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Hersfelder Kreisblatt

Amtlicher Anzeiger für den Kreis Hersfeld

Erscheint Dienstag, Donnerstag und Sonnabend. Der Berugspreis beträgt für Ve September 1000 000.- Mt., für Abholer 950000.- Mt / / Anreigeopret« für die einspaltige Detitteile ober deren Raum 30 Mt., Reklameretle 100 Mt. mal Zeitungsanieigenschlüssel des D. D Z. D. t». Zt. 50 000). / / Druck u. Verlag von Ludwig Funks Buch- druckerei in Hersfeld, Mitglied des Vereins Deutscher Zeituags-Derleger. / / Für die Schriftleitung verantwortlich Franz Funk in Hersfeld. / / Fernsprecher Nr. 8.

Nr. 117

Dienstag, den 2. Gtlober

1923

UM

Das Wichiigste.

In den Morgenstunden des 1. Oktober ist in Küstrin von rechtsradikaler Seite ein P u t s ch v e r s u ch unternommen worden.

Im Reichskabinett sind die Richtlinien für die be­vorstehende Erklärung Stresemanns festgelegt worden.

Poincard hat in seiner neuesten Sonntagsrede erklärt, Frankreichs Aufgabe im Ruhr gebiet sei noch nicht beendet.

Kritische Stunden.

Was sich in Sachsen in den Dörfern und auf den Kar­toffelfeldern abspielt, ist ein mildes Säuseln verglichen mit den: Sturm, den die rheinischen Sonderbündler in Düsseldorf entfacht haben. DieSchutztruppen der Rheinischen RepMik" überfielen das Polizeipräsidium, entwaffneten die blaue Polizei und nötigten die Schutzpolizei zum Eingreifen. In der,sich entspinnenden Schießerei fielen im ganzen vier Po­lizisten und ein Dutzend Sonderbündler. Schwer- und Leicht­verwundete bevölkern die Krankenhäuser und Unfallstationen. Hätte nicht französische Kavallerie mit Panzerautos die Schutzpolizei umzingelt und entwaffnet, dann wären die Landesverräter nicht so glimpflich davongekommen. Die Wirkung dieser Schutzaktion auf das reichsdeutsche Rheinland wird nicht ausbleiben; sie wird auch dem Ausland Stoff zu Betrachtungen über die Fortsetzung der französischen Be- satzungspolitik liefern und ihm beweisen, daß sich Deutschland nicht mit der endgültigen Beschlagnahme des Ruhrpfandes einverstanden erklärt. Das drückt auch Lloyd George in einer Veröffentlichung mit den Worten aus:Herr Stresemann mag lische Staatsmann sieht auch die Möglichkeit vor Augen, daß das Reich zeitweilig auseinanderfällt und hier und da Anarchie aufflackert, aber die Deutschen seien keine Russen, sondern ein hochkultiviertes und durch und durch geschultes Volk mit

Berichte aus Deutschland lassen erkennen", schreibt 'Lloyd George,eine immer größere Ausbreitung des Chaos." Die Zeit ist aus den Fugen. Selbst die Regierungsgewalt wird davon betroffen und tut, um das staatliche Gleichgewicht wiederherzustellen, gelegentlich des Guten zuviel, wie in Sachsen, wo das Wehrkreiskommando IV zur Aufrechterhal­tung der öffentlichen Ruhe und Ordnungdie eigenmächtige Wegnahme von Vieh, Feld- und Gartenfrüchten, von land­wirtschaftlichen und gärtnerischen Erzeugnissen, ebenso die eigenmächtige Wegnahme von Lebensmitteln aus Läden, Ver- kaufsständen und Vorratsräumen" verboten hat. Ja, war das denn früher in Sachsen erlaubt? Reichte das Strafgesetz­buch etwa nicht aus? Was soll denn die Einschärfung von längst bekannten Strafgesetzparagraphen helfen! Sie ver­mehrt nur das Schreibwerk. Den durch Bandendiebstähle ausgeplünderten Bauern wird dadurch nicht geholfen; sie wollen Polizeischutz für ihr Eigentum haben; der hat ihnen gefehlt, und gerade in Sachsen hat der mit Land- friedensbruch verbundene Ueberfall auf Gehöfte und Scheuern Orgien gefeiert unter Verachtung aller Gesetze und Derord- zungen. Bevor den Verordnungen nicht Taten folgen, kann nan sich der Vorstellung nicht erwehren, daß weite Landstriche »er Gesetzlosigkeit verfallen sind, indem die Kommunisten die Moskauer Beschlagnohmemethode auf deutschen Boden ver­pflanzen und das Privateigentum aufheben.

puischverDch m Küstrin.

