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Hersfelöer Tageblatt

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> Franz Funk in ßersfeld. » Fernsprecher Ar. 8 Amtlicher Anzeiger für den Kreis Hersfeld

Freitag, den 10. Oktober

Der Bezugspreis teiragi durch die Pofi bezogen monatlich l.~ lllk.. aüssdiliebl. Bestellgeld, für ßersfeld 1 Mk. bei freier Zustellung, ^Abholer .80 Mk. * Druck und Verlaa oon budmig Funks Ruchdr'irkerei in ßersfeld, IDitalied des VDZV.

1924

Das Wichiigste.

Die Regierungsumbildung ist auch nach er­neuter Parieiführerbesprechung und nach erneu­tem Kabineltsrat ebensowenig geklärt wie zuvor.

Die Niederlage der Regierung MacDo- n a ld s in London hat aller Voraussicht nach eine Auf­lösung des englischen Parlamentes zur Folge.

Der Amerika-Zeppelin hat am Donnerstag vor Feiner Ablieferung an Amerika seine teste Probefahrt über den Bodensee unternouunen

Aufwertung.

Durch die Beratungen des Auftvertungsausschusses des Reichstages und durch die lebhafte Kursbewegung der hei­mischen Vorkriegs- und Kriegsanleihen an der Börse ist die Frage der dlufwertung in der letzten Zeit wieder sehr bren» neab geworden. In allen Kreisen besteht mit der durch die dritte Sterlernotverordnung getroffenen Regelung weit- gehende Unzufriedenheit, aber ebenso groß wie diese sind die Meinungsverschiedenheiten darüber, in welchem Umfange, nach welchen Gesichtspunkten und zu welcher Zeit eine andere Regelung möglich ist. Die Oeffentlichkeit wird dabei von den zahlreiche:: beteiligten Gruppen, Parteien und Verbänden mit chner Fülle von Mitteilungen, Berichten und Vernuitun- gen überschüttet, die notgedrungen dazu führen muß, daß ichließbch keiner mehr weiß, wie die Dinge im Augenblick liegen. Es verlohnt sich deshalb schon, einmal in klarer Uebersichtlichkeit ein Bild vom Stand der Dinge und eine Darstellung der beteiligten Stellen zu geben. Im großen: und ganzen kann man dabei die politischen Parteien aus­schalten. Man tritt heute wohl keinem zu nahe, wenn man feststellt, daß die Parteien ohne Ausnahnie die Aufwertungs- probleme zunächst viel zu sehr ausschließlich unter den Ge- hmite dadurch sich einer wesentlich komplizierteren Lage gegen- übersehen. Nur ganz wenige Parlamentarier sowohl unter den Aufwertungsgegnern wie unter den Aufwertungsfteun- den haben sich von vornherein eingehender mit der Materie! und den tatsächlichen Möglichkeiten und Forderungen befaßt, während die übrigen durch die rein agitatorische Behandlung, der Angelegenheit Erbitterung und Hoffnungen ausgelöst haben, die heute jede Entscheidung erschweren. '

