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Hersfelder Kreisblatt

Amtlicher Anreiger für den Kreis Hersfeld

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Nr. 37

Donnerstag, den 27. März

1924

fi^teteT ^"^° lisch« Regierung ist anrüd dt^^ner wurden von, Oberstaatsanwalt bEr^t ^ Zuchthaus und fünf Jahre Ehrverlust

Hitlerprozeß sprach der Verteidiger udendorff», Rechtsanwalt Luetgebruue.

feiert anläßlich der Ausrufung der Re- p 116 e,n dreitägiges Freudenfest.

~ ^ Polizeistunde ist in Preußen bis 1 Uhr nachts verlängert worden.

Die neueste Ziepublik.

. ^opa hat eine Republik mehr: Die griechische National- ^lEmlung hat, vorbehaltlich der Bestätigung durch eine Bolksabstimmung, den König Georg II. und seine Dynastie für abgesetzt erklärt und sie dauernd des Landes verwiesen. Einen metallischen Beigeschmack, der an den im Französischen gelten­den Nebensinn von Greo (Bauernfänger, Falschspieler) er­innert, erhält die Proklamation durch die vorgesehene Ent­eignung der dynastischen Güter. Die Dynastie Glücksburg ist aach sechzigjährigem Bestchen einer Militärrevolution zunr Opfer gefallen. Nahezu fünfzig Jahre hat der Gründer Deorg I. (bis 1912) regiert, um durch Mörderhände in Saloniki su enden, nachdem gerade der Balkankrieg seinen, Lande einen eichen Landgewinn gebracht hatte.

Die weiteren zwölf Jahre Königsherrschaft vollzogen sich im Schatten eines tragischen Niedergan gs. Der Weltkrieg zog auch Griechenland in seinen Strudel, und so ehr- sich sich der Sohn des Ermordeten, i oe- ^MMMMM"-''""^t zu wahren,'schützte ihn, der nicht drei- !»un8ft^unolich war, diese einwandfreie Haltung nicht vor W- letzung und Verbannung durch die Entente. Sein Sohn und Nachfolger Alexander starb nach kurzer Regierungszeit m einer Blutvergiftung, und wiederum bestieg Konstantin den Thron, nicht ohne Kampf gegen den Kreter Benizelos, der den chwachen Alexander in das Fahrwasser Frankreichs gelenkt »atte. Getrieben von der Militärpartei, unterstützt von Eng- anb, überzog der König die Türkei mit Krieg, erzielte nam« raste Erfolge in Kleinasien und erlebte trotzdem schließlich eine . »ollständige Niederlage, ohne daß die englische; Regierung dem siegreichen Kemal Pascha in den Arm zu fallen ' vagte. Zum zweiten Male verbannt, gestürzt von den Gene- taten, die er zum Siege geführt hatte, verschied Konstantin in »teapel 1923.

Kaum war ein von inneren blutigen Wirren erfülltes ' Zahr verflossen, als sich das Schicksal der Dynastie aus dem Krause Holstein-Glücksburg erfüllte. Weder veruwchte der nonarchische Gedanke durch die Vermählung Georgs II. mit siner rumänischen Prinzessin neubelebt werden, noch gelang is dem aus Paris wieder aufgetauchten Denizelos der republi­kanischen Strömung Einhall zu tun. Der alte Fuchs zog es Mt, sich aus dem Eisen herauszuschneiden, anstatt sich auf eine mtzlose Beißerei mit einem auf die Republik eingestellten ^ffizerkorps einzulaffen. Dieses verfügt über die Macht, die Volksstimmung ist ihm günstig, und augenblicklich sind die Nonarchisten in den Winkel gedrückt. Es ist nicht zu er- varten, daß im gegenwärtigen Zeitpunkt, wo Athen in Be­geisterung schwimmt, die Erregung über die Aufrichtung der Kepublik auch kühler Denkende fortreißt, Gegenkundgebungen ich einstellen könnten. Der Ministerpräsident Papanaftasiu vürde zur Unterdrückung dessen, was entfernt als Hochverrat zedeutet werden kann, nicht vor Justizmorden zurückschrecken j Don der Art, wie sie schon einmal die griechische Rechtspfieoe , besudelt und die Empörung der Kulturwelt.hervorgerufen. Aaben, und eine in großgriechischem Chauvinismus befangene Bevölkerung würde wenig danach fragen, was das Einsund , fru der Niederwerfung einer Gegenrevolution sagt Weder Frankreich noch Italien noch England werden r Besuch unternehmen, sich in die inneren Verhältnisse der jungen Re- ( publit etnzmnischen; sie werden die vollendete Tatsache ruhig hinnchmen, die neue Regierung anerkenne ..-d auch das in seinen dynastischen Interessen verletzte Rumänien wird sich äußerstenfalls zu einem akademischen Einspruch aufrassen.

