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Hersfel-er Tageblatt

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HersfelSer Kreisblatt'

Amtlicher /inzeiger für den Kreis Hersfelö

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Nr. 118

Mittwoch, den 1. Oktober

1014

Das Wichtigste.

DieMarine-Kontrolltommission wurde auf Beschluß der Botschafterkonferenz aufgelöst.

Ai» Oktobevrate der Reparationszahlun­gen nach dem Dawesplan ist bereitgestellt.

* Schanghai steht in Flammen.

Das deutsche Memorandum ist nunmehr den in Frage kommenden Mächten zugestellt.

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Das deutsche Memorandum überreicht.

®er deutsche Botschafter in Paris, Herr von Hoesch, Montag früh in Paris eingetroffen und hat bereits ^wnchen 10 unb 11 Uhr im Quai d'Orsay Herriot das sage» nannte deutsche Memorandum zur Völkerbundfrage über .jeidjt. Nach weiteren Erklärungen Herriots wird sich bereits um Donnerstag ein Ministerret der französischen Republik, der an diesem Tage in Ranibouillet unter dem Vorsitz Dou- nergues ftattfinben wird, mit diesem deutschen Memorandum beschäftigen. Mittlerweile ist das Memorandum auch den rbrigen Mächten überreicht worden.

Bis zur Stunde der Mederschrift dieser Zeilen ist der Wortlaut des deutschen Memorandums noch nicht veröffent- Ächt. Nach den im LondonerDaily Telegraph" gemachten Angaben formuliert Deutschland in diesem Memorandum keine direkten Bedingungen für seinen Eintritt in den Völ» kerbund, sondern informiert sich nur durch Stellung von Kragen, wie dieser ober jener Punkt im Falle seiner Auf­nahme in den Völkerbund geregelt werden würde. Die Fragestellung ist durch die Diskussion in der deutschen Presse bekannt; sie bezieht sich auf einen Sitz im Völkerbund- vat; sie bezieht sich auf Wahrung Deutschlands als Großniacht; sie bezieht sich auf recht konkrete Bedingungen der Wahrung der deutschen Souveränität in allen Fällen. Neu ist, daß der LondonerDaily Telegraph", der hier sich wieder einmal als .aiiK?^^ als bi^Jr;iKfbe Presse, vmsdrN---- ......., die K riegs j chulo fea g e M» i er Denkschrift nicht aufgeworfen, sondern nur gestreift wor­den sei. Ehe die deutsche Presse zu diesem Memorandum Klare Stellung von ihrem einzelnen Parteistandpunkt aus

.'«hmen kann, wird die Veröffentlichung des Wortlauts dieses Memorandums abzuwarten bleiben.

Indessen, so viel kann schon heute gesagt werden, daß der Sonnabend-Beschluß des Genfer Völkerbundrats über die Militärkontrolle, wonach Deutschland an der aktiven Teil- Kahme an dieser Kontrolle auch nach seinem eventuellen Ein­tritt in den Völkerbund ausgeschlossen bleibt, diese Frage des Eintritts Deutschlands so gut wie auf ein totes Gleis ge­schoben hat. Der Unkenruf desEcho de Paris" von dem Begräbnis erster Klasse" scheint schon seine Kreise zu ziehen.; Eine den gegenwärtigen Berliner Regierungskreisen nicht fernstehende Information weiß von einer ernsten Ver­stimmung der Berliner politischen Kreise über diesen Be­schluß des Genfer Völkerbundrates zu berichten. Einleuchtend dürfte es ferner sein, daß die gegenwärtig in den einzelnen ' Parteikreisen zur Erörterung stehenden Fragen einer Klärung der deutschen parlamentarischen Krise, die Bestrebungen nach einer tragbaren Regierungsmehrheit durch Um- oder Neubil­dung der Regierung in Verbindung mit diesem Genfer Böl- kerbundratbeschluß gerade nicht förderlich sind für eine Bei- trittserklärung gum Genfer Völkerbund.

