Hersfelder Kreisblatt
Amtlicher Anzeiger für den Kreis Hersfeld
Erscheint Dienstag, Donnerstag und Gonnabeab. Der BerugSpreiS beträgt monatlich 1.— Golbmark / / Unreigenpreis für die einspaltige Velltzeile oder deren Raum 10 Mg., für amtliche und auswärtige Anzeigen 15 Vfg., Reklamezeile 50 Vfg. / / Druck a. Verlag von Ludwig Funks Buchdruckerei In Hersfeld.
Mitglied des Vereins Deutscher ZeitungS-Verleger. / / Für die Gchriftleitung verantwortlich Franz Funk in HerSfeld. / / Fernsprecher Rr. S.
Nr. 75
Dienstag, den 24. Juni
1924
dusommenkumfti» Chequers ist eind neue Aeparatro»skollfereuz am 16. Juli in Lon« oo» beschlösse« ©neben.
— Mit den Gefangene« aus St. Marti» be Re ist auch In- geuwur (Borges i» Zweibrücken eingetroffen.
— Die Erregung gegen die japanischen Ein- r'"et * ^ Amerika wieder gesah rdroh e o d im warfen begriffen. ,
Sie Ziisammenklinft von Chequers.
Gewisse Londoner Kreise hatten, sobald der Besuch Her- nÄs angekündigt wurde, behauptet, die Aussprache zwischen chm und MacDonald werde nur privater und un« verbi ndlicherArt sein. Die für Humor empfänglichen Engländer werden die UnverbinÄlichkeit dieses Privatisst- mnms gebührend eingeschätzt haben, denn der französische Premierminister hat sich in offizieller Mssion, keineswegs als Prrvatmann, nach London begeben, um das Terrain zu son- iüeven und das vom Foreign Office herausgegebene Cour muniqu^ bezeichnet denn auch die Besprechungen als „freund fchchfttich *
®te waren, nach ihrer vielstündigen Dauer zu urteilen, sehr umfangreich, doch ist als greifbarer Inhalt nur anzumerken^ Lmh spätestens Mitte Juli eine Ko n- ferenz einberufen werden soll, um endgültig das Verfahren für die Anwendung des Dawesschen Gutachtens festzu- setzen, und daß beide Minister zur Eröffnung der Völker- bundsitzung auf kurze Zeit nach Genf kommen wollen. Auf der Reise dorthin ist dann DiacDonald Gelegenheit gegeben, den Besuch Herriots zu erwidern. Aus Kreisen, die der
französische»
. .■ W^äU4U^^
iroor, daß England und
eine fortdauernde ZusamMenarbeit verpflichten, was nicht gerade „unverbindlich" klingt, aber auch die Frage anregt, warum man die Moral als Mndemittel benutzen will, während sonst bei Verhandlungen von Staat zu Staat ein juristisch einwandfreier, sorgfältig paragraphierter Vertrag als bester FreundschastsStt angesehen wird.
