Hersfelder Kreisblatt
Amtlicher Anzeiger für den Kreis Hersfeld
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Nr. 153 Montag den 24. Dezember 1923
Weihnachten.
Strahl' im Glänze von tausend Sternennächten Wunderhetlige Weihnacht, Da von himmlischen, ewigstarken Mächten Ward da- Christkind zur Welt gebracht! —
Nacht bedeckte die Völker auf der Erde, Da erglänzte daS große Licht Durch des Weltenregterers Wort: „ES werke!"- Weihnacht-sonne die Nacht durchbricht!
Engel sangen hinaus in fernste Weiten: „Gott in der Höhe sei die Ehr! Frieden soll nun die Länder all umbreiten, Frei von schimmernder SrtegeSwehr!
Wohlgefallen hat Gott an Menschen allen In dem Söhne, dem Herren der Welt.
Laßt, ihr Völker -er Erde, euch eS schallen: Euer Weg wird von Gott erhellt!
Alle Zwietracht und Neid und Haß muß schwinden
Wenn die Sonne der Weihnacht Alle Herzen in Liebe kann entzünden, GotteS Auge dann gütig lacht!—
Komm, du lieblicher, himmlischsüßer Frieden
Auf die Erde voll Not und Streit Daß nach Jahren des Leids uns werde hinteben Frohe, selige Frieden-zeit! A. K.
Vom WchnaHtswunder der Seele.
Mehr als je zuvor hat man in diesem Jahre in weiten Kreisen Gelegenheit und Anlaß, Weihnachtsfeiern, Chr istbe- scherungen auch außerhalb der eigenen Familie beizuwohnen. In Schulen, in Kinderhorten, in wohltätigen Vereinen haben liebende Hände einen Baum geschmückt, haben teilnehmende Herzen der engeren und weiteren Heimat, hat gedenkende Hilke des Auslandes Gaben aller Art nn^er die grünen, lichtergesHmucksien Zweige gelegt. Und schon tagelang vor dem Weihnachten, das allen im eigenen Heim bereitet ist, klingt es und singt es mit den alten Liedern der fröhlichen, seligen Weihnachtszeit. Man mag zweimal und dreimal, man mag bei solchen Feiern zu Gaste sein so oft man will: immer wieder drängt es bei den Klängen der Weihnachtslieder mit Urgewalt vom Herzen herauf mit einer bebenden Erschütterung, immer wieder treibt ein Ueberwältigendes das Wasser in die Augen. Den überkommt es, wenn helle Kinderstimmchen die paar schlichten Töne von dem „sieben, frommen, heilgen Christ" singen; jenen, wenn irdische Chöre von den himmlischen jubeln, die dem Heiland Ehre jauchzen; den wieder packt dar „O, Tannebaum, dein Kleid will mich war lehren"; wieder einer kann dem wundersamen „Er ist ein Ros' entsprungen" nicht wieder- stehen.
Man frage in seinem Bekanntenkreise, man befrage stch gegenseitig unter Männern: kein ehrlicher wird leugnen, daß die Beherrschung der Gefühle, dir mir gemeinhin als das, was sich für die Erwachsenen, was sich namentlich für den Mann geziemt, je sonst so unentrinnbar erschüttert wird als beim teilnehmenden Miterleben der gesungenen und der gesprochenen Weihnachtsbotschaft.
Eine Erklärung dieser wundersamen Rührung möchte man wohl darin suchen, daß in den Liedern der Weihnacht bei der Stellung, die dieses Fest im deutschen Familienleben einnimmt, die lieben und die leiden Erinnerungen unseres Lebens mit Hrvingen, verstärkt durch die Tradition ganzer Geschlechter. Aber wer sich Rechenschaft über seine Gefühle zu verschaffen nicht, der wird sich dessen bewußt werden, daß dieses Wundc me des weihnachtlichen seelischen Erlebens zumeist ganz i ittelbar aus dem Innern aufsteigt, daß es eine ganz urfpi liche, von keiner Erinnerung geweckte Ge- fühlsgewalt ist, ■ ihn plötzlich hinreißt. Und man wird weiter die Ersatz g bestätigen, daß es gerade die schlichtesten, die einfälti. n Lieder der Weihnacht sind, die die Seele am allertiefsten anpacken. Und gerade die Seelen derer, die gewohnt sind, jede Rührung sonst ab unmännlich von M zu weisen.
