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Hersfelder Kreisblatt

Amtlicher Anzeiger für den Kreis Hersfeld

Erscheint Dienstag, Donnerstag und Gonaabeab. Der Bezugspreis beträgt monatlich 1. Goldmark / / Aurelaruprrls für die einspaltige Detitrelle oder deren Raum 10 Msg., für amtliche und auswärtige Anzeigen 15 Ms-, ReNamerelle 50 Mg. / / Druck u. Verlag von Ludwig Fants Buchdruckeret in Hersfeld,

Mitglied des Vereins Deutscher ZeituagS-Derleger. / / Für die Gchriftleitung verantwortlich Franz Funk in Hersfeld. / / Fernsprecher Nr. 8.

Nr. 44 (Erstes W). Sonnabend, den 12. April 1924

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Stinne® ist an den Folgen einer kürzlich vo. genommenen Operation gestorben.

finb mirT^r ^ Der°tungey mit der Reichsregierung beende ® Ö bw Sechserkommission der Ruhrindustriellen di. Verhandlungen mit der Mieum wieder eröffnen.

Die Roheisenpreise sind heraufgesetzt worden.

Stinnes und fein Werk.

Kaum einer der Männer, die im letzten halben Jahr, zehnt in Deutschland eine Rolle spielten, ist mit solcher Zähigkeit bekämpft, keiner aber auch auf der anderen Seite so anerkannt worden wie dieser größte deutsche Industrie. Mrst. Stinnes' Name war ein wirtschaftliches S Y m b o l, ein Programm, das festumrissen offensichtlich vor aller Augen lag.

Stinnes Persönlichkeit, seine rein menschlichen und familiären Eigenschaften sind und bleiben nur ganz wenigen offenbar. Darum ist es auch so außerordentlich schwierig, die Motive seines Handelns, die seelischen und geistigen Grundlagen seines Schaffens festzustellen. Und darum kann der Versuch einer Beurteilung oder einer Kritik des Lebens und der Lebensarbeit dieses Toten nur unvoll- kommen durchgeführt werden. Man sieht nur den äußeren Weg des konstruktiven Aufbaues des Stinneskonzerns mit seinen unendlichen Verästelungen, man sieht aber auch hier nur wieder ein Werden und Wachsen, das noch nicht abge­schlossen ist, das nur unfertig vor den Augen gegenwärtiger Menschen liegt.

Im Kriegsjahre 1870 am 12, Februar f«' Mülheim an der Ruhr geboren, machte er den üblichen Bildungsgang rheinisch-westfälischer Industrieller durch. Mit 18 Jahren verläßt er das Realgymnasium seiner Vaterstadt, eignet sich in kurzer Zeit auf der Berliner Bergakademie theoretische Kenntnisse an, um dann in seinem ausgeprägten Dränge nach praktischer Arbeit kurz darauf auf der ZecheWiesche" als Bergmann sowie in den Kessel-, Maschinen- und Brikett­anlagen tätig zu sein und das Leben des industriellen Ar- beiters zu studieren. Kaum zwanzigjährig, wird er mit einem Fünftel an der Firma Matthias Stinnes beteiligt. Mit 23 Jahren gründete er seine eigene Firma Hugo Stinnes G. m.

b. H. und leitet nebenher die Stinneszechen in Essen. Bald dringt er in die Deutsch-Luxemburgische Bergwerks- und Hütten-A.-G. ein, gibt hierbei zum ersten Male und dann in der späteren Zeit recht häufig den interessierten Bank­kreisen harte Rätsel auf. Deutsch-Lux wird die K e i m z e l l e zu den großen Konzerngebilden, von hier aus türmt der junge Wirtschaftler Quader um Quader zu dem stolzen Bau, den er jetzt den Lebenden überläßt. Es führt zu weit, die einzelnen durchgeführten Kombinationen, Zu­sammenschlüsse, Interessengemeinschaftsverträge und andere Dinge, die mit dem Aufbau der Unternehmungen Zusammen­hängen, durchzugehen. Es seien nur Namen wie K i r d o r f genannt, um zu zeigen, mit welchen großen Gegenspielern der junge Stinnes operiert. Als wichtigster Wegweiser der Arbeitslinie sei die Gründung der Rhein-Elbe-Union G. m. b. H. in Düssldorf genannt, die zum ersten Male über die deutschen Grenzen hinaus den Namen Stinnes als gewal­tigen Machtfaktor im Reiche der Wirtschaft trug. Im Jahre 1020 folgte dann aber die grandioseste Kombination, die Schaffung der Siemens-Rhein-Elbe-Schuckert-Union, von deren Zusammenschluß an das Arbeitsgebiet des Stinnes- konzerns fast unbegrenzt ist. 6s findet später noch einmal eine besondere Erweiterung durch die Erdölinteressen.

