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hersfelöer Tageblatt

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Nr. 128

Montag, den 13. Oktober

1924

Das Wichfigste.

Die Verhandlungen über die Reglerunge- umbildung sind bis Dienstag vertagt. Mit einem Reichstagszusammentritt kann erst Ende Oktober gerechnet werden.

Der Anleihevertrag ist in London unter- zeichnet. Mit dieser Unterzeichnung beginnt derLaufwich- tiger Fristen. Die Räumung Dortmunds muß nun! oollzogen werden.

Der Amerika-Zeppelin tritt voraussichtlich erst am! Sonntag ferne Ausreise nach Amerika an. Wegen Ueberladung mußte die für Sonnabend geplantes Ausreise unterbleiben. . . '

Die weitere Ruhrräummrg. tugrang des Daivesgutachteils treffen. Nach den Londoner termÄ'3 ^°^ E weitere Durchfühnlng! der Ruhpolitischen Räumungsrnaßnahrnen an / maßnalinwn" s^en*rT^Ä Biesenweiteren Räumungs- 30^ to 9hS. ^ ^"""S der Dortmund«' den wo ^5 sur Stunde die Franzofeit oen doch recht geringen Londoner Verpflichtungen nach. i

'^chS^ommen sind, läßt beider be- - i-iiaen l^nL ? ?ict "Aden wieder mit allerlei Winkel-1 tiefste c^n^nr?^ , Ruhr und Rhein herrscht 0« Empörung und Erbitterung über die nach- «Emm^dezu hochmütige Art, wie die Franzosen, die Wortführer derdeutschen Verfehlungen", ihre Ver-! g f l l ch t u n g e n aus den Londoner Abmachungen auffassen SefSlÄ .beispielslo- rigo^LlthLTft ' Eindringlings in deutschem Land! ^^e^no* ein so starker, daß von einer freien Äußerung an Rhein und Ruhr!

bitterung der Bevölkerung über ihre Bedrücker täuscht ' > Man empfindet es an Ruhr und Rhein besonders;

e daß von Berlin aus so wenig wenn man ' schon nicht sagen will gar nichts geschicht, um diesem offe-i ®n französischen Hohn auf die Londoner! b machung e n zu begegnen. Man hat an Ruhr und Rhein, an der Kamp ffront des Deutschtums in diesen harten Tagen, wahrlich recht wenig Verständnis für die ' tiefgründige" Politik der Berliner Recsterunasumbildv.no, i

man würde es lieber sehen, wenn die Regierung mit aller Energie den Finger auf die schwärende Wunde der weiteren! Bedrückung ihrer Landeskinder in deutschem Land legen wurde. Die verttagliche Erfüllung der Londoner Abmachun-' gen an der Ruhr geht mit einer Lässigkeit vor sich, die' die ganze zynisch offen zur Schau getragene mindere MeinungdesFranzosenüberden Deutschen,^ seine nationalen Rechte und seine nationalen Ehrbegriffe klar- legt. Man erfüllt nach Wochen, ja Monaten mangelhaft und nicht vollständig, was man nach den Londoner i Abmachungen hätte sofort tun müssen. Und bei dieser sa-: loppen, lässigen Erfüllung handelt es sich nicht nur um die Abstellung einer skandalösen, völkerrechtswidrigen Bedrückung deutscher Landeskinder in deutschem Land, es handelt sich auch um die Freiheit Deutscher, die mindestens durch den frangö*

- fischen Vertragsverzug verschleppt worden ist.

Man versteht es begreiflicherweise an Rhein und Ruhr nicht recht, wie in einem Teil der deutschen Presse immer noch eine

Art wohlwollender Genugtuung geäußert werden kann, wenn

rweise an Rhein und Ruhr nicht rutschen Presse immer noch eine

der Franzose mitreichlicherVerspätung und rech i widerwillig dem einen oder anderen Zugeständnis nach- kommt, anstatt mit Heller Entrüstung ihm auf die Finger zu klopfen und ihn darauf.hinzuweisen, daß er bewußt und mitAbsichtin derselben Stunde offenenVertrags- Verzug begeht, wo er sich zum Wächter über deutsche Per- fel)lungen aufzuspielen erdreistet. An der Ruhr ist von den bescheidenen Zugeständnissen in Sachen der Freilassung her Gefangenen, in Sachen der vollen 9lmneftierung der Aus­gewiesenen usw. heute zur Stunde noch lange nicht alles das erfüllt, was erfüllt sein müßte. Und am Rhein hat sich leider der Druck v e r s ch ä r f t.

