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Hersfelder Kreisblatt

Amtlicher Anzeiger für den Kreis Hersfeld

Erscheint Dienstag, DoaaerSlaMunb Gounabeuv. Der Bezugspreis beträgt monatlich 1. Golbmart / / Anzeigen preis für die einspaltige Petitzeile ober bereu Raum 10 Dia., für amtliche und auswärtige Anzeigen IS Ma. Reklamezeile 50 Pfg. / / Druck a. Verlag von Ludwig Funks Buchbruckerei in Hersfelb.

Mitglied des DerelaS Deutscher Zeltaags-Derleger. / / Für die Gchrlftleitoag verantwortlich Franz Funk in Her-feld. / / Fernsprecher Nr. 8.

Nr. 29 Sonnabend, den 8. März 1924

Im englischenUnrerhausist die H e r a b s e tz u n - der Ausfuhrabgabe auf 5 Prozent gebilligt worden.

Der R e i ch s t a g wird noch vor Mitte nach st er Woch, das Gesetzüberdie Goldnotenbank erledigen.

In Marokko sind 600 Spanier in die Hände der R i f p i r a t e n gefallen.

Wochenrü^-sick.

Im Reichstag pflegt man bei allen möglichen Gelegen- yetteir zum Fenster hinauszureden und nur Harmlose nehmen an, die ellenlangen Ausführungen bezweckten, den Gegner zu überzeugen. Aber so unverhohlen wie in der jetzt im Gange befindlichen großen politischen Aussprache ist selten das Be­streben zutage getreten, auf die Masten zu wirken. Jede Rede eine Wahlrede; das trifft auch auf die Herren Ressort- miuister zu, die der Reichskanzler aufmarschieren läßt, und -ruf ihn selber. Daß den Notverordnungen trotz der gegen ie eingebrachten 54 Anträge ein Härchen gekrümmt werden vird durch diese Angriffe, glaubt kein Mensch. Hin und -nieder wird der eine oder andere Punkt der Tagesordnung oehandelt, im übrigen wird temperamentvoll gegeneinander losgegangen, immer mit Rücksicht auf die Wirkung nach außen, und diese Kämpfe scheinen ihren Höhepunkt in dem scharfen Wortgefecht zwischen dem Deutschnationalen Dr. 9 elsferich und dem Außenminister Dr Stresemann erreicht zu haben. Da rang ein Pessimist mit einem Op- imiften, einer, der zwar den Silberstrerfen am Horizont sieht, wer darüber auch die Gefahrwolke eines neuen schlimmeren Versailles, mit einem gewandten Debatter, der, in die Ver- eidigungsstellung gedrängt, es nicht an scharfen Ausfällen -W en l Aj^^eineAEndimma,. die o k-S- ofene Gold- rote nv a n k werde demnächst dem Reichstag- m Gestalt einer Vorlage zugehen, ist als positives Ergebnis' Dieser Aus-

nnanderietzung zu buchen, nur fragt es sich, ob die in letzten Zuckungen liegende Volksvertretung noch die Kraft zur Der- wschiedung des Gesetzes aufbringen wird.

Jedenfalls muß, bevor die Auflösung über den Reichs- ng hereinbricht, der Notetat erledigt werden. Ein- zewcihte wollen wissen, daß dies bis zum nächsten M i t t - voch geschehen wird. Alsdann schließt das Hohe Haus iller Wahrscheinlichkeit nach seine Pforten, und das Rätsel- uten über den Wahltermin wird dann wohl auch bald sein Enbe finden. Indessen wäre zu erwägen, ob der Reichs- iräsident Ebert seine Unterschrift unter das Auflösungsdekret ,u setzen geneigt ist; die Befugnis, die Auflösung auszu- prechen, hat er dem Reichskanzler Marx bei der Berufung ruf seinen Posten, nicht erteilt. Doch scheint das Hervor- zeben eines derartigen Bedenkens mehr theoretischer Art zu ein. Wie der Gang der Beratungen zeigt, befindet sich der Reichstag bereits in vollster Auflösung.

