Hersfelder Kreisblatt
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Rr. 8t
Dienstag, den 8. Juli
HÄ
1924
3m Vorspiel der Londoner Konferenz verdichten sich die Gerüchte von einer Vertagung oderVer- l,egung der Konferenz nach Brüssel.
In Brasilien ist eine ernste Militärrevolte misgebrochen.
?n ^P"k«lsch-Marokko sind erneut erbitterte Kämpfe m i t den Eingeborenen im Gange.
-- M Sie Abrechnung mit dem ' Kommunismus.
Eine Nachwirkung des jahrelangen Weltkrieges, die Ge- wngfchatzung des Menschenlebens, hat eine Mordatmo- 1 " re erzeugt. Französischer Sadismus in den Schützen- ^En wo die „Nettoyeurs" wehrlos deutsche Verwundete achchlachteten, bereiteten darauf vor, und die zwei Millionen medergemetzelter Gegenrevolutionäre in Rußland — unlängst finb uneber 400 an der Zahl von den Bolschewisten „hin- ^jchirt worden —- vervollständigen das Bild mordtätiger Auslosung aller sittlichen Begriffe. Mese Unuoandlung kvm- miiTiphimer Maximen in blutige Praxis wird von allen an- deren Staaten zwar verbammt, aber tatsächlich als innere rui 1 m che Angelegenheit behandelt. Alan ist froh, wenn der heilige Florian nur das Nachbarhaus in Flammen aurgeyen läßt. Indessen züngeln sie, von Moskau angefacht, auch nach Deutschland hinüber. Die jüngstenLnthül- lungen des kommunistischen Treibens lassen erkennen, wie ernst es den Umstürzlern mit der Durchführung ihrer Pläne ist und wieviel geheime Fäden von den bolschewistisch verseuchten Massen in das Hauptquartier der Be- wegung laufen.
Wir dürfen annehmen, daß die Behörde ihrer Herr wird, und wenn es nötig ist, wird keine Volksvertretung zögern, «wää^ im we,etz noch nicht vorgesehener Schutzmaßnahmen und dem Verbot der Kommunistischen Partei den ihm zukommenden Inhalt geben. Wir stehen vor der Frage, ob eine Partei, die zur Erreichung ihrer Ziele vor dem t e r r o r i st i s ch e n M e u ch e l m o r d nicht zurück- scheut, sondern ihn ihrem politischen Arsenal einverleibt, überhaupt noch als politisch gleichberechtigte Partei anzrr- sehen ist. Falls es gelingt, den Zusammenhang der im Reichstag und in den Landtagen sitzenden Parteimitglieder mit den verbrecherischen Organisationen nachzuweisen, dann muß das Spiel mit der Immunität der Ab- geordneten aufhören. Der Anfang damit ist in Berlin mit der Durchsuchung der kommuniftischen Bureauräume gemacht worden. Und selbst der svzialdemokratische Präsident des Preußischen Landtags hat die Aufhebung einer Immunität gutgeheißen, die lediglich z u m S ch u tz e des ®e r - brech e n s diente Nach Sichtung des vorgefundenen Be- weismäterials wird der Gerichtshof, der zum Schutze der Republik bestimmt ist, seinen Spruch zu fällen haben; da jedoch bis zu seiner Entscheidung längere Zeit verstreichen - könnte, werden »ärger die Faktoren der BolksoertWtung, nicht nur Zuschauer abzugeben haben.