1 Amtlich wird «titgeteilt:

Berlin, 1. Oktober. Ratio ü a l k o m m » n i st i s ch e Hufen versuchten heute früh Küstrin zu überrnm- sieln «nd drangen in die militärisch nicht belegte Altstadt kin. Der Kommandant von Küstrin hat ihren Führer

i«s -en benachbarten Reichswehr!

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einem tiefen

Sinn für staatsbürgerliche Pflichten.

Das ist sich auch in

richtig. Und diese Staatsauffassung offenbart dem Berhalten der Rhein land-Tisen-

bahner gegenüber dem Ansinnen der französischen Eisen- bahnvegie, wonach die deutschen Beamten auf die alliierte Regie vereidigt und nur am Orte ihrer Tätigkeit geborene angestellt werden sollen. Aeltere Leute werden überhaupt ausgeschlossen, ausgewiesene nicht mehr eingestellt, nur ein Drittel der bisherigen Eisen­bahner werden beibehalten, und alle haben nur unter alliierter Leitung zu arbeiten. Da die Rheinlandkommission es abge- lehnt hat, mit der Allgemeinen Deutschen Eisenbahnergewerk- schaft als mit einer im unbesetzten Gebiet befindlichen Instanz zu verhandeln, läuft das ganze Manöver auf einen Auf- taktzur Konfiskation des rheinischen Eisen­bahnnetzes hinaus, und die Einbeziehung der Alliierten in dieses Raubsystem ist nichts weiter als ein Mäntelchen, das ihm umgehängt wird. Seine Fadenicheinigkeit läßt durch­blicken, was PoincarB vorhat: bie dauernde Besetzung von Ruhr und Rhein, nachdem er die deutsche Zah­lungsunfähigkeit durch die Ausraubung während der letzten neun Monate bis zum äußersten gesteigert und die deutschen Finanzen in völlige Verwirrung gebracht hat.

werde«, hat Auftrag, die Ordnung mit rücksichtslosem SinfaU aller Mittel wieder vollständig herzustellen.

Aachrichtsn über innere ttrsruhen unter Zensur.

Folgender Befehl des Reichswehrministers ist an die Wehrlreiskonrmandos ergangen:Um Beunruhigungen der Bevölkerung durch Verbreitung »«geprüfter Ge­rüchte zu vermeiden, befehle idji. Ueber Unruhen im un- besetzten Reichsgebiet dürfen von der Presse keinerlei Nachrichten außer amtlichen Mitteilungen der Militärbefehlshaber gebracht werden. Zuwiderhandlungen werden nach 8 4 der Verordn vng des Reichspräsidenten vom 29. September 1V .3 bestraft.'

Der Reichsivehrminister Dr. W c s? l e r.

*

Das Wehrkreiskommando III keilt mit: Im Auftrage des Inhabers der vollziehenden Gewalt in Berlin wird noch - m a l s auf das Verbot vom 27. September 1923 hingewiesen, wonach dieAusgabeundder Neudruck von Fug- blättern und Extrablättern verboten ist.

Verbot der Münchener S. R.

Die sogenannten Schutzabt eilungen der So- zialdemokratischen Parte: (6. A.) sind auf Befehl des Generalstaatskommissars verboten worden. Bw be­kannt wird, sind vom Generalstaatskommiparm, die o l zugsverordnungen für das Re p ub l i k; ch u tz ge - fetz Mr Bayern außer Kraft gesetzt worden.

tari scher Formation aufmarschierten und kinematographisck ausgenommen wurden. Es waren etwa 2000 S ch wer, bewaffnete. Insgesamt war der Zug etwa 10 00k Köpfe stark. Auf der Königs-Allee wurden sechsBeamt« der blauen Polizei entwaffnet. 911s zwei blau« Polizeibeamte den Hindenburgwall kreuzten, wurden sie an gehalten und der eine zu Boden geschlagen. Ihm würd« sein Säbel abgenommen, zerbrochen und einem der Teil neunter übergeben, der ihn hoch hielt mit dem Rufe:

Die erste Schlacht ist gewonnen!

