Hersfelder Kreisblatt
Amtlicher Anzeiger für den Kreis Hersfeld
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Nr. 146
Sonnabend den S. Dezember
1923
Das Wichtigste.
,,. 7" Nach den bisherigen Ergebnissen haben bei den eng Konservativen eine empfind. liege Niederlage erlitten.
K 0 ~ ®Är ^h^?6 drä^'dent Toolidge hat sich in seiner Bg He tÜ ^g-n einen Beitritt Amerikas zum Ctne Streichung der inter. «iltterten Schulden erklärt.
— Auf die Drohung Sun-Yat-Sen« . die RoHgelber in tarn Sm^'T^ H"b die dortigen Zollämter von ~ ”^unSsforps englischer, amerikanischer, italienischer md lapanrscher Kriegsschiffe besetzt worden.
Schwere Wahlniederlage
der englischen Regierung.
Ans London wird gemeldet: Die Ergebnisse aus «ehr aU zwei Dritteln der gesamten Wahlkreise zeigen tinen Sieg der Liberalen aus Kosten der Ko-servativen, Während die Arbeiterpartei auch einen gewissen Zuwachs zu verzeichnen hat. Die Ergeb- »isse in den großen Industrie-Wahlkreisen in Borkshire »ud Lancastershire erhellen, daß die dortige Bevölkerung fest durchweg Gegnerin des Schutzzollpro» z r a m m s der Regierung Baldwins ist, was auch von Englands größter Hafenstadt Liverpool gesagt werden kann. Es bestätigt sich, daß Churchill von einem Vertreter der Arbeiterpartei geschlagen vorde« ist. Die Konservativen verloren viele Sitze in Kord- und Mittel-England, wo sie sich ziemlich fest im Bettel glaubten. Wen« die noch ausstehenden Ergebnisse rus den noch übrigen Wahlkreisen ähnlich aussehen, verdau Me Konservativen mit einer beträchtlichen Minderheit i» das Unterhaus ein« — siegen. a>ie besten Aussichten für eine kompakte Majorität haben bisher die Liberalen.
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Don sicherer Seite wird über den Wahlverlauf gemeldet: Die bisher bariisAcnden Ergebnisse der Wahlen lassen bisher ritte starke Niederlage der Konservativen erkennen. Gewählt vurden: ?.ll Konservative (Gewinn 3, Verluste 4 4), 60 Liberale (Gewinn 551, Verluste 17), 79 Arbeiterpartei (Gewinne 30, BerltHe 8). Am auffälligsten ist die Verschiebung mManchest« r, da» trister durch 7 Konservative unb drei ürbeiierparwiler vertreten :var. Das neue Ergebnis ist dort: L Konservativer, 5 Liberale, 4 Arbeiterpartei. In den eng« I i f dj r k städtischen. Wahlkreisen gewannen die Ikonservatttum * v«d verloren 2 4 , die Liberalen 21 bzw. i, die 'Ocheeivroartei lt bzw. 6. In den englischen Land- K^irken gewannen die Konservativen 0 und verloren 4 Sitze, Sie L-berole« 4 bzw. 0, die Arbeiterpartei 1 bzw. 1. Die schottischen und irischen Ergebnisse weisen keine Veränderungen auf.
Ehurchill nicht wiedergewähii.
Bit A u fnoi° in r der e r st e n Wahlergebnisse.
