Hersfelder Kreisblatt
Amtlicher Anzeiger für den Kreis Hersfeld
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Nr. 92 Sonnabend, den 2. August 1924
Das Ende der Komödie in Gicht.
Nach den nunmehr vorliegende« Londoner Meldungen hat man, vom britischen und amerikanischen Standpunkt aus betrachtet, die Formel Herviots für annehmbar gefunden. Die Einladung der deutschen Delegierten steht darum unmittelbar bevor, und damit ist auch das Ende der Konferenz ?w Sicht. Daß unter diesen Umständen es sich für die Deutschen bestenfalls nur
um ein verschleiertes Diktat
handeln kann, bedarf wohl keiner Erörterung,
Der Pariser „Quotidien" glaubt zu missen, daß zwischen MacDonald, Herriot und Theunis ein neues Uebe reinkommen erzielt worden sei, und daß die Grundlage für ein prinzipielles Abkommen dafür bereits gefunden wäre, daß die Engländer so lange in Köln blieben, bis die französischen und belgischen Truppen das Ruhrgebiet geräumt hätten. Hierzu meldet „Petit Journal", daß, wenn die Engländer auch nicht in Köln selbst blieben, so jedenfalls doch an einer anderen Stelle an: Rhein. Wahrscheinlich würden sie dann K eh l besetzen, nachdem der Wunsch des englischen Kriegsministers, sich in Koblenz festzusetzen, sich aus technischen Gründen nicht verwirklichen ließe. Sollte diese Nachricht sich wirklich bestätigen, uud bis jetzt deMet nichts auf das Gegenteil hin, so beweist dies, daß das Er- geb«is von London ein englisch-französisches Kompromiß auf Kosten Deutschlands ist.
Die deutsche Reichsregierung
Totenfeier.
am 3. August 1924.' '
Von Max Stempel. '
Blumen heut aufs Grab der Toten, Die für Deutschlands Größe starben! Die im Krieg, dem haßdurchlohten, Sich unsterblich Ruhm erwarben!
Hei, wie'sind sie vor zehn Jahren .
Hoffnungsfroh ins Feld gegangen, /
Männer, reif und vielerfahren, Knaben in der Jugend Prangen!
Zornerfüllt, mit heißer Wange
Stürmten sie ins Glück der Schlachten Und nun schlummern sie schon lange, Die so wacker für uns wachten.
Die so tapfer für uns kämpften . ' Durch vier Jahre, schicksalsschwere, Die den Mut des Feindes dämpften Und zersprengten seine Heere!
Ja, sie sanken nicht vergebens , Und ihr Tod wirkt stets aufs neue: Mit dem Opfer ihres Lebens Lehrten sie uns deutsche Treue.
Und liegt Deutschland auch danieder, /
Angeschmiedet wie mit Ketten: • /
Es zerbricht sie kräftig wieder! • ' "
Seine Toten Werdens retten. ' -i- „■
Denn ihr Tod wird einst begeistern Deutsche Männer, deutsche Knaben, Die das Schicksal werden meistern, Das die Besten hat begraben. '
Laßt vom Turm die Festtagsglocken Dumpf zu deutscher Trauer läuten! Nicht ein jauchzendes Frohlocken Soll uns heut ihr Klang bedeuten.
Ueber weite Gräberstrecken
Soll er tönen tief im Grünen, ' , ,
Die mit Kränzen wir bedecken, '
Ehrfurchtsvoll, mit ernsten Mienen„
Manche ruh'n in fremder Erde, Unter Hügeln, halb zerfallen; Daß gedacht auch ihrer werde, Laßt im Geist zur Gruft uns wallett;
Uns im Geist dort für sie beten, ' Und dann stolz das Haupt erheben, Frisch ins harte Leben treten Und am Glanz der Zukunft weben!
hat die Londoner Konferenzmächte von neuem ersucht, der deutschen Delegation rechtzeitig alle bisher gertoffenen Abmachungen der Konferenz zur. Kenntnis zu bringen. Bevor
,-Zxleaation.in Verhandlungen mit der (Segenfette eintreten wird, wird sie ihrerseits einzelne Bor-- bevatungen abhalten, um zu den bisherigen Beschlüssen der Konferenz Stellung nehmen zu können. In den unterrichteten Kreisen wird nun erklärt, daß die Verhandlungen mit den deutschen Delegierten am Montag nachmittag ihren An- Hang nehmen werden und bis dahin deutscherseits die Prüfung der alliierten Vorschläge beendet sein soll.
