Hersfelder Kreisblatt
Amtlicher Anzeiger für den Kreis Hersfeld
Erscheint Dienstag, Donnerstag und Sonnabend. Der Bezugspreis beträgt monatlich 1.50 Golbmark. / / Anzeigenpreis für die einspaltige Vetitzeile oder deren Raum 10 Df«, für amtliche und auswärtige Anzeigen 15 Ma, Reklamezeile 30 Vfg. / / Druck u. Verlag von Ludwig Funks Buchdruckerei in Hersfeld.
Mitglied des Vereins Deutscher Zeltungs-Verleger. / / Für die Gchriftleitung verantwortlich Franz Funk in Hersfeld. / / Fernsprecher Nr. 8.
Nr. 1
Donnerstag den 3. Januar
1954
~ französische Botschafter in Berlin ist rein Reichskanzler zu einer Aussprache empfanqen worden
®eronItff“n.9 ber Reichs.Untersuchung-, mmtffion in Thüringen ist dort ein Miaisterial. » unter dem dringenden Verdacht der Urkundenfälschung ö e r . lastet worden.
B ~ ® rJ «chenland hat ein Flügel der republikanischen 1 arte. in der Nationalversammlung einen Vorstoß zur soforti- gen Absetzung der D y n a st ie unternommen.
Der Aenjahrsempfaug beim Reichspräsidenten.
Beim Reichspräsidenten hat, wie bereits kurz gemeldet, am Neujahrstage der übliche Empfang des diplomatischen Korps stattgefunden. Als Doyen des diplomatischen Korps hielt der apostolische Nuntius
Monsignore Pacelli
die Ansprache, in der er u. a. folgendes ausführte:
„Das soeben verflossene Jahr ist nicht ohne schwere Schmerzen und Leiden für d ie Menschheit dahingegangen. Besonders an diesem Tage richten sich unsere Blicke mit inniger Teilnahm auf gewisse un- glückliche Klassen des Volkes,in dessen Mitte wir leben. Wir sprechen den edlen Herzen unseren Beifall aus, die sich bemühen, ein so erschütterndes Elend zu lindern, und wir wünichen glühend, daß alle Nationen sich jener gesunden und ruhigen Wohlfahrt erfreuen mögen, die auf Gerechtigkeit, auf friedlicher Arbeit und auf brüderlicher Liebe beruht." — In seiner Erwiderung
—toi
Reichspräsident EVSÄ:^
„Mit aufrichtiger Genugtuung stellen wir fest, daß weite Kreise der fremden Nationen sich der In Deutschland herrschenden Not bewußt ge- worden sind und, vom Geiste wahrer Menschlichkeit beseelt, uns Hilfe und Beistand geleistet haben. Es ist bei Beginn des neuen Jahres der sehnlichste Wunsch des deutschen Volkes in seinem harten und duldenden Ringen um sein Leben und seine Zukunft, daß auch ihm bald das hohe Gut ruhiger Arbeit und friedlichen Lebens im Kreise der Völker beschieden fei/
Reichskanzler Marx
führte aus:
Das Jahr 1923, das nunmehr hinter uns liegt, hat besonders harte Schicksalsschläge unserm Volke und Vaterland beschieden. Ich brauche nur auf die B e s e tz u n g der reichsten und betriebsam sten Industriegegend an der Ruhr hinzuweisen und alle die ungeheuerlichen Folgeerscheinungen, die sich daran ^geknüpft haben. Die schwere Beeinträchtigung unseres Finanz - und Wirt, s ch a ft s l e b e n s, die dadurch verursacht worden ist, zwingt uns jetzt, geradezu brutale Maßnah men zu treffen, um wenigstens die notdürftigsten Be- dürfnisse unseres Staatslebens zu bestreiten. Dunkel liegt das Jahr 1923 hinter uns. Es gehört der ganze Starkmut der deutschen Nation dazu,' dem Jahre 1924 und der politischen Entwicklung in ihm ge- tröst entgegenzusehen. Aber die edlen Eigenschaften des deutschen Volkes, die in der Zeit der Not besonders hell zutage treten, lassen uns Hoffnung schöpfen, daß es uns trotz aller entgegenstehenden Hindernisse möglich sein wird, deutsches Volk und Vaterland einer besseren Zu- kunft entgegenzuführen.
