Hersfelder Kreisblatt
Amtlicher Anzeiger für den Kreis Hersfeld
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Nr. 2
Sonnabend den 5. Januar
1984
Die Paßkontrolle an der Grenze des besetzten G» bietes ist eingestellt worden.
— Der französische Entwurf einer Antwort auf dar d e u t s ch e M e in o r a n d u m ist in B r ü s s e l eingetroffen.
— In amerikanischenamtlichen Kreisen berrscht die Auffassung, daß eine Untersuchung über die Höhe der Kutschen G u t h a b e n in Amerika praktisch und rechtlich u n . durchführbar sei.
1 Wochenrückblick.
®ie Landtagsauflösung in Sachsen steht aller Wahrscheinlichkeit vor der Türe, nachdem der Rechtsav'- lchuß des Landtags einen darauf abzielenden Antrag her Kommunisten angenommen hat. Offenbar glauben diele, dabei ein großes Geschäft zu machen, und derselben Aussicht sind d e bürgerlichen Pariere Der Sozi demokratie ist dabei n.cht wohl zumute, und sie hat sich überraschenderweise zur Lildung einer Stoßen Koalition bequemt. Sie Kommunist: .he Partei hatte ein. verfassungsmäßiges Regieren vercitell und bewußt auf Schaffung des Chaos Hin- gearbeitet, so daß die sozialdemokratischen Führer in den lauren Apfel beißen und mit den Volksparteilern und Demokraten paktieren mußten. Justiz, Kultus unb Finanzen sollen, wie vorläufig geplant ist, bürgerlichen Ministern unterstellt werden. Das hätte man schon nach den Novemberwahlen von 1922 haben können, und alles, was seitdem sich an Unzuträg- uchkeiten für die Bevölkerung aus der damals beliebten Par- teikonstellation ergeben hat, ,ist
oemorrartschen Kabinetts auf''Segnung zu fetzen. Nun scheint die tausendmal durch den Schmutz der Gasse gezogene Große Koalition Tatsache zu werden, und der „Vorwärts" hält ihr eine melancholische Taufrede, worin es heißt: „Dieses (parlamentarische) System mit seiner fatalen Notwendigkeit, Mehrheiten zu schaffen und Regierungen zu bilden, wird uns noch manche Nuß zu knacken geben". Sicherlich; das verrät auch die geheime Sehnsucht nach der proletarischen Diktatur und gipfelt in dem Wunsche, „eine einzige und einige sozialistische Arbeiterpartei" zu schaffen, was sich für den kommenden Wahlkampf im Reich bürgerliche, von Versöhnungsdusel befangene Ideologen hinter das Ohr schreiben sollten. Gewissermaßen als Morgenrot einer besseren Zeit für den sächsischen Freistaat hat sich die Nachricht eingestellt, daß das Reichsgericht die Zwangspensionierung des Präsidenten und des Vizepräsidenten des evangelisch-lutherischen Landeskonsistoriums als verfassungswidrig erklärt hat, und so werden auch andere Fehlgriffe der bisherigen Willkürherrschaft korrigiert werden müssen, wenn die neue Regierung und vor allem eine zu erhoffende bürgerliche Landtagsmehrheit ihrer Aufgabe gerecht werden will.
Das furchtbare Schicksal, d^s die Besatzung des Lenk- schiffes „D i x m u i d e n" betroffen hat gab der Reichsregierung Anlaß zu einem Kondolenzschreiben an die französische Regierung. Gewiß ist die Vernichtung so vieler Menschenleben, bedauerlich, aber dieser Ausdruck der Teilnahme einem Frankreich gegenüber, das mit der Blutschuld der Ruhrgreuei unverwischbar belastet ist und eben wieder durch das Düsseldorfer Schandurteil, wie auch der Reichskanzler Marx in seiner Unterredung mit dem französischen Botschafter Margerie erwähnt hat, in Deutschland eine außerordentliche Erregung hervorgerufen hat, erscheint, gelinde gesagt, auch vielen Regierungsfreunden befremdlich und wird als ein Kuß auf die Hand anj^esaßt, die eben geschlagen hat. Selbst die sozialdemokratische Presse hat wortlos, ohne Kommentar, darüber durch eine einfache Meldung dieser Friedfertigkeit quittiert. Sie passt auch nicht in den Rahmen des Verhaltens, das die Herren am Quai d'Oriay in ©adjen der letzten deutschen Note, die vom Verständigungswillen über die Verhält- Nisse im besetzten Gebiete erfüllt ist, zur Schau tragen.
