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Hersfelder Kreisblatt

Amtlicher Anzeiger für den Kreis Hersfeld

Erscheint $len<tag, Donnerstag und Sonnabend. Der Bezugspreis beträgt monatlich 1. Goldmark / / Slaretaenpreis für die einspaltige Detitretle oder deren Raum 10 Vka kür amtliche und auswärtige Anzeigen 15 Mg., Reklamezeile 50 Dkg. / / Druck u. Verlag von Ludwig Funks Buchdruckerei in Sersfeld,

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Nr. 71

Kifi.

Sonnabend, den 14. Juni

1924

In Versailles trat am Freitag die französische Nationalversammlung zur Präsidentenwahl zu. kämmen. "

Der republikanische Konvent hat Dawes zum Vizepräsidenten der Vereinigten Staaten vor- »-schlagen.

Präsidentenwahl in Versailles.

Aus Versailles wird vom Freitag, dem Tage der -Präsidentenwahl, berichtet: Das Schloß von Versailles und der Park find seit gestern geschlossen. Ungefähr 600 Gen­darmen versehen den Sicherheitsdienst; die Gleise sind mili- tärisch besetzt. Die Stadt bietet heute ein Bild, das fast an die Tage der Mobilisation erinnert.

Die Stadt hat alle Vorbereitungen getroffen, um die Gäste zu empfangen. Irr verschiedenen Hotels sind Zimmer für die Kammerpräsidenten und die Mitglieder des diplo­matischen Korps und sonstige Behörden reserviert. Es ver­lautet, daß die Parteien, die nicht dem Linksblock angehören, ebenfalls vor der Eröffnung der Nationalversammlung zu einer Besprechung zusammenkommen werden.

Um 10 Uhr kam ein Extrazug mit der Regierung in Versailles an. Bereits zwischen 10 und 11 Uhr begannen die Senatoren und Abgeordneten einzutreffen. Gegen 11 Uhr kam im Hotel Reservoire, das seinerzeit der Sitz der deutschen Friedensdelegation war, und wo sich heute das Hauptquartier des linken Blockes befindet. Francois Marsal M, der zugleich mit de Se lv e eintraf und sich mit ihm in lebhaftem Gespräch entfernte. In der Halle des

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vtels

Ms DknUraMüs '"ftMT"

um 1% Mr die Doliversam mlumg der Links - grüppen der beiden Kammern, und icm 2 Uhr endlich wird die N a t i o n a l v e r s ain m.l um g e r - öffnet / -

Es gehen Gerüchte um, daß die Kommunisten sich darauf vorbereiten, die Nattonalversannukung durch Kuirdgedungen zu stören. Wenn nicht anders, werben sie versuchen, eine große Kundgebung unter freiem Himmel zu verunstalten. Während bei der Wahl von Valiöres und Ponincars die üi^bergabe der Gewalt im Elysde stattfand, und zaxrr in Gegenwart der Büros der beiden Kammern, wird dies heute nicht der Fall sein. Die Feierlichkeit, die allerdings sehr ein« fäch ist, wird im Büro des Präsidenten der ZMjüSSlversammlung staWrd«!.. V i

Die BorabsiimmuM.

Günstig« Aussichten für DoumergUe.

