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Hersfelder Kreisblatt

Amtlicher Anzeiger für den Kreis Hersfeld

Erscheint Dienstag. Donnerstaa an® Sonnabend. Der Bezugspreis beträgt monatlich L- Golbmart / / AnzetLenprelS für die einspaltige Vetllzeile oder deren Raum 10 W, für amtliche und auswärtige Anzeigen 15 W. Reklame,eile 50 Ma- / / Druck u. Verlag von Ludwig Funks Buchdrockerei in HerSfeld.

Mitglied des Vereins Deuttcher ZettungS-Derleger. / / Für die Schriftleitung verantwortlich Franz Funk in SerSfeld. / / Serosprecher Rr. S.

Nr. 63

Dienstag, den 2T. Mai

1924

Der Rücktritt des Kabinetts wird spätesten« für Dienstag erwartet.

3m Preußischen Landtag hat eine eingehende B e sprechung des Ruhrkonflikte begonnen.

Der Briefwechsel MaeDonald Poinearß wird restlos veröffentlicht werden.

Bei Autom obilunfallen am Sonntag kamen nicht weniger als acht Personen ums Leben.

Die französische Krisis.

Die durch die Wahlen in Frankreich und Deutschland gekennzeichnete Duplizität der Ereignisse scheint sich in Parallelerscheinungen fortzusetzen: diesseits und jenseits des Rheins Ministerkrisen, die nicht gerade stürmisch verlaufen, nur daß diese in Paris, genau genommen, erst mit dem am 1. Juni erfolgenden Rücktritt Poincares beginnt und in der Zwischenpause in aller Ruhe der Schriftwechsel mit neuen Männern vorgenommen werden kann. Wenn nicht alles trügt, wird der Staatspräsident Millevand den Oberbürger­meister von Lyon, Herriot, als Worfführer der neuen Linksmehrheit mit der Feststellung der Ministerliste beauf. tragen, und die Sozialdemokraten werden ihm ihre wohl- wollende Neutralität nicht versagen. Diese Wahr­scheinlichkeit wird indessen einigermassen durch das Dazwischen- schieben der Kandidatur Painleves gestört.

Dieser hervorragende Repräsentant des Linksblocks, als Ministerpräsident 1917 gestürzt, bekannt als Gegner Elemeneeaus, ist plötzlich als Mitbewerber um das Amt des Kammerpräsidenten aufgetaucht, nachdem er von anderer Seite als Ministerpräsident vorgeschlagen war. Aber Herriot M. ** E Erd­reichen Präsidenten des Senats Doumergue entnehmen wm, auf die Unterstützung der Linken rechnen und scheint sie sich auch insofern auf der Rechten im Punkte der Außenpolitik ge­sichert zu haben, als er angeblich in Poincares Fußtapfen zu treten zugefagt hat. Was davon Wahres ist, wird die Zukunft lehren, und wenn er sich den Ratschlägen seines Vorgängers anbequemen sollte, haben wir nichts Gutes zu erwarten, besonders wenn er, wie es heißt, einen russen- fteundlichen Kurs einschlagen und neue Anknüpfungen mit Sowjetrußland sichern will. Schon 1922 hat er auf.einer Reise nach Moskau nach dieser Richtung hin gewirkt, und jetzt ist ihm Gelegenheit gegeben, den Faden wieder auf« zunehmen, da die Russen nach ihrem Abfall in der Londoner Konferenz durch Verstärkung ihrer Handelsbeziehungen zu Frankreich Entgegenkommen zeigen. Wenn Painleve Kam­merpräsident werden sollte, findet er in ihm einen will- jährigen Bmrdesgenoffen. Dabei ist allerdings anzumerken, daß Stimmen auf der Linken laut werden, die keineswegs für eine Bevonnundung ihrer Politik im Sinne Poincares zu haben sind, sondern die Konsequenzen aus dem Wahl­ergebnis'ziehen wollen.

