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kerWWTageblatt

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Hersfelöer Kreisblatt' [

Amtlicher /inzeiger für den Kreis Hersfeiö

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Nr. 122

Montag, den 6. Oktober

1984

Das Wichtigste.

Die Regierungsumbildung ist am einige Hagevertagt, bisdieDoutschnationaleanachder .-eränderten Konstellation ihre Entscheidung getroffen h-aben.

Reichsminister Dr. Sattes beaWchttgt, wieder (ein früheres Amt als Oberböe-ermetster von Duisburg zu übernehmen.

Am Donners tag erwartet man bie Anterzeich- üung der deutschen Anleihe.

- König Hussein vonHedschas haj abgedankd,

Von der Selbsthilfe deMistelstandeS

Seit Schulze-Delitzsch und Raiffeisen ist Deutschland das klassische Land der Genossenschaftsbewegung, aber nur die wenigsten der heute rund acht Millionen Mitglieder deutscher '.Genossenschaften und erst recht der außenstehenden Mitbürger haben einen Begriff von der Bedeutung der deutschen Ge­nossenschaften als Gesamtheit, ihren brennenden Tagessorgen und ihrer Beteiligung beim Wiederaufbau eines normalen Wirtschaftslebens. Das ist um so bedauerlicher, als die Ge- noffenschaften trotz gelegentlicher Verwendung dieser Rechts­form für bestimmte Zwecke des Großgewerbes in der Haupt­sache auch heute noch und der Natur nach die gegebene Form der Selbsthilfe und der wirtschaftlichen Vertretung des Mittel­standes und des kleinen Mannes sind. Durch die Genossen­schaften sucht das Handwerk die vorteilhafteren Einkaufs- Bedingungen des Fabrikanten und des Grossisten sich zu ver­schaffen, bilden die kleinen Kolonialwarenhändler in ihrer Edeka eine finanzielle Macht mit entsprechenden Kreditmöglich­keiten, üben Einfluß auf die Erzeugungsrichtung unb die Preisstellung der Fabrikanten aus und nehmen zum Teil die Erzeugung in eigene Hand. Durch die genossenschaftlichen Zieferungsgemeinschaften kann das Handwerk auch Groß- .... .f^iuuu^«^ ^EO»-TMMMWWM

treten. Auf genossenschaftlicher Basis konnte der kleine Land­wirt sich viele der Möglichkeiten verschaffen, die dem Groß­grundbesitzer gegeben sind, Molkereien, Zuckerfabriken, Saat­zuchten und Viehmusterstücke zu Zuchtzwecken erstellen, und in gutgeleiteten Kreditgenossenschaften seine flüssigen Mittel zu Kreditzwecken und zur Zuführung der Zinsgewinne an die Landwirtschaft zusämmenfassen. Bezugs-, Absatz- und Kredit- genoss entasten bilden so für den selbständigen Mittelstand eine der wichtigsten Waffen im Wirffchaftskampf. Oft sind