Anschließend empfing der Reichspräsident den Reichs- tagspräsidenten L ö b e und den Vizepräsidenten Dr. Nie- ßer, die ihm die Glückwünsche des Reichstags übermittelten. Anschließend sprach eine AbordnungdesReichsrats dem Reichspräsidenten die Glückwünsche des Reichsrats aus. Später übermittelten Vertreter der Hecres- und Mari n e l e i t u n g dem Reichspräsidenten die Wünsche be» Reichsheeres und der Reichsmarine zum neuen Jahre.
De Magerie beim Reichskanzler.
Aussprache über das Düsseldorfer Schandurteil.
Der Reichskanzler hat am Montag nachmittag 5 Uhr mit dem französischen Botschafter de Margerie eine eingehende Besprechung gehabt. Dabei hat er die schwebenden- »olitischen Fragen erörtert und besonders das D ü s s e l d o r - 'er Urteil besprochen. Die Ungerechtigkeit dieses llrteils, die vom ganzen deutschen Volke außerordentlich tief
empfunden wird, hat der Reichskanzler, wie verlautet, als um so bedauerlicher erklärt, da die Reichsregierung durch ihre letzten Schritte in Paris und Brüssel ihren aufrich- tigenWiIlen zur Verständigung über die Fragen der-besetzten Gebiete zu erkennen gegeben hat.
Für die weiteren deutsch-französischen Verhandlungen wird viel davon abhängen, ob die französische Regierung den Mut hat. gegen die Willkür der Militärgerichtsbarkeit im besetzten Gebiet mit den ihr zur Verfügung stehenden Mitteln einzuschreiten und dadurch eine Basis größeren Vertrau e n s zu schaffen.
Neujahr in aller Weli.
Wien. Anläßlich des Neujahrsfestes fand ein feierlicher Empfang des diplomatischen Korps durch den Bundespräsidenten Hämisch im Beisein des Außenministers statt, zu dem auch der deutsche Gesandte Dr. Pfeiffer erschien.
London. Die Neujahrsbetrachtungen der englischen Presse sind fast durchweg zuversichtlich gestimmt. Die unmittelbar bevorstehende Aussicht einer Regierung der Arbeiterpartei nimmt darin den Hauptplatz ein.
Paris. Bei dem Neujahrsempfang des diplomatischen Korps i m Elysee sprach zunächst der Doyen, der päpstliche Nuntius Monsignore Ceretti. Der Präsident der Republik sagte u. a. die Beharrlichkeit der französischen Politik, die mit u ne r s ch ü t te r l i ch er M äßi gun g durchgeführt worden wäre, habe schließlich doch Früchte (?) getragen. Man dürfe jetzt das Heran nahen der endgültigen G-e l u n d u n g (!) und des endlichen Friedens (?) begrüßen Frankreich, dessen Genie dem Haß und der Zwietracht so fern stehe (!), wünsche von ganzer Seele den Frieden und die Entspannung.
Brüssel. Bei den Nenjahrsempfängen im königlichen Schloß sagte der König in Erwiderung auf eine Ansprache des Präsidenten der Deputiertenkammer, die Regelung der Revarationsfrage iei für die Wiederherstellung des wirtschast-
Rom, 1. Januar. Mussolini empfing die Minister- und Unterstaatsjekretäre zur Entgegennahme ihrer Neujahrs- glückwünsche. Auf eine Begrüßungsansprache des Justiz- ministers Oviglio erwiderte Mussolini mit einer Rede, in der er u. a. sagte, daß die Bilanz der politischen Tätigkeit pch sehr stark aktiv zeige. Wenn man auch schon viel er- reicht habe, so werde es doch noch langer Zeit bedürfen, um das Werk zu vollenden, zu dessen Verwirklichung die Vorbedingungen geschaffen seien. Ohne übertriebenen Stolz schloß Mussolini, können wir mit unserem Werk zufrieden sein und es fortsetzen. Das italienische Volk gewährt uns auch für das Jahr 1924 stillschweigend Vollmacht.
