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Hersfelder Kreisblatt

Amtlicher Anzeiger für den Kreis Hersfeld

Erscheint Dienstag, Donnerstag and Sonnabend. Der Bezugspreis beträgt monatlich L Golbmart / / Anzeigenpreis für die einspaltige Betitzelle oder deren Raum 10 Dkg., für amtliche und auswärtige Anzeigen 15 Dfg-, Reklame;eile 50 Dfg. / / Druck u. Verlag von Ludwig Funks Buchdruckerei in HerSfeld,

Mitglied des Vereins Deutscher ZeitungS-Derleger. / / Für die Gchriftleitung verantwortlich Franz Funk in HerSfeld. / / Fernsprecher Nr. 8.

Nr. 31 Donnerstag, den 13. März 1924

Der Hauptausschuß des Reichstags hat den Gesetzentwurf über die Goldbank unverändert angenommen.

Im Hitlerprozeß begann am Mittwoch die Ver­nehmung des Obersten v. E e i ß e r.

Botschaft des Kalifen an die Muselmanen.

Abdul Medschid erklärt seine Absetzung für null un$ nichtig und ruft einen a l lis lamisch e« Religionskongreß ein.

Aus Territet in der Schweiz wird gemeldet: Der Kalif Abdul Medschid empfing die Sonderbericht. erstellter des Wolffschen Telegraphen-Büros, des Reuterschen Büros und der Agence Havas. Nach einer kurzen Ansprache überreicht der Kalif den drei Berichterstattern folgende Bot­schaft:

Botschaft des Kalifen Abdul Medschid an die muselmanische Welt!

Im 9lanten des gütigen und barmherzigen Gottes!

Aus meinem geliebten Lande verbannt durch den Be­schluß der türkischen Laienrepublik, die vorgibt, die heilige Einrichtung des Kalifats abgeschafft zu haben, richte ich von der gastlichen Erde des Exils die Botschaft des väterlichen Grußes und des treuen Zusammenschlusses an die musel-j manische Welt.

Der gottlose Beschluß der gegenwärtigen Mehrheit der türkischen Nationalversammlung ist mit ^em Geiste des Islams und seinen hohen Intereffen unner« ünbar, sowie mit den Grundbedingungen, unter denen die Dahl der repräsentativen Versammlung durch die edle tür- äsche Nation erfolgte, welche die Versammlung ausdrücklich in Uebereinstimmung mit unseren ruhmreichen islamitischen

. der b^hen Ehre betraute, bester dieser Einrichtung zu dienen "rtnS lie zu nnterftrrtzenW

Ich halte es daher für meine gebiete­rische Pflicht, heute der muselmanische« Welt zu erklären, dass ich diese im höchsten Matze gotteslästerlichen Matznahmen für null und nichtig erachte.

Da die muselmanische Welt mich durch ihre einstimmige Billigung meiner vor anderthalb Jahren erfolgten Wahl zur höchsten Würde des Islams in der Ausübung dieses erhabenen Amtes bestätigt hat, und da die türkische Laienrepublik durch ihren Uebergriff gegen die türische nationale Souveränität jedes Recht zur Beteiligung oder zum Eingreifen verloren hat, ist es jetzt ausschließlich Sache der moham­medanischen Welt, in voller Autorität und voller Freiheit über diese Lebensfrage zu entscheiden.

Ich lad« daher die bevollmächtigten Führer und Vertreter der muselmani- schen Gemeinden der ganzen Welt ein, tätig an diesem Ziele mitzuwirken und mir in kürzester Frist ihre konkreten Beiträge für den Z u - sammentritt eines großen inter sts lami- tischen Religionskongresses zukommen zu lassen, den ich dann zu richtiger Zeit und an geeig. netem Orte einzuberufen gedenke, damit gemeinsam die Beschlüsse gefatzt werden können, die die Lage erfordert.

