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Hersfelder Kreisblatt
Amtlicher Anzeiger für den Kreis Hersfeld
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Nr. 86
Sonnabend, den 19. Juli
1924
Berlin wartet ab.
Die Berliner Regierungskreise nehmen der Londoner Konfc-enz gegenüber eine abwartende Haftung ein. Von den Entscheidungen über die Hinzuziehung Deutschlands wird es abhängen, ob die leitenden Männer des Reichskabinetts per- fönlich nach London fahren werden oder ob man sich damit begnügen wird, lediglich deutsche Sachverständige zu delegieren. Man hält es in den Berliner diplomatischen Kreisen für angebracht, die Tatsache hervorzuheben, daß die soeben von
Wer die neue deutsche Goldnotenbank, über die Reichsbahnen und die Industrie-Obligationen für Deutschland, annehmbar scheinlich werden.
Schwierig» ens hin»
Umso bedauerlicher wäre es, wem durch keilten das Inkrafttreten des Sachverständige»! ausgezögert würde. Deutscherseits habe man ua$ wie vor ein
bringendes Interesse an einer möglichst schleunigen Lösung und werde daher auch die Unterzeichnung des Schlutzprcstokolls vornehmen, wenn dieses Protokoll keine Bedingungen euthäft, die den grundlegenden Voraussetzungen, unter denen Deutschland den Sachverständigen-Bericht angenommen hat, »versprechen. Zu der Frage der milttärische» Räumung des Ruhr* und Sanftionsgebiets wird von den maßgebende» Berliner Regierungsstellen erklärt, daß dieses Problem von der deutschen Regierung nach wie vor als das dringendste bezeichnet werden müsse und daher auf seine Erörterung nicht verzichtet «»erden könne.
Die weiteren Ergebnisse der Londoner jetzt in den Berliner Regierungskreisen nicht nng teilt. Im Auswärtigen Amt hat man den Eindruck,__„ WK französische Regierung wesentliche Zugeständnisse machen wird, um angesichts der Haltung Amerikas nicht das Ergebnis der Londoner Konferenz zu gefährden. Der Entschluß Amerikas, die Mitwirkung eines amerikanischen Vertreters in der 9le» parationsWmmiisioir zu bewilligen, hat in Berlin im ersten Augenblick nicht wenig überrascht. Man ist aber über dich« Wendung durchaus befriedigt, weil durch die Hinzuziehung
werden beur-
die'
? Da s tranzSstsch-bet- gische Ueber,? e w i ch t in der Neparationskonnnifston beseitigt würde. Was die französische Meldung Wer eiW he« reits für Montag in Aussicht genommene ; L' '
Anhörung deutscher Vertreter
be trifft, so hält man es in Berlin nicht für wahr« s ch e i n l i ch , daß die Hinzuziehung Deutschlands so schneS erfolgen wird. Man rechnet bestimmt damit, daß bereits i» den nächsten Tagen eine Einladung an die deutsche Regierung
gerichtet werden wird. Die Teilnahme der der freier an den Plenarrerhandlungen der Kouferei erftlgen können, wenn die Ausschüsse ihre Berc endet haben und zu einer übereinstimmend« £ Allnerten gelangt sind.
Eine Unterredung mit Oweu Aouug,
Der Berichterstatter des „Atatin", Herr Jules Sa ttee^ wein, hatte eine Unterredung mit Omen Doung W« die Frage, was die Zeichner der Anleihe von 800 Millione« Goldmark wünschten. Poung soll ihm folgende drei Bedingungen genannt haben, die die 9MIpT*ft f»W*g werde: )
1. ein vom Reich freiwillig geschlossenes Abkomme«; \
2. Ausschluß jeder fremden Jnterveutto» ht DeutschlaaH und
3. Zusicherung, daß, was auch immer kommen myg-, M für den Dienst der Anleihe vorgesehene» ©intünfte frei vo» jedem Eingriff blieben. ' -
Die Tatsache, daß Amerika sich bereiterkkärt hat, estre» amerikanischen Bürger eine entsprechende.Rolft in der Serita; spielen zu lassen, wird • • .
