Einzelbild herunterladen
 

: Der Bezugspreis beträgt durch die Poll bezogen $ monatlich l.— Mk., ausschliedl. Bestellgeld, für : ßersfeld 1.— Mk. bei freier Zustellung, Abholer t —.80 Mk. * Druck und Verlag von budwig Funks r Buchdruckerei in ßersfeld, (fillglled des VDZV.

Hers^iser Kreisblatt"

Amtlicher Anzeiger für den Kreis Hersfelö

Anzeigenpreis für die einspaltige Pelltzeile 10 Pfg. : für amtliche ,und auswärtige Anzeigen 15 Pfg., ♦ die Rehlamezeile 50 Pfg. Bei Wiederholungen r Dadilab. + Für die Sdiriftleltung verantwortlich: Franz Funk In ßersfeld. ♦ Ferniprecher Dr. 8. ♦

Nr. 120 Freitag, den 3. Oktober 1924

Dss Wichtigste.

— Zu Beginn der deutsch-jra «Höfischen Wirt­schaftsverhandlungen in P« vt» bauschte» Heeriat und Hü sch Be grüßn UHsansprach.n ar

— Auch deutsch-japanifche H a «d »1 » v ^»er a g s « varhandlungen sind eingeleitet

— 3m Zuge der vielgerüh »4v« *e e tf 4-fr an j 5 « sischen $ erst ä n big ung finden f<«»zö^f che Ma»S - »er auf deutschem Boden statt. «[

— Polen ist zurzeit das teuerste Lau- -er WeLt.

Die Wirtschaft

im Entschei-uagstamvf.

Die Gesamtheit der vielen Meldungen mü rsrrrschaft- lichem und wirtschaftspolitischem EinschLog, die augem-lichich die Tageszeitungen erfüllen und von Han-elsr-erttaasoer- Handlungen, Schutzzoll- und Freihandel«fvaye»r, K^^'ssich^.qs^ aktion und Kreditpolitik, Arbeitszeitobkommreu und Gtv° und Ausfuhrstatistik berichten, zeigt wohl, wie Wbr neun im Wvzel- fall die Wichtigkeit der Vorgänge zu bewerte». weiß. Gar vielen Lesern aber geht über der ÄAie des Duzednaterials der Ueberblick verloren und fehlt bennft die L^enninis der inneren Verbundenheit aller dieser Tei leifcheo-'ungern

Die deutsche Wirtschaft kämpft lruaenbliÄich eine Ent- wicklungs- und Wiederaufbaukrise nach zwei Richitmaen du. H. 3m Innern gilt alles Mühen dem Wi»d<—.nffoau einer nor­malen Wirtschaft, der Senkung der Pr^uktlonskos-v. und der Wiederherstellung der WetibewerbsMigkeit aus bett Weltmärkten. Viele Hemniungen und fast unlösbar fÄxrsenbe Probleme sind dabei zu bewältigen. Dae Steuerlasten sind unzweifelhaft viel zu hoch, andererseits d-ec M»mKet«r.f von Reich, Ländern und Kommunen gewaltig, und zu die^m. normalen Finan^bedarf treten aus . „

und notwendigen sozialen Pflichten, so namentlich d^r'Vrr»^ ' schiebung des Aufwertungsproblems auf das fötale Ä».->>iet, neue Anforderungen. Verbilligung der Ster»ererhebn«a, Ver­einfachung des Steuersystems, andere Verteilung der Steuer­last nach der Leistungsfähigkeit und Herabmr^eruntz der ^lusgaben aller öffentlichen Körperschaften, zum Teil unter Ueberführung ihrer bisherigen Aufgaben in die billiger arbeitende Privatwirtschaft, scheinen unumgänglich. Jede derartige Maßnahme stellt aber natürlich eine folgenschwere Entschridung dar und hat den Austrag u^ningfaltiger Gegensätze zur Voraussetzung. Die SBerbiUiguw der Waren­erzeugung und -Verteilung durch Ausschaltuna' entbehrlicher oder wirtschaftlich schwacher Zwischenglieder ist als notwendig erkannt. Sie stellt den Betrieben und der Organisations- technik große Aufgaben, die zum Teil völlige Mu^staltung und grundlegende Umstellrmg wirtschaftlicher Anschauungen und Vorgänge erfordern; sie muß wiederum unter Schonung des ohnehin so sehr geschwächten, für einen gesunden Staat und eine auf inländischen Absatz angewiesene Wirtschaft aber unentbehrlichen gewerblichen Mittelstandes erfolgen, was die Aufgabe noch kompliziert und jede Gntscheiduna wesentlich verannrwrtungsschwerer gestaltet. Me Lösung aller wirk- schaftlichen Reugestaltungsversuche, aller sozialpolitischen Pläne wird weiter erschwert durch den Kapitalmangel und die <ms ihm erwachsene Kreditnot sowie durch eine Zins- übersteigerung, die teils als deren Folge teils durch eine Ueber- teuer ung des bankmäßigen Verkehrs und die allgemeine Un- ä cherhe.it sich immer noch erhält In alle diese Fragen hinein spielt immer wieder der Austrag von politischen und Klassen­gegensätzen auf wirtschaftlichem Gebiet und der seit dem großen Unisturz noch nie erloschene Kamof um die Arbeits- oedtngungen und die marxistischen Ideale.