Von jeder anderen Hilfsquelle entblößt als der unend­lich wirksamen Hilfe, die mir durch die mächtige und so tröst, reiche muselmanische Solidarität gespendet wird deren edel- müttoßn uitb^rettben ^unb gebungen mir ju §cx^cn ALhen, erflehe ich vom Allmächtigen seinen mitfühlenden Segen für den endgültigen Erfolg unserer heiligen religiösen Sache. ' Gegeben zu Serr es in der Schweiz, am 5. Schaban 1342 (11. März 1924).

Rückgabe des Saükansberges.

Aus Rom .lautet, daß der alte Streit, zwischen dem Vatikan und oer italienischen Regierung letzt nahezu q e s ch l i ch t e t ist. Die Bedingungen der Einigung schließen ein, daß der Vatikan die Regierungsgewalt ü b e r den gesamten Vatikansberg erhält, von dem der Päpstliche Stuhl bis jetzt nur einen Teil besitzt. Die Regierung wird dort einen Palast und eine Reihe von Häusern errichten, um die Kardinäle und die Schule zu beherbergen, während der Vatikan der Regierung die zerstreut liegenden Häuser rur Verfüaunq stellt, in denen die Kardmale letzt leben. Die U n a b h ä n gigkeit desPapstes ist durch den Völker-

Hund gewährleistet.

Regentenwechsel in Peisien?

Nach Nachrichten aus Teheran hat die persische Re- aieruna den Prinzen S a l a r e d D a u l e h, der mt L Jahre 1919 in der Schweiz in Verbannung lebte, nach Permen z u r ü ck g e r u fe m Prinz. Solar wurde seinerzeit verbannt als der Vater d s jetzt regierenden Schahs LW Ä um dem jungen ch den gefährlichsten

Gegenpratendenten aus dem Wege zu räumen. Nachdem sich jetzt aber im Lande die Stimmung gegen den dauernd in Frankreich lebenden, verschwenderischen Schah gewandt hat, scheint man Salat ed Dauleh den Thron a n b i e t e n zu wollen,

Die Währungsbank-Verhandlungen.

Schacht wieder vor den Sachverständigen.

Die Verhandlungen des Reichsbankpräsidenten Dr. Schacht mit dem Sachverständigenausschuß am Dienstag dauerten von 3 bis 6 Uhr und betrafen vornehmlich Ein- zelheiten der Gründung der Goldwährungs- bank. Die Verhandlungen wurden am Mittwoch fortge­setzt. Soweit sich schon jetzt ein Urteil über die neuerlichen Besprechungen Dr. Schachts bilden läßt, ist der Gesamtein. druck durchaus nicht ungünstig. Jedenfalls liegt kein Grund zu irgendwelchem Pessimismus vor. Dr. Schacht gedenkt am Donnerstag nach Berlin zurückzureisen, um im Reichs­tage die Beratungen über die Goldwährungsbank zu Ende zu führen. Die Pariser Blätter berichten, daß der

umfangreiche Bericht der Sachverständigen an die Reparationskommission aus folgenden drei Teilen zusammengesetzt sein wird:

1. dem Begleitschreiben über die Einberufung und die Aufgaben des Komitees,

2. dem eigentlichen Bericht über die Untersuchun­gen und Ergebnisse.

Alle technischen Einzelheiten sind in dem dritten Teil, den Anhängen, enthalten, die den w i ch t i g st e n Teil der gesamten Arbeiten darstellen. Sie wer­den sich auf alle Einzelfragen beziehen, besonders auch auf die Frage des Reichshaushaltsplanes, der Orga- nttattm^ei^eutschen Minen, die internationale An­leihe, die Staatsmonopole usw. Der größte Teil Der ein­zelnen Abschnitte mit dem umfangreichen Gutachten der Sachverständigen ist nahezu fertiggestellt. (

Der Kampf gegen den Frankensturz.

