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Hersfelder Kreisblatt

Amtlicher Anzeiger für den Kreis Hersfeld

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Nr. 78

Dienstag, den 1. Juli

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®k 91 n t in d r t n o te der R^lchsregierung in Paris überreicht.

In NorbamerÄa vernichtete erm Zyklon bis Stadt L o r a i n e in Ohio.

Neue Arbei^erirnruhear in Sowjet-Ruß» land.

j Deutschland beugt sich der Generalkontrolle.

Die Antwort der Reichsre^iernng in Part» überrsichi. VerWahrungen und Erwartungen. m .Der deutsche Botschafter in Paris h t am Montag dem Präsidenten der Botschafterkonferenz, Ministerpräsident H e r r i o t, d i e A n t w o r t auf die Militärkontrylle über­reicht. Nach einigen einleitenden Worten stellt die Note fest, daß es eine irrige Auffassung sei, wenn in den alliierten Ländern geglaubt werde, daß in Europa neue bewaffnete Konflikte zu befürchten seien von der zunehmenden Aktivität deutscher Organisationen, die mehr oder weniger offen mili­tärische Vorbereitungen träfen. Die deutsche Regierung kann und will nicht in Abrede stellen, daß sich in Deutschland zahl­reiche Organisationen befinden, die sich die körperliche. Ertüchtigung der deutschen Jugend zur Auf­gabe setzen. Diese Organisationen gehen aber bei ihren Be­strebungen von dem Gedanken aus, daß die frühere all­gemeine Wehrpflicht nicht nur einen militärischen, sondern and) einen hervorragenden erzieherischen Charakter hatte. Diese sportlichen und turnerischen Vereinigungen der deutschen Jugend irgend-, wie in Verbindung zu bringen mit militärischen Dorbereitun» gen Deutschlands, ist daher nichtberechtigt. Damit wird der Geist der hier geübten Erziehung, der der Geist jeder ge­sunden Nation sein muß, völlrgverkannt. Das deut­sche Volk lehnt den Gedanken an Krieg ab, und unter allen pa urnW» Mrwren vepeyr ttantgtett imruoer, ce^etae.^#»- Ir ' Waffenrüstung als ebenso unmöglich wie nutzlos und MichHch abzulehnen ist.

Dabei will die deutsche Regierung aber nicht verhehLn, daß im deutschen Volke

s eine tiefgehende Erbitterung

über die gegenwärtige Lage Deuffchlands herrscht, eine Er-' chi mg, die sich in Protesten und Demonstrationen Luft n . t Diese Entwicklung der deutschen öffentlichen Meinung ku - niemanden überraschen, der sich vor Augen hält, was De tschland in den Jahren nach dem Kriege hat erdulden müssen. Das deutsche Volk hat di« E ; dung, daß man ihm gegenüber jede Rücksicht auf seine ni aftlichen Fähigkeiten, vor allem aber jedeRöcksicht an : e i n berechtigtes Selbstgefühl hat vermissen lassen.

Im übrigen glaubt die deuffche Regierung die Tatsache feüä ä'en zu können, daß es keinen ernsthaften Militär in der ga ea Welt gibt, der die Meinung haben könnte, daß Deuffch- fland, selbst wenn es wollte, irgendwie imstande wäW, 61 Europa bewaffnete Konflikte hervorzurufen. . ß

! Deuffchlands technische Mittel,

die materielle Stärke seiner Arome, sind geringer als die­se' 'en auch nur kleiner Staaten. Es ist überhaupt in einen Zu and der Waffenlosigkeit versetzt, bet ohnegleichen in der Geschichte der Völker dasteht. Das deuffche Volk kann es deshalb schlechterdings nicht verstehen, daß man von diesem jDeutschland eine Bedrohung des europäischen Friedens be­fürchtet und derartige Befürchtungen nicht oielmchr an die Tatsache knüpft, daß der Gedanke der allgemeinen A b r ü st u n g bei den anderen Nationen bisher keine 've^ enswerten Fortschritte gemacht hat. Die öffentliche M - i n un g in Deutschland lehnt sich gegen eine erneute K Ue seitens der Interalliierten Militurkontrollkormnisston t>i !b auf, weil diese Kontrolle ihr ständig einen Ein- g r r f i n dieReichssouveränitätvor Augen führt, der 1 sich schon etwas ganz besonders Verletzendes hat und der r überdies im Vertrage von Versailles heute nicht mehr seg. ü det erscheint.

