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Hersfelder Kreisblatt

Amtlicher Anzeiger für den Kreis Hersfeld

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Nr. 45

Dienstag, den 15. April

1924

In Paris wird die Ueberreichung ver deutschen Antwort auf den Sachverständigenbericht für Donnerstag erwartet.

Die Micum-Berhandlungen in Düsseldorf haben eine Wendung genommen, die eine Verständigung möalich erscheinen lassen.

-Die französische Kammer ist aufgelöst worden. .. . ~ ^ ^ Volksabstimmung in Griechenland sind /5 Prozent der Stimmen für die Republik abgegeben worden.

Deutsche Minderheiten.

Deutschland hat schon vor dem Weltkriege an Abwande- ntng gelitten und nicht die schlechtesten seiner Söhne als Ruiturdunger für andere Länder abgegeben. Aber dieser x ^inem Verhältnis zu der Sstwächung der deutschen Volkskraft, wie sie durch den Versailler Vertrag vorgenommen wurde, und wenn wir das Deutschtum im ganzen, also Oesterreich eingeschloffen, in Betracht ziehen, werden wir bei dem Schicksal Südtirols eine un- 111 b a r blutende Wunde gewahr. Dort ist eine urdeutsche Bevölkerung, entgegen ihrem Selbst- bestimmungsrecht, von Italien vergewaltigt worden und muß losgelöst vom Mutterlande den Kampf um ihre Existenz führen. Bei den letzten Faschistenwahlen haben die südtiroli- schen Deutschen trotz ihres Anschlusses an den Wahlbezirk Srient (Trentino) mit ihrer Liste die größte Stimmenzahl (33 000), (die Faschisten 22 000 Stimmen, die Maximalsten, Kommunisten und Republikaner insgesamt 18 300 Stimmen) erhielt und doch nur zwei Parlamentssitze errungen, so daß es den Anschein hat, als wenn der deutsche Widerstand in Er­mattung verfallen ist. Der Geist Andreas Hoftrs ist in uw^uii^p^^^ meroens 2-ap die raffgierigen Italiener diese Wandlung von verzweifelter Resignation bis zur Verteidigung gegen namenlose Unbill fürchten, erhellt aus der Verschärfung der eine Italienisierung bezweckenden Zwangsmaßnahmen besonders auf dem Ge­biet der Schule.

Von einem derarffgen Nachlassen ist bei der deutschen MinderheitinPolen glücklicherweise nichts zu spüren. Im Senat ist sie mit fünf, im Reichstag (Sejm) mit 16 Sitzen vertreten, während die nationalen Minderheiten im ganzen über 89 Sitze verfügen. Das verdanken sie ihrem über­raschenden Wahlsieg vom 11 November 1922. Die polnische Regierung empfndet je länger je mehr dem Minderheitsschutz- vertrag, über den Genf seine Hand hält, als ein für Polen und seine Polonisierungspläne unerträgliches Hindernis, und sucht die dem Völkerbund zustehenden Befugnisse zu einer Einmischung in die inneren polnischen Verhältnisse umzu- stempeln, und der Senatsmarschall Trompczynski hat sogar, unbekümmert um außenpolitische Verwicklungen, mit dem Ge­danken einer Schutzvertragskündigung gespielt. Einstweilen sucht Polen seine Zwecke mittels Enteignung der deutschen Ansiedler zu verfolgen und hat dadurch die deutsche Gruppe im Sejm zu einer Vorstellung an die Regierung mit dem Hinweis auf den Bruch des in Genf abgegebenen Versprechens veranlaßt. Man vergißt in War­schau gar zu gern, daß die Republik kein Nationalstaat, sondern ein Nationalitätenstaat ist, der für den Kriegsfall auf den Zusammenhalt seiner Teile angewiesen ist und sich vor Zersplitterung seiner Kräfte hüten muß. Polen hat nicht nur Litauen wegen der Memel- und Wilnafrage beständig auf dem Halse, auch Rußland läßt sich von Zeit zu Zeit vernehmen, teils wegen Ermordung russischer Staats­angehöriger, von denen ein nach französischem Vorbild man erinnere sich an die Zutodefolterung des Oberförsters Feldmann (Moorbach) in einem polnischen Gefängnis nach qualvollen Martern umgebracht wurde, teils wegen der Berichtigung der durch den Frieden von Riga falsch fest­gesetzten Westgrenze. Wird mit Polen eines Tages von der Sowjetregierung abgerechnet, dann dürften die unterdrückten Nattonalitäten ihre Forderungen anmelden, und diese Aus­sicht legt es der Warschauer Regierung nahe, den Bogen nicht zu überspannen, sondern einen Ausgleich zu suchen. Su kann auf die Dauer den außenpolitischen Schwierigkeiten md)t Herr werden, wenn sie mit ihrer Verfolgungspolitik im Innern fortfährt, und deshalb wird sie. bremsen und den Nationalitätengruppen, auch der deutschen, mehr^Bewegungs­freiheit, besonders im vormaligen Großherzogtum Posen und tn Oberschlesien, zugestehen müssen.