In LorrSon. wurden um 1 Uhr nachts, während riesige MemchcuW-nH«r die Straßen und Hotels in Erwartung der a&t». «Äuttste erfüllten, die ersten Wahlergebnisse bekannt. SaßMwfe, Swyd George und Ramsay Macdonald erwarten in em uife dEfelden Raum gemeinsam die Nachrichten aus den R«tzlkr«tW Baldwin kann seine konservativen Freunde .^ich» wate ermutigen, da ihm ein Telegramm nach dem ander«: Sb-rrcicht wird, in dem ihm die Niederlage eines Konservativen im Wahlka mitgeteilt wird. Einer der ^niitet seines Kabinett eines der ersten angekündrgten FwJ. <bur^ill, - eine schneidige Wahl- *8« paant durchgefülul hat, und noch ein anderer pro« minsut^konservativer Führer wird geschlagen werden; statt Kw^tzill zieht der Ar vcüerparieiler Patrick Lawrence in das P-ürtsmeut ein. Die Liberalen haben zum erstenmal in der G-tchiÄte. Sitze in Liverpool erobert. Masterman, ein Mit- ali-d tee ersten Koalitionskabinctts hat für die Liberalen einen Sitz im Unterhause errungen. Nach den ersten Am zeichen fiteint es, als ob Baldwin seine bisher,ge Marorrtat Fr, Pursrhouse nicht mehr erreichen wird.
Offener Aufstand in Mexiko.
Deuter titeltet aus New York, nach Meldungen aw Beracruz sind fünf mc x i k a n > s ch e Staaten in ofieacu Aufstaud gegen b i r Regicraug Lbreg 0 u
Kabmeii und Geckzi^er-Aus^chuß.
Das Reichskabinett ist mit den' Vertretern der Länder Md den Vertretern des besetzten Gebiets am Freitag vor
mittag 10 Uhr zu einer gemeinsamen Beratung über die Rheinlandfrage zusammengetreten, die bis in die Mittagsstunden dauerte. Es handelt sich dabei in erster Linie um die bereits seit längerer Zeit schwebenden wirtschaftlichen und staatsrechtlichen Probleme, die sich aus dem Verhältnis zwischen der Bevölkerung des besetzten Gebiets und den Besaßungsbehörden ergeben. Dabei kommt in erster Linie die sehr schwierige Frage in Betracht, inwieweit der Bevölkerung des besetzten Gebietes bzw. ihrer gewählten Vertretung eine gewisse Selbständigkeit und Freiheit in den notwendigen lokalen Verhandlungen mit den Be- satzungsbehörden eine, mit werden kann. Ferner handelt es sich in diesem Zusammenhang um die Kompetenzen des neu zu bildenden 6 0e r - A u s i d) u f f e s für das besetzte Gebiet. Selbstverständlich haben alle diese Der- Handlungen von vornherein eine scharfe Tendenz gegen jedwede irgendwie geartete separatistische Bewegung. — Zu Vertretern im 60er Aus- schuß sind tron der Deutschen Pottspartei ernannt worden: Die Reichstagsabgeordneten Dr. M o l d e n h auer, Dr. Most, Adams, Stinnes, Vögler, Dr. Zapf, der Landtagsabgeordnete Dr. Kalle und Kommerzienrat Dyckerhoff »Mainz.
Gooridges Kongreßboifchafi.
Kein Eintritt in den Völkerbund. — Keine Schulden st reich ung.
Präsident C o o I i d g e hat am Donnerstag im amerf konischen Senat seine Botschaft verlesen. Diese beschäftigt sich nach einem Nachruf für den verstorbenen Präsidenten Harding zuerst mit den auswärtigen Angelegenheiten. Amerika habe in der äußeren Politik einen Hauptgrundsatz zu befolgen, nämlich amerikanische Nylitik zu betreiben. Es erkenne jedoch auch seine Verpflichtungen an, anderen zu helfen. Loolidge schlage keine Aenderung der bisherigen Politik, die Annahme und Erfüllung des Völkerbundpaktes zu verweigern, vor. Andererseits empfiehlt der Präsident einen ständigen internatio- nalen Gerichtshof als den einzigen praktischen Plan, dem viele Staaten stets zugestimmt haben. Hinsichtlich der
Schulden des Auslandes an Amerika
erklärt der Präsident, daß er nicht für eine Streichung der Schulden sei. Er sehe jedoch kein Hindernis, zu einer Regelung nach dem Vorbilde der Festsetzung der englischen Schulden zu gelangen. Die Regierung würde die sehr wesentlichen Ansprüche amerikanischer Bürger an Deutschland schützen. Niemand könne in Abrede stellen, daß Amerika große Opfer gebracht habe. Die aufgelaufenen Zinsen beliefen sich allein auf eine Million Dollar täglich. — Die Armee und die Marine müßten eher verstärkt als verkleinert werden. Amerika wünsche keinen Krieg mehr, aber es wolle auch keine Schwäche zeigen. Unterseeboote und Flugzeuge seien für die Marine und für die Landesverteidigung notwendig. Der Panamakanal müsse vervollkommnet werden. Die Zahl der Einwanderer müsse begrenzt werden in Uebereinstimmung mit der Fähigkeit des'Landes, sie aufzunehmen. Der Präsident schlägt die sofortige Registrierung aller Fremden vox.
