Amtlicher Anzeiger für den Kreis Hersfeld
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Nr. 43 Donnerstag, den 10. April
©er Sachverstandigenbericht ist nunmehr den Wortlaut nach der Oeffentlichkeit zuganglichge macht worden.
- Das Hochwasser auf der Oder ist noch im st an- orgen Steigen begriffen.
— Das Befinden von Hugo Stinnes gibt zu Bede n k e n Anlaß.
— König Georg erklärt in einer Proklamation daß er auf den griechischen Thron nicht verzichte.
Der Sachverstandigenbericht der Oeffent!ichkeit Vergeben.
„Wiederherstellung der deutschen Wirtschafts. Hoheit unbedingte Voraussetzung." Die Annahme nur im ganzen möglich.
Am Dienstag vormittag um 10 Uhr wurden, wie bereits kurz gemeldet, in feierlicher Sitzung von General Dawcs die beiden Berichte der Sachverständi- genausschüsje dem Vorsitzenden der Reparations- tommission, Barthou, überreicht.
Der Wortlaut der Berichte liegt in Berlin noch nicht vor. Unter Vorbehalt verbreitet W.T.B. über den Dawos-Komitees ein«r» Auszug, dem wir in Ergänzung unserer bisherigen Veröffentlichungen folgendes entnehmen:
Der Plan ist ein u n t e i l b a r e s G a n z e s. Es ist unmöglich, daraus einzelne der Vorschäge anzu- nehmen und andere abzulehnen. In diesem Falle oder auch im Falle ungebührlicher Verzögerung in der Ausführung des Planes überhaupt lehnen die Sachverständigen jede Verantwortung für den Erfolg ab. Der Plan hat ferner die Wiederherstellung der deutschen Wirt- schaftshoheit zur unbedingte« Voraussetzung, da der Ausgleich des Budgets, die Stabilisierung der Währung sowie Wiederherstellung des inneren und äusseren Kredits Deutsch, lands nur unter dieser Voraussetzung möglich sind. Es müssen deshalb auch alle Sanktionen, die die wirtschaftliche Produktion hindern, zurückgezogen oder entsprechend geändert werden. Werden diese Voraussetzungen hinai^sgeschoben oder verzögert, so ändern sich entsprechend auch alle übrige« Daten des Zahlungsplans.
Der gesamte Zahlungsplan ist auf den Gedanken aufge- baut, die H ö ch st l e i st u n g e n festzustellen, die Deutschland jährlich in seiner eigenen Währung zahlen kamr. Er sieht davon ab, ein für allemal die Totalbelastung für Deutschland zu fixieren. Der Bericht führt aus, daß die durch die Rentenbank erreichte Stabilität
nicht die endgültige Regelung darstellen kann. Zur Erreichung einer dauernden Stabilität schlägt der Bericht alternativ vor, e n t w e d e r die Schaffung einer neuenNotenbankin Deutschland oder einer Re - Organisation der Reichsbank. In jedem Falle soll ein einheitliches Währungsfeld in Deutschland geschaffen werden. Die Notenbank soll für die Dauer ihres Notenausgaberechts (50 Jahre) das ausschließliche Noten- p r i v l l e g haben (zedoch unter Beibehaltung der Privat- Notenbanken und vorerst auch der Rentenbank). Alle auf Papiermark lautenden Zahlungsmittel sollen aus dem Ver- kehr verschwinden. Die Bank soll die K as senfüh - cung für das Reich ausüben. Sie soll auch kurzfristige Darlehen an das Reich geben. Die Bank soll ein Kapital von
400 Millionen Goldmark