An der Abstimmung in der Vollversammlung der links stehend« Parteien zur Bestimmung eines Kandidaten für die PrSMeuffchaft am Donnerstag haben 475 Deputierte Msd fegatoren tei [genommen. Das Ergebnis der Wahl ist 1 folgend«»: Kcmnnerpräsi dent Painleve306, Senatsprän D-Dmergue 14 9, Poinear« 1 Stimme, werfe _ Nach der Abstimmung hat der Kammerpräsident Batate» 6 spontan erklärt, er wolle seine Kan. »rückziehen, wenn dies angesichts eine, bitten Kandidatur möglich erscheine, oder stä Maßnahmen anschließen, die die republikanische Pflich' Zwei Schritte, die bei dem Senatspräsidentei I von den Vorsitzenden der repnblikanischen Drup> pen, die an der Abstimmung teilgenommen haben, unter mamnen worden surd, haben trotz eindringlicher Dorstellun- geu ihn Nicht veranlaßt, die Vorschläge an zu »eh me«. Doumergue erklärte, er habe auf eine Kandi­datur nicht zu verzichten, da er nicht ausgestellt sei. Er füg» bb&Uv er werde nicht Kandidat aus bem Kongre in Versailles sein, aber er gÄu^D auch dort nicht da- SMt zu haben, seine Freunde zu vechindern, für ihn zr stimmen. Infolgedessen hat die Versammlung beschlossen, daß PainIev 6 der einzige Kandidat der re­publikanischen Disziplin sei. Die Voraussagen nehmen eine große Mehrheit für Doumergue an. Einige Morgenblätter gkauben, daß Doumergue im ersten .Wahlgange 500 Stigmen erhalten werde. . b-^^ > doumergue zum Präsidenten gewählt.

Die Wahl des Präsidenten durch die National- ; Versammlung in Versailles wurde um 5 Uhr geschlossen. Das Ergebnis ist folgendes:

Doumergue 615 Stimmen

Painlevee 809

Cameltnat sKommuntst) 21

Im ganzen wurden abgegeben 860 Stimmen. 8 Stimmen waren zersplittert, 7 ungültig. DoumerMe ist somit zum Präsidenten der Republick gewählt.

Geheimnisvolle Entführung eines italienischen Abgeordneten.

Der Oppositionsführer Matteotti spurlos verschwunden.

Aus Rom wird gemeldet: Der sozialistische Abgeord­nete Matteotti, einer der Führer der Opposition in der italienischen Kammer, ist seit Dienstag abend verschwunden. Nach Blättermeldungen wurde er in einem Auto entführt. Die Behörden stellen eifrige Nachforschungen an. Matteotti hatte viele Feinde, namentlich unter den Großgrundbesitzern. Wie ein Rechtsanwalt der Polizei mitteilte, hat er von einer abgelegenen Straße Roms von seiner Wohnung aus zu- gesehen, wie am Dienstag nachmittag Unbekannte einen graugekleideten Mann fest hielte» und gewaltsam in ein Automobil schleppten, mit dem sie davonfuhren. Der Festgehaltene habe verzweifelte Anstrengungen gemacht, um freizukommeu.

Zu dieser geheimnisvollen Verschleppung verlautet weiter: Auf Befehl Mussolinis sind alle Polizeikräfte Roms aufgeboten worden, um die Entfiihrung Matte- ottis aufzuklären. Der Generaldirettor der Polizei, General de Bona, hatte eine lebhafte Auseinandersetzung mit den: römischen Polizeidirektor und übernahm dann selbst die Leitung des Aufklärungsdienftes. Es stellte sich heraus, daß mehrere Personen am Dienstag nachmittag mitange- sehen haben, wie Matteotti gewaltsam in ein Auto geschafft und entführt wurde. Der Portiere d'Italia hält sich darüber auf, daß diese Leute erst so spät Anzeige gemacht haben und daß in Rom eine solche Entführung über­haupt u o r E o in m e n könnte. Im Monte Citorio hat man geringe Hoffnung, daß Alatteotti lebendig wieder zum Vorschein kommen wird. In Oppo- sittonskreisen ist man überzeugt, daß dem Entführten ein tragisches Schicksal beschicken ist. Das Automobil, mit dem die Entführung ausgeführt wurde,^konnte in einer großen | «r»«^^

mietet und Mittwoch früh zurückgebracht worden. Die Oppo- sitionsblätter sind voll von Protesten. No h der Ho- zialdemokratifchen Justitia ist das Verbrechen rein poli - t i f cf) e r Natur. Mit diesem Verbrechen wolle man einen politischen Gegner unterdrücken.

