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Hersfelder Tageblatt

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Hersfelder Kreisblatt'

Amtlicher Anzeiger für den Kreis Hersfelö

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Nr. 129 (erstes Statt)

Dienstag, den 14. Oktober

1924

Die Fahrt Wer den Ozean.

Der Golf von Biskaya «verflogen.

»^ Ueber die Fahrt des3. N. 3" liegen weiter fol-s gende Meldungen vor:

i< Zum Aufstieg desZ. R. 3" zu seiner großen Ame-; zrikafahrt wird uns noch berichtet: Es war ein bedeut­samer Augenblick, als der Luftriefe um 6,28 Uhr lang­sam aus der Halle herausgezogen wurde und dann 6,37 Mhr majestätisch in die Höhe stieg. Fn der Halle waren mur die nächsten Angehörig-"- her Brft.tz...... uud wenig' geladene Gäste »uwesend. Der Besatzung wurden beim Aussteigen des Luftschiffes Blumensträuße überreicht. Hie an der Gondel befestigt wurden und als letztes Ab- M edszeichen heruntergrüßten. Vor der Halle hatten iftcb Tausende eingefunden, um Zeugen des denkwürdi­gen Augenblicks zu sein. Ein lebhaftes Grüßen vom und zum Luftschiff, ein brausendes Hoch erklang, als Das Luftschiff über die Köpfe der begeisterten Menge Langsam dah nflog. Die Friedrichshafener Stadtkapelle WelleDeutschland, Deutschland über alles". Tiefbe­wegt schaute die Menge auf das langsam dahinfahrende Schiff.

Nach dem am Sonntag Nachmittag 5 UKr vorliegen- ben Fnnkspruch desZ. R. 3" befindet sich Ms Luftschiff Aber dem Atlantischen Ozean 250 Kilometer von der Gi- rvndemnndnng entfernt, also schon am Anfang des Golfs non Biskaya.

Aus der letzten Meldung, daß das Luftschiff den nördlichsten Punkt von Spanien Cabo-Ortegal um 9,30 Kör (neue europäische Zeit) erreicht hat, ergibt sich, daß es die etwa 1900 Kilometer lange Strecke vom Bodensee bis Cabo-Ortegal in 14 Stunden zurückgelegt hat.

Am Sonntag Abend 3,30 Uhr ist von Bord des »Z. R. 3" folgender Fnnkspruch aufgefaugen worden: Nach schöner Fahrt über Mittelgebirge Frankreichs pas­sieren wir französische Küste über Girouöemündung. Das Wetter ist sehr schön. Vorher etwas böig. Alles wohl an Bord des Schiffes.

Nach den bisherigen Meldungen hat das Luftschiff den Atlantischen Ozean von Friedrichshafen aus inner­halb acht Stunden erreicht und in dieser Zeit eine Strecke von 950 Kilometern zurückgelegt. Es bewegte sich in durchschnittlicher Höhe von 600 Metern. In dieser Höhe oEmG-Ev-^sMMWitiMit uns «üiwuthöe tretend und trat die Ozeanfahrt an. Die Wetterberichte aus dem Golf von Biskaya lauten nach wie vor günstig. Aus Diesem Grunde hat sich auch Dr. Eckener zu der Fahrt über den Golf entschlossen, die auch wesentlich kürzer ist Uls diejenige über Spanien. Die Strecke von der Gi- ronde über den Golf von Biskaya nördlich den Azoren vorbei bis zu den Bermudainseln betrügt 650 Kilometer. Wenn das Luftschiff die Fahrt in dem bisherigen Tempo fortsetzt, wird es in 55 Stunden, also voraussichtlich m der Nacht vom Dienstag zum Mittwoch, in Lakehurst Wordamerika) ankommen.

Nach einem Blitzfunktelegramm der Station Nord­deich war der Standort desZ. R. 3" um 12 Uhr nachts «.-teleuropäischer Zeit auf der Linie Nordkttste Spanie« «ach den Azoren auf 12 Grad westlicher Länge.

I Dr. Eckener, der Führer des3. R. 3", sandte der ^Frankfurter Zeitung" folgenden Fnnkspruch: Nach schöner gleichmäßiger Fahrt über den Mittelgebirgen Frankreichs, wo es etwas böig war, «verfliege« mir 3,30 Kilt die französische Westküste, bei der Gironde-Mün- vung und nehmen Abschied vom europäischen Festland.. Wir fahren durchschnittlich 65 Meilen (117 KÜometer) m der Stunde bei Südwind von 67 Metern in der Se­kunde. Schiff und Maschinen sind in bester Ordnung; Pie Stimmung an Bord ist vorzüglich.