Zloiien-emonstration vor Kanion.
Zollkonflikt mit Sunyatsen.
We aus Peking gemeldet wird, hat sich in Kanton »wischen Sunyatsen und dem biplomatifdjen Korps der Fremd möchte ein ernster Konflikt erhoben. Sunyatsen hat, um die unter ihm rümpfenden Truppen löhnen zu können, damit gedroht, einen großen Teil der Zolleinnah• Inen im Hafen von Kanton für sich beschlagnahmen zu wollen. Das diplomatische Korps hat daraufhin Sunyaffen in einer gemeinsamen Note darauf aufmertfam gemacht, daß eine derartige Maßnahnie geeignet sei, die Interessen der fremden Mächte zu schädigen und daß deren im Hafen von Kanton liegende Kriegsschiffe den Befehl erhalten hatten, jeder derartigen Maßnahme Sunyatsens mit Gewalt zu begegnen Die Zölle dienen, wie die anderer chinesischer Häfen, als Sickzerheit für einige chinesische auswärttge Anleihen und auch für die Boxerkriegsentschädigung.
Der englische Vertreter, Sir Arthur Leveston, hat nunmehr das Zollamt im Freihafen von Kanton durch englische Marinetruppen besetzen lassen. Er handelt dabei im Einvernehmen mit dem französischen Admiral F r o ch o t. Nach einer Pressemeldung aus Peking werden sich auch Amerika, Japan und Italien an einer geplanten Flottendemonstration gegen das Vorhaben Sunyaffens beteiligen. Die zurzeit in Kanton ankernde fremde Flotteninacht besteht aus neun Kanonenbooten, und zwar drei englischen, zwei französischen, zwei amerikanpchen, einem japanischen und einem portugiesischen.
Entscheidung über das Ermächtigungsgesetz erst Sonnabend.
Im Reichstag wurde am Schluß der Donnerstags^Ditzuna mit der Abstimmung über das Ermächtigungsgeseß begonnen. Es wurde paragraphenweise unb namentlich abgestimmt. Die Deutschnationalen, Deutschvölkischen, der Bayerische Bauernbund gaben rote Zettel (Nein) ab. 8 1 wurde mit 282 gegen 79 Stimmen angenommen.
Darauf wurde § 2, wonach das Ermächtigungsgesetz sofort in Kraft tritt, mit 278 gegen 81 Stimmen a n g e n o nt« m e n. Präsident Löbe gibt alsdann bekannt, daß ein An- trag Koch-Weser (Dem.)-von Guerard (Z.)-Vr. Scholz (D. B.) eingegangen sei, die S ch l u ß a b st i m in un g über das Ermächtigungsgesetz bis zum Sonnabend zu vertagen.
Nach längerer Geschastsordnungsdebatte wurde gegen dt» Stimmen der Deutschnationalen und der Kommunisten be» schlössen, die Gesamtabstimmun g bis zum S 0H L» abend zu vertagen.
Die Rentenmark von jeder Gefährdung befreit.