Dazu kommt, daß das Königtum in Griecke mo nie­mals bodenständig war; als ein Werk .e. "eurspäi- fchen Kabinette wurde es 1832 geschaffen nachdem die Eifer­sucht der griechischen Häuptlinge die Errichtung einer au» dem ; Adel des Landes selbst hervorgegangenen Monarchie vereitelt hatte. Der erste König von Griechenland mit der Wittels- bacher Otto; seine dreißigjährige Reoi .ichlchte war am gefüllt mit inner- und au^enpolttin und entsprach dem Bilde, daß das Hellenentum mr 'einen Zwe ^uobten und seinen Tyrannenherrschaften, mu der Uneln.u . eLe. verschiedenen Stämme bis zu seinem Untergang gebeten gut.

D^r vo» Dänemark gelieferte Königtum war auch kein Muster- beispiel von AutgkeL» aber abgesehen von dem unglücklich gegen die Türken verlausenden Kriege von 1897 hatte es an Geschlossenheit nach außen gewonnen und war von der Idee eines Großgriechentun« mit dem Ziel, das Kreuz auf die Hagia Sophia in Korfftcmtinvpel aufzupflanzen, beherrscht. Das Mißlingen dies« auch von Konstantin verfolgten Planes ist es gewesen, was die Grundlage seiner Monarchie er­schütterte, und darin liegt auch die Gefahr für die Außenpolitik ter jetzt hochgekommenen Republik. So mitleidlos, wie es England im letzten Kriege gegen Angora geopfert hat, wird lies Griechenland von jeder anderen Großmacht geopfert wer­ten, sobald es sich einfallen läßt, seine Finger in die orientali. He Frage zu stecken, und keine Aenderung der Regierungs« brm wird die Haltung der Mächte Griechenland gegenüber Peinstusse». M. H.

rSAMfttist in'~iT

poineare zurückgetreten.

Aus Paris wird gemeldet: Die französische Regie» ung ist am Mittwoch mittag zurückgetreten, weil ie Kammer gegen das Pensionsgesetz ge« i i m m t hat. In Paris ist b« Aufregung groß.

Havas verbreitet folgende« Bericht: Obwohl Fi« «uzmi«isier be Lasteyrie die Vertrauensfrage ge­sellt hatte, hat die Kaurmer, entgegen seinen Wünschen, ns Gesetz mit 271 gegen 26,4 Stimmen an die Kom- «iffio« zurückveriviesen. Fi«a«zminister de Lasteyrie, Minister für Gesundheitswesen Strauß und Unter- «atäsekretär Vidal, die für die Regierung anwesend >aren, verließe« darauf den Saal. Der Vor- itzende hob sofort bte Sitzung - us. Poincars zog sofort «us der Abstimmung hie Konsequenzen.

Par lS, 26. Dtarz.