eine der wichtigsten Waffen im Wirtschaftskampf. Oft sind ihnen Produktionsgenossenschaften angegliedert oder aus -ihnen hervorgewachsen. Neben diesen Gruppen stehen die Genossenschaften der letzten Konsumenten. Zahlreich sind die Bau- und Spargenoffenschasten, oft Verein genannt, die gerade in letzter Zeit wieder besonders beliebt sind, um das Streben nach dem Eigenheim leichter erfüllbar zu machen. Muß daran erinnert werden, welche Bedeutung im deutschen; Wirtschaftsleben die allerdings häufig politisierten Konsum- vereine gewonnen haben, die einen der machtvollsten und beft- organisierten Zweige des deutschen Genossenschaftswesens, darstellen und in Hamburg in ihrer Großeinkaufsgenossenschaft! mit den angegliederten Fabriken, Handels- und Bankabtei- langen eine gewaltige Macht geschaffen haben? Gerade sie haben zur Förderung des genossenschaftlichen Gedankens und damit der wirtschaftlichen Gestaltung des Erzeugungs- und Derlei l un gsv organges auch indirekt sehr stark beigetragen, indem die Abwehr gegen ihre Konkurrenz den privaten Klein­handel zwang, sich zur Herabsetzung seiner Unkosten und zur Durchführung gewisser Fortschritte weitestgehend des wirt­schaftlichen Zusammenschlusses zu bedienen. Welche Be- Leutung ferner ohne Schmälerung des Verdienstes der gewerb­lichen Versicherungsgesellschaften die vielen Versicherungs- verbünde auf Gegenseitigkeitsbasis gewonnen haben, die ihrem Wesen nach nichts als Genossenschaften darstellen, bedarf kaum der Erörterung. Ist doch durch sie oft in solchen Fällen, wo die Versicherungsnehmer ausschließlich oder größtenteils aus wirtschaftlich schwächeren Kreisen stammten oder da, wo be- sondere Vorurteile zu überwinden waren, die Einführung einer Versicherung erst möglich geworden, und durch den Druck ihrer Konkurrenz die gewerbliche Versicherung zwang, die. Versiäierten an den Überschüssen durch Rückvergütungen und Prämiennachlaß in dem Maße zu beteiligen, wie es ^ute wohl allgemein geschieht. Eine ganze Reihe wichtiger kultureller Aufgaben, so die Elektrisierung des flachen Landes unb der Kleinstädte, die Ausführung dringlicher Meliorationsarbeiten und ähnliches, waren und sind wegen der knappen Mittel des einzelnen Beteiligten nur auf dem Wege genossenschaft. hd}eiyuw^ ^5 heißt die Zchlen der also seit etwa einem Jahre, deutlich, wie sehr die Bedeutung der Genossenschaften auch heute erkannt wird und m welche ickwieriae Lage andererseits die Genossenschaften durch ^n» klattansverluste die Regelung der Auswertung frage und die I m aaeruna der mirS Verhältnisse geraten sind. Es SliTta Gegensatz zu Vorkriegszeit auf bestimmten Gevie'en wo H^ule der Bedarf und die Betätigungsmöglich. K L E^Misch°ft-n wesentlich anders liegen al^ fru^

ein entsprechender Rückgang der Zahl der Genossenschaften, auf anderen Gebieten wiederum, namentfich auf allen denen, wo die Kreditnot oder der Wettbewerb des Großgewerbes dein aewerblichen Mittelstände besonders gefährlich wird, und bei der Wohnungsbeschaffung eine starke Zunahme.

Die Gesaintzahlen der Genossen wegung für die ersten neun Wonach des laufenden > verzeichnen zum Beispiel bei 39 Geschäftsaufsichten, 64 kursen, 1407 Auf­lösungen andererseits 2478 Neugründungen, so daß sich in drei Vierteljahren ein Zuwachs von rund 1000 Genossen­schaften ergibt. Die Gesamtzahl oer in Deutschland bestehenden Genossenschaften steigt damit auf rund 52 500, und mit dieser Zahl marschiert Deutschland weitaus an der Spitze aller Kulturländer. Diese Genossenschaften, die einen sehr beträcht­lichen Teil der deuffchen Wirtschaft und der deutschen Pro- duktionsmöglichkeiten schon unmittelbar darstellen und durch ihre Mitglieder fast ein Fünftel des deuffchen Volkes auf wichtigen Wirtschaftsgebieten vertreten, sind in vier Spitzen- verbünüen zusaminengeschlossen. Von diesen umfassen zwei, beide mit dem Sitz in Berlin, die vorwiegend landwirtschast- lichen Genossenschaften, der Deutsche Genossenschaftsverband in Charlottenburg die meisten Genossenschaften des gewerb­lichen Mittelstandes, und der Konsumverein svevband in Ham­burg die deutschen Konsumvereine. Me drei ersten dieser Verbände, die mit dem Handwerk unb dem Einzelhandel durch Beziehungen zu den einschlägigen Fachverbänden eng verbunden sind, bzw. den weitaus größten Teil des land- wirtschastlichen Klein- und Mittelbesitzes zu Genossen zählen, darf man Jjeute als die mächtigste und tätigste wirtschaftliche " ' ' ' Mittelstandes bezeichnen, der in

Vertretung des deutschen l ,

den nächsten Jahren gewaltige wirtschaftliche und kulturelle Aufgaben gestellt sind. M*

Die Regierungsumbildung

Die Besprechungen zwischen Reichskanzler Dr. Marx und den Führern der Sozialdemokratie hatten ein über- raid)enbeg Ergebnis, das man in den Kreisen der Regierungs­parteien kaum erwartet hätte. Die Sozialdenwkraten erklärten sich bereit, an der Regierung mitzuwirken, wenn die Deuts'

-.TP' flHt.ll u tr nWsriT^irr'

Verfassung des Re

unan

getastet zu lassen. Außerdem verlangen die sofortige Ratifizierung des Washing-

die Sozialdemokraten l . .... ..

tonet Achtstundentagabkommens. Wir glauben zu wissen, daß Reichskanzler Dr. Marx diese Forderungen der Sozial- demokrotie, deren Annahme er für seine Person unbedingt zugesagt hat, in sein Verhandlungsprogramm aufnehmen wird, um auf dieser Grundlage mit den Parteien weiter» zuverhandeln. Die bisher mit den Deutschnationalen ge­pflogene Fühlungnahme hat vorläufig noch nicht zu einem positiven Ergebnis führen können.