Jetzt die Kampftruppen vor und die Waffen heraus."

Inzwischen war zum Schutz der blauen Polizei grüne Schupo angerückt. Es ist von Augenzeugen festgestellt, daß vereinzelt stchende.Sonderbündleraufdies« S ch u p o w a n n s ch a f t e n geschossen haben. Die Schupoleute schössen zunächst in die Luft, als aber einer der

ihrigen, von einer Kugel getroffen, niederstürzte, feuer­ten sie in die Menge. Alsdann gelang es der Schutz- Polizei, in wenigen Minuten den Hindenburgwall von der Uebermacht der sonderbündlerischen Stoßtrupps

PS zu räumen, ch demHof.

Die Menge e i l t e i n w i I d e r F l u ch t n a iz garten und den zum Bahnhof führenden Straßen davon. Die Schutzpolizei wollte sich sodann in ihr Quartier zurück-

Daß er in dieser Weise fortzufahren gedenkt, gibt Poin- cars in seiner letzten Sonn tags rede im Walde von Ailly kund: Frankreich werde nicht aufhören, seine Repa- rationsforderungen zu wiederholen und die Völker anzu- rufen, bis zu dem Tag^, an dem es verstanden worden wäre. Auch lehnte er die Zurücks He aller zurSicherung" getrof­fenen Maßnahmen ab O aadc- en Sinnes werden wird, wenn Deutschland die von der Reichsregierung angekündigte Wiederaufnahme der Namrallieftrungen votnimmt, ist. mehr als zweifelhaft. Der deutsche Widerstand ist zwar offiziell abgebrochen, aber die rheinische Bevölkerung ist Nicht gewillt, wie die Kundgebung.am Sonntag in Köln zeigt, von der Treue zum Reich zu lassen; sie führt den Kampf gegen die Annexion des Rheinlandes, gegen die französischen ßiifs« truppen, die Sonderbündler, fort und denkt nicht an Waffen- streckung. Wie sich d e (Ente .n Bchte die Zukunft des be­setzten Gebietes vork'.. llen, ist noch nicht ersichtlich, nur hat man es in Eng u d augr änlich angesichts der Hals­starrigkeit Poincarüs aukaegebM auf Reparationszahlungen zu rechnen, und Llond hat unlängst die Befürchtung geäußert, daß Frank ' h Wiederbewaffnung Deutsch

lands, aber nicht die Wiederbewaffnung Ruß­lands durch deutsche Lieferungen verhindern könne.

Stufiger 6»nnfog « Off 'darf.

Schwerer Zusammenstoß zwischen SonderbAnd- lern und Schutzpolizei. Zwölf Sonderbündler und zwei Beamte getötet. Die Schupo von den Franzosen entwaffnet.

Der von »en Somberbündlern am Sonntag in Düssel­dorf veranstalteteRheinische £ bat mit schweren blutigen Zwischenf ällen geendigt. Im einzelnen verlau- tet darüber:

irgerfchast Düsseldorfs hatte nahezu restlos der Parteien nnd Gewerkschaften, zum Zechen des Protestes gegen die Sonderbündler von den Straßen fern zu bleiben, Folge geleistet. Samtlche Gastwrtschaf- en, Kinos und Theate-c waren geschlossen. Die Straßen lagen chon von 10 Uhr ooi .-mittags an still. Bis gegen - )

liefen verschiede ne

Die Bim

Parole der

Regste-Soudi »züge mit Sanderbündlern

chen, Tsiünchen. Gladbach, Köln, demRuhrgebiet usw Zuerst langten die s o n d e rb u n d l c r ^ ch r n Stoßtrup ps am Am Bahnhof legten diese ^mrppe einen sogenanntenTre ueid" ab und zogen^ sodann >

mal des Bev Mchen Löw, *n in der Konigs-Allee, wo I

aus Aal ein.

begeben.