DenFranks. Nachr." zufolge war um 11 Uhr nachts die Verständigung zwischen der Funkstation Norddcich u?;d dem Zeppelin sehr schlecht, weil mit derselben Welle Lu glaub ein Konzert gab. Eine anf der Seewarte cin- s» Gngene verstümmelte Funkmeldung besagt, daß das Schiff in Höhe von 250 Metern weiterfliege. Wind süb- »st. Aussicht auf 10 bis 20 Kilometer, Wetter heiter, ix «rperatur 16 Grad. Die Hamburger Seewarte hat um ^ Uhr dem Zeppelin das Tiefdruckgebiet geschildert, das -sie rm Sonntag Nachmittag herausgebildet hat und sich in nordöstlicher Richtung bewegt.

Standort desZ. R. 3" um 4,15 Uhr: Einvtertel JZegs zwischen Nordecke Spaniens und Azoren.

Listen auf dem Ozean.

»-»-Friedrtchshafen. Nach dem am Montag Mit­tag vorliegenden Funktelegramm steht -erZ. R. 8" dicht vor den Azoren. Damit ist nahezu die Hälfte der Fabrt Tnräckgelegt. An Bord ist alles wohl. Es herrscht ein mäßiger Südwest.Z. R. 3" hat nunmehr von den Azo­ren bis zu den Bermudainseln die längste, auch wohv gefahrvollste Strecke zurückzulegen. Diese Strecke beträgt über 3000 Kilometer. Das Schiff steht bereits in Ver­bindung mit amerikanischen Funkstationen und amerisä­uischen Kriegsschiffen. Seit Montag früh 5,30 Uhr ist in Deutschland von dem3. R. 3" kein Fuukspruch meist anfgefaugen worden, da der Aktionsradius des Luft­schiffes nicht so weit reicht.

Nur «och Meldungen amerikanischer Funkstationen.

(-* Friedrichshafen. Wie die Zeppelinwerft mitteilt, Werden die deutschen Empfangsstationen nur noch Be­richte der amerikanischen Liiiiegsschiffe und Funkstalio- Men über die Fahrt desZ. R. 3" eillziehen, weil eine Direkte Verbindung mit dem Luftschiff nicht mehr mög-

Berlin. Das Lauvttelearapüeuamt Berlin teilt mit.

-vatz, obwohl Signale vomZ.HIäöch zu hören sind^ hoch Meldungen über den Standort usw. ausstehen.

!»-§ Berlin. Nach einer Mitteilung des Transradios befindet sich die amerikanische Küstenstation Chatam tu regelmäßiger guter Verbindung mit demZ. R. 3".

L Kein Attentatsversuch auf Dr. Eckener.

- ** Friedrichshafen. Gegenstandslose Gerüchte von ei­nem Attentatsversuch auf Dr. Eckener sind darauf zu- rückzuführen, daß ein geisteskranker Student aus Tü­bingen sich in Friedrichshafen einfand und Dr. Eckener zu erschießen drohte, falls er nicht mit demZ. R. 3" mitfayren dürfte. Die Schutzpolizei nahm ihn in Schutz­haft.

Des Reichsverkehrsmmisters Glückwunsch anZ. R. 3".

n* Berlin. Der Reichsverkehrsminister hat an die deut­sche Besatzung desZ. R. 3" folgende Drahtung ge­richtet: Es ist mir ein herzliches Bedürfnis, der Be­satzung und dem schon so trefflich bewährten Schiff meine Grüße und Wünsche für gutes Gelingen zu übermitteln. Möge dieses Unternehmen deuffchen Geistes in den zu überfliegenden Ländern und in Amerika die Ueberzeu­gung stärken, daß die Luftfahrt wesentlich dazu berufen ist, die Völker miteinander zn verbinden und daß die heute alle Länder beschäftigenden Luftfahrtfragen nie­mals befriedigend zu löfen sind, wenn man sie nur aus dem Gesichtswinkel des vergangenen Krieges betrachtet. Glückliche Fahrt und glückab!

I Die Empfangsvorbereituug in Amerika.