Diese offene Sabotierung der Herriotschen Positik durch die französischen Militaristen dürfte unter keinen Umstände,! von der deutschen Regierung widerspruchslos geduldet werden. In deutschem Interesse muß erwartet, ja es muß g e f o r - d e r t werden, daß der Deutsche Reichstag, der doch nun wohl bald über seine Unibildungs- und Erneuerengsverhan^ ' der Regierung Zeit und Mi

Mumien

der Regierung Zeit und Muße finden wird, ferne parlM'.-n- 1 arischen Arbeiten wieder aufzunehmm, sofort bet feinem Zu­sammentritt energischen Einspruch erhebt gegen diesen französischen Vertragsverzug an der Rrrhr, gegen diese nachträgliche v^^^.^?.?.^oslscke ^sr»- höhnungderLondonerBeschltllse. R--e. J

«SS

Üu. 3 M M Mit 116 W&

. Die Abfahrt in Friedrichshafen. Frankreich bereits j | überquert. i

s Nachdem am Sonnabend Morgen im letzten Augen» ;blta die Abfahrt des ZeppelinkreuzersZ. R. III." nach -Amerika abgesagt werden mußte, hat er nun am Sonn- !taq in aller Frühe die große Fahrt über den Ozeanau- Getreten. Zum ersten Male wird em deutsches Luftscknjp bunter deutscher Führung den Atlantischen Ozean über­queren und damit ein Werk vollbringen, das brshev Men Völkern der Erde versagt geblieben ist. Nur deut­scher Technik, deutschem Wissen, deutschem Können und "deutschem Wagemut war es trotz der VernichtungsPlane haßerfüllter Feinde Vorbehalten, dieses große Kultur- werk in der Geschichte der Menschheit zu vollbrmgen. Darum wünschen wir demZ. R. III' viel Glück und Hell auf seiner Fahrt. Möge er der Welt zeigen, daß deutsche Schaffensfreudigkeit, Tatkraft und Streben nach 'den höchsten Gütern der Kultur und ZivUrsatimr ni^ gelähmt, viel weniger denn gebrochen ist, daß Deutich- land wieder aufwärts strebt, um sich den rhm gebühren­den Platz an der Sonne unter den Völkern zu erobern, 'möge es aber auch zu seinem Teile dazu Bettragen, daß dem deutschen Volke endlich der Weg zur Freiheit wie­der erschlossen und ihm der Platz unter den Kulturvoll» 'fern eingeräumt wird, der ihm zukommt.

Ueber die Verschiebung der Fahrt auf Sonntag wird noch gemeldet, daß bei der großen Verantwortung, die auf den Führern des Luftschiffes ruht, die letzte Entlehne-, Atzung über den Antritt der Fahrt über den Ozean vom 'der Wetterlage abhängig gemacht werden mußte. M den vorliegenden Wetter-Meldungen war für Sonn-^ abend unter Umständen mit einem aus Süden aujkvm- menden Sturm auf dem Atlantischen Ozean zu rechnen, wesn^aen die Führerschaft weitere Witterungsmeldun- gen abwarten wollte, um sich endgültig tst^r den Antrift Der Fahrt schlüssig zu machen. NachMitteilmm den -Hamburger Seewarte kam für die Fahrt im Falle des -Fahrtbeginns am Sonnabend nur die südliche Strecke in Frage, da im nördlichen Frankreich und über Eng-^ stand stark böiges Wetter herrschte. Auch aus der Sud-» seite ist die Witterung einstweilen nicht einwandfrei^

seaya über;

^^B^ekanntlich beeinflußt der Feuchtigkeitsgrad dn a£ mosvbärischen Luft begreiflicherweise im hohen Maße div s Tragfähigkeit des Riesenluftschiffes, die sich bei der Lange der Fahrt es sind mindestens 5000 Kilometer zurück' liegen- für das Gelingen des Unternehmens von ent­scheidender Bedeutung ist. Wie es schemt, hat d^e Tat­sache, daß die Luftfeuchtigkeit im Zunehmen Betrete war, den Ausschlag gegeben bei dem EntscMtz, die Fahrt auf 24 Stunden zu verschieben. . r.

; Der Start. A

«-».^ftpÄridigbafett. 12. Oktober. Das Zeppelin- luftschiffZ. R. III" ist heute früh 6,35 llhr zur Abfahrt nach Aulerika aufgestiege« Nachdem es emige Zeit üoec Friedrichshafen gekreuzt hatte, fuhr es zunächst tu ins« sicher Richtung. ' Die endgültme Fahrtrichtung ist «och nicht bekannt. Es herrscht starker Nebel.