Da die Verhandlungen in Chequers vertraulich waren, ist weiter Spielraum für Vermutungen gegeben, und der Londoner Temps-Korrespondent hat sogar schon, bevor Herriot den Kanal gekreuzt hatte, die Ausführung des Sachver- ständigen-Berichts, die Militärkontrolle und die Sicherungs- frage unter Zuziehung des Völkerbundes als Gegenstände der Unterhaltungen vorausgesagt. Andererseits hat die Nation, ein Organ der enMchen Liberalen, Herriot die Mahnung zu- kommen lassen, sich keinen Täuschungen über die wahre Meinung in England hinzugeben, indem sie schreibt: „Wir haben gelernt, die Rückkehr des Wohlstandes nicht von Entschädigungen zu erwarten, die ein besiegter Feind zu zahlen hat. Wir haben uns zu der Erkenntnis durchgerungen, daß Freundschaften und Bündnisse aus Kriegszeiten trotz aller ihrer eindrucksvollen Zufammerchange mit gemeinsamen Opfern und Idealen weit weniger dauerhaft |tnb als Feindschaften und Neid aus Kriegszeiten." Das konnte auch der Sozialdernokoat MacDonald unterschreiben oder geschrieben haben, und wenn er in diesem Sinne euren Ausgleich an Herriot gesucht haben sollte, wäre schon einiges erreicht. Hat dieser d^ einem afrikanischen Journalisten gegenüber zu- gestanden, daß dessen Ansicht, die französische Politik hatte sich seit den letzten Wahlen geändert, richttg fei Was den günstigen Eindruck dieser Erklärung start, ist die Crnennung Nollets zum Kriegsminister und die Anmaßung, mit Droh warten den deutsche» Parteien eine bemofrahidje Weltanschauung einbläuen zu wollen. Trotzdem steht dies alles einem
ontaeaen Wenn auch die Herriot stützende ES.’gÄw « S-z!..,d^-Ir°.°n ^ deucschfeindlich amgesprochen werden muß, verbindet pe doch t der Labour Party und S^^ü^ ^b daß die englischen Arbeiter in dieselbe SSiSi^nX Herbe wie gewisse Konservative schlagen soll- ^LNü^i5EeTn oorha'iden. Herriot wird, wenn fc Außenpolitik inaugurieren will, ÄSÄTUi müssen; Besonders wird MacDonald ,ai ni^ ^ nötig sein, und *ÄSÄ? «fdiesen Punkt «?.Äft ^uvta-wicht gelegt und ihn. falls bei den Beraturigen . Programm geftanben haben * nicht mf d--., fcygg.,Jl ^ IM« hd.
ym Kammer, wonach das ^^Ä^I^Läna besetzt bleiben müsse, verrät, Ruhr, zebiet noch jahrz . < . ^anen Nicht um der im anen
Staren Dsuffststands weiten, i»
MSfmvg der immer wieder zütage tretenden englisch-fran Mschen Gegensätze gelegen ist, und vor allem: er kann aus be» Dawesschen Bericht entnehineu, daß bei der Fortdauer der Ruhrbesetzung keine Anleihe für Deutschland zu erreichen ist. Ohne diese geht das geldbedürftige Frankreich leer aus, und kein noch so moralischer Vertrag mit England wird ihm einem Pfennig verschaffen können. Daß die Besetzung der Ruhr mit einem finanziellen Rechenfehler behaftet war, ist den Franzosen längst klar geworden, nur wollen es die Pomcarifien nicht eingestehen. Die Sicherheits- und End waffnnngsfroge sind im Vergleich dazu nebensächlich und nrehr und mehr zu einem Druckmittel geworden, um in der Hauptsache möglichst viel herauszuschlagen. Darüber werden wir im Laufe des nächsten Monats in der Londoner Konferenz, diesem Ergebnis der Aussprache von Chequers, authentisch AnMirung erhalten. P. K.
Der „moralische Pakt".
Die angekündigte Zusammenkunft zwischen Mac- Donald und Herriot hat am Sonnabend und Sonntag i« Chequers siattgesunden. In London wurde Montag früh eine amtliche Erklärung veröffentlicht, in der es heißt, daß zwischen MacDonald und Herriot freundschaftliche, unformeUe Besprechungen des Dawes- Berichtes und der notwendigen Maßnahme», um diesen bt Wirksamkeit zu setzen, flattfattben. Die Besprechun- ge» ergaben eine allgemeine Uebereinstim- M«»g über die gemeinsamen Ziele sowie die Entschlossenheit, alle Schwierigkeiten, die Großbritannien, Frankreich und der Welt gegenüberstehen, durch fortgesetzte Zusammenarbeit zu »verwinde«. | Man einigte sich ferner darüber, daß es im allgemeinen
*
dere Mächte teiknehme«, um über das Vorgehen zu entscheid«». Die beide« Ministerpräsidenten einigten sich ferner darüber, gemeinsam der Eröffnung der Völkerbundversammlung im kommenden September beizuwohnen. Der französische Ministerpräsident Herriot sprach sich außerordentlich anerkennend über den befriedigenden Verlaus der freien Aussprache und ihre Ergebnisse aus. Nach der Ausgabe des Communi- qnds haben Ramsah Mac-Donald und Herriot beschlossen, folgenden Zusatz zu veröffentlichen: „Angesichts der Schwierigkeiten, die nicht nur die beiden Länder, son- deru die gesamte Welt beeinflussen, haben wir uns dahin verständigt, unter uns einen moralischen Pakt Htm Zwecke fortgesetzter Zusammenarbeit zu schließen."