Daß der abtretende Premierminister seinen Nachfolger ebenso wie den englischen Premier beeinflussen möchte, ist unverkennbar. Er läßt verbreiten, seine Sanktionspolitik werde von Herriot fortgeführt werden, und sein letzter Brief an MaeDonald verrät gleichfalls, daß er noch immer nicht der angenehmen Beschäftigung des Drahtziehens hinter den Kulissen entsagt hat. Das kann er um so ungehinderter tun, -als ihm in der Person des Staatspräsidenten Millerand eine Rückendeckung gegeben ist.

An diesem Punkte hat die Opposition eingelegt. Dieser Präsident war den Radikalen von jeher ein Dorn im Auge, seit er, der Pariser Typ des Kleinbürgers, sich dem Marxis­mus verschrieb, um ihn als Abtri'mniger zu verraten. Das geschah als ihn Waldeck-Rousssvil mit dem Handels- ministerium betraute. Damals war der Marquis de Gallifet, L Vernichter der Pariser Kommune, Mitglied des Kabinetts, und das WitzblattLe Rive" stellte dmnals Waldeck- Rousseau als Maire bar, der die Ehe des keuschen, als Braut im Schleier austretenden Millerand mit dembril- lanten" Marquis im Namen des Gesetzes vollzog. Das war Mitte 1899 Seitdem hat der ehemalige Advokat als Minister de- Handels, der Oeffenttichen »teilen, des Krieges g.mrfr. wurde Anfang 1920 Mini,t«rnr-f>d°nt und übernahm im September desselben Jahres die Sßvagbentid^ft der flau. ^''sWegS K"i'k E-ien lassen, bei er sich den Wünschen der O. . l.n ... heute fügen würde. Aber man mißtraut ihm um über Nacht wi" an seinem »nii^Mt S«»«. N. Sozialdemokraten vergeben it)m.; ^la ©allifet und da sie ausschlaggebend für l.c politischen Lage sind, benutzen G die des %

um bett Verhaßten endlich zu stürzen. Er soll den Glysee- Palast räumen, und zwar um PainlevL Platz zu machen. Die Ernte ist schnittreif, und die Beschlüsse der radikal- sozialistischen, republikanisch-sozialistischen und sozialistischen Parteien sowie ihrnc Presse lassen nichts an Deutlichkeit zu wünschen übrig:Fort mußt du, deine Uhr ist abgelaufenl" Dem Mantel Poincaräs soll der Herzog in Gestalt Millerands nachfolgen. Mm gibt seiner Politik nicht nur Schuld an der Krisis des Franken, sondern erinnert auch an sein Ver­halten in Cannes, wo er die von Briand geführten Ver­handlungen zum Scheitern brächte, und man würde es, wie ein französischer Journalist hervorhebt, nicht verstehen,wenn nach derartigen Erfahrungen sich ein Ministerpräsident dazu herbeiließe, unter ständigen Drohungen".

Angriffe von dieser Schärfe sind ernst zu nehmen; sie drücken in diesem Falle die Meinung einer Mehrheit aus, die aufs Ganze zu gehen beabsichtigt und durch die Wahl Painleves Verständnis für Möglichkeiten bekundet. Wird er am 3. Juni zum Kammerpräsidenten gewählt, so ist damit ein Sprungbrett für ihn geschaffen und die Atmosphäre ge­reinigt. Es wäre ungereimt, einen Poincars zu beseitigen und seinen Generalissimus weiterhin zu dulden. Wir werden bald erfahren, ob der von links wehende Wind sich zu einem Millerand fällenden Sturm steigert. B. M.

Hochbetrieb im Reichstage

Demission des Kabinetts unmittelbar bevor­stehend.