'Mussolini erklärte

in der Kammer, die näheren Umstünde seines Verschwindens ließen die Vermutung gerechtfertigt erscheinen, daß es sich um ein Verbrechen handele. Ein solches Verbrechen würde von feiten der Regierung und der Kammer aufs schärfste verdammt werden. Die Polizei, die auf Grund ihrer Nachforschungen schon einem bestimmten Ver­dachtsmoment folge, werde nichts unterlassen, um die An- gelegenheit aufzuklären.

Im Namen aller Oppositionsparteien, auch der gemäßig­ten Sozialisten, erklärte Gonzales, daß die Regierungs­erklärung allzu schablonenmäßig sei. Als darauf der Repu­blikaner 'Cesaro zu den Regierungsbänkerr das Wortmit- schuldig" herüberrief, entstand ein großer Tumult, so daß dieSitzungaufgehoben werden mußte. -

Schwere Explosion auf einem amerikanischen Schlachtschiff.

46 Zote unb 100 Zerleste.

«in Funkfpruch meldet aus New York: Bor Sa» Pedro an bet kalifornischer Küste wurden auf dem liebes» dreadnoughtMississippi" durch Explosion eines Geschützturmes 4 6 Ma » »der Besatzung ßetötet itnb 100 verwundet. Die erste Explosion fand bei einer Schießübung in einem Geschützturm statt, durch sie war. Pe« 2 0 Mann der Besatzung getötet. Dia ^MifsiffiPPi" lief in aller Eile in den Hafen von Sun Pesro ein. Kurz nachdem sich das Tchiff dort verankert hatte, fand eine zweite Explosion statt, durch bie wieder eine große Anzahl Matrose« ge- tötet oder verletzt wurde. Es ist ein Wunder, daß andere in der Rahe liefteitbc Tchisse nicht beschädigt war. den. Nähere Einzelhelten über die Explosionen liegen «och nicht vor. Die 1917 gebauteMississippi" hat etne Wasserverdrängung von 32 000 Tonnen. Sie gehört der

Alotteuabteilung des stille» V jeat.d an.

------------- - Looli-ges Jrominienmg zmn präsidenischafts« Kattdidate«.

Dawes j*m BizeprSsiden te« vorgeschlagen.

Nach Berichte« aus New York wurde auf der re- publikauifche« Kouventko» in Elevelaud Präsident Eoolidge zum republikanischen Präsident- schaftska»didate» antet großer Begeisterung nominiert. Wie weiter berichtet wird, ist Dawes zum Kandidate« für die BizePräjideGtschast erwählt

Worde«.

Der demokratische Konvent wird nächster Tage in New York stattfinden. Dort wird es sich Voraussicht» lich um drei bis v i er P r äsi den ts ch a fts kan d , « baten handeln. An erster Stelle nennt man M a c A d o o, den Schwiegersohn Wilsons, an zweiter Stelle den Gouver- neur des Staates New York, S m i t h , der sich aus einfachen Verhältnissen emporgearbeitet hat und sehr populär ist. An dritter Stelle wird Senator Underwood unb an vierter Stelle der Progressive La Follette genannt. Letzterer ist ein genauer Kenner EMvpas upd DejltschtkudK, 4

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Die neuen Micum-Verhandlungen ergebnislos.

Die Sechferkommifsion in Berlin ein g etro ffe ».

Die französische Behörde gibt Über die DUM- dorfer Micum-Verhandlungen vom Donnerstag folgendes Eoinuniquee heraus: Die Besprechungen zur Erneuerung der Micum-Verträge haben am Donnerstag um vier Uhr nach- mittags begonnen. Die Industriellen legten die schwie­rige Lage dar, in der sie sich infolge der aus den Micum» Verträgen entstandenen Lasten unb den aus den letzten Streiks sich ergebenden Konsequenzen befinden. Sw stellten die Frage, ob die französische und belgische Regierung geneigt sei, die für die Reparationsleistungen erforderlichen SmmuHv

