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Hersfelder Kreisblatt

Amtlicher Anzeiger für den Kreis Hersfeld

Erscheint ab 1. Oktober jeden Wochentag. Der Beznaspreis beträgt durch Austräger zugestellt monatlich L— Goldmark, durch die Dost zugestellt zuzügl. Bestellgeld / / Anzeigenpreis für die einspaltige Detltzeile ober deren Raum 10 Dfg., für amtl. u. auswärtige Anzeigen 15 W. Reklamezeile 50 W / / Druck o. Derlag von Ludwig Funks Buchbrockerel in Hersfeld Mitglied des Vereins Deutscher Zeitungs-Derleger. / / Für die Gchriftleitung verantwortlich Franz Funk in Hersfelb. / / Fernsprecher Rr. 5.

Nr. 115

[ Ein zweiter Kabinettsrat ’ in der Frage des Eintritts Deutschlands in den Völkerbund, in welchem eine weitere Aussprache stattfinden soll, bevor die Instruktionen an die Vertreter des Reiches im Auslande weitergegeben werden, soll angeblich vorgesehen sein. Wie wir aus der Reichsregierung nahestehenden Kreisen hören, ist dort von einer solchen Absicht nichts bekannt. Ein zweiter ^Kabinettsrat in dieser Angelegenheit wird vermutlich erst dann stattfinden, wenn das Ergebnis der Anfragen der deut­schen diplomatischen Vertreter im Auslande vorliegt.

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Die Beschlüsse des Kabinettes am Dienstag sind sofort ; von der englischen und französischen Presse und von den in jGenf weilenden Völkerbunddelegierten kommentiert worden.

Die Haltung Frankreichs

läßt sich dahin zusammenfassen, daß Frankreich einem sofor­tigen Eintritt Deutschlands in den Völkerbund nicht zu- 1 stimmen wird. Für die ablehnende Haltung der französischen Regierung sind verschiedene Gründe maßgebend. Als einen der wichtigsten läßt man den gelten, wonach Deutschland die A b r ü st u n g s k l a u s e l noch nicht erfüllt habe. Auf französischer Seite besteht die Absicht, sich einer Ablösung der Interalliierten Kontrol!kommtssion durch einen Organismus

Völkerbundes vor der erfolgreichen Durchführung der Kontrolltätigkeit, die noch drei Monate dauern soll, entschieden M widersetzen. Ueber die tieferen Gründe, dir für diese Ein­stellung des Pariser Kabinetts maßgebend sind, läßt sich die Presse in bemerkenswerter Offenheit aus. „Temps" und „Journal des Debats" stellen fest, daß Deutschland, wenn ihm ein ständiger Sitz im Völkerbundrat zur Verfügung gestellt würde, die Gelegenheit wahrnehmen werde, t ue Revi- -sion des Versailler Vertrages herbeizuführen. Wenn Deutschland einen ständigen Sitz im Rat erhält, so hat jCs sich damit die Stellung einer europäischen Groß­macht wieder verschafft, da es in die Lage gesetzt wird, in sämtliche wichtigen Fragen einzugreifen und seinen Einfluß t*MPWM^^