«^-Koustanz, .12. Oktober. Das Zeppelinluftschtst Z R III" hat heute früh kurz nach 7 Uhr Konstam; passiert und ist in westlicher Richtung weitergeflogen. »-«-Basel, 12. Oktober. Das LnftschiffZ. R. III" hat um 8,05 Uhr Basel passiert, war aber wegen Un- vurchsichtigkeit der Lnft nur schwer erkemrbar, wogegen es von Lörrach aus gut zu sehen war. Das Luftschiff folgte dem Rheinstrom, und zwar vou Basel aus in ^^r a^htt t^'12. Oktober. Die Frankfurter Fuukr fKation teilt mit: Das LuftschiffZ. R. III" ist heute mor­gen 6,24 Uhr aufgestiege» und in der Richtung nach Bel- fort weitergefloge». Nach 8 Uhr hat es sich in der Gegend i'vu Belfort befnnde». Wege» starke« Nebels hat das Ztustschiff bis dahin keine Meldung geben könne«. ,

Die deutsch-französische Grenze üversloge».

s-« B e rst i», 12. Oktober. Wir erfahren soeben, 9 USr vrmittags, daßZ. R. III" die deutsch-französische Grenze überflogen hat. Er befand sich 8,42 Uhr südlich »on Belfort.

^Friedrichshafen, 12. Oktober. Wie uns vom Luftschiffbau mitgeteitt wird, hatZ. R. III", nachdem er Belfort überflogen hatte, «m 9 Uhr in 900 Meter Höhe Montbeliard mit einer Fahrgeschwindigkeit von 120 Kilometern passiert. Das Luftschiff meldet glänzende Alpenaussicht.

AeppeNn» lebe wohl!

h: Tausend fleißige Hände regten sich in den letzten Tagen in Friedrichshafen, umZ. R. in" zu seiner großen Neberfahrt nach den Bereinigten Staaten Noro- oinerikas vorzubereiten. Da sahen Arbeiterscharen noch einmal gründlich die Hülle nach, andere ergänzten die Oelvorräte, wieder aridere waren mit der Nachfüllung des Schiffes mit Gas beschäftigt und wieder andere prü­fen die Riotore. 28 Personen freuen sich des Glricke^, W die ersten mit einem Luftschiff den Atlantischen Ozean tilberaueren und damit eine neue Zeit verkünden zu dnr- icil In mindestens 60 und höchstens 100 Stunden glaubt man am Ziele zu sein. .

Die Nordamerikaner senden drei Kriegsschiffe Mis, die an verschiedenen Punkten des Nordatlautiichen

Ozeans 'feste Stellungen einnehmen und dazu bestimmt find, dem Luftkreuzer zu helfen, falls er irgendwelche ^ilfe benötigen sollte. Eine Reihe von Luftschiffhasen find angewiesen, sich in Alarmbereitschaft zu halten und Hen Zepelinkreuzer zu bergen, wenn er durch ungünstige Wetterverhältnisse in Lakehurst nicht landen könnte. In leitenden Marinekreisen zerbricht man sich den Kopf dmc-- über, wie man das Schwesterschiff derShenandE" . h.Tochter der Sterne") taufen will, da man ihm einen gleich schönen Namen geben möchte. Eine anders Sorge der Marineverwaltung ist die, woher sie das Heliumgas zur Füllung vonZ. R. III" nehmen soll. Die in den Vereinigten Staaten vorhandene Menge reicht nämlich nur zur Füllung eines Luftkreuzers und der Kongreß hat in seiner letzten Session die Mütel zur Errichtung einer besonderen Fabrik für die Herstellung des Heliumgases abgelehnt. Mit dem Hydrogengas, mit demZ. R. III" gefüllt ist, und das sehr leicht brennt, haben die Amerikaner sehr schlechte Erfahrungen ge­macht. Und darum ist jetzt auch die Verlegenheit groß . und alle verantwortlichen Männer sind auf der Suche nach Heliumgas. , , .

