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Hersfelder Kreisblatt

Amtlicher Anzeiger für den Kreis Hersfeld

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Nr. 73 Donnerstag, Den 19. Juni 1924

, 3n der französischen Kammer verlos Herriot die Bot - schast des Präsidenten und feine Regierungs­erklärung.

«in ungewöhnlich schweres Straßenbahn- Unglück hat in IserlohU 2.1 Tote und zahlreiche Schwerverletzte gefordert.

Die südafrikanische Regierung hat eine schwere W a h l n je d e r l a ge erlitten.

Französische Programmerklärungen.

Der Staatspräsident Doumergue hat an den Senat und die Kammer eine Botschaft gerichtet, deren Ton erheblich von der pokernden der Pariser Presse gegebenen Erklärung Herriots absticht und in seiner Kürze die Stellung zu wichtigen Fragen offenläßt. Aber zu bem darin zitierten Geist franzö- stfcher Versöhnlichkeit will das Pochen auf die im Friedensver- trage angeblich enthaltenen Kontrollrechte nicht passen, und der Hinweis auf die Revanchelust des Belegten und auf seine geringe Neigung, die auferlegten Verpflichtungen innezuhal- ien, zei^, daß Dountergue im Fahrwasser Rolkets fchwimnkt. Bedeutend klarer und schärf« ist der von Her- Gst der Kammer unterbreitete Kommentar zu seinen an tiefer Stelle bereits kurz charakterisierten Aeußerungen. Was an dieser Kundgebung für Deutschland erfreulich ist und sym­pathisch berührt, ist d^ nahezu restlose Begnadi­gung der Opfer der französischen Militär- kustiz im besetzten Gebiet. Das sei daher vorweggenom« und bei der Nachprüfunggewisser schwer« Fälle" wird der erste günstige Eindruck nicht verwischt werben.

wollen wir diesen.Schritt Herriots nicht überschätze«, in- wir Hm lediglich ethische Regungen zugrunde legen,

MmM

rambe einen so bohem « erregt. dak Bet Wagens auf der abn

Meinung nachgerade einen so hohen Grad erreicht, daß bei den kommenden Reparation sverhandlungen diese Skanda-

Sofa unliebsamen Betrachtungen unterzogen worden wären. Mnzeichen dafür lagen vor.

Das langatmige Regierungsprogramm ist nach inner- pMtischen und außenpolitischen Gesichtspunkten gegliedert mch von dieser Disposition ist nur bei der Ankündigung, die Gesandtschaft im Vatikan nicht mehr aufrechtzuerhalten, ab­gewichen, und bei der weiteren das Gesetz über die Kongre­gationen fortan anzuwenden. Die Verwahrung gegen In­

toleranz und Religionsverfolgung, die daran wird bei den kirchlich gesinnten Kreisen nicht «

in, und

die französische Kirche bürste sich bamit die SympaHlen all« Katholiken verscherzt und den Vorwurf, kullÄrkÄrurferisch vorzugehen, auf sich geladen haben. Nicht bet Radikal«^ ihnen ist nunmehr ein Lieblingswunsch erfüllt und eine all­gemeine, sich nur nicht auf Verräter und Deserteure ev- streckeirde Amnestie wird das Maß der Zufriedenheit voll machen. Andere Reformen sind auf dem Gebiete der Ver­waltung, des Gewerkschaftsrechts für Beamte, des Wahl' Systems (Rückkehr zur Einzelwahl!) geplant. Die französische Gesetzgebung soll in Elsaß-Lothringen restlos einge» Ret, die Kontrolle der Reparationsgelder für die zerstörten Landstriche ernstlich in Angriff genommen und der Acht, stundeutag gesetzlich gesichert werde«, was Her- «iot auch-bei der deutschen sozialdenwkratischen Presse eine gute Note für seine Politik verschafft hat. Nicht zu vergessen itst auch die M i l i ist r r e o r g a n i s a t i o n , die eine Her­absetzung der aktiven MilitärdieNstzeit, im Sinne DoWNßv- Kiech Vorsicht.