Ueber bett Sturz Poincarss verlauten folgende Ein zelheiten: Der Rücktritt ber Regierung erfolgte infolg« der heutigen Kammerdebatte über das Pensionsgesetz. Et tvar eigentlich «ur ein ganz unscheinbarer An laß, nämlich nur kleine Differenzen zwischen den Ge­setzentwürfen der Kammer und des Senats. Der Fi nanzminister aber stellte die Vertrauensfrage und ver­langte die unveränderte Annahme. Der Ab­geordnete Lffala bemerkte, dass die Regierung auch im Senat nicht die Vertrauensfrage gestellt hätte und wun­derte sich, daß dies heute in der Kammer geschehe. Er bat den Finanzminister, die Vertrauensfrage nicht aufrechtzuerhalten, sondern sich doch den Wünschen der Kammer zue fügen. Mehrere Abgeordnete intervenierte«. Schließlich deutete der Abgeordnete Slubrion an, daß die Regierung hier aus einer rein technischen Frage eine politische Frage machen wolle, was wirklich nicht der Gesamtlckge ent­spreche. Die Regierung aber verharrte auf ihrem Standpunkt, und es mußte zur Namentlichen Abstim­mung geschritten werden. Der Vorschlag der Regierung wurde

mit 271 gegen 264 Stimmen verworfen.

Die Sitzung wurde um 11 Uhr 58 Minuten ge schloffen. Die Minister verließe« sofort den Saal. Der Ministerpräsident und die Mitglieder des Kabinetts be gaben sich zum Elysee, um dem Präsidenten Millerant ihre Demission einzureiche«. Millerand nahm die Demission sofort a«. Es fand dann gleick ein Ministerrat statt. Augenblicklich spricht man davon, daß Millerand Poi«earü beauftragen würde, ein neues Kabinett zu bilden. Dieses würde dann einige Minister, wsr allem den Kriegsmini­ster Maginaut und den Finanzminister de La- sterh, auf alle Fälle behalt,m, wahrscheinlich treten aber der Innenminister und auch mehrere anders Mi- minister zurück. Darüber aber sind zur Minute noch keine Entscheidung«« getroffen.

Die Kerügstellung des Sechverständigen-Derrchis. -

Zu der Frage, wann der Bericht der Sachver- sandigen endgültig der Reparationskommission iderreicht werden wird, berichte Havas, aus einer um ihr ist autorisierten Kreisen vorgenommenen Unter- uchung ergebe sich, daß die Sachverständigen sehr wahrschein- ich ihre Arbeiten am Sonnabend, dem 29. März, beendet oben werden. Sie würden jedoch zu einer letzten Ueber- xbeihtng des Textes schreiben müssen. Unter diesen Um= landen werde die Reparationskommission nicht vor Dienstag, am 1. April, offiziell mit dem Dokument befaßt werden Banen. Dieser werde ohne Zweifel schon am Tage nach der

Drei Jahre Zuchihaus für Zeigner beantragi

Im Zeigner-Prozeß begann am Mittwoch der Ober- tnatSanwnlr sein Plädoyer. Zusammenfassend bean- ragte er g^m Vr. Zeigner eine Gesamtstrafe

>on 3 fahren Zuchthaus und gegen MöbiuS l Zahre Zuchthaus. Beiden Angeklagten soll die Unter« »chungshaft voll ungerechnet werden. Für jeden 2ln« leklagten bcunt»agtc der Oberstaatsanwalt weiter i Jahre G h r e » r ech ts v e r l u st und außerdem den ßerfaU der den Angeklagten zugefallenen Wertsache«.

Die Aufhebung des Verbots der nationalen Verbände und Parteien in Mecklenburg.

Aus Echivecin wird gemeldet: Das Ministerium des Miern, gezeichnet Freiherr von Braudenstein, hat mit soforti­ger Wirkung folgende Derbote von Verbanden und Parteien aufgehoben:

1. Das Verbot des Verbandes n a t i o n a l g e s: « uter Soldaten e. D. mit seinen sämtlichen im Lande vestehenden Bezirks- und Ortsgruppen; 2. das Verbot ses Stahlhelms und der Frontsoldaten mit seiner Gau- leirung, seinen Orts» und Bezirksgruppen; 3. das Verbot des I u n g S e u t s ch e n O r d ? n s und feiner Unterorganisation, die Gefolgschaften, Bäranschaften und Balleien; 4. das Verbot der National - S o z i a I i st i s ch e n A r b e i t e r p a r - tei bzw. der Großdeutschen Arbeiterpartei, und 5. das Verbot der T u r n e r s ch a s l e n der De u i s ch v ö l i i f ch e n Freiheitspartei.

