Einzelbild herunterladen
 

Hersfel-er Tageblatt

HHHHtHHItHKHHIWHWtHWMWtHHM^MH«****«

Anzeigenpreis für die einspaltige Peflizetie 10 Pfg. ; für amtliche und auswärtige' Anzeigen 15 Pfg., die Reklamezeile 50 Pfg. Bei Wiederholungen : Dadilab. + Für die Sdiriffleltung nerantwortlidi : Franz Funk in ßersfeld. + Fernsprecher Dr. 8. ;

Hersfelöer Kreisblatt'

Amtlicher Anzeiger für den Kreis Hersfelö

Der Bezugspreis beträgt durch die Post bezogen | monatlich L MK aussdiliebl. Bestellgeld, für Ißersfeld 1. MK. bei freier Zustellung, Abholer |.80 lllk. * Druck und Verlag von hudwlg Funks ; Buchdruckerei In ßersfeld, fOltglfed des VDZV.

Nr. 119

Donnerstag, den 2. Oktober

1924

Das Wichtigste.

? Der Reichskanzlerhat die Vorbereitungen für eine Regierungsumbildung wieder persönlich in die Hand genommen.

i Reichsfinanzmini st er Dr. Luther ist am M i t t- wvch vormittag nach London abgereist, um den Echlußverhandlungen über die Auflegung der deutschen Anleihe beizuwohnen.

Der Landesverräter Dorten entfaltet in A me- rika ein eneue Deutschenhetze.

Auch Belgien und Italien wollen Anspruch er* heben auf die26prozentige Ausfuhrabgabe. J

Mittelstandsfragen.

In den letzten Tage haben eine ganze Reihe Mittelstand- i lerischer Organisationen, und zwar sowohl wirtschaftliche wie! kulturelle und politische, ihre Versammlungen abgehalten, die, ein Bild der brennendsten Fragen boten. In Nürnberg! fand der Parteitag der Wirtschaftspartei des; deuts chen Mittel st «ndes statt. - Lr brächte eine ganze i Reihe von Referaten bekannter Mittelstandsfi'chrer. Nach! einer Begrüßungsansprache des Landtagsabgeordneten Dre -! witz- Berlin, der die allgemeine Notlage des Mittelstandes seiner Politischen und kulturellen Bedeutung gegenüberstellte,! um den Forderungen der Tagung Nachdruck zu verleihen/' sprach zunächst der Bundesvorsitzende des Jugendbundes der Partei, G o y e r t - Neukölln, über die mittelstündlerische Jugendbewegung. In den Vordergrund seiner Betrachtungen stellte er das in der Tat besonders brennende Führer- Problem und die seelische NotPes durch die wirtschaftlichen Nöte der geisten Erholung beraubten Mittelstandes, der nur

Rsichstagsabgeordneter Prof. Bredt sprach über das Sachverständigengutachten und seine Auswirkungen auf den Mittelstand. Er stellte sich in scharfe Opposition zur jetzigen Regierung, zu den Schutzzollanträgen und insbesondere zu dem durch die Landwirtschaft gehenden Streben, zur Aus­schüttung von Zwischenhandelsgewinnen die Verarbeitung landwirlschastlicher Erzeugnisse bis zum letzten Verbrauch in eigene Hand zu nehmen, das weit über das Ziel Hinausschösse - und dem Mittelstand die Existenz untergrabe. In der A u f»' wertu ngsfra ge verwies er auf die Gefahr, daß durch Besteuerung bei einer erhöhten Aufwertung dem Mittelstand vielleicht genommen werde, was ihm die Aufwertung geben solle. Für das Handwerk sprach Reichstagsabgeordneter Täpezierermeister Holzamer'-Berlin, der sich ebenso wie der Vorredner gegen die übertriebene Steuer­anspannung wandte und Schutz der gerechten Belange des Handwerks gegen Hebelgriffe von Reich und Kommunen (sortierte. Namens des Grundbesitzes forderte Reichstags- ab geordneter Ladendorff-Berlin die Aufhebung der Woh-, pungszwangswirtschaft und bezeichnete den sogenannten ^Gemeinwirtschaftlichen Baubetrieb" als einen großen Betrug am Bolksvermögen. Nur die Freigabe der Wohnungswirt- fchast könne den Baumarkt beleben und damit gleichzeitig der; Wohnungsnot ein Ende machen und dem Handwerk lohnende; Beschäftigung zuführen. Dr. VerterroLH-Köln berichtete über die internationale Mittelstandstagung in Bern, auf der der Mittelstand einer ganzen Reihe vpn Ländern seinen Willen zur Bildung «gen« potttischer Organisationen aus» gesprochen habe.