Eine ganz andere Tonart schlägt man in London an. Die britische Regierung stellt (nach Reuter) Nachforschungen bei den Regierungen der Kleinen Entente an, um festzustellen, inwieweit die Verpflichtungen dieser Stipendiaten Frankreichs
durch die kürzlich abgeschlossenen Anleiheverträge mit der fran. zösischen Regierung berührt werden. Das ist begreiflich, denn diese denkt gar nicht daran, die Zinsen der bei England und Amerika ausgelaufenen Kriegsschulden zu bezahlen, und schützt finanzielle Schwierigkeiten vor, die allerdings durch die derung des Frank innerhalb des
SSprojentige Wertn er verflossenen s e. rem als z u R ü ;* n slawien und . stimmt? Ab an in Rüstungen sich eines e Führung wenden ton?
' illustriert werden. Zu was ande
gemittet wird, indirekt den zieren. Am französischen st
n sind bice an Polen, Jugo- .'wordenen Milliarden be- i > im Zweifel, daß diese , ^land unrer französischer bciem selben England zu- a gegen sich selbst zu finan- t hat man denn auch die Ab
stimmung über diesen Kredit unter den Tisch fallen lassen, nw der Begründung, es handele sich nicht um die Bewilligunc eines Kredits, sondern um eine diplomatische Aktion.
Das englische Volk ist jetzt daran, die Konsequenzen aus seinen Neuwahlen bei der Kabinettsbildung zu ziehen. Die Kombination der Konservativen und Liberalen dürfte keine Aussicht auf Verwirklichung haben, nachdem Baldwin ein Zusammengehen mit den Liberalen nach der letzten Rede Asquiths für unmöglich erklärt hat. Aber sich eine Wcral-sozialistische Koalitionsregierung mit dem Schwergevstcht der Labour Party etablieren sollte, was wahrscheinlich ist, hat Deutschland nicht viel davon zu erwarten. Die englischen Radikalen haben wenig für Deutschland übrig und sind als Pazifisten nicht für eine militärische Lösung des Versailler Vertrages zu haben. Vielmehr werden sie ein ihnen unbequemes Frankreich versuchen, mit Hilfe der Vereinigten Staaten in die finanzielle Zange zu nehmen, um eine rein englische Politik zu treiben, und zwar im Sinne eines sozialen Ausbaues unter einer Arbeiterregierung. Was dies außenpolitisch für Deutschland bedeutet, braucht nicht auseinandergesetzt zu werden. Mehr Aussicht auf Erfolg bietet Hoo- vers Neujahrsbotschaft, die von einer Regelung der deutschen Frage in hoffnungsvollem, aber zurückhaltendem Tone spricht, den Finger auf die Wunde des zu stabilisierenden Frank legt und die Herabsetzung der europäischen Rüstungen als Vorbedingung einer allgemeinen Besserung der Wirtschaftslage ansieht,
Nicht recht im Einklang damit steht die Meldung, Amerika habe an die mexikanischen Regieruntzstruppen Waffen verkauft, also eine Einmischung — nehmen wir an: zur Konsolidierung der innerpolitischen Verhältnisse Mexikos — vor- genommen. Noch
Präsident Obregon die Oberhand gegen den „Rebellen" und Präsidentschaftskandidaten Adolfo de la Huerta behalten wird. Die revolutionäre Bewegung wird von Truppen unterstützt, die Zivilbevölkerung gibt den Zuschauer ab und hat außerdem die Wahl, sich für einen dritten Bewerber um die Macht, den Mestigen Calles, platonische zu erwärmen. Deutschland ist insofern an den Wirren interessiert, als es zu Mexiko in freundschaftlichen Beziehungen steht, die auch während des Weltkrieges unvermindert geblieben waren. —nd.