i Sie werden mit den in Frage tammenben komomnisti- : schen Fraktionen eine Abrechnung in großem Stil zu halten । halten. Die fehlte bisher. Hin und wieder, wenn die Kom- munisten vor der Tagesordnung oder im Rahmen der Geschäftsordnung Auseinandersetzungen übelster Art anzettel- ten, wurde ihnen zwar tüchtig heimgeieuästet, nur zu einer 1 die Hauptsache nicht nur steifenden, sondern ihr auf den Grund gehenden Aussprache kam es nie. Lag etwa zu einer prinzipiellen Aufrollung des kommunistischen Problems kein Stoff vor? Daran war wahrlich kein Mangel, allein man überließ es der Tagespresse, den Kampf durchzuftch^n, und diese vermochte trotz aller Llnstrengungen, in Anspruch genommen dukch die außenpolitischen Vorgänge, nicht die Ueber» fülle der ihr gestellten Aufgaben zu bewältigen. Der Raum reichte kaum zur Registrierung tcmmunistischer Skandale aus: Dersammlungssprengungen, Mißhandlungen bürgerlicher Elemente, Ueberfä'le wurden gelegentlich ourch Ermordungen ab- gelöst, und was die Polizeiberichte meldeten, bewies nur, wie schlimm es um die öffentliche Sicherheit bestellt war. 8n- weilen, wie im Falle der russischen Handelsvertvetung in Berlin, wurde die Hand russischer Drahtzieher sichtbar, und wir wurden darüber durchaus nicht in dem Maße mit Nachrichten über den Verlauf der ?Inge!egenlM versuchen, dich wir uns ein abschließendes Urteil hätten erlauben können.
Wir wissen nicht einmal, ob diese Spionen zentrale wirklich ihren Sitz nach Paris verlegen wird, oder ob sie tos ü» anderer Form erhalten bleibt soll. _
Gegenstände zur Verhan-dlung im Reichstag find also ig vorhanden, und da er jetzt gewissermaßen persönlich
an der Klärung der burd; hte Haussuchung geschaffenen Saget interessiert ist, dürfen wir hoffe«, daß man mit einer Partes MS Gericht gehen wird die mit einer geheimen Zen» Ürale und einer Tscheka für den Umsturz be» Staatsordnung arbeitet. Sie hat sich, wie schwebend» Prozefse erkennen lassen, dafür mit allen Mitteln ins Zeug aeleat unb damit ihre Existenzberechtigung v er* wirkt. Es ist an der Zeit, daß ihr mit ihrem eigenen Beweismaterial der Mund gestopft wird. Eine Partei, die an
dem Staat diese Berechtigung abspricht, darf sich nicht.wundern, wenn ihr mit Gewalt begegnet wird. Der kleine Zuschuß von gutgläubigen Ideologen in ihrer Mitte, der niemals zum Worte kommt, die Schar unreifer Mitläufer wird in alle Winde zerstieben, sobald Ernst gemacht und ihnen bedeutet wird, daß wer Wind sät, Sturm ernten muß. Es ist seinerzeit die Kommunistische Partei vor der Reichstagsauf- Lösung verboten worden, ein Schlag ins Baff er; das Anschwellen der Partei war die hohnlachende Antwort. Aber
Ob sie jetzt, nachdein sie über Taffachermraterial verfügt, von der Theorie zur Praxis übergehen wird, liegt im Schoße einer nahen Zukunft. Wollte sie nach russischem Beispiel verfahren, so wäre die Ruhe eines Kirchhofs die Folge. So springt man jedoch in Deutschland mit mißleiteten Volksschichten nicht um. Wir sind gesetzliebend und wissen zwischen Führern und Verführten zu unterscheiden. Das wird die Richtschnur für ein Handeln sein, auf das der Spruch paßt: „ZüzHiten sind erfrischend wie Gewitter goldne Rücksichtslosigkeiten." Nur so läßt sich der von den Kommunisten so heiß ersehnte Bürgerkrieg zum Heile des Gemeinwohls ohne Blutvergießen in Szene setzen. Den Kommunisten geschieht mit einem derben Zufassen kein Unrecht. Wer sich einer Tscheka bedient, muß sich des Wortes erinnern, das der Franzose Alphonse Karr einmal den Gegnern der Todesstrafe ent- gegenschleuderte: „Die Herren Mörder mögen anfangen!" Er durfte mitfprech-en, denn er selber war einmal von einer Ermordung bedroht worden. Und wieviele Deutsche sind es heute dank der kommunistischen Agitation nicht! M- Q.
Das Londoner Vorspiel.
Vertagung der Konferenz? — Beabsichtigte Ver- j e g u n g nach Brüssel. — Ein diplomatischer Schritt Washingtons.