Im Gegensatz zu dieser Tagung der Wirtschaftspartei, die in erster Linie politisch und zum Teil auch partei-agitatorisch zu werten ist, wenn sie auch die Not und Erregung weitester Kreise des Mittelstandes blitzarttg beleuchtet, die diese zwingt, ihre wirtschaftlichen Belange zum Leitfaden ihrer politischen i Betätigung zu machen, waren einige wettere Tagungen rein, wirtschaftlich orientiert So hielt der Einzelhandel nach der Tagung des Hauptausschusses in Hamburg jetzt seinen Mittel- deutschen Tag in Altenburg ab, der stark im Zeichen der Abwehr polittscher Eingriffe ins Wirtschaftsleben stand. Als Hauptforderung wurde die Abwehr der geplanten Klein-j Handelssteuer, die die Umsatzsteuererhebung beim Klein- Händler zusammenzufassen gedenkt, und die Bekämpfung des1 pon der deutschvölkischen Partei angeregten Reichsbundes der | Konsumenten bezeichnet, der stark an die linksgerichteten Kon- sumoereine in feiner Mittelstand »feindlichen Einstellung er« innere. Daneben sortierte man Reform der Verordnungen über Wandergewerbe, Bedürfnisfrage und unlauteren Wett­bewerb. Schließlich erscheint von Bedeutung eine Aktion bet Handwerkskammer des Regierungsbezirks Düsseldorf, die größeres Entgegenkommen gegenüber Steuerstundungsgesuchen aus Hmrdwerkerkreisen fordert und die Einsetzung einer un- parteiischen Stelle zur Prüfung der Leistungsfcchigkeit an- z^Etet Die gjMp Stelle fordert höhexe SteuecantM W

die Gemeinden, verweist auf den bevorstehenden Erlaß einer neuen Reichsverbindungsordnung, zu der die Handwerks­kammern im Laufe des Oktober Stellung nehmen sollen. Me interessierten Meister müssen ihre Anregungen und Wünsche den zuständigen Kammern bis Mitte Oktober mitteilen. M.

Der Reichskanzler und die Regierungsumbildung.

Reichskanzler Dr. Marx, der persönlich die Snitiotioe zur Umbildung des Reichskabinetts in die Hand genommer. hat, nahm seine Bemühungen zur Erweiterung der Regie- Pungsbasis wieder auf. Diese Besprechungen, die Mittwoch ihren Anfang nahmen, werden voraussichtlich die ganze Woche in Anspruch nehmen. In der nächsten Woche werden, dann die Reichstagsfraktionen zu dem Ergebnis Stellung nehmen. Als erste der Reichstagsfrakttonen hat die demokratische für Dienstag, den 7. Oktober, eine Sitzung anberaumt. Der Vorsitzende der Partei, Koch, der in Italien weilt, ist wegen der bevorstehenden Parteiführer- besprechungen von der demokratischen Parteileitung tele­graphisch zurückberufen worden.

Wie wir von unterrichteter Seite erfahren, hält Dr. Marx an seiner Absicht fest, nicht nur mit der Deutsch­nationalen Partei, sondern auch mit der So- zialdemokratie in Fühlung zu treten. Im Gegensatz zu den Auffassungen der volksparteilichen Kreise steht der Reichskanzler persönlich auf dem Standpunkt, daß eine Volksgemeinschaft ohne Mitarbeit der So« zialdemokratie nicht möglich fein würde, und daß eine ausgesprochene Rechtskoalition im Widerspruch zu der bisherigen Haltung der Reichsregierung stände. Aus diesen Gründen wird der Kanzler den deutschnattonalen Füh­rern bestimmte Fragen vorlegen, von deren Beantwortung er seine weiteren Schritte abhängig machen wird. Unter MMMMWwird er Me frrage tn ven wruecr^wt». ^«, «w auf der Grundlage der erweiterten Regierungskoalitton nun­mehr gegen die Sozialdemokratie regiert werden soll. Wir glauben zu wissen, daß Reichskanzler Dr. Marx einen sol­chen Kurs für außerordentlich bedenklich halten würde, und entschlossen ist, seinen ganzen Einfluß aufzubieten, um vor einer solchen Politik zu warnen. Von einer dem Reichskanz­ler nahestehenden politischen Persönlichkeit wird uns mitge­teilt, daß Dr. Marx von der unbedingten Notwendigkeit einer Erweiterung der Regierungskoali - t i o n überzeugt ist und dementsprechend an die Deutsch­nationale Partei herantreten wird, um sie zur praktischen Mitarbeit an der Regierung aufzufordern. Er will aber nach Möglichkeit, d i e S o z i a l dem o krat i e n i cht aus- schließen, und aus diesem Grunde wird er es vermeiden, zunächst in gesonderte Besprechungen mit den Deutschnatio­nalen einzutreten, ohne auch gleichzeitig mit der Sozialdemo­kratie Fühlung genommen zu haben.