Hinzu kommt noch, daß man in politisch eingeweihten Kreisen diesen immerhin mindestens recht unfreundlichen Be­schluß des Genfer Völkerbundrates vielfach auf die Detreibun- «en Polens zurückführt, das in seinem krankhaft übertriebe­nen Selbstbewußtsein sich dagegen wehren zu müssen glaubt, daß Deutschland als Großniacht ohne Einschränkung unb mit -Sitz im Völkerbundrat behandelt wird. Polen hat indessen gerade in letzter Zeit mit seiner rücksichtslosen Polonisierungs- solitik gegen deutschen Besitzstand, mit seiner Steuerpolitik segen Deutsche eine Krisenstimmung geschaffen, die einer Versöhnung" der Völker geradezu entgegengesetzt läuft und Sie Deutschland veranlassen müßte, gegenüber diesen Bestre», düngen der Weichselfranzosen um so energischer aufs Anerkennung seiner Minimalforderungen zu bestehen. Auch

fmltuna Frankreichs in feiner Sabotagepoli- ti k gegenüber den Londoner Beschlüssen an Ruhr und Rhein spielt in dieser Frage eine wesentliche, nicht

^ U^üt 'b^ Beobachter der Dinge zeigt es sich

von Stunde zu Stunde immer mehr, daß das von MacDonald

" in die Londoner Verhandlungen hineinpraktiziert» Problem des Eintritts Deutschlands in den Völkerbund ein Kuckucksei war, dessen wahre Natur eben die deutsche Diplo- matie in London nicht sofort erkannte, sonst hätte sich nicht eine solche für das deutsche Interesse wenig angebrachte Re-

um iesesEntgegenkommen" MaeDoualds ranke» können Jm weiteren Verlauf der Dinge geht nun auch den deutschen Diplomatie mehr und innner nwhr ein Licht auf '«bet die wahre Natur dieses Kuckucksews, und der aufmerk« fame Beobachter der politischen Presse Deutschlands aUet ^Parteirichtungen kann die Feststellung wachen wie die zuerst Ao hoch aufflammende Begeisterung für dieses MacDonalhsch«

Entgegenkommen zusehends abtüf^t. Diese Abkühlung ist e» freulicherweise schon so weit fortgeschritten, daß jetzt schon allen Ernstes von allen Seiten aus Wert auf verbürgt» Garantien vor einer Beitrittsmeldung Deutschlands zum Völkerbund gelegt wird. Wr wollen nur der Hoffnung Aus­druck geben, daß dies« Stimmung in unseren gegenwärtis maßgebenden Regierungskreisen weiter anhält und mit rück- fichtsloser Festigkeit diese Garantien verlangt werden. Wi- glauben allerdings auch, daß bei einem Festhalten dieses Standpunktes vorläufig die Deitrittsmeldung Deutschland^' zum Genfer Völkerbund nochverhüt" werden wird. Das ist aber immerhin besser, als sich völlig unter die Hörigke,' Frankreichs zu begeben, was ohne jeden Zweifel bei einext bedingungslosen Beitritt Deutschlands zum Völkerbund' augenblicklich herausspringen würde und rannte. Kr.

Die Anleiheverhandlungen.

In den Berliner Regierungskreisen stehst man nicht gamk ohne Besorgnis den bevorstehenden Anleiheverhandlunger? entgegen, die namentlich von englischer Seite aus aussen ' ordentlich erschwert werden. Es ist bekannt, daß die gesamter. Londoner Abmachungen nur durch das Zustandekommen bet Deutschland zu gewährenden 800-MMonen-Auleihe gesicherr; werden können und ohne Anleihe hinfällig würden. Diesem Umstand scheint sich die englische Finanzwelt nutzbar machen zu wollen, indem sie nach wie vor bemüht ist, eine groß­zügige Propaganda gegen die Anleihe 8t veranstalten. Der Reichsbankpräsident Dr. S chacht, der be­kanntlich in London die Vorverhandlungen geführt hat, Ha­der Reichsregierung berichtet, daß seiner Meinung nach dev Erfolg der deutschen Anleihe in England tatsächlich in Frage gestellt ist. Man hält es für sehr wahrscheinlich, daß es sich vorläufig bei der

englischen Propaganda gegen die deutsche Anleihe

um taktische politische Manöver handelt, die den Zweck ver­folgen, auf Deutschland einen Druck auszuüben, um es hin­sichtlich der gleichzeitig laufenden deutsch-englischen Wirt- schaftsverhandlungen gefügig zu machen. Wenn die englische Finanzwelt es hrtiächlich ferti.bringen sollte, bei der Zeich-