“ Auch die englische Preffe freitet dem deutschen Beschluß keine günstige Auf- n a h m e. „Times" veröffentlichen einen eiskalten Leitartikel über den Eintritt Deuffchlands in den Völkerbund. Die „Times" erklärt unter der Ueberschrift: „Deutschland und !der Völkerbund" u. a.: Die deutsche Regierung hat gestern den Beschluß gefaßt, sich zu bemühen, einen baldigen Eintritt in iden Völkerbund zu sichern. Das Kabinett hat einen Kabinetts­rat abgehalten unter dem Vorsitz des Reichspräsidenten, und 'die Entscheidung ist einstimmig gewesen. Eine Anfragenote, und zwar wegen der wahrscheinlichen Aufnahme eines Ge­suches um Zulassung, ist im Laufe des Tages entworfen wor­den und wird noch einmal überprüft und dann sofort an die zehn Regierungen übersandt werden, deren Vertreter den .gegenwärtigen Völkerbundrat darstellen. Die in dem Berliner ■ Kommunique für den ebabsichtigten Schritt angegebenen l? - mde bedürfen keines sofortigen Kommentars. Es genügt zu sagen, daß einzelne Sätze in dem Dokument zwei- jveutig sind und andere einigermaßen taktlos. ^Deutschlands Stellung als eine Großmacht ist unzweifelhaft, und wenn Deutschland in den Bund der Nationen eintritt, so muß dies unter den nämlichen Bedingungen wie bei den anderen Mitgliedern des Bundes geschehen. Die Bezeichnung Großmacht ist zweifellos in der Absicht gebraucht worden, einen Anspruch auf einen permanenten Sitz, wie ihn gegenwärtig England. Frankreich, Italien und Japan ein nehmen, zu er­heben. Dieser. Anspruch ist im wesentlichen nicht unbillig, ob­wohl er sich im Augenblick als unbillig erweisen kann!!

Sechs Fragen.

Die Reichsregierung hat die zuständigen Stellen beauf­tragt, gemäß dem Ministerbeschluß ein Memorandum auszuarbeiten, das allen zehn Mächten des Völkerbundrates .xug^en soll. Es wird die Bereitwilligkeit Deutsch­lands zur Mitarbeit im Völkerbünde be­tonen, aber gleichzeitig eine Reihe bestimmter Frage n, etwa sechs an der Zahl, vorlegen. Wenn auch über die Art dieser Fragen noch nichts Näheres zu erfahren ist, da sie. noch ber Formulierung unter­liegen, so kann man doch aus der Entschließung des Minister­rates herauslesen, daß die bisher in Paris, London und Genf unternommenen Sondierungen über die Stellung Deutsch­lands im Völkerbünde nicht die genügende Klarheit gebracht haben und daß daher das deutsche Memorandum in erster Linie eine Klärung der Frage verlangen wird, ob mit dem Eintritt Deutschlands in den Völkerbund etwa ein aber-, maliges Anerkenntnis der Alle inschuld Deutschlands am Kriege verbunden sein würde. Weitere Fragen dürften die Anerkennung Deuffchlands als Großmacht betreffen und damit seine Anerkennung als vollberechtigtes Mitglied des Völkerbundrates. Eine beson­dere Rolle wird ferner dabei die Frage der Bundes Exekutive spielen.

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Umwandlung des Ministeriums für die besetzten Gebiete.

Bei der Reichsregierung besteht die Wsicht, das Mini­sterium für die besetzten Gebiete in absehbarer Zeit in ein

, den 25. September

Staatssekretariat umzuwandeln, das wie früher dem Reichsinnenministerium angegliedert würde. Bisher liegen feste Beschlüsse noch nicht vor, doch ist anzunehmen, daß diese Frage gleichzeitig mit der Auftollung der Ka­binettsumbildung akut werden wird. — Nach dem Ausschei­den des ersten Ministers für die besetzten Gebiete, Dr. Fuchs, Hegt die Leitung des Ministeriums augenblicklich in den Handen des Reichsministers Dr. Hoefle, und zwar in Per­sonalunion mit dem Reichspvstmimsterium.

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Amerika und die deutsche Anleihe.

„ r Die amerikanischen Bankiers, die sich für die deutsch« Anleihe interessierten, sind über die drohendeVerzö- gerung ziemlich enttäuscht und weisen darauf hin, daß eine spatere Auflegung vielleicht eine weniger gün­stige Marktlage fände; daher sei ein früherer Termin erwünscht. Die Verzögerung hängt anscheinend und Haupt- sachlich mit den technischen Schwierigkeiten bei den inter- uationalen Verhandlungen zwischen den Pariser, Londoner und New Yorker Bankiers zusammen. Niemand befürchtet natürlich eine Gefährdung der Anleihe an sich.

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Die amerikanischen Kredite für den Ruhrberabau.