Wie Reuter erfährt, ist Herriot von dem Ergebnis seines persönlichen Zusammentteffeirs mit MaeDorrald befriedigt. Die Unterredung habe einen sehr offenen Charakter getobt Beide Mmsterpräsidenten wünschten zu einem vollkommenen persönlichen Einvernehmen zu gelangen; und das sei erzielt worden, ohne irgendwelche Punkte preisznqebcn. Größte Bedeutung müßte dem „mo- rattscheii Pakt fortgesetzten Zusammeiiwirkens" beigemessen werden. Das Hauptziel der geplanten Konferenz in London fei den Dawesbericht in Kraft zu fetzen; zweifellos würden aber auch andere Fragen dort geteilt urerden.
Fast die gesamte französische Presse auch die der W^ rung feindliche, stellt fest, daß dieie Beiprechung mit ihrem überaus günstigen Resultat und Folgen für die f/Mzosisch- englische Entente einen Erfolg für H c r r to t Erstellt. In der achtstündige!.: Unterredung fernen beide Premier, minister zu einer weitschreKendan lieberemsttmmuiig über Me Fragen der Entente zwischen Parts und London gekommen zu sein. Ganz unzweKe yaft sei die Atmosphäre zwr- sckien Paris und London jetzt eine o v th g andere gc^ Arbeit und vor allen Dingen habe MacDonald von Herrwt keine Opfer verlangt. Eine neue Vera der kranzosisch-er^- lischen Entente wird mehrfach, te weise unter großer Begei- Nmmna anoekündmt. Andere Tone ichlagen allerdings das
Paris und der Gaulois an. Pertinax bezcich- ^es als eine höchst zweifelhafte Erscheinung daß Hennot fratuöstidien Polittl eine neue Richtung gebe, indem er alles gewaltsam über Bord werfe, was ferne Vorgänger seit 1920 i mmer w ieder verlangt hätten Sänttliche Probleme leren jetzt
„nach Genfer Losung " orientiert, und das sei das schwerwies.eutsie Ergebnis, das man registrieren könne. Nun fri Deutschland au
Punkt, sich der Gewalt entziehen zu können, die allein noch imstande gewesen wäre, es tm Rahmen des Vertrages zu hatten. Der (TaulviS meint, ^intreidi stehe in tot enuchcidonden dgppe seines Schick- ÄerÄe ai^nbe n es je wieder finden. Dies könne man nicht oft genug .,ed... vun.
Einladung an Oawes.
New York Herold zufolge sollen MaeDonald Herriot in Chequers vereinbart haben, General wes zur Persönliche »Teilnahme an Souferenz in London einzuladen.
u» .
Wie verlautet, wird eine offizielle Einladung an Amerika ergehen, sobald man die Zusicherung hat, daß Amerika biete auch annehnren wird. Man hegt in Pariser und Londoner diplomatischen Kreisen die feste Hoffnung, daß Anierika log», scherweise diese Einladung annehmerr muß, weil die Vereinigten Staaten ein sehr dringerides Interesse an der Ausführung des Dawes-Planes haben. An dieser Konferenz wird Deutschland noch nicht teilnehmen. Wichttg ist noch folgende Jnforniatton des genannten Blattes: Obwohl Herriot zugab, daß das Ruhrgebiet wirtschaftlich und militä- visch geräumt werden müsse, bestand er doch auf der Aufrechterhaltung der interallierten militäri- Kontrolle der drei wichtigsten Eisenbahnen des Rheinlandes und des Ruhrgebietes. Er hält diese Kontrolle sowohl im Interesse der Separationen, wie auch zur Sicherung Frankreichs für notwendig.
