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Hersfelder Kreisblatt

Amtlicher Rnreiger für den Kreis Hersfeld

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Nr. 27

Dienstag, den 4. März

1924

der Zwekampf MecLenald - Voiecaree.

Der enalische Ministerpräsident Macdonald setzt den Kampf um die Wiederherstellung des Friedens in Eu­ropa energisch fort und scheut sich auch nicht, wie der so­eben veröffentlichte neue Briefwechsel zwischen Macöo- nalö und Poincaree beweist, sich in Offensivstelluna zu begeben. Er will mit allen Mitteln versuchen, dem ge- genwartigen Zustande, der alles andere als ein fried­liches Zusammenarbeiten der europäischen Völker ist, ein Ende zu machen. Den Schwerpunkt in diesem eu- ropischen Wirrwarr bildet das friedlose Verhältnis zwi- schen Deutschland und Frankreich, das in den machtvoli- tischen Aspirationen der französischen Machthaber sei- nen Grund hat. die die Wehrlosiakeit Deutschlands zur Aufrichtung der unumschränkten Herrschaft Frankreichs über Deutschland und damit in Europa benutzen wol- lem Ohne Umschweife und in unzweideutiger Weise sagt dies Macdonald in seinem Briefe auch Poincaree und weist auf die schwere Besorgnis hin, die das eng­lische Volk über die Ziele der französischen Politik er­füllt. weil sie die englische Machtstellung auf dem Kon­tinent schwer gefährden. Macdonald verschweigt auch nicht, daß die französische Politik mit den Bestimmun­gen des Versailler Vertrages nicht im Einklang steht, der gerade von französischer Seite als ein sakrosanktes Instrument hingestellt worden ist. an dem nicht gerüt­telt werden dürfe. Und doch setzt sich Frankreich über diesen Vertrag glatt hinweg, indem es, wie Macdonald Poincaree erklärt, Ziele verfolgt, deren Verwirklichung ihm bei den FriedensverhanSlungen von den Alliier­ten versagt worden ist. Auch Macdonald bestätigt hier wieder, daß Frankreich bei seiner Politik Deutschland gegenüber nicht von den Grundlagen und Bestimmun­gen des Versailler Vertrages ausgeht, um seine Ver-' nichtungspläne durchzusetzen. Was Poincaree auf diese! sehr deutlichen Vorwürfe zu antworten weist, ist nichts j Neues. Er wiederholt seine Erklärungen, die er im-! mer abgegeben bat, wenn er gezwungen wurde, seine > Gewaltpolitik gegen Deutschland vor der Welt zu ver-i leidigen. Was die logische Schlußfolgerung und der Erfolg seiner Politik sein müssen, bestreitet er, seine Absicht zu sein und als Ziel seiner Politik zu verfolgen. Nur als einzige positive Verteidigung seiner SoiW »Mi*ft^^ w'üen. Gewiß mag ihm sein Gewissen keine Ruhe las­sen. das soll nicht bestritten werden, aber für die deutsche Friedensliebe sind durch konkrete Vorschläge für die Sicherung Frankreichs von deutscher Regie- rungsseite schon Beweise genug gegeben worden, daß diese Argumentieruna Poincarees nur eine Verlegen-- heitsphrase ist, mit der er seine wahren Absichten zu verschleiern sucht. Die Antwort Poincarees wird denn auch in der englischen Presse mit unverhohlenem Miß­trauen ausgenommen. +

Srieswechfel MecdoaM - Voincaree.

Englands Besorgnisse, Poincarees Beschwichtigung.

»-«-Aus Paris wird gemeldet: Am 21. Februar hat Macdonald an Poincaree einen Brief gerichtet, der jetzt veröffentlicht wird. Darin sagt er vor allem, daß in England das Empfinden weit verbreitet sei, daß Frank­reich entgegen den Bestimmungen des Versailler Bev- trages eine Lage zu schaffen versuche, die ihm das ver- schaffen soll, was es während der Friedensverhandlnn- gen bei den Alliierten nicht habe durchsetzen können. Was die Reparationen anbelange. so habe die Oefsentlichkeit in Frankreich eine weitere Enttäuschung erlebt. Weder die so gut wie unbegründeten Hoffnungen, die der Sieg habe entstehen lassen, noch die im Jahre 1921 erfolgten Schätzungen ständen in dem richtigen Verhältnis zu den wirtschaftlichen Zuständen. So sei es gekommen, daß die Bevölkerung unseres Landes mit Besorgnis deu von Frankreich gefaßten Entschluß betrachte, Deutschland zu­grunde richten und auf dem Festlande zn herrschen ohne Rücksicht auf unsere vernunftmätzigen Interessen. Im übrigen wiederholt Macdonald, daß eine Heilung der eu­ropäischen Verhältnisse nur dann möglich et, wenn Frankreich und England in voller gegenseitiger Snm- pathie für die gegenseitigen Bedürfnisse und unter kluger! Berücksichtigung der Interessen der gesamten Welt ge= meinsam vorgehen.