Aber auch die Sozialdemokratie. Den Niederlagen der Partei in Thüringen, Mecklenburg und in anderen Ländern ist die in Hamburg gefolgt. Unter dem Eindruck dieser Be­triebsunfälle trat der Berliner Bezirksparteitag zusammen and lieferte ein Bild von Verworrenheit, das einer schweren Krisis gleichkommt. Die Verschmelzung der Mehrheitssozia- listen mit den Unabhängigen hat sich als grober Fehler her­ausgestellt; der kleine Bruder nimmt den großen unter die Fuchtel, und bei der Aufstellung der Kandidatenliste für die Reichstagswahlen besetzte der linke Parteiflügel fast alle aus­sichtsreichen Kandidaturen mit seinen Anhängern, nur 2 Mehr- Heitssozialisten fanden als Spitzenkandidaten vor den Radi­kalen Gnade, so daß der rechte Flügel sich entschloß, sämt­liche Kandidaturen ab zulehnen. Nun ist zwar damit nicht das letzte Wort gesprochen und der Parteivorsiand muß versuchen, einen Mittelweg zu finden. Aber es scheint, als wenn der Radikalismus sich keinem Diktat fügen will, und in anderen Städten liegt die Sache nicht anders. Z. B. in Harburg, wo der sozialdemokratische Oberpräsident von Hannover, Roske, von den Berliner Genossen als Spitzeln kandidat verworfen wird. Das ist eine Demonstration, viel- leicht von Harburger Elementen bestellte Arbeit, nur ist der Vorgang als Symptom zu markant, um mit Stillschweigen Übergängen zu werden. Das vom Abgeordneten Dr Helfferick prophezeiteneue, schlimmere Versailles" wird jetzt burd die dem deutschen Botschafter in Paris, Hoeich, übergebeni Botschafternote deutlich erkennbar. Die an die'er Stell! schon erwähnten Forderungen (Reorganisation der Schutz volirei Umstellung der Fabriken auf Friedensleistungen. Aus lieferung statistischen Materials, Ein- und Ausfuhrverbo von Kriegsmaterial usw.) rechtfertigen alle bereits gehegt« B-strchtung-n und smd -in- i« am tote B-rg-m-I tiauna Deutschlands, ern dem franzosttchen Ueber aus dem Präsentierteller von MacDonald überreichte; Geschenk So sieht der von der deutschen So;iaidemok'.ati. in den Himmel gehobene englische Arbeiterführer anst Dm

orthodoxeste englische Deutschenhasser hätte Poincarä sei) größeres Entgegenkommen auf Kosten Deutschlands erweise» können. Wie zur Zeit der Friedensverhandlungen wird mit Deutschland im Tone des Diktats gesprochen, werden felbp durch den Vertrag von Versailles verbürgte Reste, die Rest» der deutschen staatlichen Selbständigkeit, mit Füßen getreten Was wir nach dieser Probe von einem (Eintritt in den unter französischer Flagge segelridem Völkerbund zu erwarten haben, braucht nicht gesagt zu werden.

Die Unglückspropheten, die von der Aufhebung des Kalifats einen Sturm der Empörung erwarteten, sind vorläufig nicht auf ihre Rechnung gekommen. Kein Sohn des Tydeus hat für den überwundenen Mann gezeugt; die Großmächte haben die vollendete Tatsache stillschweigend hin­genommen, denn sie ermangeln aller Qualitäten, sich als Glaubensschützer aufzuspielen, und wenn Emir Ali, der Führer der indischen Muselmanen, wie er durch die Tiares verbreiten läßt, von der Verabschiedung der Dynastie Osman als Inhaberin des Kalifats eine Katastraphe für die Zim- lafition und den Islam befürchtet, so überschätzt er die Be­deutung einer Einrichtung, die, als religiöse Kampforganisa- tion gedacht, mit dem Aufgeben dieser Mission sich längst selber aufgegeben hat. Der Islam fegte wie ein Orkan bis tief in die christliche Welt hinein, pflanzte in Budapest wie in Granada den Halbmond auf und wurde zurückgeworfen. Seitdem hat im Laufe der Jahrhunderte die vom Propheten befohlene Ausbreitung seiner Lehre sich verflüchtigt. Die Hristlichs Zivilisation hat ihr das Wasser abgegraben und die mf den Koran eingeschworenen Völker sind wohl fanatische Moslems geblieben, aber sie betatigen sich nicht mehr aktiv im Sinne ihres Religionsstifters. Andere Zeiten, andere Sitten: die Aufhebung des Kalifats schließt das Anerkenntnis der Gleichberechtigung aller Religionen in sich.