Es hat kaum einen Wert, etwa aufzählen zu wollen, mit wievielen Aufsichtsratsposten Hugo Stinnes in den Hand­büchern steht, welche Verbindungen zu in- und ausländischen Werken nachzuforschen sind, welche Männer direkt ober in« . direkt vom Stinneskonzern aus beeinflußt werden. Es hat auch nur propagandistischen Wert, Stinnes etwa als händ- irisches, finanztechnisches oder industrielles Genie ausgeben zM wollen. Fest steht die Größe des Mannes d e r Arbeit und der Organisation. Die Vielseitigkeit seiner Arbeitsgebiete läßt eine bestimmte Spezialisierung seiner Lei­stungen, die Eingliederung seines Rollens in ein System nicht zu. Man muß sich bescheiden mit der Feststellung in der wahrscheinlich die endliche Größe Stinnes' liegt, daß mit ihm einer der größten Männer der wirtschaftlichen Arbeit aus diesen: Leben geschieden ist. A. L.

Hugo Stinnes t

Eer Grossindustrielle Hugo Stinnes ist am Donners tag abend gegen neun Uhr im Westsanatorium zu Berli» den Folgen eines Gallenstein-Leidens erlegen.

klar«

Hugo Stinnes hatte im Laufe des Tages mit klar« Stimme seine letzten Anordnungen getroffen. Schon am Vormittag hatte er gefühlt, daß sein Z u - stand hoffnungslos sei, und hatte den ihn umgebenden Aerzten erklärt, daß er sich keinen Illu­sionen , über seinen Zustand mehr hingebe. Er verlangte nach seinen vier Söhnen Edmund, Hugo, Otto und Ernst, um von ihnen Abschied zu nehmen. Dann rief er seine Gattin und die drei Töchter Leonore, Hilde und Elfe wieder zu sich; seine Familie weilte an seinem Lager, bis der Tod den Leidenden abrief.

Die Krankheit des Großindustriellen war nicht neueren Datums. Er litt bereits feit Jahren an einem Gal­le n le i d e n und hatte vor einiger Zeit auf operativem Wege Gallensteine entfernen lassen. Das Leiden machte jedoch einen zweiten operativen chirurgischen Eingriff nötig, der am letzten Sonnabend ausgeführt wurde. Nach der normal verlaufenen Operation stellte sich jedoch eine innere Ent­zündung ein, die ein hohes Fieber zur Folge hatte, das leider trotz aller Bemühungen der Aerzte nicht zu mildern war.

Die Einfachheit seines Wesens, die er stets im Leben für seine Perlon gezeigt hatte, wollte er auch für seine Beisetzung beachtet haben. Er erklärte, daß es sein Wunsch sei, ein möglichst einfaches Begräbnis zu haben Vermut­lich wird eine Ueberfübrung nach Mülheim nicht erfolgen, sondern die Leiche wird m Berlin ein geäschert werden.

Die Nachfolge Hugo Siinnes

wird auf seinen ältesten Sohn, den 29jährigen Dr. E b - M un d Htinnes übergehen, dtz^ bereits seit dem Aus­scheiden

direktors

übernommen hatte. Der um drei.Jahre jüngere Hugo Stin- nes ist als Chef der Hamburger Reederei mehrfach an die

Oeffentlichkeit getreten, vierte noch Schüler.

