Hersfelder Kreisblatt
Amtlicher Anzeiger für den Kreis Hersfeld
GrichsintDieastsg. Sennetftag unS SouuabsaS. Der Berugspreis betragt bar« Sie P»ff bejoge« monatlich 15000-Mk., für ver-felb 15000-Mk., Abholer 14000-Mk., / Ameisen preU für Sireinfpalti^ PetltwtleoSer Seron Raum 20 000-Mk.. Sie Reklame,eile 50 000-Mk. / / Druck und Verlas von LuLmt« Funks Avchbruckrrol in Her-feld.
__ Wgfteb des Strafen Deutscher Iritumzs'Vrrteqer. / / Jür die Schrkftleiluug verantwortlich Sr«m Sank in Hersfeib. / / Jerusprech« Nr. 8.
Nr. SS Dienstag, den 21. August ig«
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1 — Die schwebende Schuld des Reiches hat In bei ersten Augustdekade eine ZnnahMje um 59,4 auf 117LMÄ, lionen Mark erfahren. ^
_~®ee ReichskohleniverbänS hat die Aufheb.uug dex Kohlensteuer beantragt. ' ' j ^Ms, ^ >
— ©ie Reichsbahn hat mit der Ausgabe von Notgeld begonnen. T -
M poinearL in LharlevilleW
Die zu einer stehenden Einrichtung gewordenen Sonntagsreden Poincarss verflachen allmäh-^ lich Die letzte in Charleville bei EnthMung eines Denk- mals gehaltene enthält gleichfalls die üblichen auf den Chauvinismus der Hörer zugeschnittenen Tiraden, die ; allerdings diesmal eine aktuelle Würze durch Angriffe auf ! England erhalten. " ,f j Poincarä liegt augenscheinlich dieletzteenglische Rote schwer in den Gliedern, und es klingt ziemlich ^melancholisch, wenn er an das italienische Sprichwort erinnert: „Wenn die Gefahr vorüber ist, wird der Heilige ausgelacht." Das träfe für die Freundschaft zu, die, selbst wenn sie für heilig gilt, mitunter vernachlässigt werde, so-? bald der Sturm nachgelassen hat. Die Meinungen der Völker müßten gegen die Versuchungen des Egoismus reagieren, weil sie blind und für die wahren Interessen verhängnisvoll sind. Da ist die Frage erlaubt: Wer lacht den Heiligen aus? England! Und wer soff den Heiligen vorstellen? Etwa Poincard? Er wird sich schwerlich selber so ironisieren wollen und die Freundschaft im Auge gehabt haben, jene Freundschaft, die er so hoch stellt, daß er jede Handlung, die die Einigkeit trüben könnte, als verbrecherisch, ansteht. Man wird in London
aufhorchen und sich der französischen Luftflotte erinnern, __LLren .Verstärkung so drohend in Szcnc gesetzt wurde und die jetzt durch Versuche Mit einem neuen BombenstSUzeuM bekräftigt wird. Es soll 600 Pferdekräfte haben und 700 Kilogramm abwerfen können, und die Londoner mögen sich ihre Gedanken darüber machen, wo der Abwurf vorgenommen wird. Jedenfalls ist diese neueste Lustrüstung; eine eigentümliche Illustration zu der in Charleville mit; Emphase abgegebenen Versicherung, Frankreich werde ' weiterhin seine Verbündeten unterstützen. Für die ganzen, Ausführungen Poincards ist charakteristisch, daß sie beständig auf England zurückgreifen, und wie es scheint, bestimmt sind, den Inhalt der französischen Antwort vorausahnen zu lassen. So ist z. B. das in der Baldwinschen Rote unterstrichene Interesse von der Beendigung der Ruhraktion — von der Verletzung der Interessen der
übrigen Mächte wird von Poincars keine Notiz genommen —, die durch die Besetzung indirekt hervorgerufene Arbeitslosigkeit in England von Poincard mit der Behauptung abgewehrt worden: schon früher habe es in England und Schottland mehr Arbeitslose gegeben als heute. Und der Einmarsch ins Ruhrgebiet soll die Einfuhr und Ausfuhr Großbritanniens an Gewicht und« Wert gegenüber den ersten sieben Monaten des Vorjahres geweigert haben. Dasselbe Bild zeige der englische Transit- »erkehr, so daß England von dem Ruhreinbruch nur Vor- eil gehabt habe. «Wie kann man nur Freundschaftsdienste /o verkennen! Hier zeigt sich der Rabulist des Barreaus
in seiner ganzen Größe.