in Londo»
bemerkbar. Von deutscher außenpolitischer Seite wird entgegen dem Optimismus Be r bi n e r Regierungskreise Die Meinung vertreten, daß dieser erste Fortschritt zum Teil anscheinend
aus Kosten Deutschlands
erreicht worden ist. Man kann sich des Eindrucks nicht erwehren, daß jetzt schon, ehe die erste wirkliche Vollkonferenz stattgefunden hat, an Frankreich gewisse Konzessionen aemacht worden sind. Wie im Augenblick festzustehen scheint, wird die Repko den amerikanischen Agenten ernennen, falls Deutschland wieder einmal Sanktionen er • leben soll. Nur wenn die Kommission sich auf diesem Gebiete nicht einigen kann, soll das Haager Schiedsgericht die Wahl vornehmen. Nach den deutschen Erfahrungen mit der Repko können wir heute schon sagen, was das bedeutet. Kein Wunder, daß die „Daily Mail^, die bisher geschwiegen oder gehetzt hat, jetzt in Hellen Jubel ausbricht über die hervorragende Arbeit und den ersten großen Erfolg der Konferenz. Wenn dieses Blatt jubelt, dann heiß es in Deutschland: aufpassen.
Am Freitag fand k e i n e D o I l s i tz u n g der Konferenz statt. Die Kammission B. bereitet über das Memoran - ö um Seydo ux, t j
1 die ökonomische Räumung des Ruhraebietes ( ' 'I
betreffend. Die Franzosen möchten sich an keine» bestimmte» Zeitpuntt binden für d e Inkraftsetzung des Dawes-Planes, sondern diesen Augenblick von besonderen Ereignissen, wie sie sich ausdrücken, abhängig machen, während England das Datum am liebsten schon zum 15. August festsetzen möchte.
Der Berich tSeydoux' über die Wirts
des Ruhrgebiets besagt, daß es für yrumceuy ein Minoeir- maß der Zugeständnisse gebe. Das ftanzösisch-belgische Eisen- bahn-personal könne aus dem besetzten Gebiet nicht ganz zurückgezogen werden, 600 bis 1000 Beamte müßten zurückbleiben, um für den Fall eines deutschen Eisenbahnerstreiks die völlige Isolierung der französischen Streitkräfte zu verhindern oder im Falle einer Erneuerung der Besetzung als Stammtruppen zu gelten.
Deuffcher Protest gegen
französische Willkür. ;
Der französische Ober-kommissar Tirard im Rheinlande handhabt die Praxis der Rückkehrerlaubnis mit besonderer Willkür. Der Oberkommissar Pflegt die Rückkehrerlaubnis abhüirgig zu machen von den Informationen, die er über die politische Einstellung der Ansgewiesenen und ihr Verhalten gegenüber der Be- sahungsbehörde erhalte» hat. Die Praxis des Oberkommissars hat eine völlige Willkür in der Rückkehrerlaubnis gegenüber der Bevölkerung der Rheinlande zur
nis gegenüber der Bevölkerung der Rheinlande z Folge gehabt. Infolgedessen sah sich die Reichsregieru genötigt, in P n r ic dagegen Protest zu erheben, daß der Oberkommissar im Rheinlande nach eigenem Gut
n«
dünken die Instruktionen für die Wiederherstellung des Zustandes vor der Besetzung des Ruhrgebietes anwendet. Die Besprechungen über eine Aenderung dieses Zustandes sind noch im Gana.e, und die Reichsregierung hofft, für, das Rheinland enre gerechtere Behandlung der Aus- gewiesenen zu erreichen.