HmzuZiehung Deutschlands noch fraglich.
Dem amtlichen Comuruniquö wird tu politische» Kreisen hinzugefügl, daß die mteralliicrte Konferenz von MacDonald ebenso wie deren Tagungsort London borge schlagen wurde. Man erklärt, daß mit großer Wahrscheinlichkeit der 1G. Juli als Datum gewählt worden sei. Diese llonferenz wird nicht den all- gemeinen Charakter haben wie die Unterredung zwischen Mac-Donald und Herriot. Die verschiedenen alliierten Delegierten werden von zahlreichen Sachverständig«« begleitet werden. Es wird im Verlaus der Konferenz
R e st i c r u n g ein geladen theOen sott, Delegierte in die Konferenz
M entsende«.
Herriot in Brüffel.
Herriot ist in Begleitung seines Kabinettschefs Bergerie und des Direktors der Politischen Abteilung des Dium d'Orsay, to kt Ro:c«, von London über Dover und Calais nach Brüssel obgereist. Herriot wird die Belgier von alledem «uterrichten, was in ClMgucrs vereinbart wurde. Herriot hat in Chequers in dem Zimmer Cromwells ge- schlafen. Ob viel von dessen Geist und diplomatischer Überlegenheit auf ihn gelourmen ist, werden die kommenden
Tage lehren.
Die ^Bflü^uitQ des sächsischen USmgsha^ses.
Nach lancieren schwierigen Verhandlungen ist es in der Frage der Auseinandersetzung mit dem früheren sächsischen K ö n i g s b a:i s zu einer Vereinbarung gekommen, die vom G e 's a m t m i n i st criu m gebilligt worden ist. In der neuen Lereinbarung ist der Getzauke der .Kultur- ftiftung, in die die früheren königlichen E a m m l u n - gen gebracht werden sollen, wieder ausgenommen worden; doch ist eine Anzahl königlicher Wte ausgenommen, über die der Staat durch einfachen Beschluß des Landtages verfügen kann. Die in der früheren 'Hon w vorgesehene Abfindung von 14 Millionen Papiermn A iü auf 3 0 0 0 0 0 Gvld » . Die Srchndvgeniturrente ist aus h e r a u s g e n o m m e n worden Us 1028 ist eine Vereinbarung
mark aufgewertet woröo, dem Abfindüngsv ertrag und nicht a b g e l ö st • über die Höhe bet jährlich den. — Wie weiter ver! industrielle Generalkonsul
,i wahrenden Rente getroffen wor-
?t
Dr
steht der bekannte Textil-
bt
Verhandlungen zwecks Crmr Johann Georg, das ur st > von Erzeugnissen aus einem deutschen Industriegebiet dienen oll.
r.'itn i» Dresden in , Polo's des Prinzen c stier Dauerausstellung bet5 hoch entwickelten
Gründung der „AaüorraU beraten ^er'ch^yariei".
Im Reichstag tagte am Sonntag eine von etwa hundert Vertretern der Nationalliberalen Vereinigung Bcrlln-Brcm- denburg besuchte Versammlung, zu der auch Anhänger der Nationalliberalen Bereinigung aus den übrigen Teilen des Reiches erschienen waren. Die Versammlung beschloß die Gründung der Nat i o na l li bera le n Reich-- partei. Die zum Ausbau der Parteiorganisation erfordev. lichen Arbeiten sollen insbesondere auch im Hinblick auf Me tzg^xfiehenden Preußen wählen unverzüglich in Angriff genommen werden. Es wurde fest rt ein Organisation». ausschuß aus 40 Mitgliedern gebildet und MR