Ferner verteidigt er die Gesetzmäßigkeit der Pfandergreifung mit dem Hinweis auf den Text des Friedensvertrages und hofft, er werde sich mit England verständigen, und hofft weiter, daß Frankreich, indem es auf seinem Wege fortschreitet, sich niemals von seinen Verbündeten entfernen werde. Aber er hört an dem Urteil der engli-: schen Kronjuristen vorbei, als wenn dieser Gerichtshof überhaupt nicht vorhanden wäre. Den guten Bürgern von Charleville darf freilich nicht gesagt werden, was die Enffcheidung der höchsten juristischen Autorität Englands bedeutet, nämlich daß sie der Ruhrbesetzung den Rechts- boden unter den Füßen wegzieht, und so werden nicht nur die Charleviller, sondern Millionen Franzosen durchVerschw eigen von Tatsachen in glückliche Unwissenheit ein gewiegt, bis sie eines Tages unsanft aufgeweckt werden. Aber sie werden mit Lügen und nur nist Lügen gefüttert. Poincare entblödet sich nicht, ihnen vorzugaukeln, die öffentliche Meinung des Auslandes begreife jeden Tag besser die Aufrickstigkeit seiner Absichten und werde in steigendem Maß* für Frankreich günstiger./ Wer mit solchen Mitteln kämpft, vertritt eine von ihm selbst als verloren eingeschätzte Sache. Er glaubt auch, den Allgemein erhobenen Vorwurf des Imperialismus Frankreichs ins Lächerliche ziehenzudürfenuud wehrt den Vergleich mit Ludwig XIV. und Napoleon ab. Der Reichskanzler Stresemann hat zwar auf die Nach
ahmung Napoleons angespielt, aber vor ihm haben sich andere Geschichtskenner im Auslande noch viel deutlicher geäußert und geschichtliche Parallelen gezogen, die un» widerleglich sind. Der historische Exkurs des französischen Premierministers^ ist oberflächlich und dürftig. Es lohnt sich nicht, diese für die Ohren von Unwissenden bestimmte Geschichtsklitterung zu widerlegen, nur sei angemerkt, daß dies des Größenwahnsinns berichtigte! Deutschland nach dem Sturz Napoleons mehr als ein halbes Jahrhundert Frieden gehalten hatte, und nahezu ein weiteres halbes Jahrhundert nach 1870 verstreichen ließ, bis es, eingekreist von einem Konzern von Raub- gesellen, wieder zur Waffe zu greifen gezwungen war.
Schließlich erheischt Poincaräs Forderung nach schnellster Wiedergutmachung der Verwüstung französischer Gebiete besondere Beachtung. Sollten dir^Eharleviller dabei nicht heimlich geschmunzelt haben? Was in Deutschland und ab der Rhr sich wirklich absinelt, wird ihnen wohl verborgen sein, aber über Frankreich wissen sie Bescheid, und wenn sie etwas von den Methoden des französischer Wiederaufbaues hören, halten sie sich die Nase zu Was sich da ereignet hat, stinkt zum Himmel, seit die von der Regierung unabhängige Presse in diesem Sumpf her- umrührt. Panama ist eitel Wohlgeruch verglichen mit dieser Korruption. Milliarden sind nicht um unterschlagen worden mit Hilfe von Beamten, sondern nach dem Satze: „der Boche zahlt alles", sind Überforderungen gestellt und bewilligt worden, die das Menschenmögliche übersteigern Die Kammerverhandlungen haben über dieses Gaunersystem einigermaßen Licht verbreitet, und die Arbeiterschaft weiß jetzt, warum sie in elenden, zusammenstürzenden Gebäuden hausen muß, während die zum Aufbau ausgeworfenen Gelder in den Taschen der Schwindler verschwinden.
