Hersfelder Kreisblatt
Amtlicher Anzeiger für den Kreis Hersfeld
Erscheint Dienstag, Donnerstag and Sonnabend. Der Berngspreis beträgt durch die Dost bezogen monatlich 15000.— Mt., für Hersfeld 15000.— Mt., Abholer 14000.— Mt / / Kn-eiarn preis für Sie einspaltige Bettstelle ober deren Raum 30 000.- Mk., die Reklameretle 60 000-Mt. / / Druck und Verlag von Labwig Funks Buchdruckerei in S-rsfold,
Mitglied des Vereins Deutscher Aeitmrgs-Drrieger. / / Für die GchrtftleLtaaa verantwortlich Fran? Funk in örrSfelb. / / Fernsprecher Ar. s.
Nr. 103 Donnerstag, den 30. August 1033
' Das Wichtigste. ■
— Der R eich 8 finanzminister hat den Spitzenorganb sationen der Beamten gegenüber geäußert, daß die Viertel- iahrszahlungen vorläufig außer Kraft gesetzt und die Zahlungen einstweilen voraussichtlich monatlich erfolgen sollen.
— Ein neuer Mordbefehl der Besatzungsbehörde verschärft wiederum die Grenzsperre.
— Nach einer Meldung der .Times" planen die Franzosen aeue umfangreiche Besetzungen in Westfalen.
Die entlarvten Kommunisten.
In diesen Tagen des Niederbruchs geht einem wieder vas unglückselige Wort des Reichskanzlers Dr. Wirth durch den Sinn: „Der Feind steht rechts!" Wirklich? Nicht nur an der Ruhr steht er, er treibt überall in deutschen Kauen seift Wesen, er steckt in allen Parteien, Stämmen, Berufen und Klassen in Gestalt der Uneinigkeit. Das ist der wahre innere Feind der Selbstzerfleischung, sie mit Anklagen gegen den Nächsten arbeitet, während ter Urgrund von Deutschlands Elend die Niederlage im Weltkriege ist. Sie hat eine Lage geschaffen, die auch ein reicheres, über größere natürliche Hilfsmittel verfügendes Voll zur Verzweiflung treiben würde. Seit nahezu fünf Fahren windet sich das Reich in den Krämpfen einer lasen» ten Revolution und kann nicht zur Ruhe kommen, weil das Gespenst der Geheimorganisationen umgeht und die Friedliebenden ausschreckt.
Kaum ist ein Mannruf gegen den Pommerschen Land- »und und das von ihm verbreitete Reformprogramm errungen, kaum hat das Dresdener Polizeipräsidium ein Verbot gegen den bürgerlichen Ordnungsdienst erlassen» ils in Berlin der preußische Innenminister sich genötigt - 'ah, den Zentralausschuß derGroß-Berliner rnd Jndustriegruppen-Ausschüsse, aufzulösen und zu ver- neten. Eine polizeiliche Durchsuchung in den Geschäftsräumen der Kommunistischen Partei hat der Behörde den zwingenden Beweis geliefert, daß der durch ministerielle Verfügung bereits aufgelöste Fünfzehner-Ausschuß durch üne andere, wie die Kommunisten angeben, „zweckmäßiger rusammengesetzte Organisation" weitergeführt werden soll. Es ist ein teilweise schon verwirklichter Organisationsplan rüfgefunden worden, der in Zukunft die Arbeiten des verbotenen Fünfzehner-Ausschusses leiten soll.