^reiwMes Freudenfest in Athen

B«s«tfter»»g, stürm« bei der «u-rufun« der Republik.

f ®J ^^ ^rd gemeldet: Die griechische National- ^"^ unter Teilnahme einer ungeheuren Men flennt enge aus allen Schichten der Bevölkerung be gangen. Nach einem Gottesdienst in der Kathedrale be. gaben nch die Minister und Abgeordneten in geschloffe- .C. ö«m Parlament, das in feierlicher Sitzung einstimmig den eingebrachten Antrag der Regierung

bcn die Dynastie abgesetzt und vte Republik errichtet wird. Artilleriesalve« ver- ünbeten das historische Ereignis, das von der National« »ersammlung und ber Stadt mit »«beschreib- icher Begeisterung ausgenommen wurde. Die Keier wird drei Tage dauern. Der Ministerrat hat eine Berorbitung unterzeichnet, durch die alle wegen politi­scher und militärischer Vergehen Verurteilten am« «Uiert »«erden. Die Presse begrüßt die Ausrufung ber Kepublik als ben Beginn einer neuen Histort« ^Ctt Epoche Griechenlands.

Wie dasEcho de Paris" aus Athen meldet, spielte sich «e Ausrufung der griechischen Republik folgendermaßen ab: viau feierte den 103. Jahrestag der griechischen Unabhängig- est. In der Kathedrale wurde ein Tedeum gesungen. Der Regent, die Minister, die Abgeordneten, der Bürgermeister, tos diplomatische Korps und eine zahlreiche Menschenmenge varen anwesend. Am Schlüsse des Gottesdienstes ertönten Rufe: ,6s lebe die Aussöhnung!" Me Straßen waren ge- chnnickt mit griechischen Fahnen, und Automobile fuhren hin end her, die Fahnen mit der Aufschrift trugen:Republik tnd Versöhnung." Von der Spitze des Lycabette wurden !1 Kanorwnschüsse bei Tagesgrauen abgefeuert und ein zwei­er Salut nach dem Gottesdienst. Die Minister und Abge- »rdrreten begaben sich darauf in das Parlament, wo der Prä- ident die Absetzung der griechischen Dynastie verlas, ihre Mit- !lieber sämtlicher Rechte beraubte und ihnen verbot, in Grie- Henland zu wohnen, gleichzeitig ihnen die griechische' Rationalität aberkannte. Hierdurch ist in Grie- Henland die parlamentarische Republik ausgerufen unter der Bedingung einer Ratifikation durch die Bolksabstimmung.- Neser Gesetzentwurf bestätigt das Mandat des Regenten, )es Admirals Eunduriottis bis nach der Bolksabstimmung. Mehrere Zusatzanträge wurden noch angenommen. Einer ton ihnen will die Rückkehr sämtlicher Krongüter in Staats­besitz ohne irgendeine Entschädigung. Am Schlüsse der Sitzung wurde dem Präsidenten ein Lorbeer- ran'z überreicht. Mehrere weiße Tauben, denen kleine Zettel an den Hals gebunden waren, wurden von der Galerie liegen gelassen. Die Abstimmung wurde mit 284 gegen > Stimmen angenommen. Wiederum wurden 21 Kanonen- chüffe von der HA)e des Lycabette abgefeuert.

Der beleidigte Reichspressechef. Haltamtlich verlautet: gegen den Pressechef, Ministerialdirektor Dr. Spie der, ^nd neuerdi.ngs in der Presse ehrenrührige Vor- würfe erhoben worden Aus seinen Antrag hat sich der Reichskanzler in seiner Eigenschaft als Dieirstvorgesetzter ver­anlaßt gesehen, gegen die verantwortlichen Schriftleiter der