Auch PoincarS ist dieser Skandal nicht unbekannt, imhj doch schloß er seine Rede mit der Mahnung: „Rühren wir!
die eingegangenen Verpflichtungen zu achten und ihnen Achtung zu verschaffen." Ein jeder kehre vor seiner Tür! Poincarö beginne mit dem Augiasstall seines Wiederaufbaues und untersuche, wo das deutsche dafür gezahlte Geld geblieben ist. Wenn einmal ein Denkmal des Wiederaufbaues enthüllt wird, möge er eine richtige „E n t h ü l l u n gs"- Rede hatten.
Eine neue Verordnung Degsuttes.
Nach einer Havas-Meldung aus Düsseldorf hat zur Verhinderung von Sabotageatten in Fabriken, Gruben usw. General Degoutte einen sofort in Kraft tretenden .Erlaß veröffentlicht. Darm wird in offen trt* ibuftr teilen Unternehmungen des Ruhrgebiets, welche su ‘ Lieferung auf Reparationskonto nach dein Versailler Vertrag in Frage kommen, insbesondere in Kohlengruben und jKokereien jede Z erstö run g, jede Fo rtn ahme, jede Umänderung von Einrichtungen, welche die Pro- duttionsfähigkcit verhindern oder die Qualitäten der Pro- dutte verändern könnten, verboten. Zuwiderhandlturgen werden an dem Täter und den verantwortlichen Direktoren oder Oberbeamten der betteffenden Unternehmungen mit Gefängnis bis zu 20 Jahren und Geldstrafe b i s z u 590 060 G o l d m a r k oder einer dieser Strafen geahndet. Die Beauftragten der französisch-belgischen In- genieurkommissiorr sollen nach dieser Verordnung des ftan- zösischen Generals das Recht haben, zur Feststellung etwaiger Veränderungen alle Teile der Jndustrieunteruehmungen zu besuchen und sich alle Pläne sowie Zeichirungen und Dokumente, die darauf Bezug haben, vorlegen zu lassen. Falls bie Beauftragten behindert oder ihnen die Dokumente nicht, chorgelegt werden, so werden die Direktoren oder die Personen, die direkt beteiligt sind, mit Gefängnis bis zu 5 Jahren und mit Geldstrafe bis zu 500 000 Gold- mark oder mit einer dieser Strafen belegt. Der Versuch zu 1 einer solchen Tat, der Befehl dazu, die Unterstützung oder Begünstigung wird wie die Tat selbst bestraft. ,
Deutschlands Änahkungslage." N
Im Reichsministerium für Ernährung und Landwirtschaft traten am Freitag die Er- nährungs- und Landwirtschaftsminister der Länder zu einer Konferenz.zusammen, die sich mit den Schwierigkeiten auf den verschiedenen Gebieten der Enrährung und den für die Versorgung zu treffenden Maßnahmen beschäftigte.
Die Vertreter der Länder stimmten dem Reichsminister darin bei, daß die M a r k e n b r o t v e r s o r g u n g vom 15. September bis 15. Oktober verlängert ioetben soll. Ein entsprechender Antrag ist dem Reichsrat zugegangen.
Weiter wurde erörtert, ob eine Erhöhung der für das Wirtschaftsjahr 1923-24 in Aussicht genommenen Re-> ferne von einer Million Tonnen erforderlich, sei, und ob die Versorgung der großen Verbraucherbezicke | über den 15. Oktober hinaus besonders zu sichern sei. Beide i Fragen wurden bejaht. Dabei lourbe von einzelnen Ländern eine Erneuerung der Umlage angeregt; dieser Gedanke wurde jedoch von der Mehrheit der Konferenz abgelehnt. — Für die , *
Kartoffelernte .