Das Beileid

Reichskanzler Marx

dritte Sohn ist Student, dek

Der

Reichsregierung.

an Frau Stinnes folgendes

der hat

Telegramm gesandt:Tiefbewegt erfahre ich soeben von dem schweren Verlust, den Sie, gnädige Frau, und Ihre Kinder durch den Tod Ihres auch von mir hochgeschätzten Gemahls erlitten haben Mit Ihnen trauern weite Kreise des deut­schen Volkes, die in dem Verstorbenen mit Recht den ent- schlossenen und weitsichtigen Führer auf wirtschaftlichem Ge­biete verehrten. Zu früh wurde er Ihnen und dem Dater- lande entrissen. Namens der Reichsregierung spreche ich aufrichtige jmd herzliche Teilnahme aus. Reichskanzler Marx."

Die Beisetzung.

Am Montag mittag wird im Wilmersdorfer Krema­torium um 12X Uhr die Einäscherung der sterblichen Ueber« refte Hugo Stinnes' in aller Stille erfolgen. Auf Wunsch der Familie wird die Feier in alleren gstem Kreise und in der denkbar einfachsten Weise stattfinden.

Der Leichnam Hugo Stinnes' war Donnerstag nacht im Westsanatorium in einem besonderen Raum, der in aller Eile eine würdige, aber ebenfalls sehr einfache Ausschmückung mit Blattpflanzen erhalten hatte, aufgebohrt worden. In den Vormittagstunden erfolgte dann die Einsargung in einen ein- fachen Zinksarg, der nur eine schlichte Blumendekoration auf» wies.

Am Montag vormittag erfolgt dann die Ueberführung nach dem Krematorium Wilmersdorf, wo die Trauerfeier in der Zeit von K122 Uhr stattfinden wird. Nur sehr wenige Personen nehmen an der Feier teil, die Verwandten, die Witwe die sieben Kinder sowie weitere Mitglieder der weit­verzweigten Familie Stinnes. Ferner wollen Vertreter der Reich» und der preußischen Regierung, des Reichstages, der Deutsche». Polksvartei und der Permaltung der Stinnes- <BefriÄt ieflneipnen doch sind über die Trauerfeierlichkeiten Avch kein« leeren Dispositionen getroffen. Nach der Ein- Sicherung foS die Asche des Verstorbenen nach Mülheim üdergeführt werden.

Amerika-VerhanöTunoen der Gold- . -isks?libank.

A«S New York wird berichtet, dass amerikani­sche Banken und Bankiers mit der Deutschen Ealbdiskontbank wegen Gewährung von Re- diSkontkrediten in Verbindung stehen. Von Berliner unterrichteter Seite wird diese Meldung bestätigt, »och find definitive Abmachungen noch nicht getroffen.

DerMatin" bv-richtet, daß dasOrganist t: an s - Kp N i £*#* füxdi« Soldnotenbank aus dem Reichs­

bankpräsidenten Dr. Schacht, Sir Robert Kindersley und Herrn Francqui, den hauptsächlichen Urhebern jenes Teiles des Berichtes, der sich auf die Schaffung der Goldnotenbank beziehe, bestehen werde. Diese Nachricht kann, wie uns von unterrichteter Seite mitgeteilt wird, nicht zutreffen, da nach dem jetzt vorliegenden offiziellen Wortlaut der ersten Anlage zu dem Sachver st ändi genbericht das Organisation», komitee aus zwei Mitgliedern besteht, von denen da« eine der Reichsbankpräsident, das andere ein Mtglied bt» Sachverständigenkomitees, das an der Frage der GoldMtW» dank besonders mitgearbeitet hat, sein oll.

Wiederbeginn der Micumverhandlunge«.

Die Sechser-Kommission beriet am Donnerstag nett der Neichsregierung Über die durch den Ablauf der Micum-Verträge geschaffene Lage. Auf Grund der stattgehabten Beratungen wird die Sechfer-Kommissio« in Düsseldorf die Verhandlungen mit Kcje Micum wieder auf nehmen.

