Regierung zu fragen, was d« Regierung Ksuachst^tun werbe Auf eine solche Frage würde er antworten: »Ich weiß es nicht, ich k a n s t " t sagen.' Lord Gruben erwöhrttr noch, daß Italiens Antwort jsebes eiugetroifeu wäre.
3m Unsers» ame
r® 8er Führer der Ar^tterocrtei Nam ''' Mac- suald »einer tiefen Enttäu'-chung üt« die £t< r:rgs= frffrrmg Ausdruck, dock wäre er nickt über den Prenner- e&rifter, sondern über die Lage enttäuscht und höchst be. friedigt. daß die Remerung fick. eudttck zu einer eigenen Po- Stil entschlossen haste. Der Redner trat für die größtmög- Sche Oeifestlichkett der Verhandlung ein. Denn Frank- reich weiter Deutschland an der Scklagader würge, so wäre die Zeft nicht fern, da Deuftchland völlig erschöpft zusammen, brechen werde. Des weiteren machte Ramsav Morde nald d«u bemerkenswerten Vorschlag, durch einen Kredit von wenigen Millionen Pfund zum Ankant von Nahrungsmitteln und Kohle Deutschland wieder auf die Füße zu bringen.
Eine zweite Erklärung Baldwi- s.
Nach der Rede Ramsay Macdonalds griff Baldwin noch einmal in die Debatte ein und sagte, er bezweifle die Weis- hett der Ruhraktton, wäre sogar von deren Torheit überzeugt, weil seiner Meinung nach die Ruhrbesetzung die Repa- rationszahluuge« Hinausschiebe und dsu Handel Englands wie den der Welt hemme. Es würde nicht der Wahrheit entsprechen, die in England herrschende Arbeitslosigkeit in erster Reihe den Auswirkungen der Ruhrbesetzung zuzu- schreiben, aber sicher werde die Ruhrbesetzung jetzt im Welthandel fühlbar. Und je länger sie dauere, um so schwerer werde die Belastung. Einige oberflächliche Beobachter meinten, daß die Ruhrbesetzung dem englischen Handel zugute komme. Wer einige Aufträge, hier und da erteilt, bedeuteten keinen Ausgleich für die große Zahl der v e r- loren gegangenen. Niemand könne sagen, was-gcsch:h?n würde, wenn Deutschland zusammen! räche.
Freilich sähen einige Leute einen solchen Zusammenbruch jils Vorbedingung zur Erlangung von Reparationszahlun- gen an. Wörtlich sagte der Premier: »Ich wünsche nichts zu tun, um den deutschen Widerstand zu verstärken, weil wir wissen, je länger Deutschland widersteht, um so hoffnungs- loser wird die Lage hernach sein. Dir wünscheu eine rasche Regelung, aber was wird geschehe», wen» der Zusammenbruch Deutschlands tatsächlich erfolgt? Eins winen wir, daß ein Zusammeubruch et« Deuiger au Reparationszahluuge» bedeutet. Genu freilich eine Stege trug erreicht ist, w wird mau sich in Z- ta t* einem iudustriek! s^ starke» Deurschland gegertaerfeqen.
Man tat nicht guwtedd h-Se». Cutineb« h«t »®t
«t» z^se «MpU'Eppch»*« Land. H*» Utm ReoarE»»-» z-ÜL-u «ch, » t» bat W« » »t $«M*e bei * t« mir», M w fe A-S«» — •«««»<« ^ -cha»e» «sichsMckmeche» tera — wer m »^ »" KiEu »iL-chr ich »4.W« T«-««r «HE »i'-r. p« aä^tä^ Äwa«6w ^ L-c xü« « ir m
Bm Sääuß seiner Siebe lugte Scbwwt »Ich hssdk nrwj t ^anbeti unter der L-orsusietzurq, d«H Frankreich t»s D ---«> gebiet emumrlchiert ist, ee R r p«r«t i v»«« zu «»engen. Es ist oft gesagt worden, daß es andere Motwe dofsir habe. Ich möchte dies nicht glaube.", aber, wenn dem so ist, so werde ich Frankreich sagt», das « lebe» englischen Herze: ein tiefer Verftändräs für Recht und Gerechtigkeit lebt. Wir wollen das nicht wei: er erörtern. Wir fühlen es, und es ist die stärkste Kraft in unserem Leben, und wenn das britische Volk fühlt, saß Frankreich die Wunden Europas offen zu halten versucht, anstatt sie zu heilen, dann ist die Entfremdung gewiß."