Die so aus den Nöten eines Wiederaufbaues mit un- zuiövglichem Betriebskapital unter viel zu schwerer finan­zieller, bürokratischer und psychologischer Belastung mühsam sich herousringende und der Wettbewerbsfähigkeit wieder zu- streöende Wirtschaft ist gleichzeitig durch die außenpolitischen r>eri)andlungen neuen Gefahren und neuer Ungewißheit aus- gesekt Am 10. Januar eichet die durch den Versailler Ver- trag mu aufgezwungene, seitens Deutschland allen Entente- ländern zu gewährende einseitige Meistbegünstigung ohne Gegenseitigkeit. Wir sind dann wieder in der Lage, mit unseren Gegnern Handelsverträge zu schließen. Diese Ver­träge sollen die Vorbedingungen für eine Steigerung und Entwicklung unseres Außenhandels schaffen, wie wir sie brauchen, um im verkleinerten und verarmten Baterlai.de ein Sc^zig-Millionen-Volk am Leben zu erhalten und die Reparationsverpslichtungen zu erfüllen. Zugleich aber zittert j»oer der Beteiligten im Auslande vor dieser erhöhten deutschen Ausfuhr, die uns wieder zum gefürchteten Wett- d-ewerber bet Vorkriegszeit machen und die inzwischen in den andern Ländern mühsam großgezogenen Industrien in ihrem Bestand teilweise bedrohen würde. Seiner gönnt zu­dem dem andern seinen Anteil am Geichaft mit dem deutschen Kunden, jeder fürchtet, mit seinem Anteil an den Repara- sinnen zu kurz zu kommen. S°'überschnell unter Ein- föfc aller politischen und wirtschaftlichen Machtmittel einen möglichst guten Ertrag für sich heranszcholem Man scheut nicht vor ReprejsaUeu all«: Art zurück, schafft fchrr-ll noch

Sondergesetze gegen die deutschen Waren, um Kuhhandels objekte zu besitzen, und läßt den ganzen aus der Kriegszeit zur Genüge bekannten Appavat öffentlicher Stimmungsmache spielen. So ergibt sich ein konzentrischer wirtschaftspolitischer Angriff auf Deutschland, der seine wirtschaftspolitische Wehrlosigkeit der letzten fünf Jahre zu verewigen strebt. Leider stehen die delttsche Regierung und die deutsche Wirt­schaft diesem An^iff nur mit sehr skbieüsten Waffen gegen­über. Man hat m amtlichen und prnxxten Kreisen die Auf- gäbe lange Zeit viel zu leicht genommen und es zum Beispiel »ersäumt, rechtzeitig an die Ausarbeitung eines wirklich genau ausgefeilten und abgewogenen Zolltarifs zu gehen. Dieser 'wll nun in Eile geschaffen werden, in einer Zeit dazu, wo um jede einzelne Position erbittertere Kämpfe zu führen sind als je zuvor und ein Fehlschlag bei der Wahl der Belastung verhängnisvolle Folgen zeitigen muß. Denn die zusätzliche 'Belastung der deutschen Wirtschaft mit Steuern und Re- parntionen sowie aus einem Kapitalmangel heraus, der wirt­schaftliche und technische Fortschritte fast nur mit knappen und teuren ausländischen Krediten durchführen kann, be­lastet fast jeden Wirtschaftszweig so, daß die Forderung nach Ausgleichszöllen berechtigt erscheint. Andererseits können mir die offene Tür bei den anbern nicht ohne Gegenseitigkeit verlangen und müssen -er deutschen Erzeugern zumuten, einen Teil dieser zusätzlichen Belastung durch geringere Gewinnkalkulation und durch Ersparnisse bei Produktion und Vertrieb wettzumachen. Die Möglichkeiten auf diesem Gebiet, bie Frage des größeren Vorteils für die Gesamtwirtschaft bei Schutzzoll oder freiem Wettbewerb mit dem Auslande sind in jedem einzelnen Falle so unsagbar schwer abzuschätzen, und die Entscheidung berührt in jedem Falle so wichtige Privatmteressen, daß es verständlich erscheint, wenn die Wirt- hierdurch in Gegensätze zerrissen ist und mit allett Mitteln, oft unter HinWerspielung in die Polittk, jede Gruppe ihre Sonderziele zu erreichen sucht. Es ist ein .magerer Trost, daß wenigstens in einigen Ländern uns gleiche Gegensätze begegnen und unsern Diplomaten Aussicht auf Erfolge bieten können. Um diese zu erreichen, darf man aber über der Fülle der Einzelerscheinungen nie deren Rolle im Rahmen der großen, hier aufgezeigten Gesamtprobleme