Der WiederMsammeniriii bes Reichstages.
scheu Kreisen belichtet, mit dem dringenden Interesse der N e i ch s r e g i e r u n g zusammen^ möglichst bald eine K l ü ruu g der p arlamentarr^ scheu Situation herbeiz-nführen. Infolgedessen werden in der kommenden Woche die Fraktionen des Reichstages wichtige Beschlüsse über ihre Ste l lu ngn ah me zur auswärtigen Politik zu fassen haben. Den Fraktionssitzungen geht eine Tagung des Auswärtigen Ausschusses d es Reichstages voraus, die am Dienstag stattfinden wird. Bei dieser Sitznnj , werden der Reichskanzler und der Auße»^ minister teilnehmen. Voraussichtlich wird der Autzech minister in der Lage sein, die Parteiführer von dem IrchaS der Gesetzentwürfe über die neue deutsch» Goldnotenbank und über die Re ichsbahnen urch über die Znd u st r i e - Ob Ü ga tioneu zu unterrichcheu, Da die Repko wahrscheinlich im Laufe der nächsten Woche bet Reichsregierung offiziell die Entwürfe mit dem Er- ^suchen überreichen wird, sie vom deNtschen Parlament zu oew .abfsieben, wird die Erörterung der Gesetze im Reichstag uM -einiger Sicherheit schon Ende dieses Monats eOMt Werden müssen. * - '
<Km wichtiger deuischer Schritt in London.
^ Ueber einen Schrrtt, den der deutsche »m MAfter in London bei der englischen Regien r u n a nntemoinmen hat, wird uns von unterrichte»/ Seite mitgeteilt, daß der deutsche Botschafter im Auf. trage der Reichsregrerung den Wunsch ausgesprochen hat, daß dnrch Bermittlung des Forerftn» Office den in London versammelten Konferenzmachten der Standpunkt Deutschlands zu den zur Er-
Expos«, in welchem die Punkte ausgeführt sind, — Erörterung die beur' Au erster Stelle st _
schaftlichen und militärischen Raumun Sruürgebietes. Die Reichsregierung been! ausdrücklich auf den Artikel 28 des Bersaill-r Vertrages, der Deutschland das Recht ehträumt, bestimmte Vorschläge zu machAi und feine Fordern n g darauf zu legen. Das Schrtststück enthält aber keineswegs, wie von anderer Seite gemeldet wurde, irgend- welche Bedingungen oder kategorisch gehal- tene Forderungen, da die Reichsregierung Wert darauf legt, die deutsche Voraussetzung auf dem Verhandlungswege zu klären. • -,
cksche Regierung für unerläßlich hält, stehen dabei die Fragen der w i^r tj
sich
Die Schikanierung der Deutsche.» in der Tschechoslowakei.
Neuerdings sind wieder neben einer Reihe anderer deutscher Schulen auch die Lehrerbildungsanstalten in DI m ü ^, Leitmeritz und Prag von der tschechischen Regierung geschloffen worden. Dafür wird am L September d. J. in
Saaz, einer rein deutschen Stadt in Nordwepooy- men, eine tschechische Lehrerbildungsanstalt eröffnet. Der neue Prachtbau ist mit einem GeDaufwand von mehr als 5 Millionen tschechische Kronen, zu dem d i e Deutschen d ie Steuergelder aufbringeg müssen, errichtet worden.
Der deutsch-russische Zwischeusall.
Von unterrichteter Seite wird mitgeteift, daß sich die d eu ts ch - r u s s i s d) e n Verhandlungen zur Beilegung des Zwischenfalles in der Berliner sowjeftrussischen Handelsvertretung Hrem Abschluß nahem. Es sind von beiden Seiten Zugeständnisse gemacht worden, iedoch ist von deutscher Seite der grundsätzliche Standpunkt bezüglich der ExLerri» torialität aufrecht erhalten worden. Man erwartet noch in diesem Monat die Bekanntgabe des E i ii i g u n g s a b t o m m e^n s und unmittechar danach werden von der Sowjetregierung alle Maßnahmen zur Unter» bindung des deutsch-russischen Handelsverkehrs rückgängl- gemacht werden.
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Kommu istenprozeffe.
D« r „russische Fetzen'.