ie deutsche Regierung mußte ftüher unter dem Eindruck sie' daß die alliierten Regierungen die Militärkontrolle D,lunds zu einer dauernden machen wollten. Dem- °ge Iur hat die Note der Boffchafterkonferenz vom 28. Mai L danken der Einsetzung eines Garantiekomitees vi 'olle der Militärkontrollkommiffion fallen lassen im die geforderte Generalinspektion des Ergebnisses da D Hrung der befristeten Vertragsbesttomumgen cWW brüo. ich Us

den Schlußakt der JnteraMerte« Mllitärkoutroll« -' bezeichnet. In dem gemeinsamen Schreiben Eurer E^zeLW- Ustd des Königlich Großbritannischen Serrn Ministerpräfi- öenten ist dies erneut zum Ausdruck gekommen. Die Zurück- ßrehung der Kontrollkommission wird hier für einen m ö a. ia)ft naben Zeitpunkt in Aussicht gestellt, und es wird der lebhafte Wunsch ausgesprochen, die interalliierte Kontrolle durch das im Artikel 213 des Versailler Vertrages dem Völkerbund übertragene Untersuchungsrecht ersetzt

szu sehen. Darüber hinaus glaubt die deutsche Re­gierung wahrnehmen zu können, daß die gegen­wärtige allgemeine Lage durch das Bestreben gekennzeichnet ist, an die Stelle einer Politik, die deutscherseits als Gewalt­politik bepampft werden mußte, eine Politik der Verständigung zu setzen, eine Politik, die zugleich mit der Lösung der Repa- rationsfrage auch die Beendigung aller Kampf- Methoden umfaßt, die bisher zur Erzwingung dieser Lösung angewandt wurden.

i In dem Vertrauen darauf, dass diese Auffassung von den alliierten Regierungen geteilt wird, und unter Fest­stellung der ausdrücklichen Erklärung der alliierten Re­gierungen. daß es sich bei der geforderten General­inspektion um den Abschluss der interalliierten Militär­kontrolle und um den Uebergang zu dem in Artikel 213 j des Vertrages vorgesehenen Verfahren handeln soll, ist die deutsche Regierung bereit, die Generalinspck- tion zuzu lassen. Sie ist sich bewusst, dass sie dem deutschen Volke damit eine ausserordentliche seelische Belastung zumutet. Sie setzt deshalb voraus, dass über die Modalitäten der Durchführung der General- inspektion zwischen den alliierten Regierungen und der deutschen Regierung eine Bersta idigung gesunden wird, die es ermöglicht, die Kontrolle in einer Weise durchzu- führen, die bereits von den: Geis erfüllt ist, der die Be­ziehungen der Völker in Zunkunn regeln soll, dem Geiste der Achtung und des vertrauensvollen Zusammen­wirkens, ohne den eine wirkliche Befriedigung dieser Be­ziehungen undenkbar ist. Die deutsche Regierung darf ferner der Erwartung Ausdruck geben, dass die Inter­alliierte Militärköntrollkommis on die Generalinspek­tion mit allen Mitteln beschleunigt. Die genaue .Kennt­nis aller einschlägigen Verhältnisse wird es den seit Jahren eingearbeiteten Mitgli.der» der Kommission zweifellos ermöglichen, die Kontrolle in kürzester Zeit 3«, Ende zu bringen; die deutsche Regierung bittet daher, als Schlußtermin für die Generatinjpektlon den ^ y. September zu bestimmen.

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Traurig aber wahr.

M r st von P l e ß , der größte Gund'bestPr Oberste» Asiens, ist wie derBester Avyd" mitteitt, vom polnischen !Staatspräsidenten empfangen worden, dem er sich mit dem von ihm angenommenen neuen Namen Für st P s z c z yn e porstellte.