" Dann folgt die naMrückliche Abweisung jedes Annchfi- ons- und Ervösrunc^sgedaü keys. Diese Melodie hat auch Ponüarü "gepfiffen solange" bis sie zum abgeleierten (Sassen*

Hauer wurde, und trenn sie Herriot jetzt wiederaufnimmt, wird sie darum nicht erträglicher, daß Frankreich, im Inter­esse der Niederhaltung des nationalistischen Pangernmnis- mus, in die Ruh r r ä u m u n g nur unter Bestel­lung ü*o n P fand e r n willigen wird. Die Ruhrbesetzurrg widerspricht dem- Bersailier Vertrage, das ist den Franzosen von den'verschiedwlsten Seiten,in fallen/in England gesagt worden, und wenn He^pioi. verlbahswidrige Bedingungen an dir Diksetzüng kninA, triff er in die Fußtapfen PoinearS». Wie die deutsche StinT: reffe gegenüber dieser Tatsache ihre Befriedigung ,i:er das Programm Herriots ausdrücken kann, zunüts, bei er im ^r/äj !!#^ von ihm freilich abgeleug- nete Gewaltpolitik eilrxr..inLerüstioNalen Kontrolle durch den Völkerbund dao Lort redet. Der Beitritt Deutschlands zum Mlkerbunch ein SpeSköder für pazifistische und sojialbemo* kratische Mäuse? wi.b durch die Ankündigung HerriÄs -i» ben Bereich der Owälichkeit gerückt,' aber wenn kein deutsch« Vertreter im ^lsrrbiuchsM sitzt, bleibt Deutschland das, AschnistMWWrs | bewahrt.werden. muß

Des weiteren hat sich der Ministerpräsident über die Sicherung Frankreichs mit Hilfe von Garantieverträge«: ver- breitet und ist dabei in Friadseligteit heru»«geplatsch«rt. Er tmrte, Frankreich kenne bat Haß nicht, es genüge ihm, seine Stütze in der Gerechtigkeit M finden, und daran schließt sich wiederum die ^erfüllte Versicherung, die französische Re- gierung könne keinerlei Schwäche zugunsten jener Deutschen haben,- die nicht davauf verzichten, Verträge zu ver- stümmeln, den Geist der Revanche und der Wiederherstellung der Monarchie zu nähren. Man verzichtet in Paris also nicht auf die Einmischung in innerpolitische deutsche Verhältnisse und gibt dafür eine Anbie' . derung an das russische Volk zum besten, das lange auf ge­meinsamen Schlachtfeldern mit Frankreich geblutet habe. Das Siegel soll »mit der Aufnahme normaler Bezie­hungen zu Rußland" auf die neue Freundschaft ge­drückt werden trotztragischer Ereignisse und Verschieden - artigkeit der Grundlehren". Der Moskauer Bolschewismus als Mitbürger für den Weltfrieden! Vollen Beifall erzielte Herriot mit seiner Progranrmentwicklung nur bei seiner ei­genen Partei, und der Kommunist Lachin gab als Kenner der bolschewistischen Psyche ihm zu verstehen, daß das kommu­nistische Regime nicht im Parlament, sondern außerhalb -seiner ausgearbeitet und in die Tat umgesetzt werben würde. Danach scheint der die Sicherheit Frankreichs bedrohende Feind nicht so sehr an der fernen Zone als an der Seine zu stehen. M. B.

Schweres Straßenbahn» Unglück in Zserlohn.

21 Tote, 40 Schwerverletzte.'

N wird gemeldet: Am Dienstag abend 8gw*pit MrEr trues»awB«»»W^

_________, . fchüfsigen Tilsingstraße in der Ober- grüne und rannte gegen die Mauer der Schlieperscheu

5iettenfabrik. Der Wagen wurde zertrüunuert. Bisher wurden 21 Tote geborgen und 40 Schwer- u»d Leichtverletzte festgestellt.