Merkwürdig: die Seelen der Kinder, so weich sie sonst sein mögen, sie reagieren mit leuchtenden, frohen Augen auf die Klänge der Lieder, die ihr Mund fröhlich und Hell binausfingt Sie wissen nicht», sie erfahren nichts von der vefühlsüberwältigung, die bb kelteren von Jahr zu Jahr mehr ergreift. Und hier liegt wohl das Geheimnis des Weih- rachtswunders der Seele: Den Kindern ist das Weihnachts- fest der Höhepunkt all ihrer kindlichen Vorstellungen von der Freude und dein Glück des irdischen Lebens. Für sie ist Weihnachten das.avspluie Paradies, das Wunderland von greifbarer Wirklichkeit, das ihnen allweihnachtlich am heiligen Abend als die Heimat all ihrer kindlichen Hoffens mit allem Glücke, das Kindersinn sich vorzustellen vermag, aufgeschlossei wird. Von Jahr zu Jahr eine immer reichere Erfüllung, j »ach dem Schatz her kirchlichen Phantasie und der kindich
unbekümmerten Glaubens an die göttlichen und menschlichen Attribute des Festes, an das Kind in der Krippe, an dt Engelsbotschaft in der heiligen Nacht, an den Weihnachts Mann und Knecht Rupprecht.
In dein Maße dann aber, wie der selige KinSerglaub, verblaßt, geht dieses schönste Kinderherzens-Heimatland mehi und mehr verloren. Mit der wachsenden Erfahrung bei Lebens, mit seinem unserer Generation so grimmig grossen harten Widerspruch zu der Botschaft vom Frieden auf Erben wanken und stürzen die entscheidendsten Segnungen des Weih nachtsglaubens dahin. Eins aber bleibt in den Herzet der Menschen, die so gern dem himmlischen Wunder sich hin gegeben hätten, eins bleibt ihnen lebendig, eins wird vor Weihnacht zu Weihnacht immer stürmischer in ihnen auf geweckt, so sehr auch das Leben dazu angetan ist, diesen besten und reinsten Quell des MenslHnherzens zu verschütten; eins wird mächtiger und mächtiger wach: die Sehnsucht nach dem Kinderparadi°s, die Sehnsucht nach der Kindertzetmatt
Die reine, selige, kinderglaubensvolle Erfüllung dieser Sehnsucht, sie scheint uns auf Erden verschlossen zu sein. Das aber erfahren wir alle Weihnachten von neuem, daß sie stiller wird, wenn wir andern so recht von Herzen Freude zu be- reifen versuchen, wenn wir einander abgelauschte Herzenswünsche erfüllen, wenn wir um uns Weihnachtsfreude und Weihnachtsglück verbreiten mit einem uns Menschen allein gegönnten Abglanz jener Liebe, mit der Gott die Welt geliebt hat. Nur ein Abglanz der Liebe, die mit dem Königsstern über dem Kindlein in der Krippe von Bethlehem die Welt hell und froh gemalt hat; aber daß wir Strahlen dieses Glanzes in unserm Herzen fühlen, daß wir sie auf unsere Misinenschen zurückstrahlen können, das ist das Wunder, das uns mit göttlicher Urgewalt immer wieder anrührh wenn wir singen und sagen zur Weihnachtszeit: „Euch ist ein Kindlein heut gebor'nl" B—e.