Währenddesie« hatten sich die Führer der Sonder- büudler an die Franzosen gewandt, und in kur­zer Zeit traf französische Kavallerie mit Panzcrautos ein. Sie umzingelten an mehreren Stellen kleinere Trupps der Schutzpolizei und entwaff­neten sie.

Dir zurückgckehrien Stoßtrupps der Sonderbündler schlössen sich sofort den Franzosen an, die in- zwischen üM) das Poiizeipräsidiuni in der Müllerstraße besetzt und die dort befindlichen Schupolrute entwaffnet hatten. Die Stoßtrupps der Sonderbündler drangen in den

mißhandelten mehrere der entwaffneten Schupo- leute a u f d « 3 s ch l i m m st e und schösse» einen Schutz­polizisten aus ganz kurzer Entfernung unter den Singen der Franzose« nieder.

Unter dem Schutze von Panzerarltos hielten alsdann die Reste der Sonderbündler vor dem Stadttheater eine Ver­sammlung ab. Eremer-München-Gladbach hielt eine An­sprache, in der er darauf hinwies, daß für das vergossene Blut der Sonderbündler

an Düsseldorf Rache genommen

werden müsse. Der Redner stattete den Franzosen für den tatkräftigen Schutz" Dank ab. Gegen 6 Uhr zogen die Sonder- bündler zum Bahnhof. Die Zahl der Toten und Verwundeten ist noch nicht genau festgestellt. Es wird bis jetzt angenommen, daß zwei blaue Polizeibeamte, zwei Schupoleute und 12 Son- derbttndler tot sind. Eine große Zahl Schwer- und Leichtver­wundeter wurde in die Krankenhäuser und Unfallstationen eingeliefert. Der Polizeidezernent Dr. Haas ist verhaftet und die arüne Polizei aufaelöst worden. Ülbeuds durchzogen st a r k e f r a n z ö s i s ch e P a t r o u i I l e n die Stadt.

Der Belafterupl-gizussand verhängt.

Ueber Düsseldorf ist seitens der Franzosen wegen der Vorfälle am Sonntag der Belagerungszustand verhängt worden. Der stellvertretende Regierungspräsident Oberbau­rat Raddatz ist in seiner Wohnung von den Franzosen verhaftet worden. Beigeordneter Dr. Haas, der vorüber­gehend freigelassen worden war,, ist wieder verhaftet worden. Ferner wurden Polizeiinspektor Höfner und Krinunal- oberkommissar Wollenberg verhafte!.

Aus dem Ruhrgebiet wird gemeldet: In H a m b o r n endete eine Separatistenversammlung mit einer Nieder- Ia oc d er S o n derbü nd ler. Vor dem Versammlungs- lokal tam es dabei zu Menschenanfammlungem Von bel­gischen Soldaten wurde in dre Menge ge­schossen, so daß eine Anzahl Verwundete und drei b i s v i e r T o t e a u f d e m PI a tz e blieben.

Lebha le S&h^ f der 'ranzösifchsn Truppen.

in«

Die französischen Besetzungstruppen entfalten gegei märtig eine r e g c T ätigleit. Es finden Manöver, sta mit Radfahrertruppen. 7msin,ter!e, Kavallerie und Alaichmen- aewehrem Abends spielen Scheinwerfer. Am Sonntag zogen große Mengen Radfohrco. Kavallerie, Infanterie, Machinen- gewchre, Geschütze und Bagage aM der Gegend von Werden nach Essen.

.Der Auge

Die Sonntag

statt

rrichi q kommen!"^

d c Psiürares.

Ministervrä''deut ' -are hat »n Walde von Urllyr

seine schon seit mehreren Tagen angekundigte, noliche Com « tagsrede gehalten, in der er c Harte, Frankreich werde n aufhören, seine ReparBionB- .oerunge., zu wrederhoFn die Völker anzurui. n bis n dem, Tage, an.dem «»«j sta »den W o r d . n 1. n ' rerdr.eßt che Erllarunf eines uw.nneidT - . s : ^ndrs," jagte erbedeute!