Poincaree erklärt in seinem Antwortschreiben, daß er niemals die Absicht einer Hegemonie gehabt hätte, daß in ihm kein Hintergedanke nach einer kontinentalen Su­prematie bestanden habe. Die militärischen Rüstungen Frankreichs richteten sich lediglich darauf, den Revauche- gedanken in Deutschland niederzuhalten.

Englisches Mißtrauen.

»-^DerDaily Telegraph" schreibt zu diesem Brief­wechsel zwischen Macdonald und Poincaree: In diesen beiden Briesen sind viele gute Absichten. Der versöhn­liche Geist des englischen Premierministers ist bewun­derungswürdig. Wenn er aber erklärt, daß die Pro­bleme der Ruhr, des Rheinlandes und der Pfalz wohl wichtig, aber nicht grundlegend seien, so ist man versucht, hinznzufügen,nur unter der Bedingung, daß Frank­reich nicht beabsichtige, seine Aktion in den besetzten Ge- dictn auf alle Zeiten audauern zu lassen".

HitlerLudendorff-Vrozetz.

Die Vernehmung des Leutnants Wagner.

- >* München. Die Woche beginnt mit Erklärungen, die geeignet sein sollen, die Aussagen verschiedener Ange­klagten über das Verhalten der Reichswehr besonders!

der Reichswehroffiziere zu erläutern. Vielfach werden die Aussagen abgeschwächt. So will Stativiwann Röbm die Mannschaften und Unteroffiziere mit feinen Aus­sagen in keiner Weise getroffen haben. Der Verteidiger Kohl will aus dem Schietzreglement der bayerischen Schutzpolizei eine besondere Verantwortlina Seissers für die Schießerei am 9. November heraus konstruieren. Rechtsanwalt Kohl fordert die Verhaftuua von Kabr, Lossow. Seisier und Leutnant Godin. Weiter beantragt er die Vernehmung des gesamten bayerischen Staats­ministeriums sowie die Vernehmung einer großen An- zahl von Abgeordneten und endlich die Hinzuziehung des Forstrats Escherich, des Organisators der bayeri­schen Einwohnerwehren. Der Staatsanwalt lehnt mit dem Hinweis darauf, daß er wüßte, was er zu tun habe, die Ratschläge Kohls ab. Es wird sodann d.e Verneh­mung der Angeklagten fortgesetzt.

Als achter Angeklagter hat sich der Lehrer der Jn- fanterieschule, Leutnant Wagner, zu veranlwvrten. Er ist nach einem Zeugnis ein aufrichtiger selbständiger Charakter. Der Angeklagte erklärt, daß der wegen ict= nes Meuterns schon damals von der gFichareaierung heftig angegriffene General von Losiorv m der Ju au- terieschule mit Bork verglichen wurde Werter mbt^ er, an, daß General von Losiow auf Huldigr ngeu her fanterieschule. die ihm fw^^

macht wurden, mit Putschverrprechen antwortete Auch er verteidigte sich damit, daß tn oem Verhalten des da-, maligen Generalstaatskommtzsar s von KaSr nnö des, Generals von Losiow offene Meu erer gegen das Reich lag und jedermann annehmen mußte, d,e Reichs- verfasiuna für Bayern annulliert m. und dan >b e Be- stmununaen keine Gültigkeit mehr außen.

Marx gegen LudenSorff.

| . Zurückweisung der Angriffe gegen das Zentrum.

Plenarsitzun^saale des Reichstages fand eine Veranstaltung des Volksvereins für das katholische der Reichskanzler Dr. Marx und I-r»Z-^bitsmmtster Dr. Brauns sprachen. Der Reichskanzler bezeichnete es als nationales Verhäng- ms, daß weite Kreise dem neuen Staat terlnaümslos . oder gar feindlich gegenüber ständen. Es sei gewissen- ßüöanoist au machen. Dw^uiiüm von 1918 sei ^^ aroßes Unrecht gewesen. Seit Mitte 1919 bestehe aber wieder eine Verfassung. Der neue Staat habe seitdem eine unbestreitbare Rechtsgrund­lage. Wer diesen Staat durch Putsche oder gewaltsame Handlungen beseitigen wolle, sei ein Hochverräter. Der Reichskanzler beschäftigte sich im weiteren Verlauf sei- mer Ausführungen mit der völkischen Bewegung, die er als verhängnisvoll bezeichnete. Der Sieg der völki­schen Idee in ihrer krassesten Auswirkung bedeute den Kriea aller gegen alle, die Zerfleischung des Volkes. Zum Schltttz wandte sich der Reichskanzler scharf gegen die Ansführungen Lndendorffs gegen die dentschen Katholiken «ud wies diese Angriffe als Berlenmduu- gen zurück.