Das Ende der pahksntrslte.
Die französischen Pasistelten im besetzten Gebiet haben mit dem 4. Januar ihre Funktionen eingestellt. Nach einer Mitteilung an die Gelsenkirchener Stadtver- Wallung erfolgte die Einstellung des Dienstes, weil mit dem angegebenen Tage der gesamte Personen- verkehr zwischen dem besetzten und dem unbesetzten Gebiet wieder völlig frei ist. Die Kontrolle an den Durchgongsstellen zwischen dem besetzten und dem unbesetzten Gebiet bezieht sich nicht mehr auf eine Kontrolle der Pässe. Damit entfällt jede Behinderung des Personenverkehrs zwischen dem besetzten unb dem unbesetzten Deutschland.
„Matin" will wissen, daß seit dem 28. Dezember s i eben I n f a n t i e r i e r e q i m e n t c r aus dem besetzten Gebiet nach Frankreich zurückgekehrt seien. Nach einer Havas- Meldung aus Düsseldorf verlautet offiziell, daß der Generalstab der Besetzunqsarmee in der ersten Ianuarhälfte von Düsseldorf nach M a i n z z u r ü ck v e r l e g t werde, da- gegen werde General Degoutte seine Kommandostelle in Düsseldorf beibehalten. Die verschiedenen Zivilbureaus in Düsseldorf werden umgruppiert und dort bleiben.
Große Rsa?!iisn in SaM^n.
Wie die Dresdener Blätter melden, haben die zur Bildung der großen Koalition in «achten eingeleiteten Verhandlungen zwischen den Parteien zu einem Ergebnis geführt, wonach der frühere Finanzminister H'eldt zum Ministerpräsidenten gewählt werden dürfte. Den Preisenachrichten zufolge wird Heldt das .Kabinett wie folgt bilden: Inneres: Redakteur M ü l l e r »Ehemnitz (SoiJ, Finanzen: Ministerialdirektor Dehne (Dem.), Justiz: Re> .trmnwalt Dr. Kaiser (D. Vp.f, Wirtschaft: Fel lisch ($os.), Arbeit: E lsner lSoz.f, Kultus: Ministerialdirektor Dr. Schul zc. Cb der Landtag nach der Bildung des Kabinetts aufgelöst wird, steht noch
dahin.
Die SnHiheibmm der fraktion zugunsten der OO lition in Sach en ist w e r lautet, keine s w e a s e i linke Flügel der Fr ifH.
hat
Punkt beharrt und au/, d/ mäßigten Genüssen gestimmt.
sozialdemokratischen Landtags- : /er sogenannten großen Koa- anderen Meldung ver- . ü t j g uscandegekommen. Der auf seinem radikalen Standei . en den Beschluß der ge-
Unb sicher ist wohl, daß er auch
in der bevorstehenden Landtagssitzung, die die Wahl und du Vereidigung des neuen Ministerpräsidenten und damit die endgültige Lösung der Kabinettskrise bringen soll, gegen d i e Koaliti-on und gegen den von der Mehrheit aufge- stellten Ministerpräsidentschaftskandidaten und für Auflösung des Landtags stimmen wird.
Poincares Antwort nach Brüssel unterwegs.