entweder

direkt vorzuschießen

n>ber durch Vermittlung der Pfänderkasse v o r z u st r e ck e n. Sie erklärten nötigenfalls die unentgeltlichen Reparattons- lieferungen f o r t s e tz e n ju könne, unter der dedmgung, daß die Besatzungsbehörde anerkenne, daß diese Leistungen auf Konto des Sachverständigenplanes, und zwar rückwirkend ab 15. April gehen. Das am 15. April abgeschlossene Abkommen würde somit hinfällig. Da die Micmn diese »etfcbiebenen Vorschläge ganz entschieden yb l eh»te . bekchlosseii die ^nbiütrieüen, ; -r ' WM"!"!"" !'E-M h,ff www" in Berlin Rücksprache zu nehmen. Die nächste Besprechimg wird am nächsten Sonntag 10 Uhr vormittags in Düsseldorf sttattfinden. Wie aus anderer Quelle verlautet, find die Mitglieder der Sechserkommission, mit deren Ver­tretern der Mieum verhandelt hatten, bereits in Berlin eingetroffen. Sie werden im Laufe des Freitags eine Besprechung mit den zuständigen Mitgliedern des Reichs- kabinetts über die weitere Behandlung der Micumkrag^

hadern

Die Eisenbahn-Krise. Die Besprechungen' innerhalb bet Ressorts der Reichsreglerunzen über die Re­gelung der schwebenden Eisen bahn fragen dauern zurzeit noch an. Verhandlungen mit den Gewerkschaften haben bis jetzt noch nicht stattgefnnden. Die Hoffnung auf eine Einigung besteht nach wie vor fort. Sie wird in unter­richteten Kreisen fest sogar etwas günstiger emgesch<itzt.

Verweigerte Einreiseerlaubnis für Sattes und Fuch«. Die Besatzungsbehörde hat die Einreiseerlaubnis für den Oberpräsidenten Fuchs zur bevorstehenden Tagung des rheinischen Provinziallandtages nicht erteilt, ^ie fctnrctfe- erlaubnis für den Reichsminister des Innern, Dr. ^ ares, des Präsidenterr des Provinziallandtages, wurde e i n g e zogen. Danach dürfte die Tagung dös rheinischen Pro­vinziallandtages wieder in Barmen stattfinden.

Schwere Erkrankung der Gatl^u des Kaisers. Wie eine Korrespondenz meldet, ist die (bat in Kaiser Wühüns, Her- mine, in Haus Doorn an s ch w e r e m Ge! en t r heu ma - tism us, verbunden mit hohem F7ber und erheblicher Herz­schwäche, erkrankt und liegt seit vierzehn Sagen bewegungslos zu Bett.

Strakantrag Heldts gegen Oberst Richter. Der Oberst a. D. Richter in Dresden hatte in einem offenen Briefe an den Ministerpräsidenten H e l d t diesem und dem Minister des Innern Müller Bruch des Ehrenwortes und der Vertragstreue in der Frage der Einhaltung der Vereinbarung, . die zwischen Sachsen und dem Reich bezüglich der Sächsischen Polizei abgeschlossen worden sind, vorgeworffn. Nach amt- licher Mitteilung ist gegen Richter und die Dresdener Nach­richten, die den Brief abdruckten, nicht nur auf Grund des Schutzgesetzes, sondern auch wegen verleumderischer Beleidigung Strafantrag gestellt worden.

Herauffetzung des schwedische« Diskontsatze»? Nach dem Ausweis der schwedischen Reichsbank ging der Valutabestand der Bank in der letzten Woche weiter zurück, und zwar auf 66,5 Millionen Kronen. An der Stockholmer Börse und in anderen Kreisen ist davon die Rede, daß eine Diskonterhöhung notwendig sei und auch bevorstehe. Der schwedische Diskont- satz ist seit dem 9. November 1923 unverändert 5^ Prozent, während der Diskont in Kopenhagen und Christitznia gegey. wärtig 7 Prozent beträgt. b , '

Ami