Es gilt zunächst zwischen drei oder eigentlich sechs Grup­pen von aufwertungsbedürftigen Ansprüchen zu unter­scheiden. Anders liegen die Dinge jeweils für die Gläubiger des Staates, die Hypothekengläubiger und die Besitzer son­stiger privattechtlicher Forderungen (Sparer, Versicherte, Obli- ga'tionsbesitzer usw.). Bei allen diesen aber wird sehr häufig unterschieden zwischen solchen Forderungen, die aus der Zeit; vor 1919 und solchen, die aus den späteren Jahre:: datieren.' Schließlich ist noch in letzter Zeit immer häufiger die Förde-' rung einer Trennung nach der Zeit des Erwerbs der Förde-, rang (ursprüngliche Kapitalanlage oder spekulativer Erwerb in späterer Zeit) erhoben worden. Im Aufwertungsausschuß, des Reichstages hat man sich in letzter Zeit fast ausschließlich^ mit der Frage einer Aufwertung der Reichs- und Staats-' anleihen und unter diesen wiederum der Kriegsanleihe be«; faßt. Der Verband der durch die dritte Steuernoiuerordnungd Geschädigten, der Hypothekengläubiger und Sparer-Schutz­verband für das Deutsche Reich, Berlin. Wilheinisttaße, hat hierzu sich hinter den sogenannten Befischen Gesetzentwurf, gestellt: dieser sieht zunächst grundsätzlich die Anerkennung, der Ansprüche der Aufwertungsberechttgten (und zwar eilige-' mein, nicht nur der Gläubiger des Staates) und die Auf­nahme einer begrenzten, neben anderem auch nach der Wirt-, schaitslage des' Schuldners festzusetzenden Verzinsung vor, i während für die Rückzahlung von Kapitalien eine Sperrfrist eingeführt wird. Es scheint vorläusig, als wenn dieser Ent-> wurf noch keine allzugroße Anhängerschaft bei den Parla. mentariern und den maßgebenden Stellen gefunden hat, trotz.' dem er eine vermittelnde Zusammenfassung aller Aufwer-> tuneswünsche darstellt. Neben ihn: haben besonders, was1 die Reichsanleihen angeht, fast sämtliche polittschen Parteien) und eine Reihe sonstiger Vertretungen, besonders Bank.) Häuser, ihre besonderen Aufwertungsentwürfe eingebracht.' Besonders bekannt und in ernsthafte Erwägung gezogen sind, hiervon wohl die Vorschläge der Berliner Banks:rnm Marick>.j ner, des demokratischen Politikers Dernburg und des Zen- trunrsabgeordneten Fleischer geworden. Dabei hat sich als wichtigste Frage die ergeben, ob man das Problem nicht zu» > nächst von der sozialen Seite aufrollen und eine Hilfsaktioni zugunsten der direkt darbenden Kriegsanleihezeichner und sonstigen ihres Besitzes und Einkommens beraubten Rentner) einleiten soll. Der Reichssinanzminister Luther hat sich be-^ kanntlich sehr energisch für eine derartige Regelung eingesetzt und darauf verwiesen, daß nach Ansicht der Reichsregierung eine andere Entscheiduna nicht niehr in Frage tonune; ein wesentlicher Bestandteil des Dawesplanes sei die Feststellung, daß durch die Inflation die Säsulden des Reiches ebenso wie die der Indufttie abgelöst seien. Ihre Wiederherstellung bzw. Aufwertung gefährde den Dawesplan und sei für die Staats- sinanzen nicht tragbar. Daneben verweist er ebenso wie die Führer der Wirtschaft auf die katasttophalen Folgen der im- gier noch andauernden Ungewißheit in der Aufwertungsfrage,)

ine heute noch die Aufstellung der Goldbilanzen und damit i seit Zustrom des so dringend benötigten Auslandskapitals zefährde. Mit fast gleichem Rechte verweisen aber die Au: »ertungsanhänger auf die Heinmungen, die der inländischen itapitalbildung durch die Erbitterung' infolge der Entrech hing und Ve irnrung der Sparer und Rentner erwachsen Und wehren sich erbittert gegen die Verschiebung einer reinen Rechtsfrage mf das Gebiet der Wohlfahrtspflege^ Nun kann, «an wohl bj ektiv darüber nicht im Zweifel fein, daß eine Dauernde und völlige Annullierung der Schulden des reut scheu Reiches aus vielerlei Gründen nicht in Frage Sommer baun, vielmehr eines Tages ein Akkord zu treffen lerr wird, und das dabei das wichtigste, heute unübersehbare Pro Nem der Zeitpunkt ist. Ebenso klar ist, daß die endgültige Regelung der Hyvothekenaufwertung untrennbar gt von iei Wiederherstellung der freien Wohnungswirtschaft und daß wieder die Regelung der Ansprüche der Sparer, Pfandbriefe besitzer, Versicherten und ObliMtionäre erst nach derjenigen . der Hypotheken und der ReuhsanleilMr erfolgen kann. Hai «rus ergibt sich im Interesse der Wirtschaft und der Dcteftm- ten die klare Forderung, daß die Arrfwerttingsprobleme nur als ganzes, nur auf den: We^ des Kompromisses und nur durch eine möglichst einfache Regelmrg gelost werden rönnen, «nd vor allem, daß dieser klare Kompromiß bald kommen muß und einen untrennbaren Bestandteil der Neuregelung unserer Wirtschafts-., Sozial- und Steuerpolitik darstellen muß. Die Aufwertungsfroche kann man aus diesem .^ag« komplex nicht herausnehmen, und iede ^erlregelung d^r Auf Wertung ist erst recht ein Unding.

Die MgierungsumbiMmg.