Neuyork. Wie aus Lakehurst gemeldet wird, erklärte Kommandeur Deem von der Luftschiffstation Lakehurst, daß alle Vorbereitungen für den Enrpfang desZ. R. 3 getroffen seien. Mehrere hundert Mann feien für die Landung des Zeppelins in Bereitschaft. Eine Feierlrch- keit sei nicht geplant.Z. R. 3" werde, falls der Wrnö günstig sei, gleich nach der Ankunft in den Schuppen gezogen werden, von dem das Publikum fern gehalten werden soll, bis das Wasserstoffgas durch Heliumgas er- seüt sei. Der Luftkreuzer werde noch unter der Obhut der deutschen Besatzung und der amerikanischen Beob­achter bleiben, bis verschiedene Probefahrten erfolgt seien, um die Leistungsfähigkeit des Zeppelins unter den neuen Verhältnissen festzustellen. Wann dre deutsche Besatzung abgelöst werde, sei noch unbestimmt, da vor- ^äuffa kein He^iumaas vorrätig se- und hie Beschaffung weiten Vorrats erst nach weiterer Geldbewilligung durch den Kongreß nötig sei. Andernfalls müßte das Helium­gas aus dem Luftschiff Shenandoah verwendet werden.

Verleg««g der Zeppelinwerft «ach Amerika.

»-4-Friedrichshafen. Dr. Karl Ardstein, der Erbauer DesZ. R. 3", reist mit dem gesamten Jngenteurkorps Der Friedrichshasener Zeppelinwerft und mit allem Jn- struktionsmaterial usw. am L November nach Arn im Staate OHW, wo die Zeppelinwerft im Rahmen der Goodyear Corporation als eigene Fabrik weitergeführt werden soll.

Vorstellungen wegen des Luftschiffbaues in England.

^Berlin. Wie wir hören, sind in den letzten Tagen einige Mitglieder des Reichsverkehrsmimsterlums nach London gereist, um mit der britischen Regierung wegen Abänderung der Bestimmung des Versailler Vertrages zu verhandeln, die dem Deutschen Reich nur den Ban von Luftschiffen bis zu 30 000 Knbikmetern Rauminhalt aeftatterr.

Die Antwort auf das Deutsche Memorandum

Auf das deutsche Memorandum in der Völkerbund frage sind bisher nur von F r a n k r e i ch , E u g l a n d und Bel­gien die Antworten eingetroffen. Die Antworten Japans und Italiens werden von der Reichsregierung erwartet. Jedoch scheint es, als ob sich in Italien die endgültige For­mulierung der Antwort noch verzögern sollte, was nach An­sicht Berliner politischer Kreise mit den Schwierigkeiten der inneren Politik Italiens zusammmchängen dürfte. Die Reichsregierung sieht es sehr ungern, daß die Erledigung der Angelegenheit und auch die Veröffentlichung der Antwor­ten dadurch auf unbestimmte Zeit hinausgeschoben wird, da eine Veröffentlichung der bisher eingelaufenen Antworten vor dem Eintreffen der übrigen nicht angebracht erscheint Die Reichsregierung ist deshalb auch nicht in der Lage, neuer- Dings zur Lage Stellung zu nehmen, bevor nicht die Haltuno sämtlicher im Völkerbund vertretener Mächte bekannt ist.

Die Sicherung der deutschen Anleihe.

Das Jntereffe der politischer: Kreise konzentriert sich augenblicklich vollständig auf die Frage der Unterbringung der deutschen Anleihe auf den internationalen Märkten. Mit überraschender Schnelligkeit wird diese große finanzielle Transaktion, die die Erundlage für die finanzielle Sanie- rung Deutschlands und für die Wiederherstellung der deut­schen Zahlungsfähigkeft bildet, zur Durchftihrung gelangen. In den unterreichteten Kreisen rechnet man schon jetzt mit einem vollständigen Erfolg dieser Anleihe, die das erste Zeichen des zurückkehrenden Dertmuens der internationalen FinanMelt gegenüber Deutschland darstellt. Mit der Unterbringung der Anleihe ist aber auch gleichzeitig mit einem weitgehenden Umschwung in den finanziellen und wirtschaftlichen Derhältniffen in Deutschland z «rechnen, da nunmehr auch die deutsche Privattndustrie umfangreiche An­leihen und Kredite von dem Auslande her mobilmachen kann. '

Daß der Anleihevertrag unter verhältnismäßig günstigen Bedingungen schon jetzt zustande gekommen ist, ist eine Tat­sache von größter politischer Tragweite, die voraussichtlich sich schon in wenigen Wochen zeigen wird.

Günstige Zeichnungsaussichte« für die Anleihe in London.

Nach Preffemeldungen ist man in Bankkreffen der Mei­nung, daß die deutsche Anleihe, dir im Laufe der nächsten Woche an der Börse aufgelegt mertzy» wird, Mehrfach Üh8kzeich«et werden würde.

Fortführung derparlamentarischenVerhandlungen.