Aus der vorgegangenen Sitzung ist eine Erklärang be- merkenswert, die der Reichsfinanzniinifter Luther im Namen der Regierung abgab. Er sagte ungefähr:
Die Reichsregierung st i m m t mit der offenkundigen Absicht des eingebrachten Abänderungsan- trages zur Währungspolitik, jede Gefährdung der Rentenmark unmöglich zu machen» ü b e r e i n. Der Weg der Inflation ist endgültig verflossen. Die Rentenmark ist von jeder Gefährdung befreit. Auf keinen Fall wird die Reichsregierung die prozentuale Sicher-, Heit des Grundbesitzes erhöhen. Die Regierung kann natürlich hier keinen endgültigen Beschluß fassen, denn es kann bei diesem neuen Gebiete nach den praktischen Erfahrungen, die wir gemacht haben, durchaus möglich sein, daß der Kur« rändert wird. Weiter steht die Aufhebung der wangsmieten bevor. Es muß also der Paragraph 2 der Verfassung der Renteiibank ausgeführt werden, wonach der n o ch nicht erfaßte G r u n d b e f i ß zum Zweck gezogen wird. Endlich arbeitet die Reichsregierung auf Schaffung einer Gold noten dank hin. Auch nach dieser Richtung besteht die Möglichkeit, daß die Renten- bank und die Goldnotenbai'k aufeinander eingestellt werden müssen, wodurch die Güte der Rentenmark nicht beeinträchtigt werden kann. Die Regieruiig muß die Ermächtigung auch zur Mänderung der Rentenbankverordnuirg erhalte».'
KaAneiWeschiuß zur Rheinlandfrage.
Amtlich wird mitgeteilt: Dm Reichskabinett luurbe* am Mittwoch die Beratungen über die Rheinlandfrag« fortgesetzt. In Uebereinstimmung mit der Stellungnahme der preußischen Staatsregierung beschloß auch die Reichsregierung, daß die Lösung der Rheinlandfrage nur i m Rahmen der Reichs- und Landesverfassungen erfolgen kann.
Amerikanische Kahrnngsmitielkredite für Deutschland.
Ein deutscher Schritt bei der Reparatio»«- t o m m i f f i o n.
Der diplomatische Berichterstatter des „Dgily Telegraph" teilt mit: Genera! Logan, der amerikanische Beobachter i« der Reparationskommission, ist im Begriff, seine alliierten' Kollegen in der Frage der Nahrungsmittelkredita zu sondieren, die die Vereinigten Staaten im Laufe des gegen» wärtigen Winters Deutschland zu gewähren bereit sind. Der ursprüngliche Betrag der Kredite war mit 30 bis 35 Millionen Dollar in Aussicht genommen, aber es ist, dem Vernehmen nach, wohl möglich, daß diese Kredite b i s zu annähern b dem doppelten Betrag» ge« steigert werden könnten.
In Pariser diplomatischen Kreisen verlautet mit Bestimmtheit, daß die deutsche Regierung durch ihren Pariser Vertreter der Re;mrationskommission eine Nota überreichen lassen wird, in der sie um die Genehinigung zu» Aufnahine einer Goldanleihe in Amerika bis! b Der fran- zösische Vertreter in der ReparationskomMission dürft«, nach gewissen Informationen zu schließen, das Ersuchen be® Reichsrestiermcg mit äußerstem Nachdruck bekämpfen.
Abnahme der Aeichsindexziffer.
Die Reichsindexziffer für die LebenShal. tungökosten (Ernährung, Wohnung, Heizung, Beleuch»- tung und Bekleidung) belauft sich nach den Feststellungen des Statistischen Reichsamts für Montag, be» 3. Dezember, auf das 1515tnifltarbcnfad)e der Vorkriegszeit. Gegenüber der Vorwoche (1535 Milliarden) ist demnach ei n e Abnahme von 1,3 v. H. zu 1*®» zeichnen. J