Nachdem die einzelnen Fraktion«: ihre Stellungen zu Lem Niarrschen Pläne der Volksgemeinschaft m der RAgie- qsumbildungfestgeleqt haben, fand am Donnerstag eine nexte Parteiführerbefprechunq mit dem Reichskanzler statt. Reben der bereits gestern mitgeteilten Entschließung der Zentrum spartet ist besonders markant d^emge er Deutschnationalen Volksparten Dnie Ent

weder den bisherigen Forderungen der Deutfchnatwnalen Dolkspartei noch den uns gegebenen Zusicherungen, deren Erfüllung wir nach wie vor erwarten.

Nachdem indessen der Herr Reichskanzler den Gedanken der Volksgemeinschaft in den Lordergnrnd gestellt hat. erklären wir, daß gerade auch die DeutschnationaleVotts- partei stets für die Volksgememschaft erngetreten ist. Wir verstehen darunter eine Gesinnungsgememichast, die in der Zusammenfassrmg aller auf christlichem, nationalem und sozialem Boden stehenden Polkskräfte bestehr. ...

Demgemäß setzen wir voraus, daß Sicherheiten dafür geschaffen werden, daß alle an der v°rgesehenen G«ne-n. schüft bett^ittgten Parteien sich zu folgenden Zieltzn be- kennen: .

1 . christtiche Jugenderziehung und christliche Kultur als Grundlage des Staatslebens,

2 unter Ablehnung des die Volksgemeinschaft ver- »einenden Klaffenkampfes und unter Sicherung derKoa- «tionsfreiheil die Bekämpfung jet^s den Arbertsfrieden bedrohenden Terrors und die Förderung der Arbettsge- meinschaft bei voller Wahrung der sozialen und politischen Gleichberechtigung der Arbettnehm«,

z Anerkennung xw» weitere amtliche Verfolgung der " Regierungserklärung omn 2». August über die Nichtschuld Deutschlands am Kriege.

Die Deutschnotionale Reichstagsfraktion billigt das biskeriae Verhalten ihrer Unterhändler und ermächtigt sie, ftHiErmng des am 29. September erteilten Auftrages, M weiteren Verhandlungen über die Regierungsbildung an Hand der vorgelegten, im einzelnen noch zu erörtern den Richttin«n."

Die Sozt<Lld»e«orvatie hatte von einer Entschlie- b»nq Abstand qenonmmn i*e> nur ihre Unterhändler er- mächtiat im gleichen Sinne wie bisher weiterzuverhandeln. Fnd«' Ämchkeßung der Fraktion der Deutschen Dolkspa rdr t wird zum Ausdruck gebracht, daß sich ihr Standpunkt utcht geändert hat, und daß die Richtlinien der ReichsregieLURg eine brauchbare Grundlage für Koalitions- verhandlungen M- Dx Fraktion der Deutschen De­mo krat4sche« Partei HM eine Aenderung der Regie, runa in der augenblicklich« politischen Lage nicht für er- wünscht, will ccker einer nach rechts und links erweiterten Regierung ihre UntaMtzung nicht versagen.

" Die göltet 6er KoUkitisnsparteicn

konfer4erten <mr Donnerstag erneut mit dem Reichskanzlei. Die Besprechung dauerte kaum eine halbe Stunde. Außer dem Reichskanzler, dem Reichsaußenminister, dem Staatssekretär Bracht und dem Ministerialdirektor Spie- ker nahmen daran teil: vom Zentrum die Wgg Feh reu hach Steaer wald und v. Guerar d; von der Deutschen Dolkspartei Dr. Scholz, Dr. Eurtius und Dr. Zapf; von 'ben Diemokrxrten Koch, Erkelenz, Dr. §aas uno Keinath. Die Sitzung trug nur informatorrfchen

Ech a r a k l^e r., : >

Um 11 Uhr trat sodann das

das Reichskabiuett zu einer Sitzung zusammen. Den Vorsitz führte zunächst Reichskanzler Marx, der aber bald die Sitzung Verlagen mußte, um den engPifetjen Botschafter zu empfangen. Gegen­stand der Berattlngen war die iunerpolittsche Lage. Man beschäftigte sich vor allem mit der Frage, ob es möglich sei, beim Scheitern der im Gange befindlichen Verhandlun­gen zur Erweiterung der Regierung mit der bisherigen Koa- lition weiterzuarbeiten. Außerdem standen noch einige andere Punkte auf der Tagesordnung. So beridytete z. B. Reichs arbeitsminifter Dr. Brauns über seine Verhandlungen mit den Arbeitsministern der anderen Länder in Bern wegen der internationalen Beschränkung der Ar­beitszeit.

Es stehen nun noch die Verhandlungen des Reichs kan zlers mit den Deutschnatianalen und mit der- Sozialdem okraten aus.