haben, wovon 300 Millionen in Deutschland und im Ausland durch Zeichnungen aufgebracht werden sollen. Sie wird verwaltet von einem deutschen Präsidenten und dem nur aus Deutschen bestehenden Direktorium, das einen konsultativen Beirat haben kann. Neben dem deutschen Direktorium ist ein „Gm ' Board" eingesetzt, das aus sieben Deu:' chen u n 0 sieben Ausländern besteht. Es faßt keine Entscheidungen mit einer Majorität von 10 Mitgliedern. Dieser General Board hat gewisse Vollmachten in b$u eiligen Fragen, die die Interessen der Gläubigerstaaten beruh ' • Aus dem
Red'. m .muleruehmeu
^D eine Akt i m werden. Diese Aktien- aesellschaft wird vorweg mit einem BetragevonllMil l" iarden Goldmark er st st eiliger Obligatio- n e n b e l a st e t, die mit 5 Prozent jährlich zu verzinsen und mit 1 Prozent jährlich zu tilgen sind. Die jährliche Leistung von 660 Millionen Goldmark ist in die Reparations- lasse zu bezahlen. In voller Höhe ist diese Zahlung erst vom vierten Jahre ab zu leisten; sie beträgt im ersten Jahre 330, im zweiten 465. im dritten 550 Millionen Gold
mark. Der Generaldirektor der Reichsbahngesellschaft ist deutsch, ebenso der Vorsitzende des Verwaltungs-- rats. Der Verwaltungsrat besteht im übrigen aus achtzehn Mitgliedern, von denen je die Hälfte von der deutschen Regierung und von einem Treuhänder der Obligationäre bestellt wird. Von dem vom Treuhänder zu bestellenden neun Mitgliedern sollen fünf Deutsche sein.
Dem Bericht ist als Anhang das G u t a ch t e n der von Mitgliedern sollen fünf Deutsche sein.
dem Komitee beauftragten besonderen Eisenbahnsachverständigen beigefügt. Dieses Gutachten, auf das der Komiteebericht sich stützt, bezeichnet an verschiedenen Stellen die betriebliche Vereinigung der Rhein - Ruhr - Bahnen mit dem übrigen Reichsbahnnetz als eine Voraus s e tz u n g für den Erfolg feiner Vorschläge.
Folgende Leistungen
schlägt das Gutachten der Sachverständigen vor:
a) für die sogenannte Moratoriumszeit: 1. Jahr 1924-25 1000 Millionen Goldmark, 2. Jahr 1925-26 1220 Millionen Goldmark,
b) für die Uebergangszeit: 3. Jahr 1926-27 1200 Millionen Goldmark, 4. Jahr 1927-28 1750 Millionen Goldmark, bestehend aus dem Menst der Eisenbahnobligationen, der Jndustrieobligationen, der Beför- derungssteuer und aus Haushaltsmitteln.
c) N 0 r m a l j a h r, 5. Jahr 1928-29 2500 Millionen Goldmark.
Zu den Jahresleistungen, die vom 5. Jahre ab (Normaljahr, das ist das Reparationsjahr 1928-29) in Höhe von 2500 Millionen Goldmark zu übernehmen sind, sollen in den darauffolgenden Jahren Zusatzberräge gezahlt werden, die. sich nach einem kombinierten Index errechnen.
Die Reparationsleistungen sollen durch bestimmte Einkünfte gesichert werden. Als Sonderpfand sollen die Einkünfte der Zölle und der Abgaben auf Alkohol, Tabak Bier und Zucker dienen, und zwar soll „die wirksame und unparteiische Kontrolle" in der Weise ausgeübt werden, das von dem Gesamtaufkommen durch die Kontrollstelle zunächst die an die Alliierten abzuführenden Leistungen abgezogen werden und nur der Rest Deutschland zur Verfügung steht. Die Kontrolle wird einem besonderen Kommissar übertragen dem Unterkommissare für jede zur Sicherung dienende Steuer beigeordnete sind. Die Sachverständigen sehen die Einsetzung je eines Kommissars für die Notenbank, für die Eisenbahn, für die zur Finanzierung der Reparationen dienenden Einnahmequellen des Budgets und nötigenfalls für die Industrie, belastung vor, außerdem beu Agenten für Reparationszahlungen.
. Der Kampf um die Micumverirage.