Ueber das entsetzliche Unglück erhalten wir folgenden Be­richt: Als gestern Abend die Stadt unter bem wolkenlosen Frühlingsh'imrnel den Werktag ausklingen ließ, lief eine grauenhafte Kunde von Mund zu Mund. Schon die kurzen Angaben genügten, um ben Umfang einer Katastrophe er- kennen zu lassen, wie sie seit Jahrzehnten tm Deutschen Reich nicht zu verzeichnen gewesen ist, wenigstens nicht in bem Rahmen eines Straßenbahn- Unglücks. Schupoautos und Sanitätswagen rasten nach bet Um Mcksstätte zu, während schon Privatautos und Straßenbahn­wagen die ersten Opfer der Katastrophe nach den Jserlohn« Krmrkenhäusern brachten. Still und grauenhaft verstümmelt lagen die jäh aus dem Leben Gerissenen in den Fahrzeugen; blutdurchtränkte Verbände, zerfetzte Giiedniaßen ließen ben stocken. Den verhängnisvollen P^tz m der.

bei der Kettenfabrik Schlieper & Sohn hatte die Schupo abgesperrt. Inzwischen arbeiteten die Feuerwehr«« nonOberarüne und Untergrüne und die Samtatsfolonnen von JserlM und Letmgthe fieberhaft an der Bergung der

~ ' An der Unglücksstätte

«eKst war er auch erst Möglich, ein wahres Bild von dem Umfang der grauenhaften Katastrophe zu erhalten und ben eigentlichen Hergang zu erfahren. Um 7,15 Uhr abends fuhr, wie üblich, ber Strafenbahnwagenberweft- fäbischen Kleinbahn von I,erlohn in der R-chtung Hichenlimbura ab. Um den um diese Seit besonders starken Verkehr bewältigen zu können, läßt die Kleinbahn während dies« Stunde ihre geräumigen Wa g c n auf der t^teeae fabaen So war denn auch der schwere Vievachsenwagen, dessen Fahrt ein so tragisches Ende finde«: sollte, üfcerfüöt Irr ber Hauptsache war der Wagen

«tt Frauen und Äädche» besetzt.

Schon in ber Augustastraße, wo die abschüssige Hagen« Sand- straße für Fahrzeuge besonders gefährlich zu werden beginnt, etzte das Verhängnis ein: die Bremsvorrichtung versagte. Rettung wäre noch möglich gewe,e«, wenn bw elektrische Bremse hätte eingesetzt werden können. Aber das war auch -richt möglich, weil die am Le.tungsdrahr entlang laufende, ben Wqen mit elektrischer Kraft fpeifeii^e R oll« aus ELeitung gesprungen mi Mit imnier mehr zunehmender Geschwindigkeit rastender Wagen nun die abfallende Hagener Landstraße hinab. Es müssen

J furchtbare Augenblicke

für die Insassen des Wagens, die die kornmende Katastrophe u ahnen begannen, gewesen sein. Und, kerner vermochte pe avzuwe»8on. Das bdfmi&ers starke -sich: bei bem Ueber« nana Der Hagener Landstraße in rupagsirope lreß den Wagen^«un mit einer ungehQtreu r ^Vchr , rrh.n- tasen. W Tät der' Grüne, an oer -e-ar en Oue bei ver Kettenfabrik wurde »er Wagen aus den Su;.en^n gebraut

und raste ber den Vorgarten bet Kettenfabrik nach der Straße abschließcndeii Steinmauer entgegen. Diese zertrümmernd, prallte ber Wagen mit der Stirnseite gegen eine alte Buche, zertrümmerte diesen Baum und zersplitterte bann ineinander berstend in furchtbarer Weise.

Der schwere Z«samwe«bruch des Buchenstammes mit den Aesten «nd eht sich umlegender, wie eine Spirale verbogener eiserner Leitungs- mast drückten den in der Mitte auseinandergeborste- «e« Wagen bis auf kaum 1 Meter hoch zusammen. Holz, Eisen und Glas bildeten einen un­förmlichen Haufen, wie um die Stätte des Grauens zu verhüllen. T-er etwa 1 Meter an­fallende Vorgarten zur Kettenfabrik «vor mit zer­splittertem Glas und blutigen Gegenständen der Verunglückten übersät und mitten darin lagen viele Fahrgäste mit entsetzlichen Verstümmelunge,».