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Ueber den Be s uch des Pariser englischen
z c frf che s K o m m «________ ________________________
..Der hat am Sonntag den Besuch
- feiner Exzellenz des englischen Botschafters erhalten, der beauftragt war, ihm die Auffassung Ramsay MacDonalds von den f a l s ch e n in Umlauf gesetzten
Znformationeic erneut zum Ausdruck zu bringen. Ram- san MacDonald erklärte ausdrücklich, er habe keinen Augenblick versucht, seinen französischen Kollegen auf Gedanken oder auf Ausdrücke f e st z u l e g e n, die selbst- ueutänblid) nur auf die Verantw ortung der b r ist ische n R e g i e r u n g h i n , und zwar auf ihre c 2.:rn ^Mreguugen hin, geäußert worden wären. Er hast voroeschlagen. diese Mitteilungen an die Regierungen zu richten, die die Einladung zur Londoner Konfe- kem erhalten haben. Der Ministerpräsident hat £oti> ■ Creme gebeten, in seinem Namen- dem Premierminister j für biete Mitteilungen zu danken, den er ang«-»j n om m e n ijat. . st
Nach .
Londoner Me ldnn^en .
ist die Lage nach wie vor vollkommen »ngeklart. Für die Auffassung verantwortlicher Londoner Stellen, daß der Zwischenfall durch die Erklärung des englffchen Botschafters gegenüber Herriot als abgeschlossen betrachtet werden könne, liegen keine internationalen Anhaltspunkte vor. Sm Gegenteil werden hier abermals Gerüchteverbreitet^! die von einer Verschleppung der Konferenz wissen wolle«, auch ihre Verlegung mach Brüssel scheint in einigen Kreisen erwogen zu werden, nachdem London durch die letzten- Ereignisse etwas tomptomiftiert erscheint. Es muß dahingestellt bleiben, was hinter diesen Gerüchten stehst aber es ist jeden- falls nicht zu erkennen, wie die Konferenz unter bett gegen- würtlgen Umständen positive Arbeit leisten könnte, voraus- gefeit, daß es ihr wirklich auf nLMche Lösung unb nicht nur auf die Aufstellung einer inhaltsleeren Formel antioauaL
, Eine sehr
I zweifelhafte Au sg lei chs formek
empfckhlen M
fdyeint bereits in einer sehr wichtigen werben. Der englische Vorschlag g daß die Entscheidung über den R c p a r a ti o n s k o m m i s s io n, sondern einer neutra- len S br per schaft überwieseir werden soll. Als Kompromiß wird vorgeschlagen, daß die Reparationsko-mmissum im Falle einer deutschen Verfehlung das Recht erhalten soll, den Rat einer neutralen Körperschaft einru- holen. Der Vorschlag geht v on Brüssel au s und scheint in London Anklang gefunden zu haben. Bas damit gewonnen wäre, scheint vollkommen unklar, sobald es sich bei her Anrufung der neutralen Instanz nur um ein Rechts aber nicht um eine Pflicht der Reparastionskommissio» Hao-
dein sollte. <
, Eine weitereVerschärfungder Lage liegt in degs
1 Mitteilung St resemanns, <
haß er die Gesetze im Reichstag nicht durchbringen könne, so- lang? nicht die Räumung der Ruhr gesichert ist. Hierzu soll
i o t in London mit geteilt haben, daß er diesen Ctanb-' «c nickt teile und daß Deutschland kein Recht habe, M d«?! AM o ungsfrage Forderungen aufzustelleu. , st"
Besprechungen mit Coolidge.
„Chicago Tribune" meldet aus Washington, der amerikanische Botschafter t London werde auf Veranlassung seiner Regierung bei der evorstehenden Londoner Konferenz die erste Gellegenheit l atzen, um in nicht mißzuverstehender Form die Absicht be imevikanischen Regierung dahin auszu- fpred)en, daß die D chführung des Sachverständigenplanes 1 bie Grund läge f r die Erholung Europas bil- - den werde. Der amerikanische Boffchafter halte das Staatsdepartement ständig auf dem laufenden. Die Konferenz, . die kürzlich im Weißen Hause in Gegenwart von Präsident C o o l i d g e, Staatssekretär Hughes, dem amerikanischen Botschafter in Berlin H o u g h t o n und anderen Persönlichkeiten stattfand, habe die R e pa ra ti o n s,fra gen zum Gegenstand gehabt und werde als die denkbar fruchtbarste Auseinandersetzung bezeichnet. . ■'
Ooyd George über die Londoner Konferenz.