Schon vor einigen Wochen, in der Wahlfrage, hr -te französische Regierung eine Niederlage erlitten, di es ihr klug erscheinen ließ, einer ernstlichen Entsche: Sung auszuweichen. Neuerdings ist ihr eine zweit« Deutlichere Warnung erteilt worden, die umso wirk ferner ist, als ihr Anlaß dem gefährlich Finanzen entstammt. Mit der Entwertn..»___ ken hat in Frankreich die Teuerung zugenommen, und wie überall, leiden unter diesem Zustand die „Festbesol Seien", besonders Sie Beamten des Staates. Um Se: zu erwartenden, aus der Staatskasse nicht erfüllbare: Forderungen zuvorzukommen, brächte die Regierun; von sich aus eine Vorlage ein, Sie wenigstens St schlimmsten Notstände beseitigen sollte. Sie konnte abe nicht verhüten, daß aus dem Parlament heraus nich weniger als drei Gegenanträge gestellt wurden, wichtigste war von den Sozialisier: eingebracht und , Serie für die Masse der Beamten eine Teuerungszulag von achtzehnhundert Franken. Der Finanzminister S Lasteyrte erklärte, eine Ausgabe von zwölfhundert Mil lionen Franken, wie der sozialstische Vorschlag sie ev forderte, sei bei Sem schlechten Zustand der Staatsfinan
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forderte, sei bei Sem schlechten Zustand der Staatsfinan sen untragbar. Indem Sie Regierung Sie Ablehnun, dieses Antrags verlange, stelle sie zugleich Sie Vev tzauensfrage. Die Abstimmung ergab aber weder SS Annahme der Regierungsvorlage noch Sie Ablehnum der Parlamentsantrüge, sondern nur die „Abtrennung der ganzen Frage von dem übrigen Staatshaushalt. Db Legierung, Sie somit unterlegen war, erklärte nachtrüg sich, Sie Bertrauensfrage habe sich nicht auf Sie Abtrew »ung bezogen; Sie Kammer ließ es gut fein, ein Kom- »romitz wuröe geschlossen, und der Haushalt konnte voi ton Fest wenigstens auf dem Papier erledigt werden
Das Wesentliche dieser Vorgänge ist nicht so sehr He Unzufriedenheit Schlechtbesoldeter, nicht einmal bei Hinweis des Finanzministers auf seine leere Kasse; es der geschärfte Blick für die Ursachen dieser schlechteu Finanzlage, Seit Fahren treibt das regierende Frankreich eine Politik, die gerade auf finanziellem Gebiet in änderbarem Gegensatz zu den Gewohnheiten des sparsamen, in Wirtschastsdingen bis zur Aengstlichkeit vor. ichtigen Durchschnittsfranzosen steht. Aber Sie leicht, fertige Finanzpolitik ist eben nicht eigenen Ursprungs, Ändern eine Folgeerscheinung der großen Politik, von >er sie einfach mitgerissen wird. Diese große Politik aber ist, mit einem Wort gesagt, Spekulantentum. Frank, wich bezahlt seine Gläubiger nicht, dafür nimmt es ranze Völker in Dienst, besoldet ihre Heere,, gewährt Bit vollen Händen Darlehen, gibt unverhaltnrsmaßige Summen für Rüstungen und abermals Milliarden für litt Besatzungsheer aus, dessen Zweck es angeblich. ist, tranzösische GeldforSerungen eimutreiben. Nicht weniger ils hundert Milliarden sogen. Vorschüsse, von denen mf dem Papier die Hälfte, in Wirklichkeit wohl nicht »er vierte Teil dem Wiederaufbau der „zerstörten Pro- »inzen" zu Gute kam, schweben gleichsam in Nichts. Denn der französische Staat kann diese Summen nicht Bieder dereinbringen, Deutschland sie nicht aufbringen. Gerade auf der Jagd nach diesem verspekulierten Ver- nögen hat die französische Regierung Europa in Wirr- tis gestürzt, die ganze Welt gegen sich aufgebracht, das ktaatseinkommen, den finanziellen und großenteils, auch -en vEtischen Kredit des Landes verspielt. ^ "^
Die Entscheidung der Repko?
Prüfung der deutschen NahrungSmittelvorrätze. - m 9ia<6 dem von der Reparatilmskommisswn anSga gebenen offiziellen Kommnuiquee ist beschlolsen worden; kl. Das deutsche Verlangen, dem Nahrungomittelkredil eilte Priorität zu geben, gemäß Avtikel 25 t des Frie, densvertrages den alliierten Regiernnge« zu Überweg fett; 2. -e« Garantieansschuß zur Erleichterung der Ent« scheidung, die entweder die alliierten Siegierunge» »bei die Neparaiionskommisston zu treffe» habe. Auftrag im urteile», eiligst eine» Bericht zn liefern über die Vorräte a» Brotgetreide und Speisefett in Deutschland.
lieber den Stand der Berhandluugen in der Frag« der Sachverständigeukomitees sagt das Konrmuniquee, ej seien gewisse Formalitäten zu erfüllen, und die Äon» Mission habe deshalb beschlossen, die Ernennung bei Sachverständigen anfzusrhieben, abgesehen von dem Fall der amerikanischen Mitglieder des ersten AusschuueL in den die Kommission wegen der räumliche» Entfe« nung beschlossen habe, den General Daves und den Bankdirektor Oveuyoung zur Teilnahme an den Arbeiten des genannten Sachverständigerikomitees auffordern. Center sei beschlossen worden, dem General Daveö Vorsitz dieses Ausschusses anzubieten. s^«Mi
Der belgische Ausbeutuugsplan.