Auf der deutschnattonalen Vertretertagung wurde fol­gende Entschließung gefaßt: Die Parteivertretung der Deutschnattonalen Volkspartei ist, ebenso wie die Vor­sitzenden der Landesverbände, einmütig gewillt, die Geschlos­senheit der Partei zu wahren. Nachdem der Reichstag die auf dem Londoner Abkommen beruhenden Gesetze angenom­men und damit zur rechtlich bindenden Form, die der Durch- führung bedarf, gestaltet hat, ist es Pflicht der Partei, sich Einfluß auf die Auslegung, Handhabung und Verbesserung der Gesetze zu verschaffen. Die Parteivertretung billigt des­halb, daß die Reichstagsfraüion sich den von dem Herrn Reichskanzler Marx in Aussicht gestellten Verhandlungen über die Beteiligung der Deutschnationalen an der Regierung nicht versagt.

Me Verhandlungen mit den Parteiführern.

Die Führer der Regierungsparteien werden nach den bisherigen Dispositionen des Reichskanzlers am Donnerstag nachmittag empfangen werden. An diese Besprechungen wer- den sich dann in den folgenden Tagen Verhandlungen mit. den Führern der Deutschnationalen und der Soziäldemok otte anschließen. Ein genauer Zeitpunkt hierfür läßt sich aber erst nach dem Empfang der Führer der Regierungsparteien sagen.

Or Luther nach London abgereift.

Reichsfinanzminister Dr. Luther ist Mittwoch oormitta. nach London abgereist, um den Schlußverhandlungen über die Auflegung der deutschen Anleihe beizuwohnen. Dr. Luther hatte sich bereits vor einigen Tagen zur Erledigung privater Angelegenheiten von Berlin wegbegeben, wohin er auch nicht mehr zurückgekehrt ist. Nach Ansicht maßgebender Kreise kann es keinem Zweifel mehr unterliegen, daß die Anleihe als gesichert anzusehen ist. Dr. Luther wird wahrscheinlich bereits am Donnerstag über den Stand und das bisherige Ergebnis der Verhandlungen nach Berlin telegraphisch Be­richt geben.

Französische Erprefterpläne für die Handelsvertragsverhandlungen.

Ueber die französisch-deutschen Wirtschaftsbesprechungen, die nun in Paris am Quai d'Orsay beginnen, bemerkt der Gaulois", daß Frankreich nur an der Hand gewisser Druck­mittel die deutsche Delegation dazu bewegen könne, eine ent­gegenkommendere Haltung einzunehmen. Als Erpressungs- mittel werden vomGauiois" genannt die 26prozentige Ab­gabe, Deutschlands Bedarf an lothringische« Erzen und die militärische Ruhrräumung.

Herriot hat dem deutschen Botschafter eine Note überreichen lassen, die erneut die Auffassung der französischen Regierung in der Frage der 26pro genügen Ein­fuhrabgabe barlegt. Herriot bestreiket entschieden, daß diese Abgabe den Bestimmungen des Dawesgutachtens wider« spreche. Die französische Note ist als eine Ant w or t auf die Protestnote aufzusassen, die der deutsche Geschüsts- träger in der vergangenen Woche am Quai d'Orsay über­reichte. , ,

Der BrüsselerTemps"-Korrespondent bestätigt, daß der beigische Ministerpräsident grundsätzlich die Auflage der 26prozentigen Reparationsabgabe auf deut- sehr Einfuhrgegenstände beschlossen hat. Ein Dekret hierüber wird traft eines 1920 angenommenen Gesetzes demnächst er- ftheilten. Vorläufig ist noch die Form der Erhebung an der luxemburgisch-deutschen Grenze zu regeln. Me Maßnahme wird innerhalb der ersten Oktoberhcilfte in Kraft treten. '