I riuilg 'der Ärrrerye-^ doner Abmachu

........chun gen ü b erh a upt in rage st e 11 e n , so würde damit eine sehr ernste Situation für Deutschland geschaffen werden. Wir glauben zu wissen, daß die deutsche Regierung Veranlassung genommen hat, die Auf- mersamkeit der englischen Regierung auf den Propagandafeld­zug gewisser englischer Kreise zu lenken, die absichtlich und bewußt den Erfolg der deutschen Anleihe in Frage stelle« wollen. England gehört unmittelbar zu den Garantie­mächten, die an der Durchführung des Dawesgutachtens Anteil genommen und auf der Londoner Konferenz ihren. Einfluß in enffcheidender Weise zur Geltung gebracht haben. Demnach hat es auch die Verpflichtung, feinen Teil zur Ver­wirklichung bet Londoner Beschlüsse beitragen zu müssen. In diesem Sinne ist die Reichsregierung 'bestrebt, von der enPlü­schen Regierung Garantien zu erlangen, damit der englische Anteil an der Reparationsanleihe auch voll gezeichnet wird. Dieses Moment dürfte auch auf den weiteren Fortgang der deutsch-englischen Wirtschaftsbesprechungen von aus.' schlaggebender Bedeutung sein. Beide Fragen sind für England wie für Deutschland von größter Wichtigkeit unb be» rühren die elementarsten Lebensinteressen der beiden Länder. Der Deutsche Reichsaußenminister hat in einer Rede, die er am Sonnabend in Berlin hielt, erklärt, es konrme Deutsch-

land darauf an,

die Idee der Meistbegünstigung

auf der Grundlage eines maßvollen deutschen Zollschutzes durchzuführen. Diese Erklärungen des Ministers dürften ins einem gewissen Zusammenhang zu der von der Reichsregie- rung eingebrachten Schutzzollvorlage stehen, die in England großen Unwillen hervorgerufen hat. Offenbar will England Deutschland zu einem Verzicht auf die (Einführung von Schutz­zöllen bewegen, was aber gleichbedeutend mit der Aufrollung eines großen innerpolitischen Konfliktes in Deutschland fein würde.

Die Oktoberrate gezabtt.

Die für den Monat September gemäß dem Londoner Ab­kommen zu leistenden Reparationszahlungen in Höhe von 83 Millionen Goldmark find nicht nur pünktlich geleistet, son­dern sogar überschritten worden, so daß ein beträchtlicher

U e b e r s ch « ß erzielt worden ist. Die Totalsumme von 83 Millionen Goldmark setzt sich zusammen aus den beide» Zahlungen ht bar von zusammen 40 Millionen Goldmark, den Einnahmen aus dem Recovery-Mt und von der Regie sowie den deutschen Zahlungen an die Besatzungsmächte. Nach Mit­teilung des stellvertretenden Generalagenten für die deutschen Reparationszahlungen ist der am 1. O k 1 o b e r fällige Reparationsbetragvon 14Millioneu Gold- mark b e re itg estellt. Nach der Meinung des Herrn Dawes liefern diese Zahlungen einen weiteren Beweis für das erfolgreiche Funktionieren des Dawesplanes.

Die Marinekontrollkommission aufgelöst.

Halbamtlich wird gemeldet:

Da alle Abrüstungsfragen, soweit sie sich auf die Marine allein beziehen, erledigt find, wird die interalliierte Ma- .in? Kontrollkommission laut Beschluß der Botschaf- tertonserenz vom 30. d. M. aufgelöst. .----

Schwere Mißernte

Me Reichsregierung hat verschiedene Abordnungen in die einzelnen landwirtschaftlichen Erzeugergebiete entsandt, um einen möglichst genauen Ueberblick über die dies- zührige Ernte zu gewinnen. Wenn die Untersuchungs- reisen auch noch nicht abgeschlossen sind, so läßt sich nach zu- !*erläffigen Mitteilungen schon soviel sagen, daß die Ernte- A a g e durch das anhaltende Regenwetter sich in einem Matze verschlechtert hat, wie man es vor vierzehn Tagen noch glicht für möglich gehalten hätte. .

Am schlimmsten sieht es in W e st f a le n und RHe in« land aus. Berichte aus den Regierungsbezirken Kastei, Wiesbaden und Hannover lassen die Ernte so ge­fährdet erscheinen, daß man nur mit ernsthafter Besorgnis in die Zukunft sehen kann. Das S a'a t g u t, sowohl Winter- wie Sommerkorn, ist zu 7 5 Prozent '. ernichtet . Aber auch die B r o t v e r s o r g u n g der ländlichen Bevölkerung aus Eigenerzeugnissen ist in dreiem Jahre unmöglich. Das geerntete Korn konnte nicht em- mal von den Dreschmaschinen verarbeitet werden, da es durch den Regen völlig aufgequollen war. Man griff deshalb zum Handdrusch; es weigerten sich jedoch zahlreiche Müller, drei es Korn zu mahlen, weil es sich zu einer einzigen Mape zmam- menbaUte und das Mühlwerk verdarb. Backversuche mit. solchem Mehl ergaben ein steinhartes Brot, das zu Nahrungszwecken nicht verwendet werden konnte.

