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Hersfelder Kreisblatt

Amtlicher Anzeiger für den Kreis Hersfeld

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Nr. 25

Donnerstag, den 28. Februar

1924

j Bei ihrer Vernehmung haben H i t l e r und Major Weber schwere Anklagen gegen von Lossow erhoben.

Besprechungen über den Abschluß eines deutsch-türki- schen Freundschaftsvertrages werden nächste Woche in Angora beginne«.

Hitler vor dem Volksgericht.

Schwere Anklagen gegen Kahr und Lossow.

In der Nachmittagssitzung des ersten Derhandlungstages gab Hitler, wie bereits gemeldet, einen Ueberblick über seinen Hebenslauf. Seine Partei verfolge zwei Ziele: die Massen- aufklärung und Schaffung einer Sturmabtei­lung mit dem Zweck, den marxistischen Terror zu bekämpfen. Hitler berührte sodann das seinerzeitige Verbot der 14 na­tionalsozialistischen Massenversanrmlungen. . 1920 habe er Kahr kennengelernt, von dem er persönl h den Eindruck eines biederen, ehrenhaften Beamten gewonnen habe; mehr aber nicht. Kahr habe

niemals die eiserne Faust best Jen,

um Ordnung zu schaffen. (Seinerzeit sei ein Grund für das Versammlungsverbot nicht angegeben worden, erst später habe er erfahren, daß diese Versammlungen infolge von Putschgefahr untersagt mürben. In diesem Falle märe es aber selbstverständlich gewesen, daß Herr von Kahr ihn

Hitler sofort hätte verhaften lassen. Kahr aber habe nur die Hitlervertteter begrüßt und eine Erklärung über die Stellungnahme der Nattonalsozialisten verlangt.

Zum Fall Lossow

vertrat Hitler die Auffassung, daß der General damals den Gehorsam seiner vorgesetzten Stelle taffächlich verweigert habe. Lossow hätte aus diesem Konflikt nur als Sieger oder als Gefallener hervorgehen können. Wenn ein General in dieser Stellung seiner vorgesetzten Stelle den Gehorsam verweigere, hann müsse er entweder zum letzten und äußersten Kampf jenfstfjlofsen sein, odererseieingewöhnlicherMeu- terer und Rebell. Er habe damals Lossow erklärt, bas Volk habe erwartet, daß jetzt der Kampf gegen die No­vemberverbrecher mit aller Rücksichtslosigkeit ausgenommen werde, und er habe weiter zu Lossow gesagt, es gebe nur drei Möglichkeiten, entweder den begonnenen Kampf zu Ende zu führen oder aber eine Kapitulation oder, als letzter Aus­weg, sich nach auswärtiger Hilfe umzusehen. Lossow habe das letztere sofort entschieden abgelehnt und auch eine Ka­pitulation als ausgeschlossen erklärt. Also dann Kamps! In dieser Unterredung habe er (Hitler) weiter gesagt, daß nach seiner Meinung

Pöhner als Diktator

in Frage tommen könne, der der einergischste und fähigste Kopf sei. Auf Grund der Verhandlungen in der Sitzung vom 6. November habe Hitler den Gesamteindruck gewonnen, daß Kahr, Lossow und Seißer nicht mehr zurück- könnten. Es sei bestimmt worden, daß Ludendorff als Offizier nichts missen sollte. Die entscheidende Sitzung habe am 6. November stattgefunden. Als Sennin für das Handeln wurde dabei der 8. November bestimmt. Hitler kommt dann auf die

Vorgänge im Bürgerbräukeller

zu sprechen, wobei er hervorhebt, daß seine Leute auf Kahr die Pistole nicht angeschlagen hätten. Was man über Aeuße­rungen Kahrs geschrieben habe, sei unzusannnenhängend. teus aneinandergereiht und zum größten Teile glatt erfunden. Hudendorff erklärte beim Eintreffen, daß er genau io über« stascht sei wie die Herren, daß es aber nun notwendig ie», jeinen Entschluß zu fassen. Kahr erwiderte auf mehrmaliges

. .Befragen:

Meine Herren, wir sind doch alle Monarch-sten. Ich kann nur anneh men im Namen undals Statthalter meines Königs!