i Wie weiter von unterrichteter Seite verlautet, hat die Meichsregierung bisher noch k e i n e o f f i z i e l l e M i t t e i. <ung über die A b s ich t des französischen Mi- chisterpräsidenten, gewisse Fragen mit Deutschland Direkt zu verhandeln, erhalten. Lediglich eine dem deutschen Botschafter in Paris zugegangene allgemein gehaltene Su« ftruktion beweist, daß H e r r i o t mit den Führern der deutschen Delegation sich zu unterhalten wünscht. Dabei fällt es’ auf, daß von französischer Seite ausdrücklich erwähnt wird, .Herriot beabsichtige, mit dem Reichskanzler Dr. Marx 'eine Unterredung herbeizuführen. Es ist verständlich, daß dadurch der Reichskanzler in eine peinliche Lage gerät, da ee selbst unter keinen Umständen ohne Mitwirkung des Außen- Ministers irgendwelche Verhandlungen führen will rmd kann.,
L Eine weitere neue Konferenz schon in Sicht.
F Allgemein spricht man in London davon, daß eine neue Konferenz, und zwar lediglich eine solche über die Sicher» itsfrage statffinden soll. Frühestens jedoch erst im Monat Oktober, da die beiden Premiernnnister Mac- Donald und Herriot im Monat August und September an her Völkerbundstagung in Genf teilnehmen wollen. Auf Dieser neuen Konferenz sollen alle Alliierten vertreten sein. Man wird zwei Fragen zu prüfen haben: die zivile: Hat Deutschland teilweise wenigstens seine Verpflichtungen aus dem Versailler Vertrag erfüllt?, und die mrlrtarischer
Deutschland entwaffnet? Frankreich und Belgien werden beide Fragen verneinen. Ungewiß ist jedoch die Ant. Wort der übrigen Alliierten. Sollte die französisch-belgisch« Auffassung die Oberhand behalten, dann könnte England sich immer noch entschließen, für ein oder zwei Jahre, die Kölner Zone erneut zu be>etzen. Ebenso wie dm Welcher im nördlichen Teile der Rheinprovinz bleiben werden. Kraalich sei es nur, ob die Amerikaner als Geldgeber mit einer solchen Lösung einverstanden wären. Sollte indessen «ach dem Wunsch des Generals Rollet Frankeich trotz allem das Ruhrgebiet weiter besetzt halten, so mußte es nicht n« reine gegenwärtigen Truppen auf dem linken Rheinufer be- Tassen sondern anch die 8000 Engländer in Köln, die oOOO Welcher im Ruhrgebiet und die 20 000 Belgier im altbesetzte» iGebiet ersetzen müssen. -
£ Keine Einigung >n der dritten Kommission,
’ Der französische Erfolg in der ersten Kommission hat »Var einen starken Optimismus in den Streifen der Konferenz hervorgerufen, besonders im Hinblick darauf, -an man fest erwartet, die Bankiers, oder wenig.
ein Teil derselben, werden den Standpunkt Her- tzetvts als annehmbar betrachten; trotzdem sind noch nicht «lic Hindernisse überwunden. Won schon ««gedeutet, ist ^bie Haltung der dritten K o in missio n setzt ent
scheidend. Von ihrer Stellungnahme hanKt es demnach ab, ob die Konferenz jetzt in ein (galtet es Fahrwasser gelangt oder nicht, und ob die Einladung der -Deutschen in nächster Zukunft zu erwarten ist. Wir bekannt wird, haben sich die Mitglieder der dritten Ko«. Mission fortgesetzt bemüht, eine Lösung zu finden, die die von der ersten Kommission erzielten Vereinbarungen und das bisherige Ergebnis der Arbeiten der dritten Kommission nicht gefährdet. Wie nun der- lautet, konnte die dritte Kommission, die fast die ganze Nacht hindurch beraten hat, sich über dieTrans - ferierungsfrage auf der Basis des Kompromiß. Vorschlages der französischen Delegation nicht einigen.
Z Zustimmung gsgans und Ratings.
Der diplomatische Berichterstatter der „Westminster Gazette" schreibt, er höre, daß Logan und Owen Bouug den vom ersten Komitee angenommene» Plan gebilligt hätten, da er das Haupthiuder- nis für die Aufbringung einer Anleihe für Deutsch- land beseitige. , , A
Neichsregierung un- Garaniieyaki.