Ueber die Pläne der Sozialdemokratie

verlautet, daß die Sozialdemokraten nicht beabsichtigen, an der Reichsregierung teilzunehmen und irgendwelche Ministersitze zu besehen. Vielmehr wollen die Sozialdemokraten die Reichsregierung bei den parlamentarischen Abstimmungen in der bisherigen Form so lange weiterunterstützen, als die Hal­tung des Kabinetts nicht in einem offenen Gegensatz zu üen getroffenen Vereinbarungen steht. Die Hinzuziehung deutsch, «atiünaler Minister in das Reichskabinett würde für die Sozialdemokratie kein Grund zur Eröffnung einer Opposition |ein, wenn der Kurs der Regierung in dem bisherigen Sinne ortg^ührto^ ^^Etarischer Seite weiter verlautet, sind gegenwärtig Bemühungen im Gange, die geschlossene Front der Regierungsparteien zu der Frage der Regierungsumbildung wieder herzustellen. Die Führer der Deuffchen Volkspartei haben das Zentrum eingeladen, in einen gegenseitigen Meinungsaustausch über die Grundlage der Regierungserweiterung einzutreten. Einzelne Kreise der Volkspartei sind bemül)t, die Gegensätze, die zwischen den beiden Parteien aufgetreten waren, zu über- briicken, um nicht die Mittelparteien in ihrer Position inner­halb der Reichsregierung zu schwächen. Falls dje Deutsche Volkspartei mit dem Zentrum zu einer Ve r st ä n d i g u n g gelangen sollte, werden die gemeinsamen Beratungen zwischen allen drei Regierungsparteien, also auch unter Hinzuziehung der Demokraten, wiederUnsren'? - - " - men.

*

Don der Deuts chenBoIkspartei wurde folgende Erklärung abgegeben:Die Deutsche Volkspartei hat chre Zu- Kimmung zu Verhandlungen des Kanzlers mit der Deut, cy- nationalen Volkspartei und der Sozialdemokratie über eine Erweiterung der Reichsregierung nur unter Voraus- e b u n g erteilt, daß die notwendige programmatische uns parteitaktische Klärung unverzüglich erfolge. Der bisherige Gang der eingeleiteten Verhandlung läßt befunden, daß diese Voraussetzung nicht erfüllt wird. Der Versuch der Verwirklichung einer idealen Konstruktion darf mcht die reale ÄÄ»«"^

Fraktionen untereinander und mit dem Kanzler muß io rasch wie möglich ein Ende nehmen Das Kabinett darf sich seiner Handlungsfreiheit nicht entäußern. Die Vertreter der .Deutschen Volkspartei haben den,Vor,cviag gemacht, mit den Fraktiqnsvertretern auf Grund eines e -

gierungsprogramms zu verhandeln. Notwendig ist dessen unverzüglicheFeststellungund das Ersuchen an die Fraktionen, ohne Rückhalt zu erklärest, ob sie bereit. sind, auf dieser Grundlage mitzuarbeiten und mit welchen Fraktionen sie zusammen wirken wollen. Scheitert der Ver­such der Bildung einer Regierung von der Deutschnationalen Kolkspartei bis zur Sozialdemokratie, so muß alsbald über die

Hinzuziehung nur der Deutfchnationalen Volkspartei verhandelt werden. Auch wir sind der Auffassung, daß deren bisherige Stellungahme noch der Ergänzung bedarf. Wir hoffen, daß die Deutschnationale Volkspartei in der Lage ist, ihre Mitwirkung zu dem Regierungsprogramm in loyaler Durchführung der außen- und innerpolitischen Not­wendigkeit zuzusagen. Er füllt sich diese Erwartung, so darf die Regierungserweiterung durch ihre Zuziehung nicht am prinzipieller Ablehnung durch Fraktionen der Mitte scheitern. Angesichts der Haltung eines Teiles der Presse der Zentrums­partei und der Deutschdemokratische nPartei wird man er­warten dürfen, daß die Sitzungen der beiden Fraktionen die motwenbige Klärung bringen. Auf Grund der nach den Maiwahlen zwischen den Fraktionen und zuletzt vom Reichs­kanzler geführten Verhandlung über die Regierungsbildung mit der Deutschen Volkspartei und nach dieser im August von Zentrumsvertretern gemachten Zusagen dürfen wir b e stimmt annehmen, daß die beiden Parteien sich einer Erweiterung der Reichsregierung nach rechts nichtgrund- f ä tz l i ch versagen. Sollte dies dennoch geschehen, so würde sich die Deutsche Volkspartei ihre Handlungsfreiheit v o r b e h a I t e n."