Für mich persönlich, so erklärt Hitler, war das gleich. !Für mich galt es nur, das Volk zu befragen, ob es d'.e Mevolution von 1918 anerkennen wolle oder nicht. Ich habe Herrn von Kahr erklärt, daß biefem Umstände nichts im Wege liege, und habe ihm nahegelegt, sofort den

Kronprinzen Rupprecht zu verständigen,

daß diese Revolution nichts sei als nur die Abrechnung mit den Novemberverbrechern. Das allem fei ihr ausschließlicher Zweck. Was hernach käme, das möchte bte Zukunft bringen. Danach hat auch Herr von Kahr eingewil- ligt. Von einer Erpressung kann bei Herrn von Kahr seine Rede fein. Hätte Herr von Kahr nur erklärt, nicht mithin zu wollen, dann hätte ich die Konsequenzen rücksichtslos re- hoaen. Ludendorff selbst hatte keinen Grund, an der Treue der Herren zu zweifeln. Eine Verbindung mit den Herren Kahr, Lossow und Seißer war nicht mehr möglich.

gegen Morgen Oberst Leupold kam, gewannen mir du

Ueberzeugurlg daß Lossow in einem Kreis von Menschen sitzt d:e ihn nrcht loslassen, daß Offiziere um ihn waren, die scho»!

Uebyng im Kokardenwechsel

hatten. Ein Stampf gegen die Reichs- und Po- , war von uns nicht ins Auge gefaßt daher für uns nur zwei Möglichkeiten: Die Sache aus Kuchen herauszuverlegen oder noch einmal zu versuchen, die öffentliche Me»nung zu gewinnen. Bei den» Marsch in die <5.abt sagte mir Scheubner, er fürchte, wir gehen heute den Atzten Gang. Beim Marsch über ben Marienplatz herrschte eine ungeheure Begeisterung, und wir mußten uns sagen, das Volk sei hinter uns, es wünscht, daß die Leute zur Verantwortung gezogen werden, die vor fünf Jahren das ungeteilte Ver- brMien begangen haben. Auch an der Residenz ist der schwache Polizeikordon sofort auseinander gegangen. Die einen riefen Heil, die anderem wußten nicht, was te tun sollten. Hitler gab dann eine Schilde- rung, wre plötzlich der erste Schuß fleffwie er viele Tote und verwundete um sich liegen sah, do sich Polizei in Anschlag, Panzerautos usw. In der Nähe b s Postanites habe er den Wagen bestiegen und dem Fahrer gesagt, er solle ihn zunächst mßerhalb Münchens fahren. In eüem Walde habe ihn ein nitsahrender Arzt untersucht, und dabei habe sich heraus- gestellt, daß er keinen Steckschuß an der linken Schulter davon- getragen habe, sondern infolge des Sturzes einen Schlüsselbeinbruch. Nach meiner Ankunft in Uffink Dar ich körperlich und seelisch niedergeworfen. Am Schluß einer mehr als vierstündigen Ausführungen erklärte Hitler:

»Ich kann mich nicht schuldig bekennen. I ch b e - kenne mich zur Tat. Schuldig bekennen des Hochverrats kann ich mich nicht. Es gibt keinen Hochverrat bei einet Handlung, die sich gegen den Landesverrat von 1918 richtet. Im übrigen kann ein Hochverrat nicht in der alleinigen Tat vom 8. »nd 9. November liefen, so >>ern höchstens in den Gesinnungen und Handlungen der Wochen und Monate vorher. Wenn wir schon Hochverrat ge­trieben haben sollten, dann wundere ich mich, daß die, die damals das gleiche getrieben haben, nicht an meiner Seite sitzen. Ich muß jede Schuld ablehnen, solange nicht meine Um­gebung hier Ergänzung findet durch jeneHerren, die mit uns die Tat besprochen und sie begeistert vorbereitet haben. Ich fühle mich hier nicht als Hochverräter, sondern als Deutscher, der das Beste gewollt hat für sein Volk."

Vorsitzender: Sie haben sich so ausführlich ge- iußert, daß ich nur noch wenige Fragen zu stellen habe. Wußten Sie, daß die Minister verhaftet wurden?

Bitter: Jawohl!

orsitzender: Warum ist das geschehen?