P.C

Das Gorvvanigney w

Am Sonnabend wird der Reichstag keine Plenae- ßtznng abhalten, dafür wird der Haushaltungsausschuh ßch mit der Goldnotenbank beschäftigen, und es ist st» erwarten, -ah Reichsbankpräfident Dr. Schacht aus. jährlich die Richtlinien dieser Goldnotenbank Vorfragen vird. Am Dienstag wird der Gesetzentwurf über die Voldnotenbank und das Postfinanzgesetz in erster Le- jung zur Beratung stehen. Es wird gehofft, am M i 11 voch und Donnerstag diese Beratung in zweiter und dritter Lesung zu Ende zu brin» tau Damit hätte der Reichstag.seine Arbeiten b«ndet.

Wie wir hören, ist es nicht unwahrscheinlich, daß die Mittelparteien von der Regierung verlangen werden, daß sie ihrerseits den Reichstag auflöst, doch ist auch hierüber noch keine vollständige Einigung erzielt worden.

PoitKore drohi mit dem Aückintt.

Poincar4, der kommenden Montag von der Finanz- kommission des Senats in der Angelegenheit der E r m ä ch . tigungsgesetze gehört werden sollte, hat sich am Don­nerstag in Begleitung des Finanzministers unerwartet am Palais de Luxembourg eingefunden. Er verlangte auf bet Stelle, von der Kommission angehört zu werden. Im Ver­laufe einer kurzen, aber leb^ften Unterredung erklärte Poincars, er bestehe auf der Ratifizierung sämtlicher von der Kammer angenommenen Dekrete Falls die Staatskommission ihre Arbeiten nicht für kommenden Dienstag erledigt habe und keine Gelegenheit

£ Eröffnung der Aussprache gäbe, werde er unverzüglich

Präsidenten der Republik s e i n e D e m i i s i o n ü b e r - reichen Angesichts dieses Ultimatums ist die Senats­kommission zu einer sofortigen Beratung zusammengetreten und hat dem Ministerpräsidenten mitgeteilt, daß sie bereit sei, ihn Freitag oder Sonnabend früh, wie er es wünschte, anzuhören.

OieHerabfehungdeMusfuhraSgabe angenommen.

Das Unterhaus hat mit 240 gegen 170 Stimmen das Abkommen betreffend die Herabsetzung der Reparations- abgabe auf 5 Prozent durch Ablehnung eines Mist- trauen svotnrns bestätigt. *

Lloyd George hatte in der Debatte als Führer der Op­position die Regierung angegrirsen. Das Mlßtrauens- votum, das wohl nicht allzu ernst genommen wurde, brächte immerhin die interessante ^flache, daß 6 - be r a i aeaen die Regierung stimmen, die mit eu-er Mehrheit von 70 siegte. Lloyd George profitierte gegen den neuen Geist" der zu glauben uheme, daß England mm-r lable Amerika aber erhalte nichts von (y r a n t reich, Belgien und Italien. Wenn Deutschland nicht zahlen kann, dann müsse ein allgemeines M r - - " ' eintreten. Sonst aber müsse Engrand auf ,einem Rechte be­

stehen. Uebrigens wurde Lloyd George häufig durch Zu rufe unterbrodjen, die im englischen Parlament für gro gelten können. Sir Sxorge Simon meint, wenn das Prinz,; der 26prozentigen Abgabe unrichtig war, dann könnte ha­bet bprozenttgen auch nicht richtig sein und die ganze Zah lung müsse dann faUengelassen werden. Die Antwort bei Regierung lautete, daß diese 5 Prozent nur festgehalter würden, weil sie das Gesetz nicht faUenlaffen wollte, sondern es vorzöge, immer etwas in der Hand zu behalten, auf dessen Basis sich verhandeln ließe.

Handgemenge im sächsischen Landiag.

Die Kommunisten im Kampf mit der Kriminal Polizei. Gewaltsame Entfernung zweier Ab­geordneten.