Im K ö u i a s b e r g e r K o m m u ni st e n p r o z e ß tW dem StäÄsgerichtshof wurden am Donnerstag die letzten drei Angeklagten vernommen. Als während der Vernehmung des einen Angeklagten der Vorsitzende bei Erörterung der Ueber» Nahme der von der russischen Kommunistischen Jugenb Msti^ teten Fahne die Frage stellte: „Sie sind wohl noch stolz auf diesen russischen Fetzen?" protestierte der ^-erteidiger Dr. Printer aus Berlin in erregtem Tone gegen diesen Ausdruck, der als eine unerhörte Beleidigung 'der Kommunistischen Partei anzusehen sei. und bezeichnete es als eine Uebertretung der demokratischen Rechtsgrurrdsätze, ^ vor dem Staatsgerichtshof zu sprechen. Nach einer kurze» ut Beratung über diesen Zwijchenfall stellte der
seiner Erklärung einer strafbaren Handlung schuldig gemacht'habe und verlangte protokollarische Rieberschrist bee den GtaatsgcricDsh'f beleidigenden Aeußerungen des Verteidigers. Gegen die Fassung des Protokolls erhob Dr. SamtM Einspruch, der jedoch vom Gericht abgelehnt wurde. 4
Die A ! t o n a e r Strafkammer verurteile nach dreitägiger Verhandlu.ng wegen Vorbereitung zum Hochverrat 20 Ä o m nt u n i st en zu sechs Monate» biD 1 ^ Jahren Festungshaf t. Die Angeklagten hatt«», schwere Ausschreitungen in dem Dorfe Gasel begangen» MG Angeklagter wurde freigefprochen. ®
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p Der dänische Bankkrach.
Die Diskonto- und Revif ionsbank t» KV»' penhagen hat ihre Zahlungen bis auf weitere« eing6« stellt. Die Direktion erklärt, daß die Bank insolvenß sei und ohne Verlust für die Gläubiger und Sparer Hqi*, bieten könnte. Das Aktienkapital der beiden, 1922 oev-, einigten Banken beträgt 36 Millionen dänische Kronen, vor» denen die Rationalbank 14 SOHHionen Kronen in ihren Trs». Iors hat. D ie Aktien sind in der letzten ZeE vurch Angstverkäufe auf 5 2 Proz. gefalie<- Die übrigen Großbanken verweigern jede Anterstützun^- und die Regierung hat beschlossen, von einer Staats-, y a r a n t i e für die Bank abzusehen. Wahrzchemüch MKt M BMk liquidieren müssen.
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Agrarzötte und preußische Giaats- regierung»
Sn der letzten Sitzung des Roichsmtes ist die Zollvorlage der Recchsregierung von der Tagesordnung ab* geje^t worden, und zwar vor allem auf Airtrag der Vertreter der preußischen Staatsregierung. Von land wirtschaftlicher Seite war darauf behauptet worden, daß das Preußische Landwirtschaftsnmnsterium im Gegensatz zu seiner früheren Stellungnahme auf sozial- demokratisches Bestreben hin die Zollvorlage nun» nwhr ablehnt.
Dazu wird von unterrichteter Seite mitgeteilt, daß sich die Stellung des Landwirtschaftsministeriums nicht ge- ändert habe und insbesondere von einem sozialdemo- k r a ti s ch e n E i n fl u ß ni ch t die Rede sein Sinne. Im Landwirtschaftsministerium herrscht die Auffassung, daß die F r a g e d e r A g r a r z ö l l e erst noch einer gründlichen Durchprüfung bedürft, bevor man sich zu einem so schwer- wiegenden Schritt wie der Einführung neuer Zölle entschließen könne. Vor allem müsse erst geprüft werden, ob die anderen Vorschläge, die Beschaffung von Äre* diten, Ermäßigung der Gütertarife in * fchränkungdes'Zwischenhandels, das am Ziel nicht erreichen könnten. Solange darüber nicht ei fteie Feststellungen getroffen feien, könne man sich nc endgültig zur Zollvorlage äußern. Es fönneaber jetzt gesag t werden, daß dasLandwirtsch, Ministerium für den Fall, daß die obengtz^
»ratischen Einfl Landwirtschastsminisb
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