Hitler: Es sollte Herrn v. Kahr sein Entschluß r l e i ch t e r t werden dadurch, daß ihm die Schwierigkeiten xr testen Auseinandersetzung beseitigt wurden. Es handelte ich nur darum, vollendete Tatsachen zu schaffen. Die Minister sollten am nächsten Tage wieder befreit werden.

Vorsitzender: Haben Sie die Zerstörungen in der ..Münchener Post" angeordnet?

Hitler: Von den Zerstörungen ist mir Mitteilung ge° nacht Borden, und ich habe der Polizeioirektion angeboten, Bettie aufzustellen, die derartige Vorgänge verhindern sollten, von Mn Vorgängen in der Wohnung des Abg. Auer habe ich eicht« gewußt.

Vorsitzender: Wie steht es nun mit den anderen

anlaß: habe. Demonstratt

Verhafteten?

Hitler: Die sind uns gebracht worden. Es wäre aber unnröglich gewesen, sie gleich freizulasten, da sie sonst von der Menge auf ber Straße er plagen worden wären. Auf weitere Fragen des Vor-^ Iamben erklärte Hitler, daß er die Gelderbeschlagnahmen ver- - - ' Er und Subtil borst stellten sich an die Spitze des ______....rationszuges. Er habe nicht den Befehl erteilt, daß geschossen werden sollte Seinen Leuten sei der Befehl gegeben

worden, zu entladen.

Vorsitzender: Wie haben Sie sich dann die weitere Entwicklung vorgestellt?

Hitler: Wir erwarteten, daß eine ungeheure nationale Welle in ganz Deutschland losbrechen würde und daß wir durchgreifende wirtschaftliche Maßnahmen durchführen 'könnten. Die Entwicklung in Berlin »nutzte gefördert werden, wenn in München schon vollendete Tatsachen bestanden. Wenn General von Seeckt die Absicht hatte, von sich aus loszu­schlagen, dann mußten die Ereignisse in München die Entwick­lung in Berlin beschleunige,:. Wenn Lossow und Kahr nicht umgefallen wären, dann hätte man am nächsten Tag in Berlin vor der Frage gestanden: Was nun?

Erster Staatsanwalt Stenglein stellte fest, daß die Staatsanwaltschaft heute zum ersten Male eine eingehende Vernehmung Hitlers gehört hat, der in der Voruntersuchung nur kurze Erklärungen ab- uab und eine Denkschrift in Aussicht gestellt hat. die die Staats anwaltschaft bis heute nicht bekommen hat. Alles weitere wird die Zeugenvernehmung ergeben vor allem hinsichtlich der Vorwürfe, die Hitler gegen Kahrl Los - sow und Seißer erhoben hat. Damit schließt der erste Verhandlungstag.

Der zweite Verhandlungstag.

Gleich zu Beginn des zweiten Verhaublungstages in i Hitlerprozeß wurde aus den Reihen der Verteidiger an Hitle, !me Frage gestellt, ob zu irgendeinem Zeitpunkt eine Be­sprechung stattgefunden habe, in der davon die Rede gewesen sei, das Diktatorium Hitler-Ludendorff als Konkur -

gegen Kahr, Lossow und Seißer ^..^siPicht zu nehmen. Hitler antwortete auf diese Frage Nein. Auf die Frage der Staatsanaltschast, ob Hitler am 8. Icovember

die erste Stelle in Deutschland

habe erreichen wollen, erklärte Hitler, es habe sich damals in München und Bayern darum gehandelt, Revolution zu umchen, er habe ausdrücklich nur erklärt:Den politischen Kampf führe ich." Darauf trat das Gericht in die Verneh­mung des Angeklagten Dr. Weber ein, des Vorsitzenden des Bundes Oberland, der zunächst Angaben über die jZiele dieses Bundes machte. Die Ausführungen des Ange­klagten endeten in der Feststellung, daß der Kampfbund sich von jeder Parteipolitik ferngehalten habe. Auf Befragen des Vorsitzenden erklärte Dr. Weber: Wir haben nie daran ge­glaubt, daß Reichswehrttuppen gegen uns schießen würden. Es konnte unserer Meinung nach höchstens zu kleineren Widerständen sozialistisch-kommunistischer Truppen in Sachsen . und Thüringen kommen.