sind die Aussichten nach Berichten aus den verschiedenen Landesteilen, mit denen die Auffassung der Vertreter der Länder übereinstimmte, nicht ungünstig. Für eine weitere günstige Entwicklung scheint allerdings warme Witterung nottvendig. Eine Hauptschwierigkeit für die Versorgung liegt nach allseitiger Auffassung auf dem Gebiete der Finanzierung. In dieser Beziehung wurde Mitteilung gewacht von der Gründung einer Kartoffel- kreditbank, welche die Finanzierung des Kartoffel- Handels sich zur Aufgabe macht. Ferner ist vor kurzem mit den Städten Fühlung genommen worden, um zu erreichen, daß sie in Verbindung mit dem ortsansässigen Handel gleichfalls die Finanzierung fördern. Eine weitere wichtige Frage für die gute Versorgung mit Kartoffeln ist die Überwindung der Verkehrsschwierig- leiten. Mit bem Vcrkchrsniinisterinm besteht bereits seit längerer Zeit ein enges Einvernehmen, um den Transport im Herbst möglichst zu beschleunigen. Das Verkehrs- ministerium wird Kartoffeln und Getreide a n erster Stelle befördern. Dabei muß damit gerechnet werden, daß für die Kartoffeln nicht immer gedeckte Wagen zur Verfügung stehen werden. Von allen Seiten tß auf schnellste N äuMu n g der Wagen hin,»- wirken, um die volle Ausnutzung zu ermöglichen. **• Vertreter der Länder stimmten diesen Maßnahmen « zweckdienlich zu. Auf eine Anfrage hinsichtlich der »-»
!genErnte zu Brennereizwecken verwandt worden seien.. Die Herstellung von Spiritus zu gewerblichen Zwecken'sei eine wirffchaftliche Notwendigkeit, aber die Freigabe von Kartoffeln zu dieseur Zwecke würde nur nach sehr sorg-! faltiger Prüfung erfolgen. ' '. !-
Im Anschluß an die bereits im Frühjahr gepflogenen, Verhandlungen über die , ! s ■ i^VaH
.,,J j x ' Zuckerwirtschaft s. , ^} a ^ 1923-24 wurde die Zuckerversorgmcg im laufendeu Jahre, und die Ausfichten für die nächste Ernte eingehend erörtert In der Aussprache wurde übereinstimmend die Notwendigkeit einer Hebung des Zuckerrübenanbaues betont. Daneben wurde die Frage erörtert, ob und auf welche Weiss es möglich sei, bei einer Frei-! gäbe der Wirffchaft die Zuführung des Mundzuckers an die Bevölkerung zu sichern und Vorkehrungen gegen übermäßigen Ankauf durch die Zucker verarbeitenden Industrien und gegen die Spekulatton mit Zucker zu treffen. !— Sehr eingehend wurde dann noch diS Frage der M
Fett- und Milchversorgung M behandelt. Die Nofftände, die in der letzten Zeit bei derl Fettversorgung zutage getreten sind, sind nach Werein- stimmender Auffassung auf den Mangel an Devisen zu- rückzuführen. Die Bemühungen des Reichsministeriums in Verbindung mit der Reichsbank, hier Abhilfe zu schaffen, wurden anerkannt. In den letzten Tagen ist eine starke Erleichterung eingetreten, die sich bereits auf dem Markte fühlbar macht. Die Konferenz sprach sich einmütig dahin aus, daß für die Versorgung mit den notwendigen Mengen an Fett die Zuteilung von Devisen unbedingt erfolgen müsse, um eine Ergänzung der nicht ausreichenden inländischen Fette zur Befriedigung des notwendigen Bedarfs herbeizuführen.
In der Erörterung über die Milchversorgung wurde mehrfach das Bedauem ausgesprochen, daß die Ver- Hättnisse in der Versorgung und die Preisgestaltung im Reiche sehr verschiedenarttg seien. Es wurde anerkannt, daß die Mittel, die für die Verbilligung zur Verfügung gestellt sind, für einen Teil der Bevöllerung Erleichterung gebracht haben und daß die weitere Bereitstellung derartiger Mittel notwendig erscheint. . ^W
' Die neuen Kohtenpreise.
Die für den B e r g b a u mit Wirkung vom 13. August festgesetzten Lohnerhöhungen haben auf Grund der durch Beschluß des Reichskohlenverbandes vom 9. August dieses Jahres festgelegten Berechnungsweise folgende pro- zentualen Zuschläge zu den in der Bekanntmachung vom 10. August d. I. im „Teutschen Reichsanzeiger" Nr. 186 vom