Der Führer des Wagens wurde einige Meter weit in ben Garten geschleudert und war sofort tot. Vo«r ben annähernd 50 Verunglückten sind 30 außerordentlich schwer verletzt. Besonders tragisch ist das Schicksal einet Mutter, die gemeinsam mit ihrer Tochter den Tod fand. Der Vor­derperron, auf dein zum größten Teil nur Männer stauben, schlug sich vollständig ineinauder, so daß die bedauernswerten Opfer gräßlich zerquetscht, und detftü mige11 würben. Hier kam

niemand mit dem Leben davon. ' / :

Aber auch im Innern des Wagens war das Unglüct furchtbar. Nieinand blieb ohne Verletzung. Wie es heißt, wurde eine Frau, die sich auf der Mauer ausgeruht hatte, gleichfalls getötet. Die Unglücksstätte bot einen jammervollen Anblick. Die Lust war erfüllt von dem Stöhnen und Schreien der Verwundeten. Mittwoch vormittag hat die Staatsanwaltschaft an Ort und Stelle die

Untersuchung über die Schuldfrage

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in dein Versagen der Bremse liegt. Kritik wird daran ge­übt, daß die Straßenbahn statt des sonst überall ein geführten modernen Bügelsystems noch das alte Rollensystem hat. Da die Rolle aus dem Leitungsdraht sprang, war die Möglichkeit zur Verhütung des Unglücks erschöpft. In der Stadt herrscht natürlich große Niedergeschlagenheit über dix furchtbare Katastrophe.

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Schiffszusammekstoß in den Lofoien.

Die Routendainpfer iin Nebel zusammen gefah­ren. 2 0 Passagiere ertrunken.

Dienstag nacht stießen im W e st f j o r d in den Lofoten die beiden norwegische«: DampferH a a k o n I a r I" und Song Harald" in dichtem Nebel zusammen. Haakon Jarl" ging unter. 18 bis 20 Personen, hauptsächlich Frauen und Kinder, ertranken.Kong Harald" wurde verhältnismäßig wenig beschädigt. Das Schiffsungliick wird von der norwegische«: Presse als das größte bezeichnet, das die norwegische Routen- fahrt je betroffen hat. Die meisten Passagiere des Haakon Jarl" waren zu Bett, als der Zusamennsstoß erfolgte. Im Laufe von 5 bis 10 Minuten strömte das Wasser durch das Leck desHaakon Jarl" ein Und brächte das Schiff zum Sinken. Nur ein Teil der Passagiere, denen er gelang, auf Deck zu lammen, konnte in den voi: den beiden Schiffen eiligst ausgesetzten Rettungsbooten gerettet werdest,

Röckiriiiss'öflchLen MrWLm's?

Die Matteoiti-Mörder leugnen immer noch. Der Kampf i m Automobil. Finzis Skandal- geschichte.

Nach Meldungen aus Non: hat sich die Regie­rungskrise in Italien weiter verschärft. Es verlautet, daß auch M » s s o l i n i sein R ück - trittsgesuch ein gereicht habe, doch ist diese Mel­dung bisher nicht bestätigt wurde»:.

Der Faschismus durchlebt gegenwärtig seine dunkelste Staube, jedoch zeigt sich Mussolini in bewundernswerter Weise der Lage gewachsen und greift mit eiserner Saab durch. Da» ganze Land ist in M ! t I e i de n s ch a f t gezogen. Mau hört von nichts anderem sprechen als von Demis­sionen und Verhaftungen. Dementis jageu ÄDe anbet. Das

Parlament scheint gesprengt

zu sein, jedenfalls tagt die Kammer nicht. mehr. Ueber«! flackern Streikversuche auf, doch sind solche bisher sämtlich zu- fannnengebro-cf/en. Dir Presse mahnt zur Ruhe. Auch die Blätter der Opposition hüten sich, die Situation auszunutze«, da die geringste Unvorsichtigkeit mn b ;obere Folgen noch ficht