Der Finanzausschuß des 'französischen Senats setzte am Dienstag vormittag die Beratung über das Notgesetz fort, vertagte sich über Mittag und nahm am Nachmittag die Verhandlungen wieder auf. Er gibt bekannt, daß er, in seiner Dormittagssitzung Steuererhöhungen be­schlossen habe, die einen Mehrertag von 120 Mil­lionen Franken über das ergeben, was die Kammer bewilligt habe. Die Kammer hat am Schluß der Dienstags­sitzung mit 425 gegen 135 Stimmen den Gesetzentwurf angenommen, der die Zinsen der Schatzbonds und der Bonds der nationalen Verteidigung von der Einkommen- steuer befreit.

Der Parckimer Mordprozeß.

Angeklagte will

Wie angekündigt, begann der Staats g er ich tshof zum Schutze der Republik am Mittwoch mit der Verhandlung des sog. Parchimer Mordprozesses. Die Ver­nehmung der Angeklagten begann mit der des Vor- arbeiters Höß in Neuhof. Dieser sagte u. a aus: Es fet allgemein die Ansicht gewesen, daß Kadow, bet dem man ein Tagebuch über seine kommunistische Spitzel- tätigkeit gefunden habe, verprügelt werden müsse. Vorsitzender: Hat der Angeklagte Bormann nicht den Auftrag dazu gegeben? Angel' agier: Nein, wir alle waren der Meinung. Vorsitze n nicht hin und wieder von Roßbachleuten davon gt1 worden, baß man Ver­räter um die Ecke bringen mr er A n g e f I a g e an davon nichts wissen. Er fdj.lbert darin den

Hergang der Tat

und erklärt, daß alle sechs d e s M o r d e s B e s ch u l. digten, auch Iurisch, auf Kadow erngeschla. g e n hätten. Er selbst habe einen etwa 2 Zentimeter starken jungen Baum "gebrochen. o = itzender: Waren Sie sich nicht bewußt, daß Sie dem Kadow damit den Schädel einschlagen konnten? -Ange­klagter: Wir waren alle d e r a r t i n W u t, daß wir die Folgen nicht bedachten. - Vorsitzender: Haben denn nichr den Plan gefaßt, den Kadow ganz totzu- schlagen, nachdem Sie gesehen Satten mag Sre ange- richtet haben? - Angeklagter: Ich-habe vorgeschlagen den Kadow abzuwaschen und bis zu leiner Her,te..ung in Neuhof zu behalten. Das wurde abgelcg.it. Es wurde be­schlossen, ihm den Gnaden i ch'. ß «u geben. Bor- sitzender: Wer cab de Anreaung. a.n ge Nag e . Das meist ich nickt' Juris» war es nicht, aberLunsch hat nachher im Walde - daß R^om den Gnadenschuß er­halten hätte. __

Mufixmh«fl^Mtf<44ifi^

Die Auflösung des Reichstags. An bey von uns be. reits mitgeteilten Plänen über die bevorsteheiide Auflösung des Reichstages hat sich nichts meijr geän>dert. In parla- mentarffchen Kreisen ist man allgemein der Ueberzeugung, daß am Freitag die Auslösung ohne Ab st im- mung und ohne Anträge vom Reichskanzler: ausgesprochen werden wird.

20 000 Hafenarbeiter im Streik. Am S t r e i k i m H a m. burger Hafen sind etwa 20000 Arbeiter beteiligt. An bett staatlichen Kais wird gearbeitet, doch werden nur solche Arbeiten verrichtet, die unter die Regie der Kaiverwaltung fallen. Auch der AI t o n a e r Hafen ist von dem Streik betroffen, der sich im aufkommenden Schiffsverkehr bereits bemerkbar zu machen beginnt. In einer am Dienstag abend abgehaltenen Versammlung der Hafenarbeiter der Bremer Häfen wurde mit 1800 gegen 118 Stimmen der Streik beschlossen.

Der ProzeßSKatin* gegenHumanitL". Am Freitag beginnt in Paris der mit großer Spannung erwartete Prozeß, den derM a t i n" gegen dieHumanit e" wegen der Veröffentlichung derHumanste" über eine angebliche Be- st echlichkertderfranzösischen Presse angestrengt! hat. Die Dokumente, die dieHumanite" seinerzeit über die Bestechlichkeit der französischen Presse veröffentlicht hat, er­regten großes Aufsehen. DerMatin" hat deshalb gegen die Humanits" Beleidigungsklage eingereicht. Man darf auf den Ausgang sehr gespannt sein.