Aus Dresden wird gemeldet:

Vor Beginn der Landtagssitzung am Donnerstag mar­schierte eine Kompagnie Landespolizei ins Land- tagsgebäude ein, um bei der Ausweisung der beiden kom­munistischen Abgeordneten Zipfel und E l r o d t, die beide in der vorigen Sitzung wegen fortgesetzter Ordnüngswidrig- keiten auszuweisen waren, mitzuwirken. Die Sitzung wurde zunächst vertagt. Offenbar wollte man beiden Gelegenheit geben, still zu verschwinden, um sich den Hinauswurf zu er­sparen. Die beiden Abgeordneten machten aber keinen Ge­brauch hiervon. Bei Wiedereröffnung der Sitzung waren sie noch anwesend. Trotz des Protestes der Kommunisten vertagte sich das Haus abermals. Gegen %3 Uhr erschienen

drei Kriminalbeamte

im Saale und forderten die beiden 9lbgeorbneten auf, hin- auszugehen, was diese ablehnten mit der Erklärung, es sei ihr Recht, als Abgeordnete hier zu sein. Die Kriminal­beamten entfernten sich, da gütlich nichts auszurichten war, und es entwickelte sich zunächst ein Schiinpfgefecht mit einem Abgeordneten der Rechten, dem der Kommunist Renner Ohr- fergen anovt. rvegen

mit einer Anzahl Polizisten wieder den Saal, um die beiden gewaltsam hinauszubefördern.

Die übrigen Mitglieder der konimunistischen Fraktion scharten sich um die beiden, und es begann eine wüste Rauferei, an der sich auch die kommunistische Abgeordnete Frau Schlag beteiligte. Erst nach nahezu fünf Minuten waren die beiden Abgeordneten aus dem Saal entfernt.

Stürmische Parsameniseröffnung in Prag.

Spiritus und Wilson-Trauer.

Am Freitag wurde die Frühjahrssession des tschechischen Parlaments eröffnet. Schon vor der Sitzung merkte man in den Wandelgängen, daß etwas in der Luft liege, und man munkelte von großen Demonstrationen, die wegen der Benzin- und Spiritusaffäre den Beginn der Parlament«, cischen Arbeiten auflyilten würden. Kaum hatte der Prä­sident die Tribüne bestiegen und die Sitzung eröffnet, als die Kommunisten mit einem ungeheuren Lärm ei wetzten. Sie schrien:Weg mit der Regierung und der Korruption! Schreibt Neuwahlen aus!" In dem anhaltenden Lärm war es unmöglich, zu verstehen, was der Präsident des Abgeordnetenhaujes sprach Der sozialdemo- krattsche Abgeordnete Haken hatte vor dem Sitz des Mi­nisterpräsidenten eine mit Spiritus gefüllte Flasche hinge­stellt, die am Korken eine Fahne mit den Nationalfarben trug. Ministerpräsident Svelsta warf die Flasche auf den Boden. Sofort erfüllte ein starker Spirilusgeruch den Sitzungssaal. AIs endlich Ruhe eintrat, verlas der Präsident einen längeren Nachruf für Wilson. Die Deutschen verließen dabei den Saal. Von deutscher Seite wurde ferner ein An- trag auf Einsetzung eines parlamentarischen Untersuchungs­ausschusses für die Affäven der letzten Zeit eingebracht.

Das Schicksal des Kalifen.

Aus Genf wird berichtet, daß die türkische Regierung die Kosten für die R e i i e des Kalifen und seiner Familie bis Bern bezahle, welches als vorläufiges Ziel der Reise bezeichnet wird. Irgendwelche weiteren Kosten für den Aufenthalt des Kalifen in der Schweiz wird die turkuche Regierung nicht tragen. Der Kalif wird in der Schmerz leben, und zwar als Privatmann. Er will sich dort mit wissenschaftlichen Studien beschäftigen.

Neue Wendung im Oetskandal.

Nach einem New Yoker Funkspruch der Frankfurter! gei- tuna ermittelte das Senatskomitee die Tatiachc. daß Prasidurt E o o l i d g e noch zweimal an den Zertungsgerausgeber MacLean telegraphierte, nachdem dreier derertsi d«r Zu­wendung von '100 000 Dollar an ; sn angeblich bestochenen früheren Innenjekretär Kali -gr-muden hatte.

sagt, diese Telegramme der 11 1!l( ' "l dm O e t

skandal, sondern seien I ' ^ aeuige pohtndje un K-nUch- »°wd- »'. . -^ern ernst b«