Auch die Futterernte hat in fast allen Teilen Deutschlands stark gelitten. Der zweite Heu schnitt- gilt bis auf wenige, kaum nennenswerte Erträge als v e r - [ o r e n. Ganz allgemein genommen ergibt sich ein außer» ordentlich trauriges Bild. Weiter kommt für die Beurteilung serregend hinru, daß die diesjährigen

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ßische Regierung für die am meisten gefährdeten Gebiete be-i reits eine Hilfsaktion eingeleitet, die jedoch nicht das Gesamt- umf der notwendigen Hilfe darstellen kann.

---- . . 5 Reichsmimster Dr. Luther zum Preisabbau.

In einer Unterredung mit einem Pressevertreter erklärte Dr. Luther u. a.:Daß die Steuern in vieler Hinsicht ver­bessert und dabei mit aller Kraft tragbarer gestaltet werden -nässen, darüber habe ich nie einen Zweifel gelassen. Aber alle Bestrebungen der Regierung werden zu keinem befrie- digenden Ergebnis führen, wenn nicht die ganze Wirt-, schaft von dem gleichen Geiste durchdrungen wird^ Die erforderliche Wirtschaftsbereinigung auf betriebstechni-> schein, kaufmännischem und organisatorischem Gebiet ist noch- keineswegs in dem Maße fortgeschritten, daß heute schon ein Anschluß an die Weltmarktverhältnisse gesichert ist. Ich weiß sehr wohl, daß sich die Wirtschaft in außer» ordentlich schwieriger Lage befindet und daß es eine ganz« Reihe von Wirtschaftszweigen gibt, die ihre Unkosten nicht, herauswirtschaften können. Ich weiß aber auch, daß für; andere Teile der Wirtschaft die Forderung nach Preisabbau durchaus berechtigt ist. Es werden heute' noch in nicht unerheblichem Maße von Verbänden Preise vorgeschrieben, die die hohen Kosten einer auf erweiterten, Produktionsumfang eingestellten Erzeugung und Verteilung selbst bei weiter zurückgehendem Umfang hereinbringen sollen, 'unb dadurch die Absatzverhältnisse, statt sie zu heben, nux! vollends verkümmern lassen.

Ich halte durchaus an meinem Worte fest daß es folgen»' schwer sein würde, wenn sich die Tarifermäßigungen, Steuer-s Ermäßigungen usw., die jetzt eingetreten sind, nicht auf die; Gange Preisgestaltung auswirken. Ich hätte es deshalb aurnd^ tig begrüßt, wenn die Gesichtspunkte, für die die Privatwirl-' schuft die volle Verantwortung trägt, neben den Forderungei,, auf Steuerermäßigungen von den betreffenden Wirtschafts»! kreisen ein (gehe nd gewürdigt worden wären. Vielfach aber stellt man es so bar, als wenn alles allein von den Steuern> .abhinge, und dies ist eine wirkliche Täuschung für die OsffentUchkeit und darüber hinaus eine Enttäuschung. Ich habe nie gesagt, daß die Umänderung der Steuern be- enhet sei Ich bin umgekehrt bereit, auf diesem Gebiet in planvoller Entwicklung das Meine mit aller Kraft zu tun. Die Wirtschaft aber muß ich ebenso dringend bitten, das Ihre zu tun." ....

Amerika und die Abrüstungskonferenz.

Aus die Genfer Meldungen über die geplante Ab- rflfhinaefonfereni hin wird in Washingtoner Kreisen erklärt,^ baf tue Legierung jede Abrüstungskonferenz unterstutze-i Im Weiße»- Voause'würde man es aber lieber sehen, wenn, statt bet Völkerbundes die Großmächte als Einberufer de» Äonstreu austräten, weil dadurch ^lmerika eine weit größere! Haudlurrgsfreihett «chielte. Eine Derkoppelung der Schul»! deuft»^ p«r per Abrüstungskonferenz dagegen wär? AMxM,