Vorsitzender: Wurde am 7. November vereinbart, daß Ludendorff nicht unterrichtet werden solle, bamit er freie Hand habe?

Weber: Es ist am 7. November vormittags oder mit­tags vereinbart worden.

Vorsitzender: Die grundlegende Besprechung am 6. November war im Generaisiaatskommissariat. Was hat Herr von Kahr dort vorgetragen?

Weber: Kahr meinte, dass zur Lösung der deutschen

Frage die normalen Wege erschöpft seien. Es müsse mit allen Mitteln der anomale Weg vorb reitet werden.

^^.«WHM - politische Massnahmen notwendig. Es wurde tn Bälde soweit sein. Der Sinn der Aussührungen Kahrs war der, dass er entschlossen sei, die schwarzweissrote Frage von Bayern ans ins Rotten zu bringen. General v. Lossow führte aus, dass die Reichswehr un- bedingt hinter dem General st aatskom- m r s s a r stände und dass sie entschlossen sei, jede Weisung von ihm zu befolgen, dass er als bayerischer Landeskomin^ndant entschlossen sei, jeden Staatsstreich m i r z u m a di e n , und zwar hauptsächlich auS dem Grunde, weil der Erfolg 51 Pr» zerrt der Wahrscheinlichkeit habe.

' , .. Weber führte barm weiter aus, daß er sich vom Biirger braukeller weg in die Pionierkaserne begeben habe, wo Oberlandbataillon unter Herrn von Müller zurückgehaltes worden war. Miiller hatte den um 8% Uhr zu eröffnender» schriftlichen Befehl, die Bahnhofswache zu übernehmen, ein mal, um dort die Ordnung aufrechtzuerhalten, und vor allen um das Ostgesindel mit feinen Devisenbün» dein an der Abreise zu verhindern. Der Singe klagte schilderte dann den weiteren Verlauf der Vorgänge in der Nacht vom 8. zum 9. November.

Vorsitzender: Ist es richttg, daß schon zwischen 1 und 2 Uhr Gerüchte über eine andere Stellungnahme der Herren Kahr, Lossow und Seißer austauchten? Weber: Ein Offizier hat uns solche Gerüchte zugetragen. Luden- dorff hat es sich daraufhin aber verbeten, daß solche Andeutungen gemacht würden, und habe er- " klärt: Ein deutscher Offizier bricht sein WorH nicht!

Bors.: Wann haben Sie nun eine zuverlässige Mt- teilung über die Stellung Kahrs usw. erhalten? Weber: Eine zuverlässige Mitteilung haben wir niemals erhalten. Die erste zuverlässige Meldung war die, als an der Feld- Herrnhalle auf uns geschossen wurde. Ein Oberleutnant der Landespolizei habe einem Mann den Kara­biner entrissen und ihn einem der völkischen Fahnenttäger auf die Brust gesetzt. Der Fahnenttäger habe den Karabiner mit der Fahnenstange bei Seite gestoßen, und dadurch sei der erste Schuß losgegangen. Kurz darauf sei ein Mann der national­sozialistischer» Abteilungen vorgesprungen und habe gerufen: Nicht schießen! Ludendorff ist vorn!" Gleich barauf sei dieser Mann von einer Kugel getroffen nieder- gestürzt; er war der erste Gefallene.

Einer der Verteidiger stellte die Frage, ob den Angeklagten etrvas davon bekannt sei, daß im Ok­tober Personalverfügungen des Reichs»

wirr.",

wehrministeriums in Bayern nicht durch-- geführt wurden. Weber: Jawohl! Das ist; mir bekannt. Es ist wiederholt vorgekommen, daß von Berlins verfügte Personalveränderungen von Lossow abgelehnt den. Wir mußten aus all dein den Eindruck gewinne» die Weimarer Verfassung für Bayern überhaupt nicht urehr bestand, daß die

gewinnen, daß

Weimarer Verfassung von Bayern außer Kraft z | gesetzt worden war. Am 6. November, bei der Besprechung im Generalstaatskommissariat, hat Kahr ausdrücklich gesagt, daß die Vorbereitungen ziemlich restlos ge?