Zusammentritt der Reparaii»«» kommission. beschleunigte Entscheidung zurUnterbiuduuz der Wahlagitation". Bradbury i» Pari».

P o i n c a r e hat am Freitag vormittag den französisch« Delegierten der Reparationskommission, Louis Bar thau, empfangen. Um 3 Uhr nachmittags findet eine offiziöse Sitzung der Delegierten der Reparationskommis- s i on statt, in der die erste Aussprache über den Sachver» ständigenbericht erfolgen und nicht nur Barthou, säu­bern auch Bradbury über den Standpunkt ihrer Regie­rungen Bericht erstatten werden. Bradbury trifft erst am Freitag im Laufe des Tages aus London in Paris ein. Auch der zweite Delegierte Belgiens, Gutt, hat inzwischen mit dem belgischen Ministerpräsidenten Theunis konferiert. E« ist also noch demPetit Puristen" nicht ausgeschlossen, daß eite uuMwanveit

und daß über die zu verfolgende Prozedur

eine Enffcheidung getroffen werden kann, wogegen jedoch der italienische Delegierte protestieren dürste mit der Forderung, daß kein« Entscheidung getroffen werde, ehe er mit Mussolini ver­handelt habe.

New Port Herold" schreibt, nach Ansicht von Persön­lichkeiten, die in enger Fühlung mit der Arbeit des Sachver- ständigenkomitees gestanden hätten, dürfte der Bericht unter keinen Umständen der Wahlagitation in Deutsch­land und Frankreich dienen. Da die deutschen Wahlen am 4. Mai stattfinden, ständen der Reparationskommission und den alliierten Regierungen nur wenige Wochen zur Ver­fügung. Es beständen Zweifel, ob diese Zeit ausreichen werde; es hätten sich aber in Paris .Anzeichen bemerkbar gemacht, daß der Versuch gemacht werde, alle Verzöge­rungen zu vermeiden. Man halte es jetzt für wahr­scheinlich, daß die Reparationskonnnission die deutsche R«- gierung guffordern werde,

«rwerzüglich Stellung zu nehme«.

Gleichzeikig werde der Bericht der Sachverständigen offiziell an Me beteiligten Regierungen überleben werden. Im übrigen sei der Kern der zu entscheidenden Frage immer noch:Was wird als Aequivalent für die Garantien geboten, die wir zurzeit in der Hand haben?" Der Bericht der Sach­verständigen beruhe auf dem Gedanken des Verzicht» auf die Ausbeutung des Rahrgebietes und der Wie­derherstellung der wirtschaftlichen Integrität Deutschlands. Tiber es dürften viele Monate Erforderlich sein, um ihre« Plan in vollem Umfange wirksam zu machen, bis dahin je­doch könne Frankreich sich nicht mit einem bloßen Versprechen Deutschlands abfinden.

Renwahlen in Zr-goflawien.

Auf Grund der Beratungen mit zahlreichen Parla­mentariern hat der König Paschit'ch zur Vornahme derWahlen ermächtigt. Der Ministerpräsident hatte ihm die Unmöglichkeit dargelegt, bei der jetzigen Parlamentär,scheu Lage regieren zu können, nachdem der Versuch zur \lufnagme des Klerikalen Korositsch in die Koalitionsregierung ge­scheitert war Indessen soll die Skupschtina vorlänfig n t ch t aufgelöst werden, sondern man gedenkt nur, auf förunb der Verfassung die Session u schließen, so daß erst am 20. Oktober die Wiedereröff- ang vorgenommen werden kann.

Der tummle KomgsSesuch in Paris.

Trinksprüche und Frcundschastsbeteueru»ge«.

Wie bereits kurz aemclbet weilt das rumänische Röntge- paar seit Donnerstag in Paris. Bei dem Diner, das rranzöüsckie Regierung z u Ehren des r u m a n t f che» Königspaares gab, erinnerte der Präsident der Republik, in seiner Tischrede an den E intritt.R« manteu- in

Weltkrieg, an den gememiamen Kampf an Z»i^ fr^r Verbündeten und an die Jahrhunderte altes Be-