Lloyd George,
der später das Wort ergriff, befaßte sich hauptsächlich mit seiner Verteidigung gegen die Angriffe, die von den Radikalen und Arbeiterparteileru gegen ferne -äSalüit als Premierminister geliebtes t neben waren. Er er- MMMWMWMMWMlffe Sem rx-q, zage«, «et.^ ihre Politik wäre. 6s bestehe kein Geheimnis um die französische Politik, die völlig klar zutage liege. Alle Karten Frankreichs lägen offen auf demTische. Jeder, der eine Aenderung der frangöp- schen Polittk erhoffe, lebe im Narrenparadies, und Englands Pflicht wäre zu erklären, ob es feine Polittk in Uebereinstimmung oder im Gegensatz zu Frank- reich führen wolle. Denn vor dem Wiederzusamnmntritt des Hauses könne Deutschland zusammeugebroche« fein oder kapituliert haben.
Nach Schluß der Aussprache vertagte sich das Hau- auf drei Stonate.
Präsident Harding f
«ränbent Harbi»s ist i» her Mt pue ^tttta« *■ g^n ^tanrises ®eft»rfeen.
Der Lob H«r»i«,s rtz ohne dorooa««»»««»« A». zetche« ei«qe0retr>. währeub er sich mit Sumütenange. hörig« «»rerhielt. 2te Äerzie «ehmc« Lchl«g«-fall alS TsSesur jache »x. ,
Darren Gamaliel Sorbinn ist der vierte Präsident 8« Vereinigten Staaten, der während ferner Amtszett stirbt. Während aber die Brei anderen Staatsoberhäupter, d« >em Schicksal teilen, Lincoln, Garfield und MacKinlei), 'amtlich ermordet wurden, ist Harding eines natürlichen Todes gestorben. Er erlag einer Lungenentzündung, die er nw aup einer politischen Reise nach Kanada zugezogen hatte, beten Krisis nach gestern eingetroffenen Nachrichten überwunden sein sollte, und die nun doch seinem Leben im dritten .^ahre seiner Präsidentschaft ein Ende gemacht hat. Die Regie- rang übernimmt nach der amerikanischen Derfapung der gleichzeitig mit ihm und auf dieselbe Weife gewählte Viz^ präsident, der gleichzeitig Präsident des Senats ist. Es ist Calvin Coolidge, der während der Regierungsze« Hardings, wie übrigens die meisten Vizepräsidenten der Vereinigten Staaten, nicht sonderlich hervorgetreten ist.
Harding stammt aus einer kleinbürgerlichen Familie des etwa 20 000 Einwohner zählenden Ortes Marion in Ohio, wo fein Vater, ein Mann am Ende der siebziger Jahre, dessen Wiederverheiratung vor einem Jahre den berühmten Sohn höchst unangenehm überraschte, seine ärztliche Praxis ausübt. Geboren wurde er auf einer in da Nähe Marions liegenden, feinem Vater gehörigen kleinen Farin, die zur Gemeinde Corstka gehört. Er ist aus bem Journalismus hervorgegangen. Die von ihm begründete Zeitung Ohio Star, die in Marion erscheint, war das Speungbrett für feinen politischen Aufschwung. Erst im Jahre 1915 »urbe er als Vertreter Ohios in den Senat gewählt.
Die in der Mitte zerbrochene Zeit seiner Regierung ist an Erfolgen so reich gewesen, wie die weniger seiner Vorgänger. Seine erste Tat war die Herstellung des Frre- »ens mit Deutschland, deren unaufschiebbare Not- peuigkett er schon in seiner ersten Botschaft an deu Kongreß