Der Aeltestenrat des Reichstags trat Montag nachmittag um 5 Uhr zusammen, um die Tagesordnung der nächsten Plenarsitzung des Reichstags festzusetzen. Schon jetzt stcht fest, daß am 15. Oktober, wie ursprünglich beab­sichtigt war, der Reichstag sich noch nicht versammeln wird. Die nächste Plenarsitzung fin-et frühestens am 17. d. M. statt, voraussichtlich aber erst in der nächsten Woche. Die Dentfchuatioualeu drängen auf sofortige (Ein­berufung des Reichsparlaments. Die Besprechungen bett Regierungsparteien mit dem Reichskanzler werden am Dienstag vormittag 10 Uhr wieder ausgenommen werden. Zu gleicher Jett tritt auch die Zentrumsfraktion zusammen, während die Fraktion der Demokraten erst aus 12 Uhr ein- berufen worden ist Die Fraktionen der Deuffchen Volks- partei vnd der Rationalsi^ialisten machen ihre nächste Sitzung von dem Ergebnis der Beratungen des Aeltesteurats abhän­gig. Die Deuffchnattonalen und Sozialdemokraten haben bisher noch keine Fraktionssitzung angesetzt.

Der Unter ansschnß des Anfwertungs- ausschusses nimmt feine Arbeiten am 16. Ottober wieder aus. Er hofft, sie am 17. d. M. zu Ende führen zu können, so daß smn dem Plenum sofort Bericht erstattet werden

ReparattonSkommffsivn un^ HftvMt? or - Ä- U be.

Owen Young hat der Reparationskommission mit­geteilt, daß die 800-Millionen-Anleihe von den Bankiers in Grotzbrftannien, den Bereinigten Staaten und Europa späte­stens am 16. Oktober aufgelegt wird, wenn die Reparations- tommiffion die notwendigen Beschlüffe faßt, um für den Zinseudienst der Anleihe eine erste Priorität auf sämtliche Zahlungen zuzugestehen, - laut Eachoerständigenberich: an den Generalagenten f" Reparationszahlungen erfolgen müsse, und wenn sie ferner als Zusatzgarantte für den Zinsen­dienst der Anleihe eine Priorität auf den Ertrag der Monopole einräumt.

Kapitulation Ghanghais»

Affociated Preß" meldet aus Schanghai, daß Me Tschekiangtruppen, die Schanghai gegen di« Kiangsu-Armee verteidigte», kapituliert haben. Wni Wafsonstillstand fei abgeschlossen worden.

Kulturtagung der Deutschen Bolkspartei.

Die Kulturtagung der Deutschen Bolkspartei nahm am Sonntag ihren Fortgang. Landtagsabgeordneter Holl- mann eröffnete den letzten' Dechandlungstag mit Wörter, Besonders den preußischen Finanz-

herzlicher Begrüßung» Besonders den preußrfchen Finanz­minister Dr. von Richter hieß er willkommen, ferner den sächsischen Staatsimnister Dr. Kaiser und den thüringi. schen Mimsterpräsidenten Leuteheusser sowie den preu­ßischen Kultusminister Dr. Boelitz. Der Abgoordnetq j Josef Buch Horn behandelte dann in tiefgründigen Aus-, führungen das Thema: Die Kunst als Ausdruck und Pflege' des deutschen Bolkstums. Ueber:Die Kulturpolitik i«; Sachsen" sprach Staatsminister vr. K a i s e r. Der thüringi. > sche Ministerpräsident Leuteheusser behandelteDig: Verhältnisse in Thüringen. I

Nach einer Pause wurde in die Aussprache unter bemj Vorsitz von Frau Dr. Matz- Stettin eingetreten. Im Schluß- - -wart bekannte sich Kultusminister Dr. Boelitz zum Ge >te von Potsdam und Königsberg. Landtagsabgeordüc:ev Holkmann würdigte das Ergebnis der Tagesordnung Die; ihren AusÄang fand in einem packenden Schlußwort best Reichstagsabgeordneten Dr. Kahl. Wiederaufbauen, f<; führte er aus, ist nicht zu schaffen ohne geistige, sittliche Wie«: bererneuerung. Nationalistische Utopien wären eine Reit* Widrigkeit. Wir denken an die geistige Vormachtstellung Des, deutschen Volkes und an seine Kulftrrmission in der Welt,i Erst wenn diese erreicht ist, dann ist es in seinen geschichtlo g^ Rang wieder eingesetzt. Damit fand die Kulturtagung i^i Ende.

Die englischen Wahlen und die LandVirtsckafL)

Bei den englischen Wahlen wird die Stimmung in Den landwirtschaftlichen Gebieten von ausschlaggebender Be­deutung sein. Beide Parteien, sowohl die konservative wie Die Arbeiterpartei, bemühen sich daher um die Stimmen bei: Landarbeiter. Die Agrarfrage hat in England an öffentlicher«)