Reichsarbeitsminister Dr. Brauns beschäftigte sich gleichfalls ausführlich mit den Erklärungen Ludendorsss und betonte, daß wahrscheinlich ganz Oberschlesien an Polen gefallen wäre, wenn die Zentrumspolitik dies nicht verhindert hätte. Auf die wirtschaftliche Lage ein­gehend, erklärte der Reichsarbeitsminister, die Zahl der von öffentlicher Unterstütznng Lebenden bet age g -- genwärtig insgesamt 15 Millionen, die Zahl d^r Ar­beitslosen im ganze» 8 Millionen.

Dr. Heim zu den Vorwürfe« Ludendorsss.

M1 München. Einem Mitarbeiter der Münchener Neue, sten Nachrichten erklärte Dr. Heim zu den von Ludew öorff über ihn gemachten Aeußerungen u. a., er hab« seit 1920 alle Beziehungen zu dem Grafen Bothmer ab­gebrochen. Der Briefwechsel mit Bothmer habe in feinen Umfange den Gerichtsbehörden vorgelegen. Er könn« restlos veröffentlicht werden. Er (Heims sprach niemals mit jemand über die Idee einer Donau-Monarchie. Sun Falle Ludendorff" erklärte Dr. Heim, als Kahr ihm seinerzeit mitgeteilt habe, daß Ludendorff nach Bayern kommen wolle, habe er unter der Voraussetzung zuge­stimmt, daß Ludendorff sich nicht in die innerbayerische Politik einmische, worauf Kahr erklärte, der General habe ihm eine entsprechende Zusicherung gegeben. Schließlich ersuchte Dr. Heim seine polstischen Gegner, seinen Kanten aus der Politik zu lassen, bis er wieder, sobald ihm dies sein Gesundheitszustand gestatte an der Hand des Materials Rede und Antwort stehen könne, um zu beweisen, daß die Dinge anders liegen, als es nach aus dem Zusammenhang gerissenen einzelnen Sätzen scheme.

Deutscher Tag ?n Jena.

w Mit Genehmigung der neuen thüringischen Landes­regierung veranstaltete am Sonntag der Jungst'.'nu einen Deutschen Tag in Jena. Als Redner waren Ge­neralfeldmarschall von Hindenburg, von Mackensen und von der Goltz angekündigt worden, von denen aber nur der letztere erschienen war. Von den Kommunisten we= ren Gegendemonstrationen geplant, von denen aber d e Polizei rechtzeitig Kenntnis erhalten hatte. Trotz aber Maßnahmen kam es aber in verschiedenen Stabs*eilen zu Zusammenstöße«, bei denen es Verwundete aw. Eine große Anzahl Kommunisten würben festgenommen, darunter ein Landtagsabgeordneter, der aber .wieder freigelasien wurde, als er sich auf seine Immunität m- rief. Mehrere Verwundete wurden ant den Rettungs­

wachen verbunden oder ins Krankeuhdus ei ni - ert. Die Tagung selbst verlief ohne Störung, von iVr Goly wurde von dem Leiter der Landespolizei Oberst Mistter- Brandenburg begrüßt. Er hielt eine Ansprache, die mit den Worten schloß:Auf Wiedersehen bei der zwelien Schlacht von Leipzig!" Der Abmarsch der Jungst urm- leute verlief unter starkem polizeilichem Schutz ohne Störung.

Die Gegensätze in der Sozialdemokratie.

Am Sonntag fand im Reichstag der Bezirkspartei- tag der Berliner Sozialdemokratie statt, auf dessen Ta­gesordnung u. a. die Aufstellung der Kandidatenliste für die kommenden Reichstggswghicn stand. IM Verlaufe der Aussprache kam es zu antzerorventttch erregte» Szenen, wie sie in der Geschichte der Svztaldemokratle kaum noch zu verzeichnen siud. Die Linke hatte auf dem Parteitag von insgesamt etwa 500 Stimmen eine Mehr­heit von 40 Stimmen und vermochte alle ihre Kandi-^ baten an die Spitze zn rücken, während die Kandidaten^ des rechten Flügels an aussichtsloser Stelle standen. Die Kandidaten des rechten Flügels lehnten daraufhin die Wahl ab. Um die Partei an dieser Frage nicht zer­brechen zu lassen, beantragte Erispien die Vermittelung des Parteivorstandes. Die Versammlung ging ichtleß- lich ohne Ergebnis auseiilanöer.