Die Luftrüstungsdebatte im Unterhaus. Das englische Un­terhaus hat mit 269 gegen 195 Stimmen eine Entschlie - ß u n g a b g e l e h n t, in der die Notwendigkeit betont wurde, eine hinreichende Luftstreitkraft zu unterhalten, um einen angemessenen Schutz gegen Luftangriffe seitens1 der stärksten Luftstreitmacht innerhalb der Reich­weite der britischen Küsten zu sichern. Der Unterstaatssekretär für das Luftfahrwesen hatte die Zurückziehung des Antrages

.WiK ein-: gegen Frankreich gerichtete (L^-^ klärung aussähe.

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Bombenqiieniat gegen die Athener englische Botschaft.

Nach einer Meldung derCentral News" wurde nachts ein Bombenattentat auf die englische Bot» schaftin Athen verübt. Einzelheiten fehlen noch. Vier Personen wurden verhaftet.

Die Vernehmung Geißers.

Am Nachmittag des 12. Verhandlungstages beschloß Herr v. Kahr seine Aussage. Die Verteidiger unternahmen in einem heftigen Frage- und Antwortspiel heftige Vorstöße gegen ihn, die immer weiter vom Kernpunkt des Prozesses fortführten, so daß der Vorsitzende schließlich die Verteidigung fragt, ob dieses Fragespiel noch länger andauere. Als die Verteidigung dies bejaht, unterbricht der Vorsitzende die Der- Handlung mit dem Bemerken, daß Mittwoch vormittag 159 Uhr mit der Vernehmung des Obersten v. Seißer begonnen wird.

Die Verhandlung am Mittwoch

beginnt mit einer kurzen Erklärung des Justtzrats Schramm, des Verteidigers des Hauptnianns Rohm. Dann wird sofort in die Vernehmung des drittenKron- zeugen, des Obersten von Seißer, des Chefs der bayerischen Landespolizei, eingetreten. Seißer führt u. a. aus: Seit der Errichtung des Generalstaaskommissariats oblag mir als dem Referenten für die Polizei die wichstge Aufgabe der Aufrechterhaltung'der Verbindung mit den vater- ländischen Verbänden, deren Sammlung zu nationaler Arbeit Herr von Kahr als eine feiner wichtigsten Aufgaben betrachtete. Ich habe mit großer Sorge verfolgst daß allmählich der Kampf- bund eine mehr und mehr zum mindesten gleichgültige, wenn nicht feindselige Richtung gegenüber Bayern ein- geschlagen hat. Bayern war nur noch Mittel zum Zweck; es war nur noch Plattform für die Ziele des Kampfbundes, die sich natürlich in dem nationalen Bayern besser vorbereiten ließen als anderswo. Hitler und Ludendorff vertraten die Diktatur Hitler-Ludendorff, keine andere, und diese Diktatur sollte mitGewalt dem Norden aufgezwungen werden. Gegenüber der Neicksregierung ging Kahr von dem Standpunkt a o; daß ur Lösuna der ganz außergewöhn­lichen politischen : .d wirtschaft!Frage« nur ein D i - cektorium befähigt sei, eine ' bar ierung der Name tut nichts zur Sache, die um ' r bc wigen Krisen und Hemungen des Parlaments

Die erste Besprechung mit Hitler

seit der Errichtung des Generalstaatska.n:nipariats hatte ich gleich in den ersten Tagen. Hitler besuchte mich in meinem Bureau, und ich machte ihn daraus au .erksam, daß es der »aterländischen Sache doch ä blich sei, dass er sich mit dem kampfbund abseits stelle. Daß er" uVolk! chen Beobachter" ine solche gehässige Sprache ge.^n Kahr führe. Hitler er­widerte, Kahr sei abhängig von der Regierung und vom Land-