Aber das ist Zukunftsmusik. Erfteulicher für Deutich- « l Greifbare Ergebnis der dänischen Holkethmgs-

und wird X N*te&M «MM Sdmmn, S*W «^

wir auch für die dänische Sozialdemokratie keine besonder« Sympathie aufzubringen vermögen, so ist sie doch von der nationalistischen, deutschfeindlichen Note, die kleinliche Drangs salierungen der Deutsch-Schleswiger nach sich zog, freizu- sprechen. Eine unrühmliche Ausnahme haben wir nur für die deutschen Sozialdemokraten zu verzeichnen, die versucht haben, ihre Gesinnungsgenossen in das dänische Lager, jedoch nur mit geringer Gefolgschaft, hinüberzuleiten. Den Löwen­anteil an der Abstimmung haben die Sozialdemokraten mit 55 Abgeordneten, bei einem Zuwachs von 17 Mandaten, da- vongetragen. Für uns ist wichtig, daß die Voraussage der dänischen Nationalisten zuschanden geworde-r ist, die ein Ver­schwinden des deuffchen Elements bei der Wahl glaubten er­warten zu dürfen. Der deutsche Kandidat Pastor Schmidt (Wodder) vereinigte in Hadersleben allein 1296 Stimmen auf sich gegenüber den 1170 im Jahre 1920, und ist gewühlt. Das ist ein ziffernmäßig kleiner, aber insofern doch bedeutender Erfolg, als im Kopenhagener Parlament die deutschen Schles- wiger nicht mundtot gemacht worden sind und ihre Stimme gegen die Unterdrückung erheben können. Wenn ein moralisch und materiell wiedererstarktes Deutschland wieder im Rate der Völker gehört wird, werden auch die deutschen Minder­heiten im Ausland wieder den ihr zügesagten, aber leider nicht gewährten Schutz genießen. M. B.

Aebsrreichung der Antwort Donnerstag.

Die Minister und Staatspräsidenten der deuffchen Länder sind Montag früh zu einer Besprechuyg mit der Reichsregierung über den Sachverständigenbericht in Berlin eingetroffen. Die gemeinsame Sitzung des Kabinetts mit ben Präsidenten hat vormittags Mi 171 begonnen und dauerte

trug naturgemäß ausschließlich orientierenden Charakter, denn es ist der Reichsregierung daran ge­legen, die Auffassung der Oberhäupter der deutschen Länder zu den überaus wichtigen Fragen der Sachverständigenberichte kennenzulernen. Demselben Zweck der Orientierung dient die für Dienstag morgen anberaumte Sitzung des Kabinetts mit den Führern der Reichstagsfraktionen. ,

Die Entscheidung zur Stellungnahme zu dem Sachverständigenbericht wird dann vom Kabinett allein gefällt werden. Ein Beschluss das Kabinetts ist voraussi chtlich für Dienstag zu erwar­ten, denn bis zum Donnerstag werden wir unsere Antwort aus den Sachverständigenbericht nach Paris übermittelt haben.

Zur Entscheidung steht auch noch, ob es bei der zunächst in Aussicht genommenen schriftlichen Antwort bleibt, ober ob man sich noch zu einer mündlichen Beantwortung entschließen will. Die wesentlichsten Beschlüsse gelten natur­gemäß der sachlichen Stellungnahme zum Bericht der Sachverständigen. Die politischen Richtlinien, nach denen sich diese Entschließung einstellen wird, sind bereits wiederholt erörtert worden und erstrecken sich auf die Befreiung des besetzten Gebietes und auf die verschiedenen Bedenken gegen die hohen Ziffern der in Aus­sicht genommenen Jahresleistungen, gegen die übergroße Zahl von Kontrolleuren, Agenten usw.

Deutsche Unterhandlungen in Paris, Brüssel und Rom.

Der deutsche Botschafter v. Ho e s ch hat am Sonnabend nachmittag einen neuen Schritt bei der französi­schen Regierung unternommen, um die Einschaltung eines Zwischenzustandes zwischen dem Ablauf der M i c u m vertrüge ab 15. April und der endgültigen Regelung der Sachlieferungsfrage auf der Grundlage der Sachverständigen, berichte zu ermöglichen. Ministerpräsident Poincare ivar durch den Besuch des rumänischen Königspaares in An, pruch genommen, und der deutsche Botschafter wurde deshalb vor Ministerialdirektor Peretti della Rocca empfangen. Wu Derniere Heure" meldet, hat auch der belguche Minister d e s A e u ß e r n den d e u t, ch e n G e , a n d t e n empfanger und mit ihm eine lange Besprechungber ow Micumver träge gehabt. Nach einer weiteren Staun ^lonng aus Ron hat am Sonntag nachmittag im i t a l i e n t i ch e n ... u ß e n Ministerium eine wichtige Unterhalt': g zwischen M u, s o l i no und dem deutschen B o t' c t - er v. N e u rath über das Reparation 'roblem stat.,^funden. Un im Unterredung nahmen teil Avezzana, der U^Wiichc Botschafter'in Paris und - Urenuche Delegierte in der Reparatümskommission, Sali .or Raggi.

Vorbehaltlose Zustimmung Belgiens.