Verpfändung des Thorner Forstes an Frankreich.

Die polnische Regierung hat einen Gesetzentwurf eingebracht, der sie ermächtigen soll, die Staatsforsten der Thorner Forstdirektion an Frankreich zu verp'anden als Sicherheit für die im Dezember bewilligten 400 Millio­nen Franken Rüstungskxedite.

Die belgische Regierungskrise.

»si Wie aus Brüssel gemeldet roitd. empfing der König den katholischen Avgeordnetei! Renkin und den libera­len Bürgermeister von Trüffel, Max. Nach der .Jnde- pendance belaiaue" soll ein Kabinett Francani Aussicht auf Unterstütz! ma der Le tut inten gaben, selbst wenn diese nicht in das Niin stminm eintreten.

M^MM».MWReichsfinanzmiuister hat sich nnftmehr W Prinzip bereit erklärt, dem Gedanken einer Erhö- huna der Beamtengehälter für das zweite Quartal 1924 näher zu treten.

Keine weitere Prägung von Reutenmarkgelb.

»^Berlin. Der Gedanke, Hartgeld in höherem Ren- ternnarkbetraae ausprägen zu lassen, ist auf Borschlaa der Rentenbank vom Finanzminister fallen gelassen worden.

Eröffnung der Leipziger Messe.

^ Leipzig. Die Leipziger Messe ist Sonntag vormittag eröffnet worden. Gleich nach der Eröffnung der Messe setzte der Massenverkehr der Käufer außergewöhnlich stark ein. Bereits in den Mittagsstunden betrug die Zahl der Kaufbesucher auf Grund der ausgegebenen Ein­kaufsabzeichen und Ausstellerkarten über 120 000, ein bisher noch auf keiner Messe erreichter Rekord.

Die belgische Kabinettskrise.

bei­der

«-»-Paris. In der Frage der Bildung des neuen gischen Kabinetts sprechen die Pariser Blatter von Möglichkeit einer neuen Regierung Theums. Dem­gegenüber teilt jedoch dasEcho de Paris" mit, daß ein Ministerium Renkin im Vordergrund stehe, das tue Si- cheröeitsfraae für die wichtigste halte.

Zum Briefwechsel Macdonald-Poincaree.

^ Paris. Zu der Veröffentlichung des Schriftwechsels Macdonald-Poincaree betonen die Blätter, daß zwischen England und Frankreich erst die Einleitung einer aus­sichtsreichen Unterhaltung durch die Schaffung einet Atmosphäre des Vertrauens gelungen sei, aber bereits hier seien die Aussichten für die Lösung der Probleme sehr günstig.

Ausweisung der Familie des Kalifen.

m> Konstantinopel. Meldungen aus Angora zufolge liegt der Nationalversammluna ein Gesetzentwurf vor, Spy gezweckt alle Ntitalieder der Familie des Kaltzen aus dtt Türkei auszuweisen und zwar innerhalb von 10 Tagen. Die Annahme des Gesetzentwurfes gilt als gesichert Anderen Meldungen zufolae werden die SRif« glicht Familie zu Schiff nach Aeauoten gebracht werden.

Der da'uische Arbeitgeberverein hat 40 000 Arbeiter» vom 8. März ab gekündigt. 2 ,

Der Zweckverband der Metallindustrie in Düssel­dorf hat mit der Micum und der Rheinlandkommissio: je 17 Zollermätzigungsverträge abgeschlossen.

In den norwegischen Städten Stavanger und Dront- Heim kam es zu schweren Streikkrawallen.

»^-Der Präsident der türkische« Republik forderte in einer Rede in der Nationalversammlung das Parla­ment auf, dem Lande eine gesunde Verwaltung zu ge­ben. die den nationalen Notwendigkeiten entspreche.

wftn der Tertilindustrre des Lodzer Bezirks ist von allen Gewerkschaften der Generalstreik vroklamiertwor- den, nachdem die Arbeitgeber die 34prozentige Zulage für die Akkordarbeit abgelehnt haben.

w Das österreichische Bundeskanzleramt hat mit der Leitung der Wiener Messe vereinbart, daß allen mit Messcauszeichnungen legimitierten Besuchern der Wie­ner Frühjahrsmesse vom 10. März bis zum 31. März die Einreise nach Oesterreich gegen Erstattung der hal­ben Sichtvermerkgebühr bei ehrenamtlicher Tätigkeit auf der Wiener Messe ermöglicht werde.