Nach dem belgische» Nevarattonsplane, der tu den siebten Tagen wieder in den Vordergrund ritckte, beträgt idie jährliche Gesamtsumme, die man aus Deutschland cherauspressen will, 3120 Milliarden Gold mark, etnt Summe, die das gesamte Steueranfkomme« Delltsitz» Ilauds vor dem Kriege weit tiderfteiat.
H Neuer deutscher Schritt in Paris H
Genaue Formulieruug deS deutsche« Vorschlags.
w Ueber etttett für die Nächste« Tage bevorstehenSSA netten Schritt der Reichsregiernttg in Paris berichtet da; „B. T.", der dentsche Geschäftsträger werde dem franzö fische« Mi«isterpräsidettten ei« Memorandvm über, reiche«, in dem eine präzise Formulier«»« derjenige: Fragen enthalten sei, auf die sich das kürzliche Erfucher Deutschlands um direkte Verhandlungen bezieht. Dep werde wahrscheinlich zugleich auch iuBrtiM u«H nommen werden.
Feststellung der deutschen Buslandsvermöger
Keine Untersuchung in Amerika.
»-^Jn offiziellen Kreisen Londons erklärt man es fü unmöglich, daß Sie Sachverständigen der Reparations kommission Europa verlassen werden. Sie würden si ■ mit keine Untersuchungen in Nord- und SüdaMrÜ' über die deutschen Bankguthaben unternehmen. „E
Die deutsche» Bankg»ihaven in Amerika, d »»Der Neuyorker Korrespondent des „Daily Teü graph" meldet, daß man in Emitters reifen Neuyorks d« deutsche Bankguthaben aus 200 NGMonen Dollar ■ schütze. Die Finanzleute seien dem Gedanken einer Untersuchung der deutschen Bankguthaben in den Vereint ten Staaten nicht abgeneigt, seien aber der Ansicht, tu diese Untersuchung nur von der amerikanischen Regi rung und nicht von der Reparativnskvumui jivu Surr - geführt werden könne.
Neuer amerikanischer Kreditvorschlag. »-»Wie aus Washington gemeldet wird, hat der Abg-> ordnete Fish im Reprüseuiantenhaiis eine Vorlage et. gebracht, worin die Gewährung eines Kredits von . ) Millionen Dollars für die Verproowuüerung Deulsi - sands vorgeschlagen wird. ^
Pomearee über sein NuhrvrrSreche«.
In der Sitzuna der französischen Kammer wm He Jutervellationsdebatte über die auswüruae Polt vrtaesetzt. Pviuearee nahm fvfoit bei Sitzunasbeai: ; das Wort. Selbstverständlich benutzie er den Anü Sber die auswärtiae Politik »u .vrewcn und die N Arlane zu verschleiern, die das Kabinett in der inner Politik erlitt. Poincaree * >rte aus, daß die ausw! tiae Politik der Reaieruna oen Gefühlen der arok- Mehrheit des Landes entspreche. Poincaree bescbuldi die Kommunisten, daß sie Frankreich immer uure und dem Ausland immer reckt aeacben hatten. Es b> 1 sich um ein bloßes Manöver aehandelt ant Borabc der Rnhrbcsetzuna, die bereits seit August soraeke. gewesen sei. Das Rubraebiet sei nur befeöt mord . nachdem diese Besetzung wiederholt auaekündtat n veil Deutsckland seinen Verosiichtuuaen ^nickt m - kam und keine ernMasien Vorscklaae machte. Es nickt wahr, daß Frankreich in einer heueren Lame *. Wesen wäre, sondern im Gegenteil Meiner ickleckter Deutschland hätte sich auf französische Kosten de chert. (?!) Am Ende des Moratoriums wäre Den! land stärker gewesen und hätte einen offenen Aun begangen. (?!) v ? m
Seit der Besetzung des RuSraebiets yerfu - Deutschland wiederholt, Verüaudlnnae« über die R- trationcu einzuleiten. Die lltuhrbesebnna habe ie> • falls die Wirkung, daß Deutschland nilmnebr e ne here Neparatio»sj«mme zahle, als es ursvrünalcck len zu können vorgegeben hatte. Er behauptete iodr Satz die ArLeitslostakcit in England nickt auf die R bketzuna zurückzufübren sei; im Geaentett. fest d, Besetzung hätte England mehr Kable ausfüllren kör als früher. Wenn einzelne Industrien ru England, sonders die Tertilindustrie. in den lebten Monate: leiden_gebabf hätten, so sei das auf die Entwertung ?