Die Sechserko mmission in Berlin.
In Verhandlungen mit der MicUm, die am Dienstag von 3 bis 6^ Uhr nachmittags dauerten, erklärte die Sechser- komnnssion der Ruhrindustriellen, daß die durch das Abkommen mit der Micum übernommenen Verpflichtungen weiterhin nicht getragen werden könnten. Der Ruhrbergbau verkenne aber nicht die große Bedeutung der Frage, daß die Arbeit im Ruhrgebiet nach dem 15. April möglichst störungslos weitergeführt werde. Die Sechserkommission er- klärte sich deshalb für die Zechen bereit, die Sachleistungen auch über den 15. April hinaus fortzusetzen, wenn die finanzielle Möglichkeit hierfür geschaffen werde. Die Verhandlungen führten zu keinem Ergeb- n i 5. Es soll am Freitag erneut verhandelt werden. Die Sechserkommission hat sich am Mittwoch nach Berlin begeben, um mit der Reichsregierung weiter zu verhandeln.
*
Ein angeblicher Kompromißvorschlag.
Die Berichte der englischen Korrespondenten in Paris erzählen alle von einer großen Nervosität in bezug auf die Micumverträge und die Vorbereitungen der französischen Regierung im Falle einer deutschen Ablehnung auf Erneuerung dieser Verträge, mit der bestimmt gerechnet wird. Zwischendurch weiß der eine oder andere Korrespondent doch zu erzählen, daß es Frankreich bedeutend lieber vorziehen würde, irgendwie friedlich aus der Affäre h e r a u s z u k 0 m in e n , und daß man folglich geneigt wäre, irgendein Kompromiß zu schließen. Der stets gut informierte Korrespondent des „Daily Herald" neünt aus bester Quelle einen solchen Kompromißvorschlag, den das Konnte des Farnes dem Quai d'Orsay vorgeschlagen hat und der geprüft rr *.....ird. Er besteht darauf, daß die Mi - jt u m v e r t r '.läufig auf einen Monat
diese Zeit die Kohlen-
nanziert werden
verlängert werden und daß für dr lieferung durch eine Anleihe fi
soll, zu der die deutsche Regierung die Erlaubnis geben soll. Ferner lenkt der Korrespondent die Aufmerksamkeit auf die erneute Tätigkeit des Komitees des Forges an der Ruhr, welches versucht, eine Stahl- und Kohlenkombi- nation von Lothringer und Ruhrkavita-
listen herzustellerr.
1924
Staatsrat Rauh württembergischer Staatspräsident.
Ein. .Zwischenlösung".
Aus Stufig wird gemeldet: Am Dienstag fand hier die Wahl des neuen Staatspräsidenten statt. An ihr betei- ligten sich 89 Abgeordnete. Abgegeben wurden 3 9 w e i ß e Stimmzettel von der Linken. Von den 50 gültigen Stimmzetteln fielen auf Staatsrat Rauh 48 Stim- men. Staatsrat Rauh erklärte sich in einer längeren Ansprache bereit, die Wahl anzunehmen, da er sich bewußt sei, daß es sich im jetzigen Augenblick nur um eine Zwischen- l ö s u n g handle. Von dem neuen Staatspräsidenten wurde hierauf sofort dem bisherigen Innenminister B 0 l z das Ministerium des Innern übertragen, außerdem auch noch tx» Finanzministerium. Der bisherige Iustizminister Beyexle bleibt auf seinem Posten. ,,
Gtinnes zum zweiten Mal operiert. 1
Sein Zustand nicht unbedenklich.
Herr Stinnes, der, wie wir berichteten, vor einiger Zeit wegen eines Gallenleidens operiert wurde, hat sich, wie wir hören, am Sonnabend einem zweiten chirurgt - f dien Eingriff unterziehen müssen. Da das Fieber noch nicht gewichen ist, muß der Zustand des Kranken, wen« <mch die Hoffnung auf Besserung nicht ausgeschlossen erscheint, als nicht unbedenklich angesehen werden. ^mi
Dik Mand atsverteilnng nn bayerischen Landtag.