Fürst Pleß, der einer uradligen schlesischen Familie ent­stammt, ist Pole geworden, um dem Lignidationsverfahren zu entgehen. Während des Krieges war das deut­sche Hauptquartier eine Zeitlang in seinem sS chtoß Pleß u n t e r ge d t a cht.

y Aeue Arbeiier Unruhen

t- in (^omj-i-MHlanö.

Bon allen Gegenden Russlands gehen Meldungen von einer Zunahme der 'Arbeite r n n ruhe n als Folg« Her Betriebsei nstcllun gen ein. Die Fabriken sind von Tschekasoldaten, die rücksichtslos die Demon­stranten niederschiessen. besetzt. In der Gegend von Protopopovra habest die Brieiter, nachdem vier ihrer Arbeitsgenossen getörei traten, eine ganze Lschekaabteil ung gesa " ge » genommen und e n t w a f s n e t. Die Fabriken in dieser Gegend sind von den ausständischen Arbeitern besetzt. Mehrere Sottet. Beamte und Tschekasoldaten sind getötet und zur Schau aus den Fabrikschoru s einen ausgrhangt worden.

Die Krise in der pobl fch-ohcrsch'sfischen Industrie. Hat nach Meldungen aus Königshütte (O.-S.) eine außer- . vrdentliäte V e r ( ch ä r f u n g angenommen. Der Arbeitgeber- verband läßt in sämtlichen Hütten betrieben durch Aushang besannt machen, daß die Arbeitgeber nachdem seine Einigung 'in den Verhandlungen mit den -ru>rtnehmeroerbanden er- folgt sei, gezwungen seien, »elbuandig zu handeln und ema ^Ovrozentige Lohn reduzier ung ;owie die Ern- ÄLrunq de? zehnstündigen Arbeitszeit mit Einschaltung von zwei Stunden Arbeitspause ab 1L Juli ein, Mühren Auch müsse die Depatafloble ho^bgesetzt werden. ' De'° Arbeitgcberverbond h m o. . a i schauer e stier o a ein > e! c am - !.n. t dem er dringend

ersucht, einen Zollerlaß und eine Tarifermaßigung für Pro­dukte, die aus dem Ausland für die Großindustrie angeführt werden müssen, zu gewähren. Außerdeni wird die Negierun- ersucht, die Differenz zwischen dem Inlands- und dem Aus landspreis der einzufuhreirden Produkte zu tragen.

Luflizdebai^e im preußischen Landtag.

Zu Beginn der Landtagssitzung am Montag protestierte der Kommunist Dr. Meyer (Ostpreußen) über eine bei ihm am Sonntag von der Polizei vorgenommene Durch­suchungen deren Anschluß er vorübergeheiid v e r ha stet worden sei. Frau Wolffstein, feine Parteigenossin, ver­langte sofortige Beratung eines Antrages auf Aufhebung des Verbotes derRoten Fahne" und anderer koniuruiriftischer Blätter. Es handle sich hier um einen b l öd en W i l I k ü c - a 11 des Polizeiministers Severing. Da Widerspruch erhoben wurde, konirte die Beratung nicht stattfiuden. Mehrere kleine Gesetzentwürfe wurden ohne Aussprache erledigt und sodann die Beratung des Justizetats bei den emzeinen Kapiteln fortgesetzt. Frau Avz. Helfers (Sozdem.) for­derte Aufbesserung der Strafan sta l ts lva chtn <e i st er; sie müßten so gestellt werden, daß Bestechungen durch Gefangene aus­geschlossen seien.

In der weiteren Aussprache über Einzelheiten bei Dffkkz- 1 etats wurden insbesondere Klagen von feiten bet Kom- i munisten über Mißstände in den Gefä»z«tsse« vorgebracht. Einen weiteren Spielraum in der Debatte nahm Die Frage der Ungezieferbekämpf«na tx da» k Strafanstalten ein, für die die Kommunisten IßOOOO Mark in den Etat eingestellt wissen wollten. Danckt schloß die Einzelberatung. Der Etat würbe i« all- i gemeinen genehmigt, die Abstimm«nge» #bet die Anträge werden am Dienstag erfolgen. Der Landtag ging sodann über zur zweiten Beratung des Etat« der Han­dels- und Gewerbeverwaltung. Abg. Dt ' Pinkerneil (D. Vpt.) erstattete den Bericht über die Ausschuß- Verhandlungen. Der Berichterstatter erklärte, daß der erfolg­reichen Handhabung der Handels- und Gewerbeverwaltung die Finanznot des Staates hennnend entgegenstehe. Sei» 1 Haushalt der Handels-und Gewerbeverwal-^ tung begrüßt Abg. Osterroth den Rücktritt Pot«-i c a r 4 s. Um %6 Uhr wird das Haus auf Dienstug. U Uhr vormittags vertagt. ,