Im Reichstage versammelte« sich am Montag nahe- s« sämtliche Fraktionen, um zu der politischen Lage Stellung zu nehmen. Am Vormittag sind die Sozial- Kemokraten zu ihrer ersten Fraktionssitzung zusammen» zetreten, ebenso die Bayerische Volkspartei. Ferner tagte noch einmal, und zwar zum letztenmal, der Aus­

schuft zur Überwachung des Personalab­baues, der noch vom letzten Reichstag gebildet wurde. Um Nachmittag saften die Fraktionen der Deutschnatio- »alen, des Zentrums, der Deutschen Volkspartei und bet Nationalsozialistischen Freiheitspartei. Die Frak- Honett der Demokraten und der Kommunisten treten erst am Dienstag vor der Plenarsitzung zusammen. Die Reichstagsfraktion der Bayerischen Volkspartei hat sich in ihrer Vormittagssitzung konstituiert. Vorsitzen- her wurde der Abgeordnete Leicht. Zum Schriftfüh- eer wurde der ehemalige Justizminister, der Abgeord- tele Emminger, gewählt. Die neugewählten Ab- geordneten gehen von ihren älteren Fraktionskollegen begleitet umher, um mit dem Hause vertraut zu werden. Andere Abgeordnete zeigen ihren Angehörigen den IBallotbau.

Ueber den weiteren Verlauf der Regierungsbildung lassen sich noch keine bestimmten Voraussagen geben. Die Aussichten daraus, daft alsbald eine Einigung er- stell werden könnte, werden nach wie vor in den Kreise« liier Fraktionen sehr gering bewertet. Sollte es zu einem Scheiter« der Verhandlungen kommen, so wäre damit an rechnen, daft wohl noch in den Abendstunde« beS Montags das Reichskabinett seine formelle

Remission gibt.

Die Sozialdemolraüe erhebt Anspruch auf das Reichsiagspräsidium.

S« d« Sozialdemokratischon Reichstags- fraktion erstattete der Vorsitzende Müller-Franken tat Bericht über die gegenwärtige politische Situation. Gegenüber den Bestrebun^n auf Bildung eines Bürger- blockd oder einer Rechtsregierung werde die sozialdemo- krattsche Fraktion sich d u r ch a u s a b w a r t e n d verhalten. Sie Fraktion stellt den Alterspräsidenten des Nesthstages, den Abgeordneten Bock-Gotha. Sie wird auch des Anspruch erheben, als stärkste Fraktion a n» gesehen zu werden; die den Reichstags» präsidenten zu stellen hat, doch ist darüber ein end- Mtigtt Beschluß noch nicht gefaßt worden. -----

Selbstmordversuch BszenhaGis.

Von unterrichteter Seite erhält W.T.B. eine gu,chrift, tn bet es u. a. heißt: Die russischeZeitung ^svesta verofsent» Acht einen teilweise in die deutsche kommunistische Prepe über- gegangenen Artikel über den F^ll Bozenhardt in w. che.u -ine Unwahrheit an die andere gerecht nnrd Ge­radezu ungeheuerlich ist die Unterstellung, ba| bu viv .. ^Jien der russischen Handelsvertretung Bozenhardt und Lehnann nichts anderes als Spitzel der derliner po n : r- schen Polizei gewesen fern; oaß vre flucht vioemy .a

von der Polizei im Einvernehmen mit Bozenhardt konstruiert worden sei, um einen Anlaß zum Einschreiten gegen da» Gebäude der Handelsvertretung zu haben, und daß Lehman« mit Dorwiffen der Berliner Polizei dem Bozenhardt Unter­schlupf gewährt habe zum Zwecke der Bloßstellung der Han­delsvertretung. Da die letzteren Behauptungen auch von einer deutschen kommunistischen Zeitung, der Volkswacht, wie- dergegeben find, hat der Polizeipräsident von Berlin gegen den verantwortlichen Schriftleiter dieser Zeitung Strafan- trag wegen verleumd erischer Beleidi gung gestellt. DerFall Bozenhardt" ist kennzeichnend für die kommunistische Methode, eigene Parteianhänger, die von den Behörden bei verbrecherischen Plänen ertappt werden, ein. fachfallenzulassen,zu verleugnen und zuSpitzeln" zu stempeln. Bozerchardt selbst, der ein seiner Partei seit langem treu ergebener Kommunist ist, war über die zuerst in der Roten Fahne aufgetauchte Behauptung, er habe sich von der Polizei als Spitzel mißbrauchen lassen, derartig bestürzt und entsetzt, daß er sich in seiner Depression das Leben nehmen wollte. ..