New York. In der Neujahrsbotschaft des Handelssekre- tärs Hoover herrscht ein optimistischer Ton vor. Nach Ansicht Hoovers sind b:e wirtschaftlichen Aussichten für Amerika gut. Die We tlagesei h o f f n u n g s v o l l, und zwar infolge der Emir lung von Verb ^dlungen für die Regelung des deutschen Problems, aas Hoover die größte wirtschaftliche Bedrohung der Welt nennt. Hoover erklärt weiter, die Stabilisierung des französischen Franken und eine große Vermin- derung in den europäischen Rüstungen seien unbedingte Dor- bedingungen für die Wohlfahrt der Welt.
Milderung des Ausnahme zustande«.
W.T.B. teilt mit:
Auf Grund des Artikels 48 der Reichsverfassung wird folgendes verordnet:
Artikel 1. Hinter den § 6 der Verordnung des Reichs- »räsidenten auf Grund des Art. 48 Abs. 2 der Reichsverfassung, betreffend die zur Wiederherstellung der öffentlichen Sicherheit «nd Ordnung für das Reichsgebiet nötigen Maßnahmen, vom (6. 10. 1923, werden folgende Paragraphen eingeschaltet:
8 5a: Gegen das Verbot regelmässig er- scheinender Druckschriften ist die V e - schwerde an den Staatsgerichtshof zum Schutz der Republik zulässig. Die Beschwerde hat keine ansschiebende Wirkung. Der Staatsgerichts- Hof entscheidet in der Besetzung von drei Mitgliedern, von denen mindestens eins dem Reichsgericht nicht angehört.
8 5b: Auf Beschränkungen der persön- lichen Freiheit findet das Gesetz, betreffend die Verhaftung und Aufenthaltsbeschränkung auf Grund des Kriegszustandes und des Belagerungszustandes, vom 4. Dezember 1916, entsprechende Anwendung. An Stelle des Reichsmilitärgerichts tritt der Staats- gerichtshof zum Schutze der Republik.
Diese Verordnung tritt mit dem Tage ihrer Verbindung in Kraft. Sie findet auch Anwendung, soweit an diesem Tage regelmäßig erscheinende Druckschriften verboten oder Personen in ihrer persönlichen Freiheit beschränkt sind Personen, die sich am Tage der Verbindung dieser Verordnung in Haft befinden, sind alsbald darüber zu belehren daß ihnen gegen die Verhaftung jederzeit das R e ch t s m i t r e I der Beschwerde an den Staatsgerichtshof zum Schutze der Republik zusteht.
J
Um die Absetzung der Oyna^ie GlückSburg.
Wie dem „Echo de Paris" aus Athen berichtet wird, haben 62 liberale Abgeordnete vom republikanischen Flügel der Partei unter dem Vorsitz von Papanastasius einstimmig dessen Vorschlag angenommen, die Nationalversammlung, ohne die Ankunft von Weniselos abzu- warten, sofort zu eröffnen und die D h n a st i e (6 l ü <f 6« bürg für abgefetzt zu erklären. Die Abgeordneten beschlossen ferner, die Bildung eines Senats zu verlangen, der seit 1864 in Griechenland nicht mehr besteht. 81 liberale Abgeordnete haben jede Zusammenarbeit mit den Republikanern abgelehnt. Sie beabsichtigen, sich unter Weniselos neu zu «rup- Pieren.
Der Hamburger Bürgermeister Dr. Diestel ist auf einem Dienstwege vor dem Rathause ohnmächtig zusammengebochen. Es ist damit zu rechnen, daß der Bürgermeister für einige Zeit seine Amtsgeschäfte nicht wird wahrnehmen können.
Luxemburg endlich von den Franzosen geräumt. Aus Luxemburg wird gemeldet, daß das dort bisher stationierte 20. französische Sägerbataillon am Sonntag abend in seine Garnison nach F o r b a ch abgerückt ist.