gern ntopfert. E

Die Vechanölungen zur Ltmbildung desReichskabineiis

Die Bemühungen des Reichskanzlers Dr. Marx zur Um- bildung der Reichsregierung werden vor Mitte nächster Woche kaum zu irgendeinem Resultat fuhren können. In den maß­gebenden parlamentarischen Kreisen ist man der Meinung, daß jetzt die grundsätzliche Entscheidung darüber fällt, ob eine Erweiterung des Kabinetts möglich ist oder der gegen- wärtige Reichstag infolge der Unmöglichkeit einer regierungs­fähigen Konstellation der Auflösung verfallen muß. Die Ge» fahr einer Reichstagsauflösung darf keineswegs unterschätzt werden. Es kann nicht daran gezweifelt • werden, daß es, Reichskanzler Dr. Marx mit seiner Mission sehr er st nimmt und bis zum letzten Augenblick bemüht sein wird, zwischen den einzelnen Parteien zu vermitteln.

Vor dem Empfang der Parteiführer.

Der angekündigte Empfang der Führer der Re­gierungsparteien beim Reichskanzler fand Donners­tag nachmittag in der Reichskanzlei statt. Im Laufe des Vormittags tagten die Fraktionsvorstände der Regierungs­parteien in getrennten Sitzungen, um die Besprechungen vor- zubereiten. Das Zentrum entsandte zu den Besprechun­gen die Abgeordneten Fehrenbach, Becker-Arns- 6er g und v. Guerard, die Deutsche Volkspartei Dr. 8cholz, Dr. Zapf und Dr. Curtius, die Demokraten Erkelenz, Dr. Haas und Keinath. Der Partsioor» sitzende Dr. Koch wird erst am 11. d. M. von seiner Italien- reise zurückkehren. Die Besprechungen mit den Sozialdemo- kraten und den Deutschnationalen werden das Ende der Woche ausfüllen.

Der Reichskanzler wird bestimmte Richtlinien vorlegen, ’Me die Grundlage der Politik einer Regierung der Volks­gemeinschaft bilden werden, wie sie ihm vorschw^bt. Der Kernpunkt dieses Programms wird in der Durchfüh­rung des Londoner Paktes liegen.

Beginn der deutfch-iranzösifchen

Wirtschaftsverkandsttnqen.

Entsprechend der am Ende der Londoner Konferenz zwischen der deutschen und der französischen Regierung ge­troffener Vereinbarung haben am Mittwoch in Paris die wirt chaftlichen Verhandlungen zwnchen Deut! chIaud niti) Frankreich begonnen. Minister. Präsident Herrtot empfing im Beisein des Handels.

ministers Raynaldy und umgeben von den ftanzösischen Delegierten und Sachverständigen die deutsche Delegation, an deren Spitze Staatssekretär Dr. Trend elen bürg steht, und die vom Botschafter von Hoesch eingeführt wurde.

Ministerpräsident Herriot hielt eine Ansprache, in der er u. a. ausführte:

„Die französische Regierung begrüßt die deutsche Dele­gation, die von dem Staatssekretär im Wirtschaftsministerium Dr. Trendelenburg geführt wird, bei ihrer Ankunft in Frank­reich. Wir stellen mit Befriedigung fest, daß die deutsche Re­gierung mit ihrer Vertretung, mit der Vertretung ihrer In- buftrie und mit der Vertretung ihrer Landwirtschaft durch ihre persönliche Sachkenntnis qualifizierte Persönlichkeiten berufen hat. Indem ich dem Herrn Handelsminister den Vorsitz der Delegation Überträge, drücke ich den Wunsch aus, daß es ihm möglich sein wird, uns so bald es die ungeheure Arbeit- gestattet, zu einem Erfolge zu beglückwünschen.