Man sieht: die Kommunisten lassen nicht locker und bemühen sich, aus den Ernährungsschwierigkeiten des Volkes Stoff für ihre Agitation zu saugen. über biefe Gefährlichkeit herrscht kein Zweifel. Systematisch vorbereitete Lebensmittel-Krawalle halten die Massen in Bewegung und sind bestimmt, den Boden für den Bolschewismus zu beackern. Das offizielle Sowjet-Rußland ist natürlich daran nicht beteiligt, aber das Gebot der 3. kommunistischen Internationale gilt auch für alle deutschen Kommunisten, und sie suchen die Thesen Moskaus in die Tat umzusetzen, unbekümmert um Verbote und Auflösungen. Auch die letzthin ergangenen werden, wie ihr Vorgehen vermuten läßt, der Hydra nicht den Kopf abschlagen, sondern nur neue gistgeschwollene Köpfe entstehen lassen. Aus dem beschlagnahmten Material geht hervor, mit welchem Raffinement die kommunistische Hauptführerin Ruth Fischer zuwerke geht, um die Sozialdemokratie in ihr Netz zu ziehen: aus taktischen Gründen sollen möglichst viele sozialdemokratische Parteimitglieder als Wahlkandidaten aufgestellt werden für den Betriebsräte-Kongreß, der von den sozialdemokra- tischen Gewerkschaften in Bann getan ist. Es mag vielleicht gelingen, besonders radikal gerichtete Sozraldemo- kraten von ihrer Partei abzusplittern, aber die Gesamt- vartei hat von Anfang an Stellung gegen den Kongreß genommen und ihn als „wilde" Veranstaltung abgelehnt. Der Erfolg dieses Widerstandes trat bei dem Kongreß in Kassel zutage, wo die S o z i a l d e m o - kratie die Oberhand behielt, nachdem sich die Kom- inunisten lügnerischerweise einen Sieg angedichtet hatten.
Es hat sich auch herausgestellt, wie gemeingefährlich für die Großstadt Berlin operiert werden soll, indem dre Kraftwerke der Umgegend, die Berlin mit Strom beliefern, und besondere Großbetriebe aus dem Reiche dem kommunistischen Einfluß dienstbar gemacht werden sollen, ein Versuch, den Generalstreik zu inszenieren, der v o n d e n Gewerkschaften energisch bekämpft worden ist. Die verbotenen Hundertschaften will Ruth Fischer zu Be- triebsordnerschaften umgestalten und hat die „Betriebs- zellenleute" ermähnt, „die Betriebshundertschaften mehr zu forcieren".
Augenscheinlich soll der entscheidende Schlag im nächsten Winter fallen, aber die Moskauer werden sich verrechnen. Nicht nur sind bereits die an diesem Komplott gegen den Staat beteiligten kommunistischen Stadtverordneten hinter Schloß und Riegel, sondern die unausbleibliche Gerichtsverhandlung gegen die Verschwörer wird in Verbindung mit Vorbeugungsmaßnahmen die Waffen des Kommunismus abstumpfen und aufklärend wirken. Eine überaus wichtige Geheimorganisation ist gesprengt und es ist eine Ironie des Schicksals, daß gerade die Partei als geheimbündlerisch entlarvt werden mußte, die
am lautesten gegen andere Organisationen gezetert hat.! Wer sich jetzt, wo die große Koalition bemüht ist, Ordnung fn den Staatshaushalt zu bringen und eine ruhige Entwicklung im Innern anstrebt, mit den Kommunisten, wenn auch nur theoretisch, verbinden wollte, ist jetzt belehrt, was! für Zeitgenossen er sich ausgesucht hat. Die Aufdeckung dieser kommunistischen Verschwörung muß allen staatser- haltenden Parteien ein Ansporn sein, nur dem Vaterland zu dienen, Gegensätze auf sich beruhen zu lassen und den Ausgleich der verschiedenen Meinungen zu fördern. Wenn das gelingt, sollten wir mit dem kommunistischen Agitationsexzeß zufrieden sein.
P. K. <
Erhebliche Verteuerung des Marlenbrots
Mit Wirkung 'vom 8. September ab werden gemäß Beschluß des Reichskabinetts die Abgadeposten der Reichs, getreidestelle für das von ihr an die Kommunalverbände zm Markenbrotversorgung gelieferte Getreide für die Tönn» " "f -m Mi >li nn-n Mark im Dnrchscknttt erhöht.
ertbeständtge Anleihe
des Deutschen Reiches
Sie sichert dem einzelnen Kapital u. Zins ent- sprechend dem jeweiligen Stande des Dollars.