Ueber die amerikanischen Kreditverhandlungen des Ruhr­bergbaues find Nachrichten im Umlauf, die den Tatsachen mM entsprechen. Wie wir von zuständiger Seite hören, sind bi« Verhandlungen über die Gewährung eines Kredits von zeh« Millionen Dollar gescheitert. Der Grund des Scheiterns wird bisher nicht bekanntgegeben. Es trifft keineswegs zu, daß dieses Projekt an der Forderung der deutschen Groß­banken auf Gewährung einer Provision von 3 % gescheitert ist. Bezüglich dieses Punktes war eine Einigung' zustande gekommen. Gegenwärtig schweben aber noch ander­weitige Verhandlungen über die Aufnahme kleine­rer Kredite für den Ruhrbergbau. Es trifft weiter nicht zu, daß eine Anleihe von fünf Millionen Dollar zustande ge­kommen war. ;

Atteniaisverfuch einer Geistesgestörten auf Herriot.

In Paris verbreitete sich das Gerücht, daß auf Herrist in Rambouillet ein Attentatsversuch unternommen worden sei. Line offizielle Havasmeldung stellt fest, daß eine Gei­stesgestörte einen Anschlag geplant habe, der aber nicht zur Ausführung gelangte. In der Meldung heißt es: „Kurz vor der Llb fahrt Herriots aus Rambouillet trat eine dunkel- gekleidete Dame, die sehr aufgeregt zu fein schien, vor den Wachtposten hin und händigte ihm einen geladenen Revolver aus. Sie erklärte, daß sie die Absicht hatte, auf den Mi­nisterpräsidenten zu schießen, aber daß sie nicht uen Mut besessen hatte, den Plan auszuführen. Die Dame wüste dem Polizeikommissar vorgeführt, der ihre Identität feststellt». Sie heißt Penjean, ist am 10. September 1W? geboren und in einem pariser Advokatenbureau beschönigt. Do^ Revolver war geladen. Frau Bigot penjean bchanvt^ daß sie durch die Regierung in ihren Privatürterefstn g> schädigt worden sei. Ihre Erklärungen lassen barem <chlie­ßen, daß sie geistesgestört ist. Sie erzählte, daß sie von ibreN Gatten getrennt lebe, der ein Bandit sei. Er habe sie 1913 zwingen wollen, Driand zu ermorden. Jetzt habe sie des

1924

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Versuch gemacht, Herriot zu töten, weil er die Politik Malugs und Cailleaux' unterstütze. Als sie aber Herriot dem sie schon einmal nach Lyon nachgefahren war, votiu ergeben sah, habe sie gefunden, daß er „so nett aussehe", so daß sie den Mut zur Ausführung des Planes verlor.

Keine Crmo dung des Königs von BMar-en.

Gerüchte über eine Ermordung des Königs von Bulga­rien werden in Sofia amtlich dementiert. Der »Carriere della Sera" meldet jetzt aus Belgrad, daß nach einer Meldung des „Rjetfch" aus Sofia König Boris von Bulgarien beim Eingang in fein Schloß Rila von Anhän­gern mazedonischer Bandenführer getötet worden sei. Vo« einer Ermordung würde aber nicht gesprochen. Die MÄ- dung wurde von London aus verbreitet, indem „Toüy * News" sie von ihrem Belgrader Mitarbeiter erhalten hatten, der sie aus Mailand erfahren haben will.

Die amerikanische Abrüstungskonferenz.

k In Washington wurde bekanntgegeben, daß Prä. fident C o o lid ge .die vor kurzer Zeit veröffentlichten An. sichten über die Einberufung einer A b r ü stungskvnfe - renz nicht geändert habe. Er beabsichtige, weitere Schritte zu unternehmen, sobald er glaubet, daß das Reparations. Problem in Europa genügende Regelung gefunden habe. Coolidge weigerte sich, ein offizielles Kommentar zu dem Vor­schlag des Völkerbundes abzugeben, eine ähnliche Konierertä xinzuberufen.