Nach dem Brüsseler Berichterstatter der Times wird das belgische Kabinett den Beschlüssen der Reparationssachver- ständigen vorbehaltlos zu stimmen. Die belgische Regierung werde die baldige Zusammenkunft der Häupter der alliierten Regierungen norschlagen, um die Fragen der Festsetzung des Betrages der deutsche» Schuld, der Verteilung der Zahlungen und derSanktio­nen" zu erwägen, die angewandt werden sollen,wenn Deutschland nach Zustimmung zu den Beschlüssen der Sach- verständigen versrAen sollte, sich seinen Verpflichtungen M entziehen". . >

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Günstige Wendung der Micum-

Verhandlungen. W

Am Sonntag wurden die Verhandlungen zwisch« der S e ch s e r k v m m i s s i o n und der M i e u m wiede» »ufgenommen. In der Hauptsache bezogen sich die De­batten auf Reparationslieferungen, die Festsessung der itohlensteuer sowie der Ausfuhrgebühren und die Güt- igkeitsdauer der auf der Tagesordnung stehenden neue« Vereinbarungen. Allem Anschein nach nahmen die Be- Pressungen, die ununterbrochen bis 6 Uhr andauerte«, inen sehr lebhaften Verlauf. Durch die be- annte Entscheidung der Reparationskommission vom 11. April war indessen die Diskussion erheblich erleich» ert worden. In wesentlichen Punkten konnte ine Einigung erzielt werden, ohne dass aller- >ings endgültige Ergebnisse zustande gekommen wäre«. Immerhin darf man hoffen, dass die Unterhändler, die im Montag vormittag 10 Uhr erneut zusammenkom» nen, noch vor dem Ablauf des gegenwärti» t e n Vertrages ihre Mission zu Ende führen. Wie »erlautet, haben nach Schluss der offiziellen Sitzung die ranzösischen Vertreter in Anwesenheit des Generals tegvutre «gre «»e^preer-rtngeu nva) tauge uute^cuiauvee fortgesetzt.

Der Zwischenfall in ponie Tresa.

Die Italiener drohen mit einer Strafexpe- ) ition. Verstärkung der Grenzgendarmerie.

Wie bereits kurz gemeldet, hat die italienische Regierung )urch Vermittelung des italienischen Gesandten beim Schwei­zer Bundesrat Beschwerde dagegen erhoben, daß schwei^rische Militär Personen, die sich in unmittelbarer Nähe der Grenze bei Ponte Tresa befanden, am 8. d M. feindselige Rufe gegen Italien und seine Regierung ausgestoßen hätten. Der Bundesrat hat den Chef des politischen Departe­ments beauftragt, dem italienischen Gesandten zu antworte«, daß er alsbald nach erhaltener Kenntnis von den über triefen Zwischenfall verbreiteten Gerüchten eine militärische Untersuchung an ordnete und diese auch unverzüglich kingeleitet und rasch und energisch durchgeführt werde. Tv^- dem hat der Zwischenfall bereits einen

schweren Uebergriff italienischersetts

räch sich gezogen. Der Gemeinde präg dent des tessinffche« kkreisdorfes Ponte Tresa hatte sich am Freitag in persönlichen Angelegenheiten nach Vareie in Italien begeben. Er wurde dort von den Faschisten festgenommen, au

Sitz der faschistischen Partei geftihrt und einem Vechor übe* die angeblichen Zwischenfälle von Ponte Tresa unterzog«. Die Faschisten verlangten von dein Genieindepräsidente«, saß er einen Aufruf erlas i e, in welchem er sein Bedauern über die angeblichen Vorfälle ausspräche und ein# Lntschuldigung vorbrächte, da sonst \

eine Ettafexpedition nach Ponte Tresa unternommen werden würde Die Faschisten erklärten: sind bereits 350 Bewaffnete und werden, wenn es notwen^s sein wird, bis zum St. Kotthard marschieren." Endlich wurde der Gemeindepräsident freigelalsen, nachdem er gezwungen worden war, eine Erklärung zu unterzeichnen, in welcher « bestätigt, i m Grunde i e i ii e s her z e n s y t a 11 ener zu sein. Nach seiner Rückkehr begab er sich nach Bellinzona. wo er der Kantonregierung einen Bericht übergab, den dres« an den Bundesrat weiterleitete _ Wegen bteies ^orfauee wurden die italienischen Grenzposten und das G e n d ar > m e r i e k o r p s an der italienisch-schweizerischen Grenze Er­starkt, um einen Ueberfall der Faschisten auf schweizerischer Gebiet zu verhindern. 9hu her Brücke zwischen italienisch und schweizerisch Ponte Tresa wurde eine Kette ge­spannt Die Brücke wird von Carabinlerl bewacht.

Vor dem französr^-rumäntschen Bündnis.

Reuter berichtet aus Pakts, die Unter red u»j zwischen Poincare, dem rumansschen Außenmintst« Duca und dem rumänischen Gesandten in Paris fcn dre erft einer Reihe von politischen Unterredungen die, une tn V<m- allacmein angenommen werde, zu einem rj a n z o 11 rumanischen B ü n d u isvertrago sichren werdS