Senatswahleu in Frankreich. Am kommenden Montag finden in Frankreich Senatswahlen für ungefähr die Hälfte der Sitze statt. In 36 Departements sind 116Senatoren neu zu wählen. Von den ausscheidenden Senatoren gehören 55 der radikalen Partei an, die sich die demokratische Linke nennt, 34 sind Linksrepublikaner, 15 gemäßigte Re°
publikaner und 12 Konservative.
Die frau'ösis h-änyptische Grenze in 28. Dezember ist in London das Protokoll
Jnnerafrika. Am unterzeichnet wor-
den, durch das die Grenze zwischen dem Sudan und F ra n= z ö s i s ch - A e g u a t o r i a E r i k a MWk wird. Die
geblieben
-Wr
W
Baltische Konferenz in Warschau. Wie die Blätter melden, findet am 21. Januar in Warschau eine Konferenz der baltischen Staaten statt, an der Estland, Lettland, Finnland und Polen teilnehmen. Das Programm der Konferenz ist noch nicht festgesetzt.
Das Achilleion als Spiel-Kasino? Nach einer Blätter- Meldung aus Athen hat ein französisches Syndikat der griechischen Regierung vorgeschlagen, das Achllleion, das Schloß des ehemaligen deutschen Kaisers auf Korfu, in ein zweiter Monte Carlo umzuwandeln. Ein großer Teil der Gewinn« des Unternehmens soll der griechischen Regierung Zufällen. Das Syndikat hat der griechischen Regierung auch Mittel für die Flüchtlinge aus Kleinasien angeboten. Bevor eine Entscheidung getroffen wird, beabsichtigt man in Athen, Venizelor
um Rat zu fragen.
Demobilisierung der irischen Freistaat? ruppen
Ir i s ch e Fr e > st i a t -etzt : mch densstand herab. Set Finanzminister beschloß bi
Der
'rie-
Ausgaben
für die A rmee auf 4 Millionen Pfund Sterling zu be- schränken. Das st ehen d e Hee r soll etwa 20 0 00 Mann zählen, also weniger als zwei Drittel der nach dem englisch- rischen Vertrag zulässigen Zahl. Die Demobilisierung wird zu- fammen mit der Entlassung von mehr als 10 000 Gefangenen sehr auf das Angebot von Arbeitskräften ein-- wirken; deshalb soll ein Betrag von 2 Millionen Pfund Sterling für gelegentliche Arbeiten bewilligt werden.
England und die französischen Anleihen der Kleine» Entente. Die englische Regierung stellt Nachforschungen bei den Regierungen der Kleinen Entente an, um festzustellen, wie weit die Verpflichtungen, welche Polen, Iugo - s l a w i e n und Rumänien als Nachfolgestaaten gemäß den Friedensverträgen obliegen, durch die jüngst abgeschlos- senen Anleihevertrage mit der französischen Regierung voraussichtlich berührt werden.
Missionarmord in Ehina. Nach einer Havas-Meldung aus H a n k a u sollen Missionare der lutherischen Brüderschaft Tsao-Yang in der Provinz Hu-Peh von B a n d i. ten gefangen genommen worden sein. Herr und Frau Hoff sind als verletzt, Frau Kila als gefangen gemeldet worden. Es verlautet auch, daß drei Missionare von dem berüchtigten Banditenführer Lao-Yang-Yen getötet wurden.
Der Verkehr m f ^' " W& « ^ ^
Die Interalliierte Rbei . — St. mini pon erläßt eine Verfügung Nr. 236» wo nach den gegebenen Verhältnis, en ent- sprechend für die im besetzten Gebiet ansässigen Per>onen de» Verkehr zwischen diesem Gebiet und dem unbesetzten Deutschland frei gegeben wird und für die Bewohner der unbesetzten Nachbarbezirke Ber- kehrserleichterungen geschaffen werden In besonders orm- aenden Fällen können Bewohner des braten .^tuetes, d « den Besuch von im unbesetzten Deutschland rw ^enden Per. fönen zu erhalten wünschen, im Namen diel er Personen da« Gesuch beim Delegierten der Rheinlandkommission ihr^ Kreises einreichen. Diese Verfügung tritt sofort m M*«