Nach einer amtlichen DdkünkkkMlchUNg^ermutzncye'n o«--H-? reitsbekanntgegebenen Zahlen über das Ergebnis der Lam^ tagswahlen noch kein genaues Bild über die 8» sammensetzung des künftigen Landtages. Zunächst hat bei Kreiswahlleit«: das Ergebnis zu prüfen und mit den Kreis- wahlausschüssen die Ergebnisse in den Wahlkreisen für be Regierungsbezirke entsprechend festzustellen. Die Berechnung auf Grund der vorläufigen Ergebnisse ergibt folgendes Bild, Bayerische Volkspartei 35 Sitze, Völkischer Block 17, SoziaS demokraten 14, Bauernbund 6, Nationale Rechte 4, Kor» ministen 3, zusammen 79 Sitze. Alle übrigen Parteie» bnnuien bei dieser Ausstellung noch nicht zu einem Sitz.
/ Chaotische Zustände in Honduras.
Wie die „Chicago Tribune" aus Washington mtitei herrscht in der Hauptstadt von Honduras, Teguagalpa, ein vollständiger Terror. Von früh bis spät ist ei» allgemeine Schießerei auf den Straßen und fordert viele Opfer. In manchen Straßen liegen zahllose Leiche» die nicht beerdigt werden, infolgedessen der Ausbruch v« Kran^eiten befürchtet wird. Die Kämpfe der beiden Pav teien in Honduras dauern nun schon wochen- und monatv lang. Die Vereinigten Staaten haben, wie bereits berichtet alle diplomatischen Beziehungen mit Honduras abgebrochen da es unmöglich erschien, die Ordnung im Lande wiederheo zustellen. Amerikanische Marinesoldaten besetzen die fremde, Kolonien in Teguagalpa. Weitere Berichte besagen, daß bei Typhus viele Opfer fordert. Die ärmeren Leutz sterben unter den traurigsten Umständen. Die Leichen Wm« nicht beerdigt werden, sondern bleiben einfach vor bet Ha» fern liegen. , , .-
Kirchliches Disziplinarverfahren gegen einen Landesveo tätet. Wie der Evangelische Pressedienst erfährt, hat be preußische evangelische OberUrchenrat gegen den Pasta« Gajlus in Ruß (Memelland), der sich zum Staatskom missar für die Lostrennung der eoangelt schen Memelgemeinde von der preußischen Mutter kirche hat ernennen lassen, daß förmliche Disziplinarverfahre» eröffnet und ihn mit sofortiger Wirkung von seinem Amtz suspendiert.
Die Lohnbewegung in Stettin nimmt immer größeren Umfang an. Am Mittwoch sind auch die Buchdrucker in be1 Streik getreten. Ein Teil der Betriebe, darunter die Zeitungen, haben allerdings die Forderungen bewilligt, i» folgedesien wird weiter gearbeitet. In einigen Tischlerei«! kam es infolge Lohndifferenzen zu Arbeitsniederlegung«. Darauf haben'»unmelr die Arbeitgeber f amtliche Holzarbeiter an ■
Acht Jahre Zuchthaus für einen Landesverräter. D« Straffenat des Breslauer Oberlandesgericht» verhandelte gegen den ftüheren Poltzeiwachtmerster Joseps Kuffka aus Gleiwitz wegen vollendeten und versuchte» Landesverrats.' Kuffka hatte sich im Januar vorrger Jahres mit zwei polnischen Spionen lnBewmdung gesetzt denen er in einem Falle mil rt är rl che Schrtf tftud übermittelte, deren Geheimhaltung rm Interess« Deutschlands geboten war. Der Strafsenat erkannte auf rcht Jahre Zuchthaus, 5000 Mark Geldstrafe unt i ro ö I f Jahre Ehrverlust unter Zulässigkeit der &t?Uw mfter Polizeiaufsicht. . -