Italien und die 26 prozentige Ausfuhrabgabe, i

Nach Mailänder Meldungen scheint auch die italienische R nerung eine 26progentige Ausfuhrabgabe auf deutsche Wsren in Erwägung zu ziehen. Die italienische Regierung hat jedenfalls schon jetzt durchblicken lassen, daß sie diese Maßregel in Anwendung bringe, falls sie dies für nützlich erachte? Andererseits wird versichert, daß die italienische Re­gierung sich an die Reichsregierung mit dem Wunsche ge» wendet hat, Wirtschaftsverhandlungen zu einem neuen Han­delsverträge anzubahnen. Es heißt sogar, daß dieseryalb Besprechungen schon in der kommenden Woche beginnen

Mslwvwrr '^-"-W*--WßMW»?-»-^----->>-»-M !

Das anleihebereite Amerika.

1

Professor Bonn, der sich gegenwärtig in den Vereinigten, Staaten aufhält, sprach vor dem New Yorker Bondclub. Er erklärte, die bevorstehende 200 - M i l li o n e n - D o ll a r -' Anleihe scheine vollkommen g e s i ch e r t zu sein. Deutsch- ' land werde allen seinen Verpflichtungen unter dem Dawesplan nachkommen. Nachdem biß- Regelung des Wirtschaftslebens in Europa fünf Jahre, lang hinausgezögert worden sei, fühle man jetzt den schädlichen Einfluß dieses Aufschubs. Nach einer Meldung aus Chicago hat die Persammlung der Bankiers des mittleren Westens, die ein Jahr zuvor noch gegen europäische Kredite war, sich jetzt dafür ausgesprochen. George Reynolds, der Vorsitzende der Continental (Sommer» cial Nationalbank, sagte, die Lage in Europa habe sich infolge, des Dawesplanes so geändert, daß das amerikanische Sott; nunmehr Kreditwünsche als angemessen betrachte. Me deut«, sehe Anleihe sei H in r e i ch en d ge s i ch e rt und könne nun* mehr mit Aussicht auf Erfolg aufgelegt werden.

KrauzSsische Soldateska im Gaargebitt. s

In den letzten Tagen haben sich wiederum schwere Hebelgriffe französischer Soldaten im Saargebiet ereignet. In einer Nacht überfielen französische Soldaten friedliche Passanten und verletzten diese durch Schläge und Stein« ärfe derartig, daß mehrere von1 ihnen sich in ärztliche Behandlung begeben inußten. In der folgenden Nacht ereignete sich gleich-, falls ein Ueberfall auf deutsche Zivilpersonen durch in be» Dunkelheit umherschweifende Soldaten. In einem andern, Falle hetzte eine französische Zivilperson ihren Hund auf einen Nachtwächter, der dabei schwere Bißwunden erlitt. 3« der deutschen Bevölkerung herrscht große Erregung über diese Vorgänge. Me Zeitungen verlangen eine durchgreifende, Untersuchung der Angelegenheit und strenge Bestraf«^ bet; Schuldigen. '

Rußlands Propaganda gegen den Völkerbund.

Schon bei dem Beginn der Verhandlungen Deutschlands über feinen Eintritt in den Völkerbund hatte 91 u § l a n b ' auf diplomatischem Wege darauf hingewiesen, daß ein solcher; Set ritt leicht eine Trübung bet deutsch-russischen Beziehungen zur Folge haben könnte. Es ist von deutscher Seite bann| ernstlich versucht worden, eine Vermittlung zwischen dem, Völkerbünde und Rußland anzubahnen, und auch das soeben; überreichte Memorandum der Reichsregierung wird darauf) Hinweisen, daß es empfehlenswert fei, Rußland ebenfalls ben Eintritt zu ermöglichen, Nichtsdestoweniger hat der deutsche Schritt in Moskau eine ernste Verstimmung hinter­lassen, und in den leitenden Kreisen der Sowjettegierung, scheint zurzeit eine Richtung die Führung zu haben, die gegeni die europäischen Staaten weit schärfer eingestellt ist, als es) noch vor fit nein der Fall war. Die Sowjetregierung ist int letzter Zeit so weit vorgegangen, eine offizielle Warnung gpt