Botschafter v. Hoesch antwortete il a.: „Herr Minister­präsident! Euerer Exzellenz spreche ich für die liebenswürdigen Worte, mit denen Sie die deutsche Delegation begrüßt haben, meinen Dank aus. Ich kann versichern, daß es der auf- sichtige Wunsch der deutschen Regierung ist, die heute be- ginnenden wirtschaftlichen Verhandlungen möchten zu Er­gebnissen führen, die für beide Länder annehmbar sind und sich als ersprießlich erweisen." — Ministerpräsident Herriot teilte dann mit, daß die Arbeiten der Delegation am 2. Oktober im Handelsministerium unter dem Vorsitz des Handelsministers Raynaldy ihren Anfang nehmen würden. Darauf schloß er die Sitzung.

Deutsch-japanische HandelsvertragS-Verhandlungen.

Jetzt hat auch Japan um Handelsverttagsverhandlungen ersucht. Bei diesen bevorstehenden Verhandlungen wird es sich nicht um den Abschluß eines Tarifvertrages, sondern um eine gegenseitige Gewährung uneingeschränkter M e i st be g ü nst i g un g handeln. Die Reichsregierung hatte bereits vor eineinhalb Jahren Schritte in dieser Richtung MMmmM -anr- reöoaj- htfacge Der aMeOncnOen .vttittmg Japans zu keinem Erfolg führten. Auf deutscher Seite wird die Regelung der Hcmdelsvertragsbeziehungen zu Japan leb» Haft begrüßt, zumal das kürzlich von der japanischen Regie­rung eingeführte Einfuhrbewillignngssystem für Farbstoffe praktisch einer vollständigen Drosselung der deutschen Farb­stoffe in suhr gleichkam. Man hofft in deutschen Wirtschafts. kreisen, daß mit Abschluß eines Handelsvertrages auch diese i einseitige, nur gegen Deutschland gerichtete Maßnahme Japans fallen wird. Im übrigen werden die bereits be­stehenden deutsch-japanischen Handelsbeziehungen an zustän­diger Stelle als sehr gut bezeichnet. Die deutsche Ausfuhr nach Japan betrug während der ersten vier Monate rund 50 Millionen Goldmark. Da Deutschland während der ersten sieben Monate dieses Jahres allein für 117 Millionen Mark Seide eingeführt hat, besteht auch auf japanischer Seite ein lebhaftes Bedürfnis an dem Ausbau der deutsch-japanischen Handelsbeziehungen. . ,

Die Vorstandsmitglieder der Michsbahngesellschaft.

Der Verwaltungsrat der Reichsbahngesellschaft trat unter Leitung seines Präsidenten C. Fr. von Siemens zu seiner zweiten Sitzung zusammen. Er stellte die Geschäfts­ordnungen des Verwältungsrates und der Deutschen Reichs- be^ngesellschaft fest, die bereits durch den Arbeitsausschuß, vorbereitet worden waren. Zu Mitgliedern des Vorstandes der Reichsbahngesellschaft wurden auf Vorschlag des Gene­raldirektors Oeser die Herren Vogt (Verkehr), K u m m - vier (Betrieb und Bau), Anger (Werkstätten), Hitzler < (Personal), Iahn (Finanz) und von Frank (Gruppenver. waltung Bayern), zum Leiter der Verwaltungsabteilung Geh. Reqierüngsrat Wolf ernannt. Der Bericht des General­direktors über die finanzielle Lage wurde zur Kenntnis ge­nommen. Die zur Ueberleitung des Unternehmens Deutsche Reichsbahn auf die-Gesellschaft notwendigen Vorbereitungen sind getroffen. Dem Generaldirektor wurde die Ermächti­gung zur Wirtschaftsführung auf der Grundlage des bestehen­den Haushalts erteilt.

Die Beamten-Gehälier.

Der ablehnende Bescheid des Reichsfinanzministeriums in der Gehaltsfrage hat in Beamtenkreisen große Erbitterung hervorgerufen. Es sind in den Besprechungen der Spitzen- Organisationen die verschiedensten Ansichten über die zu er- wartenden Schritte vorgebracht worden. Da eine Einigung sicher nicht erzielt werden konnte, wird nun der Besoldungs- kiusschuß der Spitzengewerkschaften zusammentreten, um : inen Beschluß über die zu ergreifenden Maßnahmen herbei- ,»führen. Jedoch sind diejenigen Beamtenvertreter in der Minderheit, welche zu dem letzten gewerkschaftlichen Mittel greifen wollen, vielmehr wird man voraussichtlich noch ein­mal versuchen, mit der Regierung in Verhandlungen zu kommen, und wird sich wahrscheinlich an den Reichskanzlei Dr. Marx direkt wenden. Falls das Finanzministermm wiederum jedes Entgegenkommen ablehnt, wüH MM ^