Nach Pariser Meldungen hat PoincarS dem Text des französischen Antwortentwurfs auf die deutsche Denkschrift vom 24. Dezember endgültig zuge - st i m m t. Der Entwurf ist im Laufe des Freitags dem französischen Botschafter in Brüssel zugegangen, damit er der belgischen Regierung zur Stellungnahme unterbreitet wird. Der diplomatische Redakteur der Agentur Havas bestätigt nochmals die von ihm bereits veröffentlichten Angaben über dem Inhalt des französischen Antwortenentwurfs und fügt hinzu, daß außer den bereits gewährten Erleichterungen im Verkehr des besetzten Gebietes weitere Maßnahmen, soweit sie durch die Lage gerechtfertigt erschienen, in Aussicht genommen seien. Die ?lufhebung der Aus- und Einfuhrlizenzen werde nicht bewilligt werden.
Amerika gestattet ke ne Kapitalflucht« ttntersuchunq.
Der Washingtoner Korrespondent der New Park World meldet, daß zwischen dem Präsidenten C o o l i d g e, dem Staatssekretär H u g h e s und dem y^ . - - tm Merken Komsfee defi Renaratianskommsssion, Robinson, eine Besprechung über bie Frage einer Untersuchung bei amerikanischen Banken betreffs der Höhe der deutschen Depositen stattgefunden habe. Nach dem Korrespondenten verlautet, daß die amtliche Auffassung dahin gehe, daß eine solche Untersuchung praktisch und rechtlich undurchführbar sei. Nach einer Meldung der Daily News aus Washington hat auch der Schatzsekretär Mellon mitgeteilt, daß die Vereinigten Staaten bei der bevorstehenden Untersuchung unter den Auspizien der Reparationr- kommission zwecks Auffindung des aus Deutschland nach den Vereinigten Staaten ausgeführten Kapitals nicht mit- helfen werden. Mellon erklärte, diese Frage biete unüber- windliche Schwierigkeiten, und er zweifle, ob eine Untersuchung in der vorgeschlagenen Richtung überhaupt erfolgreich sein würde, zumal das ausgeführte deutsche Kapital im Vergleich zu dem in Deutschland befindlichen unbedeutend sei.
Zwischen T^uweier und strenaem Frost.
Hochwassergefahr im Rheinland.
Elberfeld. Während in den Abendstunden des Donnerstag ziemlich mildes Wetter herrschte und später Tauwetter eintrat, ist im Laufe der Nacht wieder starker F r o st eingetreten, so daß sich in den frühen Morgenstunden starkes Glatteis gebildet hatte.
Köln. Die schweren Schneefälle der vergangenen Woche lassen bei dem eingetretenen Witterungsumschlag im Rhein- gebiet Hochwassergefahr befürchten. Von den Nebenflüssen des Rheins, hauptsächlich dem M o s e l g e b i e t, sind bereits Hochwassermeldungen eingelaufen. Reichliche Massermassen gehen durch die Schneeschmelze zu Tal, so daß stündlich mit einem plötzlichen Steigen des Wasserstandes im Rheinstrom- gebiet zu rechnen ist.
Breslau. Die Reichsbahndirektion teilt mit: Wegen Schneeverwehungen ist der gesamte Zugverkehr außer auf den bereits gemeldeten auch auf folgenden Strecken eingestellt worden: Reisicht—Haynau—Goldberg, Schweidnitz—Kober- witz, Heidersdorf—Strehlen. Neiße—Grottkau, Grottkau— Strehlen, Stoßgarben—Neumittelwalde.
Kopenhagen. -Die durch den anhaltenden Frost ein- getretenen Eisschwierigkeiten nehmen nunmehr ernsteren Umfang an. An vielen Stellen an den Küsten sitzen kleinere Schiffe im Eile fest. In dem hiesigen Hafen können Frachtschiffe nur noch mit Hilfe der Eisbrecher ein- und aüs- laufen. Auch in der offenen See beginnt jetzt die (£ i s b U b u n q.
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Reuter meldet aus dem „Sol der Könige" in Aegypten, nachdem es gelungen fei, alle Schreine des Grabmales Tutankhamens
zu öffnen
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trugen, sei man m phag von k oI Arbeit gefkgAi
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