Der italienische Königsbesuch in London.

von

Begleitet von vier britischen Torpedobootsjägern und fünf Flugzeugen, traf am Montag der Kanaldamp^rMaid of Orleans mit dem italienischen Königspaar an Bord in Dover ein. Das italienische Königspaar ist dem Thronfolger, dem Prinzen von Piemont und Prinzessin Mafalda begleitet. Die königlichen Besucher

wurden in Dover von einem Salut der Hafenbatterien emp­fangen. Der Prinz von Wales, begleitet vom italieni­schen Botschafter, begrüßte die Gäste, die sich in einem Son- derzuge nach London begeben, wo sie auf dem Bahnhof vom britischen Königspaar empfangen werden. Die bri- sreibt diesem Besuche, der sich bis zum Don- men wird, große Bedeutung zu. Die ttalierris cbez

britisch tische Presse sch^ nerstag ausdeh ,

Londoner Morgenzeitungen bringen heute . in italienischer «ispw^^W^WM^^^ auf Ote ^reunoicha» der beiden Herrscherhäuser und Nationen hingewiesen wird.

Herrioi will die ^uhrbesehung nurlockern".

Der Pariser Korrespondent der Times hatte eine Unter­redung mit Herriot in Lyon. Herriot sagte, das neue Kabinett würde vor dem 5. Juni nicht beisammen sein. Wenn er zur Macht käme, würde er kein Mitleid mit der Opposition haben, die jetzt wieder ben Sturz des Franken herbeigeführt habe, weil sie wisse, daß solch ein Sturz immer die Lage der Demokratie verschlimmere. Herriot schloß mit den Worten:Mit welchen Männern ich auch zu tun haben möge und welchen Ländern |ie auch angehören mögen, ich werde doch immer denselben guten Willen vo« ihnen verlangen, den ich selbst ihnen entgegenbringe. Ich betone meine Absicht,dieRechtemeines Lan- des energisch zu verteidigen."

In einer Unterredung mit dem Vertreter der deutsch­feindlichen Daily Mail soll Herriot gesagt haben, er hoffe in zwei bis drei Wochen nach England zu kom­men.Sobald ich die Ministerprüsidentschaft übernommen haben werde, werde ich Ramsey McDonald meinen Besuch machen. Was die Reparationsfrage und das Gutachten der Sachverständigen angeht, so werde ich in alle Versprechungen der deutschen'Regierung keineswegs blindes Vertrauen haben. Die R u h r b e s e tz u n g wird nur insoweit g e lockert, als es notwendig ist, Deutschland die notwendigen wirtschaftlichen Kräfte zu geben, um die B e z a h l u n g sei - n er R e p a ra t i o n s s ch u l d e n aufnehmen zu können. Daraus dürfe aber nicht gefolgert werden, daß man einem widerstrebenden Schuldner auch noch die Werkzeuge aushän- digen wolle, um sich seinen Verpflichtungen zu entziehen.

Veröffentlichung tes Ärieftv-lchfelö Mac Donald - Po unsre

Wie aus Paris weiter gemeibet wird, hat Poin­cars am Sonntag einen neuen, sehr herz: ich gehaltenen B r i e f v o n MaeDonald erhalten. Der eng'md)e Pre- miernnnister setzt darin auseinander, es wäre im ^ntereße beider Länder dienlich, die zwischen den beiden Mnnsterpra- sidenten ausgetausast - 5t o r r e s p on d en z »e ro f» fentlich en. MaeDonald bittet Poincars um bte Erlaub- nis dazu. Poincars hat daraufhin feine Zustimmung ge« L Es handelt sich im ganum um vier Briefe.

©er Gouvernem der Bank von England nicht in Deutschland.

Berlin, 25. Mai.

Ru der Meldung eines Berliner Börsenblattes, wonach der Ga.vernenr der Bank von Eng Jaub ach t H n begeben haben soll, um mit dem Relchsbankprafi» -..... «g-vebenbe Fragen" zu verhandeln,

Stille, daß diese Meldung

deuten Dr. Schacht über erfahren wir von -a . nicht den T a t; a ch c

: spricht.