Keine Börfennmfahsteuer — keine Erbschaft^ sieuer für das selbstgezeichnete Stück.
*£>K|l£ iMütUjlt* OHO) für kleine- Beträge.
Belgiens Aniwöri an England.
Der belgische Minister des Äußeren Iaspar hat am Montag dem englischen Botschafter die Antwortnote der belgischen Regierung aus die englische Note vom 11. August übergeben.
Die belgische Note zerfällt in zwei Teile, deren erster die Einwendungen gegenüber der englischen Note vom 11. August enthält. Bei ihrem Beschluß, das R u h r g e - biet Zu besetzen, habe die belgische Regierung nur eine Maßnahme angewendet, die von den Alliierten unter gewissen Umständen, namentlich im Protokoll von Spa vom 16. Juli 1920, betreffend die Neparationskohlenlieferungen, in Betracht gezogen worden seien. Die belgische Regierung erinnere an ' !
die einfache Wirtschaftskontrolle und die unsichtbare
Besetzung, welche ursprünglich im Ruhrgebiet durchgestihrt wurde, und weise darauf hin, daß, wenn der Charakter des Unternehmens geändert werden mußte, der. Grund in dem Widerstand liege, den die deuffche Regierung organisierte, um die gemäß des Friedensvertrages getroffenen Anordnungen zum Scheitern zu bringen, überdies sei wiederholt RäumungdesRuhrgebie- tesindem Maße.wieDeutschland seine Reparationsverpflichtungen erfülle, angekündigt worden. Belgien könne also die ihm zugeschobene Absicht, endgültig im Ruhrgebiet zu bleiben, nicht zugeben. Zu der englischen Erklärung über < - ■
die belgische Priorität
äußert sich die Antwort der belgischen Regierung: Die englische Note behaupte, daß Belgien, da es an Hand seiner Priorität bereits 1% Milliarden Gold mark bezogen habe, eine Summe erhalten habe, die weit über das Hinausgehe, was jedes andere Land erhielt. Die belgische Antwort zitiert dann ausführlich ihrer Ansicht nach beweiskräftige Ziffern, wie die Reparationskommission sie veröffentlichte, und legt dar, daß diese Behauptung der englischen Note in den von Deutschland geleisteten Zahlungen keine Begründung finde.
Im zweiten Teil der Note bringt die belgische Regierung Ausführungen zu ihren Vorschlägen vom 30. Juli 1923, betreffend die .
Lösung der Reparationsfrage.
Sie stellt fest, daß im Laufe des jüngsten Meinungsaustausches Fortschritte auf dem Wege gemacht worden seien, der zur Verständigung der Verbündeten führen müsse. Es sei einmütige Zustimmung erreicht hinsichtlich der engen gegenseitigen Abhängigkeit zwischen der Reparationsfrage und dem Problem der interalliierten Schulden. Die Zustimmung zu diesem Grundsatz setzt voraus, daß, wenn es richtig wäre,
die Zahlungsfähigkeit Deutschlands.
in Erwägung zu ziehen, es Recht und Pflicht wäre, die- fettige der Gläubiger Deutschlands zu berücksichtigen. Man tei im Besitz von Angaben über die für Frankreich, Italien und Belgien erforderlichen Summen gewesen. Jetzt habe auch England seine Forderungen angegeben. Nach den vorstehenden Angaben könne diedeutscheSchuld, wie sie am 5. Mai festgesetzt wur-de, beträchtlicher- a b g e s e tz t werden. Es wäre nach Ansicht der belgischen Regierung recht und billig, wenn der belgische An- sprach unter bloßer Berücksichtigung des materiellen Schadens für den Fall, daß die Schuldverschreibungen G voll gestrichen werden, , M .
auf 13 Prozent festgesetzt , werde. Belgien hätte dann einen Anspruch auf 13 Prozent der Schuldverschreibungen A und B, d. h. 6% Milliarden Goldmark, und da es schon 1% Milliarden Gold- mark erhalten habe, würden ihm noch weitere 5 Milliarden Goldmark zustehen.