Durch diese Besprechungen im Reichstage, die der Kanzler zunächst mit den Fichrern der Koalitionsparteien und dann im Kreise des Kabinetts hatte, ist die polisische Situatton noch in keiner Weise geklärt worden. Diese Be-! sprechungen trugen nur informatorischen Charatter, und die Erklärungen des Kanzlers, daß er seine bisherigen Bemühungen zunächst mit dem gleichen Ziele fortsetzen will, lassen schon erkennen, daß vor den Rücksprachen mit den Deutschnationalen und den Sozialdemokraten neue Entschlie­ßungen nicht zu erwarten sind. Erst in diesen Besprechungen dürfte sich endgülttg herausstellen, daß der Gedanke des Kanz­lers, ein Kabinett auf der ganz großen Basis von Hergt bis Breitscheid aufzubauen, sich als prattisch undurchführbar er­weisen muß. Dann erst wird es notwendig sein, zu entscheiden, ob man zu einer Reichstagsauflösung kommt, oder ob der B ü r g e r b l o ck gebildet wird, oder ob letzten Endes alles beim alten bleibt. Die Möglichkett einer Reichstagsauflösung wird zwar weiter diskittrert, aber allgemein für nicht sehr wahrsäzemlich gehalten.

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Ein Vorschlag Siegerwalds.

Wie wir hören, hat der Zentrumsflügel Stegerwald den beteiligten Parteien einen Vorschlag unterbreitet, der zu einer Ueberleitung zur Rechtskoalition im Reiche und zu einer Neuorganisation derRegie- rungspolitik gedacht war. Stegerwald legte den Deutschnasionalen nahe, bis zu einem bestimmten Zeitpunkte von einer unmittelbaren Einflußnahme auf die Reichsregie­rung abzusehen und sich mit der Stellung eines F a ch - Ministers im Reichskabinett zu begnügen. An dem gegenwärtigen Regierungskurs sollten vorläufig keine Aende­rungen vorgenommen werden, und zwar sollte die Reichs- tagsfraftion bis zu den preußischen Neuwahlen eine neutrale Haltung einnehmen. Da nach den Neuwahlen in Preußen mit der Wiederkehr der großen Koalition doch nicht mehr zu rechnen sei, ist Stegerwald der Auffassung, daß es ratsam erscheinen würde, die Neu organisier UH g der R e i ch s p o litik bis zu diesem Zeitpuntte zu vertagen, um dann auf der Grundlage eines neu gewählten preußischen Parlamentes eine Rechtskoalition im Reiche und in Preußen herzustellen. Dieser Vorschlag Stegerwalds ist jedoch, wie wir hören, von deusichnationaler Seite mit großer Entschiedenheit abgelehnt worden.

Die englische Legierung gestürzt.

Bei der Abstimmung im englischen Unterhause ist die Regiorvn^ MmDonalds unterlegen. Das bedeutet nach Lage der Sachi Neuwahlen in England.

Dezeiä)nend ist die Haltung der Pariser Press« zum Sturz MacDoualds. Die Pariser Blätter nehmen das Ergebnis im großen unb ganzen höchst gelassen hin und driicken sich über MacDonald mit 'einer augenfälligen Geringschätzung aus. Zusammenfassend bemerkt derMattn", daß die Linke und die äußerste Linke in Großbritannien sich weiter heftig, befehden werden, während die Liberalen und Konservativen sich zu einem Bürgerblock zusammeisschließen dürften, um ver» i mutlich nicht mehr in die Hllle des dreieckigen Wahlsystems zu gehen, das der Labour-Party im letzten Dezember zu so überraschendem Erfolg verholfen hatte.Journal" schreibt: Die seltsame Lage einer Regierung, die es fertig bringt, sich durchzusetzen, obwohl sie im Unterhaus nur über 193 Stim­men gegen 257 Konservative und 158 Liberale verfügt und außerdem auch das gesamte Oberhaus gegen sich hat, sonnte unmöglich länger andarremr. Die Blätter der Opposition geben über die Niederlage ihre unverkennbare Ge- / nug t u ung zum AuÄiruck.

Das britische Unterhaus vertagte sich unmittelbar, nach­dem das Resultat der Abstimmung, in der die Regierung ein« Riederlaae erlitt, bekanntgegeben war. MacDonald bean» tarnte die Fertigung bes Parlamentes, doch gab er seine Erklärung über die Msichten der Regierung ab. Inzwichen Hört man hier allerlei Bernmtungen über den Verlauf der