Zarres will wieder Oberbürgermeister werde«.

Wie verlautet, hat Reichs-Jnneuminister Dr. 3 a 11 e s den Wunsch geäußert, sein Amt niederzulegen und den früher von ihm bekleideten Posten eines Oberbürgermeisters von Duisburg wieder anzutreten. Die Besatzungs- behörde hat dem Minister zwar die Einreise in das besetzte Gebiet gestattet, nicht aber die Wiederaufnahme seiner Dienst- geschäfte. Augenblicklich finden mit der Besatzungsbehörde Verhandlungen über diese Frage statt, deren Verlauf als aus­sichtsreich bezeichnet wird.

lNdelMerirag. ;

____________________ . wberekturiM für die deutsch-polnischen Handelsoertragsverhandlungen so weit ge­diehen, daß schon in nächster Zeit mit der Designierung des Vorsitzenden und der Mitglieder der polnischen Delegation zu rechnen ist. Am 10. d. M. beginnen in Warschau die Beratungen einer interministeriellen Kommission, um den ausgearbeiteten Entwurf zum Handelsvertrag zu prüfen.

Oas deutsche Memorandum.

Nach den hier einlaufenden Nachrichten aus Paris hat, die ftanzösische Regierung das Memorandum über die Völker-1 bundfrage nicht ungünstig ausgenommen. Jedoch sind an-j gesichts des französischen Kabinetts in einigen Punkten noch' Unklarheiten vorhanden, über die wahrscheinlich in Den nächsten Tagen Rückfragen an die Reichsregierung ergehen j werden. In politischen Kreisen wird betont, daß mit eineri Antwort in offizieller Form vorläufig nicht gerechnet werden könne. Selbst dann, wenn, wie man annehmen dürfte, die Beantwortung der ftanzösischen Rückfragen durch die Reichs, regierung die nötige Klarheit schafft, würde das französische. Kabinett sich inimer mit der englischen Regierung verständigen ! wollen, bevor es seine Meinung über die zu ergreifende« Schritte kundtue. Diese englisch-ftanzöstsche Verständigung^ könne aber nicht eher erfolgen, bevor die englische Regiermrgs- krise beendet und über das Schicksal der Arbeiterregierung die Entscheidung gefallen sei. Man rechnet in Berliner Regierungskreisen nicht bamit, daß dem Reichstag bei seinem Zusammentritt schon irgendwelche tatsächlichen Mitteilungen über den Erfolg des Memorandums gemacht werden könne«.

Deutsch-französische VelHandlungen über Elsaß-.

Lothringen.

Obwohl die ftanzösisch-deutschen Wirtschaftsbesprechun- gen geheim gehalten werden, glaubt derMatin" zu wissen, daß der Handelsminister Raynaldi die Frage der Ver-, länaerung der zollfreien Einfuhr elsaß-Iothringischer Waren nach Deutschland zur Sprache gebracht hat. 'Tren d e I e n - bürg soll, obwohl er nicht endgültig zu dieser Frage Stel­lung genommen hat, erklärt haben, daß die beutfd)e Regie­rung sich einer Verlängerung der Zollfreiheit widersetze. Das Hauptargument, auf das sich Staatssekretär Trendelen- burg stützt, sei mehr politischer als wirtschaftücher Art ge­wesen. Er habe behauptet, daß der Widerstand gegen bic Verlängerung der Vorzugsklausel des Versailler Verlrages zugunsten der elsaß-lochringischen Industrie in ber Haupt- suche von den Verbündeten Franchreich und England un» der Tschechei herrührte, die unter Hinweis auf bie Eli atz, Lothringen eingeräumte Vorzugsbehandlung für ihre Inlet*' tonen ebenfalls ein Ausnahmeverfahren beanspruchen könn-, ten. Die Verhandlungen, die in äußerst verbindliche«^ Geiste geführt wurden, werden Montag wieder ausgeMWiM. werden. , 7