Die Note kommt dann zu folgendem Schluß: Um zusammenzufassen, glaubt die belgische Regierung, daß zurzeit die Erörterungen hinreichend fortgeschritten sind, damit freundschaftlich verlaufende Ver- Handlungen zwischenden alliierten Mini- st e r n ausgenommen werden könnten, ohne daß es sich selbstverständlich um eine Konferenz im eigentlichen Sinne des Wortes zu handeln braucht.
। --^
Ein neuer Mordbefehs.
Die „Kölnische Zeitung" meldet aus Remscheid: Von den französischen Besatzungsbehörden wurde eine Verordnung angeschlagen, die heute in Kraft tritt. Darin heißt es u. a.:
Es ist jedem Deutschen verboten, zu verkehren oder sich scstzusetzen auf einer Geländcstrcrle von 1 Kilo.
^"* "der hinter den Zollwachen. Die Linie, die genau festgelegt ist, verläuft auf den Strecken Gerstau bis Nüdelshalbach, von Nid delshalbach bis Blume (Lennep), Radevorinwald, Bayenburg und Bcrgisboni. Jede Person, die in dieser Zone getroffen wird und dort nicht wohnhaft ist, wird verhaftet oder auf sie geschossen, wenn sie auf den ersten Anruf nicht stehen bleibt.
Der Grund zu dieser außerordentlich einschneidenden Verfügung ist nicht bekannt.
Ausdehnung der Besetzung bis Zünsler.
Der Kölner Vertreter der „Times" will erfahren haben, daß das Siegerland zusammen mit dem Sallcrland, und zwar bis Münster hin, besetzt werden soll; desgleichendas ganze Gebiet zwischen oem Rhein und einer Linie, die von Münster bis L i m b u r g verläuft.
NnanzmWen'um und ScamtengehÄter.
Was Hilferding sagt. — Vorübergehend nurmonatliche Vorauszahlungen?
Wie verlautet, soll der Reichsfinanzminister Dr. H i l- ferbing den Beamtenspitzenorganisationen gegenüber ruf Anfrage hin geäußert haben, daß das Reichsfinanz- ninistertüm beabsichtige, während der gegenwärtigen ^inanzkrise die Vierteljahrsvorauszahlun- zen der Beamtengehälter vorläufig außer Kraft ju fetzen. Der Minister führte zur Begründung seines Standpunktes noch aus, wie die vierteljährlichen Voraus- sahlungen, habe auch die am 23. August erfolgte Voraus- Zahlung des Teuerungszuschlages für den kommenden Monat auf die schwebende Schuld des Reiches einen unheilvollen Einfluß ausgeübt. Er hatte es deshalb für notwendig, die kassentechnischen Rücksichten, die für die Vorauszahlung der Vier^ljahresgehälter bisher maßgebend gewesen seien, zurückzustellen und wenigstens vorübergehend auch den Vierteljahresge- Hattsempfängern das Gehatt nunmehr nur noch für den Monat vorauszuzahlen. In unterrichteten Kreisen rechnet man damit, daß das Reichsfinanzminifie- rtum anfangs nächster Woche mit den Beamtenorganifatio- nen in nähere Besprechungen über diese Frage eintreten
6
^Inland und Ausland.
Verbot des Zentralausschuffes der Groß-Berliner Be- triebsräte. Der Minister des Innern hat auf Grund des Gesetzes zum Schutze der Republik den „Zentralausschuß der Groß-Berliner Betriebsräte" einschließlich seiner Leitung, deren Vollzugsrat und feines Unterbaus, nämlich der Werbeausschüsse und Jrrdusttiegruppenausschüsse für das preußische Staatsgebiet aufgelöst und ver- » boten. Dem Verbot ist eine ausführliche Begründung beigegeben. Weitere polizeiliche und strafrechtliche Maßnahmen ünd einaeleitet. ... ........ .i