Bor der Sitzung des Landtags trat der Aeltestenrat zusammen, um über die Geschäftslage zu beraten. In dieser e ta t erledigt und bet r^Tf g e f a t begonnen werden. Ferner stehen noch zur Beratustg bie (Entwürfe über die einstweilige Regelung der Kosten für die Verwaltungsbehörden der eva^ gelischen Landeskirchen sowie über die Novelle zum Pslizei- kostengesetz. Am Mittwoch wird die kleine Derwaltungs- reform beraten werden. Am Freitag wird sich der Landtag j bis zum 14. Juli vertonen.

D suM'Mös Kampf gegen die

Gchul-lüge. - i

Eine Kundgebung im Reichstage.

men fünften Jahrestag der Unterzeichnung der Urkunde vor rigilles begingen am Sonntag der Arbeitsaus- sich u ß deutscher Verbände und der Deutsche Frauen- ausichuß zur Bekämpflrng der Schuldlüge mit einer inhalb vo-en Kundgebung i m Reichstage. Geh. Rat Dr. Niesle r. M. d. R. dem die Zuhörenden mit ernster Zu­stimmung folgten, als er ausführte, daß der Spruch von Bev- faifles. den wir niemals an erkennen werben, nicht »O« Deutschland, sondern . 7 1 * pi

der ganzen Welt Mm Fluch gewarve« fei Zu den schwersten Opfern an Reparationen fntffttK töte uns bereitfinben lassen, wir aber fordern Wi. e r g»b^> m c h u n a des Verbrechens an unserer Ehre.

In helle Harte Wirklichkeit führt Prof. Hoetzfch; er spricht von dem Verbrechen an der Kultur des Ostens. Urch. nun sollen wir hinein in den Völkerbund.Auf solche Auf- for n-ung,* führte der Redner unter dem brausenden Beifall der Versammlung aus,würde ich antworten: Der ArirkeL; 231 der Friedensurkunde macht uns zu einem Volk minder« Eh r: also sind wir nicht wert, einer erlauchten Gemeinschaft' n ? her eitrigen anzuoehören. Nehmt also zuvor diese M- schu'digunq zurück!" Weiter forderte Hoetzsch

ungesäumte amtliche Auftollung der Dchukdftage.

Wi: sonnen nicht warten, ^s geht nicht um ZkchlunW«. s. geh' um unsere Ehre.

Tor sozialdemokratssche Landtagsabaeordnete Öfteröt g fm 't für die geknechtete Westmark: Fünf Jahre sogenannt«! F T fünf Jahre Not fünf Jahre Verzweiflung, fünf Jahr« V 'nunq. Wollen wir heraus, so müssen wir lernen» untcreinnnber tolerant, nach außen eisenhart zvtz w- den Versailles muß revidiert werben* Solange fremde Soldaten und Kongoneger den heiligen Bo^ den des Vaterlandes besetzt halten, wird die Welt feine#; Frieden haben. N'c werden die Arbeiter der Wesimsrk, dN W-.'.che gehalten H^ben regen den Sevaratismus, bet

Saarifizierung der Rheinland« zusi mmen Aber auch das Saarland ist deutsch U-uhj w - r s d c u l > ch v l e i b e n, , -J

Ueber die koloniale Schuldlüge sprach NvatssekreM a. D. Dr. Dernburq. gegen die irrsinnige Zerre-ßun- ObsrschWens M a n s k e M. d. L., vr. B o y s e n für 9iorb» schlesw g warm und knapp zusammengefaßt Klara Men^* M d. R für die deutschen Frauen,