Die Reichsregierung hat die Absicht, sofort nach Beendi- gung der Londoner Konferenz neue Vorschläge über die Frage eines Garantiepakts und des Sicherheitsprsblems auszu- orbeiten. Die Denkschrift, die die Reichsregierung in Genf dem Völkerbundrat überreichen ließ, bildet den erstenAuf- takt zu einer geplanten Aktion der deutschen Regierung, die gleichzeitig mit der Lösung der Sicher- Heitsfrage auch das Abrüstungsproblem zur Erörterung bringen will. Aus der deutschen Denkschrift im Völkerbund- Mt ist übrigens, entgegen irrigen PressemeAungen, keines- Wegs zu entnehmen, daß die deutsche Regierung die Absicht hat, einen Antrag um Zulassung zum Völkerbund zu stellen. Die Haltung Deutschlands zu einem eventuellen Eintritt in den Völkerbund ist durchaus noch nicht ' festgelegt und wird auch karnn bis zum September festgelegt
wsssen, daß der kürzlich von England offiziös an DeutsWand gerichtete« Einladung, 9lnfdng September ein Gesuch um ^Aufnahme in den Völker brrnd zu stellen, von deutsch« Seit» nicht Folge geleistet werden kann, so daß die Frag« eines .Eintritts Deutschlands in den VölkerbMd e^ß ftz»ststp Mst werden dürfte. ‘ i
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Rücktritt des deutschen Botschafters Wiedfekdt.^
Nach Meldungen aus Washiugto« ist der deutsche Botschafter in Washington, Wiedfeldt, vo« sedtt« AM ,z«rückK«treten. " '
Die Micum-Äerträge untragbar.
Auch die Zugeständnisse, die die Micum der Sechserkv»« mission bei der Verlängerung der Nettrage gemacht hat, w«- §en dem Kohlenbergbau keine nennenswerte Erleichteruug bringen. Erst wenn durch eine endgültige Reparativus- regelung das Micum-Abkommeu abgelöst ist, wirb bee, Kohlenöergbau auf atmen können. Die Ho he« Berlust«^ unter denen die Zechen leiden, pxb, auf die Rfr»»^j Verträge zurückzuführeu, ganz abgesehen bette«, daß der Kohlenbergbau ohnehin mit Verluste« arbeitet. Hinzu kommt die geringe Forderung. Ei« normaler Absatz teue nicht erzielt werden. Eine restlose Lösung wird erst mit einer Lösung der Frachtesfrage erreicht werden. Nach Hamburg z. B. kostet die Fracht für Kohle immer noch 12 M. Die Frachten si«d um 66 Ps. verringert worden. Die Ruhrkohle kann aber nicht in K o »^ kurrenz mit der englischen Kohle trete«, s»l«W> eben die Eisenbahn kein weiteres Entgegenkommen zeigt. 1
Die deutschen Reparationsleistungen.
Die Reporotionskommission veröffentlicht die S^ tist i k der bis um 30. Juni 1924 bewirkten und unter Gläubiger verteilten deutschen L e i st u n g e n. Die. gaben, die wie gewöhnlich von den deutschen Zifffrn stark weichen, sind mit den gewohnten Vorbeh alt«« c
zunehmen.
Nach den Allgaben der Kommission har Dentscht«»b bis zum 30. Juni 1924 geleistet: In bar 1 903 835 660 Gvldmarih in Sachlieferungen 3 298 414 000 Goldmark, durch Adtrmung von Gütern 368 693 000 Goldmark. Die Eubigermächch hätten hiernach insgesamt 5 5701)42 000 Gold mark erhalte«. Aus biefen Einnahmen waren zunächst dieKohlenvorschüss« von Spa mit 392 216 000 Goldmark sowie die Kosten der Be» satzungstruppen und der Kontrollkommissionen mit 2 635 409 000 Goldmark zu erstatten, außerdem entfielen auf Kursgewinne 3 030 000 Goldmark. Nach Abzug der vor. stehenden drei Posten verblieb ein verfügbarer Betrag vp« 2 540 287 000 Goldmark. ’
Kommun.stcn und Hochverrat.
Das Stuttgarter Polizeipräsidium beschlagnahmte auf dem dortigen Parteibüro der kommunistische» Jugend bei einzelnen Funktionären der Jugendorgant. fation mehrere tausend zum Ansüftag bestimmte Plakat«