Während die Amerikaner dies Sorge haben, werden wir Deutsche von ganz anderen geplagt. Die große 3ep* pelinhalle in Friedrichshasen, dieZ. R. III beher­bergte, wird noch in diesem Jahre abgebrochen. Eure .besondere interalliierte scourrollkonnnission wird den Abbruch der Halle überrvachen. Das ist sehr bitter. Reden wir nicht davon, aber vergessen wir auch dieses Machtgebot von Versailles nicht und denken wir oft dar­an ! In der kleinen Halle zu Friedrichshafen wird rm nächsten Frühjahr mit dem Bau klerner LuMchrne be­gonnen werden. Diese dürfen laut Friedensdelrrt nicht mehr als 30 000 Kubikmeter Gas enthalten, werden also etwa halb so groß sein wieZ. R. III", aber gleichwohl einen Aktionsradius von ca. 3000 Klm. besitzen. Aber auchZ. R. III" wird noch manche Schwester und man­chen Bruder erhalten. Schon Mitte dieses Monats wer­den 12 Ingenieure und Meister von Friedrichshafen mach den Vereinigten Staaten Nordamerikas ziehen, um dort in der neu gegründetenGood Joar Zeppelm Cour- pguy" den Neubau von Zeppelin-Luftschiffen in großem Maßstabe zu betreiben. Zu gleicher Zeit werden andere Stetster und Ingenieure nach Spanien reisen, um dort gleichfalls große Luftschiffe für eine soeben gegründete

Luftschiffe, die geplant sind, werden einen Gasinhalt vow 400 000 Kbnr. haben und zu großen Ueber-Lanb. und Meerfahrten zwischen Nordamerika und Südamerika, Südamerika und Spanien und Nordamerika und Eng- land benutzt werden. Wenn sie auch auf fremder Erbe erstehen, so sind doch deutsche Meister und Ingenieure ihre Erbauer und wo immer sie sich zeigen, verkünden sie deutsches Können und deutsches Wissen!

Enlschliehung der Deutschen Volksparlel.

Druck auf Zentrum und Demokrate«.

w Wie aus Berlin gemeldet wirb, haben die AbgeorS- rieten Curtius und Scholz namens der Franktion der Dentschen Volkspartei dem Reichskanzler gegenüber fol­gende Erklärung abgegeben:

Die Deutsche Volkspartei hält es, wenn Demokraten und Zentrum den Rechtsblock ablehnte«. für unmögliH daß das Miuderheitskabiuett Marx sich parlamentarisch behaupten könne. Die Deutsche Volkspartei ist deshalb 5er Auffassung, daß der Reichstag nicht erst wieder z»« sammentritt, sonder« möglichst rasch an^clöst wird. Gleichzeitig soll die Reichsregierung ihreGesamtbenn,« sion überreichen und bis zu den Neuwahlen bezw. bis zur Bildung eines auf Grund des NeuwahlergebutsseS zu^-mmengesetzten Kabinetts die Reichsgeschäfte weiter« Führen. J

Der Anleihevertrag unterzeichnet.

Die Abmachungen zwischen Deutschland und allen betei­ligten Banken über die Anleihe für Deutschland find in Lon­don unterzeichnet worden.

in Frank, zum nt seinen Anteil

Die deutsche Anleihe zerfällt in zwei Hauptgrup­pe n, in einen amerikanischen und in einen europäischen An« teil. Der amerikanische belauft sich auf 110 Millionen Dollar, der europäische auf 26% Millionen Pfund Sterling. Der amerikanische Anteil ist von dem Bankhaus Morgan über« ' nommen worden. Den Hauptteil des europäischen Anteils . übernimmt dieBankvonEnglond. An dem europäi­schen Anteil sind außerdem Frankreich, Belgien, Italien, die Schweiz, Holland, Schweden und Deutschland beteiligt. Italien wird seinen Anteil in Lire herausbringen, die Schweiz zum Teil in Frank, zum Teil in englischen Pfund, Schweden übernimmt seinen Anteil in schwedischen Kronen; im übrigen wird die europäische Emission in Pfund erfolgen. Me Anleihe ist innerhalb von 25 Jahren rückzahlbar, und zwar erfolgt die Rückzahlung durch Auslosung oder Rückkauf. Für die ameri-f konische Quote ist die Tilgung des Kapitalbetrags mit einem Aufgeld von 5 Prozent, also mit 105 Prozent, vorgesehen, die europäische Quote ist mit pari rückzahlbar. Die Emission erfolgt in allen Ländern zum Kurse von 92 Prozent und wird bereits in dernüchstenWoche beginnen. Der < Zinsfuß beträgt 7 Prozent. Die für den Tilgungs- und Zins­dienst erforderlichen Beträge gehen allen Reparationszahlum-

gen voran.

Man nimmt an, daß die Anleihe kaum vor Mittwoch, den 15. d. M. auf den Markt aebrackt werden wird, und Lwqx.