In der „D. A. Z." schreibt Lloyd George über die Aussichten der Annahme des Dawes-Berichtes auf der Lon- baner Konferenz:
„Der Bericht wird einen leichten Weg durch die Konferenz haben, wenn die Londoner Unterhindler stets ein- gedenk sind, daß es notwendig ist, eine gefährlich« Stimmung iu Deutschland sowie in Frank-, reich zu versöhnen. 9lus diesem Grunde hätte ich es für richtig gehalten, daß die Alliierten Deuffchland ein- geladen hätten, unter gleichen Bedingungen wie die übrigen Mächte ant Verhandlungstisch Platz zu nehmen. Die psychologische Wirkung dieses Schrittes würde in Deuffchland groß gewesen sein. Es würde die Aufgabe der klugen Männer, die in ihrer Arbeit für den Frieden viel Widerspruch erfahren, erleichtern, ihre Landsleute zu überreden, nicht auf ^j^itiaätiltijtijÄiisÄ Oeuffch- land als eine Nation von Sklaven zu behandeln, indem man ihm die kritische Stellungnahme zu den erteilten Befehlen als Unverschämtheit auslegt, heißt, seinen gerechte» und ehrenhaften Nati ona lsto lz beleidigen.
Soweit ich die Lage beurteilen kann, wirb die Haltung Deutschlands durch zwei Erwägungen bestimmt werben.' Einmal durch die Aussicht auf eine angemessene Anleihe, um die Währung wiederherzustellen, und zweitens durch die /
Haltung Frankreichs und Belgiens in der Frage d« Räumung der Ruhr. 18
Beim zweiten Punkt ergeben sich möglicherweise Schwieria- Idten. Die Erklärungen Herriots sind ganz und gar nicht zufriedenstellend. Es scheint, daß MacDonald für eine unsichtbare Besatzung plaidiert hat. Das ist eine der gewohnten' Phrasen für die er eine gewisse Schwärmerei besitzt. Die' Idee war für Herriot zu nebelhaft, als daß er sie annehmen, eher zurüüwsissn konnte. Er ist ein Geschäftsmann. Deshalb antwortete er mit der Forderung, Frankreich und Bel-' gieu freie Hand zu lassen. Will er die Ruhrbesetzung nurs als Tauschobjekt für die Verhandlungen benutze«, dann mag; noch alles gut gehen. Meint er aber fein« Warte im Sinne Poincares, dann gibt es ein Unglücks -'je
Unser französischer Knuse. *
2S0 Jahre Zuchtlmus für 43 Ruhvdeutsch«.
Mir- der Kölnische Zeitung aus ZwetBrücke« ge» melhet wird, sind aus den (Gefängnissen in Aeankre-ch, 4! deutscheGefangenein das Zwetbrüek««er fra». ' zös^che Militärgefängnis übergeführt wurde». Bon de» ' 4 s waren 13 mit lebenslängliche« Juchthau» bestraft worden, während die btesavitstrafe« der übrige» s
« i <■ ausrnarlien. Die höchste Strafe betrögt 30 Jahr» Zuchthaus, die niedrigste 5 Jahre. Die Strafen find während des passiven Widerstandes verhängt wvrde» bis auf eine, die erst am 24. Januar 1924 verhängt i Wi rdc. Die Beschuldigungen lauten bei den meisten der L rr ,.r teilten auf Labotage, versuchte Sabotage und S^ül’ . nage. *
Vor dem britischen Kriegsgericht in KAn beginnt am 7. Juli der Prozeß gegen den Riinisterialrat He. ^^Pf^jWT von der Kölner Regierung.
D e bedingte Zustimmung Helds» 4
Die halbamtliche Mitteilung, die über die Minister- präsidentenbesprechung in Berlin * ^üngsthin H «rockt worden ich besagt, daß alle Mrnssterprasi deuten der, Außenpolitik des Reichskabinetts zugestimmt hätten, mit-' «Ausnahme allein des mecklenburgische«, des Herrn a Man«
Seht liegt aus München eine Melbnng tot, a«»j «der sich ergibt, daß Dr. Held die Zustimmung Bayern», *ur unter ganz bestimmten BorauSjetL»««« «M»