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Das Sowiettreiben in Georgien.

' Die Pariser georgische Gesandtschaft teilt mit: Umfang­reiche Sowjetstrettkräste mit schwerer Artillerie operieren zwifchen Sukhum und Otchefhiri. Die Dörfer wurden angezündet, die Angehörigen der Ausstäu-

i i e Lande wurde d« deren Vollmachten ausgerüstet und erschießen, wen sie wollen. Die So'wjetzeitunge« schweigen sich natürlich über diese Taffache aus.

Tschitscherin bezeichnet in einem Interview in bet; »Inwestija" die Resolutton des Völkerbundes, über die Vor­gänge in Georgien als unerhörte Einmisch > n g mn 6 Herausforderung, die zum Zwecke de: /is- ^kred!tiecung der Sowjetunion und der Hirttertreibun ?eq Howietrussisch-englifchen Vertrages und der fotojetruffifd: m« zöfischen Verständigung von denselben Regierungen »ei.....>ßt sei, die erwiesenerinaßen auch den georgischen Aufsta^d <M- sesselt hätten.

Die Belgier an der Ruhr. ,

Von belgischer Sette wird mitgeteilt, daß im Zusam­menhang mit der Räumung des Ruhrgebietes zurzeit grosse Umgruppierungen der belgischen Besatzung in den Abschnitten Neuß, Geldern, Eleve, Krefeld und München.? Gladbach stattfinden. Der Oberbefehlshaber des pfälzischen Truppenkontingents, General B u r g u e t, erhielt aus i Brüssel den Auftrag, die gesamte Räumung der vierten ZyM für den Frühling 1925 vorzubereiten.

Keine Intervention gegen China.

Nach Meldungen aus Schanghai haben die briti-j schen, amerikanischen und japanischen Behör- den amtlich bekanntgegeben, daß chre Regierungen nicht die Absicht haben, im chinesischen Bürgerkrieg zu intervenieren.

Bolschewistische Lleberfälle in Bestarabieu.

Nach einer Meldung aus Bukavest unternahmen bolsche­wistische Soldaten, die mit Maschinengewehren ausgerüstet, und von Sowjetoffizieren in Uniform angeführt waren,, Ueber fälle auf bessarabische Dörfer. Die rumänischen Trup»? pen griffen sofort energisch ein. 300 der Sowjetsoldaten' wurden getötet und eine Anzahl gefangen genommen. Bei den Gefangenen fand man wichtige Papiere.

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preußischer Landtag ’

In der Mittwoch-Sitzung des Landtags wurde zunächst über' einen Antrag, auf Abänderung bzw. Aufhebung der Per-, ionalabbauverordnung beraten. Abgeordneter Ebers»; a ch (Dut.) empfahl namens des Ausschusses eine Fassung, in der das Reichsministerium ersucht wird, dahin zu wirken, daß durchs baldige Vorlage eines Reichsgesetzes die Hemmungen beseitigt wer», den, die einer zweckentsprechenden Aenderung der preußischen Per- > sonalabbauverorduung vom 9. Februar 1924 entgegenstehen. In Entschließungen wird gefordert, daß der auf Grund der preußischen, Abbauverordnung gebildete Ausschuß ein Gutachten des Justiz­ministeriums geliefert bekomme, darüber,ob der Abbau von Wahl-, beamten mit der Reichsverfassung in Einklang zu bringen fei., Eine weitere Entschließung will, daß entsprechend dem Reichstag»., beichluß und dem Vorgehen der Reich^rogieruag jeder weiter«! Personalabbau eingestellt und die «forderliche» Anordnungen an; die Nachgeordneten Behörden mit Einschluß her Kommunalbehörden erlassen werden. Abg. Hirsch (Soz^ meint, daß bei Aus»: fÜhrung der Verordnungen sehr bald beten 8u>ei aus dem Aug») verloren worden sei, man b«bewirb üuer bebtent um aus uaüti* i